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Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang

Fernfpreche» 951 unk 952.

Sonnabend, 23. Dezember 1911

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 17.

<Ote Gaffel« Neuesten Nachrtchren «schein« wöchentlich sech-mol mrd »war abend«. ®er G6onnement«vrete betragt monatlich 60 Bfg. bet frei« Zustellmig in« Hau«. Bestellungen werten «berget! von der Geschäftsstelle ob« den Boten entgegengenommen. Druckerei. «erlag und «edaMon: Schiachthosslrotze 18/3& Sprechstunden d« Redaktion von 13 ll-r nach- xnittaaä, jnristtsche Sprechstunden für uaf«e Abonnenten Mittwoch« und Sonnabend« von , . z när abend«. Berliner Vertretung: SW» Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

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NM Nchrilhtm

MWM Hessische Abendzeitung _________

zeichnet:

Wien, 22. Dezeutber.

englische BarkeJanie", nach Antwerpen un­terwegs, ist auf Grund gelaufen und befindet ich in sehr gefährlicher Lage.

Doktorhut und Krone.

Akademischer Lorbeer dankend verbeten!"

Es ist uns erzählt worden, daß der Deut­sche Kaiser doktormüde sei und eine förmliche Scheu vor der seinem Fürsten jeden Tag nahen) Möglichkeit empsinde, abermals mit dem Ehrenhut irgend einer würdigen Fakultät ausgezeichnet zu werden. Wilhelm der Zweite ist im zweiundfünfzigsten Jahr sei-, nes Lebens Ehrendoktor von fünf Hochschulen des In- und Auslands und besitzt mit Aus­nahme des theologischen die Doktordiplome sämtlicher Fakultäten. Daß unter den Ertei- lern der Ehrendoktorhüte an den Kaiser die deutsche Wissenschaft nur mit einem Dip­lom (dem des juristischen Ehrendoktors der Universität Berlin) vertreten ist, überrascht einigermaßen, namentlich inanbetracht der Tat­sache, daß der Europafahrer Theodore Roose­velt von seiner Heldentournee über den Konti­nent ein ganzes Sortiment europäischer Dok­torhüte mit heim zur Oyster-Vay brachte: Die Trophäen spätabendlich gewürdigter Verdien­ste! Dessenungeachtet darf man ehrliche Ge- C nugtuung darüber empfinden, daß der Kaiser X dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, eS möge die Menge seines akademischen LorberS vorerst nicht mehr in dem bisherigen Eiltempo weiter bereichert werden. Kaiser Wilhelm trägt da- ' mit nicht nur einem durchaus berechtigten per- .sönlichen Empfinden Rechnung, sondern et hat »auch der Wisienschaft und ihren Priestern einen . Dienst erwiesen, indem er das Ungestüm krank­haften Eifers sanft auf das Matz des Nütz­lichen und Erträglichen zurückzudrängen be­

fall hat eS gewollt, daß ans mehreren Berliner tostämter« Umfangreiche Unterschlagun­gen ausgedeckt worden sind, die zum Teil schon längere Zeit zurückliegen. Bier ungetreue Per- orten, die in den Diensten der RelchSpost stau- den rnü» verdächtig waren, die Unterschlagun. gen begangen zu haben, wurden verhaftet. Alle vier haben bereits ein umfassendes Ge- tändniS abgelegt. Wie verlautet, ist die Post. Verwaltung durch die Unterschlagungeu um etwa füns-igtausend Mark geschädigt worden.

müht war.

Der Titel eines Ehrendottor» soll satzungS- gemätz nur denjenigen Personen verliehen werden, die sich als Vertreter, Förderer oder Bahnbrecher um diejenige Wisienschaft, deren Doktorwürde in Frage steht, hervorragende Verdienste erwoben haben. In frühem Zei­ten blieb der Kreis der auf diese Weise Aus­zuzeichnenden überhaupt streng auf die Wiffen- schaft und die mit ihr in direktem Zusammen­hang stehenden gelehrten Bemfe beschränkt, und es ist beispielsweise keiner einzigen alt- preußischen Universität je beigekommen, einen der zeitgenössischen Könige mit dem Ehrendok- torhut zu behelligen, trotzdem doch grade in früherer Zeit die Fördemng der Wissen- schast wett mehr al» heute vom Wohlwollen der Fürsten abhängig war. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Monarchen und Staatswürdenträger ist vielmehr eine Errun­genschaft der neuen Zeit, von der sich allerdings nicht sagen läßt, daß sie irgend einen Nutzen gestiftet hätte, oder auch nur als Fortschritt zu begrüßen wäre. Im Gegenteil: Der fürstliche Ehrendoktorhut ist eine Art Modesache ge- worden, ähnlich wie die zweck- mtb planlosen Depeschen, mit denen bei meist unpassenden Gelegenheiten auS der Mitte irgend eines fest- fciemben Kränzchens die Landesväter heim- gesucht werden (zum Leidwesen der Hofmar­schälle und Kammerherren, die die Drahtgrüße

(Privat-Telegramm.)

