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Mermittwoch-Stimmlmg.

Die Strecke der Faschings-Jagd.

b Run sehen wir Welt und Menschen wieder ohne Larve, atmen die herbe Luft der Fasten Md fühlen, wie die Aschermittwoch- Sjimmung noch die Seele beizt. Der Fa- fchingsflitier liegt knittrig und verblichen am Hoden und die Staatsanwälte machen sich eben gtaam, das Fazit der Rechnung zu ziehen. In einer einzigen tollen Nacht im Reichsbezirk ZMfzehn Tote, noch mehr Verletzte, und eine Mzahl vom Verhängnis leichter Gestreifte: Ma« darf finden, daß das Opfer etwas reich- (id> ist und daß der Taumel einiger flüchtiger Rairenstunden zu teuer bezahlt ward. Und M Schlimmste ist, daß von Jahr zu Jahr die Dpferzifter sich erhöht und der Kreislauf des Mheils sich weilet. Es scheint fast, als ob Limterm Larvcntuch die Leidenschaften sich ele- Mcharer regten und die durch die Tarnkappe Sg Rarrheit der Kontrolle bürgerlicher Moral Mttückten den Drang spürten, am Toreingang Mfüllen Zeit- noch einmal recht tief und Mnig aus des Lebens schäumendstem Becher M schlürfen. Das Privilegium, einmal im Jahr der Rarrheit unbeschränkt, und durch kein Mstres Wächterauge gestört, Tribut zu zollen, ward offenbar aus der Notwendigkeit geboren, iem. Ueberschwang der Leidenschaften für alle Fälle ein Rot-Ventil zu erhalten, durch das i.n mäßigen Intervallen der unterm Druck der jEnbetamente zitternde Kessel der Volksge- Ktznfchqft die überschäumende Kraft abzischen ^MasVentil der Rarrheit- dankt also im- MMde weiser Fürsorge sein Dasein und seine ifefotber haben sogar an dienatürliche §em» ,taiütqa gedacht, indem sie der tollsten Stunde M Jahres unmittelbar dasmemento mori I"

Aschermittwochs anreihten. Und dennoch..! Wt Unglückschronik des Aschermittwoch-Tags MZ»it Blut getränkt, die Selbstmordziffer des WWing-Abends ersteigt eine beängstigende Whe und die Katastrophen der Liebe erschrek- WMmrch Zahl und Tragik ärger als sonst im Dampf des Tages. Daß den Bluttaten der Wosenmontag und Aschermittwochzeit dieZu- Alligkeit der Ereignis-Komplikation" anhaftet, Mlärt noch nicht die Häufung der Opfer; M scheint vielmehr, daß menschliche Leidenschaf- W stets dann am bedenklichsten wirken, wennlbei 4en Einen) die Entfeßlung von den Banden gemeinhin geltender Sittengesetze das Tempera- Smti in seiner natürlichen Urwüchsigkeit und un- Mzügelten Rauheit zum Durchbruch kommxn 'Mr, oder wenn (bei den Andern) der jähe Sgtottgmtg vom tollsten Lebensgenuß zur düst- DA Erkenntnis der Daseinsnot jenen Ueber- am Dasein erzeugt, in dessen Bann die Mwache Hand der Aschermittwoch-Schwermut Kann zu Strick und Waffe greift. Jedenfalls ^rfs als erwiesen gelten, daß die Opfer des Wunnrenschanzes nicht geringer sind, als die- feen andrerVolksfreuden", gegen die Wm vor Jahr und Tag die sorgende Obrigkeit Paragraphen und Strafmandaten zu Fel- M zog. Es ist auch zweifellos als eine natio- °«sl-wirtschaftliche Gefahr zu betrachten, wenn 'N den Faschingswochen die Schulden des Wchtstnns sich häufen und nach dem Larven- trumel dann die Rot am Herde lauert.

