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Kasseler Neueste Mchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Sonntag, 12. Januar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 32

Fernsprecher 951 und 952.

Krieg oder Friede?

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Weise die natürliche Grundlage der ganzen Or­ganisation des amtlichen Betriebs. Es ist im jahrzehntelangen Kampf wider den papiernen Götzen des Aktenstaub-Kults von den Vertei­digern der »Conduiten-Liste" immer wieder er- klärt worden, die Personal-Akten seien im Amt- bctrieb unerläßlich, denn die geheime Kon­trolle sporne die Leistung eines Jeden zu stärk­ster Energie und bei der weiten Ausdehnung der einzelnen Verwaltungzweige ergebe sich schon aus technischen Gründen die Notwendig­keit, den Untergebnen unausgesetzt vom Vorge­setzten überwachen zu lasten und das Urteil über Fähigkeiten und Qualitäten aufgrund der bei dieser ständigen Ueberwachung gesam­melten Erfahrungen zu bilden. An der Stich­haltigkeit dieser Gründe braucht füglich nicht ge­zweifelt zu werden; man darf sogar zugeben, daß das System derPersonalakten a n sich nütz­lich und notwendig ist: Gefährlich, verhängnis­voll und unheUzeugend wirkt nur di« Ge­heimhaltung ihres Inhalts, die der Bös­willigkeit und Unaerechtigkeit Tür und Tor öff­net und den Beamten sowohl auf der untersten Stufe der Laufbahn wie auf den Höhen der Karriere wehrlos einem Schicksal aüsliefert, daz ebensogut die Gerechtigkeit, wie die Laune eines Zufalls oder die flüchtige Regung einer Augen­blick-Stimmung gefügt haben kann. Und dieses Spiel mit Menschenglück und Menschenschicksal gehört nicht mehr in eine Zeit, deren Rechts- Eihik sich von den Fesseln der Feme längst

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bedingt alle unsere Kraft daran den, einem Druck Et'ropag nachzugeben.

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frei: Er hatte als Beamter, Mensch und Bür­ger nach besten: Wissen und Gewissen seine Pflicht getan, und es war also gewissermaßen seine Menschen- und Mannespslicht, den seiner Vergangenheit und Zukunst anhaftenden Makel durch den Sieg der Wahrheit zu beseitigen Er versuchte es auch, beschwerte sich bei der Anf- sichtbehörde über den Mann, der mit einem einzigen Federstrich sein Glück gefährdet und bot zur Rechtfertigung seines Protests erschöp­fenden Beweis an. Erfolg: Neunzig Mark Ordnung strafe wegen verbotner Einsicht­nahme in Geheimakten!

Die zweite Etappe des Märtyrerwegs führte

wo der Vertreter des Bemakelten das Gericht der Erkenntnis der Menschlichkeit-Pflicht zuzu- sühren suchte, die nicht dulden könne, daß im Rechtsstaat der freie Bürger von der Feme des Verhängnisses auf geheimem Schleichweg ver­folgt werde, ohne daß ihm die Möglichkest ge­geben sei, sich gegen Verdacht und Unheil zu schützen. Man darf annehmen, daß die Män­ner am Tisch des Gerichts, die über das angeb­liche Vergehen eines in berechtigter und zwei­fellos auch dringlicher Notwehr Befindlichen zu urteilen hatten, alle diese Menschlichkeit-Gründe klar erkannt haben und bemüht gewesen sind, sie menschlich zu würdigen. Menschlichkeit ist aber noch nicht Recht, mag sie auch die deutlichste Offenbarung der Gerechtigkeit sein, und da der Buchstabe des Gesetzes bestimmt, daß ein Beam­ter nicht befugt ist, in Akten Einsicht zu neh­men, die nach dem Mllen der Dienst-Ordnung seinem Auge verborgen bleiben müssen, so er­kannte daS Oberverwaltung-Gericht, daß die Ordnungstrafe von neunzig Mark zu Recht verhängt worden und demgemäß die Klage des um seine Ehre Kämpfenden abzuweisen sei. Es ist damit höchsttnstanzlich bestätigt worden, daß die acta personalla unsehlbar, unverletzbar und unantastbar ist, und daß der Beamte die Pflicht hat, vor diesem unsichtbaren Götzen einer Zeit lebenfremder Bureaukratie in Ehrfurcht zu er­schauern.

