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Mer NM Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Dienstag, 11. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 57

Fernsprecher 951 und 952.

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3nfertlon4prelfe: Tis fedjSgefpattene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Psg., für aus wärtig« Inserate 25 Pf, ReNamezetle für einheimische Geschäfte 43 Pf., für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für di- Gesamtauflage werden mtt 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertionSorgan. Geschäfts teilen Kölnische Straß« 5. Berliner Vertretung: SW., syriedrichüratze 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584

ernste Diahnung sein, soll die Stärkung des Nationalgefühls fördern, die uns nötig ist. Die Wissenschaft ist international, die Universitäten aber sollen national sein, und wenn wie­der ein Kamps kommt, dann wird auch di« akademische Jugend wieder auf ihrem Platzt tehen ...!

sicherheit weckt. Die Festlegung der Marine- rüftungen auf das Verhältnis Proportion 10:16 sollte um so mehr Aussicht auf Annahme in beiden Ländern haben, als die Anregung da­zu von dem zur See Mächtigsten (von Eng­land selbst) ausgegangen ist. Churchill selbst war es, der in einer Rede am achtzehnten März des Vorjahrs dieses Zahsenverhältnis für die Zukunft vorschlug, nachdem er das Verhältnis einer Doppelübermacht Englands, das die dor- ® tigen Uebermarinisten forderten, für eine Un­möglichkeit erklärt hatte. Die Ziffer also, die Herr von Tirpitz als akzeptabel befunden hat, ist von England selbst angeboten, wo man in­zwischen wohl eingesehen hat, daß eine jähr­liche Ausgabe von 882 Millionen Mark für Schiffsneubauten selbst die Mittel des reich­sten Volkes der Erde auf die Dauer übersteigen muß.

Deutschland hat seinerzeit obne Zweifel einen Fehler begangen, als es die von England gekommene Anregung eines Abkommens zur Einschränkung ver Seerüstungen kühl zurück­wies, wie dies der damalige Staatssekretär von Schön am vierundzwanzigsten März 1909 in der Budgetkommisston des Reichstags offen zuge- ftand. und so dem englischen Minister Asquith den Schein des Rechts zu der Erklärung gab, ein Eingehen auf Englands Anregung würde nach Angabe der deutschen Regierungnicht die Unterstützung der öffentlichen Meinung in Deutschland baden". In Wabrbeit ersebnte und ersehnt das deutsche Volk nichts so lebhaft, wie gute und friedliche Beziehungen mit England, dem nach den Worten Churchills vom fünfzebn- ten April 1909keine kontinentale Nation im Handel notwendiger ist als Deutschland". Die Bülowsche Politik ging dahin, die deutschen Seerüstmigen als eine ausschließlich innere Angelegenheit Deutschlands iu behandeln, der gegenüber England sein Verbalten nach seinem Belieben einrichten möge. An diesem Stand­punkt (der unter dem fünften Kanzler nickt ver­ändert wurde) scheiterte auch die Mission Hal- danes in Berlin im vergangnen Frühjahr. Die­ser Standpunkt ist aber in unsrer Zeit der in- lemationalen Beziehungen der Völker, in denen die Rüstungsausgaben einer Großmacht von selbst die ihrer Nachbarn beeinflussen, nicht mehr zu halten, und wenn an der Gewinnung der gemeinsamen Rüstungsbasis der neue Staats­

und England acht Geschwader. Wenn von eini­gen englischen Blättern hervorgehoben wird, daß die von den englischen Kolonien gebauten Dreadnoughts bei der Berechnung der Flotten­stärke nicht mitzählen, so darf man sich dadurch nicht stören lassen.

Frankreich gegen die Chauvinisten.