Der Sturm hat nicht nur in Paris, son- dem auch in der ganzen P ro v i n z mit äußer- ster Heftigkeit gewütet und In allen Teilen des Landes schweren Schaden angerichtet. Die tele- phonischen Verbindungen mit Berlin, Von- don, Frankfurt, Rom, Mailand und Genf waren gestört und sind eS teilweise auch heute noch. Auch die Telephonlinien sind vielfach zer­stört worden. Besonders große« Schaden hat das Unwetter an der Küste angertchtet. Auf der Höhe von Quessant ist ein großer Dampfer aufgelaufen und gesun­ken. Mehrere Rettungsboote sind abgegangen, konnten aber bis jetzt keine Hilfe bringen. Auch ein kleineres Schiff ist mit der Besatzung Im Sturm untergegangen. Im Mame^)e- partement sind mehrere Häuser eingestürzt und im Seine- und Marine-Departement befürchtet man Ueberschwemmungen. Der Sturm und daS Unwetter dauem immer noch an. Gro­ßen Schaden hat das Unwetter an den Flie- gerschuppen in EtamPeS angerichtet. Meh­rere dieser Schuppen sind zerstört worden und die Apparate sind jetzt den Unbilden des Stur­mer ausgesetzt. In der Bleriot-Schule wurden fünf Apparate vernichtet, Wovon vier für M a - rokko bestimmt waren. Am Strande von Brest sind zahlreiche Ueberbleibsel von ge- strandeten Schiffen.angeschwemmt wor- den. BiS jetzt war es jedoch nicht möglich, die Namen der betreffenden Schiffe festzustel­len. Man glaubt jedoch, daß sich unter ihnen der dänische Dampfer »Freya T h u r o" be­findet. Es ist wahrscheinlich, daß die Mann­schaft dieses Schiffes um gekommen ist. Auch aus Havre werden mehrere Schtffs- Unfälle gemeldet.

Sie Mer der Katastrophe.

Hinblick auf die gesegnete Erde von Sabinen, die das Material für die Kaiserliche Ton-Ma­nufaktur liefert), und der Kaiser hat sich darü­ber gefreut und den Braven Mitteilen lassen, daß er die Ehrenmeisterschaft dankend akzep- ttere. Der Fall hatte zwar seine komische Sei­te, aber die Ziegelmänner waren sicher vom besten Willen und von der treuesten Gesinnung beseelt, und sie werden glücklich ein in dem Gedanken, den Deutschen Kaiser gewissermaßen zu ihren »Kollegen" zählen zu dürfen. Mit der Wissenschaft ist's indessen et­was andres als mit dem Ziegelbrennen, denn die Einfalt eines guten Willens kann hier doch nicht wohl als treibende Kraft gelten, und es ist deshalb umso erfreulicher, daß Kaiser Wil- helm selbst die Initiative ergriffen und den Zionswächtern der Weisheit aller vier Fakul­täten zu verstehen gegeben hat, daß er an bet Bürde akademischen Ehrrnlorbers schon in ihrer jetzigen imposanten Fülle schwer trage und höflichst um Schonung bitte. Es geht in den jungen Jahren des zwanzigsten Jahrhun­derts eine so eindringliche Klage über neue Regungen einet byzantinischen Epi­demie durch die Lande, deren Symptome immer deutlicher merkbar werden. Sollte auch Kaiser Wilhelm das erkannt und dem schleichenden Nebel zu steuern versucht haben...?

F. H.

Sturm und Wafferkatastrophen.

Schwere Unwetterverheerungen überall.

