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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 Mito 952.

Donnerstag, S. Januar 1913

Nummer 29

Fernsprecher 951 und 952.

nung etwa...?

F. H.

Und abermals zwei

ner Ausfahrt nicht vollwmmen seetüchtig ge­wesen.

Herrn von Krause, den sie zur Firmierung des Geschäftes gebrauchten, anscheinend um de« Irrtum zu erwecken, daß ihr Unternehmen mit der alten angesehenen Banksirma Krause & Cv. identisch sei.

gnferttonSprrtft: $U »echSgiNxMm« Zeile rar etnhetmilche aefdjätt» 15 JBfg., ** roarttge Inserate 25 Reklam-zrU« fttt «iaüelmtschs tief »atu 40 W, für au4m«tta« Geschäfte «0 Pi Einfach« BeUaqen für di« Getamtanslaze wersen mit 5 Mart pro laufet» ne- rechnet. Wegen chrer Sichten B«kbr-ttu-g in der Äeftsen, and bet Umeebmtt m» «e tiafidtt Neuesten Nachrichten ei» vorMücheS Jnsertianrorgan GekchLstdtelle. aSlnifch- Ttraie 5. Berliner Bertretung: SW.. UriedrtchstraS« 18. Telephon «MI Mar.Mla»

Dlisfingen- 8. Jan ucm

Lrr PaffagierdampserMecklenburg", de: zn den Dampfern gehört, die den täglichen Paffagicrverkehr zwischen England und Hol- land versehe», ift gestern früh infolge plötzlich aufgetretenen R e u e i s dicht vor der Hafen­einfahrt von Blisiingrn an dem Damm auf- gelaufen, der den Hafen vom Meer ab- arenzt. Die Passagiere wurden ansgeschifft. Die Lage des Dampfers soll sehp gefährdet sein.

Di« Lassrl-r Neuesten i'tachrtchlen erschein-^ wöchentlich sechsmal und pvar abend«. Der SbonnementSprei« beträgt monatlich- 50 Pfg. bei Tretet Zustellung MS Hau«. Bestellungen werden sederzeU non der Geschäftsstelle ober den Boten entgegengenommen Drucherel. Verlag und RedaMon: Schlachthofflraße 28/301 Sprechstunden der Redaktion nur non 7 bis 8 Uhr abatb» Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und Arettag von 8 btS 8 Uhr abend« BerlMer Bertretung: 6 W_ Srtebrtdjftr 16, Telephon: Amt Moritzpla, 676.

Sie Blume der Frauenstrshe.

Herrn von Hertlings Zeituugs-Zdeal.

Was «in Professor der Weltweisheit zu lei- , sten vermag, wenn sein hinter dicken Brillen­gläsern träumender Blick nicht in die Enge der Studierstube gebannt und vom Staub gil­bender Folianten nicht getrübt wird, haben wir an Herrn Georg von H e r t l i n g erfahren, der vom Bonner Professorenstuhl zum Exzellenzen- Sessel des bayrischen Ministerpräsidenten em- porfticg und nun im Kanzleibereich und im Wittelsbacher Land eine Geschäftigkeit entwik- kelt, die dem rührigsten Manager zur Ehre ge­reichen dürfte. Der Sohn des Heffenlands hat, alS er noch die schweinslederne Historie der Weltweisheft wälzte, die Heerscharen des Zen­trums auf Kriegs- und Friedenspfaden lor- beer-umkränzt zu Gewinn und Erfolg geführt; hat, als er den Philosophen von Hohenfinow als Kollegen begrüßen durfte, temperamentvoll (wenn auch allzu impulsiv) für Ignaz Loyolas Jünger gestritten und hat nun, da die von Tradition und Langeweile eingeengte Sphäre bayrischer Regierungkunst dem stark entwickel­ten Tatwillen der von Luitpold berufnen Ex­zellenz nicht Raum zur ausgiebigen Nutzbar­machung elementarer Energiekrast bot. sich auch M als Gründer versucht. Und das Produkt dieses neuesten Zweigs bayerischer <0Hni= Ms ster-TätigkM ist die Bayrische Staats- zeitung, deren verschämt-gelbliche Holz- papier-Blättchen seit dem Silvesterabend von München aus Tag um Tag durchs Bayerland flattern.

