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Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 22. Januar 1913

Nummer 40

Fernsprecher 951 und 952.

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Strahe 6. Berliner Bertretunx SW, Friedrtchftratze 16, Telephoni Am! Mor SvIad 67b

Die Rache seiner Fra«.

Den eignen Gatte« im Duell getötet!

(Von unserm Korrespondenten.-

Petersburg, 21. Januar.

Eine junge Russin, Frau Radja Puto- ?in ht Moskau, darf für sich den traurigen Ruhm in Anspruch nehmen, die erste Frau zu fein, die ihren Mann reoürecht im Duell

Die Casteler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal and zwar ad end st Der «bonnementSpret« beträgt monatlich 50 Pfg. dei freier Zustellung in» Haust Bestellungen werde» jeder,eU von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaktion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bt< Uhr abend» Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von « bi« 8 Uhr abend« Berliner Vertretung: SW, Friedrichs«. 16, Telephon: Amt Moritzptatz 67«.

habe; wie es ihn verfolgte von einer Stadt zur andern und ihn immer wieder, wenn er Rettung zu sehen glaubte, hinwegscheuchte aus den Reihen der bürgerlichen Gemeinschaft. Wilhelm Voigt strahlte aber selbst im Unglück noch ein Schimmer des Glücks und er ret­tete sich schließlich doch vor den Krallen des Schicksals in einen stillen Winkel, wo Menschen­güte und Mtleid ihm Schutz gewährten. Der Invalide Mötsch fand nur den Weg zur Land­straße, auf dem er, der Geächtete, zwar keine Heimat, aber doch dürftige Zuflucht fand, bis der Tod ihn auch dieser Zuflucht beraubte. Daß im zwanzigsten Jahrhundert, mitten in dem Strahlenglanz moderner Kultur, ein Mensch, ein Wesen wie wir alle, an Hunger, am Man­gel der allerbescheidensten Lebensnotwendigkei­ten elend zugrundegeht, ist etwas so Furcht­bares, Unfaßbares und Erschüt­tern d e s, daß das menschliche Empfinden sich aufbäumt bei dem Gedanken, mitschuldig ge­worden zu sein an einem Verbrechen, das Un­verstand, Mitleidlosigkeit und Herzenshärtc an einem armen Wehrlosen begangen, und die flammende Anklage, die aus dieser düstern Menschentragödie aufblitzt, wird zur Stimme des eignen Gewissens, wenn wir uns sagen muffen, daß Menfchenschuld es war, die den Sträfling Mötsch auf die Landstraße hin­austrieb, um den Geächteten dort dem Ver­brechen oder dem Elend auszultefern: Ein finstres Schicksal-Bild ans jenemFestsaal der Kultur", in dem Humanflät und Ethik in tau-

Sofia, 21. Januar.

Die Adrianopel-Frage befindet sich noch immer in einem fchwierige« Sta­dium. Man erkennt -n, daß die Note der Mächte ziemlich energisch gehalten ist, erwar­tet aber von ihr umsoweniger ein unmittel­bares Ergebnis, als die Pforte davon Kenntnis hat, daß die Kabinette in ihrer Ent­schließung keine ZwangSmatzregel

Türkei alle türkischen Truppen und Offiziere sofort aus Afrika zurück­zieht. Zu diesem Schritt hat sich Italien entschlossen, well es glaubt, Beweise in der Hand zu haben, daß die türkischen Truppen die Beduinen in Nordafrika in ihrem Kampf gegen Italien moralisch unter­stützen. Es wird in der Note gesagt, daß, wenn die Türkei der Forderung der italieni­schen Regierung widerspricht, Italien seine Haltung der Türkei gegenüber ändern werde.

Was geht in Frankreich vor?

Paris. 21. Januar. (Privat-Tele- g r arum.) Seit einigen Tagen konstatiert man im Arsenal zn Rennes eine fieberhafte Tätigkeit. Seit acht Tagen etwa verlassen eine große Anzahl Wagen mit Munition das Arsenal die für verschiedene Grenzgarn,, fotten bestimmt sind. Eine solche Tätigkeit hat man hier seit langem nicht erlebt. Auch von den französischen Bahnen sind eine große Anzahl Wagen für etwa erforderliche Trup- vrntransporte nach verschiedenen Orten

Konstantinopel, 21. Januar.

