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Casseler Abendzeitung

9

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und SSL

Mittwoch, 15. Januar 1913

Nummer 34

Fernsprecher 951 und SSL

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' -a- Hessische Abendzeitung __

Sou flmrote von Bolmat.

Werterlä auf der Chauvinisteu-Tournee.

Sin Pffvat-Tffegramm berichtet «ns aus Paris: Der deutsche Reichstagsab- geordnetc Wetterls, der seit einigen Tagen in Frankreich antideutsche Vor- trLge hielt, sollte gestern Abend in der Pariser Geographischen Gesellschaft spre­che« und eine aroße Menschenmenge hat­te sich berefts in dem Saale eingefunden. Der Borfistende erklärte jedoch, daß Wtt- terls nicht spreche» werde, da seine Freunde ihm dringend abgeraten hätten. Wetterls selbst hätte gern seinen Borttag gehalten, aber seine Freunde hätten ihn Mrückgehalten und ihm erklärt, daß ferne Reden gegen ein Land, dessen Abgeord­neter er sei, nicht in der Ordnung seien und WetterlS nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine Anklage wegen Be- schimpsung Deutschlands zuziehen könnte.

Kett Wochen verzeichnet die gallische Cbau- dinistenpresse mtt sichtlichem Behagen die ein­zelnen Phasen der Emile Wetterls-Ko- mödi« aus französischer Erde und diesseits der Vogesenberge fragt heilige Einfalt: Ist das die Sündenfrucht, die vierzigjährige Germanifie- ruug-Arbeit, Langmut, Milde und Verfassung- Gewährung in einem Land erzeugt, von dem «ns auf der Schulbank erzählt ward, daß es nur durch Eroberer-Gewalt der deutschen Restb- X Einheit entrissen worden sei? Der kleine Abbe Emile Wetterls mtt dem sanften Knabengesicht und den düster-glühenden Augen der Leiden­schaft, der Zögling des Gymnasiums von Lachapelle und spätere Theologie-Beflissne von Salamanca, ist von den Bürgern des Wahl­bezirks Rappoltsweiler zum Deutschen Reichs- L Parlament delegiert, vertritt im Kuppelhaus am ß Berliner Königsplatz die winzige, aber umso - ungebärdigere Gruppe der Elfatz-Lothffnger und findet neben der Tätigkeit als Prediger der " Nächstenliebe und als Volkerwählter noch Zeit und Muße, in seinem Heimatort Colmar als Her­ausgeber eines deutschfeindlichen Hetzorgans das Land, das ihm Heimstatt, Amt und Brot gegeben, Tag nm Tag mtt der Lauge Volk- und feelenverqiftenden Nationalitätenhasses zu über­schütten. Wetterlö ist der Typ des nattonalisti- schet Fanatikers, und als solcher bedeu­tet er eine Gefahr für das Land, dessen De- ! müttgung das in fernen Traumgefilden blin­kende Ziel des Hasses dieser wild-erregten s Seele ist.

Der Hatz und der fanatische Kampf gegen das Reich, in dessen Erde fein Vaterhaus und sein Familienstamm wurzeln, hat dem Sohn des Zimmermanns Pierre Wetterls in den Kreisen ekstattsierter Französlinge die Märtyrer-Krone geworben, und es ist noch nicht allzulange her, daß dem hinter Kerkermauern büßenden Deut- schenftesser von der Hand der reichsländische« Statthalter-Gattin ein duftig Troftbrieflein in die enge Zelle geschickt wurde, das dem auf­richtigen Bedauern über das unfteiwillige Fern­bleiben des teuren Gastes vom Gesellschaft- abend im Statthalter-Palais beredten Ausdruck lieh. Es ging damals die Rede von einer Statthalter-Krise ttn Reichsland, deren Ursache eben jenes Briefchen sein sollte, aus dem auch weniger Scharfblickende herauslesen konnten, daß der polternde Französling vom Nouvelliste im Haus des deutschen Reichsland-Statthalters als vertrauter Gast imd Freund der Familie «in- und auszugeben pflegte. Man sprach in jenen Tagen peinlichster Neberraschung von demJdvll" im Reicksland mtt Recht in den schärfsten Motten, und wenn auch fpäter fest­gestellt werden konnte, daß die offizielle Welt des Reichslands mit jenen eigenartigen Regungen nichts gemein hatte, so ist doch der Eindruck, den das Intermezzo in der deutschen Oeffentlitzkeit geweckt, noch unvergessen, und man wird in diesen Tagen wieder daran er­innert. da Herr Emile Wetterls als Prediger derElsaß-Lothffngen-Befreiung" wie einst der strettbare Peter von Amiens durch Frankreichs Gaux zieht.

