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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Dem Kaiser!

A« Geburtstag des Deutsche« Kaisers.

Silhelm der Zweit«, der dritte Kaiser dkS Deutschen Reichs, vollendet am heutigen fich-mund,wanzigsten Januartag sein vierund. flinizigstrs Lebensjahr und daS elfte Lustrum dieses Fürstenlebens wird noch den Tag sehen, da das erste Vierteljahrhundert der Regierung Wilhelms deS Zweiten zur Neige geht. Seit der tragischen Schicksalstunde, die im Unheil- jahr achtzehnhundertachtundachtzig Kaffer Frie. drichs Leben endete und als Erben der Krone die Jugend zur Herrschaft ries, find bald fünf« «^zwanzig Jahre verrauscht, und das Reich tzer Deutschen erfreut fich unterm Szepter des dritten Kaisers einer Entwicklung, die in glei« chem Matze und unter gleichen Verhältnissen kein andre« Voll der Erde in wenig Dezennien durchlaufen. Seit vier Jahrzehnten ermöglicht der Frieden Werke der Kultur und deS Fort­schritts, und die Segnungen nationaler Ent- Wicklung offenbaten sich auf allen Gebieten wirtschaftlichen und geistigen Strebens. MS der damals Neunundzwanzigjährige als drit« ter Hohenzoller im jungen Reich der Väter Thron bestieg, wagte selbst unwandelbares Vertrauen nicht die kühne Hosfnung aus den sieghaften Aufschwung, den deutsche Art und deutsche Arbeit seitdem erkämpften, und man­che ernste Sorge knüpfte fich an des Schicksals Walten, dar in einer kurzen Spanne Zeit zwei Kaiser von des Reiches Thron zum Grabe niedersteigen hieß, und kraftbewutz- ter, tatendrängender Jugend die Bahn zur Er­probung neuer Energie öffnete. Draußen im Weltgetriebe wirkten noch die Erschütterungen des Schicksaljahrs achtzehnhundertachtundacht« zig nach, als der junge Kaiser schon sein Frie­denswerk begonnen, das dann später aller ^.e.t seinen Namen vertraut machen sollte, und das schon in seinem Werden dem Welt- und staats- klugen Leo dem Dreizehnten daS bewundernde Dort vom .sozialen Kaiser" mtlockte.

Nah ein Vierteljahrhundert ist seitdem bet» tmtnert, und noch jedesmal, wenn det Motgen deS siebenundzwanzigsten J-muattagS hetauf- dämmerte, dutste det Deutsche sich bewußt fein, daß das vergangne Jahr im Dasein des Trä­ger- bet Kaiserkrone bet Arbeit für das Wohl der Reichs und der Sicherung deS Friedens gewidmet war; einer Arbeit, deren Früchte al­len Denen zugute kamen, die im Schatten deS R-ichrgebankens friedlich strebten und mit dem Monarchen gemeinsam im Interesse deS Vater­lands wirkten. Gewiß: ES zogen auch dunk­le Tage herauf; Tage, an denen zwischen Fürst und Volk sich Gegensätze offenbarten, di« im Augenblick höchster Spannung unüberbrück­bar schienen, und tot Herzen deS Volks den Zweifel rege werden ließen, ob ein Ausgleich überhaupt ehrlichem Streben möglich. Die.No- vemverschatten" von neunzehnhundertacht siu- indessen nicht zum dauernden Dunkel gewor- den, und Das, waS damals trennend zwischen Thron und Hütte stand, darf heut als beseitigt und überwunden gelten. Auch in eines Kai­sers Seele kämpsen menschliche? Empfinden, Pflicht und Neigung einen schweren Kampf, und die Psyche deS dritten Kaisers ist nicht derart, als daß sie sich ohne Widerstreben dem Taggebrauch anzupassen vermöchte. In Wil­helm dem Zweiten ist die Eigenart einer in sich geschlossnen Persönlichkeit verkörpert, die nicht nach den Maßen deS Alltagstyps gewertet wer- den kann, und deren Vorzüge der EnthusiaS- mus des Auslands über den Grenzpsahl hin­ein lauter ins Land ruft, als sie zuweilen tot Bereich des Heimaturteils gewürdigt wer- ben.

