Einzelbild herunterladen
 

COlerNeueste MchriAen

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 31. Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, 11. Januar 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

Dt« taflet er Neueste» Nachrichten erscheine» wocheEch sechsmal m» «war abends. Der Kboimementepret* beträgt monatlich 60 Pfg bet tretet Zustellung ins Haus. Bestellungen werden seder»eU von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen Druckerei. Verlag und Redaktion: Schlachtholstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nut non 7 bis 8 Uhr abends Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Krettag von 6 bis 8 lldr abends. Berliner Vertretung: SW, ffrtedrtchstr 16. Telephon: Amt Morttzplatz 678.

Jnlerrumspretfe: Die sechsgespaltene geile fte einhetmtsche Leschcktte 15 «kg.. htt aus wärttge Inserate 25 Ps, ÄetlamejeUe für einheimische Geschäfte to <31, füt auswärtige Geschäfte «0 M. Stnfache Beilage» für die Sesamtaustage werden atU 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen chrer dichten Verbreitung t» der Restden, und der Umgebung stnd die Laffeler Neueste» Nachrichten et» vorzügliches Jnsertionsorgan Geschäftsstelle. Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt Morigpla» «76

Frauenkrise... Mknifterkrise.

Hie Asquith, Hie Grey!

England, die Heimat des extremen Frauen: rechttampfes. hat nicht nur die eigenartigsten Erscheinungen der auf den Kampf gestimmten Frauenbewegung hervorgebracht, fon- 7>crn seine um Wahlrecht und politische Privi­legien mit allen Mitteln wildester Leiden- schaftlichkeit ringenden Frauen haben durch die alle Bande srommer Scheu rücksichtslos durch­brechende Form des Kampfes einen »Typ für sich" geschaffen, von dem sich wirklich nicht sagen läßt, daß er dem zwanzigsteMtzahryun- dert zur Ehre gereicht. Wer England kennt und mit den unbeschränkten Freiheiten des öffentlichen Lebens auf englischer Erde ver­traut ist, wird allerdings eher geneigt sein, im Wesen des englischen Susfragettentums einen Ausfluß exaltierter Emanzipation-Regun­gen, denn eine im Intellekt des englischen Frauentums wurzelnde Sitten- und Rechte- Revolution zu erblicken, deren Voraussetzungen im ganzen Tatbereich der Sufftagetten-Bewe- gung fehlen. In England selbst beurteilt man den auf die Straße getragnen Kampf der Suff­ragetten sehr kühl und ohne tiefergehendes Jnterefle als ein politisches Krankheit­merkmal unsrer an Abnormitäten und De­generations-Symptomen ohnehin reichen Zeit, und darauf ist es Wohl auch zurückzuführen, daß in der öffentlichen Meinung des Jnsel- reichs die im Suffragettentum sich offenbaren­de starke Leidenschaft-Kraft immer noch achtungsvolle Schätzung erfährt, trotzdem die Methode des Kampfs zu schärfstem Wider­spruch herausfordert.

Man kann diese eigentümliche Erscheinung vielleicht in d e m Sinne deuten, daß die d e e der politischen Frauenbewegung in der öffent­lichen Meinung Englands längst sichern Wur­zelboden gefunden hat und daß ihre praktische Nutzanwendung nur durch die üble, jede Lei- denschastregung sich dienstbar wachend- Art ihrer Propagierung gehindert wird. Während in den skandinavischen Ländern, in denen die Frau viel später sich zur Erstrebung politischer Rechte regte als in England, das Frauenwahlrecht längst Wirklichkeit geworden ist, während fetfrft in Finnland und in Böh­men die moderne Frauenbewegung zu sichtba­ren Erfolgen geschritten, ist der englische Frau- enkampf heut (nach jahrelanger, an Intensität und Leidenschaftlichkeit fast unerreichter Krast- onwendung) dem Ziel seines Strebens nicht nur nicht näher gekommen, sondern hat den Abstand zwischen Ideal und Wirklichkeit sogar noch erheblich v e r gr ö ß e r t. Es darf damit als erwiesen gelten, daß die politische Frauen­bewegung zwar eine Kampf-Organisation sein kann (weil sie Rechte erstrebt, die ihr bisher versagt waren), daß sie auf der andern Seite aber nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn ihre Bestrebungen von der Sympa­thie der nationalen Gesamtheit getragen werden und sich nicht (wie in Eng­land) allen ethischen und ästhetischen Tradi­tionen wild entgegenstemmen. Denn schließ­lich soll doch die Evolution und nicht die Revolution den Weg zum Ziel bahnen!