. In der rheinischen Hochburg derNarretei" Mcht man dieser Gefahr fett langer Zeit da­durch zu begegnen, daß aufgrund ortsobrigkeft- Mer Verfügung vor Beginn der eigentlichen .»Hochsaison" die Leih- und Pfandhäuser ihre Schlichen Pforten schließen, um sie erst in der vasten düstern Tagen wieder zu öffnen. Na- Erlich ist damit praktisch gar nichts erreicht:

Leichtsinn steht nur etwas früher auf, und Aschermittwoch bleibt grau und sorgen- «hiver, wie er's schon immer war. Die Konfe­renzen offenbaren sich denn auch jetzt Mieder in

Ziffer der Tragödien und im Schicksal der ^Freiwilligen des Todes", die aus der Welt r^edcn, nachdem sie den Becher der Freude ^ch einmal bis zur Neige geleert, und ««« im Dämmern der Ernüchterung gewahr «urden, daß die Brücken zurück zum Leben des Alltags hinter ihnen zusammengebrochen wa- ren. Die Freude der Harmlosigkeit in Ehren: Es mag wirklich nützlich sein, einmal in den ^reihunderffünfundsechzig Sorgentagen des ''ahres die drückenden Pflichten des grauen All- Mgs alslachender Philosoph" zu belächeln Und des Daseins starkgemifchte Freude lustig au- der Larvenperspektive zu betrachten. Die Kfahrung zeigt indessen, daß die Aus - schüch sx der Faschingsfröhlichkeit den Karneval «e- ursprünglichen Churatters fast gänzlich ent» E^en, und daß auch dott, wo man die Pflege «f"-iger Narretei mit Liebe und Andacht übt, ,!c Schattenseiten des Brauchs sich immer pein­licher mettbar machen.

Es mag sein, daß auch im Faschingstreiben die allgemeine Verschärfung des Lebenskampfs sich im ungestümem Ausbruch der Leidenschaf­ten äußert, und daß diesem Umstand auch die teilweise Verrohung alten und ursprünglich harmlosen Brauchs im wesentlichen zuzuschrei­ben ist. Die Gefahr wird aber nicht dadurch be­seitigt, daß man ihre Ursachen aufdeckt, sondern sie muß bekämpft werden. Alljährlich, wenn aus dem Dollarland die Nachricht zur alten Welt herüberklingt, daß beim Jahresfest der Unabhängigkeitserklärung der Union »auch diesmal wieder" die Zahl der Opfer der Natio- nalfteude tn die Hundert reiche, grausts hierzu- land den biedertt Bürger, und derAmerikanis­mus" hött sein Verdammungs-Urteil. Ein Blick auf die Opferziffer des deutschen Faschings darf uns jedoch noch ernstlicher zu dritten geben, und es erscheint auch Denen, die ihre Stimme für die Erhaltung des alten Volks­brauchs erheben, geboten, mit wirksamen Mit­teln dem Unheil des Fasching-Nachtbilds ent­gegenzuarbeiten, denn es handelt sich hier um Schäden, die den Volkskörper in Mit­leidenschaft ziehen und deren weitern Wirkun­gen vorgebeugt werden muß. Der Fasching soll fröhlich, aber nicht roh sein, und er soll uns Freude und Lust, aber nicht Tragödien und Verbrechen bringen ...! F. H.

Sie deutschen Städte mahnen!

Die Städte und die Heeres-Verstärkung.

In einer Vorstandssitzung des Reichs- verbandes deutscher Städte, die in diesen Tagen in Berlin abgehalten wurde, ge­langte auf Antrag des Ersten Bürgermeisters Dr. Belian-Eilenburg einstimmig eine Reso­lution zur Annahme, wonach dem Reichskanzler das dringende Ersuchen des Städte-Reichsver- bands mitgeteilt werden soll, keine Opser zu scheuen, um die als notwendig erachtete Heeres-Verstärkung unverzüglich durch­zuführen.