Paris, 10. Februar. (Privat-Tele­gram m.) Dem Alarmruf der französischen Chauvinistcn-Preffe, die wieder einmal den deutsch-französischen Krieg für un­vermeidlich und nahe bevorstehend erklärt, tritt heute der der Regierung nahestehende Temps mit der Versicherung entgegen, daß in den Be­ziehungen der beiden europäischen Staatengrup­pen keine zu Besorgnis Anlaß aebende Ver­änderung eingetreten sei. Wenn Deutschland ge­genwärtig das Höchstmaß seiner mili­tärischen Rüstungen anstrebe, so habe man in Berlin dem Ausland keine Rechenschaft abzugeben. Ein gleiches Maximum seiner Ver- teidigungsmittcl zu erreichen, müsse die Regie­rung der Republik selbstverständlich als LebenS- bedingung ansehen, um gegen alle etwaigen Ueberraschungen gesichert zu sein. Zu irgend welchen Ueberstürzungen der stetig fort­schreitenden militärischen Vorbercitimqen fehle indessen derzeit für Frankreich jeder Anlaß.

Die neue Flotten-Bafis.

Die Erklärung des Staatssekretärs von Tir­pitz, wonach man sich in Deutschland damit ein­verstanden erklären könne, daß der Ausbau der deutschen und der e n g l i f ch e n Flotte nach dem Verhältnis von 10 zn 16 erfolge, das heißt, also, daß auf sechzehn englische zehn deutsche Gefechtseinheiten kommen sollen, ist vielfach dahin gedeutet worden, daß zwischen uns und England bereits bindende Abmachun­gen auf Grund dieser Ziffern vorliegen. Das ist nun freilich noch nicht der Fall, aber es steht außer Zweifel, daß solche Abmachungen in die­ser oder jener Form erfolgen werden, nach­dem auf beiden Seiten der gute Wille, zu einer Begrenzung der Flottenrüsiungen zu kommen, gezeigt werde. Zu beachten ist, daß die Ziffer 10:16 (die Staatssekretär Tirpitz für akzeptabel erklärte) sich lediglich auf den Sollbestand an Linienschiffen bezieht, deren Zahl in Deutschland einundvierzig, in England sechs­undsechzig zu betragen hat; alle übrigen Be­standteile der Flotte, also auch die großen Kreu­zer, die kleinen Kreuzer, Torpedoboote und Un­terseeboote, scheiden als Beiwerk aus der Ver­hältniszahl aus. Die Verhältniszahl bezieht sich aber weiter auch auf die Zahl der Ge­schwader; tatsächlich besitzt Deutschland fünf

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fekretär von Jagow (der in der Budgetkommis, ston zugleich mit Herrn von Tirpitz anwesend war) teilgenommen hat, so konnte er gewiß kaum ein glücklichers Debüt finden, mag auch im übrigen der neue Mann der Wilhelmstraße in seiner ersten Rolle auf der parlamentarischen Bühne die Allzu-Hastigen und Hitzigen durch die kühle Bedächtigkeit seines Auftretens enttäuscht

Ernst August von Cumberland.

Herzog Ernst August, der jüngste Sohn des Herzogs von Cumberland, vollendet im November "dieses Jahres sein sechsundzwan- ziastes Lebensjahr. Er ist ein äußerst liebens­würdiger und in der Stille des bergumhüte- ten Gmunden zu größter Einfachheit erzoge­ner junger Mann. Im Gmundener Schloß führt man überhaupt kein sogenanntes Hof­leben, dort herrscht der spartanische Zug, den die Herzogin von ihrem Vater, dem ver- storbmeu König Christian von Dänemark, ge­erbt. Die Herrlichkeit des ehemaligen König­reichs Hannover wurde in der Villa Hannover aufrecht erhalten, so lange die Königin Marie noch lebte. Die Damen des Hauses Cumber­land pflegten jeden Vormittag ohne Hut zn der Großmutter hinüber-,ugehen, ohne jedes Zeremoniell, ganz bürgerlich. Der Prinz hat sich, seit er bei den schweren Reitern Dienst tut, gmy is das Leben des deutschen Offiziers

Mexiko, 10. Februar.

Tie Revolution hat den Präsidenten Madero gestürzt. Während gestern Oberst Tiaz mit seinen Anhängern auf den Nationalpalast mar­schierte, verhandelte eine anders Gruppe mit dem Präsidenten Madero, um ihn zu bewegen, freiwillig abzudanken. Der Präsident weigerte sich jedoch, diesem Verlangen nach­zukommen. Man brachte ihn daraus nach ei­nem unbekannten Orte, wo er gefangen ge­halten wird. Tie Staatswürdenträger, die ein ähnliches Schicksal betürchteten, luchten ihr Heil in eiliger Flucht. Urber die Stadt wur­de vom Obersten Diaz der Kriegszustand verhängt. Bei den blutigen Straßeickämvfen in der Hauptstadt wurden über dreihun­dert Mensckem getötet und etwa tau­send verwundet.

