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CaMer Neueste MWtm

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nurrrmer 50.

Fernsprecher 951 und 953.

Sonntag, 2. Feöruar 1913

Z. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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Sturm im Landtag

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Die Konservativen protestieren gegen Kanzler u. Reichstag; . das Zentrum gegen die Konservativen; Nachklange zur Polen- debatte im Reichstag; Zwischenrufe, Ordnungsrufe und Lärm.

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SnferttonSpretfe: Di- f-chrgespalt-n- Zeil- für einheimisch- Ä-schäste 15 Psg., für aus' roürtige Inserats 25 Pf, Reklam-z-tl- für einheimisch- Li-schäsce to Pf, für auswärtige Äeschäfte Pf. Einfache Beilagen für di- Besamtauflage werden mit 5 Mar! vro Tausend be­rechnet. Wegen chrer dichten Berbreitung in der Rejideiu und der Umgebung sind die Laffeler Neuesten Nachrichten -in vorzügliche» Jnfertionsorgan. S-fch-iftssiellei Kölnifche Strabe 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Ami Moritwlaß 676

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Mi ßverständniffe: Verstimmungen?

Ein Privat-Telegramm berichtet unS im Anschluß an vorstehende Mitteilungen auS Hamburg: Der 1. Offizier LoMnzen und der. MatLineu-Lnaenieux der Oberleutnant

zogen die Augenbrauen hoch:

Sie Februar Suverture.

Werde» wir nun wirklich hysterisch?

Der Berliner Hofbericht und die Gazetten der Berliner Wilhelmstraße haben uns in den letzten Tagen wiederholt erzählen dürfen, daß der Kaiser dem Herrn Kanzler in der stillen Residenz der Wilhelmstraße seine Auf­wartung gemacht, und da die fröhlichen Zeiten vorüber sind, in denen die Könige, mit dem Stock in der Hand, durch die Straßen der Resi­denz zu gehen pflegten, um überall höchstpersön­lich nach dem Rechten zu sehen und erforder- lichensalls durch die allerhöchste Hand tatkräftigst nachzuhelfen, so war man hier und da geneigt, die häufigen Kaiser-Visiten im Kanzlerhaus mit im Werden begriffnen Ueberraschun g en in Verbindung zu bringen. Daß man dabei weniger an das Sorgengewirr in den Balkan­bergen, als an das weltbestaunte Ereignis des Mißtrauensvotums gegen den Kanzler dachte, darf angesichts der Eigenart unsrer national­politischen Psyche nicht befremden, denn (kal­kulierte die Phantasie der Zeichendeuter) wenn Majestät in den Tagen, da die Balkankrise den Gipfel der Gefahren erreicht, die persönliche Unterhaltung mit dem verantwortlichen Staats­mann im Reich nicht als dringlich erachtete, dann dürste auch heut, wo der erste Akt der Türken-Tragödie nur für die Wiederho­lung des Szenenbilds hergerichtet wird, fort­laufende Aussprache zwischen Krone und Kanz- ler kaum Zwangsgebot unabwendbarer Not­wendigkeit fein. Und die Männer, die aus den dunklen Koffein-Niederschlägen in den goldge- ränderten Mokka-Täßchen der Berliner CasS- paläste des Vaterlands Zukunft zu ergründen

Gleich ein westereS Wetterzeichen: Am letz­ten Januartag malte die BerlinerGermania", . durch deren Letterzeilen die Stimme des Herrn Peter Spahn zum Land zu sprechen pflegt, ein großes Fragezeichen aufs rasch gilbende Hol,- Papier. Sie erzählte uns, daß die Wiedervor­lage der Erbschaftssteuer auf politischen Sturm deute, und ermahnte die Parteifreunde im ganzen Reich,die Organisationen zu stär­ken und zu kräftigen". Denn (las man)eine Reickstags-Neuwahl kann dem deut- icken Volk noch vor Pfingsten bevorstehen". Man darf annehmen, daß der Alarmruf des von Herrn Spahn inspirierten Blattes nicht ohne eine bestimmte Absicht erfolgt ist, und es liegt nahe, den Vorstoß gegen den Kanzler (ge-

