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Nr. 31.

Dritter Jahrgang.

WelerNM Möchten

1. Beilage.

Sonnabend, 11. Jannar 1913.

Die Sternen-Oscht

Sine astronomische Plauderei, von Dr. Felix Erber.

Der Tag mtt seinem Stott und seinen Sor­gen ist vergangen. Die klar« Nacht bricht an. und mit ihr kommen die Sterne herauf aus ihren ewigen Pfaden. In wundervoller Pracht blicken ste zur Erd« nieder, deren Licht sich mit dem ihrigen vermischt. Wieviel Erhabenheit und Zauber liegt doch in einer Sternennacht. Sie hebt das Gemüt empor zu jenen Leuchten und führt die Gedanken, die unser Innerer bewegen, in Weltallziiefen, um dort verwandt« Anklänge zu suchen. Mag die Winternacht noch so frostig, mag sie noch so wenig für viele be­gehrlich sein, dem Naturfreunde erschließt si ein Reich von ungeahnten Schönheiten. Und alle diese Reize, mit denen sich die Natur in den stillen Togen des Winters und des Schnees umgibt, sie klingen hinüber in jene Weiten, aus denen Sterne leuchten. Vielleicht herrscht auch dort die Winternacht, die das emp­fängliche Gemüt zum Ausblick nach dem Fir­mament« anregt. Die Winternacht ist es ja, die einen unübersehbaren Reichtum an lichten Punkten über uns auslöst. Sie alle reden zu unS eine beredte Sprache, von Urtagen begin­nend bis zu dieser Stunde. Die erzählen uns, daß unser« Kugel, an di« wir unS ein kurzes Leben so ängstlich klammern, nichts anderes ist, als «in winziges Stäubchen unter all' dem Sternenstaube, der den Raum ersüllt.

Harmonisch baut sich aus diesem Sternen­staube daS Universum in seiner Vollen­dung und in seiner Schönheit auf. und doch vermögen wir diesen Aufbau nicht, zu soffen. Eine unendliche Größe liegt über dem Welt­gebäude ausgebreitet! Vor ihr verschwindet alles irdische Maß. alle irdische Größe! Was ist denn groß und klein, was hoch und nied­rig, war oben und unten an den Maßen des Weltalls, an Sternenwetten gemessen? Im Rahmen de? Kosmos ist die Erde (für unS ein Riesenball) nichts anderes, alS ein Atom und aus Milliarden und Abermil- liarden solcher Atome setzen sich Sonnen­inseln und Sternenarchipele zusammen. So lehrt uns der Sternenstaub, daß im Getriebe der Welt nichts zwecklos und nichts überflüs­sig ist. AIS die Sonnen aus dem Urnebel sich formten, war ihnen jedes Stückchen Materie mit mathematischer Genauigkeit zugeteilt. Die Größe, das Gewicht, die Dichte der Himmels­körper hat seine ganz bestimmte Anordnung, ist sorgfältig abgemessen und gegeben worden, um die Wirkung der Gesetze nicht zu gefährden, die bi« Welt erhalten!

Unter Zugrundelegung dieser Gesetze emp­fing auch unsere Erde den ihr zukommenden Teil von weltbildender Materie. Nur diese, unsere Kugel vermag Menschen zu. tragen, und damit sie daS kann, erhielt sie eine bestimmte Schwere, ein« bestimmte Dichte, ein bestimm­ter Gewicht, eine bestimmte Atmosphäre, die sie nach dem kalten Roum« hin abschließt. Land und Waffer wurden auf ihr in einer ganz bestimmten Weise verteilt, sie bekam eine bestimmte Achsenschiefe und eine bestimmte, Entfernung von der Sonne? Aber, wer, außer den Gelehrten, achtet darauf? Die große Menge geht ganz gleichgültig an diesen Din­gen vorüber, ihr erscheint alles ganz selbstver­ständlich. waS in den Räumen deS Universums sich abspielt. Die Gestirne sind große Frage­zeichen. die un? zum Nachdenken auffordern! Wir sehen das Licht der Sterne, und wir wissen, daß eS von de« größten Entfernungen her zu unS gelangt, von den Grenzen des Uni­versums. Aber vielleicht kommt doch nicht das Licht aller Sterne bis zu unS? Vielleicht wird «S unterwegs abgelenkt oder verschluckt? Ist dies der Fall, dann sind die fernsten Sterne der Milchstraße, di« Fernrohr und lichtemp­findliche Platt« unk enthüllen, noch lange nicht die Einfriedung deS SternenreichsS.

