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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 38

Fernsprecher BI und 952.

Sonntag, 19. Januar 1913

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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Versailler Palastes ausgeharrt hatte, brach bei Bekanntwerden des Wahlresultats in jubelnde Hochrufe auf PoincarS auS und rief fortwährerw nach dem neuen Präsidenten. Poincars verliest den Palast in Begleitung des Justizministers Briand und fuhr mit einer Eh­reneskorte von Gendarmen nach dem Bahnhof. AlS die Dlenge vor dem Gittertor des Mini­sterpräsidenten ansichtig wurde, bereitete sie ihm brausende Ovationen. Ein Separatzug brachte den neuen Präsidenten, die Minister und ihr Gefolge nach dem Jnvalidenbahnhof in Pa­ris, wo sich eine ungeheuere Menschenmenge angesammelt hatte. Als PoincarS den Zug verliest, um sich ins Elysee zu begeben, wurde I er auch hier durch tausendfache Hochrufe be j grüßte.

Poinearees Präfidenten-Rede.

(Privat-Telegram m.)

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abgeordneten in keiner Weise vereinbar. Wet- terlS habe der Verfassung und dem Kaiser den Treueid geleistet; wenn er ihn nicht halten könne, habe er sein Mandat niederzu­legen. Der Redner warf die Frage auf, ob denn Wetterls nicht durch sein Verhalten sich des Hochverrats schuldig gemacht habe, worauf die Versammlung mit einem stürmi­schenJa" antwortete.

Snfertton«pretfe: ®te fedjigefpattent Sette für «whetmtsch« Seschüft« 15 Pfz.. für aus* tnarttge Inserate 25 W, Reklame,«tl, für einheimische »eschäfte 40 Bs für au8n>4rttge Leschäfre 60 Pi. Einfach« Beilagen für die Sekamtauflage werde» mit 5 Mark pr» Tausend be­rechnet. Wegen Ihrer dichte» Verbreitung i» der Residenz und der Umgebung find die Taffeler Neuesten Nachrichten et» vorzügliches JnsertwnSorgan. SeschüftSstelle! »ölnische Straße 5. Berliner Vertretung- SW., Friedrichstraße 16. Telephon- Amt Moritzpiah 67e

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Emile Wetterle und die ClfSsser.

In einer gestern in Straßburg abgehalte­nen Protest - Versammlung der Elsaß- Lothringischen Verewigung verbat sich der erste Redner. Dr. Ehrismann, der einer uralten elsässischen Familie entstammt, als Elsäs­ser, gerade als Elsässer, daß Wetterle das Ansehen der Elsässer in dieser Weise berabwiirdige. Das Verhalten Wetterles sei wir dem Amte emeS Reichs- und Landtogs-

*

Der Kanzler und sein Gegner.

Frankreichs neuer Präsident.

(Vrivat-Telegramm.l

Paris, 18. Januar-

Seit den Tagen Earnots hat keine Präsi­dentenwahl solche allgemeine Zustimmung in der Bevölkerung gefunden, wie die gestrige. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der Wahl Poinearss. Die Extrablätter ver­kündeten das Ergebnis, das überall nicht nur mit großer Genugtuung, fondern mit w a h r e r Begeisterung ausgenommen wurde. Die große Bolksmenae. die vor dem Gittertor des

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in die Formen natürlichster Wirklichkeit ge­gossen zu haben Rach dem Lycee Louisile- Grand besuchte er die Sorbonne, wo er mit seinem um sechs Jahre altern Vetter (dem spä- tern großen Mathematiker Henri Poincars) zu­sammentraf, ging als Rechtsdoktor nach dem Militärdienst in Nancy bei dem bekannten Ad­vokaten du Buit in die Lehre und sand für den Anfang keine eignen Klienten. Dafür nahm ihn sein Landsmann, der Ackerbauminister De- velle 1886 als Kabinettchef ins Amt und be­sorgte ihm im Maas-Departement einen Sitz als Generalrat und im folgenden Jahr ein weiteres Mandat als Abgeordneter. Viermal wählten die Männer von der Maas ihren Ab­geordneten wieder, bis er 1903 den Senatorensitz borzog. Drei Jahre genügten, und er wurde zum Finanzberichterstatter ernannt; vier Jahre, und er war Generalberichterstatter des Haus­halts: Als Dreiunddreißigjähriger faß er im Unterrichtsministerium! Damals dauerten die französischen Ministerien nur ein Schmetter­lingleben: das erste Kabinett Dupuy wurde durch Casimir-Pörier ersetzt, das Kabinett Casi- mir-PSrier durch ein zweites unter Dupuy, in dem Poincars das Finanzportefeuille erlangte. Bald darauf machte Ribot ihn abermels zum Unterrichtsminister: Er hätte noch einem Dutzend andrer Kabinette angehören können, wenn ihn nicht der Justizpalast so mächtig an- gezogen hätte. In der Zeitspanne, die ihn von gouvernementalen Pflichten fernhielt, ge-