Ein vorbereitender Ausschuß zur Natio­nalversammlung trat gestern unter dem Borsitz des Großwestrs int Sultans­palast zusammen. Die Nationalversammlung findet am Mittwoch im Palast statt. Sie hat rein beratende« Charatter und ist geheim. Heber den Verlauf derselben wird ein Com- muniquS ausgegeben. Auch der Kriegsrat ist gestern zusammengetreten. Tagsüber war im Ministerium das Gerücht verbreitet, Ruß­land habe gedroht, Wan und Erzerum zu besetzen, wenn die Türkei nicht bis Sonn­abend nachgebe. Die türkische Flotte soll ge­stern nach offiziellen Berichten wieder aus den Dardanellen ansgefahren sein.

Weiter wird uns aus Konstantinopel depeschiert: Immer bestimmter tritt das Gerücht auf, der Kriegsminister und Oberkommandie­rende der Armee, Nasim-Pascha, werde demissionieren, da er unfähig fei. An feine Stelle soll (wie verlautet) der energische und tüchtige Torgut Schewket-Pascha tre­ten. Fall? die Feindseligkeiten wieder begin­nen sollten, dürfte das erfie Schlachtfeld vor Galipoli liegen, wo 8000 Mann türkischer Truppen zusammengezogen sind, und wohin täglich neue Truppen und Lebensmittel trans- pottiert werden. Dieser Armee würde die Of- fenfivrolle zufallen.

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Der Roman Des Fliegers.

Eugen Wieneziers vor feinen Richtern.

In diesen Tagen beginnt inLeipzig wie­der eine Schwurgerichtsperiode und ihre foren­sische Hauptsensation wird ein Prozeß bilden, der auch außerhalb Leipzigs Interesse erregen wird. Seine Hauptperson, der Angeklagte die- s's Prozesses, ist der bekannte Flieger W i e n c z i e r s , der an vielen Flugwettbewer- ben in Deutschland und im Ausland teilgenom- men und überall große Erfolge errungen hat. Die glanzvolle Laufbahn des kühnen Aviatikers scheint nun in einem dunklen Ende verrinnen zu wollen. Er ist nämlich des Meineides angeklagt.

Geschäft, Liebe, Verbrechen?

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Leipzig, 21. Januar-

Man entsinnt sich wohl noch derAffäre Wieneziers", die vor Monaten fo lebhaf­tes Auffehen erregte. Die letzte Periode der Freiheit des Fliegers war senscttioneller Erleb­nisse voll. Wieneziers hatte auf dem Flugplatz Lindenthal bei Leipzig den bekannten Leipziger Verleger Kommerzienrat BernhardMeyer kennen gelernt. Kommerzienrat Metzer zählt heute zu den vermögendsten Bürgern Leipzigs, obwohl sein Vermögen noch ziemlich jung ist. Er hat sich aus allerkleinsten Anfängen empor­gearbeitet und er war der erste, der in Deutsch­land dir Idee der Abonnentenverstcherung ge­schäftsmäßig ausnützte, indem er eine Wochen- schrfft , Nach Feierabend" gründete, deren Abonnenten gegen ein billiges Wochenabon­nement gleichzeitig für Unfälle versichett waren. Das war damals ganz neu in Deutschland und die Zeitschrift gewann sich rasch einen großen Leserkreis. Meyer wußte den geschäftlichen Wett seiner Idee vollständig auszuschöpfen und begann damit, seine Zeiffchrifl auch in frem­den Sprachen erscheinen zu lassen. In jedem Lande besitzt sie unzählige Abonnenten und das hat ihren Gründer

