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Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitnng
2. Jahrgang.
Sonntag, 17. Dezember 1911
Fernsprecher 951 un> 952.
Nummer 12
Fernsprecher 951 und 952.
?Tteg des G;
Mit.
F. H.
Nus Haus und Familie!
Wie ich auS sicherer Quelle erfahre, sind die preußischen Wahlkommiffare angewiesen worden, die engeren Wahlen zum Reichstag (die Stichwahlen) in den Tagen vom
et« Caffeler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchonüich sechsmal und poar abends. Der AbonnementSpretS beträgt monatlich to Pfg. bet freier Zustellung ins tzauS. GefteOungen »erden jederzeit von der Geschäftsstelle oder Leu Boten entgegengenommen, »ruderet, Verlag und Stedalttoni Schlachtbofttrabe 18/36. Sprechstunden der Redaktion von 1—3 Uhr nach- mittags, juristisch« Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwoch» und Sonnabend» von 1—8 Uhr abend». Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
mel und die tatgewordne Menschlichkeit schen todbringenden Feuerschlünden und zenden Schwertern.
Das alles wissen wir, und schätzen es und freudig nach dem Matz des hohen
gern Ver-
Abdul Hamids Stern?
Der Gefangene der Villa Allattni.
Depeschen auS London melden: Der kn den Briefen des angeblichen deutschen „Kapitäns" und Spions Grosse erwähnte Mann namens Stern soll in Cardiff als Spion tätig
gewesen und kurz vor der Verhaftung Grosses aus dem Hotel verschwunden fein. Er habe sich angeblich besonder» mit der Erforschung der Forts im Bristolkanal beschäftigt und sich als ein Däne aus Island auSgegeben. Die englische Presse bleibt übrigens bei ihrer Behauptung, daß der bevorstehende Prozeß gegen Grosse sensationelle Enthüllungen über die deutsche Spionage in England bringen wetde.
JuserttouSpretse: Die sech»g«ft>allm« Sekte für etuheimtsche Geschäft« 15 Pfg., sidc oue- wärttge Inserate 25 Pf, Rellamezeile für etnhetmlsche «eschSfte *0 Pf, für auSwärNge Geschäfte 60 Pf. Beilagen für bte Gesamtauflage werben mit 5 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung sind die Caffeler Neuesten Nachrichten ein oorplgüche» SnfertionSorgan. Geschäftsstelle: «ölntsche Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße IS, Telephon: «mt IV 67«.
Sonnabend, den zwanzigsten Januar biS spätestens Donnerstag, den sünfundzwanzigsten Januar nächsten Jahres, anzuberaumen. Nachwahlen sind am elften Tage nach dem Tage, an dem die Notwendigkeit der Nachwahl ich ergibt, vorzunehmen.
dienstes, das die Frau sich um die Vermenschlichung des grausamen Massen- Mords auf dem Feld der Ehre erworben. Der Referent der Düsseldorfer Frauen-Tagung in- Lessen erblickt in dem Riefenaufgebot weiblicher Kraft im Kriegsdienst der Barmherzigkeit nur einen Teil LeS zu Erstrebenden, ein gut- gemeintes Stückwerk, das den Wertgehalt des Ideals Lei weitem nicht erschöpft: Er fordert als nächstes Ziel des auf die Nutzbarmachung der Frauenkraft im Dienst des Vaterlands gerichteten Strebens die gesetzliche Ein. führung einer geordneten mili. tärischen Dienstleistung der Frau überhaupt! Rach der Auffassung des Düs. seldorfer Geheimrats würde diese „militärische DienstpflicÄ" in folgenden Leistungen zu bestehen haben: In der Ausbildung der Frau als Helferin für den Transport, und Erfri- schUNgsdienst, für die Pflege kranker und verwundeter Krieger, für die Befestigungsarbeit und schließlich noch für das militärische Bekleidungswesen. Ein großer Teil der hier gefor. derten Tätigkeit wird von den freiwillig im Kriegsdienst wirkenden Frauen schon jetzt vollbracht; der Geheimrat Witzel ver. langt indessen, Latz die bisherige freiwillige Dienstleistung der Frau durch Gesetz zur allgemeinen Pflicht gemacht werde, und es klingt felffam, wenn man hört, daß die nie- derrheinischen vaterländischen Franenvereine diese Forderung als nützlich und dringlich unterstützen.
