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CMerNeueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

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ghimmet 46.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 29. Januar 1913

Wermuth, der Thebmm.

Ein Mann vom Ban als Ankläger.

Der Berliner Oberbürgermeister Wermuth, der früher selbst im illustren Kreise der Regie­renden saß, hat uns dieser Tage erzählt, daß auch im Reich des Herrn von Bethmann Holl- wig die Sonne untergeht und der Betrieb der Staatsregierung an denselben Schwächen krankt, die das Dasein der in gottgewollter Ab­hängigkeit verharrenden übrigen Sterblichen verkümmern. Als Beispiel und Beweis nannte der Herr Oberbürgermeister in einem Tonfall, der seinem Namen Ehre machte, die immerhin beachtliche Tatsache, daß eine Eingabe der Ber­liner Stadtverwaltung sieben lange Monde hindurch im Mtenschrank eines Preußischen Mi­nisteriums gilben mußte, bevor die Stunde kam, die die rühmlichst bekannteweitere Ver- anlaflung" brachte. Herr Wermuth ist (wie gesagt) selbst ein .Mann vom Bau", hat jahr­zehntelang alle Freuden und Leiden des Akten- staub-Dereichs durchkosten dürfen und muß drum, wenn er gegen Methode und Prinzip der Staatsverwaltung vom Leder zieht, als sachkundiger Kritiker geschätzt werden. Seine Anklagen richteten sich in erster Linie gegen die systematische Bekämpfung der kommunalen Selbstverwaltung seitens der Regie­rung, durch die die Arbeit der städtischen Kör­perschaften erheblich erschwert und der gedeih­lichen Entwicklung, namentlich der g r o ß st ä d- tischen Gemeinwesen, Schwierigkeiten berei­tet würden.

Herr Wermuth hat mit seiner scharf-um- rissnen Kennzeichnung des herrschenden Sy­stems sicher keine neue Offenbarung gegeben, denn wir alle wissen, daß in den Kanzleien, in denen die Aktenberge erzeugt werden, ein Geist herrscht, der mit den Regungen des bürgerli­chen Lebens und den frischen Strömungen fort­schrittlicher Entwicklung nichts gemein hat, und wenn es auch beklagenswert ist, daß die Stadt Berlin sieben Monde hindurch vergeblich auf die ministerielle Beantwortung ihrer sehr er­gebnen Eingabe warten mußte: Ueberra­sch en kann das nicht, und wenn Herr Wer­muth nicht vom Exzellenzenstuhl zum Ober- 'bürgermeisterseflel geschritten, sondern auf dem engen Pfad der Kommunalbeamten-Laufbahn zur Höhe emporgestiegen wäre, dann würde ibn das Ereignis kaum sonderlich befremdet haben. Die staatliche Verwaltung ist (kein Ressort ausgenommen) ein Reich für sich, dessen Grenzen der hohe Mauerwall papierner Traditionen schützt. Wir haben es erlebt, daß ein zum Tod Verurteilter ein halbes Jahr hin­durch in der furchtbaren Ungewißheit .Tod ober Leben?" schwebte, nur, weil das von Verteidiger und Geschwornen eingereichte Gnadengesuch auf dem Instanzenweg sich .ver­spätete" und vielleicht in irgend einem Kanzlei- Repositorium friedlich zwischen Gesuchen um Stundung einer Fünfmark - Geldstrafe und Gendarmerie-Anzeigen lagerte, und es ist noch unvergessen, wie einem greisen Veteranen plötzlich (nach fünfzehnjährigem Un­terstützungs-Genuß) die in Schlacht und Kampf tausendmal verdiente Rente .gekürzt" wurde, weil der Mann am Kanzleitisch, der vor an­derthalb Jahrzehnten den Anspruch des Alten berechnet, sichgeirrt".

