Kasseler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Sie Laiseier «euefte» Nachrichten erscheinen wochentlich sechsmal und,wrr abends Der Adonnementtpreis betragt monatlich W Sfg. bei freier Zustellung ins Haus Bestellungen werden jederzett ron der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommeiL Druckerei, «erlag und Redaktion: Schlachthofstratze 28(30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends Sprechstunden der llluskimst - Stelle: Jede» Mittwoch und Freitag von 8 bis * Uhr abends Berliner Bertretung: SW, ffrtedrtchfir. 18, Telephon: ®mt Moritzpla» 678.
Hesfische Abendzeitung
Jnsertionsprets«: Die sechsgefpaltene Zeile «= einheimische ««schaff 15 Bf», fier aus roÖTttge Inserate 25 ®f„ Reklame^Ue für einheimisch« »«schüft« 40 W, für auswartige «eschasf 60 Pf. Einfache Beilagen für die Sesamtaustag- werden mtt 5 Mark pro Lausend berechnet. Weg« ihrer dichten Verbreitung in bet R«ftd-n, und der Umgebung sind die Lasteler Neuesten Nachrichten «in vorzügliches Jnserttonsorga-i. SeschLftsiielle: «Slnische $tro6e 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Statt Morttzplatz 676
Rümmer 36.
Fenispttcher SSL und 952.
Freitag, 17. Januar 1913.
Fernsprecher 951 und 952. Z. Jahrgang.
Bin LreimMonen Scherz.
„Wenn der Fiskus handeln tut..
Wer nun noch daran zweifelt, daß Schöppenstedt am Ufer der Spree liegt, sündigt wider Wirklichkeit und selbstverständliche Erkenntnis. Den schlüssigen Beweis dafür hat soeben der FiskuS erbracht, der sich durch ein Handelsgeschäft um achthundert Quadratmeter preußischer Erde dauerhafter verewigt hat, als in der papiernen Verwaltung-Geschichte eines ganzen Jahrzehnts. Man erinnert sich noch der hitzigen Auseinandersetzungen, die zur Vorweihnachtzeit in Preußens Ober- und Unterhaus um den „Garten der Zwietracht" (das zum Herrenhaus gehörige und ausschließlich zur Augenweide für die Mitglieder der Peerskammer bestimmte Gartengelände neben dem Parlament- aebäude) stattfanden und die schließlich zu dem Entschluß führten, das Nachbargrundstück des Ahgeordnetenhaufes käuflich zu erwerben, um auch den vom Volk erwählten Landesboten eine der Würde des Parlaments entsprechende Gartenanlage zu sichern. Das betreffende Gmndstück war bis vor Kurzem fiskalischer Besitz, und es wäre also ein Leichtes gewesen, dort diejenigen Einrichtungen zu schaffen, die das Abgeordnetenhaus als erforderlich und notwendig erachtet. Doch gar manchmal überhaupt, kommt es anders, als man glaubt: Es stellte sich heraus, daß der Fiskus das Stückchen preußischer Erde, das an das Heim des Landesparlaments angrenzt, bereits vor längerer Zeit an ... Private verkauft hatte und zwar (wie die fiskalischen Manager schmunzelnd beteuerten) zu märchenhaftem Preise!
Man hört nun, daß die Berliner Bank für Grundbesitz und Handel (deren Leiter «in mit Hoflreisen verwandter und verschwägerter Herr von Winterfeld ist) das Grundstück neben dem Abgeordnetenhaus erworben hat und entschlosien ist, es nur dann wieder an den Fiskus herauszugeben, wenn der Fiskus ihr bare zehntausend Mark für die Quadratrute bezahlt. Das Gmndstück gehörte bisher dem Kriegsministerium und ist durch Tausch mit dem Pleß'schen Palais (das neben dem Reichskanzlerpalais liegt) in die Hände der Bank gekommen. Herr von Bethmann wünschte nicht, daß neben seiner Residenz ein Geschäftshaus errichtet werde, und dieser Wunsch ist nun offenbar den Umtauschplänen sehr förderlich gewesen. S o förderlich, daß der Fiskus sich ohne Besinnen für billiges Geld eines Besitzrechts entäußerte, von dem einigermaßen verständige Leute sich von vornherein sagten mußten, daß es eines Tags für den Staat doppelten Wert repräsentieren werde. Man kann es dem Herrn Kanzler schließlich nicht verargen, wenn er mit der Wucht und Entschiedenheit, die wir alle an Bismarcks viertem Erben bewundern, um die Sicherung der traulich-träumerischen Stille der Wilhelmstraße gegen des Lebens ungehemmte Regungen kämpft: Von den Männern aber, die über dem fiskalischen Geschästbetrieb nach bestem Wissen und Gewissen zu wachen haben, darf man fordern, daß sie Konjunktur und Handelsvorteil sichrer erkennen, als der Kanzler, der in der Wilhelmstraße Allerbei- ligstem Welt und Wirklichkeit zu weit entrückt .ist, als daß er des Herrn von Winterfeld entzückende Tauschofferte auf ihren tatsächlichen Geschäftswelt zu beurteilen vermochte.