Die Mahnung der Städte an den Kanzler hat folgenden Wortlaut: Der Vorstand des Reichsverbandes deutscher Städte (Vcrttetung der Städte unter 25 000 Einwoh­nern) blickt mit ernster Besorgni 8 auf die Stellung, die das Deutsche Reich in den gegen» tuärtigen Zeiten der Kriegsgefahr einnimmt. Der Vorstand hält eS für feine Pflicht, feiner Ueberzeugung Ausdruck zu ge­ben, daß das deutfche Volk sich feiner Vorfah­ren gerade in dieser erinnenmgsreichen Zeit würdig erweffen wird, um zu versichern, daß auch die schon schwerbelasteten Keinen und mitt­leren Städte selbst große finanzielle Opferzubringenbereit sind, damit un­ser Vaterland infolge seiner auch den Gegnern unangreifbar erscheinenden Kriegsbereitschaft fein Schwert zugunsten des europäi­schen Friedens in die Wagschale zu werfen vermag. Der Vorstand kann die zögernde Hal­tung der Heeresverwaltung bei der Einbrin­gung der Heeresvorlage nicht billigen, da die allgemeine Wehrpflicht infolge der großen Zahl der vom Heeresdienst befreiten, waffenfähigen Söhne unseres Vofles lediglich aus dem Papier steht, und dadas Volk in Waf­fen" ohne Zweifel die beste Bottsversicherung ist. Der Vorstand erhofft von der Heersver­waltung, daß sie diefen Gesichtspunkten in wei­testgehender Weife Rechnung tragen und eine großzügige, dem Ernst der Gegenwart ent­sprechende Heeresvorlage einbringen wird.

Keine Hilfe für die Veteranen?

Im Reichstag und in der Presse ist vielfach der Wunsch hervorgetreten, für eine weitere Er­höhung der Beihilfen für Veteranen Sorge zu tragen, so daß diese von 120 Mark monat­lich auf 150 Mark heraufgesetzt werden können. Seitens der Reichsregierung ist im Etat für 1913 zunächst eine Erweiterung des Veteranen­fonds um zwei Millionen vorgesehen, so daß im ganzen 31 Millionen für Beihilfen an die Kriegsteilnehmer zur Verfügung stehen wür­den. Nachdem nun aber das Petroleum- Mo n o p o l fo gut wie gescheiten ist (aus des­sen Etträgnissen die Mehrbedürfnisse für die Veteranen-Versorgung gedeckt werden sollten), ist kaum noch Aussicht vorhanden, die geplante Erhöhung der Bezüge der Veteranen durchfüh­ren zu können.

Eine Katastrophe auf See.

Der russische Dampfer Odeffa gestrandet!

Kopenhagen, 5. Februar. (Privat- Telegramm.) Der schwere Orkan, der in den letzten Tagen in den nordischen Gewässern gewütet hat, und der als der heftigste seit Menschengedenken bezeichnet wird, hat eine große Anzahl Schiffsunfälle verursacht. Der russische AuswandererdampferOdessa", der sich auf der Reife von England nach Li- bau befand, ist gestern bei der Jnfel Bornholm gestrandet. An Bord befinden sich neun­

undzwanzig Mann Besatzung und drei Passa­giere. Bisher gelang es, vier Männer und zwei Frauen zu retten. Die übrigen Perso­nen befinden sich noch an Bord. Die Lage des Schiffes ist gefährlich.

Adrianopel und Galipoli.

Die neuesten Kämpfe am Balkan.

Vom Schauplatz der neuen Kämpfe am Balkan liegen heute nur wenig ausführliche Meldungen vor. Der Kampf um Adriano- pel hat inzwischen auf der ganzen Linie be­gonnen und bei Galipoli ist es gestern ebenfalls zu einem Zusammenstoß gekommen, über des­sen Ergebnis bestimmte Meldungen allerdings noch nicht vorliegen. Daß der neue Krieg von langer Dauer sein wird, ist kaum anzunehmen; es darf vielmehr als wahrscheinlich gelten, daß sofort nach dem ersten entscheidenden Treffen unter dem Druck der Großmächte der Frie­densabschluß Zustandekommen wird. Ueber die gestrigen Kämpfe erhalten wir folgende Drahtberichte:

Konstantinopel, 5. Februar.

Ein drahtloses Telegramm aus Adria­no p e l besagt, daß das Bombardement so fürchterlich ist, daß die drahtlosen Depeschen von Konstantinopel verstümmelt ankommen. Man glaubt hier zu wissen, daß die Adria- nopeler Garnison heute einen Ausfall wagen wird. Zwischen Bulgaren und Tür­ken ist augenblicklich eine heiße Schlacht bei Galipoli im Gange. Wie verlautet, find bereits schwere Verluste auf beiden Seiten zu verzeichnen; genaue Einzelheiten fehlen noch.

Konstantinopel, 5. Februar.

Der Kampf um Adrianopel hat nunmehr auf der ganzen Linie begonnen. Spät abends hier eingetroffene Telegramme bestä­tigen die Nachricht vom Kampf bei Galipoli. Die Bulgaren greifen die türkischen Stellun­gen an. Ueber den AuSgang des Kampfes verlautet nichts bestimmtes. Die Botschafter beraten über Mittel und Wege, um die Frem­den in Konstantinopel in Sicherheit zu brin­gen, da man für ihr Leben fürchtet.

Konstantinopel, 5. Februar.

Um zwei Uhr nachmittags begann gestern der Kamps bei Galipoli. Das Ergebnis der Schlacht ist unbekannt, weil die Telegra­phendrähte durchschnitten sind. In Adria­nopel dauett der Kampf fort. Die türkischen Truppen leisten großen Widerstand. In Ko schon und Galipoli, in Malgara und Meltepc, östlich von Dedeagatsch, sanden wie­derholte Zusammenstöße statt.

Belgrad, 5. Februar.

Vierzig neue serbische Sieben Zoll-Kano­nen find gegen Adrianopel ausgestellt. An verschiedenen Stellen sind Angreifer und Verteidiger nur zweihundert Meter von einander entfernt. Flüchtlinge aus der Stadt fugen, daß noch genügend Mundvor- rnt in der Festung vorhanden fei und daß der türkische Kommandant, General Schükri Pascha, erklärt habe, et werde bis zum letzten Mann kämpfen und lieber die Stadt opfern, als kapitulieren.

Im Anschluß an vorstehende Meldungen wird uns aus Belgrad depeschiert: Nach hier aus Adrianopel eingelaufenen Nachrichten ha­ben gestern zwei serbische Regimenter einige türkische Stellungen gestürmt und sich der Stadt auf vier Kilometer genähett. SSte wei­ter verlautet, hat in der Nähe von Jasohron, zwischen Hademköj und Derkos. ein Gefecht begonnen. Die Bulgaren steckten das Dorf Tschataldichaköj in Brand und zogen sich dann in noHiwestlicher Richtung zurück.

Die Türkei bleibt ruhig!

Konstantinopel, 5. Februar. (Privat-- Telegramm.) Trotz der Wiederaufnahme des Krieges sind die offfziellen Kreise opti­mistisch gestimmt. Man glaubt, daß auf den Ratschlag Rußlands Bulgarien offiziöse De­legierte zu Verhandlungen nach KonstaMinopel senden wird, um die Adrianopelfrage zu lösen. Man svricht sogar schon von der Annahme hier geführter Verhandlungen und will wissen, daß das Vilafet Adrianopel eine ähnliche Verwaltungsform wie Tripolis er­halten fall. Großwesir Mahmud Schefket Pa- fcha wird sich heute an die Front nach Tscha- t a l d s ch a begeben.

Verteidigung, nicht Angriff:

Konstantinopel, 5. Februar. (Privat- Tclegramm.) Die Regierung ist entfchlof- fen, sich vor der Hand aus eine Defensive zu beschränken. Tie Minister haben trotz gegen seifiger Verständigung vorläufig darauf verzich­tet, das Parlament einzuberufen. In Rcgie- rnngskreifen ist man zu der Ueberzeugung ge­

kommen, daß sich das gegenwärtige Kabinett nur geringer Popularität erfreue und man hat deshalb die Absicht, als Großwesir Said P a- f ch a zu wählen. Man hat es auch für gut be­funden, Enver Bey nicht nach Tfchataldfcha zu senden; er befindet sich gegenwärtig aus einer Inspektionsreise.

Kassels ArkttiMK-Werk.

Die Verhandlungen mit der A.E.G. am Ende?

Es ist eine alte Erfahrungssache, daß kom­munale Fragen von eminenter Bedeutung in der V ersenkung verschwinden, wenn sie nach langwieriger Beratung einer Kommis­sion überwiesen werden. So geschieht es nun mit der Ueberlaffung des Elektrizitäts­werks der Stadt Cassel an die A. E. G. Die letzten Verhandlungen der Stadtverordneten und die öffentlichen Willenskundgebungen der Bürgerschaft haben die führenden Kreise in der Stadtverwaltung in ihren Entschlüssen wankend gemacht und dazu beigetragen, die Preisgabe des Elekttizitätswerkes wenigstens vorläu­fig zu verhindern, bis ein Modus gefunden ist, die Verhandlungen mit der A. E. G. auf eine weniger unangenehme Art und Weise ab - z u b r e ch e n. Von zuverlässig orientierter Seite erhalten wir darüber folgende Mittei­lungen:

Vertagung: Kommisfionswahl!

Spezial-Kommission und Sachverständige.

Gestern nachmittag tagte im Casseler Rat­haussaale eine vertrauliche Sitzung der Stadtverordneten, die bis zur zehnten Abend­stunde währte. Das Ergebnis dieser Ver- fammlung war, daß heute, am Mittwoch, die Entscheidung über die Zukunft des Elektrizi­tätswerks nicht fallen wird, daß vielmehr diese Versammlung ausfällt. Am morgigen Donnerstag, in der üblichen öffent- ilchen Sitzung der Stadtverordneten, wird eine Kommission gewählt werden, die mit den weiteren Arbeiten in der Elektrizitätswerks­frage Betraut werden foll. Ein dreifaches Pro­gramm ist dieser Kommission aufgegeben wor­den. Zunächst soll sie feststellen, welche wirt- fchastlichen Aussichten für das Städtifche Elek­trizitätswerk bestehen, wenn cs in der Regie der Stadt bleibt, weiter, wenn es der Hebei» landzentrale des Staates angegliedert wird, »md schließlich, wenn es der A. E. G. überlassen werden würde. Zugleich mit der Wahl der Kommission, die diese Tätigkeit übernimmt, solle,» Sachverständige bestellt werden, die eine erneute Prüfung der ganzen Angele­genheit vorzunehmen haben. Dieser Antrag des Magistrats, der morgen der Stadtverordne­tenversammlung zur Beschlußfassung zugeht, bedeutet ein A b w e i ch e n des Magistrats von seiner bisherigen Haltung und es ist nicht zu verkennen, daß die Opposition der Bürgerschaft einen Schritt verhütet hat, der für die Stadt Cassel von folgenfchwerer Bedeutung hätte werden müssen. Der Be- fchluß der gestrigen vertraulichen Sitzung geht dahin, daß die ElettrizitätSwerk-Angelegenheit bis zum Abschluß der Tätigkeit der genannten Kommission vertagt wird. Das heißt in gutes Deutsch übersetzt: Die Verhandlungen mit der A. E. G. sind vorläufig von der Tages­ordnung abgesetzt. Wie weiter bekannt wird, sollen erneut Verhandlungen mit der S t a a t s- regierung angeknüpft werden und es steht zu erwarten, daß diese neuerlichen Verhandlun­gen zu einem Abschluß führen werden, der der Stadt Cassel zum Vorteil gereicht und die Wogen der Erregung glättet, die durch die A. E. G.-Affäre aufgewühlt worden sind.

* *

Cassel und der Staat.

Ein Wort zur Steuer der Wahrheit.

In einem anscheinend von Freunden der A. E. G. herrührenden Artikel in einem hiesigen Blatte ist bestritten worden, daß zwischen Staat und Stadt ein prinzipieller Gegen: atz bestehe. Und doch ist dieser Gegensatz tatsächlich vorhan­den. Er besteht darin, daß die Stadtverwal­tung die A. E. G. in das vom Staat geplante Unternehmen hinein haben will, der Staat aber darauf besteht, es auf rein staatlich-kommunaler Grundlage zu betreiben. Einen schärferen prin­zipiellen wirtschaftspolitischen Gegensatz kann man sich nicht gut vorstellen. Nun behauptet zwar der Verfasser des erwähnten Artikels, das Zusammengehen mit der Privatindustrie (d. b. der A. E. G.) sei ratsam, um das Unternehmen aufwittschaftlich richtiger Grundlage" aufzu­bauen. Das ist aber gerade die große prinzi­pielle Sttettfrage. ob man an einem Unterneh­men, das ausschließlich rein gemeinnütziger Att sein soll, eine Privatgesellschaft beteiligen las­sen soll oder nicht. Die preußische Rcgieruna verneint sie, andere Bundesregierungen und zahlreiche Städte, die ähnliche Pläne der A. E. G. ablehnten, ebenfalls. Es kann der Stadt Cas­sel ganz gleichgültig sein, wie der Staat und Wie die Kreise das Unternehmen betreiben wol-

Mr NM Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nuinmer 53

Donnerstag, 6. Februar 1913

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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