Die Kette des unsichtbaren Verhängnisses reicht von den Niederungen bis hinauf zu den

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ReichHost und Reichstag

Es bleibt alles beim Alten...!

Erledigung. Staatssekretär Dr. Delbrück beantwortete eine Anfrage in der Angelegerp-

Dt« Gaff eiet Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und ,war abends. Der AbonnementSvreir beträgt monatlich W Pfg. bei freier Zustellung ins Hau». Bestellungen werden iederzeit von der Besch i tSstelle oder den Bolen entgegengenommen. Druckerei, Serlag und Redaktion: Schlachchofftraße 28/3a Sprechstunden der Redaktion nur von 7 di» 8 Uhr abend« Sprechstunden der Auskunft Stelle - Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi« s Ubr abends Berliner Vertretung: SW. Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

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Zn welchem Jahrhundert leben wir...?

- Die Wege der Iustiz sind dunkel und uner- forschlich und der Ratschluß strafender oder ord­nender Gerechtigkeit bleibt zuweilen rein- menschlicher Erkenntnis so fern wie die §onne der Erde. Ein Fall, der dieser Tage vor t der höchstrichterlichen Instanz des Oberverwal­tung-Gerichts seine Erledigung gefunden, zeigt uns, welche tiefgehenden Unterschiede zwischen dem von Kultur und Ethik geformten natürli­chen Rechtsbegriff des bürgerlichen Gewissens und der vom Pallisadenzaun der Paragraphen abgegrenzten Gerechtigkeit-Erkenntnis staatlicher Justiz bestehen: Es handelt sich (wieder einmal! ; um das Verhängnis derConduiten-Liste", um 7 jene geheimnisvollen Personal-Akten, r die im Bereich der Amtstube das Schicksal bc- | deuten und die seit dem Tag ihrer Erfindung mehr Unheil gezeugt und mehr Menschenglück i vernichtet haben als die Barbarei eines ganzen i Jahrhunderts finstersten Mittelalters. In dem Fall, in dem soeben das Oberverwaltung-Ge- - richt als Hüter der Gerechtigkeit sein Urteil ge- \ sprachen, wurde der Zufall zum Versucher und ;um Schicksal-Träger, denn ein Zusammenwir- ~ ken eigenartiger Zufall-Momente fügte es, daß ein Beamter Einsicht in seine eignen Perfo- : »al-Akten gewann und sich nach Kenntnisnahme der seine menschlichen und amtlichen Qualitä­ten begutachtenden Eintragungen verpflichtet 1 glaubte, gegen das ihm durch die acta perso= gi nalia drohende unsichtbare Unheil Protest zu - erheben.

s In der Schicksal-Spalte der Conduiten-Liste sand sich nämlich, von der Hand des direkten Vorgesetzten persönlich eingetragen, der Ver­merk, daß das dienstliche Verhalten des Beim- ' .teu zu ernstlicher Kritik Anlaß gebe und sein Charakter Eigenschaften offenbare, die mit den . Pflichten und der ziemenden Lebensauffassung ; eines dem Staatsdienst Verpflichteten unver­einbar seien. Es läßt sich leicht ausdenken, wel- Mcho Empfindungen das ihm aus den Personal- !. offen entgegengrinsende Spiegelbild in der |T Seele des also Gekennzeichneten weckte, und es k ist menschlich durchaus verständlich, daß der p Mann, der sich wehrlos dem int Hinterhalt lau- E -entben Verhängnis preisgegeben sah, auf Mit- 7. lel und Wege sann, das ihm drohende Unheil 7 zu bannen. Sein eignes Gewissen sprach ihn von der Schuld, die von der Hand des Vorge- ' setzten ins Buch des Schicksals eingetragen war,

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und daß die Gefahr kriegerischer 9 Wicklungen droht. Mr verzeichnen gende Drahtmeldungen:

Rumänien droht mit Krieg!

(Privat-Telegramm.)

Dis Verhaftung der Spießgesellen.

