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Kasseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hesfische Abendzeitung

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Rümmer 36.

Fenispttcher SSL und 952.

Freitag, 17. Januar 1913.

Fernsprecher 951 und 952. Z. Jahrgang.

Bin LreimMonen Scherz.

Wenn der Fiskus handeln tut..

Wer nun noch daran zweifelt, daß Schöppen­stedt am Ufer der Spree liegt, sündigt wider Wirklichkeit und selbstverständliche Erkenntnis. Den schlüssigen Beweis dafür hat soeben der FiskuS erbracht, der sich durch ein Handels­geschäft um achthundert Quadratmeter preußi­scher Erde dauerhafter verewigt hat, als in der papiernen Verwaltung-Geschichte eines ganzen Jahrzehnts. Man erinnert sich noch der hitzigen Auseinandersetzungen, die zur Vorweihnacht­zeit in Preußens Ober- und Unterhaus um denGarten der Zwietracht" (das zum Herren­haus gehörige und ausschließlich zur Augen­weide für die Mitglieder der Peerskammer be­stimmte Gartengelände neben dem Parlament- aebäude) stattfanden und die schließlich zu dem Entschluß führten, das Nachbargrundstück des Ahgeordnetenhaufes käuflich zu erwerben, um auch den vom Volk erwählten Landesboten eine der Würde des Parlaments entsprechende Gartenanlage zu sichern. Das betreffende Gmndstück war bis vor Kurzem fiskalischer Besitz, und es wäre also ein Leichtes gewesen, dort diejenigen Einrichtungen zu schaffen, die das Abgeordnetenhaus als erforderlich und notwendig erachtet. Doch gar manchmal über­haupt, kommt es anders, als man glaubt: Es stellte sich heraus, daß der Fiskus das Stück­chen preußischer Erde, das an das Heim des Landesparlaments angrenzt, bereits vor länge­rer Zeit an ... Private verkauft hatte und zwar (wie die fiskalischen Manager schmun­zelnd beteuerten) zu märchenhaftem Preise!

Man hört nun, daß die Berliner Bank für Grundbesitz und Handel (deren Leiter «in mit Hoflreisen verwandter und verschwägerter Herr von Winterfeld ist) das Grundstück neben dem Abgeordnetenhaus erworben hat und entschlosien ist, es nur dann wieder an den Fiskus herauszugeben, wenn der Fiskus ihr bare zehntausend Mark für die Quadratrute bezahlt. Das Gmndstück gehörte bisher dem Kriegsministerium und ist durch Tausch mit dem Pleß'schen Palais (das neben dem Reichs­kanzlerpalais liegt) in die Hände der Bank ge­kommen. Herr von Bethmann wünschte nicht, daß neben seiner Residenz ein Geschäftshaus errichtet werde, und dieser Wunsch ist nun offen­bar den Umtauschplänen sehr förderlich ge­wesen. S o förderlich, daß der Fiskus sich ohne Besinnen für billiges Geld eines Besitzrechts entäußerte, von dem einigermaßen verständige Leute sich von vornherein sagten mußten, daß es eines Tags für den Staat doppelten Wert repräsentieren werde. Man kann es dem Herrn Kanzler schließlich nicht verargen, wenn er mit der Wucht und Entschiedenheit, die wir alle an Bismarcks viertem Erben bewundern, um die Sicherung der traulich-träumerischen Stille der Wilhelmstraße gegen des Lebens un­gehemmte Regungen kämpft: Von den Männern aber, die über dem fiskalischen Geschästbetrieb nach bestem Wissen und Gewissen zu wachen haben, darf man fordern, daß sie Konjunktur und Handelsvorteil sichrer erkennen, als der Kanzler, der in der Wilhelmstraße Allerbei- ligstem Welt und Wirklichkeit zu weit entrückt .ist, als daß er des Herrn von Winterfeld ent­zückende Tauschofferte auf ihren tatsächlichen Geschäftswelt zu beurteilen vermochte.