Herr von Winterfeld darf übrigens von dem Handel befriedigt sein: Er hat das GrundMck, das einen Flächeninhalt von achthundert Ruten umfaßt, um sechstausend Mark pro Quadrat-Rute erworben, und da nun jetzt der Fiskus zum Rückerwerb des Grundstücks gewissermaßen gezwungen ist, berechnet er als tüchtiger und umsichtiger Geschäftsmann die Quadratrute mit zehntausend Mark; macht bei achthundert Quadratruten 800X4000 Mark Verdienst: Insgesamt also das niedlich« und leicht erworbne Sümmchen von 3 200 000 Mark (in Worten: Drei Millionen und zweihunderttausend Reichsmark)! M e h r kann auch ein Bankdirektor, wenn er nicht grade Rocke- feller, Astor oder Vanderbilt heißt, im Handumdrehen nicht verdienen, und so neidlos wir auch dem Herrn von Winterfeld den Millionengewinn gönnen: Es ist doch ein wenig bedrük- kend für den preußischen Staatsbürger, sich sagen zu müssen, daß diese dreieinfünftel Millionen Mark aus keiner andern Tasche, als aus der des preußischen Steuerzahlers bestritten werden müssen, der dadurch gewissermaßen zum Opfer dieses psychologisch und kommerziell so außerodentlich interessanten Handels um ein Stückchen Berliner Erde wird. Daß der Herr von Winterfeld (dessen Name in der hoch- und höchstamtlichen Sphäre auch nach dem sieben- ziffrigen Mllionen-Scherz mit ungemindertem Bohlgesalleu genannt wird) das Grundstück- Geschäft mit dem Fiskus sozusagen als Spezialität betreib: (und unter anderm auch mit
dem ehrenvollen Auftrag betraut worden ist, im Zusammenhang mit einem andern Grundstücktausch ein „der Neuzeit angemessnes" Diensige- bäud« für das Militär-Kabinett zu errichten), ist zwar ein kleiner Trost im Mllionen- Schmerz, aber die Geschichte bleibt doch, was sie ist: Eine Schöppenstedtiade!
Man darf wohl erwarten, daß auch der Landtag noch Gelegenheit nehmen wird, sich mit dem Handel, der ja imgrunde eine spezielle Angelegenheit des Preutzenparlaments ist, ein wenig zu beschäftigen. Di« dreieinfünftel Millionen, die der Fiskus aufbringen muß, um ein mit überraschender Eile abgeschlossenes Geschäft wieder rückgängig zu machen, müssen vermutlich aus dem Extraordinarium des Etats bestritten werden, und es wird sich also bei der Etatberatung Gelegenheit ergeben, die verantwortlichen Stellen darüber zu befragen, wessen Hirn der gloriose Plan entsprang, einen Grundstückstausch abzuschließen, der den Reingewinn der Bank des Herrn von Winterfeld mit einem Schlag um dreieinfünftel Millionen Mark erhöhte. Die Erfahrungen, die die Steuerzahler mtt der fiskalischen Handelkunst gemacht, waren zu allen Zeiten mehr schmerzlich als erfreulich, und es ergibt sich deshalb von selbst die Frage, wie eS zu ermöglichen ist, derartigen Heimsuchungen des Steuersäckels in Zukunft vorzubeugen. Am einfachsten und zweckmäßigsten würde zweifellos die Schaffung einer be- sondernfiskalischen Grundverwertungs- Bank sein, deren Leitung allerdings kein am Grünen Tisch ergrauter Geheimrat, sondern ein in der Praxis erprobter Kaufmann zu übenehmen hätte. Die Abneigung unsrer amtlichen Kreise gegen das „Kontor-Element" im Verwaltungbetrieb mag psychologisch noch so interessant sein: Die neueste Schöppenstedtiade mit dem Einsatz von baren drei Millionen sollte indessen unfern Amtmännern endlich die Erleuchtung bringen, daß ohne kluge Rücksichtnahme auf „Soll und Haben" im zwanzigsten Jahrhundert selbst die geniale Kunst fiskalischer Ge- schLftfüchrung nicht mehr gedeihen kann! F. H.
