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Aesfische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

Nummer 33

3. Jahrgang

Dienstag, 14. Januar 1913

Fernsprecher 951 und SSL

Fernsprecher 951 und 952.

trauen auch darauf (fasste er), daß, wenn im Reichstage etwa die Aufhebung des Jesuiten­gesetzes beschloflen werden sollte, die preußische Bundesratsstimme gegen eine solche Auf­hebung erhoben und der preußische Einfluß im Bundesrat auch in diesem Sinne geltend ge­macht werden wird. (Stürmische Unterbrechung seitens des Zentrums; Beifall bei den Freikon­servativen und Nationalliberale«.)

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erscheinen lassen. Man muß es ermöglichen, den Genuß dieser besseren Verhältnisse für Be­amte, Offiziere und Lehrer etwa um ein Jahr­zehnt vorzuschieben. Das sieht vielleicht im An­fang so aus, als ob die Lasten, die der Staat an Pensionen zahlt, vergrößert würden, aber das gleicht sich wieder aus durch den rascheren Zuwachs an Nationalvermögen, der uns blühen wird, wenn wir auf diese Weise den Jungen mehr Raum für die volle Entfaltung aller ihrer Kräfte geben. Das ist der wichtigste Punkt und nur aus der Froschperspektive kann seine Bedeutung übersehen werden. Und darum bin ich g e g e n den Mann von fünfzig Jahren. Schicken wir ihn ruhig in Pension und weinen wir ihm keine Träne nach ...l

JnseNlon«preise; Dte sech«gespaltene Aelle für ewhelmtsche Geschäfte 15 Mg., für aus wärttge Inserate 25 Pf, Reklamezetle für eüihetmllche Geschäfte 40 T-L für auSwärttge Geschäfte 60 M. Gtnfache Beilagen für dte Gesamtauflage werden mtt 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ttzrer dichten Verbreitung in der «estden, and der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnserttonSorgan. Geschäftsstelle; kölnisch« Straße 5. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 18, Telephon; Ami Morchplad «7«

Ser Mann am Scheideweg.

Segen den Mann von fünfzig Jahren, von

Geheimrat Professor Dr. Eulenburg.

Der Kampf ums Dasein ist schwerer gewor­den. Er nimmt herbere Formen an, übt stren­gere Auslese und erschüttert Positionen, die dauerhaft schienen. Die Betroffnen: Das sind die Alten, die Reifen, die jenseits der Fünfzig stehen. Ihr Kurswert sinft, man läßt es sie schon da und dort entgelten, daß ihr Tempo nicht mehr das der Jungen ist, und so sieht man in ihren Reihen jetzt sorgenvolle Mienen, man hört bange Herzschläge und weh­leidige Klagen drängen sich auf die Lippen der Männer von Fünfzig. Da und dort wird eine Ehrenrettung versucht. In Rundftagen werden sie getröstet: Auch die Fünfzigjährigen seien noch hoher Leistungen fähig, sie hätten durchaus «och Anspruch auf volle Wertung, sie hätten ein Recht auf Gerechtigkeit! Ich scheue mich nicht, zu gestehen, daß ich in diesen Chorus nicht - einstimmen mag. Es hat keinen Zweck, senfi- mental zu sein. Natürlich gibt es Ausnahmen: .Aber im allgemeinen gilt die Erfahrung, daß die bessere und wertvollere Arbeit des Man­nes v o r den Jahren der Fünfzig geleistet wird. Man braucht nur einen Blick in die Literatur zu tun, um diese Wahrheit zu erkennen. Alte und neue Dichter schufen ihre wertvollsten Ga­ben im ersten Halbjahrhundert ihrer Jahre, man mag dabei an Goethe oder Hauptmann, an Spielhagen oder Sudermann denken. In der bildenden Kunst, wie in der Musik bestätigt sich diese Erfahrung ebenso, wie in der Wissenschaft.