Umso überraschender kommt nun aus Lon­don die Kunde, daß wegen der Frauen­frage im englischen Kabinett der Ausbruch einer Krise droht. Das Minffterium As­quith hat (man kann das nicht verschweigen) in der Behandlung der politischen Frauen­frage von Anfang an eine wenig glückliche Hand gezeigt; es hat nicht nur nicht verstan­den, das Sufftagettentum zu bannen und die üblen Auswüchse des von ihm gefühtten Kampfs zu besettigen, sondern es hat durch offenbare Verständnislosigkeit gegenüber den berechtigten Forderungen der Frauenbewegung die Regierung in den Verdacht reaktionärer Verknöcherung gebracht und damit die Suffra- getten-Exzesse gewissermaßen als Märtyrer- Heldentaten sankttfiziert. Der Erste, der dies erkannte, war Sir Edward Grey, der eigentliche staatsmännisch-produttive Kopf im Kabinett Asquith, der sich nicht damit begnügt hat, die fanatisierten Stimmrechtsfrauen dem Polizeirichter zu überantworten, sondern be­müht war, die Ursachen und tteibenden Kräfte der Bewegung bis zum Wurzelboden sestzustellen. Sir Edward Grey hat mit den Führinnnen der englischen Frauenbewegung im letzten Herbst wiederholt eingehend über die Möglichkeiten eines Kompromisses zwi­schen Regierung und Frauenpariei konferiett, und das Ergebnis dieser Verhandlungen war Nie Ankündigung Greys, daß die Regierung in die bevorstehende Wahlreform-Bill eine Klau­sel aufnehmen werde, btt gewissen Gruppen von Frauen das Stimmrecht sichern werde.

Premierminister Asquith, der. der Frauen­bewegung stets als schroffer Gegne. gegenüber-

gestanden. hat erklärt, daß er unter keinen Um­ständen im Amte bleiben werde, wenn den Frauen durch Gewährung des Stimmrechts ein Einfluß auf Politik und Regierung zuer- tonttt werden sollte, während von Sir Edward Grey berichtet wird, daß er seinerseits als Mtt- glied der Regierung den Führern der Frauen­bewegung bindende Zusagen gemacht habe. Die Frauenfrage bei der neuen Wahl- resorm wird also voraussichtlich nicht nur über Krieg und Frieden in der innern Polittk Eng­lands , sondern gleichzeittg auch über das Schicksal des Kabinetts Asquith ent­scheiden. Interessanter aber als diese Tatsache ist das in diesen Zusammenhängen erkennbar werdende politisch - psychologische Moment, das uns die Einwirkung der politi­schen Frauenbewegung auf die Politik eines parlamentarisch regierten Landes plötzlich in ganz neuem Lichte zeigt. Man muß berücksich- ttgen, daß die Exzesse des Susfragettentums in England der Frauensache fast alle Sympathien der Oeffentlichkeit geraubt haben und daß dort der Kampf um das Frauenstimmrecht Formen angenommen hat, die die Bewegung an sich entwürden und der Sache verhängnisvoll scha­den. Sir Edward Grey ist sicher kein schwärmerischer Bewundrer des Straßenkampss der Suffragetten, aber er hat erkannt, daß die Ursachen der politischen Frauenbewegung in der sozialen Struktur unsrer Zeit wurzeln und müht sich, dieser Tatsache Rech­nung zu tragen. Welche Konsequenzen sich aus den dabei erkennbar gewordnen Gegensätzen im Kabinett ergeben werden, läßt sich im Augenblick noch nicht absehen; interessant ist das Faktum-aber jedenfalls, und man darf ge-' spannt sein, welche Wirkungen daraus cm- porwachsen werden! F. H.

D!e neuen Rüstungs-Millionen.

Die Post hält ihre Mitteilungen aufrecht!

