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Nummer 10. Fernsprecher 951 und 952. Freitag, 15. Dezember 1811. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.
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Mer Woche« vor der Wahl.
Der Aufmarsch zum „Tag von Philippi".
Ein Telegramm unscrs Korrespondenten meldet uns ans Berlin: Trotz der offiziösen Dementis wird in unterrichteten politischen Kreisen die bevorstehende Einbringung neuer Heer- und Flottenvorlagen als feststehende Tatsache betrachtet. Ferner ist man davon überzeugt, daß die für die nächsten Wochen zu erwartende Wahlparole des Kanzlers die Notwendigkeit einer Vermarkung des Reichsschutzes betonen wird.
Der Tag des Gerichts rückt immer näher: Vier Wochen noch trennen uns vom zwölften Januar neunzehnhundertzwölf, dem Tag, an dem sich Bernhard Bülows düstres Prophetenwort erfüllen oder der „Privatier von Villa Nialta" von des Schicksals Fügung zu einer lichter» Beurteilung der Dinge in der Heimat Ernst von Hehdebrands gezwungen werden wird. Daß der Kampf um den Preis des Siegs nahe gekommen, daß die Leidenschaft bereits die Gemüter erfaßt und die Nerven gespannt hat, merkt man am hastigen Pulsschlag des öffentlichen Lebens, dessen gleichmäßiges Plätschern sonst ein so wichtiger Bestandteil des Jdealbegriffs bürgerlicher Ruhe ist: Die Flutwelle der Wahlkampfbewegung rauscht durch's Land, der prickelnde Reiz des Kampfzetümmels peitscht selbst die behagliche Ruhe zufriedner Teilnahmslosigkeit aus langem Träumen auf, und man spürt in Dorf und Stadt jenes seltsame Fluidum erwartungsvoller Ungeduld, das das Wort von der Ver- flachung des politischen Interesses im deutschen Land Lügen straft. Möglich, daß die sagenhafte Schicksalsschwere des „Tags von Philippi" diesmal stärker als sonst die Anteil, nähme weckt; möglich auch, daß die Erkenntnis der Wichtigkeit der bevorstehenden Entscheidung zu rüstigerer Arbeit drängt; sicher ist jedenfalls: Die Wogen des Wahlkampfs gingen selten so hoch und schwer, als grade in diesem Jahr!
Der Aufmarsch der Parteien ist fast vollendet: Links und rechts und in der Mitte stehen die Scharen der Getreuen gerüstet, und der Steuerzahler und Wähler ist innerhalb weniger Wochen vom fast vcrgcffnen „Atom der Masse" zum begehrtesten, wertvollsten, teuer, sten und geschätztesten Zeitgenossen geworden, um dessen Gunst und Liebe die Parteien in heißem Mühen werben. So erfreulich diese Erscheinung an sich auch sein mag: Sie offenbart auf der andern Seite auch manche üblen Schattenseiten, und das grimmige Wort, daß „die Politik den Charakter verderbe", wird nie so ost zur tragischen Wahrheit, als grade in den Wahlkampftagen, wenn in der Hitze des Gefechts die natürlichen Hemmungen im Kampf mit geistigen und andern Waffen so leicht durchglühen, wie die Sicherungen einer Kraft-Leitung bei plötzlich eintretendem Kurz- schluß. Parteien und Wähler können hier eine ideale und dankbare Aufgabe erfüllen: Die Parteien, indem sie den Kampf der Geister auf einem Niveau zu erhalten suchen, von dem sie auch in ruhigem Tagen sagen dürfen, daß es ihrer Würde entsprochen; die Wähler, indem sie sich mühen, über dem kleinen Eigenintereffe des Standes oder Gewerbes das größre Ziel des allgemeinen Wohls ins Auge zu fassen, und auch im politischen Gegner den gleichberechtigten und gleichwerten Bürger zu schauen.