Daß Fontane seine Meisterwerke erst jen- k seits der Fünfzig schrieb, und daß Moltke den siebziger Krieg erst als Siebziger gewann: Das B sind Ausnahmen. Ich glaube sogar, daß die f Grenze der besten Leistungfähigkeit schon mtt - Vierzig erreicht wird, tote' ja schon Schopen­hauer voll tiefer Erfahrung sagt, daß wir uns - den Text des Lebens nur bis zum vierzigsten - Jahre schreiben, was dann kommt, das ist nur der Kommentar. Darum könnte ich es gar nicht beklagen, wenn wir mtt den Fünfzig den Ham­mer aus der Hand legen müßten. Man soll nur nicht soviel von den Erfahrungen, von der ausgespeicherten Weisheit des Alters reden, die angeblich das Schäften der Alten so wertvoll macht. Uh halte nicht viel davon. Die soge­nannten Erfahrungen und die sogenannte Weis­heit: Das sind zumeist bloß unschöpferische Hem­mungen. Sie erscheinen mir deshalb auch nicht sonderlich wertvoll. Jedenfalls nicht wertvoller, als die gesunde Arb'eit der weniger mit Be­denken und Rücksichten marschierenden Jugend. Und ich sehe etwas sehr Berechtigtes darin, daß Oesterreich seine Professoren zwingt, spä­testens im Alter von siebzig Jahren in Pension zu gehen, wie auch in Rußland Hochschullehrer nur fünfundzwanzig Jahre (in Ausnahmesäl- leu höchstens dreißig Jahre) amtieren dürfen

Manchmal kann das den vorzeitigen Ver­lust einer tüchttgen Lehrkraft mit sich bringen, aber in vielen Fällen wird es sich besser erwei­sen, daß man die junge Generation ans Ruder läßt und die Alten nach Hause schickt, bereit Wissenschaft doch so vielfach nicht mehr frisch ist, und unter Umständen mehr Schaden als Nutzen stiftet. Wie schön wäre es, wenn wir weniger Zeitgenossen hätten, die ihre eigne Größe und ihren eignen Ruhm überleben! Und ist es beim nicht auch etwas Schönes, rechtzei­tig zum Ausruhen und zum reinen Genießen des Lebens zu kommen? Es ist ein Teil unsrer Mission, daß wir den Abend des Lebens als Zuschauer genießen. Und ich habe immer etwas sehr Gesundes und Richtiges darin ge­funden, daß es das Jdöa! der meisten Fran­zosen ist, sich schon zu Anfang der Vierzig soviel erspart zu haben, daß sie von da ab als Rentner das Leben genießen können. Wie glücklich kömtte die Menschheit sein, wenn wir alle solche Neigungen hätten. Der Kampf ums Dasein würde sich viel friedlicher vollziehen, wenn wir nicht alle Wert darauf legen müßten, bis zur Arterien-Verkalkung mit unter den Fah­nen zu marschieren. Treten wir mtt rechtzei­tig ab, dann haben die Jungen mehr Raum, mehr Bewegung-Freiheit und können die Kraft, die heute schon verbraucht wird, um sich über­haupt erst Ellenbogenfreiheit zu verschaffen, schon zu nützlicher, aufbauender Arbeit ver­wenden.

Ich bin sicher,'daß dann viel mehr, viel bes­ser und ftuchtbarer gearbeitet werden würde! Es wird die Aufgabe des Staats und der Po- litfler sein, solche Zustände vorzubereiten. Daß heute so viele, die längst die Tauglichkeit ver­loren haben, immer noch im Bureau, immer noch im Amt, immer noch in der Uniform toeiterarbeiten: Das hat seinen Grund darin, weil sie erst wett jenseits der Fünfzig in jene Einkommen- und Pension-Verhältnisse gelan­gen. die ein friedliches Ausruben als angängig

Reue ^refttitetibebotte hn Landtag.

Freiherr von Zedlitz als Redner.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 13. Januar.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Be­ratung des Etats fort. Als erster Redner sprach der Führer der Freikonservativen. Frei­herr von Zedlitz. Er erklärte sich im Namen seiner Fraktion mit den letzten Darlegungen des Kultusministers in der Angelegenheit des Jesuitenaesetzes einverstanden. Wir ver-

Reue Pariser Srusatianeu. Der Drehfrrs-Prozetz in neuer Auflage.

Frankreich hat (vier Tage vor der Präsiden­tenwahl) eine neue Sensafion: Der Kriegs­minister Millerand ist unterm Druck der öffentlichen Meinung von seinem Amte zu- rüdgetreten und der bisherige Kolonial­minister Lebrun zum Kriegsminister ernannt worden, während an Libruns Stelle der bis­herige Unterstaatssekretär B o s n a r d zum Mi­nister der Kolonien berufen wurde Millerands plötzlicher Rücktritt ist eine Folge des durch ihn veranlaßten Wiederauflebens der Dreyfus- Affäre. Es wird uns darüber berichtet:

Eine politische Intrige?

(Privat-Telegramm.)

Paris, 13. Januar.