Am Vorabend der Präsidentenwahl.
Poincaree, Pams ober Ribot?
Am morgigen Freitag wird in Versailles die Neuwahl des Präsidenten der ftanzösi- schen Republik statffinden und gestern fanden sich im Pariser Luxembourg-Palais die Gnrppen der Linken beider Kammern zusammen, um die vorbereitende Abstimmung über die Kandidaturen zur Präsidentschaft der Republik vorzunehmen. Fünf offizielle Kandidaten stehen sich gegenüber: Poincars, der Mnisterpräsi- bettt; Dubost, Präsident des Senats; Paul Deschanel. Präsident der Deputiertenkam- mrr; der L-mdwirtschastsminister Pams und R i b o t, ehemaliger Ministerpräsident. Von halb zwei Uhr nachmittags an strömten die Teputietten und Senatoren in den Verhandlungssaal: Eouliers und Beratungssäle waren dicht gefüllt. Puntt zwei Ubr eröffnete Maurice Faure die Sitzung und die Abstimmung begann. Großes Aufsehen erregte es, als ein auf den Briefbogen der Debutiertenkammer abgefaßtes anonymes Zirkular an sämtliche Deputierten itnb Senatoren verteilt wurde, in dem die heftigsten Schmähungen gegen Poin- c a r e enthalten waren und das damtt schloß: „Unter Kandidat ist Pams." Natürlich erklärte der Landwittschastsminister, daß er diesem Manöver fernstehe. Um vier Uhr waren 615 Stimmen abgegeben worden. Im ganzen waren 736 Einladungen zu dieser Vorwahl ergangen, aber di« Sozialisten, die zweiundsiebiig Mitglieder zählen, hatten beschlossen, der Einladung keine Folae zu leisten. lieber die Resultat« der einzelnen Abstimmungen wird uns telegraphisch gemeldet:
• Paris- 16. Januar.
Bei der ersten Abstimmung der Bollversammlung der Revublikaner erh'elten noch Jean Dupuy 22, Delcaffs 7, Forichon 4, Ele- menceau, Pichon, Delaroche-Bernet je eine Stimme. Darauf wurde zum zweiten Wahlgang geschritten. Ministerpräsident P o i n - eure erklärte in einem Interview, er werde cuf alle $ ft He für die Präsidentschaft kandidieren.
Paris, 16. Januar.
Bei der zweiten Abstimmung der Vollversammlung der Republikaner erhielten Acker- bauminister P a m 8 283, Ministerpräsident Poincarö 272, Ribot 25, Kammerpräsident Deschanel 22, Scnatspräsident Dubost 8, Jean Dupuy 7, Delcaffs 3 Stimmen Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erlangte, findet heute eine dritte Abstimmung statt.
Dubost und Deschanel verzichte«!
Paris, 16. Januar. (Privat-Tele- gramm.) Senatspräsident Dubost hat zu- auniten des Ackerbauministers Pams auf die
Kandidatur zur Präsidentschaft Verzichtei. Kammerpräsident Deschanel hat ebenfalls bedingungslos verzichtet. Ribot kandidiert nicht für den zweiten Wahlgang, behält sich jedoch die Freiheit seiner Entschließung vor. Unter diesen Umständen kommen als e r n st l i ch e Kandidaten nur noch Poincars, Pams und Ribot in Betracht.
Kuropa und der Balkan.
Krieg ober Friede am Balkan?