Die ganze Eigenart deutscher Verhältnisse (und deutscher Kleinlichkeit) kommt in der Be- Mteilung Wilhelms deS Zweiten durch die nationale Zeitgenossenschaft meist schärfer »um Ausdruck, als die geschichtliche Gerechtig­keit es gestattet: Am lautren Bild deS Wol- lens im Dasein dieser Kaisers Hai aber auch die Kritik keine Linie zu dmtkeln vermocht, und Deutschland hat ein Recht, mit Stolz und Ver­ehrung auf den Träger 3et Krone zu schauen, der ihm in sünfundzwanztgjähriger Regie- «mgzeit daS Gut des Friedens ungemin- bett erhalten hat. Was Wilhelm der Zweite an weltgeschichtlicher Arbeit für deS Reiches Wohl geleistet, wird die Historie einst mit Stolz bat Rachfahrn künden, wenn der Par­teien Hatz und Gunst der Wahrheit Bild nicht mehr verwirrt. Getragen vom hohen Be- wußtsein seines verantwortungschweren Amts, durchdrungen vom Gefühl ernstester Pflichter­füllung, und geleitet von dem Streben, ein Herrscher deS Friedens und ein Förderer na­tionaler Entwicklung zu sein, torrb Kaiser Wil­helms (BeMt kür immer aU leuchtendes Vor­

bild deutscher Hetrschettreue vor bet Nachwelt bestehen, unb seine Friedensarbeit wird für ewige Zeiten ein Glanzpunkt in deS Deutschen Reichs mächtig vorwärtsdrängender Entwick­lung fein. Höhere Ziele, als die Sicherung deS Friedens, die Förderung der Volkswohl, fahrt und die Wahnmg des Reichsansehens kann auch eines Kaisers Streben nicht ken­nen, und vom Kaiser, der nun durch fünfund­zwanzig Jahre seiner Väter Krone trägt, darf geschichtliche Anftichtigkeit vorbehaltlos beten- neu, daß seine Kraft allezeit der Erstrebung dieser Ziele und der Verwirklichung höchster Ideale gewidmet war. Das Bewußtsein, seine ganze Kraft dem ihm verliehenen Ami gewidmet und Reich und Volk Macht und Frieden gesichert zu haben, darf Wilhelm den Zweiten iuS neue Jahr feines Lebens und in» zweite Viertelfahrhundert seiner Regierung geleiten und All-Deutschland gedenkt am heu­tigen Tage in Dankbarkeit und deutscher Treue deS Fürsten, der des Reiches Krone trägt . . !

F. H.

Auch Kühn will gehen!

Es kriselt in der Reichsregierring.

Dieser Tage ist uns erst erzählt worden, daß der Kriegsminister, General von Heeringen, nach Durchdringung der neuen Militärvorlage von seinem Amte zurücktreten werde, und im Zusammenhang damit wurde über die scharfen Gegensätze berichtet, die zwischen dem Kriegsminister und dem Großen Generalstab, besonder? in jüngster Zeit, sich herausgebildet haben sollen. Nun wird bekannt, daß auch Er- zelleuz K ü h n, der als UnterstaatSsekretär die Nachfolge Wermuths int Reichsschabamt über­nahm, amtsmüde ist und in absehbarer Zeit von seinem Posten zurückzutreten gedenkt. Wir erhalten dazu folgende Informationen:

Noch ein Verstimmter.

(Von unferm politischen Mitarbeiter.) Berlin. 27 Jgnuar-

Wie in gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, sind die Gerüchte, die von einem bal­digen Rücktritt deS ReichSschatzsekretärS Kühn wissen wollen, nicht unbegründet. Staatssekretär Kühn hat bereits vor längerer Zeit kein Hehl daraus gemacht, daß es ihm an­genehm sein würde, wenn er die Bürden feine» Amtes einer jüngeren Kraft, der zudem die par­lamentarischen Kämpfe weniger peinlich wären als ihm, übergeben könnte. Diese Stimmung (oder Verstimmung) de? ReichsschatzfekretärS kann Denjenigen nicht in Verwunderung ver­setzen. der weiß, daß der jetzige Staatssekretär beim Scheiden Wermuths nur aus Pflicht­gefühl eingefvrunaen ist und seine Sachkun- digkeit nur deshalb to den Dienst des verwai- sten Amte» stellte, wett e» an einer geeigneten Persönlichkeft mangelte, die die Nachfolge btS jetzigen Oberbürgermeisters von Berlin anzutre­ten fähig gewesen wäre. Exzellenz Kübn hat sich aber von Anfang an nur als Platzhalter be­trachtet, dessen Zeft hoffentlich bald abgekaufen sein werde Die Erfahrungen während seiner kurzen Amtstätigkeit, besonder» die Behänd- lung, die daS Leuchtölgesetz bei der ersten Lesung tot Reichstag erfahren hat, haben nicht dazu beigeivagen, feine Freude an feinem Poste« zu vermehren. Schon au» seinen da­maligen Erklärungen, die in dem wehmütigen Wunsche gipfelten, man solle sich nicht erst mit langen Verhandlungen aufhalten, sondern kurze Arbeit machen, ließen eine tiefgehende Verstim­mung des Reichsschatzsekretärs erkennen.

