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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 37.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 18. Zannar 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Heldentat und knlelpflicht.

.Gehet hin und tuet desgleichen!"

Wie wir schon berichtet haben, beschlossen in ihrer letzten Sitzung die Stadtverord­neten von Leipzig, aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Befreiungskriege und des fünfundzwanziaighrigen Regie­rungjubiläums des Kaisers für die deut­schen Teilnehmer an den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 und für deren Hinterbliebenen eine kommunale Spende von fünfhunderttausend Mark zur freien Verfügung zu stellen. i;> Hundert Jahre sind nun bald verrauscht l über den Tagen, da deutsche Kraft, er- L stärkt in der Erkenntnis nationaler Pflicht, zu- K rückerrang, was fremde Herrschaft ihr entrissen, j' und es ziemt den Enkeln, das Andenken an : der großen Väter Taten in Andacht und Be- | wunderung zu feiern. Das Jubeljahr neun« r zehnhundertdreizehn rührt denn auch bereits : von der Maas bis zur Memel an die Saiten : des nationalen Empfindens, und da ein Zu- ; fall es gefügt, daß mit der Jubelfeier der Be- I freiungkriege das Regierung-Jubiläum des t dritten Deutschen Kaisers zusammenfällt, so l steht uns eine Wucht-Offenbarung vaterländi- E. scher Begeisterung bevor, wie sie seit der Heirn- ' kehr der Helden von achtzehnhundertsiebzig x. Deutschlands Gaue nicht mehr geschaut. Es ist - das heilige Recht eines großen Volks, die WMuhmestage der Nation mit Stolz und Prunk i zu feiern, und es ist Brauch und Uebung, in- r mitten rauschenden Festgepränges auch der Fürsten zu gedenken, deren Regierungzeit mit der Glanzperiode nationaler Größe zusammen- - stillt. Schon regen sich überall geschäftige Hände, um Deutschlands Jubiläumjahr und L Wilhelms des Zweiten Regierung-Jubiläum zu einer die ganze Nation umfassenden Reichs­feier zu gestalten: Industrie und Handel, Wis- [ stmschaft und Kunst, Volk und Heer haben sich E. in den Dienst des vaterländischen F-stgc^an-. - keus gestellt; Denkschriften und Erinnerung­sh Medaillen, Standes-Erhöhungen und Ehren- h urkunden werden vorbereitet: Stadt und Land r wetteifern in nationalem Opfermut, und in | der ganzen Nation vibriert, lebendiger als je - zuvor, da? Fluidum der Begeisterung, das, ; wirklichkeit-geworden durch des Volkes | Kraft, vor hundert Jahren Deutschland aus den Niederungen knechtischer Abhängigkeit zur

L lichten Höhe der Heldentat emportrug.

E' Glanz, Prunk und Begeisterung werden die s Erinnerung an jene Tage im Zeitalter der W Enkel verklären; die hundertjährige Vergan- c. genheit mit ihrem bunten Schicksalwechsel von - Glück und Enttäuschung, von Niedergang zu I; neuem Aufstieg Wird vor unserm Auge auf« ° leben wie die verklärte Erinnerung an dunkle | und Helle Stunden, und es wird in zünden- - den Worten von dankbarer Enkel Mund all M der Großen und Ueberragenden gedacht wer- ' den, die mit Hellem Auge und eherner Stirn, 1 unbekümmert um den Lärm der Straße und k das Bangen zager Fürsten, ihr Volk zu Tat, h Kampf und Sieg geführt. Wir haben eben erst in stiller Andacht das Andenken des großen Kork gefeiert, dem neben Scharnhorst und Stein sicher das größte Verdienst an Preußen- " Deutschlands Rettung gebührt, und grade d i e- s ser Erinnerungtag sollte uns die Erkenntnis g; sichtbar und lebendig erhallen, daß die Tat | der Befreiung, deren Hundertjahr-Jubiläum ^... wir nun zu feiern uns anschicken, in allererster £ Linie ein Werk des Volks und seiner größ- U ten Söhne war, und daß deshalb der Kraft und dem Heldentum der Nation der Strah­lenkranz ziemt, den die Geschichte nm jene Tage gewoben! Dieser Erkenntnis hat die Stadt Leipzig (dieselbe Stadt, die ihren bürgerlich-patriotischen Opfermut in der s' Niesenspende für den Ausbau der deutschen |L Heeres-Luftschiffahrt offenbarte) würdig und echt deutsch Rechnung getrgaen, indem sie eine halbe Million Mark für Deutschlands | beste Söhne, für unsre Veteranen, als

Tribut an das Jubiläumjahr auf des Vater- landz Altar niederlegte!