fast über Nacht

zu einem vermögenden Manne gemacht. Sein jährliches Einkommen geht in die Millio­nen. Es darf indessen gesagt werden, daß er davon auch für wohltättge und vaterländische Zwecke große Opfer bringt. So gründete er in Leipzig, als die deutsche aviatische Jndusttte noch in den Kinderschuhen war, eine Fabrik für Flugzeuge und Eugen Wieneziers trat dem Unternehmen näher. Aus dieser Ge­schäftsverbindung ergab sich, daß er auch die Tochter des Kommerzienrats Meyer kennen lernte. Zwischen ihr und dem Flieger ergaben sich bald nähere Beziehungen, die freilich von den Eltern der jungm Dame nicht gebilligt wurden. Das stötte indessen die Liebenden nickt: Sie begaben sich beide gemeinsam auf die Flucht. Es gelang aber, die junge Dame zurückzuholen. Sie wurde dann von ihren El­tern in ein Sanatorium am Rhein überführt. Es wird jedoch behauptet, daß sich Wieneziers mit der jungen Dame in England habe trauen lassen. Nach Dentfchland zurückgekehrt, erfuhr er, daß die Leipziger Staatsanwaltfchast einen Steckbrief gegen ihn erlassen habe. Wieneziers stellte sich daraufhin freiwillig den Leipziger Gettchten.

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gm Festsaal der Kultur?

Ei« Wirklichkeit-Bild aus den Tiefen.

. Adolf Harnack, unsrer Besten einer, hat in d-n Tagen, da in Danzig der Deutsch-Soziale Kongreß zum Jahres-Rendezvous versammelt war, das zwanzigste Jahrhundert als den .Festsaal der Kultur" gefeiert und miste Zett als den Sonnemnorgen der Humani­tät und Ethik gepttefen. Adolf Harnack ist Jde- alist und feiner idealen Welt- und Lebensauf­fassung, vettlätt vom Glanze reichen Erden­glücks. mag manches Düstre im lichtfunkelnden .Festsaal der Kultur" verborgen geblieben sein. Ein Momentbild aus des Lebens Tiefen, eine Tragödie des E l e n d s, sei drum dem stol­zen Tempel seines Ideals als stummer Zeuge rauhtr Wirklichkeit gegenübergestellt. In St. Jngbett im Pfälzerland ist an einem der letzten Tage ein Mensch Hungers gestorben: Er gab im Spital seinen Geist auf, da der sieche k-K-rper infolge mondelanger Entbehrungen so wächt war, daß er keinerlei Nahrung mehr zunehmen vermochte. Wenn die Tragödie in Rußlands Steppen oder in den Eiswüsten E SMttens sich ereignet hätte, würde man sie wohl ebenfalls betrauern, aber sie wäre dann doch erklärlich, und man würde in der Er­kenntnis der Ursachen die Schuldfrage zu be- mrtwotten vermögen: Die Pfalz aber ist n ich t Rußland, nicht Sibirien, und es klingt wie eine Kunde aus des Mittelalters Durckel, wenn tnuit vernimmt, daß inmitten des .Festsaals bet Kultur", in einem Land voll Wohlstand und Glück, ein Mensch Hungers sterben mußte. Man fragt nach den U r s a ch e n der Tragödie, und schaut in das Düster der sozialen Rot, in die tiefften Tiefen menschlichen Elends und menschlicher Unbarmherzigkeit.

Der Arbeiter Mötsch, den im Spital zu St. Jngbett der Tod aus den Krallen des Schicksals erlöste, war ein Invalide ohne Rente, dem ttgend ein Zufall (oder eine s Rachlässigkeil) den Anspruch auf Versorgung ge- '" «tuh> hatte. Dor Jahren Pottier, geriet et einer Bagatelle mit dem Strafgesetz in Konflikt und büßte die Schuld im Gefängnis. ! Und nun beginnt die Tragödie: Der aus dem Ketter Heimkehrende findet nttgends Un­terkommen, nirgends Beschäftigung; das Brand- tm i des Gefängnisses versperrt ihm alle Türen, : und ttotzdem die Schuld nach dem Willen des Gesetzes und nach dem Urteil der Gerechtigkeit I gesühnt: Die Verachtung der Mitwelt verfolgt L den Bestraften auf allen Pfaden. So bleibt - nur die Rettung auf die Landstraße, die Zuflucht zum Betteln und Vagabondieren!