Es wäre Taschenspielerkunst, heut schon die möglichen „Chancen" der einzelnen Parteien abwiegen und daraus Schlüsse auf den möglichen A u s g a n g der Wahl ziehen zu wollen: Immer noch, wenn die große Maste des Volks als einzig entscheidender Faktor in Betracht zu zieh» war, haben sich Kalkulationen, die sich auf Zufallsmomente gründeten, als trügerisch erwiesen. Als in den Dezembertagen neunzehnhundertsechs der Reichstag heimgeschickt wurde, prophezeiten die politischen Falbs eine Riesenschlappe des Zentrums und einen Triumph der roten Internationale. Die Wahlen im Januar und Februar haben dann allerdings die „Propheten" gründlich korrigiert, und das, obwohl bis zum Neujahrstag neunzehnhundertsieben kein politisch einigermaßen Urteilsfähiger auch nur einen Pfifferling auf den Erfolg der Regierung gewettet haben würde. Heut liegen die Verhältnisse weniger kompliziert als damals: Der Reichstag ist weder einem Wahltrick des Kanzlers zum Opfer gefallen, noch schaut man irgend eine 'Quelle, aus der über Nacht helle Begeisterung für ein sogenanntes „großes Ziel" emporsprudeln könnte. Im Vergleich zu der Wahlkampf- siimmung vor fünf Jahren mutet die gegenwärtige Situation trotz aller Erregung-Hitze jörmlich hausbacken an, und man zweifelt fast
an der Möglichkeit, daß aus dieser Stimmung relativer Harmlosigkeit noch ein „Tag von Philippi" sich überhaupt herauskrystallisieren kann.
Der Kanzler ist noch immer schweigsam: Das Geflüster über bevorstehende Heer- und Flottenvorlagen ist dementiert und in der nächsten Minute mit hohen Schwüren als wahr beteuert worden; die bescheidenste Spur einer Wahlparole ist noch nicht in nebelhaftester Ferne zu erkennen, und in der Wilhelmstraße gehen die Tage so ruhig und geräuschlos zur Neige, als stände man nicht am Vorabend der Wahl, sondern nah an der Sommerpause, und spüre das Bedürfnis, sich nach langer Wochen harter Plage friedlich zu verschnaufen. Was der Kanzler uns als Parole zum Gerichtstag bescheren wird, weiß außer ihm bis heut kein Sterblicher; möglicherweise weiß er's sogar selber nicht, und es läßt sich deshalb auch zur Stunde noch nicht absehen, welche Möglichkeit e n sich für die Aera Bethmann amTag^er Wahl ergeben können. Das Rezept Bernhard Bülows, die Wählerschar kurz vorm Entscheidungstag mit einer „Attraktion" zu bluffen, ist nicht immer anwendbar; ist's im gegenwärti- tigen Moment sicher weniger als je, da alle Stimmungsreize fehlen, die in den Dezember- tagcn vor fünf Jahren Bülows weltkluge Staatskunst für sich auszunutzen wußte. Aber vielleicht träumt Herr von Bethmann Hollweg, dem zum Wiegenfest von kaiserlicher Huld die Vase porzellanenen Vertrauens beschert worden, von einem neuen Silvesterglück, da er sich mit frommer Ucberzeugung sagen darf, daß er Fortunas Huld in allen Tagen seiner Kanzlerschaft weit weniger bemüht, als Bülows muntre Unverdroffenheit in knappen Wochen. Und auch am Weg des Philosophen grünt bisweilen hier und da ein Blümchen. F. H.
Und abermals: Toskaner-Liebe!
Der Roman eines andern Erzherzogs.
Es scheint das Verhängnis des Hauses Habsburg zu sein, daß seine Angehörigen im Drang nach des Lebens ungebundner Freiheit sich von den Idealen abwenden, die den Ahnen vorgeschwebt: Die Namen Johann Orth, Leopold Wölffling, Franz Karl Burg und Luise Toselli sind dafür laute und beredte Zeugnisse. Und während in der Wiener Hofburg noch die Erregung über den Herzensroman des ftühercn Erzherzogs Franz Karl leise nachzittert, kommt schon dw Kunde von einer neuen „Flucht von der Höhe", in de. ren Mittelpunkt abermals ein Erzherzog steht:
Wien, 14. Dezember.
(Privat-Telegram m.)