er in hen Ruf, ein konservativer, fast reaktionärer Republikaner zu sein, Was er nun, da die Stimme von Versailles ihn ins Ely- s e e berufen, der Republik sein wird, muß die Zukunft lehren: Seine Bewundrer erhoffen von seiner Tatkraft und Initiative das Herauf­dämmern eines neuen Sonnentags ftanzösischer Größe unter« wärmenden Strahl republikani- cher Einheit!

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Wedel Wetterle-Krise?

Wetterls und Wedel amtsmüde!

Die eigenartige Gastspiel-Reise des Colma­rer Fanattkers Wetterls ins Land der Fran- zosen, deren mißtönendes Echo in der gesam­ten deutschen Presse die dem Reichsfeind zie- F mende Würdigung gefunden hat, scheint nun auch int Reichsland selbst die Erkenntnis ge­weckt zu haben, daß der Mann im Prediger- Rock der Nächstenliebe für Elsaß-Lothringen eine G e f a h r ist, weil er jenseits der Vogesen- berge Hoffnungen geweckt, deren Verwirklichung eme Demütigung des Deutschen Reichs bedeuten würde. In der gestrigen Sitzung des rerchsländischen Landtags kam dies bei der Fortsetzung der Wetterls-Debatte deutlich zum Ausdruck. Inzwischen scheint die Affäre Wet- terls weitere Kreise zu ziehen, denn in unter- richteten Straßburger Kreisen geht das Gerücht, daß der Statthalter der Reichslande, Graf Wedel, entschlossen sei, von seinem Posten zurückzutreten, und zwar offenbar im Zusammenhang mit den anläßlich der Affäre Wetterlö gegen ihn gerichteten Presse-Angriffen. Auf Anfrage erhalten wir dazu aus Straß­burg folgende Mifteilungen:

Graf Wedel vor dem Rücktritt!

(Telegramm unserS Korrespondenten.)

Straßburg, 18. Januar.

Das Rennen um's Elysee ist zu Ende; Frankreich hat einen neuen Präsidenten, und Raymond Poincarö, der kühle Loth­ringer, zieht in's Elysierhaus ein, in dem einst die Pompadour ihre Jntriguen spann und in dem, als letzter der Erwählten, der greise Bür­ger Armand Falliöres des Lebens Abend still vetträumt. Als gestern im Prunksaal des Schlosses zu Versailles die Männer der Repu­blik zur Wahl des neuen Präsidenten zusam­mentraten. schwankte das Zünglein der Schick- salwage nach unschlüssig hin und her: Wird Pams, der am Vorabend der Präsidentenwahl vom Amt des Ackerbau-MinisterS Entbundne, oder Poincars, der Favorit der Straße und des Salons, das Rennen machen? DasUrteil des Volks" (wie der nun zur höchsten Würde der Republik emporgeftiegne einstige Advokat Poincars die National-Versammlung euphe­mistisch genannt) hat wider den Mann vom Ackerbau entschieden und den blonden Sohn der Lothringer Erde ins Präsidentenamt berufen. Selten, daß eine Präsidentenwahl in der drit­ten Republik so deutlich die Spuren des hin­ter den Kulissen geführten Kampfs offenbart, als das gestern beendete Ringen um Armand Falliöres Erbe; selten auch, daß feit den Ta­gen des greifen Thiers eine so ausgeprägt politische Persönlichkeit zum Elysee ge­schritten, als Raymond Poincars, von dem Frankreich eine neue Interpretation der in her Hand des Präsidenten ruhenden, seit'Jahr­zehnten ungenutzten Machtgewalt erhofft. Poincars ist als Politiker und Mensch zweifel­los eine der interessantesten Erscheinungen int Frankreich des zwanzigsten Jahrhunderts, und seine Laufbahn, die nun auf dem Gipfel des Erreichbaren ihren (beiläufigen) Abschluß ae- funben, scheint die phantastischen

