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Hessische Abendzeitung
affeler Abendzeitung
3. Jahrgang
Sonnabend, 25. Januar 1913
Fernsprecher 951 und 952,
Kummer 43
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ziellen Persönlichkeiten, versagt. Ein Manifest der Partei für Einheit und Fortschritt klagt das Kabinett Mukdar Pascha wegen des Friedens von Lausanne des Hochverrats an. Es hebt dann hervor, daß der König von Bulgarien die Schwäche des Kabinetts Kiamil Paschas benutzt habe. Trotz des Widerstandes der an der Tschataldschalinie stehenden Armee sei die Regierung entschlossen gewesen, einen unehrenhafte» Frieden mit de» Balkan- mächten abzuschlietzen. Kiamil Pascha habe die Hauptschuld an dem Unglück des Landes. Tas Heil und die Zukunft des osmanischen Reiches schwebten in großer Gefahr und die Ratio« habe Recht, wenn sie sich heute erhebe. Sie werde unter keinen Umständen ihre starken Rechte auf die europäische Türkei preiSgeben und alle weiteren Opfer bringen, um Rnmelien zu behaupten. Die Offiziere erklären, die Armee sei setzt in guter Verfassung und habe alle Aussichten, die Bulgaren zu schlagen. Dieser Stimmung in der
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Dte «affeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend». Der SbonnementSpret« betrügt monatlich SO Pfg. bei freier Zustellung in» Hau». Beffellungen werden lederzeU von der Leschafl»stelle oder den Boten entgegengenommen, Druckerei, Verlag und RedaMon: Schlachthosffrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi» 8 Uhr abend». Sprechstunden der Auskunft • Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Ubr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichs» 16, Telephon: Amt Moritzpla» 676.
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Kein Ast.G.-Monovol?
Die Stadt Cassel und die A.E.G.; Beschluß» fassung über die Preisgabe des städtischen ElektrizttätSwerkss auf Dienstag vertagt; Derhaudluugeu mit dem Staat.
Abgeschlossen von jeder Oeffentlichkeit, hi«, ter so sorgsam gehüteter Tür. daß nicht einmal ein Magistratsdienrr die Schwelle des Sitzungssaales der Stadwerordnrten überschritt, saßen gestern abend die Stadtväter über das Millionenprojekt der Elektrizitätswerks-Ueber- lassung an die A. E. G. zu Rate. Gegen fünf Uhr stillte sich der Saal. Fast alle Stadtverordneten waren erschiene« und bildeten im Saale lebhaft plaudernde Gruppen. Nur ein Thema gab es: Das Elektrizitätsweck! Nach Ablauf des akademischen Viertels eröffnete Stadtver- ordnetenvorfieher Justizrat Dr. Schier die vertraulich« Sitzung und trat in die Vorhand- lungen ein, deren Einzelheiten der Allgemeinhetl verborgen bleiben. Nur soviel haben wir erfahren, daß Stadwerordnetcr van Heys eine Philippika gegen die Magistratsvorlage hielt und die Richtigkeit der Berechnungen in starke Zweifel zog, die der Letter unseres Elektrizitäts- Werks, Direktor Günther, aufgestellt hatte. Die weftere Debatte selbst bewegte sich meist auf persönlichem Gebiet. Die Stadtverordneten waren säst durchweg der Meinung, daß die Vor- läge zu überraschend gekommen sei, als daß sie mit einem Schlag erledigt werden könne. Auch di« Stellung der Stadt zu dem
staatliche« Elekttizttitts-Projett wurde in den Bereich der Diskussion gezogen und dabei zeigte sich, daß die Mehrzahl der Stadtverordneten geneigt ist, eher mit dem Staat zu arbeiten, als mit der A. E. G. Schließ- liu) beantragt« der Magistrat selbst, die Entscheidung bis zum Dienstag der kommende« Woche zu vertagen, damit er sich in der Zwischenzeit nochmals mit dem preußische« Staat in Verbindung setzen und dessen günstigste Bedingungen hören könne. Im All- gemeinen konnte die Tatsache sestgestellt werde«, daß die Opposition unter den Stadtvät^rn viele Freunde besitzt, manche Stadwerordneten, und vor allem die einflußreichsten, hielten aber fest zur Magistratsvorlage. Dann stellte Stadtverordneter S t e i n i g k den Antrag, die Elektrizi- tätsangelegenheit vor der Oeffentlich. keit zu verhandeln, da die Bürgerschaft ein bedeutendes Interesse an dem Schicksal des städtischen Elektrizitätswerkes - besitze. Dieser Antrag, der von der äußersten Linken kam, wurde jedoch hinfällig, da der Vertagungsantrag als der weitgehendere behandelt wurde und
Schritte unternommen, die geeignet gewesen seien, diese Diebstähle aufzuflärcn. Schließlich erklärte sich die Versammlung mit dem Magistratsbeschluß einverstanden, die Sack»- auf sich beruhen zu lasse«. H.