Das zwanzigste Jahrhundert hat (eS braucht darüber nicht gerechtet zu werden) alle Werte im Dasein der Frau umgewertet: Es hat der Frau den Weg aus dem engen Bannkreis häuslicher Pflichten mitten hinein ins öffent. liche Leben geebnet, hat die soziale Situation des weiblichen Geschlechts von Grund aus umgestaltet und der Frauenarbeit Wirkungskreise erschlossen, die ihrer Kraft früher unzugänglich waren. Die natürliche Folge dieser ttrfgehen- den Wandlung war eine deutlich merkbare Schärfung des Derantwottlichkettsgefühls der Frau hinsichtlich ihrer bürgerlichen Pflichten; eine Erscheinung, die ihren cha. ratteristischstcn Ausdruck in den Bemühungen der Stimmrechtlerinnen innerhalb der Frauenbewegung findet. Man mag diesr Bestrebun. gen nun billigen, oder sie (als dem ureigensten Wesen der Frau widersprechend) veruneilen: Ihre logische Berechtigung läßt sich onge- fichtS der vollständigen Umgestaltung, die die Stellung der Frau im öffentlichen und sozialen Leben erfahren hat, nicht leugnen, und vielleicht kann man mit einigem Rocht auch in dem eigenartigen Reformgedanken des Düsseldorfer Geheimrats einen der letzten (übermäßig kühn konstruierten) Ausläufer dieser Tendenz erkennen. Aber selbst der kühnste Reformator und der r ü ck si ch t s l o s e st e Kämpfer für die unbedingte und allgemeine Gleichberechtigung der Frau vermögen nicht den Grund- und Eck. stein in der natürlichen Struktur des Frauen- daseins zu verrücken: Ten ewig unwandel-
Sie Frau im Kriege?
r Ein Volksheer deutscher Männer und V ein Hilsshoer deutscher Frauen!
Seltsam, wie manchmal auch der gute Wille und das ideale Streben sich im Labyrinth grübelnder Ideen verirren: In der Kunststadt Düsseldorf hat in 'diesen Tagen der Vater, ländische Frauenverein für den Be. reich des Düsseldorfer Regierungsbezirks eine Versammlung abgehalten, in der ein Geheimer Medizinalrat über das sehr nützliche und sehr zeitgemäße Thema „DieFrauimKriege" sprach. Wir alle wissen, daß die Frau grade im modernen Krieg zur unentbehrlichen Helferin und Trösterin, zur Samariterin und teil, nehmenden Schwester geworden ist, deren milde Hand die Wunden kühlt, die des Kampfes scharfes Schwert geschlagen. Seit den Tagen, da das Rote Kreuz auf allen Schlachtfeldern der Erde seine Menschlichkeit.Miflion begann, bewundern wir die Frau als versöhnenden Engel des Friodens mitten auf blutiger Walstatt, und es ist sicher, daß dieses stille, selbstverleugnende Walten aufopfernder Hingabe an das Werk der Barmherzigkeit nicht geringern Heldenmut erfordert, als die harte Pflicht des Kriegers, der unter Einsetzung von Blut und Leben todesmutig für fein Vaterland kämpft. Die „Frau im Kriege" ist vom Begriffs des modernen Völkerkampfs überhaupt nicht mehr zu trennen; sie ist das versöhnende Moment int blutigen Ringen der Nationen, die werk
tätige Barmherzigkeit mitten im Kampfgetüm. “ itol„
Die neue Republik der Mitte.
Die Friedens-Konferenz in Schanghai.
Die Revolution in C h t n a rückt dem Ziel: Der Umgestaltung des alten Mammutteichs, immer naher. Am Donnerstag und gestern fanden in Schanghai zwischen den Führern der Revolutionäre wichtige Beratungen statt, als deren Endergebnis der Beschluß gefaßt wurde, am heutigen Tage die chinesische Republik ofiziell zu verkünden. Die Gestaltung des neuen chinesischen Staatswesens wird nach den Meldungen russischer Blätter eine Verbindung zwischen Monarchie und Republft fein. Wir erhalten darüber folgende Meldung:
Petersburg, 16. Dezember.
(Privat-Telegramm.)
