COler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
Hesstsche Abendzeitung
Nummer 30.
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 10. Januar 1913
änferttontoretfe: Die sechSgespalten« geil« ffir ewüetmilche Geschäfts 15 Pfz-, für au» wärttge Inserate 25 <Bf, SieklamezeUe Mr einheimische Geschäfte 40 M, Mr LU«n><irttge SeschLstr M Ps. Einfache Beilagen Mr die (Befamtautlage werden atü 5 Mark pro laufen» berechnet. Wegen ihrer sichten iSertnrtitung in der R« Ilses» an» der Umgebung >ind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnIertionSorgan. LeschasiSttelle ltülntsche Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Ami Mnritzplah 676
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Fernsprecher 951 und 952.
Neue NüftlUW-MMonen?
Eine neue Militär-Vorlage in Sicht.
Die freikonservative „Post" bringt folgende sensationelle Meldung: Sine neue H-2 Militärvorlage wird in nächster Zeit, voraussichtlich noch im Monat Januar, dem Reichstag vorgelegt werde«. Sie ist bestimmt, alle Lücken anszn- ®v, füllen, die die letzte Militärvorlage noch hat bestehen lassen. Vor allen Dingen wird die StärkederKompagnien fc. so bedeutend erhöht werden, daß sie allen Anforderungen gewachsen ist und eine vorzügliche Ausbildung der Leute gewährleistet wird. Ausserdem werden die fehlenden dritten Bataillone nachgefordcrt, die Kavalleriedivifio- nen schon im Frieden aufgestellt und die Ersatzreservisten wie früher zu einer Ausbildung mit der Waffe einberufcn. Die bereit« bei einigen Armeekorps bestehenden, über die Normalzahl hinausgchen- den Brigaden und Regimenter sollen z« einem neuen Armeekorps zusammengefasst werden. Auch den Wünschen der Artillerie nach höherer Bespannung wird Rechnung getragen werden.
ES ist nicht bekannt, auS welcher Quelle die dem Alldeutschen Verband nahestehende „Poft" der Herren Octavio von Zedlitz und Dr. Heinrich Pohl ihre Kenntnis über die millionenbewegenden Pläne der Rrichregierung a-chöpft hat, und man wird daher dem frei- konservativen Blatt die Verantwortung für diese Nachricht solange überlassen müssen, bis von amtlicher Stelle eine entsprechende Erklärung vorliegt. T a t s a ch e ist indessen, daß bei sen verantwortlichen Stellen bereits vor längerer Zeit Erwägungen gepflogen worden sind, die sich auf die etwaige Notwendigkeit einer Rüst: . Erweiterung bezogen und die Möglichkeit einer Verstärkung der Wehrkraft des Reichs ins Auge faßten. Ob diese Erwägungen damals zu positiven Resultaten geführt und ob ihr Ergebnis in der jetzt von dem freikonservativen Blart signalisierten neuen Militärvorlage zu erblicken ist, läßt sich nicht feststellen; unmöglich ist's jedenfalls nicht, nicht einmal unwahrscheinlich, denn schon durch die Reden des Kanzlers zu der jüngsten internationalen Krise klang, deutlich vernehmbar, der Unterton neuer Wehrmacht-Sehnsucht. Die Entwicklung der Situation am Balkan und ihre Einwirkung auf die europäische Gesamtlage haben zweifellos dazu beigetragen, bei den verantwortlichen Stellen im Reich die Erkenntnis zu stärken, daß grade Deutschland als die führende Macht tm Dreibund alle Kräfte anzuspannen hat, um Mn Schwert scharf und seine Rüstung blank zu erhalten.