Will -erringen gehen?
Der Krieasminister ist amtsmüde!
Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. Januar.
I« Presse-Meldungen wird angedcutet, daß der Rücktritt des Kriegsministers von Herringe« scho« in allernächster Zeit erfolge« soll. Dieter Nachricht gegenüber sind alle»
Armee entspricht auch die Stimmung in jungtürkischen Kreisen.
Vor der Hohen Pforte.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
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Türken gewirkt, und der Federstrich, der di« Feftn-q am Maritza-User dem Reich Mohameds entriß. wird möglicherweise zur Schicksal-Lini« de: Zukunft am Balkan werden. »Ehre oder Untergang!' heißt die Losung der heut am Goldnen Horn Regierenden, und diese Parole ist zu bestimmt und klar, als daß die durch neu« Londoner Drohung zu erschüttern wäre. F. H.
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sshre oder... Untergang!
gnöes B«Y ««d Mahmud Schefket Pascha.
Seit Sachen sahen wir überm düstern Blach- feld^der Türken-Tragödie, Irrlichtern gleich, die Wetterzeichen der Revolutton auf- blitzeu: in de« Jubelruf Europas über den spät errungnen Sieg des Friedensengels flang iärmpl und drohend der Wutschrei der Männer von Tschataldscha, die Kampf, nicht müde Ab- kebr vorn Spiel der Waffen fordern, und gestern au» ist Wirflichkeit geworden, was (seit dem Lag. ba Kiamil Pa scha's Greisen schwäche Adrianopel preiszugeben sich entschloß) zu erwarten war: Die Jungtürken-Partei har die den Händen der Regiemng entglittne Frhne des Propheten, getrieben von jenen Lei- t»enlchaft-Regungen. bi« man eines Volkes höchste Tugend nennt, mit im Fieber fanatischer Erregung zitternder Hand ergriffen, die unterm Druck Europas in dumpfe Resignation bet« fmckue Regiemng zum Rücktritt gezwungen und den Morgen neuer Herrschaft in die Ge- sthichic der Türkei mit dem Gelöbnis eingegra- f den: .Nationale Ehre, oder Untergang!' An oer Spitze der JungMrken-Revolution vom dreiundzwanzigsten Januar steht Major En- v e r B e y, ei« Mann von ehemer Entschlossenheit und bo«apartischer Tatkraft: Der Organisator der jungtürkischen Juli-Revolution im Jahre nruuzehnhundeckacht und der Schöpfer der neuen Türkei, die im April neunzehnhundertneun Abdul Hamids Despotte niederwarf und den Tvrannen des BUdiz-Kiosk hinter die Wauem der Villa Allattni zwang, und grade die Tatsache, daß Enver Bey die fanattsier- ten Schare« der zu Sieg oder Untergang ent» schloffnen Pattioten zum Sturm auf di« Pforte geführt, gibt dem Ereignis vom dreiundzwan- zlzsten Januar das historische Gewicht.