Zu der von der Post verbreiteten, gestern von uns erörterten Meldung über eine neue Militärvorlage verlautet in politischen Kreisen, daß die Ausbildung der Ersatzreserven überhaupt keiner Gesetzesvorlage bedürfe, und daß auch Aenderungen in der Bespannung der Artillerie nicht durch ein Sondergesetz, sondern durch den Etat angefordert werden könnten. Im übrigen stehe über den Umfang der aller­dings zu erwartenden Vorlage noch nichts fest. Die Post selbst hält ihre Mitteilun­gen über den gegenwärtigen Stand der Vor­lage aufrecht. Von unterrichteter Seite wird uns zu den neuen Militärforderungen ge­schrieben:

Was ist nun wahr?

(Von unserin militärischen Mitarbeiter.)

Berlin, 10. Januar-

An zuständiger Stelle wird die Nachricht von einer neuen Militärvorlage nach wie vor als unwahr bezeichnet. Sicher ist zunächst nur, daß der größere Ausbau der Luftfahrt im Heere bevorsteht. Aber auch hierüber sind noch keine endgültigen Besttmmungen getroffen wor­den; nur so viel kann heute gesagt werden, daß sowohl die deutsche Lustschiff-Flotte, wie der Flugzeugpark einen beträchtlichen Ausbau er­fahren sollen. Auch jetzt wird wieder in der Presse vielfach von der beabsichttgten Aufstel­lung von Kavallerie-Divisionen im Frieden berichtet. Diese Forderungen werden bereits seit Jahren erhoben. Auch hervor­ragende Fachmänner treten mit dem Hinweis auf andere Heere für die Schaffung von Ka­vallerie-Divisionen im Frieden ein, und es ist kein Zweifel, daß diese ein ernstes Erfordernis bedeuten und eine der zurzeit wichtigsten Fra­gen sind. Die Aufstellung von Kavallerie- Divisionen im Frieden würde die kavalleristische Ausbildung stark fördern und auch die Scklag- krästigkeit der Kavallerie bedeutend erhöhen. Der Wett der modernen Kavallerie-Divisionen liegt in ihrer mannigfachen Zusammensetzung, durch die sie im Ernstfälle eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Die Kavallerie-Division ist die Truppe, die sofott beim Beginn der Mo­bilmachung über die Grenze geworfen wird und die kriegerischen Operationen einleitet. Unter diesen Umständen erscheint also die Sckaf- fung von Kavallette-Divisionen dringend wün­schenswert.

Keine angenblkrkliche« Bedürfnisse!"

Wie weiter aus Berlin verlautet, wird über­einstimmend versichert, daß n i ck> t a l l e S das verlangt werden wird, waS die Post aufgezahlt hat, und was in der Tat eine Zusammenftel- lnug aller der Wünsche war, die militärischer­seits seit längerer Zeit propagiett werden. Alles weitere muß man abwarten. Der offi­ziösen Versicherung, daß diesen, militärnchen Forderungen nicht augenblickliche Be­dürfnisse der auswärtigen Polittk zu Grunde liegen (wobei der Ton natürlich auf das »augenblicklich«" zu lege«), darf man

ohne weiteres glauben, denn augenblicklichen Bedürfnissen genügt man nicht durch eine noch in der Vorbereitung begriffene Vorlage. Es soll offenbar der Möglichkeit vorgebeugt wer­den, daß die verfrühte Ankündigung einer an­geblich umfassenden Militärvorlaae politische Beunruhigung verbreittt.

Seite Gefahr am Balkan?

Die Türken ermanne« sich!

Während in London die Friedensdelegier- ten feiern, scheint sich am Balkan selbst eine beträchtliche Verschärfung der Lage einge- steut zu haben. Die Türken, die es bisher mei­sterlich verstanden, die Friedensverhandlungen in die Länge zu ziehen, sind offenbar entschlos­sen, lieber das Wagnis einer Fortsetzung des Kriegs in den Kauf zu nehmen, als den Forderungen der Balkanverbündeten zu erfül­len. Unter diesen Umständen rückt die Mög- lichkett einer Wiederaufnahme der Feindseligkei­ten in bedrohliche Nähe. Wir verzeichnen fol­gende Drahtmeldungen:

Die Lage ist ernst!

(P r i v a t - T e l e g r a m m e.)

Konstantinopel, 10. Januar.

Die Pforte richtete, wie die Agence Ottomane meldet, an ihre Botschafter ein Rundschreiben mit der für die Großmächte bestimmten Erklä­rung, daß die Türkei ihren Unterhändlern die sofortig e Abreise von London vorge- schrieben habe, für den Fall, daß der Balkan­bund bis Ende dieser Woche ihre Vorschläge nicht annähme. Die Pforte besteht auf ihrer Weigerung, Adrianopel und die ägäischen In­seln abzutreten mit dem Hinweis auf die be­reits gebrachten großen Opfer.