Die Bayrische Staatszeitung soll südwärts der Main-Linie dieselbe nützliche Arbeit lei­sten. die im Bereich preußischer Grenzpfähle der großmütterlichen NorddeutschenAllgemeinen Zeitung Vorbehalten ist. Das heißt: Herr von Hertling hat sich in dem Blatt, das seine Ent­stehung der Initiative deS Herrn Ministerpräsi­denten verdankt, einSprachrohr" schassen wol- len, um die Gedanken, Worte und Werke, in denen sich die das Land der Bayern regierende Weisheit inkarniert, nicht mehr auf die erden- und wirklichkeit-ferne Einöde der tief im Ver­borgnen schlummernden Amt- und Verordnung- Blätter beschränken zu müssen, sondern sie mit der rotierenden Hast modernster Gutenberg- Kunst den bekanntenweitesten Kreisen" zu- . gänglich zu machen. Herr von Hertling ließ 1 «3 Vorabend des Tags, dessen Morgendäm- mern das Werden seines neuesten Werkes sah, in wuchtigen Lettern verkünden, daß er bestrebt gewesen,einem immer fühlbarer gewordnen Bedürfnis Rechnung zu tragen", indem er die Bayrische Staatszeitung ins Leben rief; das Organ der Königlich Bayrischen Siaats- regierung werde bemüht sein, allen denienigen Anforderungen gerecht zu werden, die seine be- sondre Aufgabe als Moniteur des Regierung- Willens ihm zuweise. Man lächelte, als man's las: Die Erfahrungen, die die Oeffentlichkeit mit den offiziösen Sprachrohren regierender Köpfe gemacht, hätten den Premier-Minister im Bayerland leicht vom Gegenteil seiner Auf­fassung über Wesen, Aufgaben und Pflichten der Presse überzeugen können!

Inzwischen haben wir uns an den acht ersten Nummern der vom Geiste Hertlings be­fruchteten Bayrischen Staatszeitung erbauen dürfen, und man darf sagen: Der Herr Mini­ster hat gehalten, waS er versprochen: Die Bay­rische Staatszeitung ist ihrer norddeutsch-allge­meinen Kollegin durchaus ebenbürtig: Sie ist offiziös wie diese, langweilig wie diese, unge­nießbar wie diese und Präzeptorenhast wie diese; nur etwas winziger und gelblicher prä- fentiert sie sich dem Auge (wobei indessen zu b erücksichtigen ist, daß in der Berliner Wil- Pelmstraße dieöfientliche Meinung" des Nor­dens, in der Münchner Frauenstraße aber jene des Südens in'S amtlich approbierte Satzgefüge gepreßt wird). Es wäre ungerecht, von den in der Bayrischen Staatszeitung sicht­bar werdenden geistigen und organisatorischen Qualitäten ihres Schöpfers und Gründers etwa auf die in der bayrischen Regierungpolitik sich offenbarenden Kräfte deS Staats­manns Hertling schließen zu wollen, denn man spürt in dem im lauten Sturm deS Blät­terwalds gehonten Organ der bayrischen Staatsregierung auch nicht den leisesten Hauch lener Regungen und Leben-Ofienbarungen, die in ihrer Gesamtheit den dem zwanzigsten Jahr­hundert vertrauten BegrifiOeffentliche Mei­nung" darstellen, und man fragt sich unwill­kürlich, welchemdringenden Bedürfnis" der Ministerpräsident Freiherr von Hertling Erfül­lung zu sichern glaubte, als er sich anschickte, die Papier-Industrie zu befruchten und das Land der Bayern mit offiziöser Meinung hcim- zusuchen.

Es scheint denn auch, daß dem Erzeuger der LZSiglich Bayrisches Regierung-Meinung selbst

Mtselspie!: Krieg oder Friede?

Nach der Snspendiernng des Friedensrats.

Rach der überraschenden Suspendierung der Londoner Friedens --Konferenz sind die europäischen Großmächte energischer als je bemüht, den Abschluß des Friedens am Balkan zu beschleunigen. Die einzelnen Bot­schafter der Großmächte in Konstantinopel sind eifrig bestrebt, bei der Pforte ihren Einfluß dahin auszuüben, daß die türkische Regierung auf den Besitz von Adrianopel Verzicht leistet. Unter diesen Umständen scheint die Möglichkeit einer gemeinsamen Mächte-Aktion wieder näher gerückt zu sein. Wir verzeichnen folgende diesbezügliche Meldung:

Es schweben Verhandlungen!

(Privat-Telegramm.s

London. 8. Januar.