Kiamll Pascha, der vom Willen Englands beherrschte Greis und Großwesir, hat Mahmud Schefket Pascha, dem militättschen Organisator der Jungtürken-Revolutton, Platz grinst, Mit» damit beginnt in einer Zeit gefährlichster Kttsen-Spannung «ine neue Aera türkischer Geschichte, deren Entwicklung-Möglichkeiten sich nicht abschätzen, sondem nur ahnen lassen. Niemand kamt darüber im Zweifel fehl, daß selbst die Regiemng Kiamil Paschas nur dem Dmck und der Drohung Europas wich, als sie sich entschloß, Adrianopel den Gegnem auszuliefern und damit der Türken-Ehre eine Demütigung zuzufügen, die nur eine im Innern geschwächte und von außen überall be- * drohte Ration widerstandlos ertragen konnte. Man hat am Tisch der Londoner Botschafter- Bersammlung, an dem das Balkan-Chaos entwirrt werden sollte, offenbar das nattonalistt- sche Moment in der diplomattschen Kalkulation to gering bewertet, und nun zeigt sich, daß selbst eine aus tausend tiefen Wunden blutende, von Gefahren rings umlauerte Ration noch hn ätzten Fiebcrrausch nationaler Leidenschaft die Kraft gewinnt, einer Demütigung zu widerstreben, die den Endabschnitt ihres geschichtlichen Seins ewig mtt der Erinnerung an Ohnmacht und Schwäche bemakelt hätte. Unter diesem Gesichtwinkel betrachttt, gewinnt di« Januar- Redolutton der Jungtürken für Osmans Reich und für Europa eine weit größere Bedeu- dwg, als der gestttge Handstreich mit der Bur- nske des .Regierung-Wechsels' ahnen läßt, und Talaat Beys Beteuerung: »Wir wolle« die n-nwnale Ehre retten oder untergehen!' wird oreLeicht in den Blättern der Weltgeschichte eine vedeutsamere Rolle spielm als die Gesamt- SIt£il drr am Londoner Friedensttsch geschästt-. gen eurepäischen Großmächte.
Was wird nun werden? Adrianopel, L™ beldenbaft verteidigte Stadt am Ufer der Mrtttza, soll dem Reich des Halbmonds erhal- t^ bleiben: Das ist die Mindest-Forde- T ® M der Männer, die gestern den Greis Ria» wtl Pascha aus der Herrschaft jagten, an Euro- d«» ftredenstistende Großmächtt; dasselbe »„rranopel, um das der Balkanbund mit Hun- deruausenden von Menschenopfern als um ein ^entbehrliches Erbstück historischen Anspruchs gerungen! Rein-menschlich betrachtet gehört ---rianopel zweifefloS zum Bestandtefl Dessen, das die Türkei aus dem Zusammenbruch ihres Europäischen Besitzes errettet, denn grade die - ar:tzr.Fefn-ng und ihre Verteidiger bilden deg Lichtpunft tückischen Heldenmuts in diesem - . Khaliftnreich so verhängnisvollen
^tteg-, und eine Nation, die sich widerstandlos Opferung dieser einzigen ruhmreichen ^tnnemng aus dunkler Zeit entschließen könnt«, fei ^rd-ente kein andres Schicksal, als aus der | dE>chichte ausgetilgt zu werden. So unklug es g dvut'.sch war, Europas Autontät für die Preis- kebe Adttanopels -inzusctzen, so verhängnisvoll ' Oct nun die Hochspannung des europäischen Drucks aus die Eüre und Selbstachtung der
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Das ist mtt kurzen Wocken die Chronik des gefirigen für die Pforte, Konstantinopel und das osmanische Reich überaus verhängnisvollen Tages. Zwar fehlen noch die Unterlagen, um di« T r a g w e i t e der Umwälzung, die sich gestern am Goldnen Horn vollzogen hat, in ihrem ganzen Umfange zu eckennen, noch weiß man nickst sicher inwieweit Heer und Flotte sich den neuen Machthabern fügen und ihre Absichten billigen werden, aber wenn die Wiederaufnahme des Krieges zur Wirflichkett wird und nickst geradezu ein Wunder geschieht, dann dürfte das eigentliche Balkan-Drama erft beginnen, denn in diesem Falle hat man sich auf einen Verzweiflungs-Kampf gefaßt zu machen, in dem es nur zwei Möglichkeiten gibt: Sieg oder Untergang!
Der gestrige Staatsstreich.
Enver Beh überrumpelt die Pforte!
(Privat-Telegram m.s Konstantinopel, 24. Januar.
