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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

3nferttontoretf«: Die sechSgesvallen» Z«tl» für ewheimisch« «eschifte 15 $fg-, für au»' ro artige Inserate 25 Pf, Reklame-eile für einheimisch« Leschüfi« 40 Pf, für auSroärttg« DeschLfte 60 Pt Einfach« Beilagen für Vie »es-rmtausiLge werveu rnU 5 Mark pro laufens be­rechnet Segen ihrer dichte» «erbrettnag tu der Rektden, und der llmgsdun, find die Lafseler Neueste» Nachrichten «tu vorzügliche» Jnserktonlorgarr Eeschüfttflelle: Köürisch« Straß« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 14, Televdon: Ami Moriypla, «7«

Rümmer ZS. Fernsprecher 951 und 952. Dienstag, 21. Januar 1913. Fernsprecher 951 und 952. Z. Jahrgang.

Die Taffeier Neueste» Nachricht« «rf»einen wöchenMch sechsmal und «rar adendL Der Lb»nnem«r»r>ret« betrügt monatlich W Pfg bet freier Zustellung tn» Hau» Bestellung« «erd« febereett von der SeschüfKstell« oder den Bot« entgegengenommen Druckerei, Verlag uns Redaktion: Schlachthofstraß« 26/30, Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bt» 8 Uhr abenbä. Sprechstunden der Auskunft Stellet ged« Mittwoch and Freitag vo» 6 bis 6 Uhr abend». Berliner «ertretungt SW. Friedrtchstr. 18, Telephon: Ami Moritzpla, 674.

Staat, MM und Ration.

Gedanken über das politisch« Problem, von

Raymond Poincaree.

Präsident der Republik Frank«eich.

Im Jahre achtzehnhundertdreiundsiebzig ^rei Jahre nach der Schaffung der dritten fran­zösischen Republik, schrieb Löon Gambetta, Frankreichs staatsmännischster Kopf: .Es wird einmal der Tag kommen, wo die Politik ihrer wahren Rolle zugeführt werden und auf- hören soll, den Intriganten als Hilfsquelle ihrer schädlichen Angriffe zu dienen: man wird auf die niedrigen Manöver verzichten, auf den Geist der Bestechung, auf die Strategie der Heu­chelei. und endlich dazu gelangen, die Politik cus eine moralische Wissenschaft, als den Ausdruck aller Beziehungen von Interes­sen, Taten und Gebräuchen betrachten, die dem Geist und dem Gewissen die Satzungen der menschlichen Gesellschaft diktieren ...!' Seit­dem sind vier Jahrzehnte vergangen, aber es hat nicht den Anschein, als sei die Politik von heute etwas anderes, als diejenige es war, die Gambetta in den Jugendtagen der dritten Re­publik als Sünde am Ideal brandmarkte. Sie ist über Intrigen nicht hinweggekommen, besitzt noch ihreShriffe wie einst, weicht ohne Scham der Korruption intb vermag sich nicht auf eine höhere Stufe zu erheben, da sie sich mit unlotza- len und perfiden Manövern in ständigem Kampfs befindet Jedermann weiß, daß dieser Niedergang der Politik ein Beginn der n a t i - analen Gefahr ist. Seitdem die Konsti­tuante von 1791 und 1793 proklamierte, daß die Souveränität dem Volk gehöre und un- «»tastbar sei, hat dieses Prinzip mehr als einen Eingriff erlitten. Die Republik wurde geschaf- fen, um das Volk den Mißbräuchen einer per­sönlichen Macht zu entreißen, sie wollte eine freie Regierung Herstellen, die der Demo­kratie das Recht einräumt, sich durch Beauf­tragte repräsentieren zu laffen, und, damit die Vertreter nicht dazu verleitet würden, sich an Stelle der Auftraggeber zu setzen, wurden ihnen nur beschränkte und getrennte Rechte zugeteilt. Balo trat aber die kläglichste Verwirrung ein. Jeder Diener hielt sich für den Herrn, jeder De­putierte war überzeugt, dieVerkörperung des Volks" zu sein. Die Unordnung wurde immer größer, die Rechte und Pflichten durcheinander­geworfen.

