Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Mittwoch, 8. Januar 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 28.
Fernsprecher 951 und 952.
schränken...!
F. H.
attachee in Ronr geweilt und in Gesellschaftskreisen in Rom eine hervorragende Stellung eingenommen hat. Von anderer Seiie wird als wahrscheinlicher Nachfolger Jagows der bisherige Personal-Referent im auswärtigen Amt, Graf von Wedel, genannt. Die Ernennung des neuen Botschafters Wird spätestens für morgen erwartet.
Snfettlonäpretfe: Sie fed)*gefpalten» Zelle für eirrhelmlfche Äelchasre U Pfz., für auä wLrrlge Inserate 25 Pf. Reklamezelle kür einheimische Geschüste 40 SM, kür auäroättlgs Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten «erbreitunz In der Residenz und der Umgebung lind die Lakkeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» Jnsertlon»organ. Geschäftsstelle! Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzpla, 6?«
Dampferzusammenstoß im Nebel.
Ein Privat-Telegramm meldet uni aus Kiel: Bei dichtem Nebel ereignet« sich gestern abend rm Kieler Außenhafen auf der Höhe des Frirdrichsorter Leuchtturms eine schwere Kollision zwischen dem kleinen deutschen Kreuzer »Straßburg" und dem dänischen Handelsdampfer »Christian IX". Beide Schisse wurden bei der Kollision erheblich beschädigt. Drei Mann der Besatzung des Kreuzers haben erhebliche Verletzun- gen erlitten und mußten im Marine-Lazarett Aufnahme finden. Die Schuld an dem Zusammenstoß trifft den Kapitän des dänischen Damp. fers, der die Signale des Kreuzers nicht recht- ■ zeitig genug beachtete.
' Hessische Abendzeitung
3« Nacht, Gefahr imö Bis.
Die Spitzbergen - Expedition gefährdet!
Aus Ehristiania bringt der Draht Kunde über das Schicksal einer deutschen Spitzbergen-Expedition, die im Sommer des vergangenen Jahres die Reis« nach dem Norden antrat, um über Spitzbergen hinaus in die Pol-Region vorzudringen. Monate fehlte jede Nachricht über das Schicksal der Expedition, bis mm jetzt über Christians eine Meldung kommt, die die Lage der Expedi- tionsmitglieder als eine verzweifelte schildert, und erkennen läßt, daß die Expedition sich in größter Gefahr befindet. Wir erhalten folgenden Drahtbericht:
Die Gefahren der Eisnacht.
(Privat-Telegramm.)
Christian!«, 7. Januar-
Von der norwegischen Funkentelegraphen« station auf Spitzbergen ist gestern an die hiesige Telegraphendirektion folgendes drahtloses Telegramm gegangen: Am 2. Januar trafen von der Adventsbai zwei Männer bei der Funkentelegraphenstation ein, die mitteilten, daß am 27. Dezember, dtei Uhr früh, der deutsche Hauptmann Ritscher eingetroffen sei, ein Teilnehmer einer deutschen Spitzbergen-Expedition, die sich gegenwärtig an der Nordküste von Spitzbergen befindet. Hauptmann Ritscher berichtete, daß die Forscher nur noch Proviant für allerhöch- stens einen Monat haben. Sie seien an der Nordküste in mehrere Abteilungen zersprengt worden. Einzelne Mitglieder der Expedition seien, wie er befürchtet, lebensgefährlich an Skorbut erkrankt. Hauptmann Ritscher gehörte einer Abteilung an, die nach der AdventSbai zu gelangen versuchte. Die übrigen Mitglieder seiner Abteilung, ;
ein deutscher Arzt
und zwei Norweger, mußte er zurücklaffen, da sie bereits völlig vor Kälte und Entbehrung erschöpft waren, so daß sie sich nicht mehr vorwärts bewegen konnten. Sie seien jetzt wahrscheinlich ganz ohne Nahrungsmittel. Er selbst habe den Marsch in südlicher Richtung fortgesetzt, um die ausgelegten Depots zu suchen. Am Weihnachtsabend habe er sein letztesStück- chen Talglicht verzehrt und dann den Marsch fortgesetzt. Dabei sei er zweimal im Eise eingebrochen, aber beide Male von seinem Hunde gerettet worden. Bei seiner Ankunft in der Bdventsbucht mußten ihm die Kleider vom Leibe geschnitten werden. Beide Beine waren ihm erfroren. Ferner mußten ihm alle Zehen amputtert werden. Eine andere Abteilung, bestehend aus sechs Mttglie- dern, war in südlicher Richtung weitergegangen, um eine andere in der Nähe befindlich« deutsche Expedition aufzusuchen, über deren Schicksal ebenfalls alle Nachrichten fehlen.
9er Frack Seiner Exzellenz.
Ilm zwanzig Pfennig Reichsgeschichte!
Am Abend des Tags, da in der Schwaben- Residenz die Schollen der Heimat-Erde AWved von Kidevlen-Waechters schlichten Eichensarg zur ewigen Ruhe deckten und am Grab der toten Exzellenz sich der Berg der Kränze als sichtbarer Ausdruck allgemeiner Anieitaachme tiinrte, gab der Koni g von Württemberg den zur Teilnahme an der Beisetzung zum Schiwa- benland geeilten Großen tat Reich die übliche offiziell« Abendtafel. Man sah am Tisch der schwäbischen Majestät den Kanzler des Reick», das gesamte württembergische Staats- ministermm, die anMchen Vertreter der Bundesregierungen und di« Repräsentanten der Stuttgarter Hofgesellschaft. und in der fest- ieierlichen Runde herrschte jene sorglich abgetönte Stimmung, die>i« Tafeln der Könige hier auf Erden so selffam von den Tischen andrer Sterblichen unterscheidet. Im Königlich Würt- temdergischen Staatsanzeiger wurde andern Tags mit Zierlicher Umständlichkeit erzählt, wer abends vorher an Seiner Majestät Tafel zu Gast gesessen, und beim Uederfliegen der stattlichen Reihe der Gäste streß di« öffentliche Anteilnahme an dem Abendflasel-Ereignis gleich auf ein« kleine politische Sensation: Wo war Herr Georg, Freiherr von H er t l i ng, der Ministerpräsident tat Lande Bayern f
Herr von Härtlings Name stand nicht in der Liste Derer, die am Abend der Beisetzung Kiderlen-WaechterS des König» der Württemberger Gastfreundschaft genossen hatten, und da bekannt war, daß Sein« Exzellenz, der Herr Ministerpräsident der Krone Bajuvariens, vom Oberhofmarschall-Amt durch di«selbe sgoldgeränderte und kronengezierte Karte zur Teilnahme an der Tafel entboten worden war, di« auch dem Kanzler und den übrigen Exzellenzen der Kammerherr des Königs ins Hotel getragen, so drängte sich, unheik-abnend, die Sorge taS Reich der Phantasie, und geschäftige Zeichendeuter und Kuliffen-Männer wisperten bereits über den „hier offensichtlich i« die Erscheinung tretenden Gegensatz zwischen Herrn Theobald von Bethmann Hollweg und seinem streitbaren KMegen vom Dayer- land, Herrn Georg von Hertling". Man rühmt bekanntlich auch den Schwaben des z w a n z i g- ft en Jahrhunderts «inen stark ausgeprägten Sinn für fröhlichen Scherz und unterhaltsamen Zeitvertreib nach; die Affäre des unbesetzten Ministerstuhlz am Tisch Seiner Majestät aber hat dar sonst so leicht erregbare Zwerchfell schwäbifchier Zeitgenoffenschaft gänzlich ungerührt belassen, vievmchr sah man von Stuttgart bis Böblingen eitel tiefe Kummerfalten aus breiten Männerftirnen, al« das FaktuOtzvov der Königlichen Abendtafel auf der Mostbank und am Skattifch ruchbar ward. Nun (kalku- lierte man) kann kein Dementi aus der Wil- helmstraße mehr d«S Unheils Eilschritt hemmen!
Es hat sich indessen auch hier wieder gezeigt, daß der Zufall mitunter mehr Witz offenbart als die intereffanteste Kulissen-Politik, und «S mindert durchaus nicht den prickelnden Reiz und den niedlichen Effekt des Intermezzos, daß des Schicksals Laune sich dieSmal der teil- nwhmvollen Oeffentllchkeit in der Person eines jener vierschrötigen Männer präsentiert, di« auf Bahnhöfen und an Straßenecken der hastenden Mitmenfcbheit mit philosophisch-unerschütter- licher Ruhe und blankgeputzrem Mützenschild ihre Dienste al« „Expreß Nummer so und so" an- bicten. Der breitschultrige Biedermann, der sich so unentschuldbar am Frieden der deutschen Bürg«rseele und am heiligen Geist des Reich- gedanken« versündigt, steht als Gepäckträger in den weiten Hallen des Münchner Hauptbahn, bofs, und es war ihm vom Kammeidiener Seiner Exzellenz, deS Herrn Ministerpräsidenten (inkognito: Denn auch Kammerdiener pflegen gern, unerkannt an ragender Würde, unter Sterblichen zu wandeln) der sehr ehrenvolle Auftrag zuteil geworden, den Koffer, der den Staatsfrack und den Orde-nprunk des Herrn Ministerpräsidenten barg, der Königlich Bayrischen Güteradfertigung zuzuführen. Vergeßlich indeffen, wie Kammermänner zuweilen sind, hatte Seiner Exzellenz Reise-Marschall es unterlassen, dem Goliath mit dem blanken Mützenschild den dahnamtlich ihm fürlfeine Mühewaltung zuerkannten Obolus von zwanzig Reichs-Pfennigen auszühändigen, und da mancherlei üble Erfahrungen mit den Großen dieser Erde auch die Dienstmänner zur Vorsicht bekehrt haben, blieb infolgedessen der Staats- srack- und Ordentaffe» stehe«, wo et stand und ... Bayerns Ministerpräsident war gezwungen, tat schlichten MrzreAetd, Mia Siern und
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schaffene neue Lage bat ttt hiesigen Regte- rungskreisen keine sonderlich« Erregung hervorgerufen, obwohl die Situation ziemlich e r n st erscheint. Was für Schritt« jetzt unternommen werden, ist noch zweifelhaft. Die Delegierten erwarten in London noch die Weisungen ihrer Regierungen, bevor sie weitere Schritte unternehmen. Inzwischen fetzt, wie hier bekannt Wirb, Oe st erreich seine Mobilmachung fort und auch Rußland soll erklärt haben, daß es vorläufig nicht an eine Demobilisierung denke.
Band, Mfred Kiderlen-Maechter zur letzten Rühe zu geleiten.
Im Trauerg efolge konnte der Staats frack zur Not noch entbehrt werden: An der Königlichen MbendtafÄ aber war «in Minilsterpräsi- bent ohne goldgestickten Rock und ohne funkelnde Ordensterne einfach undenkbar, und fo zog's denn Herr von HerÄing vor, bereits eine Stunde nach der Beisetzung „auf Flügeln des Dampfes" der Fsarstadt zuzueilen und den Platz an der Abendtaiel leer zu lassen. Es ist leider nicht bekannt geworden, w-elche Empfindung«« das arge Mißgeschick des (auch sonst sichtbarlich vom Pech verfolgten) bayrischen Kollegen in der Seele des Herrn Kanzlers geweckt hat, als er, an König Wilhelms Seite sitzend, den Stuhl zur Liniken verwaist sah und vom Hoftnarschall vernahm. Seine Exzellenz, der Herr Ministerpräsident, habe sich als „frocklos" entschuldigen lassen. Wenn «in S t n d e n t sich in kritischer Stunde hirnmarternd nach einem Fracke sühnt, so kann man das zur Not verstehen, und man fühlt Dankbarkeit gegenüber jenen Repräsentanten Werktätiger Nächstenliebe, die dieser Sehnsucht Erfüllung gegen Erlegung «tWelcher Silberlinge gewerbmäßig und emsig üben. Wen« aber «in Ministerpräsident sich um den Staatsftack härmt und durch den Argwohn eines Kofftrträgers mit auffälliger Eile vom Schauplatz kolk e'g t a - len BeffammenfeinS Hinweggetrieben wird, dann versagt auch di« durch den Klang funkelnder SVberltage geweckte Nächsten!!! cde und man spürt et« Wenig Unbehagen bei dem Gedanken an di« Möglichkeiten, di« sich -hinter der herkulischen DienflmanngÄstalt am Münchner Hauptbahnhof und hinter der tragRomischen Geschichte der verg-effnen zwanzig Anpferpfiennige verbergen. Aber Herr fron' Bethmann Hollweg ist ein Philosoph, und man darf also an nehm en, da-ß er geneigt fein wird, die Deutung des Staatsfrack-Malheu-rs seines bayrischen Kollegen nicht allein auf die Primitivität der Kofferträger - Logck zu be-
Ser Friedensrat am Ende?
Die Friedens-Konferenz ist suspendiert!
Der gestrige Tag der E n tf ch e i d u n g über Krieg und Frieden am Balkan hat eine eigen- arttge Ueberraschung gebracht: Die Verhandlungen sind zwar nicht (wie befürchtet wurde) abgebrochen, aber die Konferenz felbst ist suspendiert worden, und es ist völlig unklar, was nun werden wird. Die nächste Sitzung der Konferenz wird zwar wahrscheinlich noch in dieser Woche stattfinden, doch hat die Lage durch den gestern gefaßten Beschluß zweifellos eine Verschärfung erfahren. Es wird uns darüber berichtet:
Sturm im St. Zames-Palast.
(Privat-Telegramm.)
London, 7. Januar-
Die für geftcm anberaumte Friedens > s i tz u n g wurde zur festgesetzten Stunde eröffnet. Ter Führer der türkischen Delegation, Reschid Pascha, unterbreitete folgende Vorschläge: Die Türkei ist willens, einige weitere territoriale Zugeständnisse nördlich vonAdrianopel zu machen, kann aber zu einer Abtretung AdrianopelS selbst sich nicht verstehen. Sie will ferner auf a l l e Rechte auf Kreta verzichten, unter der Bedingung, daß eine sonstige Abtretung anderer Inseln nicht verlangt wird. Nach Vorlegung dieser neuen Vorschläge verließen die Türken den Konferenzsaal, in dem die Balkandelegierten allein zurückblieben, um über die neuen Vorschläge zu beraten. Sie kamen zu folgendem Beschluß: ^n Anbetracht, daß die Türken nicht in zufriedenstellender Weis« auf bte letzten Vorschläge antworteten, suspendieren wir die Arbeiten der Konferenz. Dieser Beschluß wurde den Türken nach Wiederaufnahme der Sitzung durch den Vorsitzenden Rovakowitsch vorgelefrn. Novako- witsch hob hierauf die Sitzung auf. I« erregten Worten protestierten die Türken gegen einen derartigen Verlauf der Verhandlung. Sie verlangten zu wissen, was der Bakkanblock unter Suspension verstehe. Dann setzte eine allgemeine Konversion ein. Es wurde von den Balkanoerbündeten erklärt daß sie nicht die Absicht hätten, einen Abbruch der Konferenz herbeizuführen, aber di« Antwort der Türken auf die am Freitag gestellten Forderungen der Verbündeten werde als nicht zufriedenstellend angesehen. Hierauf verließen dir Türken in großer Erregung den Saal.
Die Situation ist ernst!
Im Anschluß an vorstehende Mitteisungen wird unS Wetter aus Laudon depeschiert: Die durch diesen Abbruch her Friedenskonferenz ge
Prinz Ludwig, der Skilift.
Ein Porträt des Bayern-Regenten.
Außerhalb Bayerns kann man sich nicht leicht eine Vorstellung machen von den intimen Beziehungen des neuen Regenten zur Oeffent- lichkeit und von der Selbstverständlichkeit dieser sympathischen, weil nie mit Würdelosigkeit verbundenen Intimität. Prinz L u d w i g ist, Wie in einem in der letzten Nummer der Süddeutschen Rundschau erschienenen Essay konstatiert wird, Zivilist vom Scheitel bis zur Sohle. In Uniform hat man ihn nicht oft gesehen, und wenn er als Vertreter seines Paters die seltsame Parade über die Münchener Garnison ab- nahm. Wv die Schweren Reiter mit dem schwer
die hohe Ehre
zu schätzen, die für Italien damit verbunden sei, daß gerade der zuletzt in R o m beglaubigte Botschafter auf den ersten Platz des deutschen auswärtigen Dienstes berufe« werde. Es liegt im Interesse des Ansehens unserer auswärtigen Politik, daß der neue Staatssekretär nicht mit Uebelwollen empfangen werde. Er ist ja au-i beinahe ein unbeschriebenes Blatt, denn seine römische Tätigkeit hat nicht durch besondere Taten überrascht. Er hat persönlich manche Aehnlichkeit mit seinem Mitbewerber Wangenheim. Ist dieser ein Musikfreund, so ist Herr von Jagow ein großer Literatur- freund, der es besonders liebt, mit seiner klangvollen Stimme auf seinen Soireen als Rezitator klassischer Dichtungen aufxutreten. Er versteht auch sehr gut. Torquato Tafso' in der, Ursprache zu deklamieren. Während der Freiherr von Wangeuheim die Gründung des Balkan Hundes in Athen „verpaßt" hat, hat Herr von Jagow in Rom das Entstehen dcs letzten Mittelmeer-Abkommens zwischen Italien, Frankreich und England „übersetzen" und als Herr von Kiderlen nach Rom telegraphierte, ob es wabr sei, daß Italien eine kriegerische Aktion gegen Tripolis vlane. drahtete Herr von Jagow zurück: „Leere Gerüchte!" Acht Tage später landeten italienische Truppen vor Trivolis ...! Daß Herr von Jagow Weniger Glück batte. Italien an uns zu ketten, als der französische Botschafter in Rom. der es trefflich verstand. Italien Frankreich zu näbern, ist schon bekannt. Aus der Tatsache, daß er t r o,tz seiner schwankenden Gesundheit, von der er ganz aenau Wissen muß. daß sie ihm die größten Sckwieriakeiten bei der Bewälti- ounq der imenfen Aufaaben in Berlin macken Wirb, den Rus hes Kaisers nicht ablehnte, läüt darauf schließen. daß er mindestens so viel Hofmann als Staatsmann ist. Und ob arade dieser Umstand unsrer auswärtigen Volftik zum Vorteil gereichen wirb, bleibt abzuwarten!
Chelius oder Wedel?
Ein Privat-Telegramm melbet uns aus Berlin: Als Nachfolger Herrn von Ja- goWs als Botschafter in Rom Wird in unterrichteten Kreisen mit Bestimmtheit der bien st - tuende General 4 1» suite be« Kaiser«, Generalmajor Oskar von Chelius, genannt, der früher fünf Jahre lärm als MüitLL>
Bor und hinter den Kulissen.
Wie ZagsW Staatssekretär wurde.
. (Von unfertn R. ^.-Korrespondenten.)
Berlin, 7. Januar-
Herr von Jagow hat also da« Rennen gemacht. Aber der Start war nickt so einfach, wie man draußen vielleicht geglaubt hat. Es sind viel widersprechende Gerüchte über die Vorspiele der Neubesetzung des Auswärtigen Amtes in Umlauf gewesen. Richtig daran ist folgendes: Der erste ernstlich in Frage kommende Kandidat war Unterstaatssekretär Zimmermann, beit übrigens Herr von Kiderlen schon immer als einen auch für höhere Posten geeigneten Mann empsohlen hat. Herr Zimmermann ist auch gefragt worden, ob er geneigt sei, den Posten des Staatssekretärs anzunehmen. Auf dieser Anfrage fußte die Meldung eines Depeschen-Bureaus, daß Herr Zimmermann Aussicht habe, zum Staatssekretär ernannt zu werde«. Herr Zimmermann hat nach einer vierundzwanzigstütwigeH Bedenkzeit indessen a b g e lehnt. Dann standen als die beiden nächsten Kandidaten Freiherr von Wangenheim und Herr von Jagow auf der Liste. Von beiden hat der Reichskanzler Herrn von Jagow dem Kaiser als den geeig- rietern Mann bezeichnet. Herr von Bethmann Hollweg sprach das ernste Bedenken aus, daß es nicht gut angängig sei, in Konstantinopel schon wieder ein Revierement vorzunehmen, nachdem dort erst int vorigen Jahr ein Botschafterwechsel stattgefunden habe und die Weiterentwicklung unseres diplomaiischen Orient- geschöstes vor allen Dingen Stetigkeit brauche. Der Kaiser schlyß sich diesen Bedenken an, und so erging der Ruf an Herrn von Jagow. Herr von Jagow antwortete, daß er zwar bezweifeln müsse, ob seine Gesundheit den Anstrengungen der Berliner Tätigkeit gewachsen sei, er werde sich aber einem Befehl des Kaisers nicht entziehen Und der Befehl erging ...! Nachdem inzwischen auf Befragen die italienische Regierung nach Berlin gemeldet hatte, ie bedauere es aufrichtig, wenn Herr von Ja- joto Rom verlassen würde. Gleichzeitig wisse te aber
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