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MerNeueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

3. Jahrgang.

Sonntag, 5. Januar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

des zu entkleiden

F. H.

toitib

Aas Rätsel der Mllhelmstraße.

Noch immer kein Nachfolger Kiderlens!

Zum Nachfolger des Herrn von Kiderlen- Wa echter als Staatssekretär des Auswärti­gen Amtes ist dis heute noch niemand er­nannt worden, und es ist möeffich. dost sich die Ernennung noch um einige weitere Tage ver­zögern wird. Zuverlässige Nachrichten über die Gründe der Verzögerung sind nicht zu er- stakten. da die informierten Kreise sich bei die­ser delikaten Personalsrage in begreifliches Schweigen hüllen. Trotzdem scheint es, daß die Kandidaturen Ja g o w und Wangenheim

Am Vorabend neuer Kampfe?

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 4. Januar.

Die türkische Flotte hat gestern eine neue Ausfahrt aus den Dardanellen angetre­ten, um das griechische Geschwader anzngrei­fen. ES verlautet, daß der KreuzerHamidie", der angeblich kürzlich durch Torpedos vernich­tet worden sein sollte, sich unter den türkischen Kriegsschiffen befindet. Die türkischen Schiffe sind in letzter Zeit eifrig instand gesetzt und mit neuer Munition und mit Torpedonetzen versehen worden. Die Stimmung unter den Offizieren ist sehr hoffnungsfreudig. Man hofft von dem bevorstehenden Kampfe, dast er siegreich aussallen und einen Druck auf die Londoner Fr'edensverhandlungen aus­üben werde. Inzwischen hielten aettern in Kon­stantinopel die Botschafter von Rußland, Frank­reich und England eine längere Besprechung ab. Man glaubt, dast die Entente mächte Schritte bei der Pforte unternehmen wer.-n, um den Frieden herbeizuführen. Gestern vormittag hatten der Großwesir Kiamil Pascha rmd der Minister des Aenstern eine lange Unter­redung mit dem Sultan, die angeblich auch die innere Lage betraf.

Personen waren erschossen. Nach dem Be­fund der Leichen zu urteilen hat einer der Männer zuerst seinen Begleiter, dann das Mädchen und hieraus sich selbst erschossen. Die drei Personen gehören offenbar dem Ar bei­te rstände an. Ihre Namen konnten noch nicht festgestellt werden. Als die Nachricht von dem Fund der Leichen bekannt wurde, nahm man zuerst an, daß es sich bei den Toten um die seit einigen Tagen aus Braunschweig flüchtigen Defraudanten Aurbach und Weber und um die Geliebte Webers handelte, doch erwies sich diese Annahme bald als irrig.

Eine MfiitenHn geMig?

Eine Fra« als Präsidentschafts-Kandidatin.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Parik: Eine in den Kreisen der Propa­ganda für die Frauen-Emanzipation wohlbekannte innere Dame tritt freute mit der

durch die Straßen hetzte, und den der Zorn der Menge des Diebstahls bezichtigte, als er, ein von den Furien der Scham Gejagter, im Cafshaus die Zeitungen vernichtete, in denen der Name Pfeil am Pranger erschien: Der dann schließlich im Meer der Verzweiflung Versinkende rührt auch ans harte Herz, als er, vom Unheil niedergerungen, sich anschickt, den Sprung ins Tal des Todes zu wagen. Gewiß: Die Endung des Lebens, das der Mensch nicht aus eigner Kraft erwirbt, ist ein Schritt, den der Frevelnde vor Gott und sei­nem Gewissen wird verantworten müssen: aber das Leben selbst hat kein Recht, dem vor ihm fliehenden den Makel des Verbrechens anzuhäften und die Nächstenliebe nicht die Auf­gabe, den Flüchtigen zu ächten und seines Da­seins armseligen Erden-Rest der Würde des To-

3nfertton3pretfe: Die fechSzefp^tzten« Sette für etnOetmtfdje Geschäfte 15 Pfg., für aus roärttge Inserate 25 P°, Reklamezeile für etnhetmtsche Geschäfte ti Vf., für auswärtige Geschäfte so Pf. Einfache Beilagen Mr dte Gesamtauflage werden mU 5 Mark pro laufen» be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Vestden, und der Umgebung find die Eaffeler Reueften Nachrichten etn vorzügliches Jnsertionsorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Ttratze 5. Berliner Vertretung: SW., Kriedrichftraße 16, Telephon: Amt Morchplatz 676

Auch Oesterreich rüstet weiter!

Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns aus Rom: Hiesige Blätter wollen erfahren haben, fraß Oesterreich seine M o- b i l i s at i ott mit Eifer fortsetze. Weitere Re­servisten sind einberufen und man glaubt, daß die Landwebr demnächst einrücken wird. Die Ntullitionsfabrik in Bosnien erhielt neue Ordres Als direkte Folge der eifrigen Rüstun­gen sind die Eisenvreise stark gestiegen. Die Nachrichten über die verstärkte Fortsetzung der österreichischen Mobilisations Vorbereitungen hat hier lebhafte Beunruhigung geweckt.

Dl, Eafeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Ter AdoiinementSpreiS beträgt monatlich SO Pfg. bei freier SuNellung ins Haus. Beflelluagen werden --derzeit non der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen Druckerei, Verlag sno Redatnon: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur oon 7 bis 8 Uhr [Mna« Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag oon 6 btS : Uhr abendS Berliner Vertretung: SW, Friedrichftr 16, Telephon: Amt Morttzplatz 676.

Reue Gefahr an der Saar.

Ein Teilstreik im Saar-Revier.

Trotz der Verständigung zwischen Gruben- verwaltungen und Bergarbeitern ist es im Saar-Revier nun doch zum Streik­ausbruch gekommen, wenn es sich vorerst allerdings auch nur um einen TeMtreik bandelt. Wie wir schon telegraphisch berichteten, sind auf der Saar-Grube Velsen von 460 Bergleuten der gestrigen Frühschicht 300 nicht ungefähren. Die Arbeitsniederlegung ist auf das Verhalten der Sicherheitsmänner dieser Grube zurückzw- Mren. llefrer die Entwicklung des Streiks liegen uns folgende Meldungen vor:

Der Streik dehnt sich aus!

(Privat-Telegram m.)

Saarbrücken, 4. Januar.

Nachdem auf der Grube Velsen zur gestrige« Frühschicht von vierbundertsechzig Arbeitern dreihundert nicht eingefahren sind, blieben von der Nachmittagsschicht, die um zwei Uhr be­ginnt, ebenfalls eine ganz-' Anzahl Berg­arbeiter der Arbeitsstätte fern. Im Ganzen streiken also setzt auf Grube Velsen 669 Mann. Der Ausstand hat sich auch auf die Grube der Inspektion Luisental ausgedehnt. Bei der Stückkohlengrube Luisental sind heute von der Nachmittagsschicht von 551 Mann nur 242 Berg­leute eingesahren. Man befürchtet, daß 6ei der heutigen Nachtschicht ein weiterer Teil der Bergarbeiter nicht einfahren wird. Die Strei­kenden von den Gruben Velsen und Luisental durchziehen in Gruppen singend die Straßen, doch ist es bisher nirgends zu Ausschreitungen gekommen. Gestern nachmittag hat sich der Leiter des christlichen Gewerkvereins nach der Grube Velsen begeben, um sich mit der Direktion über die Beilegung des Streiks auszusprechen. Man weiß noch nicht, welchen Ausgang der Streit nehmen wird.

Die Bergleute solidarisch?

(Privat-Telegramm.-

Saarbrücken, 4. Januar.

In Geislautern und ObervöMinge« fanden gestern Arbeiterversammlungen statt. ES wurde einstinrmig beschlossen, wegen der Vorgänge auf der Grube Velsen bezüglich der Sicherheitsmänner in den Streik zu tre­ten. Tie Bewegung geht allem Anschein nach von den Bergleuten der Grube Velsen aus, die die Bergarbeiter in den benachbarten Gruben für eine Solidaritäts-Erklärung zu gewinnen suchen. Der wilde Streik auf fr en Snargruben greift weiter um sich. Auf den Söllerschächteu in Rockershausen fuhren von der gestrigen Mittagsschicht, die 600 Mann um­faßt, nur 24 Mann etn. Zwei Sicherheitsmän- ner in Luisental hatten gestern ihre Kündigung zurückgezogen und eine Fahrschicht für heute angemeldet. Die Betriebsleitung hatte sich mit ihrer Anfahrt einverstanden erklärt, was den beiden Sicherheitsmännern gestern von der Di- rettton mitgeteiü wurde. Trotzdem sind beide Sicherheitsmänner nicht angefahren. Ein Grund dafür wnrde nicht angegeben. Man nimmt an, daß morgen der Streik noch wei - ter um sich greifen wird.

Die Gefahren des Saar-Streiks.

Mit dem geftrigen Streikbeschluß ist ein Weg beschritten, der möglicherweise zu ver­hängnisvollen Folgen sichren wird. Ob die Arbeiter über die Köpfe der Führer hinwog dem Streikbeschluß faßten öder ob frie Führer freu Beschluß billigten, läßt sich aus den bisher vor­liegenden Meldungen nicht klar ersehen. Sollte sich jedoch ergeben, fraß frie Führer der christ­lichen Gewerkschaften nicht allez ausgeboten haben, diesen Lohnkamps zu verhindern, so kann Wohl schon heute gesagt werden, daß nicht nur die Saarbergleute einen unbeionne- nen Streik verlieren werden, sondern fraß auch das Ansehen der christlichen Gewerkschaften eine schwere Schädigung erleiden wird.

in den Vordergrund gerückt sind. Es uns darüber frerkfitet:

Iaaow oder Wangenheim?

(Privat-Telegramm.)

Erklärung aus, daß sie aus Prinzip und im In­teresse der Frauenbewegung ihre Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik aulstellc. Die junge Dame lebt seit zehn Jah­ren in Amiens und nimmt großen Anteil an der französischen Frauenbewegung. Die Frauenstimmrechtspartei will die Kandidatur ihrer Vertreterin nach Kräften unterstützen.

tzine dreifache MenMrr-Trao'Me.

Drei Tote auf der Landstraße.

(Privat-Telegramm.)

Braunschweig, 4. Januar.

Heute morgen um halb drei Uhr land ein Fabrikarbeiter, frer von der Nachtschicht heim- tefrrte, aus frer Straße Braunschweig-Hildes­heim nach Braunschweig zu drei Leichen, »Wei männliche und eine weibliche. Die drei

Kassel im Fubilämnrjahr-

Geld, Geld und abermals Geld!"

Tie erste kurze Woche nach der Neujahrs­feier ist vorüber, die Anfangszweifel über zwölf oder dreizehn sind überwunden, und all­gemach wendet sich das Interesse der Allge­meinheit wieder jenen Fragen zu, die am Ende des vergangenen Jahres vorläufig zurückge- stellt worden sind. Das neue Jahr wird aro«

Zar Schicksal 6es Balkans.

Die Friedensverhandlungen gefährdet!

Aus London bringt der Draht täglich neue Rätsel-Kunde: Während es gestern noch hieß, die Verhandlungen der Friedens-Konfe­renz ständen dicht vorm Abschluß, wird heute bekannt, daß die weiteren Verhandlungen ernstlich gefährdet sind und daß in un­terrichteten Kreisen sogar mit der Möglichkeit eines Abbruchs der Verhandlungen gerech­net wird. Die Balkan-Delegierten haben näm­lich den türkischen Friedens-Unterhändlern ein dreifaches Ultimatum gestellt und die Friedens-Konferenz hat sich daraufhin auf Sonnabend nachmittag vertagt. Wir erhalten folgende Draht-Meldungen:

Das Ultimatum der Verbündeten.

(Privat-Telegramm.)

London, 4. Januar-

D« Friedens-Konferenz trat ge­stern abend um sechs Uhr wieder zusammen. Die Delgierten der verbündeten Balkanstaaten überreichten ein dreifaches Ultimatum betreffs AdrianopelS, Kretas und der ägäischen Inseln und gaben gleichzeitig bekannt, dast die Verhandlungen abgebrochen würden, falls btS Montag keine zufriedenstellende Antwort eintreffe. Türktfcherseits wurde erklärt, daß diese Antwort bereits heute gegeben werden könne. Um halb acht Uhr abends wurde dte Konferenz auf heute nachmittag vier Uhr ver­tagt. Det Tatsache wird als Anzeichen dafür aufgefaßt, daß die Türken einen Bruch als u n - vermeidlich erachten. Es ist wahrschein-, sich, daß in der Sonnabend-Sitzung die Türkei den Wünschen der Verbündeten etwas entgegen­kommt und diese sich daher noch zu weiteren Verhandlungen bereitfinden lassen werden. Ob damit allerdings die Aussichten auf das Zu­standekommen des Friedens bessere werden, erscheint zum mindesten fraglich, die Krise dauert vorerst jedenfalls noch fort.