Millerand, der soeben zurückgetretene freut« zösische Kriegsminister, hatte vor einigen Tagen eine Verfügung erlassen, durch die der O b e r ft« leutnant du Paty de Clam in die Ar­mee wieder aufgenommen und in die Land­wehr eingestellt wurde. Mit einem Sturm bet Entrüstung hatte bie radikale und soziale Presse Frankreichs diese Nachricht beatrttoortet, sie ver­langte den unverzüglichen Rücktritt des Mini­sters. Ist doch du Paty de Clam der berüch­tigte Untersuchungsführer des ersten Dreh- fusprozeffes, dessen wenig schönen Mani­pulationen es gelang, die Verurteilung des dampfigen Generalstabshauptmanns Drey- sus her! führen. Nun hat es sich inzwischen herausgejtellt, daß du Paty weniger aus eige­nem Antriebe handelte, denn als ungeschicktes Werkzeug der Kreise, die damals an dem ver­nichtenden Urteil ein Interesse hatten. So könnte man Millerands aufsehenerregende Ver­fügung für eine Tat ausgleichender Gerechtig­keit halten, zumal er damals dem Ministerium Waldeck-Rousseau angehötte, unter dem die Verurteilung geschah. Ein Puntt jedoch er­weckte Bedenken: Millerand hatte ohne Vor- wissen des Ministerpräsidenten Poincars ge­handelt und diesen in eine äußerst schwie­rige Lage gebracht, die im Hinblick auf die nahe Präsidentschaftswahl, zu der Poincars be­kanntlich auch kandidiert, eine besondere Be­deutung gewinnt. Das läßt sehr leicht den Ver­buch' an eine politische In trigue aufkom­men. Kriegsminister Millerand, der sich bei sei­ner Verfügung auf eine Zusicherung der Reha- bilitiemng stützte, die schon sein Vorgänger Messimy dem Oberstleutnant du Paty gab, er­klärte allerdings im Ministerrat, er nehme jede Verantwortung für seinen Beschluß auf sich, den er als eine innere Verwaltungsmaßregel betrachte.

Minister Millerand geht!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 13. Januar-

Paris, 13. Januar. (Privat-Tele­gramm.) Infolge der gegen ihn gerichteten heftigen Angriffe hat Kriegsminffter Millerand noch am Sonnabend seine Demission einge­reicht, die vom Präsidenten Fallisres auch a n - genommen wurde. Gestern nachmittag ttat der Ministerrat im Elysee zu einer Bera­tung über die durch die Demission Millerands geschaffene Lage zusammen. Der Ministerpräsi­dent brachte das Demissionsschreiben zur Ver­lesung, das stillschweigend zur Kenntnis genom­men wurde. Es wurden keinerlei Versuche ge­macht, Millerand von seinem Vorhaben abzu­bringen und schon nach ztoeieinhalbstündiger Beratung hatte der Ministerrat die Lösung der Krise bewirtt. An Stelle MillerandS wurde der bisherige Kolonialminister Lebrun zum Kriegsminster ernannt. Das Portefeuille der Kolonien erhielt der bisherige Unterstaatssekre- tär der Finanzen, Bosnard. Ob und welche Folgen der Rücktritt deS Kriegsministers auf das Schicksal deS Kabinetts haben wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersetzen. Sicher ist indessen, daß PoincarsS PräsidenttckastS- KandÄmtur durch die Affäre sehr ungünstig be­einflußt wird.

Lebrun, der neue Kriegsminister.

Der neue Kriegsminister gebrun, bet als Kolonialminister in hervorragender Weise an den deuffch-französischen Kongoverhandlungen hn Jahre 1911 beteiligt war. ist mtt dem Mini- sterprandenten Poincars erg befreun­det. Es verlautet, Ministerprä,.ocnt PoincarS habe in der gestrigen Sitzung des Ministerrats

Wie war er möglich...?

August Steruickel und die Polizei.

Wir berichtM in der ersten Bettage der heu­tigen Nummer eingehend über die endliche Er« mittlung des se-Ü fiebern Jahren vergeblich von der Polizei gesuchten Massenmörtders und Brandstifters August Steruickel. Ster- Nickels Leibens- und Verbrecher-Geschichte liest ich tote ein to ildchhantastiischer Kriminal-Ro­man, und es drängt sich, wenn man diese Kette von Verbrechen überblickt, von selbst die Fra­ge auf: Wie war es möglich, daß dieser Schwerverbrecher sieben Jahve hindurch der ihn überall suchenden Gerechtigkeit ent­gehen konnte?, bis er durch den entsetz­lichen dreifachen Mord im Oderbruchzufäl- kich" ermittelt wurde. Im Juni 1905 hatte er mit zwei HeVf.erscheikfern den MWeir Knappe ermordet. Das Verbrechen fand «erst fünf Fahre bätet eine teilweise Sühne, im Oktober 1910. Aber es war ein Ste-rnickel-Prozeß . . . ohne Stcrnickcl. Der eine Helfershelfer wurde zu Zuchthansstrafe verurteilt. Steruickel blieb verschollen, obwohl die Mörderffuche über den ganzen Erdball ausgedehnt wurde. 1908 wurde er zwar in der Nähe von Braunschweig ans der Landstraße von einem Gendarmen ange- halten, verstand es aber, diesem zu entkom­men. Seitdem verliefen alle Spuren im San­de. Sttrnickel hatte (wie sich jetzt herausstellt) wiederholt die Frechheit, sich mtt Gendar­men zu unterhalten. In einer Streitigkeit mtt enem Zie«eleibesitzer holte er sogar den Rat eines Polizeibeamten ein. Ja, einmal er­schien er sogar unter falschem Namen vor Ge­richt. Der Verbrecher, den die Leute in Ort­ung an seinem verkrümmten Finger erkannten, der eine ganze Reihe auffallender Eigentüm- lichkeiten aufweist. die SchädeMldung, die schräge Zahnstellung,, -die Daubanhiebbaberei, das Prahlen miteiner Braut aus besseren Ständen": Dieser Mensch, der zwanzig Jahre lang Verbrechen beging, konnte sieben Jahre lang frei umhergehen und dann ein neues furchtbares Verbrechen begehen. Wie war es möglich? War die Polizei mit

mit Blindheit geschlagen?

Dabch war das Signalement Sternickels tft dem Händen jedes Polizisten und jede s Gendarmen und außerdem wies sein Körper so ausgesprochene Merkmale auf, baß cr eigentlich mtt Leichtigkeit hätte erkannt werden müssen. Sein Schädel ist etwas deformiert, und der Meine Finger der linken Hand ist in­folge eines Unfalles verkrüppelt. Wie schon jetzt 'eststcht, hat Dternickel während der lan­gen Jahre, 'in denen er gesucht wurde, sich als tßeißiger Arbeiter in verschiedenen Stellen be­tätigt und sich dort das Vertrauen seiner Arbeitgeber zu erringen gewußt. Charakteri­stisch für ihn ivar, daß er in allen Stellungen eine große Vorliebe für Tiere an den Tag legte ^Namentlich war er ein eifriger Tauben- liebhaber; auch die Pferde seiner Arbeitgeber pflegte er lehr gut. Aus einem Verhältnis mit einer Magd hatte er jetzt schon zwei Mere Kinder, an denen er anscheinend mit großer Liebe hing, denn er sprach oft mit Bela um en über deren späteres Schicksal. Steruickel icheint sich völlia sicher gefühlt zu Haden., Die Natur seiner Beschäftigung als Müllergeielle brachte es allerdings mit fick, daß er nicht m geflosse­nen Orftchafien, sondern meist in aL>-its gele­genen Mi-blengcbästen wohnte Er sckloßsich aber durchaus nicht von der übrigen Vevotte- runa ab, sondern besuchte Sonntags das WittS- haus, nnb scherzte auch mit Frauen und Mäd­chen Sein Ideal war anscheinend, sich eine ge­wisse Summe zu ersparen und dmn-.t ein eige­nes kleines Anwesen zu kaufen, auf dem cr sei­nen Liebhabereien, namentlich der Tauben­zucht. frönen konnie. Die Sucht, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, jedenfalls schnel­ler als auf ehrlichem Wege, hat den bald Fünf, zigiährigen wieder

attf Me Bahn des Verbrechens

getrieben. SternickÄ ist nicht ein Mann »Ott besonders originellen Ideen, tote etwa der Hauptmann von Köpenick, und als der Ge­danke zu dem neuen Ranbzua in seinem Gehirn entstand, da bildete er den Plan.nach dem er­sten Verbrecken, das im geglücH war: Dem Raubmord in der Plagwitzer Mühle. Und das gerade sollte sein V er h ä n g n i s toet? den. Die Polizei wäre vielleicht nickt so ball auf den Gedanken gekommen, in,dem Kneck Schöne den lange gesuchten Steruickel erwischt zu Haden, wenn dem Kriminalkommissar, der die Sache bearbeitete, nicht die Ä hnlichkeit in der Ausübung beider Verbrechen in die Augen gefallen wäre. In Plagwitz wie in Ortwig er­schlug der Mörder feine Opfer und kuckt- dann

Das Krönuugs- und Srdenssest.

Der zwölfte Zanuar in Berlin.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 13. Januar.

Das Krönungs- und Ordensfest wurde gestern im hiesigen Königlichen Schlosse in der herkömmlichen Weise begangen. Im Auftrage des Kaisers behändigte der Präses der Gei..ralordenskommission, General v m Ja­cobi, die Auszei^nunggn, worauf die neuer­nannten Ritter und Inhaber von Orden in den Rittersaal, die Brandenburgische und die Note Kammer, bie übrigen betorlerten Personen in bie Schlotzkapelle geführt wurden. Das Kai­ser p a a r ließ sich zuerst in der zweiten Pa- radevorkammer die Damen des Wilhelmsor« dens, des Luisenordens usw. vorstellen und be­gab sich sodann mit der Kronprinzessin sowie den übrigen Prinzen und Prinzessinnen in den Rittersaal, wo der Präses der Generalordens­kommission die neuernannten Ritter und Inha­ber von Orden einzeln vorstellte. Hierauf fand bet Gottesdienst in der Schloßkapelle statt. Der Hof- und Domprebiger Vits hielt die Liturgie und die der Feier des Tages gewidmete Pre­digt. Nach dem Gottesdienst begaben sich die Fürstlichen Herrschaften in den Marinesaal und daraus zur Tafel. Die Eingeladenen hatten inzwischen ihre Plätze im Weißen Saal und in den angrenzenden Gemächern eingenommen. Der Kaiser brachte den Toast auf das Wohl der dekorierten Personen aus. Nach Aufhebung der Tafel begab sich das Kaisetpaar mit der Kronprinzessin und den übrigen Prinzen und Vrin'-^innen in den Rittersaal, wo viele der Anwesenden durck Ansprachen ausgezeichnet wurden. Auch in diesem Jabre sind sehr viele Orden und Ehrenzeichen verliehen worden, je­doch befinden sich unter den Dekorierten verhält­nismäßig wenig bekannte Persönlichkeiten. Zu­meist sind cs Offiziere und Beamte, die Aus­zeichnungen erhalten haben.

erflärt, daß, falls Millerand nicht gehe, das gesamte Kabinett zurücktteten müsse. Präp.bent Fallisres habe sich einer solchen- ung aber entschieden widersetzt und bemerkt, >atz eine Ministerkrise im gegenwärtigen Augenblick wenige Tage vor der Wahl seines Nachfolgers halber Wahnfinn wäre. Diese Ansicht habe dann auch die Oberhand be­hauptet.

Die neuen Ordensritter.

Es wurde unter anderm verliehen: Der Rote Adlerorden erster Kl sse mit Eichenlaub an den Inspekteur der Feldartillerie, General Gallwitz, an den Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Misco und an den Kommandierenden Ge­neral d^s fünften Armeekorps, General von Strantz. Ferner erhielt die Königliche Krone zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Stern der Kölner Domprobst Dr. Berlage, den Roten Adlerorden zwetter Klasse mtt Eichenlaub Dr. Kirchner, Ministerial­direktor im Ministerium des Innern. Dr. von Meister, Regierungspräsident in Wiesbaden, Graf von Schwerin. Gesandter in Luxemburg, Dr. Sei<-. Gouverneur von Denffch-Südwest- Afrika, Dr. Steinmeister. Regierungspräsident in Köln, und Twele. Oberreicksmilitärantoalt. SS eiter erhielten den Roten Adlerorden zweiter Klaffe Dr. Berttam Bftckos in Hildeshfim, Dr. '.'on Wilamowitz-Moellendorft, Universität«, vrofesso'' in Berlin: den Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife: Der nattonal- liberale Rei<hZtaaabaeordnete Vrofessor Dr. von Calker, die preußischen Landtaasabge ord­neten Schmedding (Zentrums, Schmieding (Na- tionalliberaff und Freiherr von Steinäcker (Ksnservafivt: den Königlichen Kronenorden erster Klasse: Der Unterstaatssekretär Stieger und der B-gstdent des Reichseisenbahnamts, Dackerzapv: den Stern zum Kronenorden zwei­ter Kla^r: Professor Dr. Brunner in Berlin, Gesandter von Reichenau Gesandter in Stock­holm, Professor Dr. Adolf Waaner: ben Kro­nen orde zwetter Klasse: Der Direktor der poli« fischen Abteilung beS Auswärtigen Amts, von Stumm: den Kronenorden dritter Klaffe: Der fortschrittliche Landtagsabgeordnete Cassel in Berlin.