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Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 15.

Fernsprecher 951 und 952,

Donnerstag, 21. Dezember 1911.

Fernsprecher 951 un> 952.

2. Jahrgang.

Set Letzte der Romantiker.

Winnetous Schatten vor Gericht.

Nun ist das Christkind auch zu Karl May, dem Helden ungezählter Abenteuer in drei Weltteilen, dem Freunde Winntous, dem Be­zwinger der Schluchten des Balkan, dem ver. göttertenSidi" Ben Halef Omars, dem be­wundertenEfsendi" der Welt Mohammeds, dem siebzigjährigen sächsischen Millionär und dem friedlich auf seinen Lorbeeren ausru­hendenOld Shatterhand" in der prunkenden Villa zu Kötschenbroda gekommen: Die Straf­kammer des Berliner Landgerichts hat den grimmigsten Gegner des seltsamenSäkular- menschen", den Gewerkschafts-Sekretär Ru­dolf Lebius, wegen Beleidigung Karl May's zu einhundert Mark Geldstrafe verur­teilt, und zwar (wie in der Urteilsbegründung gesagt wird), weil Lebius in einem Briese Old Shatterhand ohne zwingenden Anlaß und ohne hinreichenden Grund alsgebornen Ver­brecher" bezeichnet hatte. Das Urteil ist für Karl May eine Art Genugtuung, denn das Charlottenburger Schöffengericht hatte vor Monden den Angeklagten Lebius im Privatkla­geverfahren freigesprochcn und damit gewisser- maßen zum Ausdruck gebracht, daß es als strafbar nicht gelten könne, den meistgelesen­sten deutschen Jugendschriftsteller als gebornen Verbrecher zu brandmarken.

Die Verhandlung in dem jetzigen Prozeß- Verfahren bot psychologisch weit inter- esiantere Momente, als vom rein juristi­schen Standpunkt aus erkennbar geworden änd: Vor den Schranken der Gerechtigkeit stand kin Greis, der mit einer Art Heldengeste dem Gerichtshof erzählte, daß seine Schriften unter Der deutschen Jugend weit mehr verbreitet seien, als irgend ein anderes Druckwerk der Trzählerkunst, Lederstrumpf und die übrigen Prunkstücke der Jndianerliteratur nicht ausge­nommen; der ferner darauf Hinweisen konnte, daß er zu den höchsten aristokratischen Kreisen des Sachsenlands allernächste Beziehungen unterhalten habe, und sich grade seitens die­ser exklusiven Gesellschaftsklasse seit Jahrzehn­ten ungemindcrten Wohlwollens erfreue. Der dann auf der andern Seite ungebeugten Haupts und mit hell zum Richtertisch blickendem Auge, ohne Zittern in der Greisenstimme, erklärte, vor dreißig und einigen Jahren von deutschen Ge­richten wiederholt wegen Diebstahls. Be­trugs und andrer Sünden zu Gefäng­nis- und Zuchthausstrafen verurteilt worden zu sein. Ohne Scheu, mit der Miene des erdenfernen Philosophen, der über die Torheiten der Jugend mit dem milden Urteil verklärender Erinnerung hinweggehl und sich in dem Bewußtsein sonnt, nach vollbrachter Buße gebessert aus dem Kerker heimgekehrt zu sein und der menschlichen Gesellschaft nützliche Arbeit geleistet zu haben.