1 sollst nicht richten...!

Dunkel der Menschen-Tragödien.

Infanterie-Hauptmann Hans Graf _ Pfeil und Klein-Ellgut, der zwei "i Pas Dasein vergällt, gehört dem Heer mehr an, und über die Sünden seiner die bürgerliche und militärische Ge- ihr Urteil gesprochen. Daß der dessen Tun selbst dem Psychologen un- i Rätsel aufgegeben, in den Reihen der Armee nicht mehr Raum haben durfte, nach der Beweisaufnahme in zwei Pein- Prozessen nicht zweifelhaft sein, und man t deshalb die durch erschwerende Um- t verschärfte Verabschiedung als natürliche endige Konsequenz der Dinge. Dessen- erscheint aber auch heut noch L Stelle in dieser Menschentragödie düster eklärt, und man darf bei der Beurtei- Falles nicht außer acht lassen, daß

Drama im Mittelpunft der Szene e Leidenschaften von beiden Seiten brandeten und daß hvsterische Er- Mg auf der einen, erstickender Groll auf der nt Seite die Gemüter stachelten. Im tollen der Ereignisse, unter den Einwirkungen ir aulb stärkere Seelen quälenden Hetze hat im Spiel der Szene der Hauptmann Graf einen Selb st Mordversuch un- en: Sei's in der Erkenntnis begangner _ sei's unternt Druck seelischer Depres- n «ach glühend geschürten Erregung-Stunden.

Ziel ward indessen nicht erreicht, und tue des Zufalls riß den vorm Leben den im letzten Augenblick vom Abgrund ikeit zurück. Später dann, als hinter lldigen alle Brücken zusammenbrachen, man auf der Suche nach Gerechtig- auch dieses düstre Momentbild aus eineA 7«sein verhängnisvoller Irrungen, und WW t^ms Pfeil in der Stunde, da er frie Hand L«tf Pie titoinle zur Ewigkeit legte, noch des -r-mgs lind trug und dem Gesetz militärischen Lbremcchts unterstand, konstruierte der An- --Sägtr 6er Ehrenwacht aus dem Faktum des BersuSs freiwilliger Lebenendung das Ver- muf?« des Fahneneidbruchs, der durch «n Anschlag wider das eigne, durch feierliches MHAKnis dem obersten Kriegsherrn verpfändete gwen schwer verletzt worden sei. Zu einem WMich der Gerechtigkeit ist es wegen dieses An- Esepunkts zwar nicht gekommen, der Vorfall SS! mdesse» dem Kaiser Anlaß gegeben, in «mer be ondern Kabinettsordre die Frage der ^lltamchenTreue bis zum Tode" vom -Aandpunkt reinen Men schlich keit-EmP- findens aus zu klären.

Ter Deutsche Kaiser hat eS nicht gebilligt, g?1 toc3«n des Verzwetflungschritts einer «ntfien Stunde wider den Hauptmann von Eudenz ein ehrengerichtliches Verfahren ein- tMuirkt ward: Er steht auf dem Standpunkt, "c ne solche, wider Leben und Sein ge= ftol- Tai der am Erdendasein Verzweifelnde WGott und seinem Gewissen zu ver- E^orten habe", und daß das Leben keine reo-inche Handhabe besitze, frie auf der Flucht !c4e« Sorgen Strauchelnden für den Fre- am eignen Leibe zu strafen. Der Kaiser, MMbedingter Lebenbejaher, bekennt sich also ««fsassung des rein menschlichen Emp- Ws> daß ein aus den Nöten und der Ver- fislvng des Daseins heraus der Furchst vorm

