C Gier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Sonnabend, 16. Dezember 1911
Nummer 11
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gepanzerten Faust" steht.
-an.
Hoffnungsschwäche zu emanzipieren, die im schreiendsten Gegensatz zu den starken Worten unsrer leitenden Männer und zur Wucht der
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Wir lassen nun den Bericht über die gestri. gen Verhandlungen der französischen Deputiertenkammer folgen, denen man in drei Reichen mit gespanntester Aufmerksamkeit entgegensah:
Kuglaud stand Hinte? Frankreich!
(Telegraphischer Bericht.) Paris, 15. Dezember.
, Gestern nachmittag um zwei Uhr begann die schon feit langer Zeit mit Spannung erwartete Kammersitzung über die deutsch-französischen Marokko-Verhandlungen. Schon um halb ein Uhr waren alle Zugänge von Menschenmassen besetzt, die Einlaßkarten erhalten hatten. Wagen auf Wagen rollte vor die Portale, wo sich ein großes Gesellschastsbild entwickelte. Alle Tribünen waren dicht besetzt. In der Diplomatenloge bemerkte man den deutschen Botschafter Freiherrn von Schön, den Botschafter von Großbritannien, Sir Francis Bertie, den Botschafter von Spanien, Peres Caballero, den Botschafter von Italien, T t 11 o n i, und den russischen Botschafter Iswolsky. Allmählig erschienen auch die Depu-
gnfertionäprelfe: Die sech-gespaltene Zeile für evihetuitsch« Besch äst, 15 Pfg., für auswärtige Jnserat« 25 Pf, Rellamezetle für einheimische ««schäfte 40 Pf, für auswärtige Beschäst« 60 Pf. Beilagen für di» Gesamtauflage werde» mit 5 Mark pro Lausen» berechnet. Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Residenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JusertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße Ich Telephon: Amt IV <76.
Selbes* rmMlMcher Tag.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 15. Dezember.
In den heuftgen Morgenblättcrn wird im allgemeinen weniger der Inhalt der Ausführungen der einzelnen Redner der Pariser Kammer zum deutsch-französischen Abkommen kommentiert, als die Art ihres Auftretens. Man ist sich darüber einig, daß der Minister de Selbes einen unglücklichen Tag hatte und es nicht verstanden habe, die Empfindlichkeit seiner Zuhörerschaft zu schonen. Im allgemeinen sind die Republikaner des Lobes voll über die Rede des Kolonialministers Lebrun. Dagegen finden die Worte des Ministers des Auswärtigen de Selves weniger Begeisterung. Das Blatt „Radiral" schreibt: Die Erklärungen des Kabinettschefs zu Beginn der ersten Sitzung lassen einen günstigen Verlauf der weiteren Sitzungen erhoffen. Die Kammer hat die Debatte dem großen Gegenstand entsprechend ernst und würdig geführt. „Repu- blique Fran^aise" schreibt: Der Interpellant de Mun kennt die Atmosphäre der Kammer. Auch der Kolonialminister Lebrun kennt sie. Dagegen weiß der Minister des Auswärtigen de Selves dem Hause nicht zu schmeicheln. Das ist auch der Grund, weshalb seine Worte eine weniger günstige Aufnahme gefunden haben. „Aurore" weist auf den liefen Eindruck der Worte des Kolonialministers hin, als er erklärte, die Söhne, deren Väter einst Kanada und Anderes Preisgaben, brauchten sich nicht zu sorgen um die Aufgabe von.200 000 Quadratkilometern Kongo gebiet. Die Republik habe dieses Opfer gebracht, «m sich B o r t e i l e zu sichern, die von weittragender Bedeutung seien.
Tie NhKchhmZurgsr Gespenster.
Der Sozialistenführer als Märchenerzähler.
