KMer Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
3. Jahrgang
Dienstag, 4. Februar 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Stummer 51
Fernsprecher 951 und 952.
Europa will Frieden!
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now blickte in des Frühlings nahen Tagen auf sie wechselvolle Geschichte dreihundertjäh eigen Bestehens zurück, und Oesterreichs Kaiser aus
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Mailand. 3. Februar.
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nachzugrben. Bulgarien soll jedoch das Versprechen gegeben haben, sich vorläufig nur auf
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Am Vorabend der Entscheidung über Krieg und Frieden die Friedensaktion der Großmächte; Dreibund und Drei verband; die Balkanstaaten zeigen sich noch unnachgiebig
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Solberg, 3. Februar-
Ein hiesiger Arbeiter wurde gestern, als er im S ch n e c st u rm den Bahnkörper in der Nähe von Köslin überschreiten wollte, von einem Zuge überfahren und auf der Stelle getötet. Ter seit drei Tagen fast un- unterbochen anhaltende schwere Sturm hat im ganzen Küstenbezirk schweren Schaden angerichtet.
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Hirschberg, 3. Februar.
Am Planur bei Spindelmühle im böhmischen Riesengebirge wurde gestern ein unbekannter Skifahrer von einer Lawine verschüttet. Bei der Bergung war der Unglückliche bereits tot. Die Lawinengefahr beeinträchtigt den gesamten Wintersport in den Bergen auf das empfindlichste und manch« Sportplätze sind infolgedessen förmlich »eti waist.
die deutsche Regierung durch ihren Gesandten in Sofia, Herrn von Delow, der bulgarischen Regierung zur Nachgiebigkeit und zu ~ ' in auf Grund
die Beschießung Adrianopels zu schränken.
Dreibund und Dreiverband.
bürg berichten, des greisen Kaisers Handschreiben sei mehr persönlicher und dynastischer, als politischer Art. Das Kaiserhaus der Roma-
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Die Armee Witt den Krieg»
(Privat-Telegramm.s
Konstantinopel, 3. Februar-
Die Stellung des Kabinetts Mahmud Schcw- ket Pascha ist eine sehr schwierige geworden, indem sich fast die ganze Armee gegen das jungtürkischc Regiment erstatt und von Schewket Pascha die unverzügliche Bestrafung des Mörders von Rasim Pascha gefordert hat. Enver Bei scheint seinen Einfluß aus dir Armee gänzlich verloren zu haben. Gegenwärtig haben die Jungtürkcn in Tscha- taldscha zwar Oberwasser, dagegen treffen hier viele jungtürkischr Offiziere ein, um durch Bildung eines Komitees der Nationalverteidigung Adrianopelzuretten. Die Generäle der türkischen Armee haben die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Kampf trotz der Ucbermacht der feindlichen Arme'en wieder ausgenommen werden könne, da die sanitären und militärischen Verhältnisse auf der Gegenseite dieselben feien, wie bei den Türken. Angesichts dieser Umstände soll das Kriegsministerium zögern, den Krieg wieder aufzunehmen. Man drängt jedoch das Kabinett dahin, alles aufs Spiel zu setzen, indem man hofft, daß der Wicderaus- brnch des Krieges alle politischen Unttimmigkei ten beseitigen werde. Unter diesen Umständen kann jeder Tag das Ende der junottirkischen Herrschaft bringen.
Deutschland mahnt zum Frieden!