Konstantinopel, 10. Januar.

Wie auS amtlicher Quelle mitgeteilt wird, sind augenblicklich zwischen der Türkei und Ru­mänien wichtige Verhandlungen im Gange, derentwegen der rumänische Minister Fi- lipeSro gestern hier eingetroffen sein soll. Fili pesco hatte angeblich eine lange Unterredung mit dem Minister des Aeußeren Roradunghian. Die heutigen Blätter versichern, daß die russische Schwarzmeettlotte mobtlistett wurde und sich zur Abfahrt nach der Donaumündung bereit­halte. Die Gefahr eiueö Krieges zwischen Rnmönien und Bulgarien gilt hier für sehr nahe gerückt.

Konstantinopel, 10- Januar-

Bulgarische Vorposten verletzten bei Der- koS die neutrale Zone und durchschnitten die Telegvaphenleitungen. Darauf rückte eine osmanische Abteilung vor und warf die Bul­garen zurück. Mehrere tm Gefecht verwundete türkische Sowaten trafen hier ein. Im Kttegs- ministerium fand gestern nachmittag großer Stiegstat statt Tas Blatt Ikdam erhielt gestern nachmittag von seinem in Adriano­pel eingeschloffenen Korrespondenten folgen­des Funkentelegramm: Lebensmittel und al les sonst Nöttge hier in Fülle vorhanden. Wir sind imstande, noch lange Widerstand zu lei­sten.

Die Machte «nd die Krise.

(Privat-Telegramm.)

Wim, 10. Januar.

Mit Bezug auf die Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und dem Balkanbunde herrscht in den leitenden Stellen nach wie vor eine ruhige Auffassung. Ter gemein­same Schritt der sechs Mächte in Konstantino­pel, der ins Auge gefaßt ist, für den Fall, daß eine Einigung zwischen den Delegierten in London nicht zustande kommt, wird der Türkei das Nachgeben erleichtern, vorausgesetzt allerdings, daß in Konstantinopel nicht die jungtüttische Kriegspartei wider Erwatten noch die Oberhand erlangt. Die bulgarisch-rumä- nische Differenz spitzt sich zwar zu. aber man hält hier doch an der Hoffnung fest, daß eine Einigung gelinaen wird, und man läßt sich darin auch nicht durch die Sprache der rumä­nischen Presse beirren, die von dem Bestreben geleitet ist. den Vorstellungen ihres Kabinetts publizistischen Nachdruck zu verleihen. In der serbisch-österreichischen Frage ist durch die Er­klärung. daß Serbien nach dem Fttedensschluffe Durazzo räumen werde, eine Erleichterung nicht eingetreten. Daß Serbien nicht daran denken würde, dem einhellig ausgesprochenen Willen in Bezug auf die adriatische Küste Wi­derstand zu leisten, war gewiß.

Neue Kämpfe vor Durazzo.

Depeschen aus Saloniki melden: Die Lage in Tumzzo wird als ernst geschildert. Die Drnautcn überfallen einzelne kleinere ser­bische Abteilungen und machen sie nieder, wes­halb auch die Serben sehr scharf gegen die Ar- nauten vorgehen. Fottgesetzt ereignen sich Zu­sammenstöße mit Arnauten. In Djbran wider­setzten sich diese der von den Serben angeordne-

Kampfe kam. Die Verluste der Arnauten sollen groß sein. Von den serbischen Soldaten sollen zweihundert gefallen sein.

König Peter schwer erkrankt.

Ein Pttvat-Telegramm berichtet unS aus Belgrad: König Peter ist seit einigen Ta­gen schwer erkrankt und leidet an heftigen rheumatischen Schmerzen. Es sind deshalb die üblichen Empfänge während des orthodoxen Weinachtssestes ganz for-tgelaflen und wahr­scheinlich wird auch keine Gratulationscour am Neujahrstage stattfinden. In der Presse wird behauptet, daß die Strapazen des Feld­zugs die Gesundheit des Königs derart erschüt- tert hätten, daß ernstliche Gefahr für sein Leben bestehe.

Som Mai« zur Nordsee.

