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COlerNeueste Nachrichten

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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

3. Jahrgang

Nummer 23

Mittwoch, 1. Januar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

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DUaM« Staeftee Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abenti«. Der »«mementSprei« betrügt monatlich SO Psz. bei freier Znstelllmg inj HauS. Besl-llung-n werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Drnüerei. Bering und Redaktion: Schlachttzosstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nut von 7 bi« 8 Uhr abend«. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 diS 8 m>r abend«. Berliner Berrretung: SW, Frtedrichstr 16, Telephon: Ami Morttzplnh 67«.

Lin Brnhmal such vüllrnürt's auf drn Men Von Etipjig, das brr Murn Taten prüft, Snb heitern Sinns lägt in dir Zukunft sch Solang sich rührt brr attr Vpfergrift. Snö junger Mut, örr aollrr Softnrrtraurn örn 0rgm hlirrrnö aus örr Schriör reißt, Wenn Äah imö Mißgunst, öir uns langt grollen, Am strinrn Krris örn frirörn haitrn moiltn!

JnsertionSpreise: Die techSgespaltene Zeil« kür einheimisch« 15 Wg., sttr «

«artige Jnjerate 25 Bst, Reklame,eile für einheimische S-schäsl- M Bst, für au«warttge Geschäft« SO m Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend ve- rechnet. Wegen ihrer dichten B-rbreilung in der Restdenz und der Umgebunz stnd dis Casseler Neuesten Nachrichten -in vorzügliche« JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: «olntsche »trabe 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrtchstraüe 18, Telephon: Amt Morigplatz m

Koch tinmal schaut hrut' in öir flüftrrflammtn Drs Lhristbmims, örffrn Würzröiift verwrht; Zum irgtrnmal rückt ftierfrahinfammrn Im alten Jahr, das halb jur Küste geht. Weiht ihm rin ktjtrs Wort, öoch htin Verdammen, ®ir|t rs auch nicht, was ihr non ihm rrstrht; Lin nrura strigt herauf; iaht ruch örn tßlaubrn ?n Glück unö Gunst nicht für dir Zukunft rauben!

Muß rs öoch rinrn Lrnj mit Veilchen bring«, 8nö Slütrnschnrr unö Mchtigallrnfang, Wo srlbst örr Schmirö frin öröhnrnö hammrrschmingrn Lauschfroh nrrgiht, rin finbrnliröd)« lang;

Srauf Sommrrtagt, öir nach Jltifr ringtn Zu braunrr Schnittrr rolchrm Senfrnhlang; Suh bann örn chrrbst, örr jwifchrn nallrn ßrbrn Sich tummtln iaht rin lustig Winjrrlrbrnl

Ulmer, g 5« - splatz

ren auch das sünsundzwanzigjährige Rcgie- rung-Jubiläum des Kaiser-, und grade diese Gedenktag« sollte« nicht nur uns. sondern auch dem Ausland, den Neidern von Deutschlands Macht und Größe, zu denken geben. Wie vor bundert Jahren, so würde auch heute Deutschland seine Freiheit, seine Unabhängigkeit und seine Ehre tu verteidigen wissen: E i n Volk in Waf­fe«. Und das darf uns, nach vierzig Jahren Stidtenrube, auch in Zeiten der Ätfft&r und

ter« günstige Regulierung der Schichttöhne zu­gebilligt werben wird. Weiter solle« Unter­suchungen über Lohnunierschirte in de« ein­zelnen Ju'Portionen angestellt und ferner fest- gestellt werden, ob mit Rücksicht auf dir Ver­kürzung der Ichlepperzeit Gedinge-Erhöhungen vorgcnont.nen werde«. Die Konferenz erwartet, daß in Zukunft Abänderungen oder Ergänzun­gen der Arbeitsordnung mindestens vier Wo- chen st? s rh er den Ausschußmitgliedern zuge- ftellt werden und daß diese« Mitgliedern Ge­legenheit gegepr« wird, Gegenvorschläge zu machen.

Deutscher Wahl-Zirg in Schwetz!

Landrnt von Sale« gewählt.

(Privat-Telegramm)

Danzig, 31. Dezember-

Die ReichStagersatzwahl im Wahlkreise Schwell, die nötig wurde, weil der nnr mit geringer Mehrheit gewählte freikonservative Abgeordnete, Landrat von Halem, fei« Mandat infolge der gegen die Wahl laut gewordenen Bedenken niedergelegt hatte, hat gestern stattge­sunden und Hot einen Sieg des deutschen Kandidaten überden Pole« gebracht. Bon den 15908 abgegebene« Stimme« erhielt der freikonservattve Kandidat, der frühere Abgeord. nete Landrat von Halem 8017, der Pole «asjoworSki 7855> der sortaldemokra-

WaffenftiWaud en der 8aar!

Die Streik-Ankündigung aufgehoben. (Privat-Telegramm.)

Saarbrücken, 31. Dezember.

Die gestrig« Revierkonferenz der christlichen Gewerkschaften hat nach viereinhalbstüiwiger, teilweise sehr erregter Debatte die eine« Streik vermeidende Resolution deS.christ. liche« Gewerkschaftsvorstandes engenem» men. Gegen die Resolution stimmten etwa 100 Delegierte von einer Gesamtdelegttrtenzahl von 359. Dir Resolutton tourte sonach mit großer Mehrheit angenommen. Dadurch ist die Streikankündigung im Berg- werksgebiet der Saar, die am zweite« Januar in Kraft treten sollte, wieder aufgehoben. Die Resolution spricht aber nicht von einer Aufhebung des Streikbeschlusses, sonder« von einem Waffenstillstand, um zunächst ab zuwarten, ob die Bergwerksdirektton ihre Ver­sprechungen wegen weiterer Lohnerhöhungen auch ausführen werde. EL wurde heschloffen, eine zwälfglikdrige Kommission einzn- setzrt, hie darüber zu wache« hat, ob die Ber. sprechunLe« erfüllt werten und ob de« Arbei-

Sorge Sicherheit und Zuversicht leihen: Daß wir jeder Schicksal-Fügung stark und gerüstet gegenüberstchen, sei'S in Hellen oder dunklen

tischeZählkandidat Grygo 33 Stimmen. Tic übrigen Stimmen waren zersplittert. Landrai von Halem ist also im ersten Wahlgang bereits wiedergewählt. Die Beteiligung an der gestri­gen Wahl war auf deutscher Seite um zwanzig Prozent stärker als bei der letzten Wahl.

Dee Kampf um Schweh.

Der Wahlkreis Sch wetz, von 1867 bis 73 nationalliberal vertreten, wurde 1^74 zum ersten Male von einem Polen erobert, der aber bei den Wahlen 1877 und 1878 dem Konservativen von Gordon unterlag. 1881 siegten die Polen abermals, um 1884 nochmals Herrn von Gordon, bei den späteren Wahlen von 1887 bis 1893 deut Reich4par­te i l » r Holtz zu unterliegen. Die Mehrhci'. hatte nur wenige Stimmen betragen, die Wahl wurde 1896 kassiert, Holtz wurde aber wieder- gewählt. Wiedemm wurde das Mandat für un­gültig erklärt und in der zwetten Ersatzwahl iMärz 1897) der polnische Kandidat von Sasjaworski gewählt. Bei den nächsten Hauptwahlen siegte wieder der Deutsche, 1907 der Pole, 1912 der Reichsparteiler von Ha- l e m. Beim ersten Wahlgange dieses Jahres fehlten den Polen nurzweiStimmen an der unbedingten Mehrheit; bei der Stichwahl siegte dann der Freikonservative mit der über­raschenden Mehrheit von fast 600 Stimmen i8608 gegen 8039), während gestern der Frcikon- servattve nur 162 Stimmen Mehrheit gegenüber dem Polen errang.

groß.,!

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An brr Sahn Merlen».

Erinnerungen an den tote« Staatssekretär.

(Von utrfetm Berliner Korrespondenten.)

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Berlin berichtet, gilt in dortigen unterrichteten Kreise« als wahrscheinlicher Nachfolger des Staatssekretärs von Kidorlen- Waechter allgemein der gegen­wärtige Botschafter in Washington, Graf Bernstorfs. Wegen der schwebenden Handelsvertrags,Ver­handlungen dürfte Graf Bernstorfs die Leitung des Auswärtigen Amts wahrscheinlich aber erst Mitte oder Ende Februar übernehme«. Seine Berufung dagegen gilt als sicher.

Keiner, teilte: von Denen, die Herrn von Krderlen-Waechter noch vor Weihnach- iien sahen, hätte gedacht, daß wir ihn in Berich Nicht wiederschcn würden. Er sah ja in den letzten Wochen sehr angegiisscn ans, aber die klugen Schwabenaugen blitzten auch in die­ser Zeit der angestrengtesten Arbeit dem Be­sucher lustig entgegen, wenn man in sein Ar­beitszimmer in der schönen Villa in der- nrggrätzer Straße trat. Kidorlens berühmte gute Laune" wich auch im den angestrengtesten Tagen der BaMnwirren nicht von ihm. Nur daß sein Teint ins Geldliche hiniibcrsürbte und daß sich sein Rücken etwas zu beugen schien: ' Das hätte vielleicht andeuten können, daß die h-etße Arbeit ihren Tribut auch von dem un­verwüstlich scheinenden Staatssekretär forderte. Schlimmer war es im Sommer dieses Jahres. Da mußte der visl berühmte Berliner Medicus, der zu den intimsten Freunden Kideilens ge­hörte. ihn ernstlich drängen, rechtzeitig nach Kissingen zu fahren, sonst müsse er damit rechx- nen, eines Tages plötzlich einendauernde« Knacks" zu bekommen. Ustd als Herr von Ki- detzlen in Kissingen ankam, waren di« KWnger Stammgäste, die ihn schon seit Jahren kennen, doch einigermaßen erstaunt. Damals machte der Staatssekretär wirklich den Eindruck eines Kranken. Das Essen (und das wollte für ihn viel bedeuten) schmeckte ihm nicht mehr und die Hellen Angen waren wie von Schleiern verhängt. Aber nach Beendigung seiner Kur war er wieder der Alte, der nach der Arbeit des Tages noch ViS spät nach Mitternacht mit ein paar Vertranten viele und gute Tropfen genießen konnte. Kideriens Küche und Keller waren berühmt, geleGenWich hat man den Staatssekretär in einem weltbekannt«» Delila- ttsiengrischäft der Leipziger Straße

selbst seine Einkäufe bestellen sehen. Namentlich wenn er hohen Besuch hatke, so zum Beispiel Ende November, als sich plötz­lich der K a i s e r bei ihm sür den nächsten Tag MM Frühstück ansagte. Der Kaiser machte ihm dann auch sein Kompliment darüber, daß er als Junggch'elle über eine so ausgezeichnete Tasel verfüge itrtb Mderlen. der gern freimütig War!, scheute sich nicht, dem Kaiser zu erzählen, daß das das besondere Verdienst seiner Wirt­schafterin sei. Gerade diese Wirtschafterin hatten nämlich Kideriens Gegner schon feit Fahreu gegen ihn ansspielen wollen. Sie hört auf den sehr berlinerischen Namen Piefke, und die einflußreiche Stellung, die sie im Haushalt des Staatssekretärs einnahm, hatte Anlaß zu allerhand Gerüchten gegeben. Schon in Bukarest sollte die Dame die gcscllschafiMche Position des Staatssekretärs gesähidet Haban. Tatsächlich war das nur LntriaeMatkch find

Reumehnhmdertdreizehn.

Auf der Schwelle zum neue« Jahr.

Richt im Zeichen froher Hoffnung, sondern tnterm Druck der Sorge schreiten wir über eines neuen Jahres Schwelle, und die Sil- fester-Glocken, die in der Stunde der Witter- «acht des alten Jahres Ende durch die Lande rufen, llingen wie Mahnung und Gewissen- Stimme übers Erdrund. Ein schwerer Alpdruck lastete über Europa, als das Jahr neunzehn­hundertzwölf seinen Einzug hielt, und dieselbe Stimmung, die sein Kommen geleitete, über­schattet auch seinen Abschied von der Gegen­wart. Vor einem Jahr« war es die Marokko- »rise, die die Ruhe Europas zu stören drohte. Das Schlimmste zwar schien überwunden; Deutschland war mit Frankreich zu einer Eini­gung gelangt, und was hier noch zu tun übrig blieb, waren nur Formalttäten. Als bittrer Rückstand aber war die deutsch-englische Ver­stimmung zurückgeblieben, und deshalb blieb das Damoklesschwert weiter über Europa schweben. Ganz ähnlich präsentiert sich auch heut die Lage auf der Weltbühne, nur daß eS andre Akteure sind, die im Vordergrund stehen. Der Balkankrieg ist zwar noch nicht zu Ende, aber man darf sich der Hosfmmg hingeben, daß die Londoner Friedensverhandlungen zu einem günstigen Ergebnis führen werden. Auch die österreichisch-serbische Krise hat ihren be­drohlichen Charatter verloren. Gleichwohl kann man heute dieser Besserung der polttischen Lage noch nicht recht froh werden, denn wenn auch die weitere Entwicklung der Dinge im Orient den Erwartungen entspricht: Die Nachwir­kungen werden doch noch lange zu spüren sein und im internationalen Wirtschaft- leben ihre tiefen Spuren hinterlassen.

Nickst minder bedenklich ist, daß Rußland der von den Mächten vorgesehenen Lösung der Dttafrage im mnersten Empfinden widerstrebt.

betrachtet in Rußland den Aktschluß des

Schiit' uns, Kenjahr, vor ötn öültrrn Mächten Der kriegsngt; frnnr iirbrrich Stabtich Land-, Schirm uns ötn Bergmann in örr Lrbe Schächten; Führ' unfre Schiffer pjm ersehnten Strand: Leih' bühnen fürgrrn, öir mit Wettern fechten, Wagrnut'grn Lrnst unö tapfren Wiberstanö, Anö Sorg, Last nur beim $iang örr ffeierglacken Die Werkluft ruht unö ems'ge «über stachen!

Der Teiger rückt unö löst die «völfte Staubt, Sie weit» Wett lauscht auf örn ersten Schlag: Kraft Peujahr! wuchst es Hess uan Mnnb $u Munde; Manch Wunsch bebt auf, örr scheu im tzenep sag, Snö ualir Archer blinken in örr fiunhr: Stahl an! Ls gilt dem jungen Krujahrstagl Still ist der Tanne Glan; inbes uergiammen Glück auf örnn, Jubeljahr, fei uns willkommen...!

Alwin Römer.

Saltan-Dramas als eine diplomattsche Ni-.Ler- ige, und wenn man daher schon vordem auf Oesterreich-Uugarn nicht gut zu sprechen war, so hat jetzt die latente Gegnerschaft der Heiden Ostmächte eine höchst bedrohliche Verschär­fung erfahren. Oesterreich und Rußland stehen sich heute mit ähnlichen Gefühlen gegen­über, wie Deutschland und England vor einem ^ahr und ein verhältnismäßig geringfügiger Anlaß kann genügen, um den auf beiden Sei, trn aufgespeicherten Groll zur Entladung zu dringen Soll daher der Krieg nicht nur auf kurze Zeit vertagt fein, so werden die Diplo­maten ihre ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten haben, zwischen Oesterreich und Rußland bessrr Beziehungen herzustellen. Ist somit der politische Himmel um die Jahreswende nicht stet von drohendem Wettergewölk, so ist doch andrerseits auch ein übertriebner Pessimismus nicht angebracht. Man kann wohl hier und da der Anschauung begegnen, als ob das neue fc W unbedingt den europäischen Krieg brin­gen müsse Aber nicht etwa deshalb, weil die Polittsche Lage mit Naturnotwendigkeit auf den Krieg hlndränge, sondern weil die unglückliche »Dreizehn" das Verhängnis berge; die­selbe .Dreizehn", die vor hundert Jahren M- nicht das Verhängnis, sondern die Erlösung M brächte!

s. Gut! eietL_Ji ft. lks.i ermiet.fi Etage,

Man sieht: Die .Dreizehn" kann auch im glücklichen Sinne für die Geschichte bedeut. - fam werden, un. zur Sorge ist also allein aus Jahreszahlen - Fürcht nicht Anlaß gegeben. Wenn man übrigens die zwanzig Jahrhun­derte unsrer Zeitrechnung überblickt, so wird man ftnden, daß das Jahr .Dreizehn" nicht mehr Krieg und nicht mehr Unglück über die Welt gebracht hat, als jede andere Jahres­zahl. Will man aber gar den Hundertjährig«« Kalender auch in der politischen Meteorologie oinführen, so wird man sicher damit ebenso v'ele Enttäuschungen erlebe», wie sie unsren Wetterpropheten schon zuteil geworden find. So wenig geklärt daher auch heute die poliii- _ sche Laae ist. dürfen wir uns doch der Hoff­nung h ngehen, daß Das, was uns heute noch e . ängstigt, im Laus des Jahres sich freundlicher und glücklicher gestalten wird, als es heut den Anschein hat. Und was die Unglückzahl .Drei­zehn" anbetrifft, so wird sie sür uns Deut'che hoffentlich keine ühle Vorbedeutung haben Bringt uns doch das neue Jahr. neben den Gedenktagen der großen Zeit vor hundert Jah-

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