Die friedliche Maske der internationa- fa» Lage erscheint den Lchärferblickenden lmrte mehr denn je als Truglarve und es jedenfalls ein etwas eigenartig gefügter ..ufalt, daß in demselb ech Blatt, das jetzt tsie Kunde von neuen Rüstung-Forderungen bringt em paar Tage vorher die nächsten' Entwirft wngmöglichketten der internationalen Lage an- läklich der Balkan-Krise in so düstren Farben schildert wurden, als stehe der europäisch e K r ie g dicht vor der Tür und der kommende 22 tocrbe ttidrt nur mit glitzerndem Sonnenschern, sondern auch mit dem Donner der Kanonen seinen Einzug in Europa halten. Der Gewährsmann des sreikonservativen Blattes, »er angeblich von hoher amtlicher Warte aus den Schauplatz der Ereignisse überschaut, nenn: England den unversöhnlichen Gegner des Deutschen Reicks und erblickt in der Winkelzug- -i'olrtik des Kabinetts von St. James im Baft raniprel das Jnttiguen-Gewebe, das Deutsche u»nds Kraft und Macht fesseln und cinengen soll. Vielleicht hat ber Mann, der in des neuen Jahres jungen Tagen der Z, ftmst Bild so düster malt, zu schwarz gesehen und Gefahren erblickt, wo nur Schattenspiel huscht; es verdient aber in diesem Zusammenhang daran cr- wnert zu werden, daß auch in hohen deut- schen Armee-Kreisen die Gefahr kriegerischer Verwicklungen als im Möglichkeitbereich nächster Zukunft lauernd bezeichnet wird, und daß um« grabe in diesen Kreisen wenig --.rrttauen auf die friedliche Schlichtung der durch den Balkanbrand akut gewordnen curo- Uai;chen Krise setzt, vielmehr geneigt ist, selbst me letzten Eventualitäten in die Möglichkeit- Rechnung der nächsten Zukunft einzustellen.
A n s i ch wäre es also durchaus nickt unnatürlich und unwahrscheinlich, daß die Entwicklung der Dinge die verantwortlichen Stellen im Reich veranlaßt hat, die für spätere Zeit vorge- »chene Rüstung Verstärkung schon jetzt als »Forderung des Tags" zu proklamieren und vom Reickstaa die zur Durckführuno dieser
Pläne erforderlichen Mittel anzuforderm Die Frage einer HeereS-Vermehrung ist unter den obwaltenden Umständen ein rein-wirtschaftliches Problem, und auf wirtschaftlichem Gebiet liegt auch die Entsckei- duna darüber, ob daS Reich die abermalige Erhöhung der Milliarden-Last seiner Wehrkraft- Rüstung wird tragen können, ohne die Sicherheit seiner Wirtschaftpolitik ernstlicher Gefahr auszusetzen. Der Reichstag hat die letzten Heeresforderungen bewilligt, ohne um Groschen und Pfennige zu feilschen; er erkannte die Notwendigkeit des im Interesse der Reich-Sicherheit verlangten Opfers und bewilligte die Millionen-Forderung als Bürgschaft für den Frieden. Erheischt nun des Reiches Sicherheit abermals ein Opfer von Millionen, so wird die Nation auch dieser Forderung nickt widerstreben, denn Deutschlands Wehrkraft ist der Grundpfeiler deutscher Macht, und dieses Gut ungefährdet und ungeschwächt zu erhalten ist die Pflickt des Volks, das aus eigner Kraft sich zur Höhe der Weltmacht Stel- lung emporrang ...I F. H.
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Eine Folge der Balkan-Krise?
(P r i v a t - T r l e g r a m m.)
Berlin» 9. Januar.
