COlerNM Nachrilh tm
tzesfische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Dienstag, 7. Januar 1913»
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Gottlieb von Sngoto.
Dsu nette Mann in der Wilhelmstraße.
Wie halbamtlich bekanntgege- ben wird, ist anstelle des verstör» betten Staatssekretärs von Äther» len-Waechter der bisherige deutsche Botschafter in Rom. Gottlieb von Zagow, znm Leiter des Aus. Markigen Amtes ernannt worden. Herr von Iagow, der anfangs starke Bedenken gegen seine Berufung geltend machte, hat schließlich auf Vorstellungen des Reichs» kanzlers hin diese Bedenken fallen lasten und sich nunmehr zur An- nähme des Postens Beseit erklärt. Nach überlangem Rätselraten ist nun der Mann gefunden, der berufen sein soll, Kiderlen- Waechters Erbe zu übernehmen. Nicht Wan- p en S eim, nicht Zimmermann, nicht Rosen wird fürderhin der Wilhelmstraße schwerste Bürde tragen: Schlicht und einfach präsentiert sich Herr KottliebvonJagowals Mann deS Ver- trauens und der Hoffnung. Daß auf ihn bfe Wahl fallen werde, ließ sich zwei Tage vorher noch nicht ahnen; es hietz, der Botschafter in Rom habe eine ausgesvrochne Abneigung gegen Berlin und seiner etwas impulsiven Natur widerstrebe die Tätigkeit im nächsten Bereich der Zentrale. Erwägungen dieser Art mögen in dem knapp Fünfzigjährigen denn auch die bekannten , Gesundheit-Rücksichten" geweckt haben, deren schönster Vorzug es ist, ebensowohl beim Abschied von undankbarer Amtpflicht wie auch beim unwillkommnen Rus zu neuen Taten der Stimmung Grundgehalt zu übertünchen. Es scheint indessen, daß der Kanzler allen Einfluß aufgeboten hat, die Bedenken des Botschafters in Rom zu schwichttgen, denn eS leuchtet ein, daß Herr von Bethmann Hollwrg nicht sonderlich entzückt von dem Plan sein konnte, Kider- lens Nachsolge dem Piano-Diplomaten Wan- genhcim anzuvertrauen, von dem die Archive per Wilhelmstraße bisher nur wenig Erfreuli- F ches berichten. Auch die Kandidatur des alten Herrn Zimmerman n(der unter drei Staatssekretären im Auswärtigen Amt als Arbeitgenie schätzbares Schreibtisch-Werk geleistet) widerstrebte dem Kanzler, der sich mit einigem Recht sagte, daß jemand ein ausgezeichneter Unterstaatssekretär und Büro-Arbeiter sein und doch als selbstschöpfetifcher Kopf im Amt des Leiters der Auslandpolitik völlig versagen kann. Blieb also, wenn daS melodiöse „Gespenst Wanaenheim" gebannt werden sollte, nur noch Herr Gottlieb von Iagow in Rom, dessen sehr energisch betonte ,Gesu«dheit-Rück- fichten" in der Wilhelmstraße mit verständnisinnigem Lächeln vernommen wurden. Der Kanzler hat seinen Plan verwirklicht: Der Nachfolger Kiderlen-WaechterS ist „sein Mann*, und die von Bethmann Hollweg nicht ohne Grund befürchtete Beeinflussung unsers auswärtigen ReichGeschästs durch
persönliche Stimmungen und Augenblick «Regungen, die bei der Berufung deS Pianisten und Bridge« Meisters Wangenheim dem Möglichkeit-Bereich sehr nah' gerückt gewesen wäre, ist verhütet worden. Man wird in der Vorgeschichte der Berufung Gottlieb von Jagowz vielleicht später einmal die deutlich merkbaren Spuren emsiger Kuliffen-Arbeit erkennen und dem fünf- ten Kanzler dann die späte Anerkennung zollen, daß er mit zäher Energie zwischen Kabalen- und Intrigen-Klippen hindurch ei« als nützlich und notwendig erkanntes Ziel erstrebt