Weit draußen hinter jenem lichten Saume liegt dies« dann und das Ficht, das vielleicht Sunderttaufende von Iabren von dort ber braucht, um bi? zu den Sternen zu gelangen, die wir noch feben dürfen, kommt uns niemals zu Gesicht! Was ist denn übmhaupt das Licht? Etwas unS durchaus Rätselhafter! Ein Wort für eine Ersche'nunq. die wir gewahren, deren Wirkungen wir verspüren, die wir in ihrem Innersten aber dennoch nicht zu erfassen vermögen. Vielleicht liegt in dieser rätselhaf­ten E"lchejnuna. die wir L-cht nenne«, das Ge­heimnis des Läbens. Es werde Licht! . , . vielleicht be-ßt es auch: .ES werde Le­ben!" Das Kleinste, waS wir unS denken können, ist ein Atom. Aber, was ist ein Atom? Ist es ir<6f wieder der Deariif für ein« Menge von Teilchen, die noch kleiner sind als das Atom? Wenn Nur auch diese kleinsten Teilchen nicht mehr mH unimem verschärften Auge erken­ne« können, sie eristieren dennoch.

Wo aber finden diese letzten Teilchen des AtomS ihren Ausgangspunkt? Wie

nun. wenn sich das Sicht, daS von den Sternen her zu uns kommt, auS solchen kleinsten Teil­chen aufbaut«, und wenn der letzte Grund d«S LichteS etwas Geistiges wäre? Dann läge im Lichte daS Geheimnis des Lebens, dem wir unaufhörlich nachspüren, um unser eigenes Ich zu verstehen! Wenn das Leben mit alff seinen Keimen in den Feuerbällen lag, auS denen sich dann Sonnen und Planeten bildeten, dann hat daS Leben auch im Urnebel schon gelegen, auS dem di« Sonnen deS Firmamentes einst wurde«. In diesem Urnebel, in einem Son- uenfeuerball ruht also die Existenz der Erde, und in der leuchtenden Masse, di« dann erkal­tet« und auf der sich aff die Wesen zeigten, die wir kennen, wiederum unsere Existenz. Das alles sagt uns das Licht der Stern« in der stillen Winternacht!

Das Licht ist bas sichtbar« Band, daS uns mit all' den leuchtenden Welten geistig verbin­det. aber auch körperlich, denn der Stoff, aus dem wir bestehen, ist der Stoff der Welte» .. . ist Sternenstaub! Noch eins lesen wir vom ge. stirnten Firmament« ab, nämlich eine wunder, bare Gesetzmäßigkeit und Harmonie. Die Dahnen der Sterne, di« sich durch den Raum und um ihresgleichen ziehen, regeln fest« Ge­setze, Gesetze so wunderbarer Natur, daß wir sie (so einfach st« in Wahrheit auch sein möge«) doch nicht völlig ergründen können. Wir kennen nur das Walten dieser Gesetze!

Si« bewirke«, daß die Sonnen au? sich selbst heraus Licht und Wärme schaffen, indem ste stch immer mehr und mehr zusammenziehe«. Sie lasse« jeden Himmelskörper um sein« Achs« kreise« und beben dies« Achsendrehung wieder auf. Sie bewegen die Planeten und Sonnen- körper und führen die Kometen auf langge­streckten Ellipsen durch den Raum. Sie sor­gen dafür, daß irrende Weltensp Atter, welche der gesetzmäßigen Ordnung entronnen schei­nen, wiederum harmonisch in den Weltenver- kchr eingereiht oder aufgelöst werden. Diese Gesetze endlich bewirken, daß sich auS Rebeln Sterne bilden und diese wieder in di« Nebel­form zurücksinken, wenn ihre kosmische Phase beendet ist.