Wie wir schon mitgeteilt haben, hatte das Blatt des Pariser Sozialistensührers Jau- r s s sich von einem ungenannten spanischen „Gewährsmann" phantastische Berichte über angebliche Machenschaften europäischer Monarchen und Fürstenfamilien zugunsten des entthronten Königs Manuel vonPortugal aufhängen lassen.Beachtnng finden konnten die Geschichten nur wegen der Stelle die sie mit ihrem Ansehen deckte. Am Mittwoch wurde erzählt, daß das vom bayerischen Prinzen Ludwig Ferdinand und seiner Gemahlin, Infantin de la Paz, bewohnte Schloß Rymphenbutg der Mittelpunkt aller Treibereien sei. Aus München wird darauf erwidert, daß das Prinzenpaar sich von Politik grundsätzlich fern halte und eine Anzahl von der Humanitö genannten Personen nicht einmal kenne. Die ganze Erzählung ist von Anfang bis zu Ende unwahr. Und mit solch giftigem Klatsch glaubt nun Herr Jaurss dem Frieden unter den Völkern zu dienen.
Mn Jemenit der NeichsMZ?enmg.
Zu den Märchenerzählungen der Humanitü schreibt jetzt die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung: Die HumanitS veröffentlicht Artikel mit Enthüllungen, über deutsche Umtriebe gegen Portugal, die trotz ihres karnevalistischen Charakters vom Vorwärts und anderen Blättern getreulich nachgedruckt werden. Darin findet sich beispielsweise die unsinnige Behauptung, der Staatssekretär des Auswärtigen habe vom französischen Botschafter stete Hand in Angola anstatt Kompensationen am Kongo verlangt. Die Angabe, daß mit Wissen der deutschen Regierung im Hamburger Hafen zwei Schiffe mit Waffen und Munition für die portugiesischen Royalisten lagen, deren Abfahrt erst auf Vorste!un- gen zweier Großmächte verhindert worden sei, stellt die Norddeutsche Allgemeine Zeitung dahin richtig, daß
zwei von Lissabon signalisierte Portugiesen, angeblich Führer der monarchistischen Ge- genvewegimg Mitte Oktober in Hamburg gewesen seien, aber, ohne Wafstn- oder dergleichen Einkäufe gemacht z« haben, nach Paris weitergereist seien. Vorstellungen von dritter Seite seien überhaupt nicht erhoben worden. Ferner auf die Mitteilung der portugiesischen Regierung, in Hamburg seien Ende November mehrere Schiffe für Rechnung der monarchistischen Verschwörer mit Artilleriematerial und Munition beladen worden seien sofort Nachforschungen ein- gcleitet worden, die bisher nicht zu einem Ergebnis geführt haben.
Die weiteren Angaben in der Hnmanits über die Besetzung portugiesischer Forts und Territorien im Kubango-Gebiet durch Deutschland seien dahin richtig zu stellen: In Wirklichkeit liege Libebe aus d e u t s ch e m Gebiete; in der Nähe dieses Ortes errichteten die Portugiesen, gleichfalls noch auf deutschem Gebiet, ein Fort; der deutsche „Gewaltstreich" gegen dieses Fort beschränkte sich darauf, daß kürzlich in Lissabon deutscherseits Vorstellungen erhoben wurden, um die Zurückziehung des Fotts auf portugiesisches Gebiet zu erreichen. Nach dieser offiziösen Darstellung bleibt also von den „Rvmphenburger Gespenstern" nichts weiter übrig, als ... der blaue D u n st, der Herrn Jaurös sein „spanischer Gewährsmann" vorgemacht hat. .
Die Spfer der Delhi-Katastrophe.
Die Rettung des Herzogspaars von Fist.
Depeschen aus Tanger berichten: Der Herzog und die Herzogin von Fife müssen infolge der erlittenen Anstrengungen in der englischen Gesandtschaft das Bett hüten, doch ist ihr Gesundheitszustand nicht besorgnis-
Reue MaroKo-knthWungen.
England stand bei den Marokko- Verhandlungen immer hinter Frankreich!
Die französische Deputicrtenkammer hat gestern nachmittag nach lebhafter Debatte den vom Deputierten Grafen de Mun gestellten Antrag, die Ratifizierung des deutsch- französischen Marokko. Abkommens bis nach dem Abschluß der französisch-spanischen Verhandlungen aufzuschieben, mft überwältigender Stimmenmehrheit ab gelehnt. Die Debatte gestaltete sich durch die Rede des Ministers de Selves zu einer Art „Marokko-Enthüllung".