und erreicht. Gotflieb von Iagow gilt in der Welt des Grünen TischS als der Mann jener wohltemperierten Seelen-Stirmnung, die durch nicht- erschüttert werden kann: Er ist (tote seine römischen Freunde versichern) „die Ruhe selbst*, dabei aber ein politischer Kops von auSgesprochner Selbständigkeit in Ideen und Plänen, und al- Diplomat und Staatsmann ebenso geschätzt tote al- Gesellschafter und geistreicher Plauderer. Man darf also annehmen, daß er als Staatssekretär sich von seinem Vorgänger im Amt in mancher Hinsicht scharf unterscheiden wird, denn wenn auch Herr von Kiderlen-Waechter „sehr ruhig" war, so barg sein Temperament doch mancherlei Eigenschaften, die bte äu 6 re Ruhe mitunter in das grade Gegenteil verkehrten und dann das Wort vom „eiskalten Schwaben" zur Illusion machten. Rübe und Selbstbeherrschung sind für den Leiter der Ausland-Politik eines großen Reichs unerläßliche Erfordernisse, und da Herr Gottlieb von Iagow grade mit diesen Gaben de? Temperaments reichlich bedacht fein soll, darf man seine Berufung in's Amt der Wilhelmftra- ße vielleicht eine glückliche nennen. Was der bisherige Botschafter als Staatssekretär bei ÄLSwärtigen leiste« wird, bleibt abzuwar
ten: V o r sch u ß - Lorbeeren sind in unsrer Zeit s o billig geworden, daß es sich nicht ziemt, sie einem Mann auf den Weg zu streuen, von dem wir über» Durchschnittmaß hinausreicheu- de Leistung erhoffen ,..! F. H.
Die Berufung ZagotvS.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.t
Rom. 6. Januar.
Die Berufung des Boffchafters von Iagow auf den Posten Ktderlen-Waechters erregt in den hiesigen politischen und diplomatischen Kreisen allgemein große Befriedigung. So ungern man auch den liebenswürdigen und charaktervolle« Diplomaten, der in Rom einen großen Teil seiner Karriere zurückgeleat und sich hier nicht nur großes Vertraue« der amtlichen Kreise, sondern auch viele persönliche Freunde erworben Hot, von Italiens Hauptstadt scheiden sieht, so woitz man doch auch den Umstand voll zu würdige«, daß in das Auswärtige Amt in Berlin eine Persönlichkeit einzieht, die auS gründlicher Kenntnis der hiesigen Verhältnisse eine tiefwurzelnde Neber- zeugung von der Bedeutung Italiens für den Dreibund gewonnen und la kriti- schon Tagen bereits energisch betätigt hat. Der unermüdlich fleißige Botschafter wurde selbst von italienischen StaatSfachmännern
stets als Autorität in allen außerordentlichen Fragen deS italienischen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens anerkannt und nimmt die genaueste Kenntnis aller hier wirffamen Kräfte und Strömungen in daS Staatssekretariat mit. Wie man hier weiß, hat Iagow daS schwierige und per- antwortungsreiche Erbe Kiderlen-WaechterS nicht rasch entschlossen angetrcten. Auf eine Berliner Anfrage hin gab er zu erwägen, daß er seine Gesundheit, wenngleich sie sich i« letzter Zeit durch eine Brunnenkur etwas gebessert habe, einer allzu schweren Belastungsprobe nicht aussetzen könne und daß er nicht wisse, ob seine bisher in parlamentarischer De batte nicht geschulte Persönlichkeit den hohen Anforderungen deS Reichstages gegenüber aus- reichen werde. Iagow erklärte aber sofort ausdrücklich, er sei gerne bereit, seine ganzen Kräfte einzusetzen, wenn man gerade seiner zu bedürfen glauben müsse.
Kiderlen -Waechtev und Zagow.