Die letzten Tage haben fast in ganz Europa schwere Unwetter-Katastrophe« ge- bracht, von denen am stärksten Frankreich heim- gesucht worden ist. Gestern und vorgestern herrschte (wie unS auS Paris berichtet wird) in ganz Frankreich ein furchtbares Unwetter. Bei dem Sturm, der in Le Mans wütete, wurde ein Bildhauer von einem einstürzenden Gerüst erschlagen. Auch sonst hat das Unwet- ter zahlreiche Unfälle im Gefolge gehabt. Auch r- Berlin ist dem Unwetter ein Menschen- leben zum Opfer gefallen Auf dem Bahnsteig des Wriezener Bahnhofes wurde gestem ein Bahnarbeiter vom Sturm in dem Augen- blick auf die Schienen geschleudert, als ein Zug die Station verlief,. Er wurde auf der Stelle getötet. Weitere Depeschen melden unS:

Paris, 22. Dezember...

wünschte. Der neue Staatssekretär des Reichs, kolonialamts Dr. Sols ist am 5. Oktober 1862 in Berlin geboren, studierte Sprachwissen­schaften auf dem Orientalischen Seminar und ging nach kurzem Aufenthalt in London nach Kalkutta, wo er indische Sprachforschung trieb und zwei Jahre im deutschen Konsulat arbei­tete. Später war Solf in der Kolonialabtei­lung des Auswärtigen Amts in Berlin tätig und wurde am ersten März 1900 zum Gou­verneur von Samoa ernannt, welchen Posten er bis zu seiner Berufung ins Reichsko­lonialamt ununterbrocheit innegehabt hat.

Ein Herzog als Lstafrika-Gouvemeur?

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Berlin berichtet wird, ver­mutet man in dortigen gut unterrichteten Krei­sen, daß Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg als G o u v e r n e u r von Deutsch- Lstafrika in Aussicht genommen fei, ba Herr von Rechenberg nicht beabsichtigen soll, auf feinen bisherigen Posten zurückzukehren. Wer an die Spitze des Gouvernements von Samoa treten wird, steht noch nicht fest. Dr. Gleim, der Gouverneur von Kamerun, wird in den nächsten Tagen in Berlin erwartet. Wie wei­ter bekannt wird, hat sich Herzog Adolf Friedrich bereits bereit erklärt, die Nachfolgerschaft Rechenbergs als Gouverneur zu übernehmen.

zu erwidern haben).

Ein jeder Fürst erwirbt sich (direkt oder indirekt) mehr ober weniger große Verbienste um die Wissenschaft und die Förderung ihrer Interessen: Sei eS durch persönliche Anteil­nahme an ihren Bestrebungen, fei es durch Duldung oder Unterstützung wissenschaftlicher Forschung, sei e» schließlich durch Gesetzeswer- le, die im Licht der Wissenschaft als Verdienst erkennbar werden (beispielsweife die Vollen- düng deS Bürgerlichen Gesetzbuchs, die dem Kaiser seinen ersten juristischen Ehrendokwrhut eingetragen hat). Der äußere Anlaß der Belastung eine» Fürsten mit bet Ehrendottor- teürbe ist also in allen Fällen ohne sonderliche Muhe zu ermitteln, und der Form wird dem- nach auf diese Weise durchaus korrekt entspro­chen. Etwas andres ist'S indessen mit der Fra­ge, ob die H ä u f i g k e i t derehrenhalber er­folgten Promotionen" nicht den Wert der Auszeichnung an sich mindert und in den Fürsten das Empfinden weckt, daß itngrunbe nur die ragende Höhe des Herrscheramts, und weniger der Mensch und der ehrlich stre­bende Geist vom Ehrenhut der Wissenschaft beschattet werden. Man erinnert sich noch deS Unbehagens, das die deutsche -Gelehrtenwelt durchzitterte, als in den Sommertagen neun- zehnhundertzehn Herr Theodore Roosevelt in her altehrwürdigen Berliner Friedrich-Wilhelms Universität bei rauschendem Festgeklingel zum Ehrendottor promoviert wurde, nachdem er die entzückten Zeugen deS Weiheatts durch einen Bortrag gemartert hatte, dessen Gemeinplätze die Oeffentlidjteit zweier Erdhälften belächelte.

vo, nicht langer Zeit hat etn vaterländisch Itünnte» Atoaeldrenner-V«ein Kaiser Wilhelm

ium tiiew-zUaeüntifiei ernannt lwodl an

(Privat-Telegramm.)