Am österreichischen Kaiserhof erregt eine neue peinliche Affäre großes Aufsehen: Erzherzog Heinrich Ferdinand von Toskana, der gegenwärtig drciunddreitzig Jahre alt ist und Rittmeister im sechsten Dragoner-Regiment war, wurde gestern vom Kaiser ohne Gebühren beurlaubt. Der Erzherzog, der seit längerer Zeit nicht mehr im aktiven Dienst war, zeigte eine ausgesprochene Abneigung gegen den militärischen Beruf und geriet oft in heftige Konflikte mit seinen militärischen Vorgesetzten, sodaß der Kaiser sich zu einer radikalen Maßregel entschloß. Wie die Morgenblätter melden, steht übrigens der Verzicht des Erzherzogs Heinrich Ferdinand auf Rang und Titel bevor. Dieser Entschluß hängt damit zusammen, daß der Kaiser dem Erzherzog nicht die Bewilligung erteilte, ein bürgerliches Mädchen zu heiraten. Der Erzherzog, der der vierte Sohn des Großherzogs von Toskana ist, wid. met sich nunmehr vollständig seinen künstlerischen Neigungen. Er ist ein tüchtiger Maler, Modellier und Radierer.
Franz Fosef, vom Schicksal gebeugt!
Ein weiteres Privat.Telegramm meldet uns zu der neuen Herzensafsäre eines österreichischen Erzherzogs aus Wien: Kaiser Franz Josef, den schon die Heiratsaffäre und die Verzichtleistung des Erzherzogs Franz Karl schwer getroffen hatten, ist von dem neuen Schicksalsschlag völlig niedergedrückt worden. Es heißt, daß zwischen dem Kaiser und dem Erzherzog in den letzten Tagen erregte Auseinandersetzungen stattgcfunden haben, deren Folge dann die Beurlaubung des Erzherzogs war. Franz Josef soll erklärt haben, daß er unter keinen Umständen seine Einwilligung zur Heirat des Erzherzogs geben werde, da „über das Haus Habsburg schon zu viel Unglück hereinzebrochen fei".
Skandale und kein Ende!
Wieder eine verfchwundcne Million.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Aus Paris wird uns berichtet: Bei der Staatsanwaltfchaft ist heute eine Anzeige gegen den Verwaltungsrat des vor acht Jahren
gegründeten Vorfchußvereins für Mi- ltärperfoncn, dem zumeist pensionierte Generäle und andere höhere Offiziere angchö- ren, eingegangen. Die Anzeige geht von mehreren Mitgliedern des Vorschußvereins aus, die den Verwaltungsrat beschuldigen, durch Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung den Verein vollständig ruiniert zu haben. Der Fehlbetrag beträgt, wie in der Anzeige mitgcteilt wird, weit über eine Million Franks. Geschädigt sind vor allem zahlreiche höhere Militärpensionäre, die ihr ganzes Vermögen in Anteilen des Vereins angelegt hatten.
Iie Katastrophe von FW.
Dreiundsiebzig Tote, zahlreiche Verwundete.
Depeschen aus Uesküb (Türkei) berichten über die furchtbaren Wirkungen des Bombenattentats und des nachfolgenden Blutbades von I st i p: Die Ereignisse des zweiten Kurban-Feiertages haben in der ganzen mohammedanifchen Bevölkerung einen großen Entrüstungsschrei ausgelöst. Wohl noch nie empfand man fo deutlich, wie Feind, Verrat und Tod von allen Seiten die mosli- mische Welt umlauern. Die Stimmung war ohnedies schon schwer bedrückt. Zu der Sorge um Tripolis gesellte sich der Kummer wegen Persien und der Dardanellen; die Unsicherheit der Lage in Albanien wird umso peinlicher empfunden, als die Perfonalveränderung in der Leitung des Generalstabs in Oesterreich allgemein zu denken gab. In dieser gespannten Situation mußte das raffinierte Bombenattentat das Blutbad von Jstip auslöfen. Eine nach Jstip abgegangene Spe- zialkommission wird die Einzelheiten noch feststellen, die eine überstürzte, vom Entsetzen des Erlebten getragene erste Benachrichtigung vernachlässigte. Die trotz raschesten Einschreitens der Behörden nicht unbeträchtliche Anzahl der Opfer an Bulgaren, dreiundsiebzig Tote und hundertvierundachtzig Verwundete, läßt erkennen, daß die sonstige Gelassenheit und Kaltblütigkeit die Türken verlassen und sich in rasende Wut verwandelt hatte. Allerdings war die Stimmung der Jstiper Mohammedaner schon lange eine gereizte, denn diese Stadt ist von jeher der Agitationsherd der revolutionären bulgarischen Organisation gewesen. Die At- tentate auf den B a h n k ö rp e r bei Köprülü batte Allah zum besten gewendet; auch daß das Gendarmeriekarakol unbefetzt war, das das dem Poftzuge zugedachte Schicksal erleiden mußte, ward als Kismet betrachtet. Aber der Angriff auf das Gotteshaus in ^"ip an dem höchsten Feiertag des Mohammedaners ist das Ungeheuerlichste, was eine teuflische Berechnung ausfindig machen konnte, und dieser Umstand führt zu dem sichern Schluffe, daß die Bulgaren es darauf anlegen, die moslimische Bevölkerung zu Ausfchreitungen zu reizen. Die Stimmung unter den Mohammedanern ist tatsächlich auch so erregt, daß neue Ausschreitungen als Ausfluß türkischer Rache jeden Augenblick zu befürchten stehen.