Der Kampf um die Befihfteuer.

In der ohnehin bestehenden Verstimmung deS ReichSschatzsekretärS kommt nun noch der Streit um die Besitzsteuer, der den Staats- sekretär von neuem harten Kämpfen auSsetzt, denen seine ganze Eigenart widerstrebt. Unter diesen Umständen ist der Rücktritt de» ReichS- sckatzsekretärS nur noch eine Frage der Zeit. Der Termin, an dem der Rücktritt erfolgen wird, hängt in der Hauptsache von den Di»- Positionen deS Reichskanzlers ab, der selbstverständlich einen Mitarbeiter nur ungern verliert, der stch durch eine ungewöhnlich« Sachkenntnis auszeichnet, die fckon von feinem Vorgänger tot Amt auf8 lebhafteste anerkannt worden war.

Abdankung deS Sultans?

Eine Folge der Türken-Retzolutto«.

(Privat-Te leg ramm.) Konstantinopel, 27. Januar.

In gewissen Konstanttnopeler Kreisen herrscht große Erregung gegen den Sul­tan und den Thronfolger. Es besteht Neigung, ben Sultan abzusetzen und einen Prinzen auf ben Thron zu erheben. Beim Selamlik am zehnten Januar rief in bet Moschee ein Türke dem Sultan zu:Tanke ab, bu bist un­fähig, über die Türkei zu herrschen." Der Mann, den man. für irrfinnta hielt, erklärte bei

einer Verhaftung, am nächsten Freitag werde ein anderer rufen. In der Tat wiederholte fich die Kundgebung beim nächsten Selamlik und der zweite Verhaftete gab die gleiche Erklä­rung ab wie der erste.

Das Schicksal der Türkei.

Eine türkische Gegen-Revolution in Sicht.

Nach dem Staatsstreich in Konstantinopel war eS kaum zweifelhaft, daß die Londoner Friedens - Konferenz abgebrochen wer­den würde, und dieses Ende der Konferenz cheint sich nun tatsächlich vorzubereiten. Wie uns aus London berichtet wird, ist seitens der Balkanverbündeten beschlossen worden, die Kon- erenz-Derhandlungen abzubrechen, diesen Beschluß der türftschen Delegation mitzuteilen und gleichzeitig auf direktem Wege die Kündi­gung deS Waffenstillstandes herbeizuführen. Dieser Beschluß (über den allerdings eine offi­zielle Meldung noch nicht vorliegt) würde die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten und die Fortsetzung deS ValkaukriegeS be­deuten. eine Gefahr, beten ganze Bedeutung erst erkennbar wird, wenn man den Wirrwarr in der Türkei! selbst berücksichtigt. Ueber die Vorgänge in Konstantinopel und die Entwick­lung bet Dinge nach dem Staatsstreich liegen uns folgende Draht - Meldungen vor:

Konstantinopel, 27. Januar.

Im Lager von Tschataldschg bereitet sich eine Gegenrevolntion vor. Wie ver­lautet, habe ScherkeS Abuk Pascha, der Kom­mandant de» vierten Armeekorps, eine von vielen Offizieren der liberalen Militärliga unterzeichnete Proklamation an den Großweflr Mahmud Schewket Pascha ent­sandt. worin dieser aufgefordert wird, mit dem gesamten Kabinett deS Komitees abzu­danken. widrigenfalls würde ScherkeS Abuk Pafcha mit seinen Tscherfessen, Arabern und Kurde» auf Konstantinopel mar­schieren.

Konstantinopel, 27. Januar.