In hiesigen politischen Kreisen hat die gestrige Mitteilung der „Post" über eine neue dem Reichstag wahrscheinlich schon im Januar zugehendr Militärvorlage sehr über- r a sch t. Die Meldung lässt sich aber im einzelnen nicht kontrollieren, weil über solche Absichten der Heeresverwaltung bis zum Augenblick ihrer offiziellen Veröffentlichung immer möglichst Stillschweigen beobachtet wird. ES sprechen auch verschiedene Umstände dafür, daß Art und Umfang der Forderungen, die man in einer neuen Militärvorlage, in einem Rachtragsetat, vereinigen will, noch nicht ganzse st stehen, denn es handelt sich jedenfalls um Entschließungen sehr jungen Datums, wahrscheinlich Entschliessungen, die auS Erwägungen und Erörterungen hervorgcgangen sind, zu denen die durch den Balkankrieg hervorgerufene Militär po- littfche Situation Anlass und Unterlage gegeben hat. Anders würde es sich ja auch gar nicht erklären lassen, wenn jetzt schon (also kaum ein Jahr nach dem letzten Heeresgesetz, das nach der Versickerung deS Kriegsministers von Hee- ringen alles Nöttge enthalten hat) schon wieder neue Forderungen alS dringend nöttg erhoben und, sei eS von demselben KriegSmini- ster oder von einem anderen, vertreten werden. Persönlichkeiten, die wohl einen Einblick und ein Urteil in diesen Dingen haben, glauben nicht, dass es sich um so umfa ssend e Forderungen handeln wird, wie die „Post" es darstellt. Genaueres darüber ist aber nicht zn erfahren. Kommt eine Vorlage von auch nur annähernd der jetzt behaupteten Bedeutung, so würde sich vielleicht auch erklären, weshalb in der verflossenen Woche b*e Konferenz der Finanzminister der Bundesstaaten anscheinend resultatlos und jedenfalls ohne einen Beschluss über die Form der geplanten Besitzsteuer verlaufen ist und weshalb man von ihr so wenig erfährt. Es liegt da die Vermutung nahe, dass man mtt diesen Finanzministern zunächst über das GeldbedürsniS gesprochen hat, das durch neue Militärforderungen entfielen würde, und dass dementsprechend Beschlüsse über zukünftige Einnahmen, die vielleicht nicht nur auS einer Besitzsteuer hervorgehen können, noch ausgesetzt wurden. ES ist das aber, wie gesagt, trat eine Vermutung, zu der mau durch die Ankündigung erheblicher militärischer Forderungen gelangt WaS im übrigen die angeblichen Neuforderungen für Heereszwecke anbelangt, wird sich übrigens bald Herausstellen urüssen, da die Siegte- rrtng zu der Ankündigung kaum schweigen kann.
Zwischen Krieg und Frieden.
Dio Situativ« ist «nverändsrt!
(Privat-Telegramm.)
London, 9. Januar.
Trotz alter gegenteiligen Mitteilungen haben die Großmächte bis jetzt noch keine formellen Schritte zu einer Intervention unternommen, obwohl alle damit zusammenhängenden Maßnahmen bereits zur Beratung standen. Tie Situation ist seit Abbruch der Friedensverband- lvngen unverändert. Im Auswärttgen Amte herrscht feit einigen Tagen lebhafte Tätigkeit. Sie aus Konstantinopel Hierher berichtet Wird, ist dort die Situation äußerst ernst. In militärischen wie bürgerlichen Kreisen ist man fest entschlossen, die Regiernna zu veranlassen, unter keinen
Umständen auf Adrianopel zu verzichten und lieber den Kampf bis zum Aeußet- sten sortzufetzen. Man erwartet für morgen wichtige Entscheidungen, da die Kriegspartei immer stärker anff die Wiederanfttahme des Krieges drängt.
Ar Spitzkrseu-tzrtzc'Rs«.
Die Leide» der deutschen Expedition.
Von der deutschen Expedition auf Spitzbergen, über deren furchtbare Leiden wir bereits berichteten liegt jetzt ein telegraphischer Bericht des Kapitäns Ritscher vor. Wie wir meldeten, befindet sich auf der Adventsbai eine Fuukenstation. die mit Hammerfest, der nörd- lidtfien Stadt Europas, in Verbindung steht. Der Inhalt der auf Metern Wege nach Berlin an den Kapitän Dera, als ten nautischen Leiter der Deutschen Arktischen Expedition gelangten Depesche deckt sich im wesentlichen mit den Darlegungen, die bereits in der Presse bekannt geworden sind. TaS Telegramm Kapitän Ritschers lautet:
Sn Nacht, Gefahr und Eis.
(Telegraphischer Bericht.)
Advent-Bal, 7. Januar.
Das Schüft „Herzog Ernst" war in Treuren- burg eingefroren, wo ein Depot errichtet war für die am fünfzehnten August nördlich von den SeoreSbai-Jnseln im Packeis ausgesetzte Schlittenexpedition. Sie bestand aus beut Leiter, ferner dem ersten Offizier Sandleben dem Geologen Maver und Präparator Schmidt. Bisher fehlen alle Nachrichten, seitdem die SckiffSbcsatzung am neunten September das Schiff verlassen hatte, um die Adventbai' zu Fuß zu erreichen. Der Botaniker Dr. Moeser und Zoologe Dr. Detmers hatten fick freiwillig von mir getrennt und marschierten nach Polheimguartier, um schneller die Adbentbai zu erreichen. Der Ozeanograpb Dr. Rrcdiger, der Phdtogra-pb, der Flugteckniker. ich. der (5iStoffe und ein Matrose zogen zusammen weiter. Auf der Mitte der Wüdebai mußten wir aber Ruediger mit erfrorenen Füßen in einer Schutzhütte zurücklassen Mit ihm blieb der Photograph Rabe, dem die An- sttcngung zu groß war, zurück. Proviant war in der Hütte reichlich, um bis Januar den Bedarf zu decken. Ich, der Flugtechniler. der Eis- lotffe und der Matrose gingen weiter südwärts, mn eine Hilfsexpedition für Ruediger ins Weck zu setzen. Sie mußten tot der Dunkelheit und bei schlechtem Wetter bis Mitte Dezember in der Schutzhütte am Kap Petermann in den ärmlichsten Verhältnissen bleiben. Am zehnten Dezember drang ich allein südwätts nach der Adventbai vor und traf dort mit teilweise erfrorenen Gliedern am sieben- undzwanzigfften Dezember morgens um drei Uhr ein. Der Flugtechniker. Eislotse und Matrose waren wegen zu großer WeggefShr- lichkeit auf das Schiss zurückgekehrt, um von hier aus, wenn möalich, Proviantzuffuhr für Ruediger zu bewerkstelligen. Die eine Hilsserpedi- tion bricht von hier bei erster Gelegenheit auf.
Zm Dunkel der Polarnacht.
Aus dem Telegramm Kapitän Ritschers geht hervor, daß Kavitän Ritscher mit seinem Marsch von der Treurenburg-Bay zur Advent- Bav eine außerordentliche Leistung vollbracht bat, einen Marsch fteilich, auf dem er die furchtbarsten Strapazen auSge- standen haben dürfte. Die Entfernuna zwi- 'chen der Treurenburg-Bay und der Advent- Bay bettägt in der Luftlinie nickt weniger alL zweihundertzebn Kilometer. Um den ihn fortwährend bedrohend:.: Abstürzen und Gletscherspalten zu entgehen, btt Hauptmann Ritscher sicherlich einen gewaltigen Umweg machen müssen, und es kann als ein Wunder gelten, daß eS der zähen Ausdauer deS Mannes gelungen ist. in der Tunkelhett der Polarnacht, die nur von Nordlichtern erhellt ist, sein Ziel zu erreichen. Wo sich Leutnant Schröder - Stranz mtt seinen drei Begleitern zurzeit befindet, weiß man uack dem vockiegenden Telegramm nicht, da alle Nachrichten darüber fehlen.
Der Maffemuord von Srtwig.
Drei Menschenleben als Opfer!
(Privat-Telegram in.)
Berlin, 9. Januar.
Dir Befürckttrag, daß mit dem Steuer erheber Kalis aus Ortwig auch feint beiden Döckter ermordet worden feien, bestätigt sich nicht. Tie beiden sechzehn und siebzehn Jahre alten Mädchen, die gestern noch vermisst mürben, sind heute lebend und unverletzt im elterlichen Hause, wo sie der Mörder cinge- schlofsen hatte, aufgefunden worden. Dagegen ist das vermisste Dienstmädchen mir feiner Herrschaft zusammen er.
mordet worden. TaS Mädchen wurde e r - drosselt im Stallgebäude des Gutes aufgesunden. Es liegt also ein dreifacher Mord vor. Der Mörder, der Knecht des Gutsbesitzers, ist noch nicht ermittelt. (Siehe mich den Artikel in der ersten Beilage: „Ein Drama auf dem Gutshof.")
Set Elanda! von Rhbnik.
Russisches aus ♦.»Sberschlefien.
Vor der Strafkammer in Rattbor begann gestern unter lebhaftem Andrang des Publikums der Prozeß wegen der umfangreichen Un- terscklagungen, die bei der Heil- und Pslcge- anstalt in Rvbnik jahrelang begangen worden sind. Dio Anklage lautet gegen den HauS- venvalter und früheren Rendanten der Anstalt Schmidt, der lange Zeit Stadwer ordnet er, Stadtverordnetenvorfteber und Stadtrat in Rybntt gewesen ist, auf Amtsperbrechen, gegen die übrigen Angeklagten. Stadttat Damps- müblenbasitzer S ch u l tz i k, Stadtverordneter Großkaufmann Aronade. Stadtverordneter Kauimann Schäffer und Fleischermeister Z i b i s auf Betrug, Unterschlagung und Doste cknna.