Möglichkeiten eines Rornanbilds

W , Drc Nachrichten über einen demnächst bevor­stehenden Rücktritt des Statthalters von M Elsaß-Lothringen, Grasen Wedel, können (wie ich an vorzüglich unterrichteter Stelle höre) n i ch t so ohne weiteres als Kombinationen be- zeichnet werden. In unterrichteten Kreisen gilt es nämlich schon seit längerer Zett als offenes Geheimnis, daß Gras Wedel im Amt nicht mehr die Befriedigung wie früher findet, daß I er ober auSzuharren sich deswegen entschlossen hat, weil er bei der Krone persona grata ist und nicht wenig Lust zu haben scheint, den Statt- bakterpoften als Sprungbrett zu benutzen. Bis M zur Stunde ist der Graf an höchster Stelle auch keineswegs in der Gunst gesunken, wenn sich auch ein kleiner Kreis Mütze gegeben hat, die Wetterls-Affä re als Mtttcl gegen den Statthalter zu benutzen. Run dürfte es aber trotzdem dem Grafen nicht angenehm sein, daß W in den Preßpolemiken, die sich seit einigen Ta­gen um denFall Wetterls" drehen, seine Gattin immer und immer wieder als Beweis dafür herangezogen wird, daß man an den Re- M gierungsstellen im Verkehr mit frankophilen E g Reichsdeutschen nicht d i e Vorsicht an den Tag gelegt hat, die gerade diesen Stellen als Schlutz- gebot erscheinen müßte. Wenn also Graf We- M del tatsächlich zurücktritt, so dürste die Wetterls- Affäre dazu zweifellos das ihrige beigetragen

W haben.

Auch Wetterlö WM scheiden'

(Telegramm unserS Korrespondenten.)

Strassburg, 18. Januar-

Di- Wetterls-Affäre scheint auch partei­politisch nicht ohne Folgen bleiben zu sollen. Me hier heute in maßgebenden Kreisen erzählt wird, hat der Reichstagabgeordnete Wetterls nach einer gestern stattgehabten Aussprache mit seinen Freunden beschlossen, unter gewissen Vor- M aussetzungen fein Reichstagsmandat niederzulegen. Die Veranlassung zu ' diesem Schritt Wetterles ist die Tatsache, daß selbst in seinem Wahlkreis Rappoltsweiler die von Wetterls in Frankreich gehaltenen Bor­träge lebhaften Unwillen geweckt haben. Auf Vorstellungen von Verttauensleuten seines Wahlkreises hatte dann Wetterls erklärt, er werde in Kürze im Wahlkreise Rappoltsweiler eine Reihe von Vorträgen halten und bei dieser Gelegenlieit sein Auftreten in Frankreich recht, fertigen. Diese Zusage Wetterlss hat aber in seinem Wahlkreis die gegen ihn bestehende :: Stimmung nicht zu beeinflussen vermocht, eS machte sich eher eine Verstärkung der llnzusrie. denheit bemerkbar, und diese Tatsache hat bann Wetterls bewogen, seinen Parteifreunden den Entschluß zur Mandatsniederlegung mitzuteilen. Lb und wann dieser Entschluß zur Ausführung gelangen wird, steht allerdings noch nicht fest. Eine Entscheidung dürste aber in den ersten Tagen bet nächsten Woche zu - erwarten sein.