Das alles sind Dinge, mit denen Wir unS abgefunden haben, wie man sich mit der In­fluenza oder mit dem epidemischen Herbst- schnupsen abzufinden Pflegt, und wenn Herr Wermuth darüber erstaunt ist, so beweist das .nur, daß er sich in den Jahren, in denen er selbst im Staatsamt saß, sonnenhellen Idealis­mus und unbeengte Elastizität zu erhalten vermocht. Herr Bernhard Dernburg, der aus dem Bank-Kontor zur Kolonial-Regierung berufen ward, hat's erfahren, was es heißt, im Amts­betrieb gegen die GötzenTradition" und Schema F" anzukämpfen. Als er, von Arg­wohn und Mißtrauen empfangen, ins Amt kam, erhofften die Optimisten unter den Zeit­genossen von dem in mannigfachen Schwierig­keiten erprobten, als Organisatior und Mana­ger bewährten Kaufmann eine Reforma­tion der Verwaltungstechnik, eine Neubelebung der in finstrer Verknöcherung erstarrten Ar­beitsmethode und eine der neuen Zeit ange­paßte Verjüngung der Bureaukratie. Die Hoffnung wurde indessen zur Enttäuschung: Richt weil Dernburg Willen und Tatkraft ver­missen ließ, sondern weil seine Kraft nicht ausreichte, die zu Bergen getürmten Schwie- rigkeften niederzuzwingen. Als er ging, soll (nach dem Zeugnis Eingeweihter) der Schlen­drian sichtbarer gewesen sein, als je zuvor: Ein starker Mann, den selbst die Gegner nicht des Mangels an Energie zu zeihen wagten, hatte vor stärkern Mächten, vorTradition" und .Schema F" kapitulieren müssen!

Was Herr Wermuth über die der kommu­nalen Selbstverwaltung durch die Geg­nerschaft der staatlichen Organe drohenden Ge­fahren sagte, war an sich auch nicht neu; es gewann aber an Bedeutung und Gehalt durch die Autorität der Stelle, die zum Ankläger ward. Die Selbstverwaltung der Städte un- steht bekanntlich bis zu einem gewissen Grade dem Aufsichtsrecht des Staats, und es läßt sich nicht leugnen, daß diese Kontrolle eine Not­wendigkeit darstellt; eine Art Regulator, des­sen Druck mitunter störend sein kann, der aber nichtsdestoweniger nützlich und ausgleichend zu wirken vermag, wenn er verständig und ohne einseitiges Vorurteil gehandhabt wird. Die Gefahr der Hemmung besteht indessen stets dann, wenn Gegensätze zwischen den Plä­nen der Kommune und den Verwaltungsten­denzen der aussichtführenden Regierung er­kennbar werden, und es scheint sich grade in neuerer Zeit die Gepflogenheit herausgebildet zu haben, das dem Staat in Einzelfällen zu­stehende Aufsichts- und Mitbestimmungsrecht als eine Art Waffe gegenüber der großstädti­schen Entwicklung anzuwenden und die Selbst­verwaltungs-Körperschaften die Fessel staatli­cher Bevormundung fühlen zu lassen. Wo das geschieht (und Berlin wird wohl nicht die e i n- zige Stadt sein, die darüber Beschwerde zu führen hat), ist es die Pslicht der städtischen Verwaltungen, die Rechte der Kommune gegen alle Eingriffe mannhaft zu verteidigen, und wenn auch nicht jede Großstadt im Lande Preu­ßen eine frühere Exzellenz zum Oberbürger­meister hat, so darf man doch erwarten, daß Das, was Herr Wermuth in Berlin zu tun vermag, seinen Kollegenin der Provinz" zu tun nicht unmöglich ist. ..! F. H.

Krisen- und Mtse!-Zett.

Will auch Herr Delbrück gehe»?

Wir haben gestern an dieser Stelle die Ge­rüchte registriert, die über den bevorstehenden Rücktritt des Reichsschatz-Sekretärs Kühn im Umlauf sind, und die nach Lage der Verhält­nisse nicht ohne weiteres ins Reich der Fabel verwiesen werden können. Im Zusammenhang mit diesen Krisengerüchten wird nun bekannt, daß auch die Stellung des Staatssekretärs im Reichsamt des Innern, Dr. Delbrück, er­schüttert und mit der Möglichkeit eines Wech­sels au-! diesem Posten zu rechnen sei.

Herr Delbrück weiß von nichts...!