Wie uns aus Berlin berichtet wird, bat
der letzten türkischen Antwort raten lassen. Irgend ein gemeinsamer Schritt der Mächte wird jedoch vorläufig weder in Sofia noch auch tn
die aus der
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Stille von Schönbrunn mit hellem Auge die Entwicklung der Ereignisse verfolgend, die Gefahr der Reibung zwischen den treibenden Kräften erkannt; sein Empfinden widerstrebt dem Gedanken, den späten Abend seines Herrscherlebens durch den blutroten Schein der Kriegsfackel gespenstisch beleuchtet zu sehen, und so hat er nun, der Nestor unter den Gekrönten, mit zitternder Hand die Friedensbotschaft au Alerau- ders Sohn aufs Pergament geschrieben, die Gottfried von Hohenlohe, als Kurier seines Kaisers, zur Newa-Residenz trägt. Nicolai der Zweite hat einst als Erster unter den Fürsten seiner Zeit die Botschaft des völkcrversöhnendcn Friedens übers Erdrund gerufen, und an den Friedens-Zaren, dessen Traum die Kulturgemeinschaft der Nationen war, richtet sich die Friedensmahnung des greisen Kaisers, der seines Lebens Abend von den Schatten drohender Kriegsgefahr verdüstert sieht...! F. H.
Regierung zur N einem Weiterverhande
---Habsburgs Stamm habe die Vollendung des dritten Säkulums zarischer Herrschaft nicht vor- ^Mrgehen lassen wollen, dem Tröger der Za- rrnkronc persönlich seine Glückwünsche zu übermitteln und des dritten Alexander Sohn an die mannigfachen Berührungspunfte zu erinnern, die im Lauf dreier Jahrhunderte gemeinsamer Regierungszeit die Geschichte zwischen den Häuern Holstein-Gottorp und Habsburg schuf: Er- -nnerungm, deren wechselvolle Bilder Glück und Lchicksal in rascher Folge fast dicht nebeneinander sahen.
Februar Mrme überall!
Schwere Stürme, Schnee «nd Lawine«.
Der orkanartige Sturm, der gestern in ganz Mittel- und Süddeutschland herrschte, hat fast ganz Europa heimgejucht und stellenweise schwere Schäden angerichtet. Während Cassel und seine nähere Umgebung von ernstlicheren Unfällen infolge des Sturmes verschont geblieben sind, liegen aus anderen Teilen des Reichs und des Auslands Nachrichten über schwere Unglücksfälle vor, und aus Frankreicb wird über eine große Ueberschwemmung berichtet, d,e im Seine-Departement schweren Schaden angerichtet hat. Mr verzeichnen die nachfolgenden, uns heute vorliegenden Draht- Meldungen:
Berlin, 3. Februar-
Ei« schwerer Süd west sturm, der be- sonders am Nachmittag die Stärke eines Orkans annahm, machte gestern den Resten das Schneefalles vom Freitag schnell ein Enke. Vielfach richtete der Sturm an Dächern, Schornsteinen, Bäumen und Kähnen großen Schaden a«. Im Tiergarten wurden alte Eichen umgelegt, im Grünewald. zahlreiche Kiefern entwurzelt.
Koblenz, 3. Februar.
Seit Sonnabend führt die Mosel Hochwasser, und es droht stündlich eine allgemeine Ueberschwemmung des ganzen Mofel- talcs. Das Wasser steigt rapide. Zu den starken Niederschlägen der letzten Tage gesellte sich gestern ein orkanartiger Sturm, der allerorten großen Schaden angerichtct und stellenweise schwere Verkehrsstörungen verursacht hat.