Aus London nichts Neues: Die Friedensmänner der Balkanstaaten haben in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, die Antwort der Türkei auf die Kollektiv-Note der Großmächte abzuwarten, bevor sie die letzte Entscheidung treffen. Der angedrohte „Abbruch der Verhandlungen" ist also noch immer nicht Wirklichkeit geworden. Diese Drohung schien von allem Anfang an auch weniger gegen die Türkei, als gegen die europäischen Großmächte gerichtet, die den Wiederausbruch des Balkankrieges viel mehr fürchten, als dir Türkei. Es ist auch interessant, daß die Gerüchte von der bevorstehenden Uebergabe Adrianopels (die in der Vorwoche so üppig in die Halme schossen) wieder verstummt sind. Die Balkandiplomatie, die unbedingt der der Großmächte an Kühnheit und Entschlossenheit überlegen ist. droht mit einem Ultimatum an die Türkei oder eigentlich an das ratlose Europa, um «s zu einem stärker« Druck auf die Türkei zu zwingen. Aber, wie schon Deutschlands Protest gegen eine allzu brüske Form der Kollektivnote beweist, könnte allzu scharf scharttg machen. Es ist trotz aller Drohungen der Balkansieger nicht zu befürchten, daß die Kanonen wieder sprechen werden. Es handelt sich um eine neue Finte, einen neuen Trick. Vielleicht läßt sich die Türkei ein- schüchtern, vielleicht auch nicht. Das schlimmste wäre, wenn sich Europa einschüchtern und zu einem Schritt hinreißen ließe, der neuerdings die europäisch« Diplomatie genau so blamieren würde, wie die Ratlosigkeit Europas vor dem Ausbruch des Balkankriegs. Am besten wäre es. wenn Bulgarien und die Türkei sich oH n e Europas Intervention über den Ehren- punkt von Adrianopel verständigen würden. Und trotz der neuen Komplikation der Friedensfrage ist zu hoffen, daß dieser Ausweg schließlich den Frieden retten und das ratlose Europa seiner schweren Sorgen überbeben wird. Es liegen heute folgende Draht- Meldungen vor:
Das drohende Europa.
(P r i v a t«T e l e g r a m m.)
Wie«, 16. Januar.
Minister Graf Berchtold empsing den russischen Botschafter von Gierski, de« italienffchen Botschafter Herzog von Avarna und den englischen Botschafter Cartwright und hielt mit ihnen Besprechungen ab, die, wie man annimmt, mit der Kollektivnote der Mächte an die Türkei im Zusammenhänge stehen. Wie verlautet, enthält die Note den kategorischen Rat an die Türkei, Adrianopel abzutreten. Wenn die Türkei dieser Aufforderung nicht nachkomntt, wird in der Note der Türkei angedroht, daß sie alsdann weder auf die Mithilfe Europas weiterhin, noch auf dessen gute Dienste in irgend einer Weise zu rechnen hätte, das heißt: Es wird der Türkei für die Zukunft dl« finanzielle Unterstützung Europas entzogen. Nach Nachrichten aus Konstantinopel sind di« dortigen Regierungskreise trotzdem nicht gewillt, auf Adrianopel zu verzichten.
Der Tag der Entscheidung.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 16. Januar.
Auf der Pforte erwartet man heute die Ue- berreichuna der Kollektivnote der Mächte, der sämtliche Botschafter beiwohnen werden. Bon diplomatischer Seite verlautet jedoch, daß der Termin der Ueberreichung zweifelhaft geworden ist und daß von einer besonderen türkenfreundlichen Macht noch immer daraufhin gearbeitet wird, daß der Schritt überhaupt unterbleibt. Hier wird in aut nnttrrichteten Kreisen erklärt, daß die Balkanstaaten bereits den Waffenstillstand aufgekündigt hätten. Auch dieses Gerücht kann den Aufschub des diplomatischen Schrittes herbei- geführt haben. Unbestätigten Blättermeldungen zufolge soll sogar gestern ein blutiger Zusammenstoß zwischen bulgarischen und türkischen Truppen vor Tschataldscha stattgefunden haben. Nähere Mttteilungen darüber liegen noch nicht vor.
Friede ober... Kabinettskrise!
Konstantmopel, 16. Januar. (Privat- teiegramm.) Wie eine Mitteilung aus zuverlässiger Quelle besagt, wird der Großwesir KiamilPascha heute das Kabinett vor die absolute Notwendigkeit des Friedensschlusses stellen. Kiami! Pascha erklärte, daß es unmöglich sei, unter den gegenwärtigen Umständen weiter die Regierungsgeschäfte
zu führen, und daß er, wenn der Friede nicht zustandekomme, zurücktreten werde.
Sie ersten Menschen...?