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Wie aus Saloniki berichtet wird, wurde am Dienstag abend im Zentrum der Stadt K o t ch a n a eine Bombe gefunden. Kotchana liegt fünfzig Kilometer von Jstip entfernt. Die Behörden haben zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Wie es heißt, fall man auch den Urhebern des Jstiper Bombenanschlages auf der Spur fein. Die Bevölkerung des ganzenVilajets befindet sich in größter Erregung und die Regierung hat sich genötigt gesehen, zur Aufrechterhaltung der Ordnung Truppen in das von Unruhen bedrohte Gebiet zu entsenden.
Zwischen Pflicht und Gewiffen.
Ter Kampf um's Motu proprio.
Ein Privat.Telegramm meldet uns aus Karlsruhe i. B.: In der Budgetkom, misson der Zweiten Kammer, die gestern Kultus- und Volksschulwefen erledigte, wurde von dem Referenten auch der Modernisteneid und das neue päpstliche Motu proprio über die weltliche Rechtsstellung der Geistlichen zur Sprache gebracht. Dabei erflärte der Zentrumsabgeordnete Kopf, daß man im Zentrum diesen Erlaß bedauere, ihn aber nicht ändern könne. Ueberdies komme der Erlaß für Deutschland ja auch nicht in Betracht. Von der Regierung wurde erklärt, daß sie zum Modernisteneid keine unbedingt festliegende Stellung einnehme und unter Umständen auch Geistlichen mit Modernisteneid ein weltliches Lehramt übertragen müsse, weil es später überhaupt keine unbeeidigten Geistlichen mehr geben werde.
Eine Stimme aus Rom.
(Privat-Telegram m.)
Rom, 14. Dezember.
Der vatikan-offiziöse „Osservatore Romano" sagt in einer Besprechung der Dresdener Kammerdebatte über das neue päpstliche Motu proprio: „Die gegenwärtige Erregung habe
keinerlei Daseinsberechtigung, da infolge der geltenden Gewohnheiten das Motu proprio auf Deutschland nicht anwendbar fei. Aber fclbst wenn dem fo wäre, würde es sich lediglich irat eine einfache Gewisscnsfrage und um keine Verletzung der Rechte des Staates handeln." Man betrachtet hier diese Note des vatikan-offiziellen Blattes als den Vorläufer der öffentlichen Erklärung der Kurie, daß das Motu proprio auf Deutschland keine An. Wendung finden soll.
' 4,
Irr Schiffbruch der IE Mitglieder des englifchcn Königshauses in schwerer Seenot.
