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Hesfische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Freitag, 7. Februar 1913

Nummer 54

Fernsprecher 951 und 952.

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regten, frechen Uebermut zu --rster Einkehr zu mahnen. Manches hat sich gehandelt; nur eins ist geblieben: Der Neid und d^r Haß wider Deutschlands stolz zur Höhe strebende Kraft, und wenn wir die Geschichte der letzten fünf­undzwanzig Jahre rückschauend überblicken, sehen wir. wie unermüdlich Mächte am Werke waren (und sind), uns in die gleiche Fessel zu zwingen, die vor einem Vierteljahrhundert Bis­marcks Reckenarm zerriß. Caprivi. Hohenlohe. Bülow und Bethmann Hollweg: Vier Männer, beseelt vom Willen zu nützlicher Tat, bemüht, des Reiches Wohl zu sichern und zu fördern, aber keiner von ihnen allen fand je das Wort, das die Nation zu stolzer Zuversicht rief: Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst

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allerdings noch aus. *

Die Bulgaren vor Tschataldscha

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vollständig ausgeschlossen sei. In­folgedessen wurden ganze Straßenzüge i n d i e Luft gesprengt. Verluste an Menschen­leben werden vorläufig nicht gemeldet. Der Schaden wird auf viele Millionen geschätzt. Es ist auch als sicher anzunehmen, daß zahl­reiche Menschenleben zu beklagen sein werden, trotzdem amtlich darüber nichts gemel­det wird.

Auf historischem Boden, im Festsaal des Kö­nigsberger Preußen-Schlosses, hat an dem Tag. der uns die Erinnerung an den fünften Fe­bruar 1888 ins Bewußtsein rief, der Deutsche Kaiser zum Volk gesprochen; mahnend, hof­fend, vertrauend? Auf der Erde, die vor hun­dert Jahren deutsche Männerkraft zum Helden­werke schreiten fah, steht, in Stein und Erz, des Patrioten D o r k Erinnerungsbild, von : dessen eherner Zinne am Kaisertag die Hülle fiel, und von Königsberg aus trägt Be- geisterung und Enkel-Dankbarkeit wie die Woge nationaler Krasteinheit die stolze Erinnerung an die Zeit vor hundert Jahren durchs deutsche Land. Otto von Bismarck ruht unter den rau­schenden Eichen des Sachsenwalds aus von der Giganten-Leistung eines ruhmumkränzten Le­bens, das Parlament des Reichs hat sein still­bescheidnes Heim am Dönhoffplatz mit dem goldgekuppelten Granitpalast am Berliner Kö­nigsplatz vertauscht, und an dem Tag, der die Vietteljahrhundert-Erinnerung an des Reichs­tags größte Stunde brachte, plauderte im Rede­haus geschäftige Parteipolitik über die Nüancen des sozialen Problems. Wir sehen, wie weit uns die Zeit vom Leben, Fühlen und Empfin­den jener Tage getrennt, in denen ein Wort aus Kanzlermund genügte, um in Millionen deut­schen Herzen lohende Begeisterung zu wecken und überall, wo Groll und Neid sich wider uns

weitere Rede, in der er sagte: Der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, dieses persönlichen und größten Opfers des deutschen Volkes, hat es das Vaterland in erster Linie zu verdanken, wenn es sich heute feines Wohl­standes und seiner Machtstellung im Frieden erfreuen darf. So soll es, wenn Gott will, auch in Zukunft bleiben und wenn sich jetzt eine Verstärkung unseres Fundaments im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht als not­wendig erweist, zweifle ich nicht, daß das deutsche Volk zur Abgabe weiterer persönlicher Opfer freudig bereit sein wird.

war und daher der Prinz und sein Gefolge keine Verletzungen davongetragen hatten. Gleich nach dem Zusammenstoß hatten der Prinz und sein Gefolge den Wagen verlassen. Das Bahnperso­nal ersuchte den Prinzen, sich zu dem in der Station stehenden Schnellzug 604 zu begeben, und mit diesem die Reise sottzusetzen. Nach einem Aufenthalt von drei bis vier Stunden fuhr der Prinz in einem Schlafwagen des Schnellzuges 604 weiter.

Noch ein Eisenbahn-Anfall.