Wie auS Berlin berichtet wird, hat Herr von Iagow, als auch der andere i« Aussicht genommene Kandidat für das Auswärtige Amt, der Unterstaatksekretär Zimmermann, Gesundheitsrücksichten geltend machte, seine Bedenken zurücktreten lassen. Es ist in de« engeren Kreisen, i« denen man bte für unsere auswärtige Politik zur Verfügung stehenden Kräfte beurteilen kann, bekannt, daß Kiderlen- Waechter, der in der Beurteilung seiner Mitarbefter streng war, wenn in der letzten Zeit von einem Nachfolger für ihn gesprochen wurde, selbst auf den Botschafter von Iagow hingewiese« haben soll; mit dessen Leistungen auf dem römischen Posten in den letzten ereignisreichen Jahren scheint er besonders z u- frieden gewesen zu sein, und grade dieser Umstand dürste auch den Kanzler bewogen haben, seinen ganzen Einfluß für Iagows Berufung einzusetzen.
»
Der neue Staats-SekretZr.
Gottlieb von Ja g o w , der neue Staats- Sekretär des Auswärtigen Amts, wurde als Sohn des Erbjägermeisters Karl von Iagow am zweiundzwanzigsten Juni 1863 zu Der- lin geboren. Nachdem er seine juristische« Studien beendet und Referendar in Oppeln gewesen, wurde er 1892 Regierungsassessor in Potsdam, trat 1895 in die diplomatische Karriere ein, und zwar war er zunächst Attache der deutsche« Botschaft in Rom, 1896 als Attachs der preußischen Gesandtschaft in München, im nächsten Jahre Gesandtschaftssekretär in Hamburg, 1897 als solcher der deutschen Gesandtschaft im Haag, 1909 erster Botschaftssekretär in Rom. Nachdem er im Jahre 1906 zum Legationsrat ernannt und in Berlin als Vortragender Rat im Auswärtigen Amt tätig War, kam er als Gesandter nach Luxemburg und 1908 als bevollmächtigter Botschafter des Deutschen Reiches nach Rom. wo er seither ununterbrochen als solcher tätig war. Herr von Iagow gilt unter den wenigen Diplomaten, die überhaupt in Betracht kommen, für den politischsten Kopf. Die Tatsache, daß er, bevor er in den diplomatischen Dienst trat, Jurist und Assessor gewesen ist. mag auch als Empfehlung gelten.
Der neue Botschafter in Rom?
Gesandter Fiotow als Iagows Nachfolger.
Ein Privat Delegramn- meldet uns aus Brüssel: Ter hiesige deutsche Gesandte von F l o t o w hat sich nach Berlin begebe« zu
einer Besprechung mti brat Reichskanzler. Herr von Flotow war hier schon t« den ltzeten Tagen als Nachfolger des Boffchafters von I a g o w für den Boffchafterposten in Rom genannt worden, falls die Wahl als Staatssekretär aus Herrn von Iagow fallen sollte. Nachdem nun die Berufung JagowS zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes erfolgt ist, gilt die Ernennung be8 Gesandten von Flotow zum Botschafter i« Ra»m als unmit. telbar bevorstehend.
3er Tag her kntscheiüimg.
Krieg oder Friede auf dem Balkan?
Die Londoner Friedens-Konferenz, von der es am Sonnabend hieß, daß sie dicht vor dem Abbruch stehe, ist auf heute vertagt worden, und es wird sich! nun am heutigen Montag entscheiden müssen, ob die Konferenz tatsächlicher Leistungen fähig ist, oder ob statt der Friedenskonferenz die Kanonen endgültig über das Schicksal deß Balkans werden entscheiden müssen. Die Taktik ’ber Türkei, Pie Londoner Verhandlungen zu verschleppen, hat den Erfolg der Konferenz ernstlich in Frage gestellt und die Lage ist wieder kritisch und bedrohlich geworden. Wir verzeichnen folgende Meldungen:
Eine Aktion der Mächte?
(Privat-Telegramm.)