Ich erinnere mich eines (noch heut lebhaft tm Bild der Vorstellung sich spiegelnden) Freuden­lags aus froher Jugendzeit, als eine besondre Aufmerksamkeit des emsigen May-Verlags Fehsenfeld den Karl May-Enthusiasten von Sexta aufwärts bis einschließlich Prima den letzten Band Winnetou mit einem Stahlstich- Porträt des Helden im wild-romantischen Präriejäger-Kostüm, dem Namenszug des Viel­bewunderten (in schönen Schnörkelzügen: Dr. phil. Karl May) und einer recht abenteuerlich gefärbten Selbst-Biographie des Autors be­scherte. Winnetou und die übrigen Schöpfun­gen May'scher Phantasie sind Jahrzehnte hin­durch Jdealgestalten der Gedankenwelt deut­scher Jugend gewesen, und wenn Old Shatter- hands Trapper-Kostüm auch ebenso fragwür- dia gewesen sein mag wie Karl Mays ameri­kanischer Doktorhut: Er ist bis zu einem ge­wissen Grade dennoch ein Befruchter des deutschen Jugendgemüts geworden, und man kann es durchaus verstehen, daß auch der Vor­sitzende der Berliner Strafkammer, die über den Ehrenhandel Lebius-May den Spruch der Gerechtigkeit zu fällen hatte, aus innerster Ueberzeugung erklärte:Ich halte Karl May für einen Dichter!" Ob man den Millionär aus Kötschenbroda auch für einen Ideali­sten halten darf, der sein Jugenderziehungs- System aus ethischen Motiven formte, »oll hier nicht untersucht werden; Skeptiker mögen viel­leicht sagen, Idealismus und glitzernde Milli­onen seien Gegensätze, die sich nicht überbrücken lassen, und werden Herrn Karl May eher als Spekulanten gelten lassen wollen, der es verstand, aus dem dürftigen Tintenfaß einer exaltierten Phantasie in drei Jahrzehnten drei Millionen blanker Silberlinge hervorzuzau­bern.

Wie dem nun auch sei: Aus dem Dieb und Betrüger ist ein Greis geworden, der ein er­hebliches Stück Lebensarbeit hinter sich ge­

bracht und mancherlei Schätze gesammelt hat, die zwar den Moften und dem Rost untertan sind, dessenungeachtet aber einen Wertbesitz darstellen, wie er nicht manchem Dichter von Gottes Gnaden aus herzblut-inniger Lebens­arbeit zuteil geworden. Wir wollen auch nicht nach Pharisäerart an unsre Brust schlagen und über dem Zuchthäusler Karl May den Dichter Winnetous und den Orientbezwin­ger Kara Ben Nemst vergessen, sondern das Wort gelten lassen, das der von Rudolf Lebius' spitziger Feder grimmig Verfolgte in der Weihnachtswoche vor den Schranken der Ber­liner Strafkammer sprach:Ich bin als Mensch tief gefallen; als Mensch und mit menschlichen Kräften aber habe ich mich auch wieder cmporgerungen aus dem Sumpf der Niederungen!" Was an dem Menschen Karl May, an dem Greis mit dem fahlgelben Gesicht und den leidenschaft-gedunkelten Augen, bar des Trapperkleids und bar allen phantasti­schen Heldenruhms, tadelnswert ist, untersteht nicht mehr dem Spruch der Gerechtigkeit, nach­dem alter Sünden Schuld längst gerochen. Und was den Dichter Old Shatterhand, den Letzten der Romantiker", bemakeln könnte: Die Religions-Industrie der Feder, mag Karl May vor seinem Gewissen und vorm Forum des Kulturempfindens verantworten, nachdem die Romantik seinesSäkularmen- schentums" sich in die Dunst-Schwaden einer üblen Klatschaffäre aufgelöst hat. F. H.

ZS8 GsheimNtz der Wone.

Wird Schultz fein Geständnis ergänzen?

Man schreibt uns: Die Verhandlung gegen die Spione Scbultz und Genossen vor dem Leipziger Reichsgericht hat der deutschen Marineverwaltung bereits wertvolle Finger­zeige bezüglich der Art und der Ausbreitung der englischen Spionage in Deutschland geliefert. Aber die Hauptsache, worauf es den für die Landesverteidigung verantwort­lichen Behörden aukommt, hat Schultz für sich behalten. Schuld hat bekanntlich nur ein teil­weises Geständnis abgelegt, was ihm (worauf in der Urteilsbegründung besonders hingewiesen wurde) bei der Strafabmessung zu­gute gekommen ist. Trotzdem braucht die Hoff­nung noch nicht aukgegcben zu werden, daß Schultz nachträglich, um seine Lage zu er­leichtern. sein Geständnis ergänzt und erweitert. Ein solcher Fall wäre keines­wegs ohne Beispiel. Es sei liier nur an den Fall deS deutschen Kavftäns S a r a u w erin­nert, der in den achtziger Jahren gemeinsam mit dem polnischen Dichter K r a c z e w s k i und dem preußischen Hauptmann H e n s ch vom Reichsgericht zu Leipzig abgeurteilt wurde, die alle drei in den Diensten des frau'östschen Bureau des renseiguements" standen. Sarauw erhielt damals sechs Jahre Zuchthaus. Krac- zewski fünf Jabre Festung und Henkch neun Jahre Zuchthaus. Hensch starb bereits nach zwei Jahren in der Strafanstalt Halle. Krac- zewski büßte seine Strafe ganz ab und reifte dann ins Ausland, während Sarauw nach einer gewissen Zeit zu Gefängnis und später ganz begnadigt wurde. Der Grund für seine Begnadigung war. daß Sarauw wich­tige Mitteilunaen über die französische Spionage in Deutschland gemacht batte, auf deren Kenntnis in den maßa."bend-n Kreisen großer Wert gelegt wurde. Einen Teil dieser Mitteilungen hafte er erst im Z uchtb au s gemacht, um sich der Verbüßung keiner schwe­ren Strafe zu entziehen. Das jetzt ergangene Urteil gegen Schultz, das auf fein teilweises Geständnis besonderen Nachdruck legt, gibt der Vermutung Raum, daß auch Schultz bei weite­ren Geständnissen erhebliche Straferleichterun­gen zuteil werden würden.

*

Wilhelmshaven, 20. Dezbr. (Tele­gramm unsers Korrespondenten.) Tie Nachrichten der Rheinisch-Weftfälischen Zei­tung über die Umtriebe und Bläue der eng­lischen Svioue bezüglich Wilhelmshavens sind zwar offiziös dementiert worden, in unter­richteten und durchaus ernst zu nehmenden Kreisen (zu denen auch bekannte Marinefach­leute gehören) ist mau aber t r o ft d e m über­zeugt, daß die Mitteilungen des Essener Blat­tes der Wirklichkeit sehr nahe gekommen find, und daß das Dementi nur erfolgt ist, um die Oefseutlichkeit zu beruhigen. In der Spionage- Affäre des flüchtigen Schutzmanns ©lauft sind gestern weitere Verhaftungen vorgenommen worden.

Marokko-Sturm an der Seine.

Jaurtzs für deutsch-französische Berständiguug!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 20. Dezember.

Wider Erwarten sand gestern in der Kam­mer noch nicht die Abstimmung über den deutsch-französischen Marokko - Vertrag statt. Die Aufmerksamkeit der Kammer wurde bis sieben Uhr abends durch eine Rede des

Sozialistenführers Jaurtzs in Anspruch genom­men, die eine starke Erregung hervorrief und zu stürmischen Szenen führte. Der Red. ner wurde sowohl von der Regierung, wie von seinen Kollegen durch mehrfache Zwischen, rufe unterbrochen. Die Minister C a i l - laux und de Selv es hielten darauf, die Behauptungen Jaurtzs zu widerlegen, daft Oesterreich seine Zustimmung zu dem Vertrag an finanzielle Bedingungen knüpfte. Der Mi­nister des Aenßeren konnte sich hierbei auf die ausdrückliche Versicherung des hiesigen öster­reichischen Botschafters berufen. Vom Abgeordneten Deschanel wurde Jaurtzs unter­brochen, als er auf die Entente cordiale zu sprechen kam. Deschanel nahm für sich das Verdienst in Anspruch, als einer der ersten dem Einvernehmen mit England vorge­arbeitet zu haben. Jaurtzs schloß mit dem Ausdruck seiner Ueberzeugung, daß die En­tente cordiale dringend einer Ergänzung be. dürfe, nämlich der Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschland.

Verständigung in Sicht?

Ein weiteres Privattelegramm meldet uns aus Paris: Ministerpräsident Caillaux hatte gestern eine längere Untrere düng mit dem französischen Botschafter in Berlin C a m b o n. Diese Unterredung wird hier allgemein besprochen, und man vermutet, daft Cambon von Caillaux Instruktionen für dir deutsch-französischen Beziehungen er­halten hat, und daft die Anbahnung einer grundsätzlichen Verständigung zwischen den bei­den Ländern bevorsteht.

SBiHiam Tast, der starke Mann.

Der amerikanisch-russische Handelsvertrag.

Im Abendschatten seiner Präsidentschaft wächst Willia m Taft, dererste Bürger der Union", noch zur Heldengröße empor, be­staunt und heimlich beneidet von der Gilde zünftiger Diplomatie, die in der Tagwerkelei eintöniger Hcmdelsarbeit längst die Kraft zur Männertat verloren. William Tast, von dem bei seinem Einzug ins Weiße Haus in Wa- shington die Rede ging, daß der Erfolg seiner Regierungsarbeit an Theodore Roosevelts breiten Rockschößen baumele, hat ohne viel Aufhebens, ohne Lärm und Phrascngeklingel den amerikanisch-russischen Han. delsvertrag zum ersten Januar neun­zehnhundertdreizehn gekündigt und damit eine Tat vollbracht, deren Endwirkungen sich zur­zeit noch gar nicht absehen lasten. Der Präsi­dent der amerikanischen Union hat durch seinen Botschafter in Petersburg der zarischen Regie­rung diese Kündigung mit der Begründung zur Kenntnis bringen lassen, daßder gegenwär­tige Vertrag den politischen und materiellen Verhältnissen der beiden Länder nickt mehr entspreche" und deshalb eine Endung des lau­fenden Vertragsverhältnisses zwingende Not­wendigkeit fei. Bevor dies geschah, hafte man in Petersburg laut über denUebermut der Uankees" gepoltert, mit Repressalien gedroht und die neue Welt wissen lassen, daß Rußland auch wirtschaftlich über die Machtmittel verfüge, um einen gegen seine Handelsinter- esten geführten Schlag erfolgreich parieren zu können. Durch den russischen Blätterwald rauschte der Sturm des persischen Unge­witters mit elementarer Gewalt, und es gibt heut im Zarenland sicher keinen Halbwegs Denkenden, der nicht davon überzeugt wäre, daß William Tafts entschlossne Kriegsansage nichts andres ist, als die Revanche der Union für den russischen Handstreich in Persien.

Amerika steht hinter Zaft!

(Privat-Telegramm.)

Depeschen aus Washington berichten: Der Senat nahm in der gestrigen Sitzung einstim- mig eine Resolution Lodge an, in der die Kündigung des amerikanisch.ruflischen Handelsvertrags seitens des Präsidenten Tast vom Senat gutgeheißen wird. Mit einer seltenen Einmütigkeit billigt auch die Presse das eigenmächtige Vorgehen des Präsidenten Taft in der Paßfrage. Man ist davon über­zeugt, daß Rußland bei einem neuen Vertrag die strittigen Punkte auch nicht erfüllen wird, sodaß es sehr fraglich erscheint, ob über. Haupt ein neuer Vertrag mit der russischen Regierung zustande komemn wird.

DKFriedensmanner von Schanghai.

Tie Regierung verhandelt mit den Rebellen.

Die Revolution in China scheint ihrem Ende entgegenzugehen: In Schanghai ist seit einigen Tagen die Friedenskonferenz versammelt, von deren Beratungen man die baldige Beendigung des Verzweiflungskampf-2 zwischen Regierung und Revolutionären er­hofft. Wie Depeschen aus Schanghai melden, dauerte die gestrige Sitzung der Konferenz über drei Stunden und beschäftigte sich haupt­sächlich mit dem Protest der Revolutionäre we­gen des Brucks des Waffenstillstandes durch

die Kaiserlichen. Im allgemeinen war der Ton des ersten Verhandlungstages sehr reundlich gehalten. Der Vertreter der Re­gierung, Tong Sao Pi, erklärte, er werde den revolutionären Forderungen beistimmen, wenn ie von einer militärischen Besetzung der Mandschurei in Zukunft Abstand nehmen wür­den. Diesen Vorschlag hielt er zunächst auf­recht, mußte aber schließlich doch dem Drängen der Revolutionäre nachgeben und in die Erfül­lung sämtlicher Forderungen der Revolutionäre einwilligen. Er sandte ofort ein Telegramm an Uuanschikai, in dem er diesem mitteilte, daß die Feindseligkeiten in allen Teilen des Reiches seitens der Kaiser­lichen einzu st eilen seien und daß ferner die Offiziere, die des Bruches des Waffenstill- tandes schuldig befunden werden, bestraft wer­den müssen. Tong Sao machte schließlich den Revolutionären den Vorschlag, eine neue Kon- erenz einzuberufen, wenn von Yuansckikai zn- riedenstellende Versicherungen eingetroffen eten. Dieser Vorschlag wurde jedoch von den Revolutionären abgelehnt. Der allgemeine Eindruck ist der, daß, wenn die Haltung des Regierungsvertreters die Meinung der kaiser­lichen Partei darstellt, ein Arrangement auf r e * volutiouärer Basis möglich fein wird.