Der gestrige Staatsstreich ist durch eine Ueberrumpelung, die Enver Bey und Dschami Bey in Form einer Demonstration vor der Pfort - inszenierten, vollständig geglückt. Der Ministerrat, der gerade tagte, wurde durch die Demonstratio« gesprengt. Taalat Bey erfläcke: Diese Bewegung bedeutet. daß wir die nationale Ehre retten oder bei diesem Versuch untergehen werde«. Wir wollen keine Fortsetzung des Krieges, aber wir sind entschlossen, Adrs- anopel zu behalte«. Das ist eine imrr- läßliche Bedingung. Neber die Ereignisse beir-r gestrigen Staatsstreich werden folgende Einzelheiten bekannt: Gestern nachmittag versammelten sich alle Minister auf der Hohen Plocke, um über die Fassrmg der Antwock- note an die Mächte zu beraten. EL war nichts Außergewöhnliches zu bemecken. Die Beratungen mochte« etwa zwei Stunden gedauer haben- als von der Bablis Straße her ein Zug von Mensche«, zusammen ungefähr dreihundert Mann, herangezogen, voran vier Priester, hinter ihnen zwei Fahnen. Bevor noch die am Eingang aufgestellten Gendar meu Halt gebieten konnten, war die Menge
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In diesem Augenblick kam in rascher Fahck ein Automobil heran, dem ««ter lauten Beifallrufen Enver Bey und Taalat Bey entstiegen. Die Menge begann „Rieder das Ministerium, nieder Kiamil Pascha, es lebe der Krieg!" zu rufen, bis Enver Bey und Taalat Bey in einem Tor der Hohen Psocke verschwanden. Draußen dauerte die Demonstration fort. Die Priester hielten Reden, ecklSrten die Fehler der Regierung, die das Land verrate und verlaufe und feuerten zum Kriege an. Wilde Gerüchte durchschwirrten die Stadt. Es wurde sogar behauptet, daß der bisherige Kriegsminister Rasim Pascha ermordet worden sei. Enver Bey zwang daS Ministerium zum Rücktritt. Der Großwefir und die Minister gaben sofort schriftlich ihre Demission. Ms Enver Bey der vor der Pfocke wartenden demonstrierenden Menge die Ernennung Mar- mud Scheflet Paschas zum Großwesir bekannt gab, brachen die Menschen i« stürmische Beifallsrufe und in enthusiastische Kundgebungen aus. Enver Bey selbst war Gegenstand lebhafter Ovattone«.
Ein wetteres Privat-Telegramm^auS Konstanttnopel berichtet uns: Das neu« Ministerium unter dem Vorsitz Mahmud Schesket PaschaS setzt sich aus Jzzed Pascha als Kriegsminister, Taalat Bey als Minister des Innern zusammen. Ham Pascha, der das Ministerium des Aeußern übernehmen sollte, hat die Uebernahme dieses Pocke- feuilles abgelehnt. Hussein Hilmi Pascha . der gewesene Großwesir und sruhere Botschafter in Men. wird es übernehmen. Das yrade, das Mahmud Scheflet Pascha zum Großwesir ernennt, wurde gestern spät abends auf der Terrasse der Pfocke verlesen. Es rtef unter der Voflsmeng« großen Enthusiasmus hervor.
Alles für Adrianopel l (Privat-Telegram m.j
Konftanttnopel, 24. Januar.
Tie Hauptstadt ist in fieberhafter Erregung. Tas Palais und die Hohe Pforte zu bettete« i oder zu verlassen, ist jedermann, außer den offi-
AbendS kurz nach acht Uhr fanden sich di« wieder im Rathaussaale zusam-
3nfertton8pretfe: DU feft««efpattene Seite für einhetmych» »eschtft, 15 Wfr. ft« roärttge Inserate 25 «f, RsNamejeile für einheimische Seschüfte »o Pf, für eulroarttge Seschäfte so Pf. Einfache Beilagen für die Äesamtauffage werden uttt » Mark pro Dausen» de- rechnel. Wege« ihrer dichten Verbreitung in der Residenz UN» der Umgebung sind die Laffeler Reneüen Nachrichten ein vorzügliches Jnsertioalorgan. »eschüftSfteüe: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW„ Friedrichstraße 18, Telephon: Stent «oriypla, 676
Türken-Revolution!