Emile Wetterls hat im Galliettand in den Worten erregung-durchzittetter Leidenschast- lichkett den nimmer ruhenden Kampf der Elsäs­ser gegen die .Barbaren" und .Eroberer" ge­predigt; er hat von den feit vierzig Jahren un­ter deutscher Reick-Hohett stehenden Bürgern Elsaß-Lothttngens wie von einer einzigen Ver­schwörer-Bande gesprochen, die jeden Augen­blick bereit sei, Gut und Leben für die .Be- freiung vom deutschen Joch" zu opfern, und er hat das Land, dessen Parlament ergiert", und dessen Luft er atmet, als die Heimat der Will­kür, der Rechttosigkett und des Barbarentums verunglimpft: Dasselbe Land, dessen Statt­hafter dem Prediger christlicher Nächstenliebe Gastfteundschast gewähtt; dasselbe Land, das in vierzigjähriger Arbeit sich gemüht, in de« durch das Schwert lurückerobetten Provin­

zen die Liebe zur alten Heimat und das deutsche Stammesbewußtsein zu neuem Dasein zu rufen! Und während deutsche Langmut den Fanattker von Colmar zur Bestmumg ruft, schreit Emile Wetterlss Moniteur die buben­hafte Frechheit durch die Lande: Er werd« sich von den unverschämten Sprößlin- gen der Hungerleider, die nach dem Unglück von achtzehnhundertsiebzig über Elsaß- Lothringen hergefallen, nicht Stillschweige« ge­bieten lassen; WettettSs Votträge seien nur der Anstatt des Kommenden", gewissermaßen also die O u v e r t ü r e der tollen Komödie, die noch zu erwatten steht!

Und dieser Mann sitzt, traft dem Willen der Reich-Verfassung und gerüstet mit dem Ver­trauen deutscher Reichsbürger, im Parla­ment des Reichs, nimmt an den Verhandlun­gen der deutschen Volkvettretung teil und hat als Erwählter der Französlinge von Rappolts- Weiler Recht und Anspruch auf die Kenntnis aller Einzelheiten der Verwaltung des Reichs! Das Reichs-Strafgesetzbuch bietet leider keine Handhabe, gegen den Feind des Vaterlands, der auf stemder Erde voll Inbrunst den Zerfall des Reichs erfleht und in chauvinistischen Fran- zosen-Herzen die Hoffnung auf die endliche Revanche" neu gestärtt, mit der Schärfe des Gesetzes vorzugehen; auch die Geschäftordnung des Reichstags ermangelt bedauerlicherweise einer Bestimmung, die ihm die Wahrung seiner Ehre gegenüber Abgeordneten, die den deutschen Namen schänden, ermöglicht, und so werden wtt es vielleicht erleben, daß der Apostel des französischen Revanchettiegs gegen Deutschland eines Tages wieder im Reichshaus am Ber­liner Königsplatz erscheint, um (nach dem Ab­schluß seiner Chauvinisten-Tournee) dem Va­terland seine Kraft als M. d. R. zu widmen. Die politische Völkerpsyche hat mancherlei selt­same Mißbildungen hervorgebracht: Eine üblere aber, als die Erscheinung des Fana­tikers von Colmar auf dem Stuhl des Rap­poltsweiler Reichstag-Boten war bisher noch nicht zu beklagest, und wenn im Hause Paul Wallots Männer sitzen, denen des deutschen Namens Ehre wett und heilig ist, dann wird man hoffen dürfen, daß Emile Wetterls, der dem Staatsanwalt entgangen, wenigstens vor dem Richterstuhl parlamentarischer Ehre in der dem Reichsfeind ziemenden Weise zur Rechenschaft gezogen wird. Denn auch eines Zwergen Leidenschaft kann Unheil zeugen .,.! F. H.

Sag Balkan WürfeWel.

Die Friedenskonferenz am Ende?