Das ging so weit, daß es zur Stunde nichts wehr gibt, was mcht veffümmert wäre: Weder die ausübende, noch die gesetzgebende, weder die administrative, noch die gerichtliche Macht; ohne Kongreß, ohne Revision ist es den üblen An­gewöhnungen gelungen, die wesentlichen Stüt­zen der republikanischen Verfassung umzustür- zen. Auf Grund dieser Konstitution gab es einen Präsidenten und Minister, das will besa­gen, eine Regierung; eine Kammer und einen Senat, das heißt ein P a r l a m e n t. Der Präsident sollte die Initiative in der Gesetz­gebung haben, gleichzeitig mit den Mitgliedern de. beiden Kammern; er sollte über die Streit­macht verfügen, alle Ernennungen vornehmen und den nationalen Festen präsidieren. Er konnte mit Zustimmung des Senats die Depu- tiertenkammer auflösen, und zwar noch vor Ab- lauf ihres Mandats; er besaß das Recht, von de:: Kammern in bestimmter Frist die Promul- gieruna eines neuen Gesetzes zu verlangen. Er behandelte und beglaubigte internationale Ver­träge. Von allen diesen Rechten ist indessen wir eines intakt geblieben: Ter Vorsitz bei nationalen Festlichkeiten! Neben dem Präsiden­ten sollte es Minsster geben, die vor den Kam­mer- für die allgemein« Politik der Regierung und für individuelle Handlungen einzelner Mitglieder verantwortlich sind. Wir haben nach wie vor 1875 viele Ministerien gehabt; wir ha­ben aber sehr wenige Regierungen ge­habt, die aufgrund der Verfassung und der aus ihr hervorgehenden Rechte wirkten.

Ich frage mich, wann und wie die Minister Herr^' der Situation werden könnten. Sie sind eigentlich nichts weiter als die hohen Ge­fangenen des Staats. Dreimal in der Woche halten sie Rat und behandeln (ohne Zweifel) in den gewöhnlichen Besprechungen Fragen der allgemeinen Politik und des öffentlichen In­teresses. Sie stehen hoch genug, um ihren Blick aufs Ganze richten zu können. Aber mit den großen Angelegenheiten beschäftigen sich die Minister erstmorgen"; heute gibt es eine Men­ge kleiner Sachen zu erledigen. Ein Depu- tierter. der mit der Ernennung eines Bürovor­steher« unzufrieden ist, soll heute nachmittag bei einer Interpellation das Wort ergreifen. Zwischenfälle sind vorauszusehen, ein« Tages­ordnung muß durchgebracht werden. Ein an­derer Deputierter verlangt für einen Schützling einen hohen Posten bei Gericht, ein Senator heischr für seinen Kunden denselben Posten. Der

Das Ball

Ein Privat > Telegramm meldet « Pforte hat im Verlauf weniger Botschafter in Wien die Nachricht ansbruchs der Feindseligkeiten am 3 nicht aufrecht erhalte« könne, c. lands hat in Konstantinopel einen

Am letzten Freitag haben die Botschafter der sechs Großmächte auf der Hohen Pforte in Konstantinopel die Kollektiv - Note der Mächte überreicht und für morgen (nach viertägiger Bedenkzeit) erwartet man die Antwort der türkischen Regierung, über deren ablehnende Tendenz kaum noch Zweifel bestehen. Was dann geschehen wird, steht da­hin: Europa verlangt von der Türkei die Schaffung der Friedensmöglichkeit durch Opfe­rung von Besitzstücken, die ihr alS untrennbare Bestandteile des Reichs erscheinen, und die sechs um den Frieden bemühten Mächte ver­schärfen ihre Forderung an Osmans Söhne durch die Drohung mit Entziehung materiel­ler Hilfe, deren das Kalifenland fast noch dringlicher bedarf, als des Friedens am Bal­kan. In Konstantinopel spitzt sich der Kampf der Parteien immer mehr zu. Au den Schlachtfeldern, wo ungeheure Heere un­genutzt quartieren, werden die Offiziere nach der Entscheidung sehr mutig. Zwar sagte ein General: Acht Tage des Kampfes, und diese verwahrloste, undisziplinierte und diskutieren­de Armee wird qine Beute des Angreifers! Aber diese Armeen und ihre Führer fühlen mit einemmal ihre Kräfte schwellen. Und aus Adrianopel läßt der Kommandierende Sukri Pascha wissen: Er werde selbst auf einen Be­fehl hin Adrianopel nicht übergeben. Und so besagt das eine Gerücht: Die Türkei werde die Drohung Europas als Rat auffassen und dar­um nicht anneümen. Aber dann verlautet: Alles sei in Konstantinopel müde. Man wün­sche Frieden um jeden Preis. Der Tag der Enffcheidung ist nah«, und es muß sich nun bald zeigen, ob das neue Jahr dem vom Schicksal so schwer und verhängnisvoll heimge­suchten Wetterwinkel Europas den lang er­sehnten Frieden oder neuen Krieg und neues Unheil bringen wird.