Im Walten der großen Gesetze flehen auch alle Wesen, die auf den Himmelskörpern wohnen. Darum muß im Getriebe per Welt eine großartige Ordnung herrschen, ein großartiger Ausgleich, «in heres Gerechtigkeitsprinzip, daz wir nicht völlig erkennen, nicht völlig überse­hen und darum auch nicht völlig begreifen kön­nen. Dieses große Prinzip des Ausweiche- schafft nicht bloß in unserem Leben, sondern auch in demjenigen der Stern« dir Gegensätze, an denen flch alles abfchleiftn muß, waS in die W?lt der Erscheinungen bisher trat. So zw«S- loS. so ungerecht und so unangenehm unS auch diese Gegensätze erscheinen mögen: Sie sind wichtige Faktoren im Haushalte her Natur. Diese Gegensätze zeigen unS. daß in der ganzen Natur nichts VoMommeneS existiert, sondern daß allez den Weg zur Höhe und Vollendung wandeln muß: Menschen und Sterne! Die beide« größten Gegensätze sind das Leben und der Doh. Sie regieren die ganz« Welt: UnS und auch die Sterne! DieNeuen Sterne*, di« immer wieder in den Diele» do« All- auf­keuchten. sie sagen unS. daß Weltfpflem« in kos­mischer Katastrophe zugrunde gingen. Feuer­kugeln und Sternschnuppen, di« sich an unserem Lustgürtel erhitzen, di« auflenchte» «nid in tbm verdampfen, zeigen uns im Kleinen diesen VernichtungSprozeß, der an viele« Stelle« des Weltalls in immenser Gewalt «nd Größ« vor sich geht, wie eS uns di«Neuen Sterne* an deuten!

Diese Gegensätze stehen gleichfalls, wie al­les andere, unter dem Walten der Naturge. setze. Durch si« schafft- die Natnr jene wun­derbare Harmonie. Jeder Stern ist «in Gedan­ke, der (stumm fixiert) von der Natur gegeben wurde, und alle lichten Gedanken (die Sterne am Himmel) zutammenoenomme». ergebe« je­ne großartige Schönheit und WeiShe.it, die die Natur in ihren Deltenpla« bi«ei»l«ote Ein Haust« Buchstaben macht «o* kein Gedicht und baut «sw keinen Roma« aus; aber, wenn e? einer versteht, die Buchstabe« zu Worten und Sätze«, zu einem formvollendete« Ganzen zu ordnen, dann wirkt di«? in seiner Eigenart, umso schöner und aroßartiger. je großartiger e? der Meister verstand, da« Ganze in Harmonie und Formvollendung zu bringe«. So ist es auch mit den Atome«: De« Ster«««! Sie hot die Natnr in eine wunderbare Harmonie «nd Formvollendung getaucht, darum mutz ®r Arriba«. daS Universum, a«f dm mit all«' Krast wirken, der ffch in dies- Harmonie mit Freude und Jift^rerte vertieft! DaS ist die Schönheit, die Pracht «nd das ffle, heimniS der Sternennacht . , !

Bauer« der Ortes diente«, gewonnen haben. Darauf lassen wenigstens die Angaben der bei­den Kinder der Kaliessche« Eheleute. zweier Mädchen im Mter von sechzehn und dreizehn Jahren, die man bewußtlos in einem Klender- Schrank ausgefunden bat. schließen. Das Ver­brechen gelangte am Montag zur AuS'ühruna Als der Besitzer Kaltes in frühester Morgen- stunde der Gewohnheit gemäß seinen Knecht wecken wallte, überfiel ibn dieser, der im Dun­keln auf ihn gelauert haben mußte, und tötete ibn vermutlich mit Hilfe feiner Spieß gesellen. Durch das lange Ausbleiben ihres Mannes be­unruhigt, begab sich di« Ehefrau auf bett Hof. Dort w urde sie gleichfalls übevsaLa» «nd aetStet.

Dann gingen di« Mörder in feie Wohnräume d«S KalieSfchen Haus«-,

überfielen das Dienstmädchen

und stachen eS nieder. Die Leiche d«S Mädchens ttnnfbe in der Futterkrippe deS Pferdeflalles ausgesunden. Die beiden Kinder der KälieS- schen Ebeleute wollten die Mörder wohl scho­nen. Sie steckten sie ht einen großen Kleider- schrank, verschlossen und verbarrikadierten ihn. nachdem sie den Mädchen Brot und andere Eß­waren verabreicht halten. Die beiden Kinder wurde« in dem Schrank, ht dem si« zwei Tage und zwei Rächt« gefangen waren, völlig ent» krähtet tob bewußtlos aukgefmlda». Sie ver­

mochten rott mit Mühe einige Angaben zu ma- chnr. Nachdem fo sämtlich« Beiwohner des Gc- HSsts unschädlich gemScht waren, gingen die Mörder an die Durchsuchung der Räume. Sie fallen stn Ganzen rund 360 M. erbeutet haben.

*

®ee Mörder verhaftet!