Wbgerungner Selbstmord ein Produkt der Mstimmfing und des Gewiffenkampfs ist, Man wohl bedauern und (menschlich mit- ttt>) beklagen, nicht aber als Verbrechen 1 des Lebens Pflichten dem am steinigten ' des Tafeinz müd Gestrauchelten als eheischende Schuld aufbürden kann, es fei ^(Wie's in der Kabinettsordre heißt), daß DwkeNebenumstände dies erheischten". Wil- 1 der Zweite hat damit ein erlösendes Wort «tSen. und die Moral-Kultur des zwanzig- -gahrhundetts gebietet, daß dies Kaiser- t aucb dort gehört wird, wo Dogmen- Höeit und menschliche Selbstgerechtigkeit >er starren Erdenhülle armer Kampsesopser

Schlachtfeld des Lebens kühlen Herzens Mitleid den Eintritt wehren.

»Flucht vorm Leben" endet immer Menschentragödie, und ob der Tod durch niedre Tür frer Armuthütte oder durchs lnI des PrachtpalastS von der Verzweif- äeruf'u wird: Er kommt immer als Er- e r. uns immer nimmt er eine Seele von en, die in der Lohe innem Kampfs frer« te Um den Fall des Hauptmanns von tdenz (über den inzwischen die Aften ge­llen werden konnten), sestzuhatten: Ter *** an sich verdient gewiß nicht Mitleid; Esst Hai hilflosen Frauen gegenüber kein 'kid gefühlt und die Zartheit des Emp- ist feiner Seele stets fremd geblieben. Mann aber, den die RaLe der Mitwelt

Berlin, 4. Januar-

In maßgebenden hiesigen Krisen werden als ernstliche Anwärter auf das AuSwär- tige Amt nur noch die Botschafter fron Ia- gow uttd von Wangenheim genannt. Beide Kandidaten scheinen auf die Anfrage des Kanzlers, frie am S'lvestertag ergangen ist, nicht eine glatt besah ende Antwort gegeben, sondern gewisse Vorbehalte gemacht zu haben. Herr fron Jagow insbesondere dürste auf seinen schwankenden Gesundheitszustand hingewiesen haben, der es ihm erwünscht er­scheinen läßt, in Rom zu Weib en. Die Vorbe­halte frer Kandidaten haben free Gegenstand einer Unterredung gebildet, die gestern zwischen dem Kaiser unfr dem Kanzler sofort nach dessen Rückkehr aus Stuttgart tm Reichs­kanzler-Palais stattgefunden und etwa eine Stunde gedauert hat. Danach dürften neue Anfra gen an die beiden Kandidaten ergan­gen sein, auf frie man morgen oder spätestens übermorgen frie Antwort erwartet. In diplo­matischen Kreisen wird Übrigens bestätigt, daß Unterstaatssekretär Zimmermann zurzeit als Kandidat ausscheidet. SoMen alle Persönlichkeiten, die vom Reichskanzler in Be­tracht gezogen werden, ablehnen, dann wäre es immerhin möglich, daß nochmals auf Zimmer­mann zuMckgegriffen ifrürfre, etwa in frer Weise, daß Zimmermann, frei die Personen der Berliner Diplomatie genau kennt, und allge­mein große persönliche Sympathie genießt, provisorisch das Auswärtige Amt weiter verwaltet und zwar so lange, bis der defini­tive Nachfolger Kifrerlen-Waechters gefunden ist.

Der Kaiser und der Kanzler.

Als auffällig wird in Berliner politi­schen Kreisen die Tatsache erachtet, daß der jetzige Unterstaatsselretär Zimmermann von verschiedenen Seiten als der Kandidat des Reichskanzlers bezeichnet worden ist während von anderer Seite verlautet, er habe aus Gesundheitsrücksichten gebeten, von einer Berufung abzuseben. Ist das ridrtia. so würde ein gewisser Widerspruch zwischen dem Reichskanzler und dem Kaiser insofern brstcben. als man in der Oeffentlichkeit allseitig mit dem Kaiser den Namen des Konstantino­peler Botschafters von Wangenheim als aussichtsreichsten Kandidaten in Verbindung brachte. Vielleicht ist der Kanzler frer Ansicht, daß Herr von Wangenheim in Konstanttnopel zur gegenwärtigen Zett nicht entbehrlich ist, und hat daher als zweiten Kandidaten lau Wangenheims Stelle) den deutschen Botschafter in Rom, fron Jagow, vorgeschlagen.