Das Seeschlacht-Märchen.

Der Seekampf in den Dardanellen.

Am Sonnabend abend waren (wie wir be­reits in unserem Depeschen-Aushang berichte­ten) Gerüchte aus Athen verbreitet, nach de­nen die türkische Flott« in einem Seekampf in den Dardanellen von den griechischen Schlacht­schiffen vollständig vernichtet worden sein sollte. In den aus Athen darüber ver­breiteten Meldungen hieß eS: Das türkische Flottengeschwader traf am Sonnabend vormit­tag mit der griechischen Flotte vor den Darda­nellen zusammen. Um zwölf Uhr begann der Kampf, der nach der hiesigen Ansicht mit einem völligen griechischen Siege endete. Vor dem Marineministerium in Athen veran­stalteten große Vollsmassen begeisterte Kund­gebungen. Es hat sich indessen herausgestellt, daß diese griechische Siegesmeldung zum aller­mindesten beträchtlich übertrieben ist, wie aus folgenden Drahtmeldungen hervor- geht.

Konstantinopel, 20. Januar-

Das Kriegsamt meldet offiziell: Am Sonnabend morgen lieferte die türkische Flotte bei Lemnos der griechischen Flotte eine See- schlacht. Der Kampf, während dessen die türkischen Schiffe die feindliche Flotte befchä- drgten, dauerte drei Stunden. Di« Agence ottomane, die diese Nachricht verbreitet, fügt hinzu, die türkische Flotte sei siegreich zurückgekehrt.

Athen, 20. Januar.

lieber die vorgestrige Seeschlacht zwischen der türkischen und der griechischen ~rotte wird heute amtlich gemeldet, daß die türkische Flotte nicht vernichtet wurde, daß jedoch di« meisten türkischen Schiffe schwer havariert wurden. Bon den griechischen Schiffen hat nur derAwerofs" eine ganz leichte Beschädigung erlitten. ES soll nur ein Matrose eine Set« letmng erlitten haben.

«

Eine Demonstration der Machte?

(Privat-Telegram m.)

Rom, 20 Januar.

Der hiesig« Vertreter des Newyork Herald hatte gestern Unterredungen im Ministerium des Aeußern und im Kriegsministerium. Dort wurde ihm erklärt, daß, wenn die Türkei in der Frage der Abtretung Adrianopel- nicht nachgebe, vor Konstantinopel eine Flotien- demonstration vorgenommen werden würde. Sobald die Schiffe der Machst vor

ns ans Konstantinopel: Die Tage zweimal vom russische» erhalten, datz im Falle des Wieder» Zalkan Rn tzla nd seine Rentralität diese offene Kriegserklärnng Rutz- sichtlich tiefen Eindruck gemacht.

Konstantinopel erscheinen würde, könnte Groß- wesir Kiamil dem Volke erklären, daß er jetzt dem Willen Europas nachzugeben habe.

Die Teilung der Türkei.

(Privat-Telegramm.)

Wien, 20. Januar.

Di« Grenzabsteckungen auf dem Balkan werden aller Voraussicht nach schon in der nächsten Zeit die Londoner Bot­schafter - Konferenz beschäftigen. Nach dem Beispiel der montenegrinischen Friedens­delegierten sollen auch die Bevollmächtigten der anderen Staaten des Balkanbuiwcs die Absicht haben, den Kabinetten der Großmächte ihre Ansprüche auf die verschiedenen von ihnen er­oberten oder nicht eroberten Gebiete der Türkei vorzulegen. Montenegro fordert in der Denk­schrift die Stadt Jpeck mit Umgebung; es heißt, weil der König von Montenegro sich als Rechtsnachfolger der einstigen serbischen Pa­triarchen von Jpeck betrachtet. Skutari und Prizrend werden von Montenegro beansprucht, weil einst die Herrscherfamilien Baltschitsch und Tschernojewisch in dem heuttgen Montenegro vor der türkischen Ueberflutung regierten. Die Mächte werden di« Abgrenzung wahrscheinlich selbst in die Hand nehmen müssen, weil eine Verständigung der Balkanstaaten untereinan­der sich schon heute als undurchführbar erweist.