Gestern nachmittag richtete im Unterhause das liberale Miglied King an den Minister des Aeußern die Frage, ob die europäi­schen Großmächte sich zu einer gemein­samen Aktion entschlossen hätten, um den Balkankrieg durch eine Einigung zu Ende zu bringen. Sir Edward Grey antwortete, diese Angelegenheit würde natürlich von den Groß­mächten erörtert, er könne jedoch vorläufig keine öffentliche Erklärung hierüber abgeben, welche Schritte die Mächte unternehmen werden, da die Verhandlungen noch schwebten. Sobald eine Einigung zustande gekommen fei, werde er dem Parlament Mitteilung machen. Wie weiter bekannt wird, hat auch die Lon­doner Botschafter.Reunion eine ge­meinsame Aktion der europäischen Großmächte als zweckmäßigstes Mittel zur Wiederherstellung des Friedens am Balkan angelegentlich emp­fohlen.

Unterredungen bei Tschataldscha.

(P r i v a t - T «l e g r a m m.) Konstantinopel, 8. Januar.

Der Minister des Aeußern und der Kriegs- Minister hatten gestern mittag Unterredun- gen bei Tschataldscha mit bulgarischen Delegierten über die Bedingungen für den F r i e d e n s s ch l u ß. Der Ministerrat beschäf­tigte sich sodann mit dem Ergebnis dieser Ver- haudlungen. Die Türken bestehen jedenfalls aufErhaltungAdrianopelS unter ihrer Herrschaft. Es heißt aber, daß die Pforte einer Schleifung der Festungswerke zustimmen wird. Wie weiter verlautet, hat Italien vorgeschlagen, (und die Dreibundmächte unterstützen an­geblich diesen Vorschlag), daß sowohl die den Dardanellen vorgelagerten ägäischen Inseln, als auch EbioS, Mythelene und Rhodos unter tür­kischer Herrschaft verbleiben und der Be­völkerung dieser Inseln nur gewisse Freiheiten gewährleistet werden, während Adrianopel von den Türken abgetreten werden solle.

Noch keine Demobilifievnng!

Depeschen aus Wien berichten über die Gründe, die die österreichische Ablehnung des russischen Demobilisierungs-Vorschlags veran­laßt haben, daß die österreichischen Truppeuver- störkungen in Bosnien und der Herzegowina sowie längs der serbischen Grenze solange unter den Fahnen gehalten werden sollen, bis Ser­bien seine Truppen aus den von ihm besetzten türkischen Gebietsteilen, die nach dem Friedens- Muß nicht serbisches Gebiet werden, zurückge­zogen hat. Oesterreich könne deshalb vorläufig in eine Demobilisierung nicht einwilligen.

Sie Heimkehr vom Südpol.

Dr. Filchners Südpol-Expeditton.

Wie wir schon gestern telegraphisch berichtet haben, ist die deutsche Südpol-Expedi­tion des Polarforschers Dr. F i l ch n e r ge­stern von ihrer Südpolfahrt nach Buenos Aires zurückaekehrt. Dr. Filchner hat auf seiner Fahrt zum Pol ein neues Land entdeckt, das er König Luitpold°L and nannte und eine riesige Eisbarriere, der er den Namen Kaiser W i l h e l m s des Zweiten gab. Dr. Filchner hat aite noch andre wichtige Erfolge erzielt: doch erachtet et (einem Telegramm aus Buenos Aire^ zufolge) eine Fortsetzung der jetzt abgeschlossenen Expedition für erforderlich, lieber die Bedeutung der Filchner'sche« Feststel­lungen werden von fachmännischer Seite folgende Mitteilungen gemacht:

Neues Land am Südpol?

Ter Erfolg der Filchner-Expedition.

Berlin, 8. Januar.

Dr. Filchner, der jetzt auf der Heimreise von seiner Südpol-Expedition in Buenos Aires angelangt ist, hatte nicht die Absicht, sich an de«. Wettlauf um den Preis des Südpols zu be­teiligen, sondern sich die Klärung des Verhält- nisses zwischen der Ost- und der West-Ant­arktika zur Aufgabe gestellt. Hierüber be­standen vor Amundsens Rückkehr Zweifel. In den Südpolarkontineut dringt auf der atlanti­schen Seite eine große Bucht, das Weddellmeer, bis etwa 75 Grad südlicher Breite ein, ihr ge­genüber auf der pazifischen Seite eine andere Bucht, das Roßmeer, bis 79 Grad südlicher Breite. Ein auffallendes Bild! War es mög- lich, daß es gar keinen einheitlichen Südpo- larkontinent gab, daß ihn vielmehr vom Weddelmeer bis zum Roßmeer ein ei 3üb er« Rogener Sund durchsetzte, der eine kleinere West-Antarktika von einer größeren Ost-Antark- tika schied? Und wenn das nicht der Fall war: Wie sah es dann mit der Verteilung von L a n d und W a sser an jener Einschnürung aus? In­zwischen hat Amundsen allerdings diese Fragen zum Teil beantwortet; denn er hat er­mittelt (glaubt wenigstens, eS ermittelt zu haben) daß von einem Sunde nicht die Rede sein könne; auf seinem Zuge vom Roßmeer nach dem Südpol schien es ihm, als vereinigten sich die Randketten des Viktorialandes und des EduardlandeS etwa unter dem 86. Breitengrad. Aber noch blieb festzustellen, wie es an der ent­gegengesetzten