London, 6. Januar-
In hiesigen politischen Kreisen werden die Beweggründe Leibhaft erörtert, die die Türken vorgestern in allerletzter Stunde veranlaßten, die auf ihren eigenen Wunsch für Sonnabend ««gesetzte Sitzung der Friedens-Konferenz auf Montag zu verschieben. Allgemein ist man der Ueberzeugnng, daß irgend ein wichtiges Ereignis nach der FrÄtags- sitzung stattgefunden hat, worüber man nicht näher unterrichtet ist, und daß die Türken entweder versuchen, die Vermittlung der Großmächte zu verlangen, oder aber einen solchen Druck von Seiten der Großmächte zu 'provozieren, daß sie nachher sagen können, s i e hätten nicht den Forderungen doo-illoMinhetan, sondern den Wünsche« Europas nachgegeben. Von anderer Seite verlautet, der Umschwung sei auf neue Vorstellungen der Botschafter in Konstantinopel zurück- zufihren.
Die neueste Türken-Note,
(Privat-Telegram m.)
Konstantinopel, 6. Januar-
Wie hier verlautet, werden die türkischen Friedensdelegierten de« Balkanbevollmächtigten heute eine Note überreichen, in bet die neue Grenze festgesetzt wird. Diese soll über Ma- ritza und Tandsah gehen und Adrianopel auf türkischem Gebiet belassen. Dagegen wird die Türkei Saloniki abtreten. Die ottomanische Regierung wird gleichzeittg de« Vorschlag machen, die Festung Adrianopel zu schleifen. Gestern fand abermals ein Minister r a t in der Wohnung des Großwesiers Kiamil Pascha statt, der noch immer unpäßlich ist. Nach Schluß des Ministervats erllärte ein Minister erneut, daß die oftomanische Regierung enffchlossen fei, weder Adrianopel noch auf die ägäischen Inseln zu verzichten. In dieser Hinsicht würden die Türken nicht nachgeben.
Die Mächte wollen den Frieden.
(Privat-Telegram m.)
London, 6. Januar-
Die Botschafter der Großmächte haften sich am Sonnabend vormittag zu einer Besprechung bei Sir Edward Grev einaefunde«. Dies ist umso auffallender, als die Sitzungen der Boffchafter nur nachmittags abgehalten wurden. Nach bet Sitzung wurde im Gegensatz zu sonstigen Gelegenheiten an die Bresse keinerlei Mitteilung gemacht. Trotzdem sickert in unterrichteten Kreisen durch, baß ein K o m p r o - mißvorschlag ausaearbeftet tourbc für den Fall, daß die Iriedensverhanblungen heute abgebrochen werben sollten, da man unter alle« Umständen die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten verhindern möchte. Die Besprechung bet Botschafter dauerte eine halbe Stunde. Es geht ferner das Gerücht, daß in den nächsten Tagen eine Intervention bet Großmächte im Interesse des Friedens erfolgen werde.
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Oesterreichs Flotts konzentriert!
Wie uns ein weiteres Privat-Tele- gramm aus Triest meldet, ist die österreichische Flotte im Hafen von Eattato zusammengezogen und auf Kriegsfuß gestellt worden. Tagtäglich werden mit den Schissen kombinierte Mmmöver voraenommen. Die
Gerüchte, baß Oesterreich an eine Demobilisation denke, sind also völlig unbegrünbet, im Gegenteil treffen stets neueTruPpen aus Dalmatien ein.
Katastrophe im Szean.
Dampfer Luckenbach im Sturm gestrandet»
Die bereits gemeldeten SturMschäben in ben Vereinigten Staaten sinb ungeheuer. Die ganze Küste von Florida bis Newyork ist v e r • wüstet. Der Dampfer „Julia Luckenbach" ist in der Cheasepeake-Bucht nach einem Zusammenstoß mit einem englischen Dampfer gesunken. Der Kapitän, seine Frau und einundzwanzig Matrosen ertranken. Acht Mann, darunter der zweite Offizier, wurden aus der Takelage gerettet, in der sie sich seckS Stunden lang festgehalten hatten, lieber die Katastrophe liegen uns folgend« Drahtmel- düngen vor:
Im Sturm gesunken?
(Privat - Telegramm.)'
Newhork, 6. Januar.
Der von Port Tampa tat Florida nach Baltimore bestimmte Dampfer „Julia Lucken- b a dj" wurde während des seit vorgestern wütenden TtutmeS in der Eheasepeake-Baq bei Newport-NewS von dem britischen Tankdsmp- fer „Jndrakuala" gerammt und sankfosort. Dreiundzwanzig Personen der Besatzung, unter ihnen der Kapitän Gilbert und dessen Freu, find ertrunken, acht Mann wurden gerettet, nachdem sie sich sechs Stund-« lang im Takel- werk in wütendem Sturme sestgehalten statten. Biele andere Höften noch gerettet werden können, erstarrten aber v or Kälte und sielen von bet Takelung ins Meer, bevor Hilfe kam. Die Geretteten wurde« nach Newport, News gebracht. Sie erflätten, bet Kapitän der „Jndraluala" habe nach dem Zusammenstoß jede Rettungsaktion verweigert. Die „Luüenbach" war früher ein holländischer Dampfer und in Zaandam «beut Der „In- draknala" traf den Dampfer „Luckenbach" in voller Fahrt und dnrchschnitt ihn glatt in zwei Teile, so daß jede Retttmäsmöglichkeit vereitelt wurde. Die Schuld an dem Unglück soll den Kapitän des „Jndrakuala" treffen, der die Warnungs-Signale des „Luckenbach" nicht beachtet habe.
Dampfer Amerika gestrandet.
(Privat-Telegramm.)
ReUchork, 6. Januar.
Ei« heftiger Orkan, der seit mehreren Tage« im Osten bet Bereinigte« Staaten und besonders im Hafen von Newyork wütet, hat dort bet Schiffahrt große« Schaden zugefügt. Neben viele« Reineren Schiffen ist auch der große Pafsagierdampser det Hamburg. Amerika-Linie „Amerika" beim Auslaufen aus dem Hafen von Newyork zur Heimreife nach Hamburg heute a ft s G r u n d geraten. Der Dampfer fuhr am Sonnabend am Eingang des Nartows, einer engen Meetesstraße zum inneren Hafen vo« Newyork, bei den ©taten Islands in bet Nähe von TampkmShall fest. Als Ursache muß neben dem heftige« Sturm der außerordentlich niedrige Wasser, stand angegeben werde«. Am Sonntag mor. gen um siebe« Uhr gelang es, den Dampfer wieder flott zu mache«, der um ein Uhr die Reise nach Hamburg fortfetzen konnte. An Bord ist alles wohl. (Die „Amerika" versieht seit 1907 Passagierdlenst zwischen Hamburg und Newyork. Das Schiff gehört, zu den m o - detnsten Dampfern der Linie. Es ist zurzeit der g t ö tz te Hapag-Dampser, der nach Newyock verkehrt. Et hat einen Bruftoraum- gehalt von 22 622 Registertons und eine SchneL, ligkeit von 17^ Seemeilen.)
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Der Sturm dauert fort!
Ein weiteres Privat-Telkgramm mÄdet uns aus Newyork: Der durch den Sturm anHerichtete Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt. Zwei Personen sind getötet worden, etwa zweihundert trugen Verletzungen davon. Auch i« den Süd- stcaten wurden große Verheerungen durch den Sturm angerichtet, doch ist die Höhe des Schadens noch nicht bekannt. Der Sturm dauert fort und ein Umschlag der Witterung ist vorerst nicht wahrscheinlich.
Gras Alfred von Schliesse» t.
Der Tod des früheren Eeneralstabs-Chefs.
Wie wir schon in unserm Depeschenaushang berichtet haben, ist am Sonnabend rmchmittag der frühere Generalstabs-Chef der Armee, G e - neral - Icldmarschall Graf von Schlieffen, im Alter von fast achtzig Jahre« gestorben. Fast fünfzehn Jahre lang hat Graf Schlieffen an her Spitze des Generalstabes