Herr von Winterfeld darf übrigens von dem Handel befriedigt sein: Er hat das GrundMck, das einen Flächeninhalt von achthundert Ruten umfaßt, um sechstausend Mark pro Quadrat-Rute erworben, und da nun jetzt der Fiskus zum Rückerwerb des Grundstücks gewis­sermaßen gezwungen ist, berechnet er als tüchtiger und umsichtiger Geschäftsmann die Quadratrute mit zehntausend Mark; macht bei achthundert Quadratruten 800X4000 Mark Verdienst: Insgesamt also das niedlich« und leicht erworbne Sümmchen von 3 200 000 Mark (in Worten: Drei Millionen und zwei­hunderttausend Reichsmark)! M e h r kann auch ein Bankdirektor, wenn er nicht grade Rocke- feller, Astor oder Vanderbilt heißt, im Handum­drehen nicht verdienen, und so neidlos wir auch dem Herrn von Winterfeld den Millionen­gewinn gönnen: Es ist doch ein wenig bedrük- kend für den preußischen Staatsbürger, sich sagen zu müssen, daß diese dreieinfünftel Mil­lionen Mark aus keiner andern Tasche, als aus der des preußischen Steuerzahlers bestrit­ten werden müssen, der dadurch gewissermaßen zum Opfer dieses psychologisch und kommerziell so außerodentlich interessanten Handels um ein Stückchen Berliner Erde wird. Daß der Herr von Winterfeld (dessen Name in der hoch- und höchstamtlichen Sphäre auch nach dem sieben- ziffrigen Mllionen-Scherz mit ungemindertem Bohlgesalleu genannt wird) das Grundstück- Geschäft mit dem Fiskus sozusagen als Spe­zialität betreib: (und unter anderm auch mit

dem ehrenvollen Auftrag betraut worden ist, im Zusammenhang mit einem andern Grundstück­tausch einder Neuzeit angemessnes" Diensige- bäud« für das Militär-Kabinett zu errichten), ist zwar ein kleiner Trost im Mllionen- Schmerz, aber die Geschichte bleibt doch, was sie ist: Eine Schöppenstedtiade!

Man darf wohl erwarten, daß auch der Landtag noch Gelegenheit nehmen wird, sich mit dem Handel, der ja imgrunde eine spezielle Angelegenheit des Preutzenparlaments ist, ein wenig zu beschäftigen. Di« dreieinfünftel Mil­lionen, die der Fiskus aufbringen muß, um ein mit überraschender Eile abgeschlossenes Geschäft wieder rückgängig zu machen, müssen vermut­lich aus dem Extraordinarium des Etats bestrit­ten werden, und es wird sich also bei der Etat­beratung Gelegenheit ergeben, die verantwort­lichen Stellen darüber zu befragen, wessen Hirn der gloriose Plan entsprang, einen Grundstücks­tausch abzuschließen, der den Reingewinn der Bank des Herrn von Winterfeld mit einem Schlag um dreieinfünftel Millionen Mark er­höhte. Die Erfahrungen, die die Steuerzahler mtt der fiskalischen Handelkunst gemacht, wa­ren zu allen Zeiten mehr schmerzlich als erfreu­lich, und es ergibt sich deshalb von selbst die Frage, wie eS zu ermöglichen ist, derartigen Heimsuchungen des Steuersäckels in Zukunft vorzubeugen. Am einfachsten und zweckmäßig­sten würde zweifellos die Schaffung einer be- sondernfiskalischen Grundverwertungs- Bank sein, deren Leitung allerdings kein am Grünen Tisch ergrauter Geheimrat, sondern ein in der Praxis erprobter Kaufmann zu übenehmen hätte. Die Abneigung unsrer amt­lichen Kreise gegen dasKontor-Element" im Verwaltungbetrieb mag psychologisch noch so interessant sein: Die neueste Schöppenstedtiade mit dem Einsatz von baren drei Millionen sollte indessen unfern Amtmännern endlich die Er­leuchtung bringen, daß ohne kluge Rücksichtnah­me aufSoll und Haben" im zwanzigsten Jahr­hundert selbst die geniale Kunst fiskalischer Ge- schLftfüchrung nicht mehr gedeihen kann! F. H.

Am Vorabend der Präsidentenwahl.

Poincaree, Pams ober Ribot?