leicht noch als Möglichkeits-Argument für die letztere Annahme gedeutet werden: Das Reich steht vor der Notwendigkeit neuer Rüstungs- Verstärkung, und niemand kann darüber im Zweifel sein, daß diese Notwendigkeit im gan­zen Volkbereich erkannt und als Forderung des Tags gewürdigt wird. Die Regierung hätte also, wenn sie wirklich dem Zwang der Reichstag-Auflösung entgegengedrängt werden sollte, eine Wahlparole in der Hand, die an Gewicht und Gehalt derjenigen vom drei­zehnten Dczembertag neunzehnhundertsechs nicht nachstände. Ob es sich unter diesen Um­ständen für die Helden von Krotoschin und ihre Kampfgenossen empfiehlt, zum Speer der Op­position zu langen, darf füglich bezweifelt wer­den. Wozu also der Lärm? Auf den Ueber- mut der Faschingstage pflegt bekanntlich über Nacht des Aschermittwochs melancholisch-dü­stere Ernüchterung zu folgen . . .! F. H.

Gegenteil von Terrorismus. (Sehr wahr! rechts, Zurufe bet den Sozialdemokraten.) Die preußische Regierung wird wohl bald zu der Einsicht kommen, daß sie mehr für den Schutz der Arbeitswilligen tun muß, wenn sie alle die Tränen sieht» die der Terrorismus der Sozialdemokratie verschuldet hat. (Wilde Zu­rufe bei den Sozialdemokraten. Abgeordneter Dr. Liebknecht ruft: Schämen Sie sich, es ist eine Schande, dies zu behaupten.)

Vizepräsident Dr. Krause: Herr Liebknecht, ich rufe Sie wegen dieser unqualifizierbaren Aus­drücke zur Ordnuig. Nach dem nationallibera­len Abgeordneten Friedberg, der gegen das W e l f e n t u m in der Provinz Hannover scharf vorgeht, nimmt das Wort

Minister von Dallwitz.

Der Minister des Innern führte aus: Den wölfischen Bestrebungen wird durch die Be­hörden in Hannover weder mittelbar, noch un­mittelbar eine Förderung zuteil. Daran wer­den wir auch fernerhin festhalten. Eine einheit­liche Gesetzgebung über die Kommunalauf­sicht wird sich kaum ermöglichen lassen; dazu ist diese Materie bei Stadt- nnd Landgemein­den zu verschiedenartig geregelt.

Die Behauptung, es bestände zwischen dem Staatssekretär des Innern und mir ein Ge­gensatz, ist unbegründet. Daß der Ter­rorismus nicht von der Sozialdemokratie ausgegangen sei, sondern von den Arbeits­willigen. wie der Abgeordnete Hirsch meinte, ist eine kühne Behauptung. (Sehr rich- ttg!u. Zustimmung rechts.) Wenn aber gesagt wurde, daß der Sozialdemokratie kein ein­ziger Fall von Terrorismus nachzuweisen sei, so erinnere ich nnr daran, daß anläßlich des Streiks im Ruhrgebiet in dielen hundert Fällen Verurteilungen wegen Terrorismus erfolgt sind, und die Mehrzahl der Verurteilten waren Sozialdemokraten. (Sehr wahr! rechts.)

lieber die Belastungen der mittleren und kleinen Gemeinden in Preußen und die infolgedessen eingetretene Verschuldung ist eine Statistik eingeleitet; diese wird eine geeignete Grundlage für die notwendigen Maßnahmen zur Beseiti­gung der Uebelstände bilden. Die Vorlegung eines Wohnungsgesetzes ist Sache des Handelsministers, der seinerzeit auch dessen Um­arbeitung in die Wege geleitet hat.

Abgeordneter Dr. Marx

vom Zentrum: Die unerhörten An­griffe des Abgeordneten Kardorff auf unsere Partei muß ich entschieden zurückweisen. (Leb­hafte Zustimmung im Zentrum.) Gerade der Vater des Abgeordneten Kardorff hat gesagt, es sei unzulässig, dem Zentrum den n a t i o n a - lenCharakter abzusprechen. Es wäre eine Schwäche vom Zentrum gewesen, wenn eS im Reichstag bei der Frage der Enteignung ge­schwiegen hätte. (Widerspruch u. Zuruf.) Sie haben von Verkappen «. offenen Reichsfein- ben von verkappten und offenen Reichsfein­den gesprochen, und das müssen wir uns ent­schieden verbitten. (Bravo! im Zentrum.) Herr Kardorff verkennt das Wesen der Sozialdemo­kratie, wenn er ihr abspricht, daß sie das Pro- dukt einer geistigen Entwicklung sei. ES handelt sich um die Frage der Weltanschauung: Christentum und Antichristentum. (Zustimmung im Zentrum.) Deshalb muß man ihr auch mit geistigen Waffen entgegen­treten.