In London ist am gestttgen Montag die Bot­schafter-Konferenz abermals zu einer Beratung über die zur Herbeiführung des Friedens­schlusses am Balkan geeigneten Maßnah­men zusanrmengetteten, aber es gewinnt immer mehr den Anschein, daß der Londoner Frie- densrat nicht ausreicht, das Balkan-Problem in befttedigender Weis« zu lösen. Jedenfalls be­steht über die Aussichtslosigkeit der Fttedens- Konferenz nun kein Zweifel mehr. Es wird uns darüber berichtet:

Ma» packt die Koffer!

(Prtvat-Telegramm.)

London, 14. Januar.

Sowohl die türkischen Konserenz- Delegietten, wie die Vertreter der Balkan-Liga behandeln in Pttvatgesprächen die Friedensver­handlungen als überwundenen Standpuntt, sprechen eigentlich nur noch von ihrer bevor­stehenden Abreise und blättern in den Kurs­büchern ostentattv nach den bequemsten Anschlüs­sen an den Orient-Expreß. Ein Abendblatt ver­breitete die Meldung, der ottomanische Stimm­führer Reschid Pascha habe einen ihm von Sir Edward Grey in dessen Eigenschaft als Ehren­präsident der Konftrenz gemachten Vorschlag, seinerseits eine neue Sitzung einzuberufen, mit der Begründung ab gelehnt, die Delegierten hät­ten die Berhandlungen unterbrochen. An ihnen sei es also auch, für ihren Fortgang und für die Wiederaufnahme der unterbrochenen Bera­tungen zu sorgen.

Die Rote der Großmächte.

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel, 14. Januar-

Wie bekannt wird, dürfte sich die Ueber- reichung der Rot« der Großmächte an die Pforte um ein oder zwei Tage verzögern, da die deutsche Regierung an dem In­halt der Note gewisse Ausstellungen gemacht ha­be, sodaß sie nochmals an di« Bottchasterkon- ferenz in London zurückgehen müsse. Wie es überhaupt heißt, dürste die Rote auch sonst nock h folge der Instruktionen der einzelnen Mächte an ihre Botschafter einige Abänderungen erfah­ren. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Rote am Douuerstaa der türkisLe«

Regierung LSerreickt werden wird. In türtt- scheu Regierungskreifen wird erklätt, daß jede Note der Großmächte, und wenn sie noch so kategorisch gehalten wäre, die die Abtretung AdrianopelS von der Türkei fordett. keine Aus­sicht auf Erfolg habe.

Die Wetter-eichen der Revolution?

Wie Depeschen aus Konstantinopel melden, nahmen gestern die feit einigen Tagen umlaufenden Gerüchte über einen beabsichtigten Putsch der I u n g t üsrsksesn eine solche Ausdehnung an, daß die PolizeiprSfettur Mi­litär requirieren mußte, das zum Psotte-Palois, zum Kffegsminifterium und anderen wichtigen Puntten eilte. Eine Kavallerieschwadron durch­ritt eiligst die Sttatzen von Pera., um nach Stambul zu gelangen. Ein Bataillon besetzte die Pfotte selbst. Man behauptet, der Groß- wesier habe Drohbrief« erhallen, die ihn zur Demission auffordern.

Lattiche MrMaftrsragen.

Richthofen-Vortrag im Hansabund.

<?m vergangenen Jahr vermittelte uns die Casseler Ortsgruppe des Hansa-Bundes die Bekanntickast mit dem Bundespräsidenten Geheimrat Riefler. Gestern hätten tobe im Stadtpatt, ebenfalls durch Vermittlung der Casseler .^anfabünbler einen Vortrag des neu­en Direttors des Hansabundes, Freiherrn von Richthofen über wittfchastspolittsche Ta­gesfragen. Wer erwartete, den Redner am Vottragspult beobachten und ftudiereu zu kön­nen, sah sich ein wenig enttäuscht. Aus der Mitte der Versammlung heraus sprach von Rickthofen, und Fernersitzende sahen fein scharf gefchnittenes, charakteristisches Gesicht mit dem vorspringenden Kinn nur für Momente zwi­schen den Köpfen der Zuhörer auftauchen. Dem Eindruck der Rede tat diefer niedrig gewählte Standpuntt freilich keinen Abbruch, man möchte beinahe das Gegenteil behaupten. Ueber- all bis in den letzten Winkel des Saales fan­den die temperamentvollen, ftaren, scharfum- rissenen Ausführungen von Richthvfens, die so gut zu dem Bilde feiner äußeren Erscheinung paßten, beachtliches Interesse.