Die Opfer der Revolution.

Rack weiteren Telegrammen aus Mexiko be­finden sich Madero und die Kabinettsmitglieder in 6ent Nation« lvalait um den sich

Unsere Bestem und wir.

Dor der deutsch-englischen Verständigung?

Es geschehen also doch noch Wunder, und wenn man schon nicht die etwas lärmhast-tur­bulente Methode des Straßburger Karneval- Champions Wolter als wunderwirkend gelten lassen will, darf man doch billigerweise der Erklärung des Staatssekretärs von Tirpitz in der Budgetkommiffion des Reichstags (über die Möglichkeit deutsch-englischerFlot- ten-Verständigung auf der Basis 10:16) den Wert der Wunderwirkung nicht ver­sagen. Der Großadmiral im Reichs-Marine­amt hat mit seinen klug gewählten und sorg­fältig auf Echo und Effekt berechneten Worten jenseits des Kanals lauten Beifall geweckt und das norwegische Storthing, das seit Monden über dem Problem brütet, wie dem diesjähri­gen Nobel-Friedenspreis der Würdigste unter den Aposteln des Völkerfriedens gefunden wer­den könne, dürste nun aller Verlegenheit ent­hoben sein: Die ernsthastesten Anwärter auf den - Mühepreis rechtschaffner Friedensarbeit sind zweifellos die Marineminister Englands und Deutschlands, Winston Churchill und Groß­admiral von Tirpitz. Wenn nämlich für die Marinerüstungen Deutschlands und Englands von nun an ein bestimmt festgelegtes, ein­schränkendes Verhältnis als bindende Abma­chung ins Leben treten und gesetzlich gewähr­leistet werden sollte (und nach den Erklärun­gen des Herrn von Tirpitz scheint eine solche Aussicht nicht mehr zu den Unausführlichkei­ten von einst zu gehören), dann werden die aus­richtigen Freunde der Aufrechterhaltung des Völkerfriedens in einer solchen staatsrechtlichen Abmachung eine festere Basis für die gute Sache erblicken dürfen, als in allen anderen tbeoretischen Ankündigungen und Kundgebun­gen, die bisher von staatsmännischer und pri­vater Seite in Europa vorgebracht worden sind.

-< Niemand kann darüber im Zweistl fein, daß der Mangel an Freundlichkeit und gutem Wil­len zwischen uns und den blonden Vettern überm Kanal, der allen diplomatischen Schön- färbereiversuchen zum Trotz bisher als dro­hendes Gespenst die Stimmung der großen Völker und Wirtschaftsgemeinschaften in Mit­teleuropa verdüsterte und der seinen praktischen Ausdruck in einem immer eifrigeren, immer kostspieligeren Wettrüsten fand, zu einem un­erträglichen gegenseitigen Bedrohen geworden ist und fortdauernd Unruhe und Un-

ehr blutige Kämpfe abspielten. Unter den Verwundeten befindet sich auch der K r i e g s m i n i st e r Gregorio Ruez. Zwei Hauptleute und drei Leutnants sind im Coast- goard-Palast verwundet worden. Nach einem anderen Telegramm sollen sie von ihren eigenen Leuten getötet worden sein, weil sie versuchten, diese von einer Vreeinigung mit den Rebellen abzuhalten. Diaz hat erst nach heftigem Wi­derstand das Arsenal einnehmen können. Auch aus anderen Städten des Landes werden revo­lutionäre Aufstände gemeldet.

Verlobung im Mserham?

Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Ernst August von Cumberland; unerwartete Reise des Kaiserpaares »ach Karlsruhe. Hohenzollern und Cumberland versöhnt.