Nach weiterer Debatte, in der es noch zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Polen Korfanty und dem Minister von Dall­witz kommt, wird die Weiterberatung des Etats des Ministeriums des Innern auf Sonn­abend vertagt.

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p.en den der von derGermania" angekündigte Sturm sich doch wohl richten soll) mit der Aktion in Verbindung zu-bringen, die in den letzten Januartagen von Zentrum, Polen und Sozialdemokraten bei der Enteignungsdebatte inszeniert wurde und deren Siegerpreis be­kanntlich jenes Mißtrauens-Votum war, in dem kundige Thebaner die endliche Erfüllung der Racke-Sehnsucht Peter Svahns erblickten. Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, kann übri­gens ohne Augenglas erkennen, daß der von der Germania" avisiertepolitische Sturm" nicht ohne die freundliche Mitwirkung des Zentrums sich einstellen' wird, und daß man im Streife der inn Peter Spahn und Matthias Erzberaer Ge­scharten entschlossen ist, mit Herrn Theobald von Bethmann Hollweg ehestens General-Ab­rechnung zu halten. Daß diese Kraftprobe zwi­schen dem Kanzler und der vor und hinter den Kulissen einflußreichsten und geschäftigsten Par­tei des Reichstags einmal kommen werde, war borauszusehen, und es ist vielleicht sogar nütz­lich, wenn sie b a l d kommt und damit die inner­politische Lage eine Klärung erfährt.

Die Frage ist nun: Wird der Reichstag oder. . . der Kanzler gehen? Man weiß, daß Herr von Bethmann Hollweg still im ver­borgensten Winkel des Philosophen-Herzens die Sehnsucht nach den ragenden Pappeln und der idyllischen Herrenhaus-Veranda Hohen­finows nährt; es ist auch längst nicht mehr Ge­heimnis, daß man in Hofkreisen bereits ein halbes Dutzend Anwärter für den Kanzlerstuhl bereit hält, von denen ein jeder sich befähigt erachtet, Bismarcks Erbe als fünfter Nachfahr ?u den Gipfelhöhen einstigen Glanzes emporzu- sühren. Vermutlich wird die Lenz-Zukunft, die die BerlinerGermania" so april-stürmisch und katastrophal gezeichnet, Herrn von Bethmann selbst nicht als sonnenheller Frühlingstag er­scheinen, und da der fünfte Kanzler nicht nach dem Ruhme geizt, in Sturm und Kampfge­braus in die Stille von Hohenfinow beurlaubt ju werden, so umschließt den Möglichkeitsbe- ceich die Annahme eines Kanzlerwech­sels mindestens ebenso eng wie die Be- stirchtung, der Reichstag könne alsPar­lament von Philippi" am FelSblock der sich vorbereitenden SPahn-Ledebour-SostnSky-Op- iofitwn zerschellen. "*>o5 Eine könnte viel-.

km kmril am Mdyol?

SbsrleutnantFilchnerr... die Theorie, daß am Südpol sich ei» sechster Kontinent von un- berechenbarerAusdehnung befindet, ist durch die Ergebnisse meiner Expedition bewiesen!" Wir haben bereits wiederholt über die über­raschenden Ergebnisse der Südpol-Expedition des Oberleutnants Filchner berichtet, die die oft erörterte Frage eines sechsten Erdteils am Südpol wieder aktuell werden lassen. Inzwischen hat sich Oberleutnant Filch- uer, der sich zurzeit in Buenos-Aires befindet, über die Resultate seiner Fahrt zum Südpol persönlich eingehend ausgesprochen und seine Mitteilungen sind die B e st ä t i g u n g der An­nahme, daß Filchner tatsächlich am Südpol neue Sanbgebtete von großer Ausdeh­nung festgestellt hat. lieber Filchners Angaben liegt uns folgende Meldung vor:

Das Rätsel des Südpols.