ES ist ein neues Kriegsgericht unter dem Vorsitz des MaforS Seki Bey gebildet worden. Bis gestern wurde» 193 Ver­haftungen vorgenommen. Unter ben Ver hasteten befinden sich einige frühere Minister. Beamte tmb Journalisten. Der bisherige Großwestr Siamil Pascha und bet Scheich M Islam werden in ihren eigenen Wohnungen eingesperrt gehalten. Kia­mil Pascha soll in ben nächsten Tagen vor da« Kriegsgericht gestellt werden. Die Führet bes Komitees traten gestern zu einet längeren Beratung zusammen, um bie erkor- berfichen Maßregeln zu beraten.

Pari«, 27. Januar.

Der zurzeit hier weilende Führer be« Ko­mitee» für Einheit und Fortschritt, Halil Bey. äußerte fich über bie Ursachen bes Staatsstreichs folgendermaßen: Der Aufstand in Konstantinopel fei bet Ausbruch eines lange verhaltenen Zorne» bet Armee gewesen, die erbittert sei über bie verbreche­rische Sorglosigkeit, mit bet man bie Trup­pen vor bent Feinde Hungers sterben ließ. Man wirft uns tu Frankreich vor, wir hätten mt« in bie Arme Deutschlands ge­worfen. Gewiß haben wir in Deuffchland Sympathie« und Geld gefunden, aber unsre Freundschaft gilt ebensosehr auch Frankreich.

Konstantinopel, 27. Januar.

Die Antwort der neuen Regierung auf die Rote der Mächte dürste in etwa drei bi» vier Tagen erfolgen. Sie wird in sehr freunb« schastlichen Ausdrücken gehalten sein, aber klipp und klar erklären: Wir sind zu großen Opfern bereit, aber von einer Abtretung Ad rianopel» unb der Inseln kann keine Rede sei«. Dann lieber den Krieg bi» zum letzten Mann. Wir wünschen den Krieg nicht, wenn man uns aber zwingt, dann schrecken wir keinen Augenblick davor zurück und werden to diesem Falle bi» zum Ben­tz e r st e n kämpstn.

In einem offiziösen Kommentar zu den Ereignissen in der Türkei sagt die Nord­deutsche Allgemeine Zeitung: Soweit die neuen Ereignisse in Konstantinopel von der europäischen Presse mit Ernst und Einsicht ge- würdigK werden, tritt überall der Gedanke her­vor, da» Wichttgste für die weitere Beharch- stmg hier Crieirthrtrren sei die Bewahrung der Einigkeit unter den Großmäch­ten und die Fortsetzung ihrer gemeinsamen arbeit zur Wiederherstellung des Fttedens. Für ein gemeinsames Auftreten Euro­pas kommen Zwangsmaßregeln gegen die Türkei nicht in Frage. Sie würden mit ben Grundsätzen der Neutralität nicht in Einklang stehen und könnten bedenfliche Folgen haben. Es bleibt, im Interesse der Einigkeit unter den Großmächten, nur das Weitergehen auf dem Weae aemeinfamer divlomatifcher Ein­

wirkung, um neue Feindseligkeiten zu ver­hüten, ober, falls dies unmöglich ist, sie ört­lich und zeitlich einzuschränken.

Hassels Slektchitäts-Werl. Randbemerkungen zum Exposee des Magi­strats über die Verhandlungen mit der A.E.8.