Hier eingegangene Pekinger Depeschen teilen die Bedingungen mit, die Yuanschikat zusammen mit dem chinesischen Kabinett auSgear- beitet hat und die insgesamt zweiunddreitzig Punkte umfassen. China wird demnach m o - narchische Republik. Jede Provinz wird zum selbständigen Staat und der jetzige Kaiser wird zum König proklamiert. Die Kö- nigSwürde ist erblich. Der König nimmt indessen nicht teil an den Entscheidungen über staatliche Angelegenheiten. Der Präsident wird vom ganzen Volke auf vier Jahre gewählt. In diesem Amt wird die gesamte administrative Gewalt konzentriert. Er erklärt Krieg und Frieden und schließt Berttäge ans den Beschluß des Parlaments ab. Das Parlament besteht auS zwei Kammern, die sich aus den gewählten Brrttetern deS Staatts zusammensetzen. Die Beschlüsse deS Parlament» sind endgültig, und weder der König, noch der Präsident haben ein Vetorecht. Mandschus und Chinesen haben dir gleiche« Rechte.
Der Kaiser und die Bremer Spione.
Rach der letzten Spionage-Sensation.
Wie uns ein Privat-Telegramm aus Wilhelmshaven meldet, hat die Aufdeckung der dortigen Spionagebande dazu ge- uhrt, daß für die weiteren Ermittlungen tn »er sensationellen Affäre ein ganzer Stab von Kriminalbeamten in die verschiedenen Städte und befestigten Plätze des Nordsee- Küstengebiets abkommandiert werden wird. Gleichzeitig sind auch regierungsseitig umfas- ende Maßnahmen zur Verhütung neuer Spio-i nagefälle in Aussicht genommen. Es wird uns I darüber berichtet:
Berlin, 16. Dezember.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Wie an unterrichteter Stelle verlautet, ist dem Kaiser ein ausführlicher Bericht über den Verlauf des Leipziger Spionage-Prozesses übermittelt worden. Ueber die Einzelheiten der aufgedeckten Spionage war der Kaiser bereits früher unterrichtet worden. Es wird angenommen, daß auf Veranlassung des Reichsmarineamtes eine genaue Untersuchung über die im Prozesse zu Tage getretenen Taffachen ein« geleitet wird und daß Maßnahmen getroffen werden, um in Zukunft dieser Manlwurfsarbeit besser entgegentreten zu können. Die Ueber- wachungsbesttmmungen in den Werften dürsten verschärft werden; auch sollen Schritte eingeleitet werden, um den Verrat von Kon- struktionsgeheimnissen der Marine zu erschweren. Auf die Verhältnisse in den Kaiserlichen Werften dürste der Prozeß insofern einwirken, als die Zuverlässigkeit der Angestellten genauer geprüft werden soll, bevor sie zur Anstellung gelangen. Scho« seit längerer Zeit werden auch Erwägungen angestellt, ein besonderes Detektivkorps zur Ueberwachung der Spionage in den KriegS- häfen anzustellen. Diese Absicht dürste demnächst zur Durchführung gelangen. Eine sehr eingehende Ueberwachung der Erweiterungsbauten am Kaiser Wilhelm-Kanal ist bereits seit längerer Zeit durchgeführt worden, da man auch bi er mit englischen Spionen rechnen muß. Ob eine erhebliche Verschärfung der Spionagebesttmmungen zurzeit durchgcführt werden kann, ist nicht sicher, da tatsächlich diese Regelung nach den Absichten der zuständigen Stellen dem neuen Strafge- se tz b u ch Vorbehalten bleiben sollte. Da aber dieses Gesetzbuch srühesten» in acht bi» neun Jahren in Kraft treten kann, dürste die Frage auf das Drängen der militärischen Instanzen wohl schon früher einer Regelung entgegen» geführt werden. Beabsichtigt ist, diese Bestimmungen namentlich für solche Fälle zu verschärfen, in denen Ausländer Deutsche zum Verrat verleiten. Aber auch die Strafen für die Landesverräter sollen bedeutend verschärft werden.