Am morgigen Freitag wird in Versailles die Neuwahl des Präsidenten der ftanzösi- schen Republik statffinden und gestern fanden sich im Pariser Luxembourg-Palais die Gnrppen der Linken beider Kammern zusammen, um die vorbereitende Abstimmung über die Kandida­turen zur Präsidentschaft der Republik vorzu­nehmen. Fünf offizielle Kandidaten stehen sich gegenüber: Poincars, der Mnisterpräsi- bettt; Dubost, Präsident des Senats; Paul Deschanel. Präsident der Deputiertenkam- mrr; der L-mdwirtschastsminister Pams und R i b o t, ehemaliger Ministerpräsident. Von halb zwei Uhr nachmittags an strömten die Teputietten und Senatoren in den Verhand­lungssaal: Eouliers und Beratungssäle waren dicht gefüllt. Puntt zwei Ubr eröffnete Maurice Faure die Sitzung und die Abstimmung begann. Großes Aufsehen erregte es, als ein auf den Briefbogen der Debutiertenkammer abgefaßtes anonymes Zirkular an sämtliche Depu­tierten itnb Senatoren verteilt wurde, in dem die heftigsten Schmähungen gegen Poin- c a r e enthalten waren und das damtt schloß:Unter Kandidat ist Pams." Natürlich erklärte der Landwittschastsminister, daß er die­sem Manöver fernstehe. Um vier Uhr waren 615 Stimmen abgegeben worden. Im ganzen waren 736 Einladungen zu dieser Vorwahl er­gangen, aber di« Sozialisten, die zweiundsiebiig Mitglieder zählen, hatten beschlossen, der Einla­dung keine Folae zu leisten. lieber die Resultat« der einzelnen Abstimmungen wird uns tele­graphisch gemeldet:

Paris- 16. Januar.

Bei der ersten Abstimmung der Boll­versammlung der Revublikaner erh'elten noch Jean Dupuy 22, Delcaffs 7, Forichon 4, Ele- menceau, Pichon, Delaroche-Bernet je eine Stimme. Darauf wurde zum zweiten Wahl­gang geschritten. Ministerpräsident P o i n - eure erklärte in einem Interview, er werde cuf alle $ ft He für die Präsidentschaft kan­didieren.

Paris, 16. Januar.

Bei der zweiten Abstimmung der Voll­versammlung der Republikaner erhielten Acker- bauminister P a m 8 283, Ministerpräsident Poincarö 272, Ribot 25, Kammerpräsident Deschanel 22, Scnatspräsident Dubost 8, Jean Dupuy 7, Delcaffs 3 Stimmen Da kein Kan­didat die absolute Mehrheit erlangte, findet heute eine dritte Abstimmung statt.

Dubost und Deschanel verzichte«!

Paris, 16. Januar. (Privat-Tele- gramm.) Senatspräsident Dubost hat zu- auniten des Ackerbauministers Pams auf die

Kandidatur zur Präsidentschaft Verzichtei. Kammerpräsident Deschanel hat ebenfalls bedingungslos verzichtet. Ribot kandidiert nicht für den zweiten Wahlgang, behält sich je­doch die Freiheit seiner Entschließung vor. Un­ter diesen Umständen kommen als e r n st l i ch e Kandidaten nur noch Poincars, Pams und Ri­bot in Betracht.

Kuropa und der Balkan.

Krieg ober Friede am Balkan?

Aus London nichts Neues: Die Friedens­männer der Balkanstaaten haben in ihrer gestri­gen Sitzung beschlossen, die Antwort der Türkei auf die Kollektiv-Note der Großmächte abzu­warten, bevor sie die letzte Entscheidung tref­fen. Der angedrohteAbbruch der Verhandlun­gen" ist also noch immer nicht Wirklichkeit ge­worden. Diese Drohung schien von allem An­fang an auch weniger gegen die Türkei, als gegen die europäischen Großmächte gerich­tet, die den Wiederausbruch des Balkankrieges viel mehr fürchten, als dir Türkei. Es ist auch interessant, daß die Gerüchte von der bevor­stehenden Uebergabe Adrianopels (die in der Vorwoche so üppig in die Halme schossen) wie­der verstummt sind. Die Balkandiplomatie, die unbedingt der der Großmächte an Kühnheit und Entschlossenheit überlegen ist. droht mit einem Ultimatum an die Türkei oder eigentlich an das ratlose Europa, um «s zu einem stärker« Druck auf die Türkei zu zwingen. Aber, wie schon Deutschlands Protest gegen eine allzu brüske Form der Kollektivnote beweist, könnte allzu scharf scharttg machen. Es ist trotz aller Drohungen der Balkansieger nicht zu befürchten, daß die Kanonen wieder sprechen werden. Es handelt sich um eine neue Finte, einen neuen Trick. Vielleicht läßt sich die Türkei ein- schüchtern, vielleicht auch nicht. Das schlimmste wäre, wenn sich Europa einschüchtern und zu einem Schritt hinreißen ließe, der neuerdings die europäisch« Diplomatie genau so blamie­ren würde, wie die Ratlosigkeit Europas vor dem Ausbruch des Balkankriegs. Am besten wäre es. wenn Bulgarien und die Türkei sich oH n e Europas Intervention über den Ehren- punkt von Adrianopel verständigen würden. Und trotz der neuen Komplikation der Frie­densfrage ist zu hoffen, daß dieser Ausweg schließlich den Frieden retten und das ratlose Europa seiner schweren Sorgen überbeben wird. Es liegen heute folgende Draht- Meldungen vor:

Das drohende Europa.

(P r i v a t«T e l e g r a m m.)

Wie«, 16. Januar.

Minister Graf Berchtold empsing den russischen Botschafter von Gierski, de« italienffchen Bot­schafter Herzog von Avarna und den englischen Botschafter Cartwright und hielt mit ihnen Be­sprechungen ab, die, wie man annimmt, mit der Kollektivnote der Mächte an die Türkei im Zu­sammenhänge stehen. Wie verlautet, enthält die Note den kategorischen Rat an die Türkei, Adrianopel abzutreten. Wenn die Türkei dieser Aufforderung nicht nachkomntt, wird in der Note der Türkei angedroht, daß sie alsdann weder auf die Mithilfe Europas weiterhin, noch auf dessen gute Dienste in irgend einer Weise zu rechnen hätte, das heißt: Es wird der Türkei für die Zukunft dl« finan­zielle Unterstützung Europas entzogen. Nach Nachrichten aus Konstantinopel sind di« dor­tigen Regierungskreise trotzdem nicht gewillt, auf Adrianopel zu verzichten.

Der Tag der Entscheidung.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 16. Januar.

Auf der Pforte erwartet man heute die Ue- berreichuna der Kollektivnote der Mächte, der sämtliche Botschafter beiwohnen werden. Bon diplomatischer Seite verlautet jedoch, daß der Termin der Ueberreichung zweifelhaft ge­worden ist und daß von einer besonderen tür­kenfreundlichen Macht noch immer daraufhin ge­arbeitet wird, daß der Schritt überhaupt un­terbleibt. Hier wird in aut nnttrrichteten Kreisen erklärt, daß die Balkanstaaten bereits den Waffenstillstand aufgekün­digt hätten. Auch dieses Gerücht kann den Aufschub des diplomatischen Schrittes herbei- geführt haben. Unbestätigten Blättermeldungen zufolge soll sogar gestern ein blutiger Zu­sammenstoß zwischen bulgarischen und tür­kischen Truppen vor Tschataldscha stattgefunden haben. Nähere Mttteilungen darüber liegen noch nicht vor.

Friede ober... Kabinettskrise!

Konstantmopel, 16. Januar. (Privat- teiegramm.) Wie eine Mitteilung aus zu­verlässiger Quelle besagt, wird der Großwesir KiamilPascha heute das Kabinett vor die absolute Notwendigkeit des Friedens­schlusses stellen. Kiami! Pascha erklärte, daß es unmöglich sei, unter den gegenwär­tigen Umständen weiter die Regierungsgeschäfte

zu führen, und daß er, wenn der Friede nicht zustandekomme, zurücktreten werde.

Sie ersten Menschen...?

Das Geheimnis des Mensche« von Piltdown-

Dem vor fünf Jahr«« im Tertiär entdeckten Heidelberger Menschen" ist jetzt derMensch von Piltdown" an die Seite zu stellen, ein Fund, der an Bedeutung vielleicht alle früheren übertrifft. Tiefer Fund ist jüngst, nachdem er so lange sorgfältig geheimgebalten worden war. in der Londoner Geological Societe einem Kreise von Gelehrten zugänglich gemacht worden. Der bedeutende englische Naturforscher Sir Rav Lance st er, der mit den Entdeckern dieses fossilen Menschen, Char­les Dawson und Dr. Woodward, befreundet ist, hat die fossilen Menschenreste bereits vor einiger Zeit eingehend untersuchen dürfen und macht jetzt über feine Feststellungen eingehende Mitteilungen:

Der Mensch von Piltdown.

