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-ietct, einen Spion sicher ;u bewachen. ES war ohnedies bereits dafür Sorge getragen worden, daß die Haftordnung so scharf angc- zogen wurde, wie cs zulässig war. Trotz­dem aber war es Lur möglich, ohne allzu zroße Schwierigkeiten zu entfliehen.

Tic Helfershelfer des Spions.

Nach neueren Feststellungen ist als sicher an- zunehmcn, daß Hauptmann Lux in frem­der Kleidung entkommen ist; sein eige­ner Anzug wurde in der Zelle vorgefunden. Woher die Kleidung stammt, ist noch nicht er­mittelt; jedenfalls aber beweist diese Tatsache überzeugend, daß Lur Helfershelfer ge­habt hat, die seine Flucht ermöglichten. Lux hatte (toic aus den, Prozeß gegen ihn noch bekannt sein dürfte) als Leiter des französi­schen Spionagedienstes an der deutsch französischen Grenze sei» Hauptaugenmerk da­rauf gerichtet, die deutsche L u s t s ch i f f a h r t auszu spionieren und für Frankreich Pläne eines deutschen Luftschiffes zu beschaf­fen. Zu diesem Zwecke hatte er im Dezember des vorigen Jahres der Z cp p el iul u ft- schiff - Werft in Friedrichshafen mehrere Besuche abgestattet und auch Versuch: gemacht, von Werftarbeitern Zeichnungen und Pläne zu erhalten. Die französischen Lenkluftschiffe sind bekanntlich von sehr schlechter Beschaffen­heit und können mit den deutschen Kriegsluft- schifsen weder an Gediegenheit der Bauart, noch an Schnelligkeit und Fahrtüchtig- kert irgend einen Vergleich aushalten. Es war nun die Aufgabe des Haupt manns Lux, die hervorragenden Eigen­schaften desZeppelin" zu benutzen und durch Ausspionierung von Baueinzelheiten der sran- zöstschen Heeresverwaltung zu der Schaffung eines wirklich geeigneten starren Luftschiffes zu verhelfen. Inwieweit dies ihm gelungen ist, wird die Zukunft zeigen.

Reichsländische Rachtgeschichten.

(Privat-Telegramm.)

Metz, 30. Dezember.

Zn der vergangenen Rächt versuchte« zwei unbekannte Männer, in daS Pulverh auS, das dicht bei der Lustschiffhalle auf dem Korps- llebungSplatz Freskaty sich befindet, tinzudrin gen. Der Wachtposten tief dreimal Halt, dann feuerte er und traf einen der Eindringlinge. ES wurden Blutspuren auf dem Wege gefun­den, doch ist es bisher nicht gelungen, die bei­den Unbekannten zu ermitteln. Der mysteriöse Vorfall bedarf also noch der «ufllämng. In militLrifchen Kreisen neigt man allerdings zu der Auffaffung, daß die Affäre mit irgend einem neuen Spionageversuch in Zu saMtenhang zu bringen ist.

eie nette RepudI» Wna.

Der Kaiferhof hat Peking verlassen k

Depeschen auS Schanghai melden: Die Sahl deS geistigen Führers der chinesischen Revolution, Dr. Sunyatsen, zum Präst- denten der chinesischen Republik ist, wie jetzt bekannt wird, mit siebzehn gegen eine Stimme erfolgt. Nach der Proklamation hielt der neu- aewäblte Präsident eine Ansprache, in der er str gänzliche Befreiung Chinas von allen überlebten Gebräuchen eintrat. Inzwi­schen hat der Kaiserlich« Hof Peking verlassen. ES geht uns darüber folgend: Meldung zu:

Pestng, 30. Dezember.

(Prtvat-Telegram m.)

Der Kaiserliche Hof hat gestern nach­mittag um drei Uhr Peking verlassen, und es gilt als unwahrscheinlich, dass er jemals wieder dorthin zurückkehren werde. Rach der Ernennung Dr. SunyatsenS zum Präsidenten der Republik China wurde der kaiserlichen Fa­milie eine kurze Frist zur Ordnung ihrer fi­nanziellen Angelegenheiten eingeräumt. Die kaiserliche Familie wird sich wahrscheinlich «ach Mukden begeben. Nuanschikai, der gestern

um einen Urlaub nachgesucht hat und sich aus Gesundheitsrücksichten zurückzichcu will, er­klärte, daß er das Amt eines Präsidenten der chinesischen Republik aus keinen Fall an­genommen hätte. Er halte den gegenwärtigen Augenblick nicht für Friedensverhandlungen geeignet, der Konflikt müsse mit den Waf­fen entschieden werden. Alle seine Bcmühun gen seien nutzlos gewesen, da kein Geld vor­handen sei und ihm die verlangten Summen nicht zur Verfügung gestellt worden seien.

Der Marsch nach Ranstng.

Wie aus Schanghai depeschiert wird, ging der Marsch der Revolutionäre von Schanghai nach Nanking glatt von statten. Die Führer der Aufständischen in Wutschang haben erklärt, daß die bei Hankau stehenden dreißigtauscnd Mann Rcgierungstrnvpen ihren Hebert ritt zu den Revolutionären gegen ein Geschenk von zwanzig Dollar pro Mann vollziehen wollen. Die Friedenskonferenz in Schanghai hat sich heute darüber geeinigt, daß während der Tagung der Ranonalversamm- lung keine Anleihe tm Ausland aufge­nommen werden dürfe. Die kaiserlichen Trup­pen sollen sich ans eine Entfernung von sieb­zehn Meilen von den Stellungen zurückziehen, die sie jetzt in bestimmten Zentralvrovinzcn einnehmen.

Fürsten auf der Anklagebank.

Ein russisches Ehe- und LiebeSdrama.

(Von unserm Korrespondenten.)

Petersburg, Ende Dezember.

In Wladiwostok wird augenblicklich ein in­teressanter Prozeß verhandelt, dessen trauriger Held der erlauchte Fürst David D a d i a n i, ein Nachkomme des alten, einst in Grusinien herrschenden Zarengeschlechts, ist. Fürst Da- diani ist ein schneidiger, junger Gardeleutnant, der nicht nnr in der kaukasischen Aristokratie, sondern auch in den vornehmen Kreisen Peters­burgs sehr bekannt ist. Der Anklage ist folgen­der Tatbestand zu entnehmen: In Kutais lebte das Ehepaar Fürst Dadeschkeliani ganz glücklich, bis Fürst Dadiani mit der Familie bekannt wurde. Tie vierzigjährige Fürstin Barbara Dadeschkeliani verliebte sich in den schönen Gardeleutnant und trat bald zu ihm in Beziehungen. Geschäfte zwangen ihren Gaften, auf seinem Gute zu leben, wohin ihm die Für­stin nicht folgen wollte, angeblich der Kinder wegen, die in Kutais erzogen werden sollten. Anonyme Zuschriften klärten den betrogenen Ehemann bald über das Verhältnis seiner Srau zum Fürsten Dadiani aus. Der Gatte stckte diese Briefe seiner Frau, die die darin ausgestellten Behauptungen voll Entrüstung als Lüge und Niedertracht zurückwies. Um das Liebesverhältnis zu verbergen, siedelte die Fürstin in das Haus ihrer Cousine, der Prin­zessin Eristow, über. Das half ihr frei­lich wenig: Die ganze Stadt kannte den Roman und der betrogene Gatte glaubt« schließlich da­ran, vermied aber den öffentlichen Skandal.

Als sich die anonymen Zuschriften wieder­holten, stellte Fürst Dadoschkaliani die Bedin­gung, daß Dadiani das Haus der. Prinzessin Eristow meide. Die Fürstin fügte sich endlich in die Bedingungen ihres Mannes, haßte ihn aber seftdem und nannte ibn überall qrausam und ungerecht. Der abgewiesene Liebhaber sann auf Rache. Inzwischen dachte er nicht daran, seine Beziehungen zur Fürstin Barbara abzu- brecheu. Beide trafen sich im Hause einer an­deren Cousine, der Fürstin Abaschidse, geborenen Prinzessin Eristow. Als Fürst De- deschkeliani auf seinem Gute von bent neuen Skandal erfuhr, befahl er seiner Frau, sofort zu ibnr zurückzukehren, sonst werde er die Kin­der sorinehmen. Fürst Dadiani verfolgte in­zwischen seine Idee, den unbequemen Ehemann ins Jenseits, zu befördern und entsandte zwei Getreue" auf das Gut DadeschkeUanis. Einer von ihnen war ein Edelmann, der zweite ein Kleinbürger, dem auch die Ehre zusallen sollte, den Fürsten zu er Word en. Der Edel­

mann, ein gewisser K a ch i d s c, trat im letzten Moment von der Verschwörung zurück und sandte sogar dem auserschntcn Opfer einen anonymen Warnungsbrief. Fürst Dadiani fand bald ein willigeres Werkzeug für seinen Rache­plan, einen Mann namens Zinzadse aus Ba- tum, der bereit war, für fünfhundert Rubel den Mord zu begehen.

Fürstin Barbara wollte auf keinem Fall zu ihrem Mann auf das Gut reisen, sic erklärte ihm vielmehr bei seiner Ankunft in Kutais, daß sie ernstlich krank sei und dringend ärzt­licher Hilfe bedürfe, worauf sic der Fürst in ein Krankenhaus bringen ließ. Geschäfte rie­fen ihn wieder nach Hause. Ti« Fürstin aber war ganz wohl und empfing täglich den Be­such ihres Freundes. Während dieser Zeit starb Fürst Dadeschkalianis Bruder. Ter Gatte reiste nach Swaneti zur Beerdigung und woll­te auf der Rückreise seine Frau endgültig von Kutais auf fein Gut mitnehmen. Er besuchte sie im Krankenhaus zusammen mit der Cou­sine. Der Fürst und die Cousine verließen bald das Krankenhaus. Kaum waren sie eini­ge Schritte gegangen, als zwei Kugeln den Fürsten t o t zu Boden streckten. Drei Gru­sinier, die sich auf dem Tatort befanden, schaff­ten den toten Fürsten in das Krankenhaus. Die Untersuchung ergab, daß die drei Gru­sinier an der Erniordung des Fürsten beteiligt waren. Einer von ihnen war Kachidse, der ur­sprünglich den Mord ausführen sollte, und da­von der Polizei Mitteilung gemacht hatte. Run sitzt das durchlauchte Paar, Fürstin Bar­bara Dadeschkaliani, geborene Prinzessin Eri­stow, neben ihrem Liebhaber. Fürsten Dadiani, und der gedungene Mörder mit seinen Hel­fershelfern, die am einundzwanzigsten Januar dieses Jahres auf offener Straße am hellen Tage den Fürsten ermordeten, ans der Ankla­gebank . . . -Atz-

Sie MM der Sieges.

Ministerialbeantte als Grabschänder.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Wien: Die Annahme, daß der Schä­delraub in der Gruft des Fürsten Kara- georgiewitsch aus einen politischen Ra­cheakt zurückzuführen sei, bestätigt sich. Als der Tat dringend verdächtig erscheinen nach einer, Belgrader Meldung zwei Beamte des serbischen Ministeriums des Aeußeren, die sich kurz vor den Weihnachtsfeiertagen nach Wien begaben und das Attentat ans dem Friedhöfe verübt haben dürften. Die beiden Beamten, die wieder nach Belgrad zurückge­kehrt sind, wurden auf Antrag des Minister­präsidenten in Untersuchungshaft ge­nommen.

Die Riesenansspcrrung in England.

Aus London wird uns depeschiert: Die Aussperrung der Textilarbeiter ist nun­mehr allgemein. Seit gestern sind hundertsech­zigtausend Arbeiter auszesperrt. Zweihundcrt- tausend weitere Angestellten werden durch die Aussperrung betroffen, wenn der Konflikt nicht innerhalb zweier Tage beendet sein wird. Der wöchentliche Lohnausfall wird in diesem Fall sechs Millionen Mark betragen. Man er­wartet in Manchester das Eintreffen eines Vertreters der Regierung, wahrscheinlich Sir Asquith, der als Vermittler zwischen Ar­beitgebern und -nehmern auftrcten wird.

*

Der Dank für das Zustandekommen des Schiffahrtsabgaben - Gesetzes: Der Unterstaatssekretär Freiherr von Eoels von der Brügghen erhielt den Stern zum preußischen Kronenorden zweiter Klasse und der Ministerialdirektor Peters den Stern und die Krone zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub.

Neue» vom Tage.

nr Wieder einer! Nach Unterschlagung von fünfzehutausend Mark ist gestern nachmittag aus der Kolonie Mahlsdorf bei Berlin der dreißigjährige Bollziehungsbeamte Claus

Ar. 22. 2. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonnkag, 3T." Dezember 191t

Heisch flüchtig geworden. Es handelt sich um eingezogene Gelder für die Gemcindekassc. Der Defraudant ist gestern mittag in der Ko­lonie Mahlsdorf noch gesehen worden, dann aber verschwunden.

JS Räuber in der Kirche. In Westum bei Bonn am Rhein drangen gestern Diebe in die Kirche ein. Sic stahlen zwei Ziborien und eine Monstranz. Auf dem Wege nach Sinzig wurden die geweihten Hostien gefunden, die die Räuber weggeworfcn hatten. Ein Polizeihund wurde auf die Spur der Diebe gesetzt, doch ist cs bisher nicht gelungen, die Räuber zu ermitteln.

iS Ter Typhus in Elbing. Seit einigen Tagen sind in Elbing sechsunddreißig neue Tyvhuserkrankungen vorgekommen. Im städ­tischen Krankenhaus zu Elbing besindcn sich zurzeit siebcnundvierziq Typhuskranke. Die Behörden haben alle Maßnahmen ergriffen, um ein Weiterumsichgreifen der Epidemie zu verhindern; unter der Einwohnerschaft herrscht Panik.

iS Unter den Rädern des Autos. Aus Bayonne wird gemeldet, daß gestern nach, mittag der bekannte Dichter Edmond Rostand. der am Steuer seines Automobils saß. in der Ortschaft Regresse ein dreijähriges Kind na­mens Ducazeau überfuhr, das ihm direkt in die Maschine bineingelaufen war. Das Kind wurde sofort in das Hospital von Regresse transportiert, wo an ihm eine Schädclopera- tion vorgenommen werden mußte.

iS Ein sensationeller Jnwclenraub in Eng. land. Ein sensationeellr Juwelenraub wurde gestern in Brighton (England) ausgeführt, als die Gäste in einem bekannten Hotel zum Diner saßen. Ein Unbekannter ist in die Hotelzimmer eingedrungen und hat Juwelen im Werte von vielen tausend Psuno Sterling mitgenommen. Die Polizei wurde sofort von dem Raube ver. ständigt, es ist ihr bis jetzt aber noch nicht ge. hingen, eine aussichtsreiche Spur von dem Ver­brecher oder den Verbrechern ausfindig zu machen.

iS Opfer des Sturmes. Aus Haifa wird gemeldet, daß der englische DampferArgo" nödlich von Haifa gestrandet ist und als voll­ständig verloren gilt. Sechs Mann von der Besatzung konnten gerettet werden. Man hofft aber auch, daß man die übrigen Mann­schaften vom Schisse bringen kann. Auch das TorpedobootWarrington", das sich mit der Torpedozerstörerflott!lle von Charleston nach Newton unterwegs befand, ist durch den heftigen Sturm in der Nähe des Kaps Hatto- ras am Heck schwer beschädigt worden.

ts Greueltate« auf do.« Balkan. Eine fürch­terliche Mordtat, die auf das Konto des bulgarischen Revoluttonskomitees gesetzt wird, hält in ganz Mazedonien die Gemüter in Aufregung, trotzdem solche Mordtaten an der Tagesordnung sind und meistens polittsche Motive haben. Der in der Stadt Doiran am­tierende Lehrer Demetre Dimtchcwitch hatte sich nach dem Dorfe Crbasowa begeben und wurde auf der Heimreise von bulaarischen Ko- mttadfis überfallen, mit einer Hacke schwer ver­wundet und dann lebendig in ein Feuer ge­worfen, wo er verbrannte.

Sos Neueste ans Gaffel

Sie 3ett!"

feit ... ein kleines Wort, aber unfaßbar in seiner Bedeutung! Die Zeit ist die Dienerin der Ewigkeit, in der alle Rüssel un­seres Daseins und der ganzen sichtbaren Welt verborgen ruhen. Im Uranfange der Zeit gin­gen die Himmelskörper aus dem Schoße des Weltennebels hervor, um sich in jener Pracht zu entfalten, mit der sie heute noch in den Tie- fen des Raumes schimmern. In ungeheuren Zeitläuften formten sich diese Gasbälle, und e.S wurden viele von ihnen Planeten, so auch un. fere Erde, auf der die Lebewesen und zuletzt der Mensch erschien. Wie viele Zeiten mögen vergangen sein, feit die Erde aus ihrem Urzu- stände in den heutigen überging, also fähig

Neujahr im Schwarzwald.

Ein Stimmungsbild au8 den Bergen.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Freiburg i. B., Silvester-Vorabend.

Im Land der kühlen und der heißen Quellen, der Sommerfrischen und der Erholungsstätten über den Winternebeln ist ztvischen Weih­nachten und Neujahr heiligere Zeit, als an Sammelpunkten der Industrie und des Ver­kehrs. Im Hochland besonders; hier, wo sich di« Schneedecke des Erdbodens manchmal fast dem weißen Teppich des weit herunterhängen­den, die Stürme abwehrenden Daches eint, will man zwischen den Jahren, von Weihnachten bis Neujahr, seine Ruhe haben mehr als an irgendwelchen anderen Tagen. Man schafft nicht mehr, als nötig ist. Auch der Dienstbote pocht auf sein altes Vorrecht; dieVölker" schicken denMeister", den Herrn des Hauses, vor; sie wollen nach Möglichkeit feiern, wenn sie am alten Platz bleiben, und suchen sie für das neue Jahr ein anderes Glück, so haben sie erst recht nicht Lust, sich noch zu placken. So marschieren sse zwischen den Jahren und zu­gleich zwischen dem verlassenen und dem er­sehnten besseren Arbeitsgebiet gern nach einer der Stätten hergebrachter Dienstbotenberrlich- keit und sammeln Lebensfreude bei Gesang, einer möglichst großen Zahl vonViertelen- Wein und verschiedenen hausgemachten Brat­würsten.

Auch wo Da m p f und Maschine die Höhen des Schwarzwalds besiegt haben, will der Mensch zwischen den Jahren nur mit der Sonne gehen: arbeiten, so lange sie leuchtet, und stille halten, ebe sie ihre leuchtendsten Strahlenbündel verschickt und sobald sie wiever über die Berge gebt zu anderen Leuten. Ob Seßhaftigkeit oder Wanderlust der Zukunft vettraut: Bestätigt möchten sie doch haben, was sie erwarten; nicht schwarz auf weiß, son­dern erzgegossen soll die Prophezeiung vor ihnen liegen. Das in der Silvesternacht viel­fach geübte Bleigießen führt zu diesem Ziel. Am erfolgreichsten ist dabei, wer das flüssige. Metall durch den Ebering, auch einen

fremden, schüttet oder durch einen Schlüssel; da kommter odersie" ziemlich gewiß zum Vorschein mit den bemerkenswertesten Zeichen ihres Beruss und ihrer Laune. Und sollte die Form einmal ein bißchen undeutlich bleiben, so ist das dem weiblichen Auslegungstalent auch gar nicht unwillkommen, denn auf solche Art besitzt man bald, was man wünscht, und ein Schießgewehr braucht nicht nur einen an­rückendenGemeinen" zu bedeuten. Der Traum hat in der Reujahrsnacht ein gutbebautes Feld für fröhliche Ernte.

In den Tälern, in denen der Weinstock gedeiht, hat der Rcbbauer nebenbei schon am Schluß des Jahres für die Fortdauer des himmlischen Segens möglichst vorgesorgt: Er hat eine Sanne roten Weines an einem der letzten Dezembertage kirchlich weihen lassen, von dem er selber trinken will und von dem auch jeder, dem angeboten wird, genieß«« muß. Und jedes Tröpfchen dieses Tranks überirägt feine Wirkungen auf das größte im Keller ruhende Faß, wie das geweihte Salz samt der darin steckenden Kreide Wunderkraft besitzt ... und die Kreide ihre geheimen Kräfte weiter äberträgt aus die mit ihr geschriebenen Worte. Daneben veranstaltet der gern und mit staunenswertem Talent geübte fastnachtlichc Mummenschanz schon in der Neujahrsnacht eine kleine Probe. Heimlich ziehen fremde Ge­stalten heran, treten in das Haus und singen im Dunkeln ihren Reujahrsgruß; in die Nacht hinaus wird ihnen der eßbare Tank gereicht und unerkannt verschwinden sie im Dunkel der Nacht, wie sie gekommen sind. Vielleicht wol- len sie noch um Mitternacht in einem der Dör­fer'sein, in denen die Musikanten unter kahlen Aesten ausspielen zur allgemeinen öffentlichen Beglückwünschung bei Böllergekuall uno Glok- kengelänt ...

Kleines Feuilleton.

-- Gastspiel im Hoftheater. Als Lohen- grin gastierte gestern abend Herr Paps- d o rf vom herzoglichen Hostheater in Alten­burg auf Engagement. Der Künstler verfügt über eine gut geschulte, nach Umfang und Höste ausreichende Sttmme, die indessen manchmal,

namentlich in den höheren Lagen, nicht sehr modulationsfähig erscheint, und im ganzen der Farbe und des Glanzes entbehrt. Gut liegen ihm offenbar lyrische Töne, wie die große Lie- besszeile im letzten Aufzug zeigte. Darstelle- risch war an seinem Lohengrin wenig auszu- setzen. Eine unschöne Mundbildung und zeit­weise ruckarssge Bewegungen des Kopfes beim .Hcrvorstoßen des Tones fielen aber nicht an­genehm auf. Die Frag«, ob die dauernde Ver­pflichtung des Gastes wirklich ein Gewinn für unser Opernensemble bedeutet, erscheint dar­nach beantwortet.

August Strindberg schwer erkrankt! Ein 'Privat-Telegramm meldet uns aus Kopenhagen: Der Zustand des erkrantten Dichters August Strindberg gibt zu ern­sten Befürchtungen Anlaß? Die Tempe. tatur hatte gestern den hohen Stand von vier- |tg Grad erreicht. Der Kranke ist sehr schwach und die Kräfte nehmen beständig ab, da der Patient seit vier Tagen keine Nahrung mehr zu sich genommen hat.

iAj" Ein neuer Rembrandt? Aus Bonn wird niitgeteilt: Bei dem hiesigen Rentier Weiß wurde auf einem Bilde, das vor etwa 20 Jahren in Wiesbaden gekauft worden war, das Signum Rembrandts mit der Jahres­zahl 1643 entdeckt. Das Bild zeigt das Por­trät eines älteren Mannes mit Barett und langem Bart. Die fein durchgearbeiteten Ge­sichtszüge, auf die alles Licht konzentriert ist, tragen das warme, goldige Kolorit, das für Rembrandt bezeichnend ist. Der Hintergrund scheint stark übermalt zu sein.

-A Ein originelles Selbstbekenntnis von Hermann Bah veröffentlicht ein Berliner Blatt: Als ich zwanzig Jahre alt war, war ich gar nicht jung und schlug einmal vor, zum Heile der Menschheit jeden an seinem dreißig­sten Geburtstag totzuschlagen. Da ich nun daran bin. auch bald fünfzig zu wer den, komme ich mir mit jedem Jahre jünger vor. Es hat eben jedes Lebensalter seine be­sondere Optik.

Otto Erust's Arbeitsplan. Ter Ham­burger Dichter ist mit einer r i t i k her Rietze sch c n Philosophie beschäftigt.

Außer an diesem philosophischen Unternehmen arbeitet er zurzeit an seinem dritten Semper, roman und an einem Lustspiel.

-L Tic Düse geht nach Tripolis. Eleonore Düse, von deren Erkrankung unlängst die Rede war, hat in einer Unterredung mit dem italie­nischen dramatischen Schriftsteller Butti die Absicht geäußert, eine Reise nach Tripo. l i s zu unternehmen, um ihre Gesundheit voll ständig wiederherzustellen. Ob indessen Tri­polis gerade jetzt ein geeigneter Erholungsort ist für die ramponierten Nerven einer Schau- fpielerin, dürste mehr denn zweifelhaft fein. Vielleicht erhofft aber die Dust von einem Auf. enthalt in Tripolis zu Kriegszeiten neue An. regungen und Anreize für ihre darstellerische Kunst.

Jasnaja Poljana als russisches Ratio, naleigenttttn. Die Frage des Ankaufs von Jasnaja Poljana durch den russischen Staat ist in ein neues Stadium getreten. Wie man weiß, war die Entscheidung übet den Er­werb durch das Reich aufgeschoben worden, da im Ministcrrate Meinungsverschiedenheiten darüber herrschten. An höchster Stelle wünscht man aber, wie es heißt, den Ankauf des Gu­tes, nicht nur, um das Andenken des größten russischen Dichters zu ehren, .sondern auch, um seine Witwe sicher zu stellen.

Kleine Mitteilungen. MaeterlinckS ,Blauer Vogel" sand bei der deutschen Uraufführung am Wiener Deutschen Volks- theater freundlichen Beifall. Friedrich F r«k s a bat ein modernes Drama vollendet, das den TitelDie Mutter" führt. DaS Stück ist vom Deutschen Theater in Berlin zur Ausführung angenommen worden Im Befinden Engelbert Humperdincks, der in London an Bronchitis erkrankt war, ist eine erhebliche Besserung eingetreten. Wolf Ferraris OperDer Schmuck der Madonna" erlebte seine Uraufführung in der Kurfürsten-Oper in Berlin und sand recht lebhasten Beifall. Dem zum Lehrer an der Hochschule für bildende Kunst in Weimar berufenen Maler Albin Egger-Linz wurde der Prostsiortitcl verlieben.