Bereits hn Laufe des gestrigen Nachmittags hat den Knecht des Gutsbesitzers Salih, ben Hauptschuldigen ht der Mordaffäre, daS Schick­sal ereilt: Er wurde in dem Dorfe Grabe« bet Großneuendorf in der Nähe von Wriezen ver­haftet. Wie verlautet, heißt der Mörder Hem- rich; er soll flch jedoch auch Otto Schöne nenne«. BIS er an der Seite eine« hiesigen Gendarmen die Stufen zu dem Kakih'schen Hause empor» stieg, schien eS, al« ob er sich toSteiften wollte Ein fester Gr ss des Beamtet schob ihn vor­wärts. Sobaw die beiden Kinder des Ehe­paares deS Festgenommenen ansichtig wurdet, stießen sie schrille Schreie aus und begannen, herzzerreißend zu weinen. Bei der ersten Ver-i nehmung gab der Knecht zu, bei dem Verbrechen mitgewstki zu haben, er sei aber nur daS Werk­zeug von fünf andere« Leuten. Die Mitschul-! feige« sind noch nicht ermittelt

Aus aller Wett-

Der Tinbrecher-DoPpelgLnger.

Einen sehr unangenehmen Doppelgänger hafte ein Kaufmann in der Fehrbelliirerstraße in Berlin, dem erst jetzt bekannt wurde, daß sein Name schon längere Zeit von einem Ein­brecher mißbraucht worden ist. Als ein Villen-- besitzer in Tegel abends nach Haufe zurückkehrte, fand er in feiner Wohnung affe Schränke er­brochen. Der Einbrecher befand stch noch im HauS. Der Pillenbefitzer stellte ihn und wollte ihn festnehmen. Dem Dieb gelang «S jedoch, durch das Fenster in den Garten zn spring«« und zu fliehe«. Passanten verfolgten ihn, und einem Straßenbahnschaffner gelang «S, den Flüchtigen festzunehmen. Der Dieb gab sich als ein Kaufmann aus der Fehrbellinerstraße aus und zeigt« auch dessen Papiere vor. Als die Berliner Polizei auf Veranlassung der Te­geler Polizei einen Schutzmann in die angeb­liche Wohnung deS Verhafteten schickte, war der Beamt« nicht wenig überrascht, den angeblich Verhafteten selbst anzutreffen. Bei kiefern war di« Ueberroschung noch größer. Er konnte «ach- weisen, daß er zu der fraglichen Zeit nicht in Tegel gewesen war. Die Sache klärte stch jedoch bald aus. Der Einbrecher wurde durch den Er­kennungsdienst der Kriminalpolizei als et« alter Zuchthäusler namens Karl Dunkel iest- gestellt. Die fraglichen Papiere aber waren dem Kaufmann vor längerer Zeit gestohlen worden, ob von dem Verhafteten oder einem, andern, fft noch nicht fest gestellt.

Die Tragödie einer Ehe.

In «totem Hotel in Reichender« in Böhme« hat sich, wie wir bereits kurz berichte­ten, ein« furchtbare Ehetragödie abge­spielt, der et« Ehepaar Lang und dessen tleb ner Sohn zum Opfer gefallen sind. Dazu wer­den jetzt noch folgende Einzelheit«« gemeldet: In einem Vorort« von Berlin wohnt di« Schwester der Frau Helen« Lang, di« Fra« eines Apothekers. Das Apotheke rohepaar batte feilt Jahren den kleinen Sohn der Frau Lang in Pflege. Ende Dezember erschien nun Fra« Lang bei ihrer Schwester und brach!« bet ihr einige Tage zu. Plötzlich war sie mit ibrem Sohne verschwunden. Ein Angestellter der Apo» rtjele erzählte, daß sich Frau Lang vor ihrem Weggange angelegentlich nach der Aufbewah- mngsstelle für Morphium erkundigt hätte. Un­ter diesen Umständen begaben sich der Apothe­ker und feine Frau, da sie ein Unglück ahnte«, sofort auf die Reise nach Reichender«. Als si« hier eintrafen, waren aber di« Leiche« des Ehe­paares Lang und deS kleinen Knaben bereit? aufgefunden worden. Frau Lang war seit iech» Jahren verheiratet. Bald nach der Hochzeit stellten stch ober zwischen den Ebeleuten Dlsf«- renzen ein, sodaß sie sich trenntett. Frau So«,, verstand es jedoch, eine Versöhnung mit ihrem Gatten zustande zu bringen, mit dem sie «tot Hotelzimmer bezog; sie holte darauf daS K nd ah. Wahrscheinlich ht der Nacht zum zweiten Januar ist dann die schrecklich« Tat geschehen. Frau Lang erdrosselte erst ihren schlafenden Mann und den Knaben und schließlich flch selbst.