Krieg oder Frieden? (Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 20. Januar.

Der Vertreter deS Londoner Daily Chro* rdcle hatte gestern eine Unterredung mit dem Grotzwestr Kiamil Pascha. Kiamil äußerte sich, daß hinsichtlich der Antwort der Türkei an die Großmächte noch nichts beschlossen sei. Alle jetzt darüber im Umlaufe befindlichen Ge­rüchte entsprächen nicht der Wahrheit. Das Ka- binett werde erst hierüber einen definitiven Ent- fchluß fassen. Die Antwort werd« auch kaum vor Dienstag oder Mittwoch gegeben rocrben können. Ich selbst (fuhr der Großwesir fort) brauche wohl nicht zu betonen, daß ich für A u f- rechterhaltung des Friedens bin, aber das genügt nicht. Das Volk muß eben­falls befragt werden. Die Armee ist einstimmig für Fortsetzung des Krieges. Was die Türkei jetzt besonders bedarf, ist Geld, und ich hoffe, daß es bald zu einem Friedensschluß kommen wird, damit diese Angelegenheit ihre Regelung findet.

Die Antwort der Pforte.

(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 20. Januar.

Die Antwort aus bic Rote der Groß­mächte wurde am Sonnabend im Ministerium des Aeußern formuliert uiti> dem Minifterrat unterbreitet. Die lautet folgendermaßen: Vom ethnographischen Standpunkt aus find die Bul­garen im Vilajet Adrianopel in der Minder­heit, nicht nur zu den Mohammedanern, son­dern auch W den übrigen Christen. Adria­nopel hat sich bisher gehalten und wird sich weiter halten. Seine Aufgabe würde das Ka­lifat schwerschädigen, weil sich dort hei- lige Gräber befinden. Ferner ist eS der Schlüssel zur Hauptstadt. Seine Auf. gäbe gefährdet bie Existenz des ganzen Rei­ches. Aus diesen Gründen kann Adrianopel nicht abgetreten werden. Bezüglich der In­seln können diejenigen «n der asiatischen Küste keinesfalls abgetreten werden, dagegen ist man bereit, über die anderen zu verhandeln. Heber die Rote wurde am Sonnabend im Ministerrat verharwelt, es wurde jedoch noch kein Beschluß gefaßt. Die Nationalversammlung, die über die Lage unterrichtet werden soll, ist auf Dienstag einberufen worden und es ist daher wahrscheinlich, daß die Antwort der Tür­kei erst am Mittwoch überreicht werden wird.

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König Peter schwer erkrankt.

Semlin, 20. Januar. (Privat - Tele­gramm.) Bei dem gestrigen Wafferweihstst ist König Peter nicht erschienen, was all­gemein ausgefallen ist. Unterrichtete Kreise wollen wissen, daß der König schwer er­krankt ist und gestern einen bedenklichen Ohnmachtsanfall gehabt hat. Der Mnisterprä- sident Pasiffch ist noch spät abends in daS- nigspalais gerufen worden, jedenfalls im Zu- fammenhang mit der Erkrankung des Königs

Senator ist treu, der Deputierte unbeständig. ES wird Rat gehalten und. wie «S so geht, wird dem Deputterten Genüge geschehen. Zchn Uhr, zehneinhalb, elf Uhr. Der Minister des Aus- wärttgen hat wichtige Nachrichten erhalten, die er dem Ministerrat mitteilen will. Der Finanz- Minister hat große Reformen vorzulegen, die ein gründliches Studium erfordern. Was tun? Es ist spät. Der Minister des Innern wird von den Journalisten erwartet, die auf die Note gespannt sind. Man muß schließen. Am Ende weiß doch der Minister des Auswärtigen am besten, was er zu tun hat. Und der Finanz­minister ist doch auch ein verständiger Mann. Lassen wir ihnen freie Hand. Und sprechen wir motdtn* von der allgemeinen Polftik, spre­chen wir an einem andern Tag von Frankreich, dessen Größe und Ehre all unsre Arbett, all unsre Hoffnung und all unser Streben gilt...!