Das Geheimnis des Mensche« von Piltdown-
Dem vor fünf Jahr«« im Tertiär entdeckten „Heidelberger Menschen" ist jetzt der „Mensch von Piltdown" an die Seite zu stellen, ein Fund, der an Bedeutung vielleicht alle früheren übertrifft. Tiefer Fund ist jüngst, nachdem er so lange sorgfältig geheimgebalten worden war. in der Londoner Geological Societe einem Kreise von Gelehrten zugänglich gemacht worden. Der bedeutende englische Naturforscher Sir Rav Lance st er, der mit den Entdeckern dieses fossilen Menschen, Charles Dawson und Dr. Woodward, befreundet ist, hat die fossilen Menschenreste bereits vor einiger Zeit eingehend untersuchen dürfen und macht jetzt über feine Feststellungen eingehende Mitteilungen:
Der Mensch von Piltdown.
(Von unferm Korrespondenten.) London, 16. Januar.
Der Fundort des ältesten fossilen Menschen, Piltdown, in der Nabe von Ucksield in Sussex, enthält an wenigen Stellen Reste einer geologischen Schicht, die von der geologischen Landesaufnahme übersehen worden war. Di« Entdecker wurden darauf aufmerksam, als sie sahen, wie die Bauern mit dem groben Sand die. Wege ausbefferttn. In dieser Schicht, di« inmitten von Kalk liegt, sind nun außer Tier- reften und Feuerfteintoerzeugen Teile eines menschlichen Skeletts gefunden worden, nämlich die rechte Hälfte eines Unterkiefers und ein großer Teil der linken Seite der Schädelkapsel. Diese menschlichen Knocken lagen etwa einen Meter unter der Ober» 'lache, und zwar so dicht beisammen, daß die Annahme, sie stammen von einem und demselben Jnd'viduum. berechtigt erscheint. Die Knochen sind versteinert und vollständig mit rotbraunen Eisenflecken durchsetzt. Di« SchÄdeWapsel fällt durch sein« Dicke auf: Sie beträgt kaum ein Drittel eines Zolls, also wenig über acht Millimeter. Die Unterkieferhälsie ist unvollständig, denn di« Spitze fehlt. Es sind darin der erste -und der zweite rechte Backzahn erhalten. Der aufsteigende Ast der Kiefer Hälfte ist sehr dick. Die Einbuchtung zwischen seinen beiden Teilen ist, mit dem
moderne« Menschen-Kiefer verglichen, sehr flach. In dieser Bezieh mrg ähnelt der Fund dem Heidelberger Funde sehr. Obwohl das vordere Ende des Kiefers abgebrochen ist, ist an dem erhaltenen Teile doch viel Bemerkenswertes zu sehen, denn die wichtige untere Seite ist erhalten. Die Symphyse ist außerordentlich flach und breit und reicht weit rückwärts. Das ist wieder ein Unterschied von dem modernen Menschen, aber d«r neue Fund ist in dieser Beziehung auch eigenartiger als der Heidelberger. Der Unterkiefer ähnelt dem des Schimpansen stack. Die Abmessungen deS Kieferstücks zeigen, daß die vorne fehlenden fünf Zahne, zwei Prämolaren, ein Eckzahn und zwei Schneidezähne bedeutende Größe gehabt halben müssen. Dies ist noch ein Unterschied vom jetzigen Menschen und eine AehnftWeit mit dem Schimpansen. Was die SchädeWapsÄ anlangt, so ist mtt der bekann- ten Neandertaler-Form keine Aehnlichkoit vorhanden, sondern die (Stirn ist aufrecht. Aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen weiblichen Schädel. Man fand in der Lagerschicht außer den Skelettstucken auch Gegenstände, in denen zweifellos menschliche Werkzeuge zu erlernten sind.
•
Zwei ungelöste Rätsel.
Man steht hier nun vor zwei Fragen: Gehört der Menschenschädel der Menschenrasse an, von der die Steinweckzeuge stammen und war dieser Mensch ein Zeitgenosse der Tiere, deren Reste gleichzeitig nM den seinen gesunden worden sind? Diese Frag« ist, wie bereits oben angedeutet, bisher noch nicht zu beantworten. Wahrscheinlich ist «s, daß der Mensch, dessen Schädel gefunden worden ist, nicht nach den ®e«fertigem der Werkzeuge gelebt hat, denn es sind keine späteren Werkzeuge an dieser Stelle gesunden worden. Es steht schas fest, daß der Mensch von Pfltdown nach den Zähnen und der Unterseite des Unteckiefers dem Affenthpus näher stand, als der von Heidelberg. Dr. A. D.
Reichstag und Reichsetat.
Roch einmal: Der Fall Wetter!«.
Im Reichstag letzte man gestern die Beratungen über den Etat des Rcichsamtes des Inneren beim Titel .Gehalt des Staatssekre-