Heute stütz sind in Berlin in einer ver­rufenen Straße auch die beiden andern Kom­plizen des Raubmörders Schöne verhaftet worden, so daß nunmehr sämtliche vier Ver­brecher in Haft find. Bei den heute früh Ver­hafteten handelt es sich um den erst achtzehn Jahre alten Arbeiter Franz Schliewert u. den neunzehnjährigen Arbeiter Georg Ker­sten, einen Bruder des gestern bereits verhaf­teten Willi Kersten. Die beiden Burschen habe« inzwischen ebenfalls ein volles Geständnis abgelegt und Schöne als den eigentlichen Mör­der und Urheber des Verbrechens bezeichnet.

ten zu erlangen. Hinzugefiigt wird noch, daß Bulgarien Rußland als Kompensation für diese Zustimmung die freie Durchfahrt durch die Dar danellen zu sichern sich verpflichten würde.

Die Stimmung in London.

(Privat-Telegramm.)

London, 11. Januar.

Wie das Reutersche Büro aufgrund von Mit teilungen aus diplomatischen Kreisen erfährt, herrk^t in London Unmut und wachsende Mißstimmung über die Lage. Es wird betont, daß dies zumeist der andauernden U n - Nachgiebigkeit der Türkei zuzuschreibcn ist und ferner den Nachrichten aus Bukarest, die zu Besorgnissen über die Gefahr von Verwick­lungen Anlaß geben, die aus der rumänisch- bnlgarischen Situation erwachsen können. Die gestrige Zusammenkunft der Botschafter, die stch hauptsächlich mit den in Konstantinopel zu er­greifenden Mitteln befaßt hat, zeugt fortdau­ernd von Nebereinstimmnng. Alle Mächte sind von der Notwendigkeit durchdrungen, daß die Türkei Adrianopel aufgeben müsse. ES ist be­schlossen worden, daß auf die Note, die von den Botschaftern in Konstantinopel vorbereitet wird, bald stärkere und entschiedenere Vor­stellungen bei der Pforte folgen sollen. Gestern gegen abend hatte der rumänische Gesandte eine Unterredung mit Sir Edward Grey. Diese Un terrcdnng hatte, wie versichert wird, sowohl mit der rumänisch-bulgarischen Frage, deren Aus fichten sich verschlechtert haben, wie auch mit dem Rückschlag dieser Frage auf die Hal­tung der Türkei zu hin.

Die Türken für den Krieg?

(Von unserm Korrespondenten.)

Berlin, 11. Januar.

Ihr Korrespondent hatte gestern abend eine Unterredung mit dem hiesigen türkischen Ge­schäftsträger Solib Kemal Bey. Dieser sagte mir über die Lage: Wir warten ab, wel­chen Vorschlag uns die Großmächte machen wer­den. Sie haben jetzt eigentlich die Pflicht, die Balkanverbündeten zur Nachgiebigkeit anzuhal­ten; denn fie hatten uns seinerzeit verbürgt, daß der Status quo aufrecht erhalten werden solle, möge der Krieg ausfallrn, wie immer es sein möge. Daß wir uns damals auf diese Zu­sicherung der Großmächte verlassen haben, ist unser Verderben gewesen. Wir haben jetzt so groß« Zugeständnisse gemacht, daß es den Großmächten wahrhaftig nicht schwer sein dürfte, den Bnlkanblock zum Nachlassen zu be­wegen. So viel, wie wir jetzt aufgeben wol­len, ist selten in einem Kriege verloren gegan­gen. Sowohl dem Balkanblock, wie den Groß­mächten muß daran liegen, daß die Türkei eine festkonsolidiertc Macht bleibt. Wir würden un-

Depesche« aus Sofia melde« «ns: Die rumänisch-bulgarische Frage, die durch die rumänischen Forderungen entstanden ist, ist (wie hier bestätigt wird) in ein äusserst kritisches Stadium getreten. Die bulgarische Regierung ist entschlossen, die rumänische Forderung auf Abtretung eines Territoriums einschließlich eines Küstenstreifens am Schwarzen Meer auf jeden Fall abzulehne«. Rumänien droht mit der Mobilifierung, falls es nicht innerhalb vierundzwanzig Stunden von Bulgarien Garantien bezüglich der Grenzregnlierung erhalte.