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 28. Januar-

Die angebliche Krise im Reichsatnt des In­nern dürfte auf die.Angriffe zurückzuführen sein, die feit einiger Zeit systematisch von der Rech­ten gegen den Staatssekretär Dr. Delbrück gerichtet werden. Diese Angriffe werden mit besonderer Heftigkeit erneuert, seitdem der Reichstag im Einverständnis mit dem Staats­sekretär die Resolution über das Streik­postenstehen abgelehnt hat. Die Konser­vativen benutzen jetzt den Zwischenfall wegen des Wohnungsgefetzes, um Delbrücks Stellung von neuem als erschüttert hinzustellen. Es hat zweifellos im Reichstag bei allen Par­teien merkwürdig berührt, daß Delbrück, bevor der Reichsanzeiger den Entwurf des Woh­nungsgesetzes veröffentliöbte, nicht gewußt hat, daß ein solches Gesetz in Preußen zur Ein­führung kommen soll. Man hat dies darauf zurückgeführt, daß zwischen Delbrück und der preußischen Regierung überhaupt Unstim­migkeiten bestehen. Die Deutsche Tages­zeitung, das Organ des Bundes der Landwirte, greift nun diesen Umstand auf. nicht, um etwa die preußische Regierung, die Delbrück in Un­kenntnis des Planes gelassen hat, sondern Delbrück zu attackieren, indem sie es als eigentümlich bezeichnet, daß er nicht gewußt habe, was seine preußischen Kollegen beabsich­tigen.

Das übliche Dementi.

Ein weiteres Privat - Telegramm meldet uns aus Frankfurt a. M-: Die Mel­dung von dem beabsichtigten Rücktritt des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes, Kühn, ist (wie die Franksurter Zeitung aus amt­licher Quelle erfährt) nicht zutreffend. Der gegenwärtige Staatssekretär hat nicht die Ab- sicht, zurückzutreten; er gedenkt vielmehr die Steuervorlagen, die zur Deckung der neuen Militärforderungen.nötig sind, selbst zu ver­teidigen. (Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Zukunft dieses etwas eigenartig geformte Dementi bestätigen wird.)

Hiobspost aus Lfchataldfcha!

Blutige Konflikte in der Türke»-Armee?

Konstantinopel, 28. Januar. tPri- vat-Telegramm.) Hartnäckig umlaufende Gerüchte besagen, daß es in der Armee vor Tfchataldscha »wische« Anhängern der

Jungtürken und denen des früheren Kriegs- Ministers Rasim Pascha zu ernsten Z w i st i g - ketten gekommen sei. Es soll sogar zu einem blutigen Konflikt unter den Truppen gekommen sein. Eine Bestätigung dieser Ge­rüchte fehlt noch.

Das Balkan-Drama.

Dor dem Wiederbeginn des Krieges?

Die Antwortnote der Türkei an die Groß­mächte, deren Inhalt über Krieg und Frieden am Balkan entscheiden wird, ist zwar noch nicht offiziell bekannt, dock kann es nach Lage der Verhältnisse keinem Zweifel unterliegen, daß die Jungtürken-Regierung die Preisgabe Adrianopels strikte ablehnen wird, was dann gleichbedeutend sein würde mit der Ent­scheidung der Türkei für die Wiederauf­nahme des Krieges. Wie uns aus Konstan­tinopel berichtet wird, hat der Ministerrat ge­stern abermals den Entwurf der Antwortnote beraten, und es ist wahrscheinlich, daß die tür­kische Antwort bereits morgen oder übermor­gen den Mächten übermittelt werden wird.

Die Entscheidung am Mittwoch.

(Privat - Telegramm.)

Konstantinopel, 28. Januar.

Großvesir Mahmud Schefket Pascha stat­tete gestern den Botschaftern einen Besuch ab und versprach die A n t w o r 1 der türkischen Regierung auf die Note der Mächte für Mittwoch. Der Rat der Jungtürken hat be­schlossen, weder Adrianopel noch die Aegäi- fchen Inseln abzutreten. Der bisherige Großvesir Kiamil Pascha hat einen Anfall von Paralise erlitten. Seine rechte Seite ist vollständig gelähmt. Tewfik Pascha, der türkische Botschafter in London, hat die Ein­ladung deS Königs Georg, einige Tage in Windsor zuzubringen, im Hinblick aus die jetzige schwierige Lage, die seine Anwesenheit besonder- erforderlich macht, abgelehnt. Ein kaiserliches Jrade gibt die Ernennung des Prinzen Said H a l i m zum Minister des Aeußern bekannt.