Wir haben bereits In unsrer Sonntag- Nummer auf da» vom Magistrat über bie mit der Allgemeinen Elek­trizitäts-Gesellschaft gepfloge» neu Berhandlungen herausgegebene Ex­posee hingewiesen, bas offenbar dazu die­nen sollte, die in der Bürgerschaft be­stehende Beunruhigung über die Zukunft des Elektrizitätswerks zu fchwichtigen. Wir bringen nachstehend au» fachmän- nifcher Fed er einige Randbemerkun­gen zu den Darlegungen des Magistrats, bie mit Rücksicht auf bie am 5. Februar im Stadtparlament fallende Entscheidung über bie Zukunft des städtischen Elektrizi- tätSwerkS von Interesse sein dürften. Der Magistrat wendet sich in seinem Exposee zunächst gegen ben Vorwurf der Geheimuis- ränterei. Die Verträge hätten nicht ohne Zu« timmung be» anderen Kontrahenten der Deffenfttofett unterbreitet werden können, auch hätte daS Verhältnis zur Staatsregierung nur vertraulich besprochen werden dürfen. Aus diesen Ausführungen gebt zunächst hervor, daß die vertrauliche Behandlung der Verträge auf das Verlangen der A. E. G. zurückzuführen ist. WeShalb forbert dies die A. E. G.? Weil sie jede öffentliche Kritik ihrer Vertrags» entwürfe fürchtet! Weil bann jedermann erken­nen würde, wie um einiger pekuniärer Vorteile willen die Kommune ihre Selbständigkeit an eine Privatgesellschaft verkauft, der das Allge­meininteresse, das Interesse der Stadt, ganz gleichgültig ist, die nur ihr eigenes Geschäfts- ntereffe kennen kann und darf! Heißt es doch im Bericht der Budgettommission der Zweiten badischen Kammer unter ausdrücklichem Hin­weis auf die A. E. G.: «... Aber auch dafür, daß sie den Gemeinden und fonstlgen Abneh­mern fehr bedenkliche Bedingungen macht, daß sie sich bew Gemeinden gegenüber bie denkbar größte Bewegungsfreiheit fiebert unb bie Ge­meinden in eine fast unerträgliche Abhängigkeit bringt, liegen hinreichende Beispiele vor." Die A. E. G. fordert ferner die Geheimhaltung der Vertragsentwürfe und Verträge, banrtt nicht etwa durch einen Vergleich mit den anderwärts abgeschlossenen Vetträgen Konzessionen, die sie anderen Stadtverwaltungen gewährte, bekannt, und gleiche Konzessionen verlangt werden. Die Rücksicht auf die Staatsregierung erforderte keineswegs eine geheime Verhandlung. Die Maßnahmen der Staatsregievung werden stets in ben Parlamenten einer öffentlichen, rücksichtslosen Kritik unterzogen. Auch waren ja die Beziehungen der Stadt Cassel ju der Staatsregierung bereits tot Abgeordnetenhaus am siebzehnten Januar

Sffenttich zur Sprache gebracht worden. Dieser Enffchukdigungsgttmd des Ma- gisttats ist also hinfällig. Aber auch wenn man eS gelten lassen will, baß bet Magistrat sich gegenüber der A. E. G. hinsichtlich der öffent­lichen Behandlung der Angelegenhett in einer gewissen Zwangslage befand: Auf eine ausrei­chende Information der Stadtverordneten durste er nicht verzichten! Die Frist, die er ihnen für die Durcharbeitung bet Verträge ließ, war viel zu kurz. Nicht (wie wir mitieHtett) am Sonnabend den achtzehnten, sondern erst am Montag den zwanzigsten Januar gingen den Stadtverordneten die Vetträge zu, so daß sie (die doch alle nebenbei noch einen Beruf haben) nur zwei volle Tage für das Studium der Vetträge zur Verfügung hatten! Eine ein- gehende Begründung fehlte gänzlich. Keinerlei zahlenmäßige Unterlagen über bie finanziellen Wirkungen der Vetträge gegenüber der jetzigen Rentabilität der städtischen Elektttzitätswette wurden den Stadtverordneten gegeben. Zahlen- cmqaben. die mündlich to bet Sitzung ge­geben werden, lassen sich aber tot Augenblick nicht prüfen und nickt widerlegen. Nun zu den sachlichen Ausführungen des Magistrats über die Gründe feines Vorgehens. Danach er­folgte seinerzeit die erhebliche Erweiterung deS städtischen EltttttzitätSwerkS in erster Linie, um die weitere Umgebung Cassels mit Strom zu versorgen. Ist daS tatsächlich der Fall, dann hat man dies wirklich am verkehrten Ende angefange«, berat man durfte nicht ein« Ueberlandzentral« bauen, ehe man die Kon­zessionen zur Vetforgung bet Landkreise in der Tasche hatte, sondern mußte erst bie Kon­zessionen erwerben unb b a n n bie Zentrale ba- nach bemessen. Das ist jedenfalls bet normale Weg, bet sonst allgemein üblich und vernünftig ist. Aber auch jetzt ist noch nichts vetlo- rseSn. Um ihr Wett rentabel zu erhalten, braucht die Stadt die Landkreise gar nicht. An ihnen ist sowieso nickt viel zu verdienen. Da­gegen ist im Stadtgebiet selbst noch manches zu tun, unb grade hier kann der Stromkonsum noch statt erhöht werden. Ein gewisses Hin­dernis bietet ja der Vertrag mit'der

Großen Caffeler Straßenbahn, der der Stadt hinsichtlich der Strompreise für industriell Betrieb« unanaenefcmA. LLlck-Lukun-

Kammer 45.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 28. Januar 1913.

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.