Mehrere hiesige Abendblätter, die alarmie. rende Berichte auS einer Budapester Quelle über daS Befinden deS Kaisers brach, ten, verfielen gestern der Konfiskation. Die ungarischen Meldungen besagen, daß der Kaiser an Herzschwäche leihet, wiederholt einschlafe, unb daß feine allgemeine KSrper- schwäche Besorgnis errege. Demgegenüber wird von oflizieller Seite ba« Befinden des Kaisers al»nicht beunruhigend" bezeichnet, doch wird zugegeben, daß die Budapester Mel. düng vielleicht eine« Zustand schildert, den der Monarch bereits glücklich überwunden habe. Die mm schon feit Woche« schroff sich widersprechende« Rachrichten über den Gesund- hettSzustand deS Kaiser» haben in der Wiener Bevölkerung lebhafte Beunruhigung hervorgerufen, da man zu der Ansicht neigt, daß das Befinden des Über achtzig Jahre alten Kaisers ungünstiger ist, als in den offi- ziöscn Meldungen zugegeben wird.

Franz Oofef, der Achtzigjährige.

Beunruhigende Nachrichten aus der Hofburg.

Schon feit Monaten kommen aus Wien Nachrichten, die das Befinden deS greisen Kaisers Franz Josef als besorgnis­erregend bezeichnen. Offiziös sind zwar alle diese Meldungen regelmäßig dementiert und der Gesundheitszustand deS alten Kaisers als durchaus befriedigend bezeichnet worden, aber es mehren sich doch die Anzeichen, die daraus Hinweisen, daß man selbst in der nächsten Umgebung des Kaisers ernste sorgnisse hegt. Amtlich werden indessen alle diese Meldungen als unzutreffend be.

Staats-Sekretär Ar. Solf.

Der neue Mann im Kolonialamt.

Zur Ernennung des Dr. Sol f zum ^iaats- fetretär des Reich sko loni aI°mt S wird von gut unterrichteter Sette noch solge^es mlt- aetellt' Dr Solf war bereits am Dienstag vom Kaiser zur Abendtafel in Potsdam ge­laden worden, an der außer ihm nur noch der Reichskanzler und Direktor von G w t n- ner teilnahmen. Dr. Solf wurde wahrend des Abends vom Kaiser wie von der Kaiserin wiederholt in liebenswürdigster Weise ansge- zeichnet. Am Mittwoch wurde Dr. «ols dann ,ur kaiserlichen FrühstückStafel gezogen, in de- Jen SB erlauf ber alt er ihn persönlich von der Ernennung ,um etoat»feketär dtSReichSkolo. tttalamte» in ftetartnü setzte unb ibn beglück-

Generalstreik in Sicht?

Schlimme Aussichten für das Frühjahr. (Privat-Telegramm.)

London, 22. Dezember.

In der gestrigen Versammlung deS Berg, a rb ei ter-V e rb and e S, zu der hundert Delegierte, die sechshunderttausend Bergleute repräsentterten, erschienen waren, wurde be». Massen, Über die Frage eines General- treikS zur Erringung eines allgemeinen Minimallohnes unter den Bergleuten eine Ab. timmung zu veranstalten. Rach allgemeiner Ansicht wird aber die Abstimmung wahrschein, lich eine große Majorität für einen Streik ergeben. Der Streik würde Ende Februar beginnen. Der gestrige Beschluß wird bereits als ein Sieg der radikalen Elemente angesehen. Die friedlichen Elemente hatten auf Fortsetzung der Verhandlungen mit den Grubenbesitzern gedrungen, sind aber mit ihren Vorschlägen unterlegen.

Schwere Streittämpse in Schottland.

(Privat-Telegramm)

London, 22. Dezember.

In der fchotttschen Stadt Dundee, wo seit einigen Wochen die Verkehrsarbeiter strei. ken. kam es gestern zu schweren Aus. schreitungen der Streikenden. Gegen abend sammelte sich eine Menge von mehreren tausend Personen vor der Eisenbahnstation an und brachte' den Zugverkehr zum S t i l l st a n d. Berittene Polizei wurde m 11 Steinen beworfen. Vier Konstabler mußten in das Hospital gebracht werden. Auch einige Zivilpersonen wurden verletzt. Die Lage, die infolge der durch den Streik hervor- gerufenen Verkehrsstockung eingetreten ist, ist sehr krittfch. Eine Abteilung Militär hat in der Exerzierhalle der Stadt Quartier aufge. schlagen. Die Wiskyfirmen machen Versuche, ihre Weihnachtssendungen trotz des Streiks an di« Bahn zu bringen. Di* Wage« werde« von ber Polize-t begleitet Gestern wieder wurde d* Lastwagen in den Hafen geworfen. D« Kut-

Sas letzte Dementi.