Wir berichteten bereits dieser Tage über die in Berliner Hofkreisen verbreiteten Ge­rüchte, die von einer nahe bevorstehenden Aus- Ahnung zwischen den Fürstenhäusern Ho­henzollern und Cumberland wissen ivollten und im Zusammenhang damit eine Verlobung der einzigen Tochter des Kai- 'erpaares, der Prinzessin Viktoria Luise, mit dem Sohn des Herzogs von Cumberland, dem Prinzen 6 in ft August von Braun- chweig-Lüneburg, als wahrscheinlich bezeich­neten. Diese Gerüchte scheinen in Wirklichkeit den Tatsachen nahe zu kommen, wie aus nach- tehender Meldung hervorgeht:

Versöhnung und Verlobung.

(Privat-Telearamm.)

Berlin, 10. Februar.

Gestern abend um halb neun Uhr ist daS Kaiserpaar mit der Prinzessin Vikto­ria Luise und dem Prinzen Oskar uner- wartet nach Karlsruhe abgereist. Obwohl offiziell über den Zweck der Reise Mitteilungen nicht gemacht werden, ist es in Hoflrejsen doch offenes Geheimnis, daß die Reise des Kaiser- paarcs mit der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, dem Sohn des Herzogs von Cumberland, im engsten Zusammenhang steht. Die Veröffentli­chung der Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August steht (wie in unterrichteten Kreisen mit aller Bestimmt­heit verlautet) schon für die allernächste Zeit bevor. Der Prinz, der bekanntlich bei dem Schweren Reiterregiment in München als Leut- nant steht, unterhält bereits feit längerer Zeit perfönlicheBeziehungenzuder Toch­ter des Kaiferpaares und ist auch wiederholt in Berlin gewesen. Die amtliche Verkündigung der Verlobung steht für die nächste Zeit bevor. Die unerwartete Abreise der kaiserlichen Fa­milie nach Karlsruhe steht in engster Verbin­dung mit der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise und es heißt sogar, daß gleichfalls noch eine zweite Verlobung, nämlich die des Prinzen Oskar von Preußen mit der Prinzeffin Olga zu Braunschweig-Lüneburg, erfolgen werde und daß dieserhalb der Prinz das Kaiserpaar und seine Schwester nach Karlsruhe begleite. Es steht zu erwarten, daß beide Verlobungen gleich­zeitig erfolgen und gleichzeitig auch bekanntge­geben werden.

Haus ZLHringen als Versöhner?

Karlsruhe i. B., 10. Februar. (Privat- Telegramm.) Prinz Ernst August von Cumberland ist heute vormittag in Karlsruhe cinoetroffen. Das Kaiserpaar, das ebenfalls heute früh eintraf, ist im Großherzoglicken Residenzschloß als Gast der Großherzogin-Wit­we abgestiegen. Die offiziellen Stellen in Karlsruhe bewahren über die Reise streng­stes Stillschweigen. Durch die Anwe­senheit des Kaisers erhalten die Gerüchte aber förmliche Bestätigung, denen zufolge eine Aus­söhnung der Häuser Hohenzollern und Cumber­land durch die Großherzogin-Mutter von Baden und den Prinzen M a x, der mit der Prinzessin Maria Luise von Cumberland verheiratet ist, in VorbereiMng sei und unmit­telbar bevorstehe.

Neue Revolution in Mexiko!

Präsident Madero gefangen genommen.

Die Revolution in Mexiko, die seit dem Amtsantritt des Präsidenten Madero nicht zur Ruhe gekommen, hat jetzt einen ent­scheidenden Schlag geführt, den Präsidenten Madero gefangen genommen und den Natio- nalpalast militärisch besetzt. Am Sonnabend und gestern sanden in der Hauptstadt blutige Straßenkämpfe statt, bei denen zahlreiche Personen getötet wurden. Wir erhalten folgende Drahtberichte:

Die Kämpfe in der Hauptstadt.

(Privat-Telegram rn.)

6ine neue Kaiser-Bebe.

Der Kaiser an die deutschen Studenten. (Telegraphischer Bericht unseres Mitarbeiters.)

Berlin, 10. Februar.