die Bewachung de» Sultans nicht mehr mit derselben Sttenge wird durch- Seen lassen, wenn die Besatzung von Salo- ihr Hauptaugenmerk auf die Verteidigung der Stadt gegen die Italiener richten mutz, und will deshalb den Exsultan aus der gefährdeten Stadt entfernen. Dcmr die Zahl der Anhänger des vertriebenen Sultans und des alten Re. gimes ist noch immer sehr groß, und die Haltung der jungiürkischen Regierung in der tttpolitanischeu Angelegenheit war nicht dazu angetan, ihr neue Sympathien unter den noch widerstrebenden Elementen in der Türkei zu erwerben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Exsultan unter dem Schutz« der Italiener ver. suchen würde, feine recht beträchtliche Zahl von Anhängern um sich zu sammeln und an ihrer Spitze den verlorenen Thron wieder zu er. obern. Er würde bei Italien gegen da» Versprechen, int Falle des Erfolges Tripolis an Italien abzutreten, von diesem die wirksamste Unterstützung feiner Bestrebungen erfahren. Alle diese Gründe dürften eS der jungtürkifchen Regierung haben angebracht erscheinen lassen, sich bei Zeiten der Person des Exsultans zu versichern und ihn in Konstantinopel selbst in sichere Obhut zu bringen. -»-
Der Hexenkessel am Balkan.
(Privat-Telegramm.)
Depeschen ans UeSkÜb melden: Die Nachrichten aus Albanien lauten andauernd ungünstig. In Ipek werden die Häuptlinge von Djakowa und Prisrcnd erwartet. Neben Aeutzermtgen der Unzufriedenheit mit der Regierung werden neuerdings Autonomie, wünsche laut. In Kotschana (Makedonien) erschien ein Bauer bet der Regierung, um eine ihm zur Verwahrung gegebene Pferdeladung Dynamitbomben abzugeben. Weitere zehn Pferdeladungen Bomben wurden von Gendarmen entdeckt und konfisziert. Ein Jrade de» Sultan» verhängt den Belagerung», zustand über Jstip und Köprülü, wo in der letzten Zeit verschiedene Bombenanschläge ver. übt worden sind.
Wie wir schon berichtet haben, zirkuliert in Konstantinopel das Gerücht, daß der E x s u l. tan Abdul Hamid auS seinem Gefängnis (denn anders kann mau die Villa Allattnr in Saloniki, die ihm als Aufenthaltsort angr. wiesen ist, nicht bezeichnen) nach Konstantinopel übergeführt worden ist. Die Gründe ür diese auffällige Maßregel werden nicht an. gegeben. Doch darf man ohne weiteres armeh. men, daß die Ueberführung des Exsultans nach Konstantinopel im Zusammenhang steht mit dem türkisch-italienischen Kriege. Die Meldung von der Ueberführung des Ex. ültanS wird jetzt zwar von der türkischen Re. gierung dementiert, das Dementi wird aber in Konstantinopel selbst nicht ernst genommen. In der letzten Zett tauchten wiederholt Gerüchte auf, daß die Italiener beabsichtigten, den Schauplatz deS Krieges mehr nach der Türkei selbst zu verlegen, und eS sollen ja auch bereits italienische Kriegsschiffe vor tÜr- kifchen Häfen, u. a. auch vor Saloniki, aufgetaucht fein. Der Exsultan hat sich nur schwer in sein Schicksal fügen können und brütet unausgesetzt über neue Fkuchtpläne, nachdem die ersten, die er unternommen hatte, an der Wach, ämkeit seiner Wächter gescheitert waren. Augenscheinlich befürchtet nun die türkische Regierung, daß sich
Der Islam für Perfie«!
Depeschen aus Konstantinopel melden: Das hiesige persische Komitee Bat bet Presse ein Telegramm der schottischen Rotabeln von Redjed im Vilajet Bagdad mitgejeilt, das an alle Mohammedaner den Appell richtet, die Integrität Persiens gegen Rußland zu verteidigen, und in dem erklätt wird, daß man ein Korps von fünsunddreißig- tausend Mann gebildet habe, das bereit sei, nach Persien zu marschieren. Ein zweites Telegramm meldet, daß der erste Ober- priester in dem Augenblick getötet worden sei, als das Korps abgehen sollte. Im Zusam- menhang damit wird uns aus Petersburg berichtet: Ministerpräsident Kokowtzow ist nach Livadia zum Vorttag beim Zaren abge- reist, in der Hauptsache dürfte es sich dabei Wohl um die Lage in Persien handeln.
Großherzog Wilhelm im Sterben?
Eine Trauerkunde aus Luxemburg.
Schon seit längerer Zeit waren Gerüchte tat Umlauf, nach denen das Befinden des G r o tz« Herzogs Wilhelm von Luxemburg zu ernsten Besorgnissen Anlaß geben sollte. Der Großherzog, der im sechzigsten Lebensjahr steht, leidet (wie man hört) an einer Krankheit der inneren Organe, die sich in den letzten Wochen sehr verschlimmert hat. Wir erhalten heute folgende Nachricht:
Luxemburg, 16. Dezember.