; Zwei Jahre hindurch ist die Landstraße die Hei­mat deS alternden Mannes; die Gemeinde kümmert sich nicht um ihn und den Fürforge- Vereinen bleibt er, der Landstreicher, ein Unbe­kannter. Er kommt körperlich immer mehr her- tmter nächtigt als siecher Greis bei Regen und Kälte im Wald oder am Sttaßenrand und wird wiederholt als Halbverhungerter bewußt­los aufgefunden. Kurz nach dem Chttstenfest der Menschenliebe brachte man ihn endlich von der Landstraße nach St. Jngbett ins Spital. Aber es war bereits zu spät: Der vom Elend, vom Hunger und von der Not zermürbte Körper - könnt- keine Speise mehr tiertragen, und nach drei Tagen kam, als Erlöser, der Tod!

Die Tragödie dieses Landstreichers ist eine strrchtbare Anklage wider Staat und Ge­sellschaft, denn sie enthüllt die Unzuläng- |L Weit der staatlichen und gesellschafilichen Ge­setze inbezug auf den Schutz des Menschenda­seins gegenüber den Härten des sozialen Elends in ihrer ganzen Größe, und offenbart gleichzeittg. wie wenig wirkliche Humanität eivt Zett beherrscht, die Adolf Harnack als den .Triumph der Kultur" gefeiert. Den verhäng- | nisvollen Anstoß zur Schicksalwendung im Da­sein des verhlmgetten Invaliden Mötsch bat lwie in Tausenden von andern Fällen) der Konflikt mit dem Strafgesetz und die --- darauffolgende Gefängnisstrafe gegeben, die tote s ein Allen sichtbarer Makel den entlassenen Sttäfling durchs ganze Leben verfolgt, ibn tnv die Landstraße gehetzt und schließlich dem Elend ht die Arme getrieben bat. Der »Vorbe­strafte" war für die Welt bürgerlicher Moral erledigt; für ihn gab's weder Arbeit noch retten­de Hülse, der Name im Strafregister machte noch den zerlumpten Vagabonden auf der Land- t strotze dem patrouillierenden Gendarmen ver­dächtig und die Heimatgemeinde war frob, als sie die aus dem llnterstützungswohnsitzrecht sick' ergebende Pflicht zur Hülseleistung für den dem Ketter Entronnenen anfechten tonnte.

Wilhem Voigt, der rathaus-erobernde Schu- ster-Hauptmann von Köpenick» hat vor der Ber­liner Sttaflammer seinen R'chiern erzählt, wie furchtbar das Verhängnis einer in der Lugend erlittenen Vorstrafe auf ihm gelastet

Auch die Römer drohe«!

Rom, 21. Januar (Privat Tele- gramm.) Die italienisehe Regierung hat ihren Botschafter in Konstantinopel beauftragt, bei der Pforte Schritte zu unternehmen, daß die

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Briand: Kommender Mann? Neubildung des franzöfischen Kabinetts.

Aristide Briand, der bishettge franzö­sische Justtz-Minister, hat bekanntlich die Bil­dung des neuen Kabinetts übernommen und setzt seine Bemühungen zur Neubildung des Kabinetts fort, vorläufig allerdings noch ohne tatsächliche Ergebnisse. Briand ist bestrebt, möglichst viele der zurückgetretenen Minister zu gewinnen, da das Kabinett Poinearös ange­sichts der Wahl seines Führers zum Präsiden­ten sozusagen an dem Hebermaß des ihm ent­gegengebrachten Vertrauens gestorben ist. lieber die Aussichten des kommenden Kabinetts Briand wird uns berichtet:

Frankreichs neues Kabinett.

(Privat - Telegramm.)