Gestern nachmittag «m halb vier Ahr drang der türkische Rattonal- Held Enver Bey mtt dreihundert Man« in die Pforte ein »nd erzwang den Rücktritt des Kabinetts. Das gesamte Kabinett Kiamil ist daraufhin zurnckgetreten. Mahmud Schefket Pascha wird Großwefir, Talaat Veh übernimmt das Ministerin« des Innern. Talaat erklärtet „Wir wollen die nationale Ehre retten oder «ntergehe« und Adrianopel unbedingt behalten.'
Stadtvät-er wieder im Rathaussaale zusammen, um Vie Tagesordnung der öffentlichen Sitzung zu erledigen. Das Interesse der Stadtväter war offensichtlich nicht bei der Sache: Die vorhergegangene nichtöffentliche Sitzung beherrschte noch alle Gemüter. Dabei gaben die vorliegenden Angelegenheiten nicht die geringste Anregung. In rascher Folge wurden di« Rechnungen des Ordinackus und Eckraordrna- rius für das Etats;ahr 1910 für abgehört ecklärt und ebenso die Rechnungen der Bürgerschulen 6. 16, 17/18, 19/20 und der Asservat«. Die einzigen längeren Ausführungen mackte Stadtverordneter C ö st « r, der auf die beim Ilmzug der Gewerblichen Fortbildungsschule II vorgekommenen Diebstähle Bezug nahm und darauf hinwies, daß die Türen nicht verschlossen worden waren. Di« Stadt habe auch keinerlei
Konstanttnopel, 24. Januar.
Die Stabt bot gestern das Bild einer förmlichen Bolks-Erhebung. Trotz strömende« Regens blieben dir Manifestanten bis «ach acht Uhr vor der Pforte, das Erscheine« des Re- fkripts über die Ernennung des Großwesiers erwartend. Gegen halb neun Uhr hielt Mahmud Schefket von der Freitteppe des Pfortepalais aus eine kurze Ansprache a« die Menge, in der er sagte: Er wisse, daß er die Gewalt unter schwierigen Umstände« übernehme. Er werde sich bemühen, das Vaterland zu rette«. Die Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Daraus begann di« Menge, flch zü zerstreuen. Gestern nachmittag ging bei der Regierung ein Tele- gramm des heldenmütigen Kommandanten von Adrianopel, Schukck-Pafcha, ein, in dem es heißt: „Nachdem ich erfahren habe, daß Adrianopel den Verbündeten überlassen werden foll, habe ich bcfckfloffen, di« Bevölkermig zu entferne« und die Kanonen gegen die Stabt g« richte« und diese gänzlich zu zerstören, den äußeren Ring zu durchbreche« und nach Konstantinopel zu komme«.' Der Ministerrat besprach gerade das Telegramm, als Enver Bey mit seinen Truppe« in den Saal drang und die Regierung stürzte.
Wiedersehen bei Tschataldscha.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
London, 24. Januar.
Der türkische Staatsstreich hat bei den Berttetern der Balkanverbündetrn teilweise Befriedigung, teilweffe Beunruhigung hervorgerufen. Die Bulgaren erklärten: „Jetzt haben wip eine klar» Situatton vor «nS. Anstatt noch länger die Winkelzüge in London z« ertragen, werden wir «nS bei Adrianopel und Tschataldscha Wiedersehen. Anstatt zu lassen, werden wir es nrit den Waffen uns Adckanope! von den Großmächten abtreten in der Hand nehmen, und das ist besser für uns. Wir werden die Tschataldfchalinie durchbreche« unt> in Konstantinopel einzie- hen und wehe dann der ganzen jungtücki- fchen Bande, die jetzt am Ruder ist! Sobald wir diesmal die unzweideuttge verneinende Antwock der Tückes haben werden, werden wir den Waffenstillstand kündigen . . .!" Sehnlich äußerten sich die Montenegriner. Dtt Seiche« dagegen erkläcken: „Das ist eine böse Nachricht. Wir werden offenbar den Krieg von n e n em beginnen müssen. Di« Tückei wird nun den Frieden noch ein wenig teurer bezaMn müssen! Ja diplomattfche« Kreisen Londons ist man der Ansicht, daß die Lage mit einem Schlag sehr ernst geworden sei. Die Mächte könnten nicht mehr intervenieren. Wenn die türkische Regierung Adrianopel abzntreten nicht geneigt sei, so fei die Wiederaufnahme des Krieges gewiß.