Die Berliner Universität feierte gestern in ihrer neuen Aula die Erinnerung an die Er­hebung der deutschen Nation im Jahre 1813. Schon vor Beginn der Feier sah man in dem eierlichen Raume Würdenträger aller Art. Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg, der Präsident des Abgeordnetenhauses Graf Schwe­rin-Löwitz, Graf Wedel-Piesdorf, der Präsident des Herrenhauses, und der Kriegsminister von Heringen waren unter der Menge zu sehen. Pünktlich um zwölf Uhr betraten der K a i f e r und die Kaiserin den Raum. In der Um­gebung des Kaisers bemerkte man auch den Kul­tusminister von Trott zu Solz und den Staats­sekretär von Svdow. Nach dem feierlichen Akt bestieg der Kaiser das Katheder und hielt eine

Ansprache an die Studenten.

Wir Deutsche fürchten Gott ...!

In seiner Ansprache an die Studenten führte der Kaiser unter anderm aus: Ich habe in der alten Preußenstadt Königsberg die Ostpreußen darauf hingewiesen, daß der Kern der großen, erhebenden Zeit darin zu suchen gewesen sei, daß das preußische Volk seine sittliche Le­bensanschauung, begründet auf der Re­ligion, wiedergcfunden hat, begründet auf der Religion, die, wie wir wissen, das Verhält­nis des Menschen zu Gott bedeutet, mit ande­ren Worten, den Glauben an seinen Gott wiedergefunden hat. Auch das heutige Geschlecht bedarf eines Hinweises, wie eS zu dem alten Glauben seiner Väter kommen kann. Der heutige Tag, der Tag von Königsberg und alle die Feste, die wir im Laufe des Jahres noch feiern werden in Erinnerung an die große Zeit der Erhebung des Vaterlandes, gibt uns dazu die Möglichkeit. Denken wir doch daran, daß kurz nach dem Hintritt des großen Königs das Preußenvolk diefen Glauben verloren hatte. Ausländisches Wesen griff um sich, und als die große Belastungsprobe des Jahres 1806 kam, brachen die Stützen, und ein Zusam­menbruch fand statt, wie ihn dje Welt kaum je gesehen hatte, und der die Herzen verzagen ließ. War das Menschentat? Das war Gottes­gericht! Und ebenso hinterher! Eine

Wendung in der Weltgeschichte!

ES ist schon ein wunderbares Ding um die Wiedergeburt eines Menschen, aber die Wie­dergeburt einer ganzen Nation, das ist so ge­waltig, daß es wert ist, im Herzen behalten und nicht vergessen zu werden. Das war auch nicht der Mensche» Tat, sondern das war G o 11 e s T a t. So erhob sich, im Glauben an Gott, ein unterdrücktes, zerstückeltes Volk (ein Wunder, wie es noch nicht dagewesen) und warf alles vor sich her. Das war auch nicht Tat der Menschen, das war Gottes Tat! Wenn wir nur an das Greifbare denken, uns nur an das Greifbare halten, um glauben zu können, so haben wir in den Tatsachen der Vergangenheit, in den Geschichtstatsachen, die sichtbaren Beweise für das Walten Gottes. Wir haben die sichtbaren Beweise, daß er mit uns war und mit uns ist. And aus die­sen Lehren der Vergangenheit, aus den greif­baren. sichtbare» Tatsachen der Vergangen­heit, kann sich auch die gesamte deutsche Iu gend den im Feuer bewährten Schild des Glaubens schmieden, der nie in der Waf­fenrüstung eines Tcntfchen und Preußen fehlen darf. And mit folchen Waffen wollen wir, unbekümmert um rechts und links, unfercu ge­raden Weg gehen, Augen empor, Herzen em­por, im Vertrauen zu Gott! Tann können wir alle des gewaltigen ersten Kanzlers Wort wiederholen:Wir Deutschen fürchten Gott, und sonst nichts in der Welt!"

Keine Kosmopoliten, keine Chauvinisten!

Geheimrat S ch ä f e r, der bei der gestrigen Feier die Festrede hielt, wies darauf hin, daß Preußen ohne feine Dynastie un­möglich sei und führte dann weiter aus: Immer weiter ist die Entwicklung in den letzten Jabren gegangen, aber k e i n e L a st darf uns zu schwer fein, die nufere R ü st nng uns auf- : erlegt. Wir dürfen keine K osmovoliten : aber auch keine Chauvinisten fein. Die > Erinneruna das Qahr 1813 soll uns eint