Keine Hoffnung auf Friede«?

(Privat-Telegram m.)

Athen, 28. Januar.

In hiesigen maßgebenden Kreisen ist man der Ansicht, daß der politische Wandel iu der Türkei notgedrungen zur Fortsetzung des Krieges führen müsse. Ein wir­kungsvolles Einschreiten der Mächte sei bei der offenlundigen Unstimmigkeit, die durch das Abschwenken der Jungtürken in daö deutsch-österreichische Lager noch verstärkt worden sei, nicht zu erwarten. Zu einem einseitigen Borgehen Rußlands fei infolge der Furcht vor einem allgemeinen Zusammenstöße, vorläufig wenigstens, keine Aussicht. Die Balkanstaaten würden weiteren Ausflüchten der Türkei oder den Be­mühungen Europas, eine günstige Lösung in Konstantinopel herbeizuführen, keinen Vor­schub leisten, da sie sonst der türkischen Schlau­heit zum Opfer fallen würden.

Kündigung des Waffenstillstands?

(Privat-Telegramm.)

Sofia, 28. Januar-

Die Regierung stellt den Friedensunter- händlern in London anheim, nach eigener Ansicht die Friedensunterhandlun­gen abzubrechen und den Waffenstillstand zu k ü n d i ge n. Hier hat man sich allgemein schon mit dem Gedanken einer Fortsetzung des Krieges vertraut gemacht. Es wird erklärt, die militärischen Aktionen würden mit der Beschießung und Erstürmung Adria­nopels beginnen. Die Meldungen, die aus Konstantinopel hier einlaufen, klingen nicht hoffnungsvoll und man erwartet den A b - bruch der Friedens-Verhandlungen. Doch wird erklärt, daß dieser Abbruch nicht gleich die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten be­deuten müsse. Dagegen befürchtet man beim Wiederbeginn des Krieges ein Ueberfpringen der Verwicklungen auf Asien.

Eine neue Möglichkeit der Lösung des Friedensproblems wird in einem uns aus London zugehenden Privat-Tele­gramm angedeutet. Danach wird gegenwär­tig von maßgebenden türkischen Persönlichkeiten folgender Vorschlag erörtert: Adrianopel und ein schmaler Streisen Gebiet ringsherum soll als neutrale Zone zwischen der Türkei und Bulgarien konstituiert werden. Diese Zone darf nicht befestigt und nicht von Truppen be­setzt werden und erhält autonome Verwal­tung unter einem Gouverneur, der einem der europäischen Kleinstaaten zu entnehmen ist.

Europa schickt Kriegsschiffe!

Depeschen au- Mailand zufolge sind die italienischen SchiffeRegina Elena", Vittorio Qmanuele" undRoma" in der Sach

zum Montag unter dem Kommando des Admi­rals Viale nach der im südlichen Teile des Aegäischen Meeres gelegenen Insel Astropaöia in See gegangen. Vizeadmiral Amero d'Aste hat sich auf derRegina Margherita" einge­schifft und alle Schiffe seiner Division nach Augusta dirigiert. Auch Frankreich plant die Entsendung mehrerer Kriegsschiffe in die türkischen Gewässer.

Der Retter der Mei.

Enver Bei, der türkische Nationalheld.

Enver Bei, der junge türkische Offizier, des­sen Name gegenwärtig wieder einmal in aller Munde ist, verrät in seiner äußeren Erschei­nung nur wenig von der energischen, selbst­bewußten Persönlichkeit, die sich in ihm ver­birgt. Sein Gesicht ist von fast weiblicher Schönheit und sein Blick kann so sanft fein, daß man von den plötzlichen Ausbrüchen seiner Kampfnatur stets von neuem überrascht ist. In solchen Augenblicken aber reißt er durch seine Leidenschaftlichkeit und Kampflust auch die Wi­derstrebenden mit sich fort. So erklärt sich auch sein Erfolg in diesem Augenblick, und mit den­selben Mitteln wird Enver Bei auch weiterhin auf die Massen und die Soldaten wirken. Ueber die Persönlichkeit des türkischen Nationalhelden wird uns geschrieben:

Der Bonaparte der Türkei.