. So h-ißt's offiziös. Wertiefer schaut, wird indessen in Franz Josefs Kaiserbrief ein wichtigeres Dokument zeitgenössischer Ge- - schichte erkennen, als die Wiener Hofburg-Chro- nik es uns glauben machen möchte. In Wien ist man heut ebenso wie in Berlin, Petersburg, London und Patts überzeugt, daß die Balkan- Tragödie nicht am Konferenztisch europäischer Tiplomatie geendet werden kann; man erkenitt l. Unzulänglichkeit des Systems, über schwer- ■ Liegende Volks- und Reichs-Interessen am Grünen Tisch wie über ein theoretisches Problem zu entscheiden, fühlt instinkttv, daß die gewaltige Tatenenergie, die in Bismarcks Genie dem Berliner Kongreß Leben, Wesen | Inhalt lieh, dem Londoner Diplomaten- Rendezvous mangelt, und hat sich, um eine | Enttäuschung reicher, bereits mit dem Gedanken ^rttaut gemacht, die letzte Entscheidung am „ i>€nt Schwertz» überlassen. Nicht das tfe «alkan-Problem an sich ist's, das der modernen Diplomatie unlösbare Aufgaben stellt: Das °'Sen-Jnteresse der Mächte erschwett eie Sicherung des Friedens, und grade die M. Mngsten Erfahrungen im Sechs-Mächtc-Ringen L des Balkans Zukunft haben, jedem Auge Menubar, erwiesen, daß die größte Schwiettg- err. das Problem zu lösen, in den scharf aus- Seprägten Gegensätzen zwischen den Interessen KF*»lattbg und Oesterreichs am Balkan - Es sind „historische Rechte", um die in -o idvn die Botschafter der beiden Kaiser-Reiche nnge«, und dieser Kampf um die Erfüllung x Sttchichtlicher Hoffnung birgt größere Ge- . als der nun von neuem drohende Kriegs- "ttwd zwischen Kreuz und Halbmond.
r, Rußlands Hand bat das Werden der Wand- . 2*^8 am Balkan geschirmt, hat die Vasallen des -chchjfen in die Unabhängigkeit freier König- oben und die Waffen schmieden helfen, E i bei Kirk-Kilisse und Lüle-Burgas die Tür- F in den Staub zwangen. Rußlands
W yttmuß diktiette auch den Fricdensmännern im . ^ndoner St. James-Palast Forderung und Z^^eestand, und der Tag, der Kiamil Paschas 8 ^'Hlwtttgen Verzicht auf Adrianopel Wirk- e -,lt werden ließ, sah int Morgendämmern Kriegsdrohung in gefährlichster Das alles sind Momentbilder, die in Sanzen Tragweite einmal sichtbar werden, e»n in späiern Zeilen die Staatsarchive sich / «t Forschung der Geschichte öffnen; Zwischen- vielleicht nur und flüchttge Szenen im Bölkerdrama, trotzdem aber von ent- ^Attdender Bedeutung und bestimmendem Ein W-. Frcuz Josef von Oesterreich bat. in der
5mm Solef an den garen.
Das Handschreiben eines Patriarchen.
gjn Privat-Telegramm meldet uns aus Wien: Der Uebermittlung des Handschreibens des Kaisers an den Zaren wird in hiesigen diplomatischen Kreisen große Bedeutung beigelegt. Man Öt das Handschreiben als einen Versuch , in die gegenwärtigen Schwierigkeiten vermittelnd einzugreifen, nachdem der diplomatische Vettehr sich nicht als ausreichend erwiesen hat, die Situ-
PcterSburg, 3. Februar. (Privat- Telegramm.) Rußland hat in Sofia wissen lassen, daß die Türkei bereit sei, in neue Friedensverhaudl»»gen einzutreten, und hat angeregt, an den Friedcnsver- handlungen teilzunehmen. Die bulgarische Regierung ist indessen der Meinung, daß alle Vorschläge der Mächte die Türkei nicht dazu bttn- aen würden, den Forderungen der Alliietten' Konstantinopel "erfotam.
ation völlig zu klären. Die Absendung des Handschreibens beweise außerdem, daß sich die Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland in der letzten Zeit wesentlich gebessert haben. Der Patttarch unter den Fürste» Europas, etr seit der Jugend Frühlenz-Tagen Habsburgs Kaiserkrone trägt, der Kaiser des Friedens und der Versöhnung, dessen Greisenauge voll banger Sorge die Gefahren schaut, die im Endosten Europas für den Frieden der ganzen Welt Heraufziehen, hat nun selbst als Mittler und Helfer in das Drama eingegriffen, das seit Monden Europens Ruhe gefährdet: Franz Josef D von Oesterreich mahnt den Russenzaren zur Ar- / Beit des Friedens! Noch kennt man nicht den Inhalt des Bttefes, den Gottfried von Hohen- l-b- Auftrag seines Kaisers zur Zaren-Resi- denz an der Newa trägt; noch deutelt geschäf- tige Phantasie alle Möglichkeiten des Ereignisses und offiziöse Stimmen aus der Wiener Hof-
(Privat-Telegramm.)