*

Ein Reuter-Telegramm ans Peking meldet: Die Gesandten der Mächte in Peking haben sich mit Ermächttgung ihrer Regierungen durch die Konsulate in Schanghai schriftlich an die dort tagende Konferenz der beiden chi­nesischen Parteien gewandt und auf die Wich­tigkeit hingewiesen, zu einer freundlichen Verständigung zu gelangen und zwar so­wohl im eigenen Interesse Chinas, als auch im Interesse der in China lebenden Ausländer.

Mei neue Sensationen.

Das Verhängnis beS L-Pulvers. (Privat-Telegramm) Paris, 20. Dezember. DerMalin" berichtet aus Toulon von einer ernsten Entdeckung, über die seitens der Behörden strengstes Geheimnis bewahrt wird. In der dortigen Feuerwerkerschule wurde bei der Prüfung der Pulvervorräte des Kreuzers Leon Gambetta" in einer Kiste eine gefüll­te Streichholzbüchfe aufgefunden. Man kann sich nicht erklären, tote diese Büchse zwi­schen das Pulver geraten konnte, und vermutet, daß man es mit einem Attentat zu tun hat. Wenn die Zündhölzer zur Entzündung gebracht worden wären, wäre eine Katastrophe unver­meidlich gewesen. Die Marinebehörden haben sofort eine eingehende Untersuchung über den Vorfall eingeleitet und es sind bereits zahlrei­che Vernehmungen von Schiffsmannschaften und Offizieren erfolgt, über deren Resultat aber strengstes Stillschweigen beobachtet wird.

Nene Spser des ö-Pu!ders.

(Privat-Telegramm.) Tanger, 20. Dezember.

Auf der Station des französischen Militär« postens bei Mochroa Moaziz explodierte ge­stern ein großes Pulverfaß, das etwa fünf Zentner Pulver enthielt. Durch die Explosion wurde ein Unteroffizier getötet und mehrere Soldaten fchwer verletzt. Eine Abteilung Sol­daten, die in unmittelbarer Nähe sich befand, entging nur einem glücklichen Zufall dem To­de. Es soll sich auch in diesem Fall um das berüchtigte S-Pulver handeln, das in der Marine schon so großes Unheil angerichtet hat. Infolgedessen ist eine strenge Untersu­chung der Explosion in die Wege geleitet wor­den. Bekanntlich hat der Marineminister zwar verfügt, daß das verhängnisvolle Pulver, des­sen Minderwertigkeit und Explosionsgefähr- lichkcit längst einwandfrei festgestellt ist, in der Marine nicht mehr verwandt werden darf, die Organisation der Marineverwaltung ist aber so mangelhaft, daß der Erlaß des Ministers nur auf ein paar Kriegsschiffen cmsgefühft worden ist.

6in neuer Robinson.

Der Roman eines Gefährten Johann Orths?

In einer französischen Zeitschrift veröffentlicht soeben der Arzt Tr. Charles Manzont, deffen Leben einem Roman gleicht, die Geschichte seiner mannigsachen Aden- teuer, aus der als wichtigstes Moment die Tatsache anzufuhren ist, daß man in Dr. Manzont einen Gefährten Johann Orths, de» verschollenen österreichischen Erzherzogs, zu erblicken hat, der der Einzige gewesen ist, der die Katastrophe derSanta Margarita" als Lebender überdauert hat.

Eines Tages im Jahre achtzehnhundert- neunzig wurde der Arzt Dr. Charles Man­zo n i in Buenos-Aires, der Sohn französischer Eltern, zu einem Schiffskapitän gerufen, der in einem Streit mit chilenischen Matrosen durch Messerstiche ernstere Verwundungen erlitten hatte. Nachdem der Kapitän durch die Bemü­hungen Manzonis wieder hergetzellt worden