(Telegraphischer Bertcht.)

Berlin, 1. Februar.

Oberleutnant Filchner ist mit den Mit­gliedern der von ihm geführten antarktischen Expedition an Bord des Walfiso.qängers Deutschland" am 7. Januar in Buenos Aires cinnctroffcn. Das Schiff war durch schwere Seen beschädigt, der Rumpf ist jedoch iittatt geblieben, und es sind nur Reparaturarbeiten geringeren Grades notwendig. Wie Filchner mitteilte, wird dieDeutschland" im kommenden Herbste nach dem Archipel von Süd-Georgien gehen, von wo aus Filchner im Dezember eine zweite Reise nach dem neuen Land und der Eisbarriere unternehmen werde, die er im Wed­delmeere entdeckt hat. Heber die Ergebnisse seiner Fahrt sprach der Südpolforscher sich fol­gendermaßen aus: MeineExpedition machte eine Entdeckung, die im Zusammenhänge mit frühe­ren Forschungen meiner Vorgänaer ein b e - deutsames Licht auf die Gestaltung der Antarktis wirft. - ch fand fthr weit südlich eine unerwartete Verlängerung des von Bruce 1904 entdeckten Coatslandes, das bis zum neun- undsiebzigsten Grad südlicher Breite reicht. Wei­ter nach Westen war die Eisbarriere anschei­nend gleicher Natur wie die Roßbarriere auf der entgegengesetzten Seite des antarktischen Kontinents. Hierdurch wurde die

interessante Tatsache

festgestellt, daß sowohl auf der australischen, wie auf der atlantischen Seite des Süd- polarmeereS eine tiefe Bucht weit ins Jnlandeinschneidet.dieauf jeder Seite ihren südlichsten Endpunkt zwischen dem acht- undfiebzigsten und achtzigsten Grad südlicher Breite hat. Wir haben die Neberzeugung gewonnen, daß im Süden beider Meere sich enorme Eismauern Hunderte von Mei­len nach dem Innern hinziehen, die die bedeutende Bergkette bilden, die Shacleton entdeckte. Die Theorie, die vorher von den Ant- arktisforschern aufgestellt wurde, daß am Süd­pol sich ein sechster Kontinent von u n - berechenbarer Ausdehnung befindet» ist daher bewiesen. Zur genaueren Kennt­nis der Gestaltung des antarttischen Kontinents am Weddelmeer ist unbedingt notwendig, daß meine Expedition in diesem Jahre noch ein­mal südwärts geht, um alle Zweifel, die noch bestehen, durch Schlittenreisen ins Innere auf- zullären. Diese Schlittenreisen werden zur weiteren Kenntnis der antarttischen Geographie ein bedeutendes beitragen. Ich bin überzeugt, daß in der Fottsetzung meiner Entdeckungs­fahrt die Lösung des bedeutsamste« geogra­phischen Problems der neuen Zeit liegt.

Wir haben bereits gestern in unferm tele­graphischen Bericht über die Freitag-Sitzung des Abgeordnetenhauses den scharfen Vorstoß erwähnt, den der freikonservative Ab­geordnete von Kardorff anläßlich Her Po- lendebatte im Reichstag gegen den Reichskanz­ler und den Reichstag unternahm, und der das deutliche Anzeichen einer tiefen Mißstimmung in konservativen Streifen ist. Stardorffs schroffe Rede war indessen nur der Auftakt zu den scharfen Auseinandersetzungen, die gestern im preußischen Abgeordnetenhaus stattfanden: Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung stand der Etat des Ministeriums des Innern. Erster Redner hierzu war der Freikonservative,

Abgeordneter von Kardorff:

Ich bedauere, daß der Reichstag sich am Donnerstag ganz unerhörter Weise in eine preußische Angelegenheit gemischt hat; noch mehr bedauere ich, daß das Zentrum in Gesell­schaft der Polen, der verkappten und offenen Reichsfeinde, dem Reichskanzler ein Miß­trauensvotum erteilt hat.