Nachdem in Berlin und London über den deutsch.französtschen Marokko . Handel eingehend geplaudert worden, hat nun auch im französischen Parlament die Marokko-Campagne begonnen. Und hat gleich am ersten Tag eine Sensation gebracht: Der Minister des Acußern, Herr de Selves, erklärte gestern in der Pariser Deputiertenkammer ohne Umschweife und ohne Einschränkung: „Wäh. rend der ganzen Dauer der Verhandlungen mit Deutschland hat England hinter Frankreich gestanden, von welcher Tatsache Herr Cambon die deutsche Regierung auch in Kenntnis gesetzt hat!" Wenn man diese ministerielle Offenbarung, an der nicht zu drehen und nicht zu deuteln ist, mit dem Geplauder im Deutschen Reichstag und dem Eiertanz Sir Edward Greys im britischen Unterhaus vergleicht, dann will's fast bedünken, als sei das alles nur Begleitmusik gewesen zu dem gestrigen Paukenschlag gallischer Diplomatie. Herr Theobald von Bethmann hat im Reichs- Haus am Berliner Königsplatz versichert, daß „wir vor niemand zurückgewichen; auch vor England nicht"; Sir Edward Grey sprach im Westminstrrhaus an der Themse die schöne Phrase von der „lautern Friedensarbeit der Britenpolitik" im Brustton mannerstarker Ueberzeugung und erzisltr damit den Erfolg, daß der Kanzler des Deutschen Reichs sich (vier Wochen nach dem ersten Marokkotag) zum Mahner deutschen Volksgewissens und zum Prediger des Nationalempfindens auf. schwang: Weder in Berlin noch in London aber auch nur die zarteste Andeutung der Rolle, die England vor und hinter den Kulissen während der Kiderlen-Cambon-Perhandlun- gen gespielt hat! Dies« Rolle des verbrämen, den Umschreibungen zu entkleiden, ist Herrn de Selves Vorbehalten geblieiben, der zwar kein weltkluger Staatsmann, aber ein eifriger Plauderer ist, und der sich durch sein gestriges Marokko-Debüt unzweifelhaft ein Verdienst erworben hat: Weniger um Frankreich, noch weniger vieLeicht um England, ein Ver- dienst aber um Deutschland, das nun auch im Bereich der nicht - offi. ziellen und nicht-offiziösen Oesfentlichkeit weiß, woran eS ist. Frankreich hat im Marokko-Handel mit dem britischen Kalbe ge. pflügt, oder (mit andern Worten) England hat unverdrossen hinter Frankreich gestan- den, als das Zünglein des Schicksals zitternd zwischen Krieg und Frieden schwankte: Die Feststellung dieser Tatsache durch den Mund eines französischen Ministers ist wichtiger als Alles, das bisher an guten und üblen Worten über das Sommer-Intermezzo neun-
sich auch die Ministerbänke. Der Minister des Aeußeren de Selves unterhielt sich längere Zeit mit dem ersten Redner, dem Konservativen Graf d e M u n. Er reichte ihm lächelnd die Hand und sagte: „Es wird schon gehen." Kurz vor drei Uhr eröffnete der Präsident Brisson die Sitzung und erteilte dem ersten Redner, dem Grafen de Mun, das Wort zur Auslegung und Begründung der von ihm beantragten Vertagung. Mun begründete seinen Antrag nicht ohne Ausfälle gegen die Minister und warf diesen vor, der Oeffent- lichkeit zu wenig Einblick in die Verhandlungen gestattet zu haben. Er kritisierte scharf die Abtretung des Kongogebietes und fragte das Ministerium, wann ihm eigentlich der Gedanke gekommen sei, den Kongo an Deutschland abzutreten. (Beifall.) Nach Mun ergriff
der Minister des Aeußeren