(Von unferm Korrespondenten.) London, 16. Januar.

Der Fundort des ältesten fossilen Men­schen, Piltdown, in der Nabe von Ucksield in Sussex, enthält an wenigen Stellen Reste einer geologischen Schicht, die von der geologischen Landesaufnahme übersehen worden war. Di« Entdecker wurden darauf aufmerksam, als sie sahen, wie die Bauern mit dem groben Sand die. Wege ausbefferttn. In dieser Schicht, di« inmitten von Kalk liegt, sind nun außer Tier- reften und Feuerfteintoerzeugen Teile eines menschlichen Skeletts gefunden worden, nämlich die rechte Hälfte eines Unterkie­fers und ein großer Teil der linken Seite der Schädelkapsel. Diese menschlichen Kno­cken lagen etwa einen Meter unter der Ober» 'lache, und zwar so dicht beisammen, daß die Annahme, sie stammen von einem und dem­selben Jnd'viduum. berechtigt erscheint. Die Knochen sind versteinert und vollständig mit rotbraunen Eisenflecken durchsetzt. Di« SchÄdeWapsel fällt durch sein« Dicke auf: Sie beträgt kaum ein Drittel eines Zolls, also we­nig über acht Millimeter. Die Unterkieferhälsie ist unvollständig, denn di« Spitze fehlt. Es sind darin der erste -und der zweite rechte Backzahn erhalten. Der aufsteigende Ast der Kiefer Hälfte ist sehr dick. Die Einbuchtung zwischen seinen beiden Teilen ist, mit dem

moderne« Menschen-Kiefer verglichen, sehr flach. In dieser Bezieh mrg ähnelt der Fund dem Heidelberger Funde sehr. Obwohl das vordere Ende des Kiefers abge­brochen ist, ist an dem erhaltenen Teile doch viel Bemerkenswertes zu sehen, denn die wichtige untere Seite ist erhalten. Die Sym­physe ist außerordentlich flach und breit und reicht weit rückwärts. Das ist wieder ein Un­terschied von dem modernen Menschen, aber d«r neue Fund ist in dieser Beziehung auch eigen­artiger als der Heidelberger. Der Unter­kiefer ähnelt dem des Schimpansen stack. Die Abmessungen deS Kieferstücks zeigen, daß die vorne fehlenden fünf Zahne, zwei Prämolaren, ein Eckzahn und zwei Schneidezähne bedeutende Größe gehabt halben müssen. Dies ist noch ein Unterschied vom jetzigen Menschen und eine AehnftWeit mit dem Schimpansen. Was die SchädeWapsÄ anlangt, so ist mtt der bekann- ten Neandertaler-Form keine Aehnlichkoit vor­handen, sondern die (Stirn ist aufrecht. Aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen weiblichen Schädel. Man fand in der Lager­schicht außer den Skelettstucken auch Gegen­stände, in denen zweifellos menschliche Werkzeuge zu erlernten sind.

Zwei ungelöste Rätsel.

Man steht hier nun vor zwei Fragen: Ge­hört der Menschenschädel der Menschenrasse an, von der die Steinweckzeuge stammen und war dieser Mensch ein Zeitgenosse der Tiere, deren Reste gleichzeitig nM den seinen gesunden worden sind? Diese Frag« ist, wie bereits oben angedeutet, bisher noch nicht zu beant­worten. Wahrscheinlich ist «s, daß der Mensch, dessen Schädel gefunden worden ist, nicht nach den ®e«fertigem der Werkzeuge gelebt hat, denn es sind keine späteren Werkzeuge an dieser Stelle gesunden worden. Es steht schas fest, daß der Mensch von Pfltdown nach den Zähnen und der Unterseite des Unteckiefers dem Affenthpus näher stand, als der von Heidelberg. Dr. A. D.

Reichstag und Reichsetat.

Roch einmal: Der Fall Wetter!«.

Im Reichstag letzte man gestern die Be­ratungen über den Etat des Rcichsamtes des Inneren beim Titel .Gehalt des Staatssekre-