Die Verfehlungen eines Stadtrats.
(Bericht unsers Korrespondenten.-
Rattdor, 9. Januar.
In der gestrigen Gerichtsverhandlung gegen die betrügerischen Rvbniker Stadtväter wurde zuerst der Hauptangeklagte Schmidt vernout- men. Aus die Frage des Vorsitzendon. ob et sich schuldig bekenne, antwortet der Angeklagte mit „Shin". Vorsitzender: Sie hatten die gesamte Verantwortung für den Betrieb? Angeklagter: Aber nur unter der Aufsicht des Leiters Geheimrat Dr. Zauder. Vorsitzender: Sie batten sämtliche für die Anstalt zu liefernden Gegenstände in Empfang zu nehmen und für deren Verwendung zu sorgen. Angeklagter: Die Hauptaufgabe hatte der Kontrolleur. Der Angeklagte bestreitet auf Befragen eittschieden. die Anstalt geschädigt und Bestechungsgelder tot Empfang genommen zu haben. Vorsitzender: Sie sollen gewisse Lieferanten bevorzugt halben. Angeklagter: Nein. Andere Firmen kamen für die Lieferung eben nicht in Betracht. Vorsitzen- der: Es wird Ihnen nun zum Vorwurf gemacht, daß gerade die Firmen, die zu den Lieferungen herangezogen wurden, nicht reell geliefert haben. Der Angeklagte schiebt die Schuld hierfür aus den Kontrolleur. Von einem Lederfabrikanten habe er in zwei Fällen je 100 Mack erhalten, aber trat als Gegenleistung. Bei der Verheiratung feiner Tochter seien dieser allerdings kostbare Gegenstände von bett Lieferanten übersandt worden, er WM diese jedoch sämttich »urückgeschickt haben. In der Voruntersuchung ist aber durch Zeugen fest- gestellt, daß diese Behauptung unwahr ist. Auch den
Vorwurf der Bestechung
durch die Engros-Kaufleute weist der Angeklagte zurück. Bei einem Anstaltsarzte wurde :in-mal eine Anzeige erstattet, daß bei dem Angeklagten eine große Meng« von Weihnachtsgeschenken bemerkt worden feien, die Be- stechungSmittel darstellten. Darauf wurde dann die nähere Untersuchung einqeleitet. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten Schm°dt vor, daß er seinen Posten arg vernachlässigt haben müsse, sonst hätte er mecken müssen, daß aus den Schweinen, die sür die Anstalt geliefert wurden, fünf bis zehn Pfund Fleisch heraus geschnitten waren. Schmidt behauptet, daß hier lediglich Racksncht gegen ttm vockiege. Im übrigen kämen nach seiner Uebevzeugnna Unregelmäßigkeiten tot jeder Anstalt vor. Weiter wird dem Angeklagten zur Last gelegt. Sünder zu auffallend niedrige« Preisen an den Fleischer Zibis verkauft und auch die Felle zu niedrigeren Preisen abgesetzt zu haben. Zngebcn mutz Schmidt, daß er allsonntäglich von Zibis einen Fe st braten erhielt, auch Schinken und Wurstwaren. Von dem Mitangeklagte« Kaufmann Aronade. der für der Anstalt gelieferte Waren doppelte Preise erhalten haben soll, will Schmidt ebenfalls keine Geschenke angenommen haben. Seine Frau habe sich allerdings einmal vierzig Mack, seine Tochter einmal zweiundfünfzig Mack bei dem Kaufmann geborgt. Das GeV, ist bis heute noch nicht zurückgczahlt. Der Angeklagte Axonade hat zugegeben, daß er jährlich etwa für hundert Mark Waren an Schmidt für dessen FamLienbödarf grattS lieferte.
Schmidt und feine Genossen.
Mit den vorstehend verzeichneten Fällen ist die Reihe der Bestechungen noch lange nicht er- schöpft; es kommt noch eine große Anzahl von Fällen zur Sprache, in denen Schmidt sich der