Depeschen aus Prag zufolge stieß gestern abend auf der böhmischen Station March «in Güterzug bei der Ausfahtt mit einem Perfo- nenzug zusammen. Drei Waggons des Per­sonenzugs stürzten um, wobei zwölf Passagiere leicht verletzt wurden. Der Verkehr wurde nach einer Stunde wieder ausgenommen. Nach bahnamtticher Feststellung ist der Unfall au falsche Weichenstellung zurückzuführen.

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Bdttanovel bombardiert!

Die letzte» Kämpfe am Balkan.

Nach einem Telegramm aus Sofia dauerte auch am Mittwoch die Beschießung Adrianopels an. Vor Tschtaldscha war es dagegen ruhig. Der türkische Großwesir Mahmut Schefket reiste nach Tschataldscha ab. Das Großvesirat wird während seiner Abwe­senheit von dem Präsidenten des Staatsrats, Said Pascha, geleitet. Eine Entscheidung rn dem Kamps zwischen Bulgaren und Türken wird in militärischen Kreisen in den nächsten Tagen erwartet. Ueber die letzten Kämpfe lie­gen uns folgende Draht Nachrichten vor:

Konstantinopel, 6. Februar-

Amtlich wird gemeldet: Der Kommandant von Adrianopel sandte gestern abend ein halb acht Uhr folgendes Telegramm: Die Feinde bombardieren die Stadt. Acht­unddreißig Granaten und elf Schrapnells stnd in die Stadt gefallen. Acht Einwohner wur­den getötet und zehn verletzt. Dreiund- fünfzig Häuser stnd in Brand geraten. Das Bombardement dauert an, ohne aber bisher entscheidende Wirkung gehabt zu haben.

Konstantinopel, 6. Februar.

Gerüchtweise verlautet hier, daß gestern nachmittag nach längerer Beschießung die Stlwt Skutari von den Montenegriner« und Serben eingenommen wurde. Der Kommandant Riza Bey soll ermordet worden sein. Das Gerücht tritt mit großer Bestimmtheit auf, es wird jedoch in unter­richteten Kreisen behauptet, daß Einzelheiten fehlen und daß deshalb das Gerücht mit Vorbehalt aufzunehmen fei.

Sofia, 6. Februar.

Ueber die letzten Kämpfe auf der Halbin- sel Galipoli wird jetzt bekannt, daß die bulgarischen Truppen einen gewaltig en Vorstoß ausfühtten, und hierbei tatkräf­tig von der griechischen Flotte unterstützt wur- den. Trotz allen Anstrengungen konnten sie jedoch keinen Boden gewinnen, da die Tür-

I fen energisch Widerstand leisteten.

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ist sehr kriegsbegeistert.

Eine weitere Siegesnachricht melden t ü t« kische Depeschen vom Marmara-Meer. Nach diesen Meldungen hat das türkische Kanonen­bootZohas" die bulgarischen Stellungen bei Mvriofito am Marmarameer bombar­diert. Es sollen über dreihundert Bulqarengetötet worden sein. Eine Be- stätiaung dieser Nachricht, die gestern abend> im türkischen Kriegsministcrium eintraf, steht

An Riesenbrand in Zudien.

Eine ganze Stadt in Flammen.

London, 6. Februar. (Privat - Te­legramm.) Die indische Stadt Tata- S i ng steht in Hellen Flammen. Das Feuer brach bereits vor drei Tagen aus und ganze Stratzenzügc wurden eingcäscherl. Die Feuerwehr leistete Uebermenschliches. Sie mutz­te aber gleichfalls einsehen, daß eine Rettung

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Prinz Biteis Nsenbahn Unfall.

Einzelheiten über das Eisenbahnunglück.

Wie wir schon telegraphisch berichteten, ist der Schnellzug, mit dem Pttnz EitelFried- rich von Preußen am Dienstag abend die Heimreise von Bukarest nach Berlin antrat, in Siebenbürgen von einem schweren Unfall betroffen worden, indem der Schnellzug mit einem Lastzug zusammenstteß. Der Heizer des Schnellzuges und eine Frau wurden getötet, mehrere Passagiere verletzt. Einige Waggons beider Züge wurden zertrümmert. Der Salon­wagen des Prinzen blieb unversehrt. Ueber den Unfall liegen jetzt folgende näheren Mittei­lungen vor:

Ursache: Fahrlässigkeit?

(Telegraphische Meldungen.)

Wie«, 6. Februar.

Prinz Eitel Friedrich war am Diens­tag nachmittag in Begleitung des rumänischen Thronfolgers Ferdinand von B u k a r e st nach S i n a i a gefahren, wo er das dortige Königs­schloß besichtigte. Von Sinaia aus trat der Prinz mit seinem Gefolge kurz nach acht Uhr die R ü ck r e i s e nach Berlin an. Der Zug, den der Prinz benutzte, traf rechtzeittg in Kronstadt ein. Hier wurde der Salonwagen des Prinzen, der Eigentum der preußischen Staatsbahnen ist, dem Schnellzug 601 als letzter Wagen angekop­pelt. Der Schnellzug verließ Kronstadt zur fahrplanmäßigen Zeit und gelangte um halb- zwei Uhr nachts nach Mediafch. Unmittelbar vor dieser Station stand der beschleunigte Last­zug Nr. 543, der von dem Bremser des letzten Wagens zum Stehen gebracht worden wär, weil eine Lampe des Zuges erlosch. Der Brem­ser dachte nicht daran, daß zur selben Zeit ein Schnellzug in die Station einfahren sollte. Gleich nachdem der Lastzug zum Stehen gebracht war, kam der Schnellzug 601 mit voller Geschwindigkeit herangebraust. Der Lokomotivführer des Schnellzuges

bemerkte de« Lastzug nicht, da dessen Decklampe verlöscht war, und fuhr in den Zug hinein. Die letzten Wagen des Last­zuges (Petroleumtankwagen) gerieten bei dem Zusammenstoß in Brand. Der Lokomotiv­führer des Schnellzuges, der Heizer und der Zugaufseher erlitten schwere Brandwun­den: ebenso drei Passagiere des Schnellzuges. Der Bremser des Lastzuges, der das Unglück herbeigeführt hatte, wurde tot aufgefunden. Die Verwundeten brachte man nach Mediafch ins Spital. Große Besorgnis herrschte wegen des Prinzen Ettel Friedrich, doch stellte sich sofort heraus, daß der Salonwagen des Prinzen vollständig unbeschädigt geblieben

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Konstantinopel, 6. Februar-

Der Großwesir Mahmud Schefket Pascha kehrte heute aus Tschataldscha zurück. Die Inspektion erwies Pen Zustand der Truppen in Tschataldscha als vorzügli ch. Die Bulgaren haben sich, wie einwandfrei erwiese« worden ist, zurückgezogen. Vorher brannte» sie ei« Dorf nieder. Es heißt sogar, daß die Türken t a u s e n d b u l- qarische Gefangene gemacht haben. Die Stimmung unter den türkischen Truppen

Kaisettage in Königsberg.

Der Kaiser über Deutschlands Erhebung.

Wie wir schon telegraphisch berichtet haben, begann gestern in Königsberg mit der Erinne-1 rungsfeier des Tages, an dem General Dork I die ostpreußischen Stände zum Kampf gegen die Fremdherrschaft in Königsberg aufrief, der Reigen der Jahrhundert-Feiern, die uns die Geschichte des deutschen Befreiungskampfes vor hundert Jahren wieder lebendig vor die Seele führen. Im großen Festsaal des Königs­berger Schlosses hat gestern aus diesem Anlaß der K a i s e r eine Rede gehalten, die wie eine Mahnung an die Nation zur Einheit und Treue klingt.

Für Ehre und Freiheit!

Die gestrige Ansprache des Kaisers.