(Telegraphische Meldungen.)'., Wie wir gestern schon berichtet haben, ist am Dienstag abend der nach Bombay gehende Passagier- und Postdampfer „Delhi" von der Peninsula, und Orientel-Linie zwei Seemeilen südlich von Kap Sparte! g e st r a n - d e t. Unter den Passagieren an Bord befinden sich der Herzog und die Herzogin von Fife, eine Schwester König Georgs, und ihre beiden Töchter, die Prinzessinnen Maud und Alexandra, die sich auf der Reise nach Aegvpten befinden. Die Schlachtschiffe „Duke of Edinburgh" und „London", sowie der Kreuzer „Plymouth" gingen unter vollem Dampf von Gibraltar zum Beistand ab. Auch wurden schleunigst Schleppdampfer von Ceuta abge- schickt. Man unternahm Rettungsversuche mit dem über Land geschickten Raketenapparat, die sehr schwierig waren, da starker Sturm herrschte und die See sehr hoch ging. Der „Delhi" strandete am Dienstag abend bei sehr schlechtem Wetter. Er hat hundertfünfzig Pasfagiere an Bord. Der französische Kreuzer „F r t a n t“ traf von Tanger aus an der Ünfallstelle ein, und es gelang ihm, bis nahe an das gescheiterte Schiff heranzukommen, und eine große Anzahl von Frauen und Kindern an Bord zu nehmen. Depeschen von heute früh melden:
Tanger, 14. Dezember.
Die Strandung des Dampfers „Delhi" erfolgte gegen ein Uhr nachts. Ein Boot des französischen Kreuzers „Friant" schleppte ein Boot mit Frauen und Kinder» bis zum englischen Panzer „Duke of Edinburgh". Als das Boot eine zweite Rettungsfahrt versuchte, schlug es um. Drei Matrosen ertranken. Ein Offizier und vier Mann konnten sich an Land retten. Englische Matrosen stellten darauf eine Fahrstuhlbahn zwischen der „Delhi" und dem Lande her, auf der alle Frauen au Bord gebracht wurden, ebenso auch der Herzog von Fife und seine Gattin, die in der englischen Gesandtschaft in Tanger Unterkunft sanden. Die „Delhi" scheint verloren zu sein, da alle Versuche, das Schiff wieder flott zu machen, mißlungen sind.
Die Rettung« Aktiv«.
Ein Telegramm der „Agence Hoves" vom gestrigen Nachmittag meldet: Die Landung der Herzogin von Fife von Bord der gestrandeten „Delhi" wurde von dem französischen Kreuzer „Friant" bewerkstelligt, der als erstes Schiff in der Nacht an der Strandungs- stelle der „Delhi" angelangt war. Die Herzogin und ihre Töchter befinden sich zurzeit auf der Signalstation des Kaps Spartet, wo sie durchnäßt ankamen. Sie wurden am Abend durch den englischen Gesandten nach Tanger gebracht. Die Strandungsstelle befindet sich zweihundert Meter von den Säulen des Herkules. Bei dem gestrandeten Schiff befindet sich das englische Panzerschiff „Queen", der Kreuzer „Duke of Edinburgh" und die Panzerfchtffe „London" und „Jmpla- cable", die auf der Reede von Tanger liegen. Sie treffen Vorbereitungen zur Hilfeleistung für die Passagiere des gestrandeten Schiffes. Ein englisches Detachement ist auf dem Landwege mit einem Raketenapparat nach der Küste abgegangen, um dem gestrandeten Dampfer ein Seil zuzuschleudern, mittels dessen man den Passagieren Lebensmittel zukommen lassen kann. Das Meer ist noch sehr bewegt. Rach einer englischen Meldung soll die Landung der Herzogin und ihrer Töchter durch ein Rettungsboot des englischen Kriegsschiffes „Duke of Edinburgh" bewerkstelligt worden sein, während das Rettungsboot des „Friant", das den Schiffbrüchigen bei der Landung behilflich war, umgeschlagen fei. Hierbei fallen (nach den ersten Meldungen) sechs Matrosen ertrunken fein.
Die Besatzung bleibt au Bord!
Depeschen aus Gibraltar zufolge ist eine Anzahl von Passagieren der „Delhi" bei Kap Sparte! gelandet und befindet sich auf dem Wege nach Tanger. Siebzig Pgssg- giereundzwethundertdreitzig Mann der Besatzung befinden sich noch an Bord. Außer dem Kreuzer „Duke of Edinburgh" war cmch Kreuzer „Weymouth" mit einem von Artilleristen bedienten Rettungsapparat zum Bei- stand des gescheiterten Dampfers „Delhi" in See gegangen, dessen Lage als sehr gesähr- lichchetrachtet wird. Ter ^Seegang war je-