Frankreichs neues Kabinett.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 20. Januar.

Justizminister Driand, den Präsident Falliöres mit der Neubildung des Kabinetts beauftragte, verwendete den gestrigen Tag mit Besuchen und Empfängen verschiedener Per­sönlichkeiten der republikanischen Gruppen. Ein positives Resultat ist im Laufe des Tages jedoch nicht erzielt worden. Es steht fest, daß der bisherige Marineminister Deleassöe und Leon Bourgeois kein Portefeuille übernehmen wollen. Präsident FallisreS emp­fing gestern vormittag Bourgeois und hatte mit diesem eine lange Unterredung, in der er versuchte, Bourgeois zur Ueberuahme des Por- tefeuöieS des Aeußereu zu bewegen, jedoch ohne Erfolg. Die Kammer wird sich bis Don­nerstag vertagen. Bis dahin wird wohl Bri- and in der Lag« fein, mit seinem Kabinett vor der Kammer zu erscheinen.

Wo ist Wolfs Wertheim?

Das Schicksal eines Warenhaus-Besitzers.

In Berlin erregt augenblicklich das plötz­liche Verschwinden des bekannten Begründers des Warenhauses W. Wercheim, G. m. b. H., Wolff Wertheim, das größte Aufsehmr. Herr Wertheim hielt sich seit mehreren Wochen in einem Sanatorium in Tegel aur, da er zur Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesund- heft der Ruhe dringend bedurfte. Von einem Spaziergang, den der Vermißte am Donners- tag nachmittag unternahm, fft er nicht wieder in di« Anstalt zurückgekehrt. Wir erhalten über die sensationelle Affäre weiter folgende Mel­dung:

Das Opfer einer Nervenkrise?

(Telegraphische Meldung.)

Berlin, 20. Januar.

Seit Donnerstag nachmittag ist der frühere Inhaber des Passage-Kaufhauses in der Fried­richstraße, Herr Wolfs Wertheim, der spätem durch feine Gründung des Warenhaufes W. Wertheim, G. m. b. H., bekannt wurde, aus dem Sanatorium »Kurhaus Schloß Tegel", das er gegen Weihnachten zur Wiederherstellung feiner angegriffenen Nerven ausgesucht hatte, verschwunden. Am Donnerstag mittag noch nahm Herr Wolff Wertheim mit seiner Gattin in einem HotelUnter den Linden" das Früh­stück ein und begab sich dann, anscheinend in der besten Gemütsverfassung, zurück in das Sana­torium in Tegel. Gegen vier Uhr verließ er die offene Anstalt zu einem Spaziergang, bog dem er bis jetzt noch nicht zurückgekehrt ist. Trotz der eingehendsten Ermittlungen konnte bisher der Aufenthalt des Verschwundenen, der schon seit einigen Monaten unter einer zetttvei- lig austretenden Gemütsdepression kitt, nicht festgestellt werden. Aus Briefen, die aus dem Grünewald Frau Wercheim und dem leitenden Arzt des Sanatoriums zugegangen sind, geht nicht hervor, wohin sich der Patient gewandt hat, oder ob er gar den Plan gefaßt hat, seinem Leben freiwillig ein Ende zu setzen. Frühere Vorfälle, von denen einer in einem hiesigen Hotel stattfand, lassen die letztere Mög- Weif leider nicht völlig ausgefchlossen erschei­nen. Am Sonntag waren Frau Wercheim ver­schiedentlich Mitteilungen gemacht worden, wo­nach man ihren Mann in der Friedrichsstraße gesehen haben wollte. Diese Meldungen haben sich jedoch als falsch erwiesen, denn tatsäch­lich befindet sich Herr Wertheim nicht in Berlin.

Wolff Wertheim in Hamburg?

Ein Privat-Telegramm aus Berlin berichtet uns zum Verschwinden des vermißten Herrn Wertheim noch solgendes: Herr Wolfs Wertheim ist bis gestern abend nicht in das De- qeler Sanatorium zurückgekehrt. Nach einer Mitteilung, die Frau Wertheim erhalten haben soll, ist der Verschwundene in Hamburg ge­sehen worden. Diese Nachricht ist jedoch bis-