Paris, 21. Januar-

Briands Kabinetts-Bildung stößt auf zahl­reiche Schwierigkeiten. Bourgeois weigert sich, Poinearös Nachfolger für das Auswärtige zu werden, und D e I e a f f 6 will weder die Ma­rine behalten, noch Kriegsminister werden, ob­gleich Briand bei seinen wiederholten Versuchen bei beiden von Poinearö und Falliöres warm unterstützt wird. Bourgeois und Delcassö be­gründen ihre Weigerung mit ihrem erschütterten Gesundheitszustand. Lebrun endlich lehnt das Kriegsministerium auS Gründen ab, die anscheinend nur seiner Bescheidenheit entsprin­gen. Trotz allem hoffte Briand, dem Präsi­denten heute die neue Ministerliste verlegen zu können. Die Zusammensetzung des Kabinetts dürfte folgende sein: Präsidium und Inneres Briand, Justiz Bartou, Aeußeres Ri- b o t oder Jonnart, Krieg Etienne, Ma­rine Baudin, Finanzen Klotz, Unterricht Steeg, öffentliche Arbetten D u p u v, Han­del Morel, Ackerbau David, Kolonien G ui st hau, Arbeit und soziale Fürsorge B e s n a r d. In parlamentarischen Kreisen wird erzählt, Jonnart habe sich zur Heber« nähme des Portefeuilles des Aeutzern eittschlos- sen, nachdem ihm Ribot anempfohlen hatte, das Anerbieten Briands anzunehmen. Es heißt übrigens, daß P o i n c a r ö bis zur Heber« nähme der Präsidentschaft beabsichtigt, täglich mit dem neuen Minister des Aeußern zusam­men zu arbeiten. Von anderer Sette wird allerdings versichert, daß schließlich Mille- rand der einzige Kandidat für das Ministe­rium des Aeußern bleiben und das Ministerium des Aeußern erhalten wird. Die Kammer hat sich gestern fofort nach Eröffnung der Sitzung vertagt und es gilt als sicher, daß das neue Ministerium sich am Donnerstag mit einer Programmerklärung im Parlament vorstellen wird.

Unter dem Verdacht des Meineids.

Die Schuld Wieneziers besteht angeblich darin, daß er in einigen Prozessen, die sich aus seinen Beziehungen zu der Meyer'schen Flug- ze^gsabrtk entwickelt haben, seine Eides- o'licht nicht genau gewahrt haben soll. Bei seiner Verhaftung wurde behauptet, daß der Sttafantrag gegen ihn von seinem Sch wie. gertiater, dem Kommerzienrat Meyer, ge­stellt worden sei. Das hat dieser aber energisch dementiert. Die bevorstehende Verhandlung, über die wir berichten werden, dürfte nun nä­her: Aufllärung in die Sache bringen.

bereit gestellt worden. Angesichts dieser Regie- rnngsmaßnahmen herrscht in der französischen Hauptstadt eine gewisse Erregung, da man diese Maßnahmen mit der erneuten Spannung der internationalen Krise in Zusam­menhang bringt.

Vor der Entscheidung.

Auf dem rechte« Weg zum Frieden?"

Alle Welt erwartet mit Hngeduld die Ant­wort der Pforte auf die Note der Großmächte. Im türkischen Ministerrat soll sie bereits festge­stellt worden sein, aber die türkische Regierung will anscheinend die Verantwortung nicht allein tragen, denn sie hat die Nationalversammlung einberufen, um (wie die Pforte den Londoner Delegierten telegraphierte) »den Großen Rat der Senatoren und die hohen geistlichen und welt­lichen Behörden darüber zu befragen, ob wir in unserer Opferwilligkeit noch weitergehen können, als dies schon geschehen ist." Heute lie­gen uns folgende Meldungen vor:

Zwischenspiele im Balkan-Drama.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 21. Januar.

Seit einigen Tagen sprechen alle offiziellen Blätter von Frieden. Der Korrespondent des Londoner Daily Telegraph hatte gestern eine Hntetiebung mit einer Persönlichkeit ans Regiernngskreisen, die zu ihm sagte: Wir sindaufdemrechtenWegzumFrie- d en. In zehn Tagen wird der Frieden geschlossen fein. Es ist unzweifelhaft, daß der Ausgang der letzten Seeschlacht be­deutend zu dieser Hmstimmung beigetragen hat. Die National-Bersammlung wird erst am Mittwoch im Sultanspalast zn- sammentreten.

Belgrad, 21. Januar.

Von London aus wird hier die Nachricht verbreitet, daß die montenegrinischen Frie­densunterhändler der englischen Regierung ein Memorandum unterbreitet hätten, worin sie erNSren, daß Montenegro als Staat nicht mehr existieren könne, wenn nicht Skutari, Jpeck und namentlich Prizrend mit ihm vereinigt würde. Die Nachricht hat hier einen großen Ein­druck gebracht. Die überwältigende Mehr­zahl der Blätter verurteitt scharf die Haltung Montenegros, die mit den Pflichten eines Bundesgenossen in scharfem Widerspruch stehe und den Frieden atm Balkan auf8 neue gefährde.

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