DaS amtliche Wiener Korrespondenzbüro verbreitete gestern solgende offiziöse Meldung: .Gegenüber der Meldung eines ungarischen Blattes über einen angeblich ungünstigen Ge­sundheitszustand des Kaisers wird festgestellt, daß der leichte Katarrh des Kaisers nicht zu den geringsten Besorgnissen Anlaß gibt. Der Kaiser erledigte am Donnerstag wie ge­wöhnlich sein Arbeitsprogramm und verbringt nur mit Rücksicht auf das Nebelvetter die Weihnachtstage nicht in Wallfee, sondern in Wien. Sein Befinden ist volüommen zufrie­denstellend." Auch die aus angeblich verbürg­ter Quelle stammende Meldung, daß der Thronfolger Franz Ferdinand auf An­raten seiner Aerzte mit seiner Familie den Winter in der Schweiz verbringen und sich während dieser Zeit von allen Staatsgeschaf. ten und Festlichkeiten sernh alt en werde, wird von dem amtlichen Korrcipondenzburo als unzutreffend bezeichnet.

Wild-West in Paris.

Eine halbe Million geraubt!

Ein Kassenbote der Socist« generale wurde auf dem Montmartre in Paris von vier Räubern überfallen, durch Revolver, chüsse schwer verwundet und seiner Tasche beraubt. Die Räuber flüchteten in einem Automobil, das auf ste gewartet hatte, und trieben die sie verfolgende Menge mit Revol. verschlissen zurück. Die Tasche enthielt einen großen Wertbestand in Banknoten und, für mehrere hunderttausend Francs Wertpapiere. Der Ueberfall geschah so plötzlich, daß die um diese Zeit sehr starke Menge der Straßenpas. sauten im ersten Moment gar nicht an eilte Festnahme der Räuber dachten. Wir erhalten darüber folgende Meldung:

Paris, 22. Dezember.

(Privat-Telegramm.)

Der Ueberfall auf den Kassenboten im Quartier Montmartre wird von allen Mor. genblättern lebhaft besprochen. Die Räuber erbeuteten, wie nunmehr festgestellt ist, zwei- hunderttausend Francs in bar und dreihun. berttaufertb Francs in Wertpapieren. Der beraubte Kassenbote war einer ber ältesten und bewährtesten Angestellten ber SocisiS gönsrale. Die Banbtten feuerten brei Schüsse auf ihn ab, durch die der Kassenbote schwer verletzt worden ist. Der ganze Vorfall spielte sich in nur We­nigen Sekunden ab, sodaß es den Räubern ein leichtes war, in einem Auto zu entkommen. Das Befinden des Kassenboten ist so bedenk­lich, daß er den heuttgen Tag wahrscheinlich nicht überleben wird. Einigt Passanten, die Zeugen de» UebersalleS waren, konnten über daS Aussehen der Räuber einige Angaben machen, doch ist eS bisher nicht gelungen, irgend eine Spur der Verbrecher zu entdecken.

Unterschlagunge» auf Berliner Postämtern.

(Privat-Telegramm.) \

Aus Berlin wird unS berichtet: Der 8«-

Ein weiteres Privattelegramm mel­det uns aus B r ü s s e l: In ganz Setgien wü­tet feit gestern ein furchtbarer Sturm, begleitet von heftigem Regen. In Brussel und in der Umgegend sind mehrere Wohn hau- s e r e i n g e st ü r z t. Besonders großen Scha­den richtete der Sturm am Strande an. Sechs Fischerboote sind auf Grund gelaufen, von an­deren überfälligen Fahrzeugen ist man ohne Nachricht. Im Hafen von Antwerpen ja» durch den Sturm zwei Leichterer von ihren Ankern gerissen worden und mußten auf Grund gesetzt werden, um nicht andere Fahrzeuge zu gefährden. Der aus Valencia kommende deutsche Dampfer »Profv<r lttf au ein verankertes Signal. Die Schiffsschraube wurde beschädigt, so daß die -Prosper" in den Hafen geschleppt werd« mutzte. Auch verscbte. bene ander« Fahrzeug» erlitte« Unfall«. Die