Königsberg, 6. Februar-

Die Ansprache, die der Kaiser gestern im hiesigen Schloß an die versammelten Land- tände hielt, hatte folgenden Wortlaut: Bevor Sie Ihre geschäftlichen Arbeiten und Beratun­gen für das Wohl der Provinz beginnen, las. en Sie uns der Tat gedenken, die von der heu- e vor hundett Jahren hier in Königsberg zu- ämmcngetretenen Versammlung der ständi- chen Deputierten der Provinz ausging und den ersten Schritt zur Wiederaufrich- t u n g und Befreiung des darniederliegen­den Vaterlandes bildete. Es ist schwer, das volle Maß des Unglücks und der Wirrnisse jener Zeit uns vor Äugen zu führen. Da setzte die göttliche Vorsehung dem Sieges­lauf des kühnen Korsen ein jähes Ziel. Die schwer auf Europa lastende Heimsuchung schien ihrem Ende entgegenzugehen. Fetzt oder nie konnte das Sehnen jedes Preutzenherzens in Erfüllung gehen, konnten die Fesseln der lang­jährigen Knechtschaft abgeworfen werden: So dachte Y o r ck, als er sich unter dem gewaltigen Zwang der Verhältnisse zu dem Entschluß durch­rang, das ihm anvertraute Korps von dem Schicksal des Restes der Großen Armee zu tten- nen und wieder unter den Oberbefehl des Kö­nigs zu stellen. So dachten auch jene wackeren Männer, die hier zusammentraten. Sie wa­ren die ersten im Lande, die dem Gedanken die Tat folgen ließen, indem sie einmütig be­schlossen, auf eigene Kosten eine Bewaff­nung be8 Volkes vorzunehmen, um dem geliebten König zur Verstärkung' feinet aktiven Truppen eine Landwehr darzubringen. Und als bald darauf der König den langerfehnten Augenblick für den wohlvorbereiteten Schritt zur

Rettung des Vaterlandes

für gekommen hielt und fein Volk zum Kampf für Ehre und Freiheit anfrief, da fcharte sich um ihn alt und jung, hoch und niedrig mit zielbewußter Entfchloffenheit, das Letzte an Gut und Blut freudig auf dem Altar des Va­terlandes zu opfern. Heute fchreiben wir die Jahreszahl13". Wie glücklich hat sich daS Zeitbild gewendet. Bor uns steht der fest­gefügte Bandes Deutschen Reiches, geachtet im Rate der Völker und wohlgerüstet gegen jegliche« Angriff. An die Stelle der kriegerischen Taten sind segensreiche Friedens­werke getreten, Handel und Wandel blühen, Kunst, Wissenschaft und Technik fchreiten fort, Stadt und Land erfreuen sich des Wohlstandes. Aber die Ereignisse vor hundett Jahren mah­nen uns eindringlich daran, daß nicht kriege-, - /mrin/>t-Telearamm) rische Lorbeeren, nicht Wohlstand, Macht und (P r i v a t - T el e g

Ansehen am lebten Ende das Schicksal und die I

Rukmft eines Volkes sichern, sondern allein Heute früh hier emgegangene Depeschen aus die sittliche Kraft, die ihm innewohnt. Mustapha Pascha werfen auf das bulgarisch- Die Wurzeln dieser Kraft ruhten in der G o t - serbische Verhältnis ein interessantes Streiflicht. ?esfnrcht, der Pflichttreue und der Es ist fehr wahrscheinlich, daß abgesehen von Liebe zu König und Vaterland. Das dem serbischen Armeekorps, das seit drei Mo- gemeinsame Unglück hatte um Fürst und Volk naten an der Belagerung Adrianopels teil- ein starkes Band opferwilliger Treue und ge- nimmt, keine serbischen Truppen da- genfeitigen Vertrauens geschmiedet. Wir kön- zu berufen fein werden, eine aktive Rolle in der ncn den heutigen Gedenktag nicht schöner bege-1 neuen Phase des Krieges zu spielen. Die Bul- hen als durch das erneute Gelöbnis, uns un- garen halten sich überzeugt, daß ihre eigenen feier Vergangenheit und unserer Väter allezeit Kräfte ausreichen, um der Situation Herr zn würdig zu erweisen und die uns als köstli-! werde». Sie sind entschlossen, die Linie» von ches Erbe überkommenen Ideale und religiö- Tschataldscha nicht anzugreifen, sen Güter zu pflegen und zu mehren für den sondern eine eventuelle Offensive der Türken opferfreudigen Dienst am teuren Vaterland. hinter den von den bulgarische» Truppe« seit

Der Kaiser über die Wehrpflicht. zwei Monaten aufgeworfenen Befestigungs- Wie uns ein Privattelegramm aus wetten abzuwarten. Diese Betteidigungswette

Königsberg meldet, hielt der Kaiser gestern sollen sogar starker fein, als biejentgen bcr a&cnb bei dem Festessen in der Stadtballe eine 1 Türken und mit einer ausgezeichneten Artillerie

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1813, 1888 und 1913.

