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Hesstsche Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang

Sonnabend, 8. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nunrmer 55

Fernsprecher 951 und 952.

zeigt das rapide Anwachsen

unserer Abonnentenzahl:

Im Februar 1913 über 30000 Abonnenten!

Casseler Neuesten Nachrichten erzielten also in zwei Jahren

Die

rund 20000 Leser mehr!

Der Kriegsminister dementiert.

neu Ruhmes nennen darf...!

F. H.

vertauschte Führte ihn von isifolfl zu Erfolg,

gifches Moment bei fast allen Katastrophen dieser Art erkennbar wird: Droht der Zusam­menbruch. schlagen des Schicksals Wellen über dem Haupt des vom Glück Verstoßnen zusam­men, dann greift die Hand nach dem Stroh­halm letzter Rettung und die Grenzlinie zwi-

Beratung deS Marine-Etats Staatssekretär von TirPitz auf den rein defensiven Charakter des deutschen Flottengefetzes hin. Der Staatssekretär betonte ferner, daß die vorjäh­rige Marinevorlage keinerlei Vergrößerung der Flotte, sondern eine schnellere Bereitschaft ge­bracht habe. Ein verständiges Abkommen mit England über die Stärke der beider­seitigen Kriegsflotten würde durchaus zu be­grüßen sei«.

Beglaubigung noch nicht ab- Januar die Abonnentenziffer

gers vergrößert, ohne daß es in der Macht des Angeklagten lag, das schon im Werden begris-

fchen Gut und Böse, früher schon dem Auge oft entrückt, schwindet gänzlich aus dem Blick­bereich. Die harte Strafe fünfjährigen Ehrver­lusts besiegelt Eugen Wiencziers Verhängnis: Sie ist das Brandmal der Entehrung, und dieser düstre Abschluß des .Romans eines Fliegers^ endet nun eine Affäre, die man (mit ehrlichem Bedauern) die Tragödie leichterworb.

Lirpitz über unsere Flotte.

Für eine Verständigung mit England!

Berlin, 7. Februar. (Privat - Tele. g r a m m.) I« der gestrigen Sitzung der Bud- getkommiSio« des Reichstages wies bei der

Die vorstehend einwandfrei festgestellte Ziffer wird von keiner anderen Tageszeitung der Residenz auch nur annähernd erreicht! Aber die Casseler Neuesten Nachrichten haben nicht nur die weitaus höchste Gesamt-Abon- nentenziffer, sondern auch und das ist für die inserierende Geschäftswelt

gesagt, daß das Januar-Inkasso am Tage der geschlossen war. Jedenfalls wies auch im eine weitere Steigerung auf.

Die nachfolgende Zusammenstellung

Diese Ziffer spricht für sich selbst. Sie ist ein schlagender Beweis für die Beliebtheit unseres Blattes in allen Schichten der Bevölkerung. Hand in Hand mit dieser enormen Steigerung der Abonnentenzahl gehen naturgemäß auch die Chancen für den Erfolg der Inserate. Jedenfalls wird kein Geschäftsinhaber, der bestrebt ist vorwärts zu kommen, die Casseler Neuesten Nachrichten als Mittel für eine durchgreifende Reklame ent­behren können.

Interessenten steht das Original-Schriftstück der durch den vereidig­ten Bücherrevisor vorgenommenen Beglaubigung unserer Abonnentenziffer zur Verfügung.

neue Ziele zu erstreben, ward eher Besitzer von Automobilen und Luxus-Karosserien, als der glücklichste Börsen-Spekulant. Indessen: Das Glück trügt; es verführt zur Ueberspannung der Gesichtsweite in der Schätzung von Wirklich­keit und Zukunft-Möglichkeiten, und es hat auch

JnserttonSpreise: Die sechSgefpatten« geil« fftr einheimische @efct)4fte 15 Vfg.. für auä wäriige Inserate 25 Pt, Reklame,eil« für einheimische Seschiifr» to Pf, für anSwürttge Geschäfte 60 Ps. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro laufens be­rechnet. Wegen ihrer Sichten Berbreitung in Ser Residenz und Ser Umgebung ftnS sie Kasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorgan. lSeschLftSslelli: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676