Man hat es der Wohltätigkeit verargt, als sie begann,auf die Straße* zu gehen, als sie "egen die Blumen der Barmherzigkeit die Rik- kelgroschen der Nächstenliebe eintauschte, und als <ws dem Werk öffentlichen Mitleids den Ar- wen unter der Generatton der WerdendeH und ben Bedürftigen unter den Helden großer £cge der Born werktätiger Hilfe floß. Man hat tadelnd darauf hingewiesen, daß die öffent­liche Woültätigkeit nicht spielend die Ausgaben lösen dürfe, die dem Staat als vornehmste Pflicht auferlegt seien, und man hat eine Krän­kung unsrer alten Krieger darin erblicken fc. wollen, daß für sie gesammelt wurde, wie man für ein Almosen zu sammeln pflegt und als IKyUmolat ihnen auch die Svende überwies, die

aus der Blumentage buntem Trubel für den idealen Zweck verblieb. Daß das in einer Zeit geschehen müsse, in der über den Heldenwgen der Reich-Erschaffung genau vier Jahrzehnte dahinrauschten, gereiche dem Vaterland nicht zur Ehre, fei ein schlechter Lohn der Krieger­und Heldentat, die (nach der Hymne) am X ton ihr Lorbeerblatt finden solle und ent­halte eine schwere Anklage wider den Staat, der in vier Dezennien gewaltiger Entwicklung e^ noch nicht vermochte, den Lebensabend seiner Braven frei von Sorge und unbeengt vom Bann der Not zu gestalten. Aus den Blumen der Barmherzigkeit spreche (still hn Verborgnen) die Mahnung des Gewissens, die nun, da die Großen beharrlich schwiegen, die Kleinen zu später Buße wecke. Die Stadt am Pleiße- ftrar.j hat des Gewissens Stimme erkannt, und die Halbmillionen-Spende für unfre Brave« ge­reicht ihrem Bürgertum zur Ehre.

Als im wetten Reich die weiße Blüte der Marguerite zum stummen Anwalt deutscher Veteranen-Not ward, als des alten Kaisers blaue Lieblingblume bittend zu den Herzen sprach, regte sich in den Seelen der besten Pa­trioten die Bitterkeit des Empfindens wider den Staat und da? Reich, die dem Almosen- Sammler überließen, was selbst zu tun ihnen heilige Pflicht fein mußte. Es war schmerzlich, fe^cn zu müssen, daß Tausende braver alter Krieger, die für des Vaterlands Ruhm und Ehre ehtft freudig Jugend und Gesundheit. Blut und Leben opferten, in des Daseins Greffenta- geir der Not uitd der bleichen Sorge 'um des Lebens ärmlichste Güter ausgeliefert, mit zitternder Hand dankbar die Groschen der Barmherzigkeit empfingen, die ein flüchfger Tag moderner Wohltatpflege für sie warb. Aber was ist damit getan, daß wir das Almo­sen stolz vom Heldentum fernhalten, und den Ruhm deutscher Kriegertat nicht von des Le­bens grauem Elend verkümmern lassen wollen? Was hilst's, daß deuffcher Männerstolz dagegen protestiert, unfre greisen Braven wie die Bett­ler am Weg mit dem Groschen rasch vorüber hastenden Mitleids beschenkt zu fehen, wenn der Staat (um dessen machtvolle Schöpfung sie einst selbstverleugnend mitgerungen) der Pflicht vergißt, die ihm die Dankbarkeit als Höchstge­bot deutscher Treue ins Gewissen schrieb: Aus­kömmliche und gesicherte Versor­gung allerDerer, die vor dreiundvierzig Jahren auszogen in den Kampf um Deutschland Macht und Grö^e! Die Stadt Leipzig hat den Städten im Reich nun den Weg gewiesen, der zu einem idealen Ziele führt: Eine Jahrhundertfeier deutscher Größe im Dankdienst für unsre Veteranen! Nicht Festprunk und Feierklang, nicht höfisches Gepräge und blendende Licht- Effekte allein, sondern eine Tat deutscher Dank barkeit-Pflicht, geleistet von den Enkeln der Helden des Vaterlands! F- H-

Der neue Mann in Nom.