Küste des Südpslarkonttnents im Weddellmeer, aussah. Filchner hatte hier etn überaus dankbares Forschungsfeld vor sich, wo jeder Schritt vorwätts eine Entdeckung sein mußte. Die Nachricht über den Erfolg der deutschen Expedition ist knapp und dürftig, und man muß weitere Meldungen abwar­ten, um sich darüber klar zu werden, was an rein geographischer Aufklärungsarbeit geleistet worden ist. Aber e3 scheint doch schon so viel festzustehen, daß Filchner im allgemeinen er- reicht hat, WaS er hatte erreichen wollen. Von den das Weddellmeer umgebenden Küsten war bisher nur ein kleines Stück bekannt: Das 1904 von der schottischen Südpolarerpedfti- on unter Bntee in 73 Grad südlicher Breite ent­deckte Eoatsland. Was südwestlich und südlich davon lag, wußte man nicht. Hier war im Februar 1823 Kapitän Weddell bis 74 Grad 15 Win. südlicher Breite gelangt und hatte aus dem Tierleben geschlossen, daß Land nicht mehr weft fein könne. Vermutlich hat Filchner hier­hin feinen Kurs gerichtet und hier feinLuit. Poid-Land" gefunden. DieEiSbarriere Kaifer Wilhelm der Zweite" dürfte der Roßfchen Eisbarriere an der entgegenge­setzten Seite der Antarktis gleichen, also den Abschluß eines großen, an der Stirn schwim­menden Gletschers bilden. Hoffentlich ist es Filchner geglückt, das aufgefundene Land zu betreten und es zur Operattonsbasis für Schlitz ienreifen zu benutzen.

Dreizehn Monate im Polar-Gebiet.

Die Abreise der Südpol-Expedition Dr. Filchners an Bord derDeuffchland" von Bremerhaven erfolgte am siebenten Mai 1911. Die nächsten Monate wurden zu »zeanoaraphi-

Zweifel am Erfolg und Gedeihen feines Werkes aufgestiegen sind, denn man versucht, durch Mo­nopolisierung des amtlichen Nachrichtendien­stes, durch Schaffung von amtlichen Zwang- Abonnements und ähnlichen Lebens-Elixieren das schwach-glimmende Daseinfünkchen der Bayrischen Staatszeitung zum lustig flackern­den Flämmchen zu entfachen. Im privaten Ge- schäftbetrieb (und die B.St.-Z., die von einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung herausge­geben wird, i ft doch nach ihrer ganzen organi­satorischen Anlage nur als ein Privat-Unter- nebmen zu bczeichnenl würde man die Maß­nahmen, die zur Dasein-Erhaltung der Bay­rischen Staatszeitung behördlicherseits verord­net und durchgefühtt werden, ohne weiteres als unzulässig und wider Gesetz und Recht ver­stoßend brandmarken: DasOrgan der bayrischen Staatsregierung aber bedarf, um seinen Zweck zu erfüllen, der stärksten Wucht staat­licher Gewalt in ihrer Einwirkung auf Oesfent- lichkeit und Amtbetrieb. Dieser Tage erst hör­ten wir, daß ein Paar Dutzend Amtmänner, de­ren literarischer Geschmack dem dringlich emp- foblnen Abonnement auf das offiziöse Organ der Aera Hertling widerstrebte, durch ziemende Ordnungstrafe gepönt wurden, und soeben er­fährt man aus einem Erlaß des bayrischen Verkehr-Ministers Seidlein, daß die Bahnhof- Wirtschafieu verpflichtet worden sind, die Bayrische Staatszeitungin angemessner Stück­zahl" zu beziehen, während den Eisenbahn- Direktionen die ehrende Aufgabe zugewiesen ward, die Ausführung dieses Erlasses Seiner Exzellenz zuüberwachen". Mehr läßt sich auch im Bereich baju Vari scher Herr­schaft-Gewalt an rührender Fürsorge für die Presse nicht tun, und man darf nun gesvaunt darauf sein, was ans Herrn von Hertlings offiziösem Zaubergärtlein an Früchten emporwachsen wird: Oeffentliche Mei-

Zer Berliner Mesenprmeh Sattler.

Das Einkommen eines Schwindlers.

Wie wir schon telegraphisch gemeldet haben, begann gestern vor der zehnten Strafkammer des Berliner Landgerichts I der Riesenprozeß gegen den Bankier Otto Sattler und zwölf Mitangeklagte, die sich unter der An­schuldigung des Betruges bezw. der BeihiVfe dazu zu verantworten Haden. Fünf weitere Angeklagte bähen es vorgezogen, nicht an Ge­richtsstelle zu erscheinen, lieber die Borge- schichte des Prozesses, in dem mehr als tau­fend Zenaen auftreten werden, haben wir be­reits berichtet. lieber die gestrige Verhand­lung erhalten wir folgenden Bericht:

Mer Bände Anklageschrift!

(Bericht nufer? Korrespondenten.)

Berlin, 8. Januar.

Otto Sattler, der HauptangeKagte in dem gestern begonnenen Riefenprozeß, ist ein kleiner, schmächtiger Mensch, dem Aussehen nach ein Zwanzigjähriger, mit südländischem Typus. Vor dem Tffche des Staatsanwalts liegt die aus vier Bänden bestehende An­klageschrift, die über zweitausend Sei- t e n umfaßt. Schon beim Aufruf des Sach­verständigen greift der Angeklagte Sattler so­fort in die Verhandlung ein, wobei er eine große Zungenfertig keit und ziemli­ches Geschick entfaltet. Zu seinen Personalien gibt er an. daß er 1883 in Wien geboren und seit dem Jahre 1906 verheiratet ist. Ursprüng­lich mosaisch, trat er zur evangelischen Kirche über, angeblich, um feine Frau heiraten zu können. Sattler hat das Gymnasium bis zur Sekunda besucht unp lernte dann in einem Bankgeschäft. Darauf war er in verschi«. denen großen Städten des Auslandes, in Triest, Budapest. Brüssel und Paris tätig, bi8 er anfang Januar 1909 in Berlin mit fremden Geldern in Höhe von 10000 Mark die Merkurbank gründete. Schon nach kurzer Zeit teilte er auf eine Anfrage mit. daß sein jährlicher Umsatz 100 Millio- neu, der 91 einertrag des Geschäfts 115000 Mark und das Beiriedskapitas 100 000 Mark betrage. Der Vorsitzende hält ihm vor, daß er in der Untersuchungshaft einen Selbstmord­versuch gemacht und vorher einen Brief an den österreichischen Konsul gschrieben habe, in dem er fein Einkommen auf 150 000 Mark bezifferte. Der Angeklagte meint, er habe vielleicht noch mehr verdient.

Berlin, 8. Januar. (Privai-Tele- gramm.) Auf Beranlaffung der Staatsan­waltschaft sind gefiern die Banfiers Miss lass und K a e r g e r verhaftet worden. Mitzlaff. der auch im Sattler-Prozeß genannt wor­den ist, war seit langem mit seinem Kom­pagnon liiert. Tie Gründeten zuletzt die Firma Arthur von Kraule und zwar mit Hilfe eines

Neue Katastrophen auf Eee.

Die Opfer der letzten See-Stürme.

Nach etnem aus Hamburg un$ zugehen­den Privat -Telegramm ist dort gestern der Dampfer ..Präsident Lineoln" per Ham- bura-Amerika-Linie eingeiroffen, dessen Offi­ziere erzählten, daß der Dampfer am Freitag einen äußerst schweren Sturm tu be­stehen hatte. Die W-llen begruben oftmals das Schiff völlig und zertrümmerten und zer- fchmetterien alles an Bord. Nun liegen auch über die Opfer ber letzten Stürme Nachrichten vor:

Die Opfer des OrkanS.

(Privat-Telegramme.)

Newhork, 8. Januar.

Der Petroleum-Dampfer ..Rosecrans", ein -rübereS Armee-TranSvortscktiff der Bereinigten Staaten, ist vom Orkan bei Astoria Oregon auf die Felsen getrieben worden und zerschellt. Bon der Besatzung find drei­unddreißig Mann umgekommen. Drei Ueberlebende hängen noch in der Take­lage, doch erscheint eine Rettung unmöglich. Wir verlautet, ist der Dampfer schon bei sei-