Die Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend». Der AdonnementSpretS betrügt monatlich W Pfg. bet freier Zustellung ins Hau». Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi» 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft - Stell«: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrfchstr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

von großer Bedeutung die weitaus größte Stadt-Abonnentenziffer. Die Casseler Neuesten Nacrichten dürfen daher als ein für alle Branchen uner- läßlidies Insertions-Organ angesehen werden, an dessen überragender Be­deutung für das Geschäftsleben unserer Stadt nicht gezweifelt werden kann. Zur Erklärung der Beglaubigung unserer Abonnentenziffer im Dezember sei

vniuu ufic, yuiiui vvu ju i।vty,-o»---'----- ---

vom Rad zum Aeroplan, und der junge Mann, i jene Verhängnis noch bannen zu können. Es der der Technik entronnen, um in fernen Höben 1 bat sich auch hier gezeigt, was als vihcholo

3a llem - Habsburg -Stettin. Oesterreichs Thronfolger inkognito in Dres. de«; Konferenz zwischen König «. Erzherzog; König Friedrich August «. Kaiser Wilhelm; eine Politische Mission Franz Ferdinands?

Die sächsische Residenz ist in diesen Tagen Zeuge eines interessanten diplomatischen Schauspiels gewesen. Oder vielmehr: Sie ist es nicht gewesen. Denn Prinz Karneval nahm gerade ihre Sinne für seine Angelegen­heiten gefangen, sodaß ihre Aufmerksamkeit die Anwesenheit und die Tätigkeit jenes intereffan- ten Gastes entging, der am Montag im Dres­dener Hotel Bellevue eintraf. Der Gast vom Montag war kein geringerer als Oester­reichs Thronfolger, Erzherzog Frarzz Ferdinand, von dem man nicht zu viel sagt, wenn man behauptet, daß auf der Spitze seines Degens im vergangenen November das Schicksal Europas stand.

Dresdner Geheim-Konferenzen.

(Information unseres W, H.-Mitarbeiters.)

Dresden, 7. Februar.

DaS Rätsel deS Inkognito-Besuchs des österreichischen Thronfolgers in Dresden ist noch ungelöst. Gerade am Montag war mit dem Wiederausbruch des Krieges am Balkan zu rechnen, und gerade eine politisch so wichtige Zeit benutzt Franz Ferdinand zu einem Ausflug an die Elbe? Man hat recht, wenn man den Schluß zieht, daß dieser Aus­flug eben darum auch ein politischer war. Nun sind allerdings die Häuser Habsburg und Wettin durch enge verwandtschaftlich« Bezie­hungen verknüpft. Aber daß der Besuch Franz Ferdinands mit verwandtschaftlichen Angele- genheiten nichts zu tun hatte, ist daraus zu entnehmen, daß er nicht selbst bei seinen Der- wandten im Schloß oder in einem der Prin­zenpalais, sondern in einem Hotel abstieg. Tat- sächlich find die engen verwandtschaftlichen Be- ziehungen zwischen Dresden und Wien zur Zeit auch ein wenig getrübt, und man entsinnt sich vielleicht noch, daß König Friedrich August im vergangenen Frühjahr eines Tages plötzlich nach Wien reiste, um dort beim Kaiser Franz Joseph sich persönlich darüber zu orien­tieren, wieweit die Gerüchte Wahrheit hätten, daß diemorganatischen" Kinder Franz Fer­dinands den Kindern seiner Schwester, der aus Sachsen stammenden Erzherzogin Josepha

bei der Thronfolge vorgezogen werden sollten, während bisher immer der Reffe des Königs von Sachsen, als der künftige österreichische Thronfolger galt. Rein: Dem Be­such Franz Ferdinands in Dresden lagen p o - l i t i s ch e Motive zu Grunde. Wie ich von zu­verlässiger Seite erfahre, handelte es sich um wichtige Besprechungen, die Franz Fer­dinand eigentlich in Berlin hatte vornehme« wollen, die aber nach Dresden verlegt wur­den, um weniger Aussehen zu erregen. Ihnen ging vorher eine Besprechung Königs Fried­richs August mit dem Kaiser: Der König von Sachsen weilte bekanntlich am Montag in Berlin, fuhr nachmittags nach Dresden zurück und konnte so noch am Abend den inzwischen dort eingetrofsenen Franz Ferdinand wich­tige Meldungen des Kaisers über­bringen. Franz Ferdinand blieb bis zum Mitt­woch in Dresden und es ist sicher, daß er im Laus des Dienstags im Hotel Bellevue auch mit einigen Herren des deutschen Gene­ralstabes konferiert hat, die in Zivil bei ihm vorfprachen. Man hat Grund, diesen Din­gen einige Aufmerksamkeit zuzuwenden und je eifriger die politische Mission Franz Ferdi­nands in Dresden dementiert werden sollte, umso gewisser wird man sein dürfen, daß hier etwas vor sich ging, was der allgemeinen Auf- merkfamkeit geflissentlich verhüllt wurde, oder... verhüllt werden sollte!

ffiientiiets Glück und finde.

Zweieinhalb Jahr Gefängnis u. Ehrverlust!

| Die Leipziger Schwur-Richter der Gerechtig­keit haben den Flieger Eugen Wienc-

i i e r 3 schuldig gesprochen. Schuldig des Mein­eids und des betrügerischen Bankerotts, und

? aus dem Angeklagten, der fast eine Woche hin­durch sich vorm Tribunal gemüht, Ehre und Namen vom Makel des Verbrechens zu befreien, ist nun ein Verurteilter geworden, der, wenn nach sechsundzwanzig Monden Kerkerbuße (vier Monate der Untersuchungshaft wurden auf das

- Strafmaß angerechnet) sich ihm des Strafhauses Pforten zum Wiedereintritt ins bürgerliche Le­ben öffnen, noch fünf Jahre hindurch als Ent­ehrter um den Wiederaufstieg zum Achtungs­wert der Gesellschaft ringen muß. Es ist in dem Prozeß gegen den Mann, der in den Tagen, La er als stolzer Eroberer der Lüfte im Aero­plan die Zinnen des Straßburger Münsters umkreiste, zur Größe des Helden emporzuwach­sen schien, mancherlei zur Sprache gekommen, das uns wie ein düstres Schaftenbild aus einem vielbewegten Abenteurer-Leben anmutet: Das Liebeswerben deS ruhmumkränzten Pilo­ten um die Neigung einer romanttsch aestimm- ten, für Heldentum und Tatmut schwärmenden

Mädchenseele, deren Zukunft ein millionen­reicher, energisch handelnder Vater überwachte; der Aufstieg des Piloten aus der Versenkung bürgerlicher Alltäglichkeit zu den Gipfelhöhen des Erfolgs, ermöglicht und verwirklicht durch die Unterstützung einer vertrauensseligen, nah am Greisenalter stehenden Frau, die der jähe Sturz des mit Gold und Neigung Ueberhäuf- itn als zweites Opfer der Katastrophe mit in des Unglücks Strudel riß; die Milieu-Impres­sionen, die man aus der forensischen Behand- tatg dieses tragischen Flieger-RomanS ge- . tvann: Das alles sind Momente, die vor dem e. Rechtsempfinden des sittlichen Gewissens den einstigen Helden von Straßburg fast noch schwerer belasten, als seine Sünde wider Ge­setz und Recht, und wenn es für den Mann, der L. leicht und rasch um Lorbeer werben durfte, eine Entschuldung gibt, dann kann auch diese Milderung des Frevels nur in den Eigen- s arten des Milieus zu suchen sein, das ihn zur Höhe des Erfolgs emporttug.

Es war nicht das erste Mal, daß im Tem- Pel der Gerechtigkeit der Vorhang vor der bun­ten Romantik des modernen Sport-Heldentums emporrauscht« Wir haben den nerven-erregen- den Prozeß gegen den Rennfahrer Breuer L erlebt, dessen einzelne Phasen Material für eine ZT ganze Serie vonRomanen aus des Lebens Tiefen* boten und dessen Feststellungen uns einen Abgrund enthüllten, wie ihn tiefer und ? dunkler die Phantasie eines Zola nicht erträumen konnte. Das helle Licht der Wirklichkeit zeigte uns die beifallumrauschtenHeroen des ^ Asphalts", dieKönige des Sports* und die s .Sterne des Tagesruhms* als Menschen in St. einem sehr dürftigen Gewände, bestrahlte die tiefsten Niederungen menschlicher Leidenschaften und ließ den Ruhmesflitter, der die Namen der gp Gefeierten umrankt, vorm Auge nüchterner | Wirklichkeit in Nichts zerrinnnen. Manches von HE Dem, das damals im Prozeß Breuer in der trocknen Darstellung juristischer Sachlichkeit uns wie Legende klang, uns aber in seiner düstern Färbung unwillkürlich erschauern ließ, ist in ähnlichen flüchtigen Reflexen auch im Meineid- und Betrugsprozeß gegen den Meister bei Flugzeugs sichtbar geworden, und man möchte es die Tragödie des Sportruhms nennen, daß sein Wesen untrennbar verknüpft und ver­woben scheint mit dem Geist jener Sphären, in denen menschliche Leidenschaft hemmungslos und gewalttätig in der Lebensform der Wirk­lichkeit zur Vormacht drängt. Es ist in dem vor den Volksrichtern von Leipzig verhandelten Sechstage-Prozeß einwandfrei erwiesen wor­den, daß der ost bejubelte, oft als Sieger und Held gefeierte Flieger sich in seiner bürgerlichen Lebensführung weit außerhalb der Grenzen be­wegte, die Pflicht und Gewissen ihm zogen, und es darf irrende Sentimentalität uns bei der Prägung des Urteils menschlicher Teilnahme am Schicksal des Fliegers nicht bestimmen, die Größe der Schuld unterm Gesichtswinkel der Milieu-Wertung zu mindern: Mag der Weg von der Höhe des Ruhms zur engen Eisen­pforte des Kerkers auch noch so abgrundtief, noch so verhängnisvoll fein.

Eugen Wiencziers hat das Glück gelächelt, als er mit der Axt in der Hand auf dem Zim­merplatz stand; es lächelte ihm auch, als er als Techniker mit hundertfünfundzwanzig Mark Monatsgehalt sich schlecht und recht durchs Le­ben schlug, und es lockte ihn noch, als er die Konstruktionswerkstatt mit dem Motor-Rad

Von uns feindlich gesinnter Seite ist die Abonnentenziffer der Casseler Neuesten Nachrichten schon des Oefteren angezweifelt worden. Aber auch in den Kreisen des Publikums und der inserierenden Geschäfts­welt hat man sich hier und da Betrachtungen darüber hingegeben, wie es möglich gewesen sei, daß die Casseler Neuesten Nachrichten innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren die Abonnentenziffern aller anderen Casseler Tageszeitungen so erheblich überflügeln konnten, wie es der Fall gewesen ist. Um allen unseren, sich auf streng reeller Basis bewegenden, Angaben über unsere Abonnentenziffer eine Bestätigung zu geben und um allen feindlichen Ausstreuungen den Boden zu entziehen ließen wir durch den von der Handelskammer zu Cassel öffentlich angestellten und ver­eidigten Bücherrevisor (Herrn Albrecht Schmincke) am gestrigen Tage auf Grund unserer Geschäftsbücher die Abonnentenzahl unseres Blattes fest­stellen. Herr Schmincke bestätigt die Abonnentenziffer der Casseler Neuesten Nachrichten wie folgt:

3=1 E E B 0

S 3T

Ein Privat - Telegramm meldet uns aus B erlin : Das Kriegsministe. ttum ermächtigt das Hirsch'sche Telegraphen, büro zu der Erklärung, daß die von einigen Blättern verbreitete Meldimg, wonach dem Bundesrat am Mittwoch die neue Heeres- Vorlage zugegangen sei, deren Gesamtkosten eine abermalige Erhöhung erfahren haben sollen, absolut unzutreffend und

Auf Ersuchen des Verlages der Casseler Neuesten Nachrichten habe ich heute, den 6. Februar 1913 aus den Geschäftsbüchern die am 31. Dezember 1912 vorhanden gewesene Anzahl der zahlenden Abonnenten festgestelit.

Die Abonnentenzahl hat auf Grund dieser Feststellung betragen: 30650 in Worten: dreißigtausendsechshundert­fünfzig.

Cassel, den 5. Februar 1913.

Albretiit Schmincke

Von der Handelskammer zu Cassel öffentlich angestellter und vereidigter Bücherrevisor.

Im Februar 1911 über 11000 Abonnenten!

Im Februar 1912 über 20000 Abonnenten!

Eugen Wiencziers verleitet, die enge Bahn des rechtschaffen und im Schweiß des Angesichts um Erfolg und Anerkennung Ringenden zu verlas­sen, um auf dem Saumpfad abenteuernden Zu­falls schneller ans Ziel zu gelangen. Auf die­sem Weg, den Tausende vor ihm beschritten, ist er gestrauchelt, und sein Fall ward umso tiefer, je höher ihn der Glücksrausch emporgetragen. Das Gericht, das ihm sein Urteil sprach, bat dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt, west eS erkannte, daß eine Verket­tung rmglücklicker Zufälle die Schuld des Flie-

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