Freiherr von Ienischr Iagows Nachfolger.

Wie offiziös bekanntgegeben wird, ist der preußische Gesandte in Darmstadt Freiherr von Rücker-Jenisch zum Botschafter in Rom als Nachfolger des als Leiter des Aus­wärtigen Amts Berufenen Herrn von Jagow in Aussicht genommen" Freiherr von Rücker- Jenisch ist mit dem früheren Reichskanzler Für­sten Bülow doppelt verwandt. Er ist sein Vet­ter, da die Mutter des Fürste« Bülow, Frau Luise von Bülow, eine Tochter des Hamburger Senators Rücker war. Eine Schwester des Freiherrn von Rücker ist ferner mit einem jün­geren Bruder des Fürsten Bülow, mit dem Rittmeister Christian von Bülow verheiratet. Ter neue Botschafter gehört zu den Diplom«, ten, denen man stets die meisten Ehanren für die höchsten «endet der deutschen Diploma­tie zugesprochen hat, und seine jetzige Bmffung zum Boffchaster in Rom kann also nicht über­

raschen.

etter bürg, lseatischen P

a-

Patriziersohn und Diplomat.

Der neue Botschafter in Rom, drw bis vor sechs Jahren Rücker-Jenisch htetz und da­mals als Freiherr von IemschgeabeU wur­de. stammt (tote nicht wenige der Herren vom diplomattschen Dienst) aus 6e(1*^ licher Familie, ans einem U..--------

rriziergeschlecht. Sein Vater, Dr. Al­fred Rücker, wat Hamburger «enator, vorher auch ehte Zeittang bamburMher deut in London: er war der Bruder der Murttr des Füsien Bülow. Ter neue Boffchaster ist einundsünfzig Jahre alt bat den ubliMnBÜ- dunasacmq unserer Dtvlomaten durchlaufen, die Rechte studiert, war Bonner Borusse hat bet den Ersten Garde-Ulanen gedient, tst Referen­dar geworden, war bann Legationsrat in Mun- rfien unb Brüssel, darauf zwei Jahre, während der Kanzlerschaft seines Vetters, Vorttagen- be- Rat im Auswärtigen Amt, sodann Mtni- sterresident in Kairo, zuletzt Gesandter m

Darmstadt. Was er als Diplomat auf wich­tigem Posten zu leisten vermag, wird er erst durch Taten zu Beto cif en haben.

Herr Kühn geht um!

Innggesellen-Stener und Wehr-Stener?

In die Oeffentlichkett sind schon mehrfach Meldungen durchgesickert, die mehr oder min­der deutlich ankündigten, daß das Schiff der neuen Steuerprojekte, die die Reichs­regierung demnächst in den Hafen der Gesetz­gebung zu lenken beabsichtigt, von zahlreichen Klippen schon recht erheblich lädiert worden ist. Die Schwierigkeiten liegen auf verschiedenen Gebieten. Die erfte besteht darin, daß man noch mehr Geld brauchen wird, als man noch vor wenigen Wochen ahnte. Die Ursache, ist, daß es den maßgebenden Stellen mit der neuen Militärvorlage, die kommen soll, doch ernster ist, als aus den offiziösen Demen­tis herausgelesen werden kann. Unser Ber­liner politischer Mitarbeiter er­fährt dazu von parlamentarischer Seite:

Die neuen Steuerplane.

(Von unserm Berliner R. 8.-Mitarbeiter.) Berlin, 17. Januar.