Eine? Fliegers Heldentod.

Ueber den Heldentod des bulgarischen Mili­tärfliegers Leutnant Topralfchew vor Adrianopel werden uns folgende Einzelheit«« berichtet: Topralfchew erhielt de« Befehl, emen RekognoszierunaSflug über die Stadt $n unter­nehmen. Er bestieg sein Flugzeug, nahm Rich­tung auf Adrianopel und senkte stch über der Stadt bis auf 60 Meier über den Dächern berab. um genaue Beobachtungen machen zu können. Trotz des Feuers der Türken konnte er zurückkehren, doch die Flügel seines Flugzeuges waren buchstäblich von Kugeln durchlöchert und fünf Geschosse hatten den Motor getroffen. Aber der kühne Flieger brachte auch die unschätzbare Kunde, daß eine ganze türkische Division mit Artillerie und Kavallerie an einem bestimmten Punkte der Stadt bereits marschbereit steh«, um einen Ausfall zu machen. Sofort narb Erstat­tung dieser wichtigen Meldung ergänzt« er Benzin und stieg wieder auf, um die Bew-zun« gen der türkischen Truppen zu beobachte«. Er wurde von einem Geschoßhagel empfangen. Plötzlich fah man. wie aus dem Flugzeug Flammen emporschlugen; wenige Sekunden später begann der Apparat schnell zu finken, der Fliegerleutnant suchte durch ein verzweifel­tes Manöver das fallende Flugzeug noch zu lenken: er erreichte in der Tat daß der Appa­rat mitten unter der türkischen Kavallerie nie- derging und dabei noch eine Anzahl Feinde außer Gefecht setzte. Als der Körper des Flie- grrs geborgen wurde, fah man, daß er flch un­mittelbar vor dem Aufprall eine Kugel in den Kopf gejagt hatte, die erstarrte Hemd hielt noch bat Dieustrevolver umklammert,

Jas Stadt-Parlameut.

®U erste Sitzung int neuen Jahr.

»mn ersten Male nach Weihnachten und im neuen Jahre fanden sich gestern abend die Stadtverordnete« wieder zu gemeinsamer Sit­zung im Rachaussaale zusammen. DaS HauS ttxn ziemlich vollzählig, nur die Stadtverord« «eien Geheimrat Dr. Henschel. Direktor Pulver­macher, Hosfleischermecster Schnell, Privatmann Sinning, Dr. Stueck und der in Berlin weilen­der ReichStagSabgeordnete Thöne fehlten. Am MagistratSPlatze wären beide Dtadtoberhäup- ter mit stattlichem Gtadtratstabe erschienen; aber di« Tribünen ließe« den sonst zu beobach­tenden guten Besuch vermissen. DaS machte die ««haltlose Tagesordnung. Rur füns Punkte wa- rett angesetzt, wozu noch zwei weitere beigefügt wurden, Kurz vor halb siebe« Uhr ließ bet Vorsteher, Justizrat Dr. Schier, die Präst- dentenglocke erklingen und begrüßte dann die Kollege« mit herzlichen Worten. Seine Wün­sche für daS neue Jahr galten einem friedli­chen, gedeihlichen Zusammenarbeiten zum Wohle der Vaterstadt.. . . Nunmehr wurde in di« Ta­gesordnung eingetreten, und Stadtverordneter Fr. Scheel referierte über die Bereitstellung von Beleuchtungs- und Unterhaltungskosten der Treppenanlagen des Königlichen Theaters, der Ost- und der Westtreppe, die jetzt durch Ver­trag freigegeben worden sind. Als zweiter Be­richterstatter gab Dtadv. Sondermann dem Wunsche Ausdruck, die Treppen möchten