Mag man über die Frage denken, wie man will: Sie ist eine innerpreußische und gehört hierher; der Reichskanzler ist als Ministerpräsident hierüber nur dem Abge- ordnetenhaufe verantwortlich. Ich hoffe, daß diese Aktion auf die Regierung keinen Ein- druck machen wird. Die Ausführungen, die der Abgeordnete Graf Westarp vor kurzem im Reichstage über den Schutz der Ar­beitswilligen gemacht hat, billigen wir durchaus. Wir fordern ebenso wie die große Mehrheit der Handelskammern in dieser Hinsicht gesetzliche Maßnahmen. Mit den jetzigen GesetzeSvorschriften kommen wir nicht aus; sonst sind ie Arbeitswilligen dem Ter­rorismus der Sozialdemokratie auf jeden Fall ausgeliefert. (Sehr richtig!) Die Macht der Sozialdemokratie beruht nur darauf, daß sie der organisierte Terror ist (Sehr richtig! und Bravo! rechts; Wider­spruch und Lachen bei den Sozialdemokraten), unb da muß sich der Staat auf gesetzliche Ab­wehrmaßregeln besinnen.

Das Sozialistengesetz hat seinerzeit eine sehr gute Wirkung gehabt. Jetzt haben Regie­rung und Parteien scheinbar das Gefühl verloren für die Gemeingefährlichkeit der Sozialdemokratie. (Lebhaftes sehr richtig! rechts.) Wir haben die Aufgabe, zu warnen. Da­mit erfüllen wir die Pflicht gegen uni er Gewis­sen und gegen das Land.

Abgeordneter Hirsch-Berlin, der Redner der Sozialdemokratie: Der Reichs­tag hat sehr wohl das Recht, auch preußi­sche Angelegenheiten zu besprechen. Aus der konservativen Presse und auch aus der Rede des Herrn von Kardorff kann man den Schluß ziehen, daß die Mini st er stürz er wieder an der Arbeit unb die Tage des Herrn Delbrück gezählt sind. (Lachen rechts.)

Daß die Sozialdemokratie immer mehr Einfluß in den Stadt- und Gemeindeverwal­tungen erhält, ist erklärlich, da die Ueberzen- fiung von der Wichtigkeit unb Notwendigkeit der Sozialdemokratie in immer weitere Streife bringt. Dies mit Gewalt hintan­halten zu wollen, ist ungefetzlich und bedeu­tet einen Eingriff in die kommunale Selbst­verwaltung. Ein vom Abgeordneten Kar­dorff gewünschtes Zuchthausgesetz würde sich nicht sowohl gegen die Sozialde­mokratie als vielmehr gegen die Gewerffchaf- ten richten, die als Streikorganisationen an­gesehen werden. Unter dem stüheren Sozia­listengesetz ist die Sozialdemokratte groß und stark geworden. Wir fürchten auch ein neues Sozialistengesetz nicht.

Mit diesen niederträchtigen Aus- nahmegesetzen können Sie (nach rechts) die Sozialdemokratie nicht Niederkämpfen. (Vi­zepräsident Dr. Krause ruft den Redner we­gen des Ausdrucksnieberträchtig" zur Orb- nung.) Die Sozialbemottatie ist eine eminent geift.ge Bewegung unb keine Gewaltmaß­nahmen sind imftanbe, sie zu vernichten. (Bra­vo! bei ben Sozialdemokraten.)

Graf von der Groeben, Mitglied der konservativen Fraktion: Der Terrorismus der Sozialdemottatie ist kein Märchen. Von der Sozialdemottatie werden alle diejenigen Arbeiter auf die Straße gesetzt, die sich ihren Organisationen nicht anschließen. Wenn die Unternehmer sich diesen Bestrebun- gen widersetzen, wenn sie den Arbeitswilligen

*

Keine Reichstags-Auflösung!

(Telegramm nnsers Korrespondenten.)

Berlin, 1. Februar.

An die Annahme des Mißtrauensvo­tums gegen den Reichskanzler durch den Reichstag ist j« der Presse die Folgerung ge­knüpft worden, daß in Regierungskreisen die Absicht bestehe, den Reichstag aufznlö- se n. Wie ich hierzu an zuständiger amtlicher Stelle erfahre, sind diese Gerüchte vollständig grundlos. Der Reichskanzler hat erklärt, daß der Reichstag für die Erörterung der Po­lenfrage nicht zuständig sei. Mit dieser Voraussetzung enffallen für ihn auch alle Schlüffe, die aus dem Mißtrauensvotum der Reichstag-Mehrheit zu zieh«, sind.

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