(Von unferm E. (-.-Mitarbeiter.)

Konstantinopel, Ende Januar.

Enver Bei wird in der modernen Türkei mit dem jungen Napoleon verglichen, und Na­poleon Bonaparte ist in der Tat Enver Bei's Vorbild, dem nachzueifern fein größter Ehrgeiz zu fein scheint. Hat er sich doch eines Tages selbst mit Napoleon verglichen, als er an der Spitze der jungtürkischen Empörer den alten Sultan stürzte und nach der Tat von türkischen Frauen mit einem förmlichen Hagel von Blu­men überschüttet worden ist. In der Erinne­rung an jene Szene hat Enver Bei erzählt, wie ihm seine Kameraden sagten:Ergreife die Gewalt; du wirst ein zweiter Napoleon sein!" Die jungtürkischen Blätter haben ihn ebenfalls denNapoleon des zwanzigsten Jahr­hunderts" genannt, und ein italienischer Jour­nalist, der Enver Bei kürzlich im Hause seines Vaters in Konstantinopel besuchte, fand die Wohnung mit Porträts und Andenken an den großen Korsen gefüllt, Statuetten und Gra­vüren, von denen die eine das Datum des sechsten März 1908, also kurze Zeit vor der Nie­derwerfung des alten Regimes, trug. Enver Bei traf am zwölften Dezember des verflosse­nen Jahres in Konstantinopel ein. Er hatte sich unerkannt in Aegypten auf einem italienischen Dampfer eingeschifst, der ihn nach Kleinasien brachte. Von hier erreichte er die Hauptstadt, wo ihn sein Vater, einige Freunde und zwei oder drei italienffche Journalisten erwarteten.

Die türkische Regierung hatte keinen Vertreter zum Empfang geschickt, und die Konstantinopeler Blätter verzeichneten am nächsten Tage mit wenigen Worten und ohne jeden Kommentar die Ankunft des Man­nes, der in Aftika dieEhredertürkischen Armee gerettet hatte. Es schien, als ob die offizielle Türkei den albanesischen Helden tot­schweigen wollte. Trotzdem war Das, was Enver Bei in der Cyrenaika für sein Land ge­leistet hatte, dem türkischen Volk nicht unbe­kannt geblieben. Dieser junge Offizier, der da­mals nur Major war, aber die Funktionen eines Generalissimus ausübte, hat in einem Kriegsjahr mehr vollbracht, als die Türkei in 85jähriger Herrschaft auszuüben vermochte. Mit einer Handvoll regulärer Truppen hat er die arabischen Horden organisiert und geschult, und ihnen Sympathie für die türkische Heimat bei­gebracht. Diese improvisierte Armee, die er in zwanzig Kämpfen gegen einen bei wei­tem stärkeren Feind ins Feuer führte, blieb ihm bis zum Ende treu, und wenn der Friede nicht vorzeitig geschlossen worden wäre, hätte er-wei­ter auf die unbedingte Ergebenheit diefer Wü­stenföhne zählen dürfen. Aber er zog es vor, Europa wieder zu gewinnen, wo fein Vater­land selbst sich in Gefahr befand. Von den lei­tenden Staatsmännern wurde Enver Bei seit langem mit einem gewissen Mißtrauen betrach­tet, und man suchte seine militärffche Laufbahn nach Möglichkeit auszuhalten. So erklärt es sich, daß er erst vor wenigen Wochen zum Oberstleutnant befördert wurde.

Eine Unterredung mit Enver Bei.

Wie uns aus Konstantinopel berichtet wird, empfing Enver Bei gestern int Konak sei­ner Mutter einen Mitarbeiter desOsmani­schen Lloyd". Enver Bei erklärte dem Journa­listen:Die Männer, die Donnerstag nachmit­tag auf der Pforte erschienen, bezweckten nut die Rettung des Vaterlandes. Sie wer- den ihre Mion bis zu Ende durchführen." Aus