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London, 11. Januar-

Hier eingegangene Depeschen aus Buka­rest melden, die rumänische Regierung sei ent­schlossen, mit der Mobilisier ung der Truppen zu beginnen, wenn sie nicht im Ver­lauf von vierundzwanzig Stunden von Bul­garien Garantien n der Frage der Grenzregu- licrimg erhalte. Bor allen Dingen wünscht Ru­mänien die Schleifung der Befestigungen von SUistria. Man hält dieses Vorgehen hier nur für einen Bluff, bemerkt aber dazu, daß in die­sen kritischen Zeiten solche Experimente sehr gefährlich werden können. Die Times wol­len aus Bukarest erfahren haben, daß die rumä­nische Regierung die sofortige Besetzung jenes Streifens bulgarischen Landes beschlossen habe, den sie als Lohn für ihre Neutralität während des Krieges fordert. Die Bukarester Rcgiernng habe gefunden, daß die Verhandlungen mit Bulgarien zu keinem Ergebnis führten und es bleibe ihr deshalb nichts anderes übrig, als zu energischen Mitteln zu greifen, um ihre gerechten Ansprüche durchzusetzen. Rumänien werde keinen Augenblick mit der Mo b i l is i e - rung zögern, wenn Bulgarien seine Forde­rungen ablehne.

Nervosität in Paris.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 11. Januar.

Tie gestern nachmittag hier eingetroffenen Nachrichten von den militärischen Maßnahmen Rumäniens haben in den hiesigen politi­schen Kreisen eine autzcrodentliche Erregung hervorgerufen. Es bestätigt sich, daß die rumä­nische Regierung beschlossen hat, die M o b i l i - sierung ihrer Truppen zu beginnen, wenn innerhalb vierundzwanzig Stunden Bulgarien den rumänischen Wünschen gegenüber keine be- ftiedigende Erklärung abgegeben habe. Gestern abend wurde allerdings berichtet, daß die Ver­handlungen zwischen den Vertretern Rumä­niens und Bulgariens in Loudon ihren Fort­gang nähmen, wenngleich eine gewisse Span­nung zwischen beiden of-entsichtlich sei. Aus L o n do n wird hierher berichtet, daß die Situ­ation in der Friedensfrage bis zur Stunde vollständig u n v e r ä n d e r t sei. D-e Gerüchte über eine baldige Wiederaufnahme der Frie- dcnsverhandlungcn seien unzutreffend, und auch das Diner bei dem ftanzöfifchen Boffchafter Cambon habe nicht den gewünschten Erfolg ge­bracht. Nicht ein Einziger der Delegierten hat das Wort Friedenskonferenz ausge­sprochen.

Am Vorabend neuer Kämpfe?

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 11. Januar.

Eine Budapester Großbank erhielt ge­stern von wohlinformierter Seite die Meldung, daß die Reise des bulgarischen Ministers Teo- dorow nach Petersburg nicht mit militärischen Bestellungen, sondern mit der Wahrscheinlichkeit des Wiederausbruchs der Feindse-. ligkeiten auf dem Balkan zusammenhänge. Seine Aufgabe sei, die verantwortlichen Leiter der russischen Politik von ihrem ablehnenden Standpunkt gegenüber einem etwaigen Ein­marsch der Verbündeten in Konstantinopel ab­zuhalten und Rußlands Zustimmung zur Besetzung Konstantinopels durch die Bcrbünde-

Jn der gestrigen Sitzung des Reichs» g s standen zunächst drei fleine Anfragen zur ledigung. Staatssekretär Dr. Delbrück

Antertn Druck Europas.

(Privat-Telegramm.)

London, 11. Januar.

Tie Botschafter redigierten bei der gestrigen Zusammenkunft den Entwurf der Kollektiv uote, die der Pforte überreicht werden soll und ihr zum Abschluss des Friedens rät. Der festgeftellte Text wird noch nicht als definitiv betrachtet. Man weiss auch noch nicht, wann die Note überreicht wird, es ist jedoch wahr­scheinlich. dass dies schon heute geschehen wird. AuS Konstantinopel liegt heute hier folgende Meldung vor: Der gestern hier eingetrosfene rumänische Ackerbauminister gab die Erklärung ab. Rumänien und die Türkei seien seit langem darüber einig, daß sie sich ge­genseitig unterstützen werden, falls es zu einem Konflikt zwischen Bulgarien und Rn. mänien kommen sollte. Der Minister fuhr wört­lich fort:Wenn uns nichts anderes übrig bleibt, als der Abruch der Beziehungen, so wer­den wir fie abbrechrn. Ich wiederhole noch­mal, daß uns für jeden Fall der Beistand der Türkei sicher ist ...!" Man erblickt in dieser Aeußernng des rumänischen Ministers die Bestätigung der Befürchtung, daß bei der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten auch Ru- m ä n i e « sich am K r i e a beteiligen werde.

Gipfeln der amflichen Welt: sie zeugt Argwohn | und Mißtrauen zwischen Vorgesetzten und Un- . tergebenen. züchtet das Strebertum und die Ent- - würduug systcmattsch und untergräbt auf diese

Re Mörder von Srtwig.

Schönes sämtliche Komplizen verhaftet!

Wir berichten in der ersten Beilage über das Geständnis des Raubmörders von Ortwig und die Berhaftunq eines seiner Komplizen, des erst sechzehn Jahre alten Arbetters Ker­sten, der inzwischen ebenfalls ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, durch das alle Einzel­heiten des schauerlichen Verbrechens aufgeNärt werden. Kurz vor Redakttonsschluß geht uns dattiber folgender eingehender Bericht zu:

Der Mörder und seine Helfer.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Januar.

Der dreifache Raubmord an dem Ehepaar Kalies und dem Dienstmädchen Anna Philipp in O r t w i g ist jetzt völlig aufgeklärt. Der Mörder, der Knecht Otto S ch ö n e, hat tatsäch­lich drei Komplizen gehabt, die die Berliner Kriminalpolizei nunmehr kennt. Einer dieser Komplizen, der sechzehnjährige Arbetter Willi K e r st e n aus Adlersdorf, ist gestern abend in einem Restaurant am Grünen Weg verhaftet worden, und hat bei seiner Vernehmung em umfassendes Gestäudnis abgelegt. Danach hat Otto Schöne allein die drei Mordtaten begangen. Er hatte die drei Burschen aufge- fordert, mit ihm nach Ortwig zu kommen und bei ibm zu Mafen. In der Nacht entwickelte er ihnen den Plan der Beraubung des Steuererhebers Kaltes, der dann auch ausge- führt wurde. Jeder der vier Mörder betont hundertundzwanziq Mark. Schöne muß nach dieser Darstellung also später die drei Personen s e l b st e r d r o s s e l t haben. Dieser letzte Teil des Geständnisses Willi Kerstens ist natürlich mtt äußerstem Mißtrauen aufzunehmen. Be­stimmte Anzeichen sprechen dasür, dass die drei Burschen mit Schöne zusammen den dreifachen Raubmord verübt haben. Schwer belastend ist die Aussage der Grete Kaltes, der zufolge Schöne mit Willi Kersten erst das Schlafzim­mer der Mädchen betrat, nachdem zuvor dte Mutter wie das Mädchen hörte, erwürgt worden war. Es habe ein fremder Mann ver­sucht, sie selbst zu erwürgen, sei aber von schone davon abgehalten worden.

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Während in London Botschafter und Frie­dens-Delegierte über die Möglichkeit einer Beschleunigung des Friedensschlusses am Balkan beraten, ist am Balkan selbst neue Gefahr entstanden: Obwohl die rumänisch- bulgarischen Verhandlungen in London am Donnerstag wieder ausgenommen wurden, traten gestern nachmittag in verschiedenen europäischen Hauptstädten sehr ernste Ge­rüchte über die Verschlechterung der rumä- nisch-bulgarischen Beziehungen auf, und in Paris wurde sogar die Börsentendenz durch diese Gerüchte erheblich beeinträchtigt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Span­nung zwischen Bulgarien und Rumänien in ein sehr kritisches Stadium getreten ist