de Selves das Wort und beantragte die Diskussion des Antrages Mun. Er widerlegte die Ausführungen des Abgeordneten Mun und erklärte, daß er den Vorwurf, das Ministerium habe der Oesfentlichkeit zu wenig Einblick in die Verhandlungen gestattet, entschieden zurückweisen müsse. Der Minister erging sich dann des längeren über die Geschichte der deutsch-französischen Marokkoverhandlungen und sagte zum Schluß, daß man deshalb kein Kriegsschiff nach Agadir entsandt habe, weil man, da Deutschland nur ein kleines Schiff nach Agadir entsandt habe, bestimmt annehmen konnte, daß Deutschland keine Landung von Truppen beabsichtige. Bei den Verhandlungen habe immer England hinter Frankreich gestanden, wovon man auch Deutschland in Kenntnis gesetzt habe. Am fünfzehnten Oktober hätten dann die Kongoverhandlungen begonnen. Allerdings (sagte der Minister) haben wir bei dem Geschäft mit Deutschland nichts gewonnen, und die Lage für Frankreich ist genau so wie vor ben Kongoverhandlungen. Bei den Worten des Ministers des Aeußeren: „Eine große Macht wie Frankreich darf ihre Kräfte nicht abnutzen," erhob sich ein großer Lärm, der minutenlang anhielt. Minister de Selves, blaß und abgespannt, blieb auf der Rednerbühne stehen, bis sich der Tumult gelegt hatte, dann Hub er noch einmal zu sprechen an, indem er ein Lob auf die auswärtige Politik ansrief. Darauf sprachen noch der Kolonialminister Lebrun und der Abgeordnete D e ch a n e l. Schließlich wurde der Antrag Mun mit vierhundertachtundvierzig gegen achtundneunzig Stimmen abgelehnt. Die Debatte wird heute fortgesetzt.
daß sich das Parlament bis zum vierzehnten Februar vertage. Daun ergriff Admiral Beresford das Wort und verlangte nähere Aufklärungen über die Strandung des Dampfers „Delhi" und hauptsächlich über das heldenmütige Verhalten der französischen Seeleute bei den Rettunasarbei- ten. Asquith gab zur Erwiderung, daß die bisher veröffentlichten Einzelheiten über den Unfall vollkommen den Tatsachen entsprächen. Dann wurde in die Debatte über die aus. wärtigen Angelegenheiten eingetreten, in der der Liberale Sir Henry Nor» mann zuerst das Wort ergriff. Er erklärte, daß Rußlands Haltung in der persischen Frage die Unantastbarkeit Persiens bedrohe uNd die Gefahr in sich berge, daß der englische Han-^ del geschädigt werde. Beresford unterwarf darauf die Politik Greys
wöhrend der letzten Krise
einer scharfen Kritik und führte auS, sir sei Wohl dazu angetan gewesen, den Frieden aufrecht zu erhalten, trotzdem aber sei sie ein gefährliches Spiel gewesen. Er würde eine Annäherung zwischen Großbritan. nien und Deutschland freudig begrüßen. Seine Rede wurde mit großem Beifall aufge. nsmmen. Nach ihm ergriff der Staatssekretär des Aenßern, Sir Edward Grey, das Wort und gab die Erklärung ab, daß es nicht unmöglich sei, "die Schwierigkeiten in Persien in kurzer Zeit aus dem Wege zu räumen, und äußerte sich dann nochmals über das Verhalten Englands zu Deutschland. Die Marokkofragr sei auf friedlichem Wege gelöst worden, und dies werde viel dazu beitragen, die diploma- tischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu erleichtern. Er würde sich außerordentlich freuen, wenn beide Staaten aus einem freundschaftlichen Verhältnis zu einander Nutzen ziehen würden.
Die Antwort August Bebels.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 15. Dezember.
Aus die F rieden s a d r ess e der eng- lischen Arbeiterpartei an die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat Bebel als Vorsitzender der Fraktion einen Brief gerichtet, der heute im „Vorwärts" veröffentlicht wird. Darin heißt es: Die nach der Reichstagzauflösnng nicht mehr bestehende sozialdemokratische Fraktton des Reichstages kann Ihre Adresse nicht beantworten. Wir teiken voll und ganz die Gesinnungen, die Sie in Ihrer Adresse zum Ausdruck bringen. Wir werden im Gegensatz zu den einflußreichen Kreisen innerhalb unserer herrschenden Klaffen alles ausbieten, um den Frieden zwischen zwei Kulturvölkern, wie das englische und das deutsche aufrecht zu erhalten.
Irr Roman der Erzherzogs.
Die neue Liebesaffäre im Haus Habsburg.