Glue neue Bahnlinie Frankfurt-Hamburg.

Ueber die projektierte Vollbahn von GoS« lar über Clausthal-Osterode nach Göttin- gen ist in den letzten Wochen viel pro und contra geschrieben worden. Während von der einen Seite berichttt wurde, der Bau dieser Bahn sei gesichert, wurde dies von der anderen Seite sofott wieder dementiert, und dann wie­der wurde berichtet, daß sich der Landtagsabge­ordnete Spinzig geäußert habe, nach seinen an maßgebender Ministerialstelle eingeholten Er­kundigungen sei das Projekt der Oberharzbahn gegenüber den anderen Harzvahnprojetten meistbegünstigt. Uober den tatsächlichen Stand der Dinge wird uns jetzt berichtet:

Frankfurt-Caffel-Hamburg.

(Von unserm Korrespondenten.)

Göttingen, 10. Januar-

Wie ich aus absolut zuverlässiger Quelle er« fahre, bat von allen in der letzten Zeit aufge­tauchten Harzbahnprojekten das der sogenann- len Oberharzbahn, also der Bahn Koslar- Elausthal-Osterode Göttingen, in allererster Linie Aussicht auf Verwittlichung. und zwar aus strategischen Gründen. Die Eisenbahn- itrede Frankfurt a. M.- Hannover-Hamburg und Hannover-Bremen ist bekanntlich überlastet, macht auch viele Umwege. Im Falle eines Krieges wird es darauf ankommen, schnell Truppen aus dem Innern an die Nordsee verfett zu können, da bei der beuttgen politi- 'chen Konstellation der Großmächte mit einer Truppenlandung an der Nordsee und einer Blo- kade der deutschen Küste gerechnet werden muß. Hauptsächlich aus diesem Grunde wird jetzt die direkte Bahnverbindung Hannover-Celle ge­baut, die den Bahnweg Hannover-Hamburg um eine volle halbe Stuni^ abkürzt, was im Kriegsfälle von allergrößter Bedeuttmg sein kann. Aus demselben Grunde wird demnächst in der Gegend von Gießen und Kirch­hain ebenfalls ein großer Umweg der Eisen­bahnstrecke Frankfurt-Cassel durch eine direkte Linie abgekürzt werden. Die neue Bahnlinie Göttingen-Goslar wird dann die Fottsetzung der zweiten zwischen Frankfurt und Göttingen bestehenden Bahnverbindung über Bebra-Eichenberg bilden. Von Goslar aus ist die fkottseyung bis Braunschweig bereits vor­handen. und von Braunschweig aus soll dann durch Verstattung des Unterbaues der Bahn­linie Braunscssweig-Uelzen auf dieser Strecke der Schnellzugverkehr ermöglicht werden. Die Oberharzbahn wird also ein wichtiges Mittel- ftück der neuen wichtigen Schnellzugsverbin­dung Frankfutt a. M.-Fulda-Bebra-Eichenberg- Göttingen - Goslar - Braunschweig - Heizen- Hamburg bilden. Neben der Entlastung der bishettgen Verbindung Frankfutt-HaMburg wird die neue Verbindung hauptsächlich, wie schon gesagt, aus strategischen Gründen gebaut werden.

Die neue Linie Frankfurt-Hamburg.

Unser Korrespondent fügt seinen Mitteilun. gen noch folgende Schlußbemerknng an: Ein Dementi der vorstehenden Mitteilungen wird zweffellos. ebenfalls aus strategischen Grün- de. erfolgen. Das wird aber nichts an der Tat­sache ändern, daß die neue Bahnverbindung Franksutt a. M.-Hamburg beretts in aller­nächster Zeit gebaut werden wird. Die Durchführung dieser Linie ist eben eine strate­gische Notwendigkett, und der Ausbau der Bahn kann aus diesem Grunde nicht mehr lange bin» ausgeschoben werden.

Neue Pariser Sensationen.

Die Millionen des Hemm Berthe««.

(Von unserm Korrespondenten.) Paris, 10. Januar.

Frankreich hat kurz vor der Präsidenten­wahl noch einen großen politischenSkan- dal erhalten, in den einer der Kandidaten, .. . , nämlich der Ackerbauminister P a m S, der be­

ten Entwaffnung, wobei es zu einem heftigen sonders von einer Reihe südfranzösischer Sen».