Zn Beginn seines Vortrages erinnerte von Rickthofen daran, wie man den Hansabund zu­erst als «ine vorübergehende Erscheinung ein- geschallt: in den drei Jahren seines Bestehens habe sich jedoch gezeigt, daß seine Gründung eine Notwendigkeit gewesen für den festen Zu­sammenschluß von Industrie, Gewerbe und Jnanbel. Rack einigen Auslassungen über die politische Konstellation des Hansabundes ging der Redner zum eigentlichen Thema des Abends über, als dessen erster Punkt die Aenderung des preußischen Wahlsystems zur Sprache stand. Geheim und bi rett, das sei das mindeste, was der Hansabund in Bezug auf die Wablreckts- änderimg fordern müsse; auf Einzelheiten wolle er, der Redner, allerdings nicht eingehen. Unbedingt notwendig fei auch eine Aenderung in der Zusammensetzung der ersten Kammern der bundesstaaflicken Parlamente, besonders des preußischen Herren-Hauses. Die au- genblicklichen Zustände entsprächen ebensowenig wie das Dreiflassentoahlrecht dem Prinzip der Gleichbereckttguug. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch die Aenderung unserer Steuerpolitik zu erstreben, die jetzt vielfach auf eine Schädi­gung der industriellen Kreise hinauslaufe.

Auch das Reich sei jetzt gezwungen, zu direk­ten Vermögenssteuern zu greifen; tose der Ent­wurf der Regierung, die neue Besitzsteuer be­treffend, ausfallen werde, totffe freilich noch nie­mand. Der Redner geißelte hier schaff das Svstem der Heimlichttierei. betonte, daß die fa­talsten Stenern fallen müßten und sprach sich für die Erbschaftssteuer aus, die immer noch eine derangenehmsten" Steuern fei. Von den Steuern zu den Monopolen. Im Grunde ge­nommen fei der Hansabund Monopolgegner, weil er nicht dem sozialdemokratischen Zu- kunftsstaat entgegentreiben und ein Vernichter selbständiger Existenzen fein wolle. Da es sich jedoch bei dem in Aussicht genommenen Petro­leummonopol nicht um ein eigentliches Staats- Monopol, sondern um eine Monopolgesells^ft handle, so fei knack Ricktbofens veffonftcher Anschauung) das Petroleummonopol, freilich nicht in feiner jetzigen Fassung. Wohl geeignet, den deutschen Matti von den amerikanischen Monopolisierungsgelüsten zu emanzipieren. Dann kam di« Frage der Fleisckteuerung zur Svracke. in der der Redner einer kontingentier­ten Einfuhr von Geftieffleifck das Wott re­dete. Mit der Frage der Fleischvefforgung eng zu sammen hänae die der inneren Kolonisa­tion Nickt Großgrundbesitz, sondern Stärkung d«S Bauernstandes, das sei das Notwendig.

Ans dem Gebiet der auswärtigen Witt schaftspolittk aina der Redner vor allem auf unsere Exportpolitik und auf den diplomati­schen Dienst ein. der einer inneren Umwandlung dringend bedürfe. Dann war unsere Kolonial- volitil der Gegenstand seiner Ausführungen; hier betonte von Richtbosen vor allem, wie teuf« ttg das Reckt der offenen Tür für den deutschen Handel in den außerdeutfcken Ländern und Ko­lonien sei; im Zusammenbang damit wies er darauf hin, daß -s Deutschland zum Schaden gereiche, toenn di« Türkei beim Friedensschluss mit bat Battanstaaten zu viel Gebiet bergeben

müsse. Zum Schluß wurde noch das Knegsbild aufgerollt. In einem eventuellen deutschen Kffeg der Zukunft mit den Mächten der Triple» Entente handle es sich letzten Endes nicht um irgend «ine Frage von untergeordneter Be- deuttmg, sondern darum, ob man den Moment für gekommen erachte, Deutschland vollstän­dig an die Wand zu drücken und es seiner Stel­lung als Weltmacht zu entkleiden. Den eigen­sten Lebensinteressen des Hansabundes und der Berufsstände, die er vertrete, würden dar­um auck stets vom Bunde selbst die großen va­terländischen Interessen vorangestellt werde«.

$os Horoskop der Fürsten.

Professor Raphael Über das nette Jahr.