In der allgemeinen Wirrnis und Verlegen­heit über die Erschließung neuer Steuerquellen sind jetzt zwei ältere Steuerprojekte wieder auf* getaucht, deren Verwirklichung an maßgeben­den Stellen recht ernsthaft erwogen wird. Die Oeffentlichkett wird darum gut tun, sich auch ihrerseits mit diesen Dingen rechtzeitig zu be­fassen. Die fraglichen Projekte heißen Wehr­steuer und Junggesellen st euer. Daß man bei einer neuen Militärvorlage sich erneut mit dem Gedanken einer Wehrst euer befassen würde, lag eigentlich sehr nahe. Ursprünglich haben die ^Regierungen sich der Idee der Wehr­steuer bekanntlich ganz abgeneigt gezeigt, aber in den letzten Jahren sind sowohl im Reichs­tage wie in der offiziösen Presse wiederholt Andeutungen gemacht worden, daß man sich in amtlichen Kreisen schon mit der Wehrsteuer­idee ziemlich vertraut gemacht habe. Und nachdem unsere neuen und unsere künftigen Rüstungen immer größere Bruchteile der Na­tion zum Militärdienst heranziehen, und ihnen eine Reihe von gewissen Opfern für das Va­terland auf erlegen, erscheint es ganz ange­bracht, daß auch derjenige Teil der Nation, der von diesen Opfern befreit ist. zum Aus­gleich dafür

eine gewisse Steuer

zahlt. Man hat ja beispielsweise in Oesterreich mit der Wehrsteuer ganz gute Erfahrungen ge­macht. Nachdem die Verwirflichung des Pe- froleummonopols auch zweffelhafter als je ge­worden ist. hat sich die Aussicht auf bessere Mittel für unsere Veteranenfürsorge vermindert. Dafür wäre unter Umständen die Wehrsteuer ebenfalls heranzuziehen. Das zweite Projekt ist die Junggefellensteuer. Ihre Ver- wirflichung liegt wahrscheinlich viel näher als die Einführung der Wehrsteuer. Sie würde von dem gesunden Gedanken ausgehen, daß ein Familienvater erheblich größere Lasten auszn- bringen hat als em Junggeselle, welche Men- sehengattmtg sich übrigens in neuerer Zett in­folge der fteigenfien Abneigung vor der Ehe außerordentlich vermehrt hat. Uebrigens hat Reuß fchon lange ein Gesetz, daS aus dem ge­nannten Grunde die Junggesellen zu höheren Staatsleistungen heranzieht. Die Junggesellen­steuer könnte sehr leicht in die beretts vorberei­tete Befitzbestenerung derart hinettige- arbettet werden, daß die von der Besttzsteuer be­troffenen Junggesellen, die nicht unter einem ge­wissen Einkommen (etwa 3600 Mark) zur Lan- deSeinkommensteuer veranlagt sind, einen pro­gressiv stark wachsenden Zuschlag zu entrich­ten haben.

B»«d«Sstaaten und Reichsregiernng.

Die neuen Steuerpläne der Regierung wer­den hauptsächlich auch durch die Tatsache be- ftimmt, daß die Bundesstaaten zu einem großen Tefl von den Besitzsteuervorfchlägen der Reichsregierung wenig erbaut sind. Soviel ist jedenfalls sicher, daß sich dem Besitzsteuer- plan Hindernisse über Hindernisse in den Weg stellen und daß deshalb nach anderen Auswe­gen Umschau gehalten werden muß. Die ver­schiedensten Ideen tauchen dabei auf. eine Be­ratung fagt die andere, man ist fieberhaft be­schäftigt. Stattstiken und Berechnungen auszu- fteffen, und eS kann also nicht wundern, daß Herr Kühn nun sogar zu den alten »Laden- öttttnt greift.

Das Rätsel von Versailles.

Minister Pams als künftiger Präsident?

(Privat - Telegramm.)

Paris, 17. Januar.

Der Wettbewerb um die Präsident­schaft in Frankreich wird immer mehr ein großer Kampf der rein demokratischen Repu­blikaner gegen die gemäßigten Gruppen und

gegen die Reaktion. Die Vorversammlung, die .geftent wiederum im Palais de Luxembourg stattfand, hat im dritten Wahlgang den Land­wirtschaftsminister Pa ms mit geringer Ma­jorität gewählt, die nicht die absolute Majori­tät gewesen ist. Nach der Wahl haben die Gruppen der Linken beschlossen, sich an Poin- carS zu wenden und ihn zu bitten, im In­teresse der republikanischen Sache zurückzu­treten. Poincarö hat sich aber geweigert, der Forderung der Republikaner nachzukommen und wird als Kandidat heute nach Versailles gehen.

Wie General Borkovic starb.

Der Tod eines montenegrinischen Generals.

lieber den montenegrinischen Feldzug er­fährt die europäische Presse gerade nur das, was Prinz Mirko, der sich im Hauptquartier in Grnda befindet, durchzulassen für gut fin­det. Während zu Beginn des Krieges dreißig bis vierzig Kriegsberichterstatter sich in Pod- goritza aufgehalten haben, befindet sich auf fei­ten der Montenegriner gegenwärtig kein ein­ziger answärttger Korrespondent. Das Recht der Berichterstattung wurde gewissermaßen als Monopol der Aaentie Renier und der Lon­doner Daily Mail übergeben. Andere Blätter konnten nicht einmal die offiziellen Communi- quös erhalten. Es wird uns dazu berichtet:

Die Tragödie eines Generals.

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 17. Januar,

lieber den Fall des Generals B l a z o Boskovics. über den gleich zu Anfang des Krieges die Legende verbreitet wurde, daß er Selbstmord begangen habe, erhält die hie­sige Zeitung Az Est von ihrem Kriegsbericht­erstatter folgende authentische Darstellung: Boskovics gehörte zu den gebildeten Montenegrinern und besaß auch einige po­litische Schulung. Im Juni gab General Bos­kovics vor dem König. Nikolaus der Anschau­ung Ausdruck, daß er kein Zutrauen zur Un­terstützung Rußlands habe. Nach seiner An­sicht wäre für Montenegro die Freundschaft Oesterreich-Ungarns viel willkomme­ner als die Verbindung mit Rußland. Der König verübelte diese Aeußerung des Gene­rals, worauf dieser seinen Säbel abschnallte, den er vom König erhalten hatte, und ihn dem König mit den Worten zurückgab, er möge den Säbel einem Würdigeren übergeben. Der Kö­nig aber küßte den Säbel und gab ihn dem General zurück. Die Beratung wurde fortge­setzt, und als man auseinanderging, sagte Prinz Peter, der jüngste, vierundzwanzigjäh­rige Sohn des Königs, zu einem Vertrauten: Wenn die montenegrinifchen Kanonen zum ersten Mak erdröhnen, wird ficherlich ein Granaffplitter den General Boskovics treffen, denn feine Ansicht erscheint wie der böse Geist der Armee." Diese Drohung hat sich denn auch bewahrheitet. Als

die montenegrinische Armee

die Ortschaft Decic eingenommen hatte, hielten die Truppen Rast. Die Mannschaft unterhielt sich und gab Freudenschüsse ab, während unge­fähr fünfzig Schritte von btefer entfernt Prinz Peter und General Boskovics, beide zu Pferde, sich unttrhielten. Der General kehrte der Gruppe den Rücken, als die Soldaten be- mcrtten, ba; Prinz Peter plötzlich den General verließ, der vom Pferde nach vorwärts zu B o- den stürzte. Die berbetgeeilte Mannschaft konstatierte, daß der General von rückwärts vier Schüsse in den Leib bekommen hatte, und als man den Körper umdrehte, sand man auf der Brust des Generals einen breiten Sä­belhieb. Man rief dem Prinzen nach, daß der General gestorben fei, der aber antwortete: Cr ist nicht gestorben, er ist Selbstmörder ge­worden." Der Prinz gab den Befehl, den noch blutenden Leichnam sofort zu begraben ohne jede kirchliche Zeremonie. Die Gattin des Generals, eine Schwester der Königin, bat um Ausfolgung des Lcickmams. Prinz Peter aber wies diese Bitte barsch zurück und befahl, daß das Grab des Generals mit Kalk gefüllt werde. König Nikolaus gestattete wohl der Witwe, daß nach Beendigung des Krieges der Leichnam des Generals ausgegraben werde, aber da dürfte die Witwe nur mehr das Ske­lett vorfinden.

(fine Katastrophe auf See.

Der englische Dampfer Veronese gestrandet!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 17. Januar.

Wie hierher gemeldet wird, ist der englische DampftrVeronese" mit hundertneunund­dreißig Passagieren vor dem Leos-Lenchtturm gestrandet. Das Schiff gilt als vea-