Paris, 18. Januar-

In einer Ansprache auf die Rede, di- Briand im Namen der Minister an den neugewLhlten Präsidenten in Versailles richtete, antwortete Poincars: Ihre so warmen Watte sind mir sehr zu Herzen gegangen, ich bin sehr gerührt von den Vettraunesbezeugungen. die mir die Rationalversammlung gegeben hat. Ich werde mich bemühen, mich dieses Vertrauens würdig zu erweisen. In dem hohen Amte, das ich ein= nehmen werde, wird es mir ein Leichtes sein, die Kämpfe von gestern und selbst die Be­leidigungen zu vergessen. Seien Sie überzeugt, daß ich immer ein unparteii­scher Schiedsrichter fein werde. Ich Werbe ein treuer Hüter bet Konstitution und bet Gesetze bleiben, ließet alles werbe ich die In­teressen unserer nationalen Verteidi­gung stellen und zusammen mit den verant­wortlichen Ministern werde ich die Einigkeit unserer answättigen Politik wahren. Meine Herren, Sie können auf meine absolute Hin­gebung an bie Republik und an das Vaterland rechnen. Rach der Rede brachte Mi. Nister Briand in bewegten Wotten im Namen | des Ministerrats seine Glückwünsche zum Aus­druck.

Versailler Zwischenspiele.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 18. Januar.

In den Nachmittagsstunden war hier das Gerücht verbreittt, daß PoincarS an Cle- nt e n c e a u wegen eines Briefes, den Clemen- ceau nach der gestrigen Debatte an Poincars fchtteb, und durch den sich dieser beleidigt fühl­te, eine Hetausfordernng zum Zwei­kampf habe ergehen lassen. Das Gerücht fand auch Bestöttgung. Bald wurde jedoch be-1 kamst, daß die Angelegenheit beigelegt wur­de, da Clemencean erklätte, er fei ungenau un­terrichtet gewesen. Dagegen hat der ehemalige Minister Poncou dem Abgeordneten de Monie seine Zeugen geschickt. Eine Deputatton von

PräfidentPoincaree

Die im Schloß zu Versailles tagende franzSstsche National-Versammlung hat gestern abend den bisherigen Ministerpräsidenten Raymond Poin- earee im zweiten Wahlgang auf die Dauer von siebeu Zähren zumPräsi. de nten der Republik gewählt. Poincaree erhielt 483, sein Gegenkandidat, Landwirtschaftsmiaister PamS, 328 Stimmen. Das Resultat der Wahl wurde von der Rattonal-Dersammluug mit lautem Beifall ausgenommen.

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und RedE-»: SchlachttzoMratze 28/30. Sprechstunde» der Redaktion nur non 7 bis 8 USt Sprechstunden der NuSkunft. Stelle- Jede» Mittwoch und Freitag °o» «bi« St abend-. Berliner Vertretung- SW, Friedlichste. 16. Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Sie Briese einer Wlomaten.

Hinter den Kulissen der Diplomatie.

Der durch seine Beziehungen zu dem nach- maligen Kaiser Friedrich bekannt gewordene englische Diplomat Sir Robert Morier hat eine umfangreiche Sammlung von Briefen hinterlassen, die foeben von feiner Tochter, Frau Roßlhn Wemyß, veröffentlicht wor- den sind. Am interessantesten sind davon die- ienigen Schreiben, die auf die Beziehun­gen des englischen Diplomaten zu Bismarck und Kaiser Friedrich während der deutsch-französischen Konfliktes bedeuten Sie werfen ein grelles Streiflicht auf die Gegen- saHlichkeiten, die schon zu jener Zeit zwischen dem Kanzler und dem damaligen Kronprinzen bestanden haben. Wir verzeichnen daraus folgende interessante Mitteilungen:

Bismarck «nd der Hof.

Erinnerungen an achtzrhnhundettsiebzig.

Im Juli des Jahre 1870 waren die Sym­pathien des englischen Diplomaten Morier ganz auf feiten der deutschen Politik, aber er bewährte gegenüber dem Kanzler eine Un- abhängigkeit, die diesem bisweilen unbequem wurde. Durch die Protektion der Prinzessin Viktoria, der Tochter der Königin von Eng­land und Schwiegertochter des Königs von Preußen, sowie auch durch die persönliche Freundschaft, die ihn mit der Kaiserin Augusta verband, war er besonders in der Umgebung des Kronprinzen zu einem gewissen Einfluß gelangt, lieber die Plane der preu­ßischen Regierung auf nichtoffiziellem Wege unterrichtet, suchte er in der britischen Presse, i wie auch in deutschen politischen Kreffen Stim­mung gegen jede territoriale An­ne x i o n zu machen, die in den Absichten B i s- marcks bereits eine Rolle spielte. Morier schreibt unterm achten August 1870: .Ich bin mit Leib und Seele mit Deutschland, aber ich habe zuerst die Folgen des Sieges mehr als die Möglichkeit einer Niederlage geftirch- I let. Diese Folgen würden die Forderung der ^Provinzen Elsaß und Lothringen sein; denn die Wegnahme zweier großer Provinzen, de­ren Bewohner gallischer als die Gallier sind und als Deutsche hartnäckig französischer als die Franzosen sein werden, würde einen Zu­stand schaffen, den ich für die

Anfänge des Deutschen Reiches im neunzehnten Jahrhundert nicht wünschen würde. Dies die gefühlsmäßige Seite der Sache. WaS die praktische betrifft, fo würde eine folche Okküpation einen Zustand des be­waffneten Friedens schaffen und jede Ab­rüstung unmöglich machen. Ich möchte das deutsche Volksheer sehen, daS, nachdem es den alten König auf dem Schlachtfelde zum Kai- ser proklamiert und für die Einheit Deutsch- lands gefochten hat, den blutigen Säbel wie­der in die Scheide steckt In einem Briefe an den Kronprinzen vom zwölften August wird er noch deutlicher: .Die Annexion von Elsaß-Lothringen würde der schlimmste

ES braucht nicht besonders erwähnt zu wer­den. daß Bismarck von dieser Korrespondenz keine Ahnung hatte. Hatte doch der Kron- Prinz dem englischen Diplomaten unbedingte Verschwiegenheit zugesichert: »Denken Sie daran, daß ich alles, was Sie mir schreiben, unter meinen gebeimsten und kostbarsten Ar- chiven ausbewahre. Sie können mir nicht ge­nug schreiben." Frau Roßlyn Wemyß ist der Ansicht, daß der Kanzler den Einfluß Moriers aus den Mißerfolgen seiner Volftik erraten

- - -- - .Fehler sein, den Deutschland begehen

Parlamentarrern begab sich nach dem zweiten könnte." In der Tat soll (tote aus dem Buche Wahlgang zum Landwittschaftsminister Pam8, der Frau Roßlvn Wemyß hervorgeht) der Ein- bem Gegenkandidaten Poincarss, um ihn zur sluß des englischen Diplomaten in Berlin nicht Zurückziehung seiner Kandidatur zu »er- ganz ohne Widerhall geblieben sein, denn auf anlaffen. Pams hätte sich wohl auch hierzu seine Fürsprache hin sollen sich die Kaiserin entschlossen, aber Elemenceau bewog die Augusta und die Prinzessin Viftoria dafür ein- Radikalen und radikalen Sozialisten, im zwei- gesetzt haben, daß das Bombardement trn Wahlgang dennoch für Pams zu stim- Ivon Paris um mehrere Wochen ver- men. damit Poincarö nicht eine Majorität er- schoben wurde. Gemeinsam mit dem Diplo- halte, die als ein Defizit gedeutet werden malen hätten die beiden Fürstinnen auch die könnte. Bon den Konservattven wird bekannt, Verproviantierung der französischen Hauptstadt daß sie sich zum Teil beim ersten Wahlgang nach ihrer Kapitulation beschleunigt, indem sie der Stimme enthalten haben, um vor der eitt- dafür sorgten, daß genügende Vorräte an Le- sckeidendcn Abstimmung Bedingungen stellen bensmitteln in Ostende und den englischen- zu können. fett in unmittelbarer Nachbarschaft Frankreichs

* aufgestapelt wurden. Bismarck soll sich gegen

Dräfident Raymond Poincaree. dieses Vorgehen öffentlich sehr abfällig Raymond Poincarö ist am zwanzigsten I ausgesprochen haben.

August 1850 in Bar-le-Duc in Lothringen ge­boren. Er steht demnach im dreiundfechzigsten Lebensjahre. Poincars widmete sich dem Rechtsstudium und übte die Praris eines Rechtsanwaltes mehrere Jahre aus.' In den Jahren 1886 bis 1887 war er Kabinettschef im Ackerbauministerium. 1887 wurde er in seinem Heimatsdepartement zum Deputietten gewählt Am vierten April 1893 übernahm er im Kabi­nett Dupuy das Ministerium des Unterrichts 1894 wurde er zum Finanzminister ernannt 1903 wurde er in den Senat gewählt. Seit Januar 1912 ist er Ministerpräsident.

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