Am fünften Februariag im Jahre des Schick­sals 1888 sprach der erste Kanzler des Reichs im alten Parlamentshaus am Berliner Dön- hossplatz das wunderbar starke und stolze Wort vom Deutschen, der nur Gott, aber sonst nichts in der Welt fürchtet; an jenem selben Februartag, der fünfundsiebzig Jahre früher im deutschen Osten die Ermannung deut­scher Kraft zum Kampf um Ehre und Freiheit Wirklichkeit werden sah. Ein Vietteljahrhun- vert ist eine winzige Spanne Zeit im Jahr­tausend-Reich der Welt- und Vülkergeschichte, and doch: Klingt uns, den Enkeln, Bismarcks geutsches Wort nicht wie Heldensang aus fernster Zeit im Ohr, trennt die Gegenwart uns nicht ebensoweit von der Größe, die jene Offenbarung deutscher Kraft vorm Ohr der Welt bekannte, wie von der stolzen Begeiste­rung, die vor hundert Jahren die Besten unter den Deutschen zum Kampfe rief und zum trutzi- gen Widerstand gegen die Launen und Regun­gen zaudernder Schwäche? Wie im Hornung­mond vor fünfundzwanzig Jahren sehen wir auch heut den Himmel voller Wolken, spüren wir auf allen Gebieten internationaler Polttik die Macht der gegen deutsche Kraft und deutsche Art gewobenen Intrigen und fühlen instinktiv, wie gewaltig der Druck ist, unter dem Europas Völkerkeffel zittert. Und vaterländische Sehn­sucht, nationales Bewußtsein und deutsche Zu­versicht rufen (heut wie einst) nach dem Manne, der abermals dem Erdrund das Bekennt- uis deutscher Herzen kündet: .Wir fürchten

: Gott, aber fonst nichts in der Welt!"

MAls Fürst Bismarck, in der Enge der Regie- ^WWgsbank zur ganzen Größe ragender Persön- °^Weit emporgerectt, die Wotte sprach, die von bet Maas bis zur Memel die Herzen zur Be- 8-geifterung entflammten und auf dem ganzen MErdball laut hallendes Echo aufrichtiger Be- Awunderung weckten, sah das junge Reich der E Deutschen sich im Osten und Westen von der

; Gefahr kriegerischer Verwicklungen und von den ' geschickt geschürten nationalistischen Leidenschaf­ten slawischen und gallischen Volkstums be­droht. Bismarcks diplomatisches Arbeitsziel: Die Sicherung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland, war durch Mißtrauen und Argwohn der Zarenpolttik ge­fährdet, in Frankreich feierte Boulanger als Apostel der Revanche Triumphe und um das Friedenswerk Bismarck'scher Politik spann sich, wie Lianengewirr um den Stamm der Eiche, das Netz orleanistisch-dänischer Intrigen. Deutschland sah sich in jenen Tagen an einem Kreuzweg seines Schicksals und die Frage: »Krieg oder Friede?" konnte eines winzigen Zufalls Fügung in einem einzigen Moment ent- - scheiden. Im Osten standen, kriegsstark und kampfgerüstet, russische Armeekorps, jeden Augenblick zum Marsch über die Grenze bereit, - jenseits der- Vogesen drängte der Revanche- Fanatismus zu beschleunigter Rüstung, und

5 v bange Sorge frug in Moltkes Kabinett, ob das

messlli^W in siebzehnjähriger Friedenszeit innerlich zwar gb gefestigte, wirtschaftlich aber noch nicht konsoli­dierte Reich einem Angriff von zwei Seiten

1 werde trotzen können. Tage der Unruhe, der Erregung und Legenden; Börsenkrisen, Kriegs- k furcht und Katastrophen-Ahnen: Bis dann, vom | Parlament umjubelt, Otto von Bismarck die er­lösenden Worte sprach: »Wir Deutsche fürchten M Gott, aber fonst nichts in der Welt!"

1913.

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