Schon dem gewöhnlichen Sterblichen droht das laufende Jahr mit seiner ominösenDrei­zehn" mit allerlei Unheil; wie aber wird es erst den Herrschern ergehen? Ihr Horoskop ist (toenn die Sterne die Wahrheit toiffen) mehr als ungünstig, wie der Londonff Astrologe Professor Raphael in seinen Prophezeiungen auf das Fahr 1913 auseinandersetzt. WaS et den Herrschern Europas für Unheil prophezeit, ergibt sich aus der nachfolgenden Zusammen­stellung seiner Zukunft-Voraussagen.

Anter der Dreizehn.

(Don unfern Korrespondenten.)

London, 14. Januat-

Professor Raphael, der soeben bieZu­kunft der Herrscher" aus den Sternengedeu­tet" hat, denkt als Engländer natürlich zuerst an das eigene Herrscherhaus, aber dieser Be­ginn der Prophezeiungen tft recht trübe. Das Jahr 1913 wird dem König Georg allerlei Un­heil bringen. Besonders in der zweiten Hälfte des Jahres lauern die Gefahren, und um eine Einzelheit zu nennen: Nach dem vierundzwan- zigsten August droht dem König Krankheit. Der Deutsche Kaiser (so setzt der Professor auseinander) kommt unter den heftigen Ein­fluß des Mars; kriegerische M atznah- men im September und Ottober, hfftige Un­ruhen im Dezember, Kriegsgffahr und Krank­heit: All das wird prophezeit. Ja, der Profes- sor behauptet sogar, das laufende Jahr sei das gefährlichst« im ganzen Leben des Kai­sers. Noch schwärzer stnd die Prophezeiungen für den Zaren. Mtt eiskalter Objettivität er­klärt Professor Raphael, Nikolaus der Zweite werdealler Wahrscheinlichkeit nach der letzt« Kaiser Rußlands sein". Allettei Ver­schwörungen und Unruhen drohen feinetr Lande, und auch seine Person ist bedroht. Rich ganz so schlimm geht es fit diffen Proph» zeiungen dem Herrscher Oesterreichs. Es ist

aus de« Sterne«

zu ersehen, daß ihm Krankheit und daß seine« Lande kffegeffsche Verwicklung droht. Heftig« Kämpfe stehen Alfons von Spanien bevor. Di« Republikaner seines Landes werden ihr Haupt erheben, und der junge König wird um seinen Thron kämpfen müssen. Außerdem stehen ihm schmerzliche Verluste" bevor. Am glimpflichsten kommt noch der König der Belgier in die- fen trüben Prophezeiungen weg, denn von ihm heißt es nur, daß dieAussichten für ihn nicht sehr günstig sind". Schlimm dagegen ist das Schicksal der Zarin. Sie wird (tote Professor Raphael mtt größter Unbefangenheit aus- spricht)im kommenden Sommer vollständig zusmmnenbrechen"! Der junge Schah von Persien int am heften, diese Prophezeiungen gar nicht zu lesen, denn ... er wird ermordet werden! Bei dieser Gelegenhett erfährt man auch, daß auf den Zaren ein Attentat ver­übt werden wird, das jedoch augenscheinlich glimpflich aMäitft, da von feinem Tode in dem Horoskop nicht die Rede fft. Dem König von Italien stehen nach Raphael Verwicklungen und Kriege bevor und auch der König von Griechenland hat ein unerfreuliches Jahr zu erwatten: Er mutz mtt einer Krankheit der Königin rechnen und mit peinlichen Familien- Ereignissen.

Holland- Dänemark, Schwede«.

Die Königin Wflhelmine von Holland kann nach Ravhaffs Weissagungen bis zum Herbste ganz unbesorgt fein. Dann aber drohen ihr Krankheiten und internationale Verwick­lungen. Roch etwas günstiger ist das Horoskop des Königs von Dänemark, der nur mit Erkrankung und Ministettfffen zu rechnen hat, aber fönst ein .einigermaßen erfreuliches Jahr" erwatten daff. Schwedens König muß sich aufUnruhen des Volkes und Niedergang de« Handels" gefaßt machen; außerdem wird er nach dem Horoskop erkranken. Man fleht also; Sorgen überall!

Sos Iretzfus Gefpenft.

Die Krise i« französischen Kabinett,

Die durch den Rücktritt des Kttegsministers Millerand gefchaffene Kffse im französischem Kabinett iS noch nicht gänzlich beseitigt, berat