Wie in Ergänzung unsrer gestrigen Mit« teilungen über die Affäre des Erzherzogs ch einrich Ferdinand von Toskana aus Wien berichtet wird, hat der Erzherzog die nötigen Schritte für seine Verabschiedung vom Militär bereits eingeleitet. Seinem Gesuch um einen unbeschränkten Urlaub mit Karenz der Gebühren hat der Kaiser Folge gegeben. Der Erzherzog, der Rittmeister im sechsten Dragonerregiment war, wird nun ganz seinen künstlerischen Neigungen leben. Erzherzog Heinrich Ferdinand, ein jüngerer Bruder der Gräfin Montignoso, somit ein Sohn des verstorbenen Großherzogs von Toscana, übersiedelte vor längerer Zeit nach München, wo er sich ein Atelier einrichtete. Der Prinz bekundete bereits während seiner militärischen Karriere ein außergewöhnliches Interesse und eine seltene Begabung für die Kunst, ist betätigte sich nicht nur mit Erfolg als Maler und Zeichner, sondern auch als Modelleur und Radierer. Die Arbeiten des Erzherzogs Heinrich Ferdinand erregten auch in Fachkreisen infolge der weit über das normale Matz gehenden Fähigkeiten des prinzlichen Künstlers berechtigtes Aufsehen. Der Erzherzog hat wiederholt die Absicht geäußert, sich ganz seinen künstlerischen Neigungen zu widmen. Allein gewisse böfische Rücksichten, die der Prinz zu üben hatte, legten der
Erfüllung seines Herzenswunsches dock Schwierigkeiten in den Weg, die nickt so leicht beseitigt werden konnten. Vor einigen Jahren ließ sich Erzherzog Heinttch Ferdinand beurlauben und übersiedelte in Beglei- ttmg seines Kammervorstehers, Oberleutnants Baron Alerander Wassilko, nach München, wo er fein Künstlerheim aufschlug. In der jüngsten Zeit kam der Prin, um die unbeschränkte Beurlaubung mit Verzicht auf die Gebübren ein, welchem Wunsch der Kaiser nun Folge gegeben hat. Erzherzog Heinrich Ferdinand siebt gegenwärtig im dreiunddrei- ßigsten Lebensiahr. Er trat nach Vollendung seiner militärischen Studien in der Theresiani- schen Militärakademie zu Wiener-Neustadt als Leutnant im sechsten Dragonerregiment in die Armee ein und rückte im Regiment bis znm Rittmeister vor. Seine beiden Geschwister,
Das Spiel mit dem Kriege.
Englische Polittk und englische Kritik.
Ein Privat.Telegramm meldet uns au8 London: Im Unterhaus gab gestern abend Premierminister A s a u i t h die Erklärung ab.
war, stieg das Herzogspaar in eine Schaluppe des französischen Kreuzers „Friant", die die 8lauen an Bord des Kreuzers „Duke of dinburgh" brachte. Dort warteten sie Windstille ab und erreichten dann unter großen Gefahren auf einem Boote des „Duke of Edinburgh" die Küste. Wiederholt wurde das Boot von enormen Wellen bedeckst Als die Passagiere ausgestiegen waren, wurden sie fast ins Meer zurückgetrieben und mußten durch Schwimmen den Strand erreichen. Zn Fuß begaben sie sich zum Lcuchtturm von Kap Sparte!, wo sie die erste Pflege empfingen. Weiter wird uns berichtet:
Tanger, 15. Dezember. (Privattele - grautm.) Entgegen den gestern verbreiteten Nachrichten befinden sich noch nicht alle Passagiere des gestrandeten Dampfers „Delhi" in Sicherheit. Seit gestern mittag besteht zwischen dem Schiffe und dem Lande ein ständiger Bootsverkehr, die Rettungsarbeiten schreiten jedoch nur sehrlangsam vorwärts. Gestern abend gegen sechs Uhr wurde die See etwas ruhiger, und es gelang, wieder einige Personen a n L a n d zu bringen. An den Rettungs- arbeiten beteiligen sich die französischen Polizeimannschaften von Tabor in hervorragender Weife.
zehnhundertelf gesprochen, geflüstert und ge. schrieben worden. Wichtig besonders für uns, die wir Anlaß haben, uns endlich von einer