unabhängig vom Theater

beleuchtet werden. Eine Debatte teert nicht ein, und die Vorlag« fand glatte Annahme. Eben­so erging es einer Nachbewilligung, die Stadw. Hoffmann befürwortete. Air beschleunigten Abwicklung des Verkehrs bei der stäbtischen Sleuerkaff« ist fett Juni dieses Jahre eine Re­gistrierkasse für 2409,30 Mark an geschafft worden, die sich gut bewährt hat. Der Referent konnte die Vorzüge dieser Kasse nicht hoch ge­nug preisen. Falls neue Kaffen angeschafft werden sollen, wird den Stadtverordneten vorher ein« besondere Vorlage zugehen. Da der zweit« Referent, Statdtv. Wertheim, nichts hinzuzufügen hatte, wurde bte erwähnte Summe nachbewilligt. Ein r«ht verklausu­liertes Vermächtnis von 25000 Mark hatte Kaufmann Adolf Harloff der Stadt gemacht mtt der Bestimmung, daß hundert Jahre lang seine Grabstätte durch die Stadt geschmückt und unterhalten werde. ES haben über verschieden« Punkte dieses Vermächtnisses juristische Ver­handlungen geschwebt, und schließlich kam man überein, von der Mrma des NachlasterS 1500 Mark anzunehmen. Damit waren auch die Stadtverordneten einverstanden, Nachdem noch die Rechnungen der Murhardschen Stiftung für daS Etatsjahr 1911 sowie der Bürgerschule 1 und 15 genehmigt waren, wurden außerhalb der «igentltchen Tagesordnung zwei weitere Vorlagen erledigt. Zunächst ergriff Stadtv. Rosenzweig alS Referent das Wort. Die Perkehrskommission und der Kurhessische Ver­ein für Luftschifffahrt, Seftion Cassel, haben Schritte getan, um zu erwirken, daß der

oberrheinische Zuverläffigkeitsflug,

der vom elften Mai von Wiesbaden au« be» ginnt und mtt Anschlitß eines Wasserflugzeug- Wettbewerbs auf dem Bodensee in Konstanz endet, auch über Cassel geht. Geschieht dies, dann wüvde ht der in Frage kommenden Zett auch Prinz Heinrich ht Cassel sein. Der Magistrat empfahl nun, für die Vorbereitungen zehntausend Mark zur Verfügung zu stellen, mit der Bedingung, daß die Angelegen­heit von der Stadt Cassel weiter verfolgt wird. Ei« großer Teil, so erklärte der Referent, wird von diesen zehntausend Mark wieder durch Ein­nahmen hereinkommen. Stadtverordneter Son­dermann, ber als Förderer des Luftfahrt- Wesens bekannt ist, emvfahl die Zustimmung zu der Vorlage, uttb allgemein wurde diesem Vorschlag Folge geleistet Dieser Flug wurde dann das Präludium der Tausend- iahrfeier sein. Das Wort ergriff nie­mand von den Stadwerordneten, auch nicht Bei der letzten Vorlage, die Stadtverordneter Dr. von Mild vorbrachte. Er brach eine Lanze fit den Verein zur Bekämpfung der Schwindsucht, dessen Ausgabe« dttrch die Einnahnren nicht gedeckt werden, und forderte «ine eimnalioe außerordentliche BeihUfe von fünfhundert Mark. Auch diese Porlaoe wurde angenommen und nach kaum halbstündiger Dauer war die öffenttiche Sitzung beendet. Die Stadtväter blieben aber noch lange htgeschlosse­ner Gesellschaft* beieinander. H.

Her flrttoiget Massenmord.

Ein polnischer Knecht als Mörder.

Das furchtbare Verbreche« i« dem mär» kffchen Dorfe Ortwig, über das wir bereits in der gestrigen Nummer der Casseler Neuesten Nachrichten ausführlich berichtet haben, fft, wie sich jetzt herausstellt, viel grauenhafter gewesen als man anfangs annabm. ES handelt sich um die geradezu bestialische Ausführung eine? lange geplanten und sorgfältig vorbereitet«« Raubmords. Der Haupttäter, der polnisch« Knecht des ermordeten Ehepaares, hat allerlei unzutreffende Gerüchte verbreitet, um Mt Leute irrezuführen. Ueber die Ausführung der entsetzlichen Tat geht unS «och folgender Be­richt zu:

Hm dreihundertsechzig Mark.

(Bericht unserS Korrespondenten.)

Berlin, 10. Januar.

Der Bauerngutsbesitzer Fritz Kaltes ver­sieht in der Gemeinde Ortwig auch das Amt eines Steuereinehmers. Sein Knecht, ein Mann in mittleren Jahren und polnischer Herkunft, wußte, daß sein Dienstherr nach Neujahr grö­ßer« Beträge im Haufe haben würde. Er faßte also den Entschluß, seinen Herrn zu ermorden und zu berauben. Für den Mardvlan soll bei Knecht mehrere Landsleute, die W