Petersburg, 3. Februar-
In den hiesigen offiziösen Blättern herrscht die Meinung vor, daß die Einigkeit zwischen den Mächten des Dreibundes und der Triple-Entente ins Schwanken zu geraten drohe. Rußland mit seinen Alliierten vettrete die Auffassung, daß nach der Antwort der türkischen Regierung weitere diplomatische Verhandlungen zwecklos seien und eine Flottendemonstration vor Konstantinopel den einzig realen Ausweg darstellc. Die Mächte des Dreibundes dagegen scheinen sich einer derartigen Flottendemonstration n u r d a n n anschließen zu wollen, wenn die Interessen und das Leben der Ausländer in Konstantinopel bedroht sind. Sie wünschen, daß Rußland einen gewissen Druck auf die Balkanstaaten ausübe, um diese zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Hierzu will man sich hier aber nur ungern entscheiden Man hält hier die Forderungen des Balkan- bundrs für minimal und schiebt alle Schuld an dem Abbruch der Verhandlungen Oesterreich und Deutschland zu.
Deutschland und Oesterreich.
(Privat-Telegram ml
Kou.stantinopsl, 3. Februar-
Entgegen der Erwartung, Deutschland und O e st e r r e i ch wurden der Türkei materielle und militärische Hilfe leisten, wird in hiesigen Kreisen der Dreibund-Diplomatie erklärt, daß sich die Türkei sehr gefährlichen Illusionen hingebc. Beide Großmächte seien durch die Rücksicht auf ihre eigenen Interessen und auf die internationale Lage gezwungen, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wenn die Türkei nicht bis Montag abend Adrianopel steiwillig aufgebe, dann werde sie eben versuchen müssen, der Festung Entsatz zu bieten. Bulgarien besitze aber, nach den Aussagen türkischer Ueberlaufcr die Gewißheit, daß die Festung aanzerschöpft sei und nach dem ersten Sturm kapitulieren müsse. Die Großmächte könnten höchstens durch eine Demonstration ihrer vor den Dardanellen befindlichen Geschwader dafür sorgen, daß der Krieg nur aus einen letzten Waffengang um Adrianopel beschränkt bleibe. Erft nach dem Fall der Festung könnten sie von neuem ihre Vermittelung anbieten.
Schweiz kamen, wurden gestern am italienischen Abhang des großen St. Bernhard von einer Lawine erfaßt und verschüttet. Eine Hilfskolonne, die abgiug, mußte wegen des furchtbaren Schneesturmes unverrichteter Sache wieder umkehren. Es ist kaum Hoffnung vorhanden, die Verunglückten noch retten zu können.
Paris, 3. Februar-
Infolge des anhaltenden Regens ist das Wasser der Seine so gestiegen, daß der Schiffsverkehr eingestellt werden mußte. Die Anwohner des Seine-Ufers find sebr besorgt. Für heute hat das meteorologische Büro abermals ein Steigen des Wassers angezeigt. Alle Nebenflüsse der Seine sind stark im Steigen begriffen, sodaß eine Heber» schwemmungskatastrophc fast unabwendbar scheint. Einige Dörfer find bereits geräumt wordea.
Auch die britische» Jnsein sind von der schwere» Wetterkatastrophe, die Europa heimgesucht Hai, betroffen worden. Ein Privat- Telegramm berichtet »ns darüber aus Loudon: Seit Sonnabend abend wütet cm furchtbarer Schneesturm über Schottland. Viele Verkehrswege sind unbefahrbar.
Am heutigen Montag abend muß es sich entscheiden, ob am Balkan der Krieg wieder ausgenommen wird oder die Unterhandlungen für Herbeiführung des Friedensabschlusses fortgesetzt werden. Die jungtürkische Regierung, die mit schmetternden Fanfaren die Herrschaft übernahm, hat bereits in ihrer Ant- Wott-Note an die Mächte eine weise Mäßigung offenbart, und dieser Umstand berechtigt zu der Hoffnung, daß sie sich auch fernerhin den eindringlichen Mahnungen der Großmächte nicht verschließen und nicht durch Wiederaufnahme des Krieges die staatliche Existenz der Türkei in Frage stellen wird. Seitens der Großmächte wird alles versucht, den Wiederausbruch des Krieges zu verhüten, und es handelt sich nun darum, ob die Türken weiter kämpfen oder auf diplomatischem Wege versuchen wollen, zu retten, was noch zu retten ist. Die nachstehenden, uns heute vorliegenden Draht - Nachrichten kennzeichnen die gegenwärtige Lage:
Konstantinopel, 3. Februar-
Die Frage, ob es den Mächten, oder wenigstens einigen Mächten gelingen werde, die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zu verhüten, steht hier fortgesetzt im Vordergrund des Interesses. Die Kündigung des Waffenstillstandes durch Bulgarien wird als ernstgemeint betrachtet und man gibt sich hier keinen Illusionen hin, wenn auch der Tanin erwartet, daß die Londoner Botschafter-Konferenz am Montag vormittag den Bulgaren Mitteilen werde, daß die Mächte den Wiederbeginn des Krieges nicht wünschen.
Konstantinopsl, 3. Februar.
Die Pfottc hat die Londoner Delegierten angewiesen, London keinesfalls vor Ausbruch der Feindseligkeiten zu verlassen. Die Truppen bei Tschataldscha erhielten den Befehl, nur dann zu feuern, wenn die Bulgaren damit beginnen. Die Regierung will dadurch die öffentliche Meinung davon überzeugen, daß ein Verschulden am Wiederausbruch des Krieges nicht sie treffe. Die türkischen Delegierten wollen London am Dienstag verlassen.
Sofia, 3. Februar.
In hiesigen Regierungskreisen kann man noch immer denselben schroffen, unnachgiebigen Standpunkt bezüglich der Wiederaufnahme der Friedens-Verhandlungen beobachten, wie er in den letzten Aeuße rungen der Presse bereits erkennbar gemacht worden ist. Man scheint genaue Informationen über die trostlosen Verhältnisse im türkischen Lager zu haben und erwartet daher von der Fottsetzung des Krieges sichere Erfolge für die Verbündeten.
Konstantinopel, 3. Februar.
Der Großwesir Mahmud Scheftet Pascha hat sich am Donnerstag durch einen Besuch im Tschataldscha-Lager selbst davon überzeugt, in welch trostloser Lage sich die Armee befindet und den Sultan davon offen unterrichtet. Er wird aber dem Kriegs- verlangen des Heeres nachkommen müssen, wenn sich dieses nicht sofott gegen die Hauptstadt wenden soll. Die Tage des jung- türkischen Kabinetts scheinen infolge der inneren und äußeren Schwierigkeiten gezählt zu sein.
Inzwischen haben die Friedens-Delegierten der Balkan-Verbündeten nach Abbruch der Friedens-Verhandlungen von London aus die Heimreise angetreten. Ein Privattelegramm aus Paris berichtet »ns darüber: Der griechische Ministerpräsident Venizelos und der serbische Delegiettc Novakowitsch sind mit ihren Begleitern am Sonnabend abend hier ein« getroffen. Dr. Danew traf gestern ein. Tie Delegierten sind alle überzeugt, daß die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten nur zur Beschl eunigung des Friedensschlusses beitragen würde. Ter griechische Bevollmächtigte wurde im Lause des gestrigen Tages vom Minister des Aeußeren, Jonnard. und dann vom Präsidenten der Republik empfangen.
Rußland als Vermittler?