(Privat-Telegramm.)
Der Zustand de» Großherzogs Wilhelm hat sich in den letzten Tagen bedenklich verschlimmert, so daß man da» Schlimmste befürchtet. Dir Großher- zogin-Mutter ist von Schloß KSnigsstein im Taunu» hier eingetroffen.
Großherzog Wilhelm von Luxemburg, der Ches des Hauses Rassau-Oranien, ist am zweiundzwanzigsten April 1852 geboren. Er folgte feinem Vater, dem Großherzog Adolf, neunzehnhundertfünf in der Regiemng, nachdem er bereits einige Zeit für den erkrantten alten Großherzog die Regentschaft geführt hatte. Der Großherzog ist mit einer deutschen Prinzessin verheiratet, welcher Ehe drei Kinder entsprossen sind.
Der Stichwahl-Termin.
Reichstagsstichwahlen: Ende Januar.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Berlin, 16. Dezember.
Sli> Shatterhmd.
Vom Zuchthäusler zum Jugendschriftsteller. (Von ttnfeim Korrespondenten.)
Der vielgenannte Retfefchrtftsteller Sari May wird tn den nächsten Tagen noch einmal seinem alten Gegner, dem RedaNeur Lebtu», gegenüberstehrn nnd zwar in einer BerufungSklage vor der Berliner Strastammer. Man erinnert stch, daß der Handel May-Lebiu» schon fett längerer Zett die Gerichte beschäftigt. Ti« Ursache der Prozesse ist darin ,u suchen, daß Lebtu» sehr schwere ' Anschuldigungen gegen May erhoben hatte, die geeignet waren, diesen al» Schriftsteller und namentlich al» Jugendschriftsteller unmöglich zu machen.
LebtaS warf May, der bis in die hohen und höchsten Hofkreise Sachsens hinel.n Beziehungen unterhielt, und durch seine Ro. mane zum vermögenden Mann geworden ist, vor, daß er eine langjährige Zuchthausstrafe hinter sich und, wenn auch nicht in den böhmischen, so doch in den erzgebirzischen Wäldern eine Art Räuberleben geführt habe. Der Hauptpunkt der Anklage Lebius ging dahin, daß May zur gleichen Zeit, wo er sittlich ver- wersliche Schriften verfaßte, für andere Verleger als frömmelnder Traktat, schriftsteller tätig war. Roch bis in bit letzte Zeit hinein ist Map von einem Teil der
baren Beruf der Frau als Gattin und Mutter!
Seit Evas Tagen haben die Ideale des Frauendaseins sicherlich mancherlei Wandlung erfahren: Aber aller Jdeen-Ballast, alle Sit. ten- und Religions-Revolution, aller Kampf um Natur und Unnatur haben den Mittel- , unkt des Frauen-Jdeals nicht erschüttern können, und es wäre zu beklagen, wenn es nun ilötzlich dem Geheimrat Witzel gelingen sollte, dir denssche Hausfrau durch die Gewalt des Gesetzes in den Dienst des Kriegs zu zwingen. Der Gedanke, am Tag der Mobilmachung „hin. ter dem Volksheer deutscher Männer ein Hilfsheer deutscher.Frauen ins Feld zu schicken", mag ideal und verlockend sein; er widerstrebt aber dem Naturgesetz und ist darum unnatürlich und undiskutabel. Wohin ollie es führen, wenn ein Krieg dem Lande nicht nur rüstige Männerkraft, sondern dem Haus und der Familie auch die Fürsorge der Gattin, die Hut der liebenden Mut. ter entziehen würde? Könnte das Menschlichkeitswerk eines Frauen-Hilfsheers auf den Schlachtfeldern die schweren Verluste an sitt. lichen, sozialen und ethischen Wertest aufwie- geu, die durch die Entziehung der Frauenkraft daheim dem Vaterland ensstehen würden? Und was wäre selbst ein Triumph des Kriegsdienst-Ideals gegenüber dem Schicksal einer einzigen Familie, der der Krieg bte Mutter rauben würde? Nein;.schauen wir von der Warte des modernen Frauen-Jdeals nicht empor zu kalten, fremden Höhen, nicht hinaus in nebelhafte Fernen, soirdern richten wir den Blick do rt h in, wo seit Jahrtausenden der Altar deutschen Frauentums steht: