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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang

Freitag, 3. Januar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 24

Fernsprecher 951 und 952.

3nfertton8pretfe: Die sechsgespaltene Zeile für einheimische »eschüfte 15 Pfg., für aus wärtige Inserate 25 Pi., Reklame,eile für einheimische Geschäfte 43 Pf, für aurwartige Geschäfts SS Pf. Einfach« Beilagen für die Gesamtauflage werde» mit 5 Marl pro Tausend be­rechnet. Wege» ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung find die Tasseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher Jnsertionsorgan. SeschäftShellem Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 18, Telephon: Amt Moritzplatz 876

wird, di« Pforte von der Nutzlosigkeit ihres Widerstandes zu überzeugen und sie zur A n - nähme der von dem Balkanbund ausgestellten Friedensbedingungen, insbesondere der Ab. tretung von Adrianopel, zu bcwcgcn.

Berlin, 2. Januar.

Bon den drei Kandidaten Lichnowsky, Bernstorff und Wangenheim hat in jüngster Zeit besonders der Freiherr von Wangen- Heim, der gegenwärtige Botschafter in Kon­stantinopel, Gelegenheit gehabt, feine besonde­ren Vorzüge in der nächsten Umgebung des Kaisers zu zeigen. Freiherr von Wangenheim hat von dieser Gelegenheit auch ausgiebig Ge­brauch gemacht. Er hat dadurch erreicht, daß er heute von allen unseren Diplomaten der­jenige ist, der dem Kaiser am svmpa- t h i s ch st e n ist. Er hat sich die Gunst des Kai­sers, wie man im wörtlichsten Sinne des Wor­tes sagen kann, richtigerspielt". Freiherr von Wangenheim ist nämlich ein ganz her­vorragender Musiker. Er ist ein Vir­tuos am Flügel, und schon damals, als er noch deutscher Geschäftsträger in Tanger war, nutzte er seine Pianistenkunst in diplomatischer Weise aus. Es waren damals aufgeregte Zei- ten, und es gab unter den internationalen Per­sönlichkeiten Tangers ost hitzige Diskus- sionen. Wenn die Situation gefährlich zu werden drohte, da setzte sich der Freiherr von Wangenheim anS Instrument. Unter seinen Fingern quollen die Klänge von Schumanns Kreisleriana" hervor, und ... cs war wieder Friede! Der Kaiser, der ein großer Musik- freund ist, hörte natürlich von dem Talent des Gesandten und bevorzugte ihn seitdem in her­vorragender Weise. Während des Kaisers

Aufenthalt auf Korfu

war Freiherr von Wangenheim sein täglicher Gast, mit dem er täglich musizierte. Man sagt ja, daß dir Folge davon gewesen sei, daß Freiherr von Wangenheim inzwischen nichts davon gemerkt habe, daß zur selben Zeit in Athen, wo er damals Gesandter war, der Balkanbund gegründet wurde. Aber der Freiherr von Wangenheim versteht sich auch noch auf das andere Spiel. Er ist ein glän­zender Bridgespieler, und seine Virtuosi- tät in diesem Spiele geht soweit, daß er ge­radezu gefürchtet ist. Denn in Tanger mußte sich einer der internationalen Diplomaten nach dem andern versetzen lassen, weil sie alle an den Freiherrn von Wangenheim zu viel Geld verloren hatten. Wer die Spieler-

Leidenschaft dieses Diplomaten kennt, fürchtet daher, daß er für die Wilhelmktraße doch nicht der geeignete Mann ist. Er ist übrigens auch twie Kiderlen) kein Redner, während er aller­dings (was Kiderlen auch jvar) im Privatge­spräch ein hervorragender und entzückender Causeur ist. Er ist der Typus des weltmänni­schen, eleganten Diplomaten, dazu ein schöner, hochgewachsener Mann. Kaiser Wilhelm schätzt solche Erscheinungen mehr, als die etwas grob- drähftgen Naturen vom Schlage Kiderlens, und darum hat jetzt der Freiherr von Wangenheim große Chancen, dasRennen zu machen". Sollte er aber jetzt nicht zum Start gelangen, so kommt er sich im nächsten Rennen ans Ziel, denn es ist ausgeschlossen, daß dem Favo­riten des Kaisers kein weiterer Lorbeer mehr blühen sollte ...!

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den zweifellos in gänzlich neue und aussichts­reiche Bahnen gelenkt werden wird. -wo-

gründcn kann. Aus dem Boden der WÄtfremd- heit wächst dann das Unkraut der Klassen- ustiz empor, die keine Vergewaltigung des Rechts aus Prinzip, sondern lediglich die E i n- eitigkeit der Gerechtigkeit als Au Muß mangelnder Lebens- und Weltkenntnis ist.

Wenn dann vom Mund der Weltfremdheit Urteile gesprochen werden, die dem natürlichen Rechiempfinden des Herzens und dem unbe­irrbaren Rechtbewußtsein der Oesfentlichkeit unver-ständilch bleiben, dann rächt sich die unge- unbeExklusivität" der Justiz auf verhäng­nisvolle Weise und die Gerechtigkeit spürt die drückende Last des herrschenden Systems. Im Zivilprozeß hat in neuerer Zeit die Zuziehung von Sachverständigen in' Spezialsragen einiges gebessert, und in Fällen, in denen die Allwissenheit" der Justiz versagt, steht der Praktiker dem Laien im Richtertalar als Dol­metsch der Wirklichkeit helfend zur Seite. Im Strafprozeß dagegen Pflegt die Justiz grade dort noch auf diesen erfahrenen Vermittler zu verzichten, wo die Erkenntnis des Mili­eus der Grundpfeiler der Gerechtigkeit «in müßte. Der sächsische Handelskammertag hat mit seiner Forderung sicher das Beste ge­wollt, und die Erfüllung seines Verlangens würde möglicherweise auch manches zu bessern vermögen und einen Teil der Mängel beseiti­gen: Die Wurzel des Uebels eben liegt tie- er; sie ist in den zerklüfteten Boden der herr- chenden sozialen Gegensätze eingc- rammt, und wenn man unsre Rechtspflege volkstümlich machen und die staatliche Gerech­tigkeit dem Empfinden des Volks näher brin­gen will, dann muß man' die Justiz s c l b st näher ans pulsierende Leben, näher an den Mittelpunkt der Volkgemeinschaft heranrücken, und sie nichtauf der Höhe der Menschheit" verdorren und vcrkünrmern lassen! Die Justiz muß verjüngt, mit ftischem Blut aus allen Teilen des Volttörpers ver­sorgt und der gefährlichen sozialenInzucht" entkleidet werden: Dann wird ihre.Weltfremd­heit" von selbst schwinden und wir werden nicht mehr Anlaß haben, die Opfer toter Buchstaben- Gerechtigkett zu betrauern ...! F. H.

Wer wird Werkens Btbe?

Der Favorit des Kaiser«: Wangenheim!

Wer wird Kiderlens Nachfolger? Es kom­men vier Kandidaturen ernstlich in Betracht. Zunächst die von Kiderlens Stellvertreter, dem Unter-Staatssekretär Zimmermann. An zweiter Stelle hat sich dieser echt preußi'^-kor- rektc und zuverlässige Mann durchaus bewäbrt; fraglich bleibt allerdings, ob er in leitender Position die rechte Initiative und Tatkraft ha­ben tarnt. Außerdem ist er naturgemäß dem Kaiser, der den Ausschlag gibt, immer fer­ner gewesen als die anderen Mitbewerber. Das sind Fürst L ichn oW sky, Graf B ern­st o r ff und Freiherr von Wangenheim. Von unterrichteter Seite erhält unser Berliner politischer Mitarbeiter dazu folgende Infor­mationen:

Pianist und Bridge-Spieler.

(Von unserm Berliner R. ^.-Mitarbeiter.)

Zwei weitere Kandidaten.

Wie uns im Anschluß an vorstehende Mit­teilungen unseres Berliner politischen Mitarbei­ters ein Privat-Telcgramm aus Bei» (in meldet, steht die Ernennung des neuen Staatssekretärs des Auswärtigen unmittel­bar bevor. Unter den Kandidaten, die in diplomatischen Kreisen in den letzten Tagen genannt wurden, siebt mit an erster Stelle der Gesandte Tr. R o s e n. der zurzeit das Deutsche- Reich in Bukarest vertritt. Ferner kommt noch 'M» verlautet) der deutsche Botschafter in Rom.

Sie »eser-WaNeilraft-Werle.

Die Zukunft unsrer Nachbarstadt Münden. (Bon unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Berlin, 2. Januar-

Dem preußischen Abgeordnetenhaufe ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der den Ausbau von Wasserkraftwerken im oberen Quellgebtet der Weser betrifft und (wie wir bereits ge­meldet haben) die Staatsregierung ermäch­tigt, für den Ausbau dieser Aussage den Betrag von neun Millionen zu verwenden. In Aus­sicht genommen sind Wasserkraftankagen an ter Gddertalsperre, an der Diemeltalsperre bet Hel­minghausen, an dem Zusammenfluß der Fulda und Werra sowie die S ch« f l u n a eines Wehres bei Münden zur Errich­tung von staatlichen Ueberlandzentralen. Zu­nächst sollen nur fünf Millionen Mark zur Verwendung gelangen und der Rest später für die Wasserkräfte bei Münden zur Ausgabe ge­langen. Beabsichtigt ist, neunzehn Kreise in den Provinzen Hannover, Hessen - Nas­sau und im Fürstentum Waldeck durch dte-se Anlagen mit elektrischer Kraft zu versorgen. Zunächst sollen Kraftwerke an den Talsperren selbst geschaffen unid die beabsichtigte Kraft­anlage bei Münden erst später hergestellt werden, lieber die gedachten Kraftwerke und ihren Ausbau gibt die Begründung ausführli- chen Ausschluß. Im ganzen sollen in allen drei Anlagen später 41 Millionen Kilowattstunden jährlich erzeugt werden. Die Baukosten für di«

Errichtung der Kraftwerke

belaufen sich insgesamt auf 7 300 000 Mark (1900 000 Mark für Hemfurth. 400 000 Mark wr Helminghausen. 3 750 000 Mark für Münden. 950 000 Mark für eine Kraftstromverbindungs- leitung der drei Kraftwerke einschließlich An­schluß nach Cassel und Götftngen und 300 000 Mark für zwei Hochfvannungs-Trans- form-ftoren-Stationen. Di« Baukostenur Münden werden ziemlich hock sein und fot(ew deshalb vorläufig turückgestellt werden. Ta die Anlage fstür die Stadt Münden große Vor­teil« hat. so wird angenommen, daß sich die Stadt finanziell beteiligen wird. Zu den Ko­sten des Ausbaues der eigentlichen Kraftgewrn- nunasanlagen treten noch 1700 000 Mark ntr Hochsvannunasleitungcn in den Kreisen, welch« das Houvtabsatzaebiet des gesetzlich erzeugen­den elektrischen Stromes bilden werden. Das Leitungsnetz soll 350 Kilometer umfassen. Di« Pläne für die Schaffung dieser lleherlandren- tralen werden in der Begründung eingehend erörtert. Hinzu kommt noch, daß der Man be­steht, außer d r neuen großen Schlsuse auch ein: moderne Hafenanlage in Münden zu x baf­fen Die Stadt Münden sieht also «»ner^glän- zenden Zukunft entgegen, da durch die Schaf­fung einer für den großen Verkehr berechneten Lafen-Anlage die Entwicklung der Stadt Mün-

rcchtigung dieser Kritik überzeugend darzutun, braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß sich der Nachwuchs unsrer Juristen heute nur noch ausschließlich aus den bemitteltsten und wirtschaftlich unabhängigsten Klassen re­krutiert, weil die finanzielle Dürftigkeit der Karriere in Verbindung mit einer geradezu unerhört langen Wartezeit es den Angehörigen der weniger bemittelten Klassen direkt unmöz- lich macht, die juristische Laufbahn eiuzuMa- g:n. Das allein ist schon eine schwere Ge­fahr für die Volkstümlichkeit und praktische Schulung unsrer Fusttz, denn man kann von dem Sohn des reichen Hauses, der weder in der Kinderstube, noch auf der Schulbank, noch während seiner Studien- und Vorbereiiuttgs- zcft mit dem Gros des Volks in nähere Be­rührung gekommen (möglicherweise sogar durch die ganze Methode seiner Erziehung zu einem Verächter derMasse" heoangebildet worde-.t ist) natürlich nicht erwarten, daß er später als Richter dem Volk mitfühlend, ver­stehend und erkennend gegenübertreten und seinen Richterspruch auf die Sicherheit ei gner Kenntnis von Welt und Mensche»

Sie guftiz unserer Seit.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie...!"

Wir haben in den Tagen des Uebergangs vom alten zum neuen Jahr wieder allerlei Un­erfreuliches über die Weltfremdheit unsrer Justiz gehört, Worte des Bedauerns und der Kritik, und es gewinnt fast den An­schein, daß grade die neue Zeit mit ihren scharfen Kontrasten zwischen wild-hastender Fortschritt-Entwicklung und greifender Tra­dition im Wesen unsrer Staats-Organisation der Justiz den Blick fürs reale Leben mit sei­nem ganzen Gehalt an Leidenschaften und Kümmernissen mehr getrübt hat, als alle Jahr­hunderte, die vordem über dem Tempel der Themis dahinrauschten. Möglich, daß opttsche Täuschung zu allzu hartem Urteil verführt, und daß unsre Justtz im Grunde besser ist als ihr Ruf: Aber auch dann bliebe noch zu berech- tigter Kritik genügend Anlaß, und eine der schwächsten Seiten des modernen Rechtsbetriebs ist zweifellos der schroffe (und manchmal ko­misch wirkende) Gegensatz, der zwischen der Vorstellungwelt mancher Juristen und der Welt der brutal-nüchternen Wirklichkeit klafft. Alle Gerechtigkeit gründet sich indessen auf die Wahr- . heit der Erkenntnis, und erkennen kann nur, wer das Wesen der Dinge in seinen Mo- tivcn und Keimen erfaßt hat und die Wertung der Tatsachen untcrm Gesichtswinkel der Mi- ? lieu-Erkenntnis objektiv richtig abzuwägen vermag. Mit andern Worten: Wer urteilen will, muß des Lebens soziale, wirtschaftliche und sittliche Geheimnisse erlauscht, Niederungen und Höhen des Menschendaseins prüfend ge­messen und den Lebenskampf dort studiert ha­ben. wo Not und Verbrechen, Wahn und Lei- M denschaft scharf sich schneiden.

Der sächsische Handelskammertag hat kürz- sich bei den Beratungen über eine Reform der ...juristischen Vorbildung einen Beschluß gefaßt, S%er sich scharf gegen die Wellfremdheil unsrer Justiz richtet: Der Handelskammertag - hält es im Interesse von Handel und Industrie, M . Geweroc und Landwirtschaft, wie auch im In­teresse des Juristenstandes selbst für dringend wünschenswert, daß sich Richter und Anwälte von den Bedürfnissen des prakti- | schen Lebens in weitgehendem Maße uu- s ierrichten. Als geeignetes Mittel zur Erlan­gung praktischer wirtschaftlicher Kenntnisse ver- - langt er für die jungen Juristen eine ihrer - Ausbildung dienende Beschäftigung in Han­delskammern, Gewerbe- und Landwirtschafts- kammern, oder entsprechenden kaufmännischen . oder industriellen Großbetrieben. Wie berech- ' tigt die Forderung des Handelskammertages ist, geht aus tausend Beispielen hervor, die die Zivil- und Strafjustiz unsrer Tage grade in denjenigen Fragen als weltfremd und r mangelhaft unterrichtet kennzeichnen, die mit , der fortschreitenden Industrialisierung des Reichs naturgemäß auch im Rcchtsleben in den W Vordergrund des aktuellen Interesses gedrängt werden: Fragen des industriellen, gewerblichen i und kaufmännischen Lebens, der modernen Ar- E,." beiterbewegung, der Sozial- und Wirtschaft- Politik und der aus dem Kampf ums Dasein Heranwachsenden Kriminalttät. Hier kann keine t Justiz desgrünen Tischs" die berufne Prie- M sterin der Gerechttgkeit fein, sondern die Recht­sprechung erfordert nie Recht-Erkenntnis eigner Erfahrung, die verständige Würdigung _ von Milieu und Motiv und sichre Erfas­sung von Ursachen und Wirkungen.

Einer unsrer besten und hellblickcndnen Juristen hat das harte Wort gesprochen: Das W Erbübel der Justtz ist die Einseitigkeit ihres lebenden Apparats! Um die Be­

Am Borabend der Friedens?

Die Türkei macht Konzessionen!

Die Londoner Friedens - Verhandlungen zwischen der Türkei und den BaKan-Verbünde- ten, die bisher die reine Farce gewesen, ha­ben gestern nun endlich: eine bestimmte Basis erhalten, indem der türkische Delegierte Rcsckid Pasthn die neuen Vorschläge der Tür­kei vorlegte, die schriftlich sonnnftiert waren und zu denen die verbündeten BaMaustaaten ehestens Stellung nehmen werden. Diese Vor- schläge, die die Aussichten aus das Zustande­kommen des FrftdenssMusses wese:: ft ich ver­bessert haben, umfassen folgende Punkte:

Die Türkei tritt alles Gebiet westlich des Wilajets Adria- nopel ab.

Albanien wird autonom. Die Bestimmung der Grenze und der poli­tischen Verfassung bleibt den Groß­mächten überlasse«.

Wegen Adrianopel schlägt die Türkei vor, mit Bulgarien über die Festsetzung der türkisch-bulgarischen Grenze direkt zu verhandeln.

Nach Bekanntgabe der neuen türkischen Vor­schläge wurde die gestrige Sitzung der Frie­dens-Konferenz auf eine Stunde ausgesetzt, um den BaMandelcgierten Gelegenheit zur Be­sprechung zu geben. Die gestrige Sitzung der Konferenz wurde überhaupt im allgemeinen dadurch gekennzeichnet, daß die Sprache der türkischen Delegierten viel versöhnlicher war als bisher. In den Kreisen der Balkan- Vertreter gab man der Zufriedenheit mit dem Ergebnisse der gestrigen Sitzung Ausdruck. Wir erhalten über die augeiMtekliche Lage sv^enden DrahtbcriM:

Vor bem Friedensschluß?

(Privat-Telcgramm.)

Bukarest, 2. Januar.

Nach einer offiziellen Meldung sind die zwischen dem Gesandten Miku und Dr. Danew geführten bulgarisch-rumänischen Kompen- fationsverbandlungen in eine von Rumänien gewünschte Phase getreten, und man erwartete eine baldige Erledigung in allen zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen. Meldungen aus Konstantinopel zu­folge sind auf der Pforte sehr günstige Meldungen über den Stand der Fric densverhandlungen cingetroffcn. Man glaubt, daß sich die Formel eines Arrarigemcnts auch in bezug auf Adrianopel finden wird und erllärt, daß auf der morgigen Sitzung der Frie­denskonferenz die Situation sich voll- ständig klären wird. Auch in Konstan­tinopeler diplomattschen Kreisen ist man der Ansicht, daß nach dem von den Mächten erteil­ten Ratschlag der Frieden wahrscheinlich ohne Intervention der Mächte zustande kom­men wird. Allerdings wird ans Belgrad ge­meldet, daß, falls auch auf der morgigen Sitzung der Friedenskonferenz die türkischen Delegierten keine befriedigenden Anträge stel­len sollten, Bulgaren und Serbien wegen Wiederaufnahme der Feindselig­keit e n in Verhandlung treten werden. Zu die­sem Behufe werden sich die beiden Minister­präsidenten Pafitsch und Grschow in Riesch zu- sammcNf'nden.

Die Konferenz der Botschafter.

Ein Privattelegramm berichtet uns aus London: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es der heute stattfindenden Botschaf­terkonferenz noch nicht möglich feilt, die Frage der Abgrenzung Albaniens auf die Ta gesordnuna zu setzen. Die Verhandlungen der Botsckasterkonferenz leiden, wie allseitig her­vorgehoben wird, sehr unter dem Drucke der militärischen Vorbereitungen der verschiedenen europäischen Mächte.

Rüstet Oesterreich ob?

Aus Paris wird uns depeschiert: DeA Matin schreibt heute über die internationale Laac: Endlich f-eute. zu Anfang des neuen Jahres, entschließt sich Oesterreich, einen Test feiner Kriegsvorbereitungen einzustellen Rußland wird daher ebenfalls eine Jahresklasse entlassen. Die drohenden Wolken am nafiono. len Himmel stnd also vorübergeganaen und der Balkansriede scheint nun ebenfalls ge­sichert, nachdem alle Schwierigkeiten beho ben sind.

Optimismus in Sofia!

Ein weiteres Privat-Tcle gramm meldet uns ans Sofia: Entgegen ben offi­ziösen pessimistikchen Meldungen ist man in hiesigen sonst gut unterrichteten Kreisen der bestimmten Anficht, baß es den Vorstellun­gen und Ratschlägen der Mächte doch, gelt na- n