CMr NM Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 un> 952.
Sonntag, 24. Dezember 1911
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 18
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Weihnschts-Lsuber
aus den Ewigkeitsfernen göttlichen Friedens einmal im Erdenjahr das Ohr der Sterblichen umschmeichelt, «ine Stimme aus jenen Höhen, die unsere Seele ahnt, ohne ihr Sein je ergründen zu können.
Menschen aus Erden seufzen, immer die eine Stunde der verbrüdernden Menschenliebe schlagen, in der unterm funkelnden Lichterbaum sich Herzen und Seelen finden, eins in dem hohen Ideal: Des Daseins Kümmernisse mit
oer Werktätigkeit nächstlieb ender Hingabe zu versähen. Schwächlich Menschenstreben nach einem göttlich hohen Ziel, aber doch ein ideales Mühen, das den Götterfunke n im Menschenherzen offenbart und das große Sehnen der Sterblichen nach dem .Frieden auf Erden- tatwirksam toerben läßt! Die Stille der heiligen Rächt scheucht Sorgen, Leid und Kummer aus den Herze« und der gewal. tige Gottesgruß aus lichten Höhen wird lebendig in Aller Seelen: Friede auf Erden!
F. H.
Sie Schlacht von Azizla.
Eine schwere Niederlage der Italiener.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 23. November.
Einer der Korrespondenten des „Temps", der den türkisch-italienischen Krieg mitmacht, tcl-araphiert aus Arizta vom zwanzigsten
Friede ans Aden!
Wenn die Christnachtglocken läuten ...!
Kein Schnee deckt die Erde, kein funkelnd
steht, dessen Erdenlauf nach kurzem Kampf ebenso am Grab der Hoffnung endet, wie alles Sehnen und Verlangen in der eignen Brust.
Kein Tag im langen Erdenjahr, der der Menschen Herzen so eng und innig verbindet, keine Stunde in hellen oder dunklen Tagen, die das Empfinden der Seelen so traulich eint, wie der Augenblick heiligen Sehnsucht, glücks unterm Lichterbaum, wenn ernst und feierlich aus Himmelshöhen das Ewigkeitswort vom »Frieden auf Erden" zum Tal des Lebens niederklingt und daS greifende Mer im strahlenden Auge der Jugend das Spiegelbild einstigen eignen Verlangens schaut: »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Die Menschenliebe, aus der allen Sterblichen gemeinsamen Sehnsucht geboren, verklärt das Irdische, erhebt die vom Kummer des Alltags bedrängten Herzen zu Seligkeitshöhen und gönnt auch dem Armen, dem Enterbten des GlückS, den Moment selbst- vergeflender Freude, der eine weite Spanne zukünftigen Sorgenwattdels mit dem Zauber frohen Erinnerns verschönt, sodaß also für des flüchtigen Augenblicks Dauer das Verheißungswort vom »Frieden auf Erden" zur sonnigen Wirklichkeit wird. Wie ein Ahnen traumhaft himmelsfernen Glücks klingt'S durch
Welt, wie ein Hohelied der Seligen, das
Die Weihenacht der Menschenliebe führt den Geist empor, hoch übers Tal vergänglicher Kümmernisse, und ein Abglanz des hehren Gottesfriedens, den da« Erdrund er- sehnt, verklärt das Menschliche hienieden mit dem wärmenden Strahl liebender Verbrühe- rung in dem einen idealen Empfinden: Friede auf Erden; Friede auch den Menschen, deren Dasein sonst der Friede flieht; Fri^>e der ganzen Welt, der daS Glück des Friedens verheißen ward! Mag auch das große Sehnen der hier auf Erden Ringenden ewig unerfüllt bleiben; mag auch der Kampf für immer des Friedens Engel scheuchen und das menschliche Geschlecht bis zum Ende seiner Tage unterm Fluch erhabner Göttlichkeit seufzen: Der eine Tag im Jahr, an dem die Waffen ruhen und Kampf und Hader schweigen, der eine Tag deS Lichts und der Verheißung bleibt den Sterblichen erüalten. und es wird, solang:
Sis zwingt die Natur in seinen Bann; grau und düster lagert über der stillen Welt der Regenhimmel, und statt des eisigen Nords trägt der Dezemberwind finstre Wolkenberge durch die Wetten. Keine Linie, kein flüchtiger Schat- ten in diesem herbstlich-dunklen Bilde deutet auf der Christnacht singende Wunder; kein heimliches Regen draußen in Flur und Feld kündet der Weihnachten goldigen Zauber, und auch in den Herzen der Menschen, im Emp- findungsleben der Seelen weckt das dunkle Bild der Tage heimliches Sehnen nach der leuchtenden Helle und dem funkelnden Glitzern der weißen Weihenacht, in deren traumhaftem Zauber das große Geheimnis des Verhei- tzungstags seine Wunder erschließt. Die Christ- nachtglocken rufen aus Himmelshöhen ihr eher- «es »Friede auf Erden!" durch die Wel- ten, seit Jahttausenden die Hoffnung und das Sehnen von Millionen menschlicher Herzen, die die gewaltige Wucht dieser verheißungsvollen Offenbarung wie Erlösung vom Druck der Erdensorae empfinden, und wenn unterm Licht- terbaum der Liebe die Flammen des Glücks in millionenfacher Zahl aufleuchten, wenn der Weihenacht Seligkeit die Erde erfüllt, dann zubell auch daS Herz, das sonst nur Kummer spürt, und im grauen Bild der winterlichen Welt den Spiegel seines Schicksals sieht. Das Zauberwort deS »Friedens auf Erden", der Märchenglanz des Wunders von Betlehem und das lichtfunkelnde Glück der von ehernem Glockenklang besungnen Stunde erheben die Seelen zu weltenfernen Himmelshöhen, in deren Helle das Erdenleid verbleicht. Und:
Friede auf Erden!" ruft's von Pol zu Pol. "Wo wohnt der Friede? Draußen im brandenden Daseinskampf, wo täglich Hunderte, müde und matt, als Opfer falle« und der EaoismuS brutal Tribut heischt? In der Hütte des Armen, der sein Stückchen Brot im Schweiß des Angesichts erwirbt und der Rot des Abends entgegonbangt, wenn eben das Morgenrot des jungen Tags verglommen? Im Palast der Großen dieser Erde, wo übertünchte Höflichkeit und schwere Teppichpracht des Lebens und des Daseins Leidenschaften dämpfen? In der weltfernen Stille des einsamen ErdenwmkelS, wo die SelbMerleugnung verzweifelnd mit dem bösen Drang des Menschenherzens ringt, oder mitten im Gewühl des LebenS, dort, wo deS wilden Strudels Quellen springen, der uns in flüchttger Fahrt von der Kinderwiege zum Greisengrabe trägt? Nirgends, wo Menschliches atmet und ringt, fand je der Frieden eine Stätte, und «S ist, als wär's deS Schicksals Fingerzeig, daß der Glockengruß der Weihenacht hoch überm Erdenharm und fern dem Tal deS Lebens durch reine Lüste schwebt, empor zum Dom des Großen, Ewig- Ungekannten, daS der Menschheit Sehnen nie ergründet. Drunten im Tal, wo der Strom der Leidenschaften flutet, schweigt für Momente der Wogen Brausen: Der Zauber der Weih en acht mit seinem gewaltigen Verheißungswort »Friede auf Erden!" zwingt die Herzen in seinen Bann, und aus der ewigen Seelen-Sehnsucht der Sterblichen quillt, hell und klar, der Born der Liebe, jener tiefen und innigen Liebe, die im Nächsten den M it- kämpfer um des Daseins kargen Lohn, den Mitleidenden und Mit st erblichen
Dezember: Am fünfzehnten Dezember griffen dir Italiener mit zweitausend Mann frisch angekommener Truppen gleichzeitig mit den italienischen Vorposten aus Khomo das türkt- che Lager an. Nach einer erbitterten
Schlacht, die den ganzen Tag über dauerte, zogen sich die Italiener mit einem Verlust von zweihundert Toten, darunter zwei Offizieren, zurück. Die türkischen Verluste betru- gen zwölf Tote und dreißig Verwundete. Am ieüzehnten Dezember versuchten die Italiener ein Erkundigung, die durch eine Batterie Gebirgsartillerie unterstützt wurde. Sie schleuderten zweihundertzehn Bomben in das Lager der Türken, zogen sich aber dann vor den ausgesandtrn türkischen Truppen nach Tripolis zurück. Am neunzehnten Dezember wurde auf dem linken Flügel der türkischen Stteitkräfte eine italienische Erkundungskolonne angetrofien. Rach heftigem Gefecht, das bis zwei Uhr nachmittags dauerte, zogen ich die Italiener zurück, verloren aber den Weg. ES gelang den Türken, einem Teil der italienischen Truppen den Rückzug abzuschnei- den «nd zweihundert Gewehre zn erobern. Die italienischen Verluste bettagen fünfhundert Mann. Auf türkischer Seite sind zwanzig Tote und vierzig Verwundete zu ver- zeichnen. ___________
Weihnacht» - Tragödien.
Sturm« und Wafserkatastrophen überall.
Die Stürme der letzten Tage, die namentlich Mittel- und Südeuropa heimsuchten, haben noch m - h r Opfer gefordert, als Ursprung- lich angenommen wurde. In Stettiner Schiffahrtskreisen herrscht Besorgnis über den Verbleib des Dampfers „Okahandje der Reederei Retzlaff, der mit Getreideladung am dreiundzwanzigsten November Cherson verlas- sm hatte. Am 5. Dezember lief der Dampfer Oran an. um Kohlen einzunehmen. • Seitdem fehlt von dem Schiff jede Spur. Es wird für wahrscheinlich gehalten, daß es mit der fünfundzwanzig Mann starken Besatzung im Sturm untergcgangen ist. Infolge des mes, der seit einigen Tagen im Adriatffchen Meere herrscht, ist ferner der österreichische Dampfer .Moriska" bei der Insel Punta Dura gestrandet. Die meisten Opfer scheint in- besten die Sturmkatastrophe in den französischen Gewässern gefordert zu haben. Es liege« uns darüber folgende Meldungen vor:
Parts, 23. Dezember.
(Privat-Telegramm.)
Auf der Höh« von Q u i b e r o n spielte sich gestern das ttagischste Drama der letzten Tage ab. Während ein furchtbarer Orkan wütete, wurde auf See ein Dreimaster gesichtet, der versuchte, in den Hafen einzulaufen. Mehrere Rettungsboote versuchten, dem Dreimaster Hil- fc zu bringen, wurden aber vom Sturm zu- ttickgetrieben. Der Dreimaster geriet inzwischen auf einen Wellenbrecher, drei Meilen vom Eingang des Hafens entfernt. Eine große Welle riß das Schiff in zwei Teile, eine zweite verschlang es samt den Insassen. Man glaubt, daß es sich um den norwegischen Segler „Lill Swinger" aus dem Hafen von Arendal handelt. Vier Leichen sind bereits auf den Sttand geworfen worden. Der Sturm führte ebenfalls verschiedene Unfälle im Hafen von Gascogne herbei. Der englische Dampfer „Ella Sojen, der au8 dem Schwarzen Meer kam, wurde von schweren Wellen überrascht, durch die drei Mattosen vom Deck gerissen wurden. Die drei Matrosen ertranken, während mehrere andere leicht verletzt wurden. Im Hafen von La Rochelle stießen zwei Leichter, die mit Sträflingen be- setzt waren, mit einem Dampfer zusammen. Mehreren Rettungsbooten gelang es, die Menschen zu retten. Das Unterseeboot „Floria l" wurde auf dem Wege nach Cherbourg vom Sturme Ü.'^rrascht. ES erlitt Havarien und mutzte sofort in den Hafen zurückkehren. In Onthee sind zahlreiche Telegraphenstangen vom Sturm niedergeriffen worden. In Brest ist infolge deS seit einigen Tagen herrschenden schweren Sturmes der Verkehr in der Stadt zum größten Teile unterbrochen. Die Straßenbahn mutzte ihren Betrieb einstellen. Zahlreiche Personen find zu Schaden gekommen.
Sturmwetter rm Rheinland.
Aus Köln wird uns berichtet: Der un* aufhaltsam anhaltende, orkanartige Sturm hat zahlreiche Unglücksfälle und empfindliche Verkehrsstörungen hervorgerufen. Auf der Strecke Köln-Amsterdam wurde der Verkehr vielfach unterbrochen,§da Telephongestänge und -drähte die Gleise sperrten. In dies Verkehrshindernis fuhr unweit Geldern ein Güte r z u g hinein, der sich dermaßen verwickelte, daß Hilfsmannschasten herbeiaeholt werde«
l£|un ist verstummt das Mtagstreiden; )J* Im frieden liegt die weiße Stadt. Sie immer regen Hände bleiben 5m Schaß gefaltet, werktagssatt. Sa« roürfge Waldrevier ist wieder fntriitht dem schmalen Strahensaum; And kinderlippen singen Lieder Vom Thristbaum als dem schönsten Saum!
Wie straiflen seine heilen Kerzen Verheißungsvoll aus dunklem Grün! Verstohlen in vergrämten Herzen kommt neue ihoffnung zum Lrblühn. V, lausch' dem Sus der Weihnachtsglockrn, Ser durch die Winterstille dringt. And laß rin Lächeln dir entlocken, Wenn Kinderjubel dich umringt!
Wie sehnten fir sich schan seit Wachen Pus ihren höchsten feiertag!
Kun endlich ist der Sann gebrachen, Ser um die kleinen Herzen lag.
And mir sie staunen in Las flimmern Ser Tanne, die in Schönheit ragt, Frohlockt aus ihrer flugrn Schimmern Mehr Sank, als dir ihr Stammeln sagt!
Sa tönt die alte frohe Kunde Ser hrii'gen Sacht an jedes Shr. Sie Winterluft trägt'» in die Kunde, Such wo verstellt ihr Tür und Tor. hier ist'» ein Grüßen, dort rin Mahnen, Lin Trösten, wa ein Herz sich kränkt, Bis es durchweht von süßem phnen, Saß Gott auch seiner nach gedenkt!
Sie weiß der flrmut Leid zu finden 5n Hütten, kalt und freudenleer; Bort Gottes Kotschaft zu verkünden. Kein Tun erscheint wie solches hehr! Laß gütig deine Hand sich regen, Kis still der letzte Groll versand, And ein Gefühl von tiefem Segen Geleitet dich als Lhristi Dank .