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Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung_______________

2>te SalTeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchenllich sechsmal und,war abend«. Der SbonnemenlSprei« beträgt monatlich 50 Psg. bei freier Zustellung in« Hau« Bestellungen werden sederzeU von der TischästSstelle oder den Boten «ntgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion - Echlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach­mittags, juristische Sprechstunden für unser« Abonnenten Mittwoch« und Sonnabend« von 68 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Nummer IS. Fernsprecher 951 und 952. Donnerstag, 28. Dezember 1911. Fernsprecher 951 un> 952.2. Jahrgang.

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Nach hem Fest.

;1 Weihnachtsllänge aus Hohenfinow.

Der Kanzler des Deutschen Reichs gehört zu den glücklichen Leuten, denen weder Sturm noch Regen der Weihnacht L u st verdunkeln kann, und die deshalb auch mit nie geminder­tem Vertrauen der Zukunft ins düstre Auge schauen. Sie sind es, denen alle Dinge zum Besten dienen müssen, die-selbst aus finstern Unheilwolken noch blinkend Glück erhoffen dürfen, und die auch aus den grauen Tagen der Weihnacht neunzehnhundertelf den Hellen Strahl der Glückseligkeit aufblitzen sahen. Herr von Bethmann Hollweg hat die drei Tage des Festes in der ländlich-friedlichen Stille der Brandenburger Mark, auf dem Stammgut Hohenfinow verbracht, wo er auch des alten Jahres Abschiedsstunde zu erharren gedenkt. Dir stillen Tage inmitten des Friedens welt- abgeschiedner Ländlichkeit werden ihm nach dem überlauten Lärm der letzten Wochen und Monde eine herz- und nervenstärkende Erho­lungspause sein, wie geschaffen zur Sammlung der Kräfte und zur Stählung des Willens für die nun bald einsetzende Zeit neuer, hitziger Kämpfe, deren Preis diesmal nicht ein winzig Stückchen äquatorial-afrikanischer Erde, sondern des fünften Kanzlers und seines Lebenswerks Schicksal und Dasein ist.

Herr Theobald von Bethmann Hollweg ist ein Philosoph, und er wird also vermut­lich milde gelächelt haben, als die Weihenacht in Sturmgebraus und wilden Regenschauern am märker Herrenhaus der Ahnen vorüberzog und der kleinen Menschheit Seelen mit düstrem Ahnen erfüllte. Des Kanzlers reife Weltweis­heit sah in den feuchten, schweren Schwaden der Christnacht nicht das finstre Walten einer grimmigen Vorsehung, die den drunten im Tal des Lebens sich Härmenden das dürftige Fünk­chen Licht in der Winternacht mißgönnte, son- dein seinem grübelnden Sinn werden die Re­genschauer und Wetterwolken als Boten eines späten Ernteherbsts erschienen sein, aus denen er (wie die Wettermacher aus der Erbeutung des berühmten Dezember-Maikäfers) auf einer milden Zukunft Helle Tage glaubt schließen zu dürfen. Mögen die Schwarzseher (von der Heimat Erde längst feierlich verbannt) im be­drückenden Dunkel grauer Wintertage das ver­gleichende Bild der durch Land und Reich schleichenden Stimmung tiefgehenden Mißbe­hagens schauen, mögen falsche Propheten das vom Nebel verdüsterte Fest weihnachtlicher Freude als Vorzeichen des nahenTags von Philippi- deuten und in der Finsternis im Land den Vorboten kommenden Unheils Wit. tern: Die heitre Zuversicht des Philosophen ragt himmelhoch empor über aller Sorgen Nie­derungen, und in des Kanzlers Mienen spiegelt sich ein Lächeln, wie Weise es über der Toren Seelen-Aermlichkeit zu lächeln pflegen.

In der Berliner Wilhelmstraße waren die Wochen vor dem Fest eine Zeit emsigster Tä­tigkeit: Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung hat (frühzeitig, wie fast nie zuvor) an einem imposantenZahlenmaterial überzeugend demon­striert, daß die Reichswirtschaft sich eines schier märchenhaften Gedeihens erfreut, daß aus dem Dornstrauch der Reichsfinanz-Reform eitel Ro­sen emporsproffen, und daß das murrende Volk mehr als je Ursache und Anlaß hat, den wei­sen Ratschlüssen der feine Ungeduld sorglich zügelnden Regierung Dank zu wissen. Wir hörten mit Staunen, daß Herrn Wermuth's Nächte längst nicht mehr vom Gespenst des De­fizits verkümmert werden, daß der Haushalt des Reichs wie ein Rosenbeet zur Junizeit nch zur Pracht natürlicher Herrlichkeit entfaltet, und daß all die Attentate blindwütiger Par­teidoktrinäre dem von Wermuth's liebreicher Hand zärtlich gehegten Stamm der Reichswirt­schaft nicht den mindesten Schaden zugefügt: Ein sichtbares Zeugnis für die lautre Recht­schaffenheit der von Fanatikern wild befehdeten Politik des fünften Kanzlers! Müßte ein VoU, das trotz des Steuerdrucks immer nur Sorgen­klage über der Unzulänglichkeit dürftigen Er­trag vernahm, nicht hell aufjubeln angesichts der strahlenden Bilanz weitausschauender Re. gierungskunst am Vorabend des Tags von Philippi? Und wär's nicht Pflicht und Dank­barkeitsgebot, am zwölften Jänner mit hellem Schlachtgesang auf die Schanzen zu steigen und die Trutzburg einer Regierung, der dies Wunderwerk gelang, mit dem Mut edler Selbstverleugnung wider den Ansturm wildge­stachelter Horden zu verteidigen?

Der Kanzler hofft's, hofft's trotz der Ab­sage an Bernhard Bülow's rosenroten Opti­mismus; trotz des Wettergewölks in Ost und West, Nord und Süd; trotz der Sündcnschuld, ii< seinen einsamen Mad durchs Land der

Träume säumt, und trotz der Kümmernis , die im Bild der Geschichte als sein Werk sich spie­gelt. W i e das Märchenwcrk gelingen soll, wie er das Programm der .Sammlung aller nationalen Kräfte zu gemeinsamer Arbeit- der Wirklichkeit als sichtbare und ersprießliche Tat anpaffen will: Darüber hat der still-verträumte Weihnachtsmann von Hohenfinow bisher ge- chwiegen; vielleicht in der Erkenntnis, daß all- ufrühe Offenbarung das süße Geheimnis pro­fanieren konnte, vielleicht auch in der Hoffnung, daß der kurzen Wintertage Dauer, die uns noch vom zwölften Januar trennt, die Zugkraft der Parole zur Wunderwirkung schwellen lassen werde. Der Silvesterbrief des Vorgängers rauschte auf den lichten Flügeln eines jungen Jahres durch die Lande, und entfachte, wie der Zauber einer edlen Neujahr-Bowle, überall Begeisterung und stolzen Kampfesmut. Der Bethmann-Gruß zum neuen Jahr wird vielleicht in der friedlichen Stille der Hohen­finower Weihenacht geboren worden sein und nach dem Festgetümmel mit der schmetternden Wucht der Jericho-Trompeten durch's Reich brausen. 'Es ist noch still im Lande: Ernst von Hehdebrand's Königsberger Regentag-Mee­ting hat im Blätterwald nur leises Flüstern geweckt und im Kreise der Auguren regt sich kaum die Hand zum Wink. Aller Augen har­ren der Festtagsgabe, die aus dem märker Sand uns kommen soll: D i eParole- des fünften Kanzlersjl F. H.

Ane Katastrophe im Shno.

Zwei Kinder tot; zahlreiche Verletzte.

In der Frankfurter Allee in Berlin brach gestern in einem Kinematographen- th eater eine Panik aus, als der Filmvor­führer sich bei der Vorführung die Hände ver­brannt hatte undFeuer!- rief. Die zahl- reichen Besucher, darunter viele Kinder, stürz­ten zum Ausgang, und im Gedränge wurden ein sechsjähriger Junge und ein zehnjähriges Mädchen zu Tode gedrückt. Mehrere Kin­der und Krauen erlitten schwere Verlet­zungen. lieber die Katastrophe werden uns folgende Einzelheiten berichtet:

Berlin, 27. Dezember.

(Privat.Telegramm.)

Zu einem verhängnisvollen Brande, bei dem zwei Kinder den Tod fanden und mehrere andere schwer tftrletzt wurden, kam es gestern nachmittag in einem Kinematographentheater in der Frankfurter Allee, das dem Unterneh­mer Albert Templiner gehört. Während der Vorstellung erscholl in dem bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerraum plötzlich der Ruf: Feuer! und im selben Augenblick strömten alle Anwesenden dem nach der Straße zu belegenen Ausgange zu. In dem fürch­terlichen Gedränge, das nun entstand, wurden zahlreiche Personen, vornehmlich Kin­der, von den Nachfolgenden zu Boden ge. warfen und mit Füßen getreten. Zwei Kinder, der sechsjährige Knabe Paul Ben ecke aus der Wühlischstraße und die zehnjährige Margarete Mach an aus der Petersburger Straße, erlitten so schwere Quet­schungen, daß sie unter den Händen eines so­fort herbeigeholten Arztes verschieden. Außerdem wurden sieben Personen s/h w e r verletzt. Auf der Unfallstation in der War­schauer Straße wurde ihnen durch den dienst­habenden Arzt die erste Hilfe zuteil. Die Ent- stchung des Brandes ist auf Kurzschluß zurückzuführen. Die Polizei hat sofort eine strenge Untersuchung eingeleitct, um festzustel­len, ob die polizeilich" vorgeschriebcuen Rotaus­gänge sich nicht in ordnungsmäßigem Zustande befunden haben.

Sie Verhaftung des Schuldigen?

Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns: Der Operateur des Kinematogra- phentheaters in der Frankfurter Allee, wo durch Kurzschluß gestern nachmittag ein folgenschwe. rer Brand entstanden war, wurde verhaftet und unter der Anklage der fahrlässigen Tötung in das Gefängnis zu Lichtenberg eingcliesert. Der Inhaber des Kinos, Albert Tcwpliner, der ebenfalls sistiert worden war, wurde wieder freigelassen, da ihn keine Schuld an dem bedauerlichen Unfall trifft.

Riesenaussperrrmg in England.

Dreihundertfünfzigtausend Arbeiter von der Aussperrung bedroht!

? (Privat-Telegramm.)

London, 28. Dezember.

Die angedrohte Aussperrung in der Sei denbranche, die am heutigen Mittwoch in Lancashire in Kraft treten soll, bat nicht nur in der dortigen Gegend, sondern in ganz Eng­land große Erregung hervorgerufen.

weil sie die schwersten wirtschaftlichen Folgen nach sich ziehen kann, da ungefähr dreihun­dertfünfzigtausend Arbeiter davon betroffen werden. Die Arbeiter sind fest ent­schlossen, nicht nachzugeben und haben alle Vor­bereitungen getroffen, um den Kampf m ö g - lichst lange aushalten zu können. Der Se­kretär des Webersyndikates hat erklärt, daß der Entschluß der Fabrikbesitzer dem Syndikat durchaus nicht überraschend gekommen sei, da der Kampf früher oder später doch hätte kom­men müssen. Mehr als neunzig Prozent der in Betracht kommenden Arbeiter sind fest ent­schlossen, bis aufs Messer zu kämpfen. Das Wcbersyndikat verfügt über bedeutende Reserven und hofft auch, daß sich alle übrigen Arheitersyndikate ihnen durch einen Solidari­tätsstreik zur Hilfe kommen werden. Aber auch die Fabrikbesitzer sind gewillt, ihr gutes Hecht zu behaupten und nicht nachzugebcn. Da bis zum heutigen Abend kaum eine Einigung er­zielt werden dürfte, scheint die Aussperrung unvermeidlich zu fein. In Lancashire fand gestern abend eine Bersammlung statt, in der der Vizepräsident des Verbandes der Weber des Süd-Ostcns mitteilt, daß voraus­sichtlich heitte die allgemeine Aussperrung der Weber des NordostenS erfolgen werde. Die dreihundertfünfzia Fabriken des Bezirks Old­ham sind ebenfalls entschlossen, den Betrieb etnzustellen. Dadurch werden allein hundert vierundsechzigtausend Weber arbeitslos.

Haß über Ns Grab hinaus.

Die Karageorgicwitsch-Gruft geschändet!

Auf dem Friedhöfe von St. Marx in Wien wurde gestern die Gruft der Eltern des K 8 - nigs Peter von Serbien erbrochen. Der Schädel des Vaters des Königs ist von unbe­kannten Tätern geraubt worden. Die Tat wurde von einem auf dem Friedhof beschäftig­ten Gärtnergehilfen entdeckt. Die Polizeikom- miffion stellte fest, daß nur der Schädel fehlt. Die Ordenssterne an der Uniform und zwei Ringe an der Hand des Toten wurden unbe­rührt gefunden. Weiter wird uns berichtet:

Wien, 27. Dezember.

(Privat-Telegramm.)

Das Verbrechen in der Gruft der Kara- georgiewitsch auf dem St. Marxer Friedhof, wo die Eltern des gegenwärtigen Königs von Serbien bestattet sind, ist in der Nacht zum zweiten Feiertag verübt worden. Die Grabschänder stahlen der Leiche des Prinzen Alexander den Kopf, ver­loren aber in der Eile der Flucht den Unter­kiefer des Schädels. Die Leiche sollte demnächst zur Beisetzung nach Belgrad überführt wer­den. Man vermutet, daß die Einbrecher Ser. 6en sind, die damit gegen die Dynastie Kara- georgiewitsch demonstrieren wollten. Die An­nahme, daß es sich bei der Schändung der Leiche um eine politische Demonstra- Hon handele, gewinnt dadurch an Wahrschein­lichkeit, daß an den in der Grube zurückgeblie­benen Teilen der Leiche sämtliche Orden, Ringe und Kostbarkeiten vorhanden sind, ein etwa ge­planter Raub also ausgeschlossen ist. Die Po­lizei nahm im Laufe des gestrigen Tages einige Verhaftungen von hier wohnenden Ser­ben vor, mußte die Verdächtigen aber wieder entlassen, da sie ihr Alibi nachweisen konnten. Die Ermittlungen, die mit größtem Eifer fort­gesetzt werden, sind bisher ohne Erfolg ge­blieben.

Serbisch-englische Balkan-veschSfte?

(Privat-Telegramm.)

Aus Belgrad wird uns berichtet: Wäh­rend früher England von allen Staaten am meisten zurückhaltend gegenüber der Neugestal. tung Serbiens war. bestehen jetzt zwischen beiden Staaten herzliche Beziehungen. Die Verhandlungen wegen eines Frühjahrs­besuchs des Königs in London verlaufen günstig. England legt Gewicht darauf, Serbien in feine politischen Kombinationen einzube­ziehen, offenbar zu dem Zweck, für die eng­lisch« Balkanpolitik neue Stützpunkte zu ge­winnen.

Präsidentenwahl im Landtag.

Kröchers und Manteuffels Erben.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Berlin, 27. Dezember.

Der preußische Landtag (sowohl das Ab­geordnetenhaus wie das Herrenhaus) wird im Januar Neuwahlen zum Präsi­dium vornehmen. Wie schon bekannt, wol­len die beiden Präsidenten von Kröcher und Freiherr von Manteuffel eine Wahl nicht mehr annehmen und auch der zweite Vizeprä­sident des Herrenhauses, Freiherr von Lands- berg-Velen-Steinfurt wird seines hohen Al­ters wegen nicht mehr kandidieren. Wie ich von unterrichteter Seite erfahre, dürfte Freiherr von Erffa Nachfolger des Herrn von Krö. cher werden. Er genießt die Sympathien der Mehrheit des Hauses und hat als Vorsitzender

der Budgetkommission viel Umsicht und Ge- chäftstüchtigkeit bewiesen. Ueber die neuen Präsidenten des Herrenhauses ist noch nichts bestimmt. Genannt werden für den Posten des Präsidenten Für st Münster von Derne­burg, der Herzog von Drachenberg und der Herzog von R a t i b o r, als Nachfolger des Freiherrn von Landsberg die Herren Graf Mirbach -Sorquitten und Freiherr Lucius von Ballhausen. -wo-

Hochwasser rnih Sturm.

Ein böser Abschied deS alten Jahrs.

Die regnerischen Weihnachtstage haben im In- und Ausland die Hochwasserge­fahr erheblich näher gerückt. Der Rhein und seine Nebenflüsse sind über die Feiertage gewaltig gesttegen. Nach den Telegrammen, die das Mainzer Wasserbauamt heute erhielt, zeigte der Neckar in Wimpfen gestern 270, heute 302 Zentimeter und steigt noch fortwäh­rend. Mannheim, das vorgestern 328 und ge­stern 404 zeigte, hat heute am Rheinpegel 414, Worms 136, Mainz 146, Bingen 237, C a u b 264. Auch der Main steigt, Unterpe­gel der Schleuse Kostheim gestern 210, heute 306, Fahrtiefe gestern 190, heute 230, Kosthei­mer Pegel Sonntag 12, Montag 82, heute 112. Ueber die Hochwassergefahr liegen uns folgende Meldungen vor:

Düsseldorf, 27. Dezember.

Der R h e in ist infolge der unaufhörlichen Regengüsse vor und während der Feiertage plötzlich um zwei Meter gestiegen. Die Ruhr- nieberungen sind überschwemmt, jedoch ist eine Gefahr des Hochwassers nicht vorhanden, da das Wachstum des Stromes zum Stillstand gekommen ist. Für die Schiffahrt ist der lang­ersehnte Wasserzuwachs sehr willkommen.

Köln, 27. Dezember.

Infolge des anhaltenden Regenwetters steigt der Oberrhein und Mosel und Sieg über­schwemmen weite Strecken. Auch die klei­nen Wasserläufe sind über die Ufer getreten und haben weite Strecken Landes unter Wasser ge­setzt. Regen und Sturm dauern seit Sonntag ununterbrochen an und verursachen großen Schaden.

Heilbronn, 27. Dezember.

Infolge der starken Regenfälle führen die meisten Flüsse Hochwasser. Der Neckar geht zwischen Stuttgart und Heilbronn hoch, ebenso der rechts bei Jagstseld einmündende Kocher von Hall aus. Große Landflächen ste­hen unter Wasser.

Passau, 27. Dezember.

Die Donau steigt seit gestern unnnterbro- chen; von Donaueschingen bis Sigmaringen liegen weite Tal st recken unter Was. se r. Die Notstege müssen in verschiedenen Tal. orten benutzt werden. Da der Regen anhält, ist weitere Üeberschwemmung zu befürchten. Zürich, 27. Dezember.

Längs des Jura sind Wälder, Häuser und elektrische Leitungen durch das Unwetter stark mitgenommen. Von der Küste Hollands und Belgiens werden zahlreiche Schifssun. fälle gemeldet. Ter Sturm hält noch an, ebenso der Regen, sodaß eine Uebcrschwem- mung befürchtet wird.

Paris, 27. Dezember.

Es werden noch immer neue Sch iffs. Katastrophen, verursacht durch das Un. Wetter der letzten Tage, gemeldet. Aus Brest wird berichtet, daß der FischereidampserRe­publik- auf der Höhe von Eberwrach gesunken ist. Zwei Mann der Besatzung sind ertrunken. Der DampferMichel- stieß mit dem Damp- ser St. Automne- zusammen. Ter Dampfer Michel- sank sofort und acht Matrosen er­tranken.

Zrlarrd im Hochwasser.

(Privat-Telegramm.)

London, 27. Dezember.

Schlimme Nachrichten kommen aus Ir­land, wo die Regengüsse der letzten Tage das Austreten des Shannonflusses verursacht ha- en. Die Uferbewohner mußten in aller Eile ihre Wohnungen verlassen und indieBerge flüchten. In Athcam ist der Schaden be­sonders groß. Alle Fischer des Bezirks von Longh Ree haben infolge der Ueberschwem- mung den größten Teil ihrer Habe verloren. Seit fünfundzwanzig Jahren sind derartige Ueberschwemmungen nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Tausende von Morgen Land stehen zwischen Newark und Nottingham unter Wasser. Man befürchtet den Einsturz zahlreicher Brücken.

Hiobspost aus Persien.

Hundert Mann russischer Verluste.

Depeschen aus Teheran melden: I« Täbris trasen gestern eine von Djulfu ent­sandte Schützenabteilung, eine Gebirgsbatte­rie und eine Sotnie Kosaken am Schlagbaum