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CMer Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Di« tofleln SleneHen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal Mtvzwar abend«. Der Sbonnen-entrpret« beträgt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung ins HauS. Beftellungen werden jeberjett von der Geschäftsstelle ober ben Boten entgegengenommen. $ ruderet, Verlag unb Redaktion: Echlachthostlratze 2-i/Ai Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach, mittags, juristische Sprechstunden für Misere Abonnenten Mittwoch« unb Sonnabend« von «» Uhr abend« Berliner Vertretung: SW, striedrtchstrabe 18, Telephon: Amt IV 676.

Nummer 3. Fernsprecher 951 und 952.Donnerstag, 7. Dezember 1911. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

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Fn Msnmms Stiefeln?

Herr Theobald von Bethmann Hollweg, derstarke Mann".

Am fünften Dezember, nachmittags vier llfir fünfundreißig Minuten, ist der altersmüde Reichstag sanft entschlafen, und an seiner Bahre trauern die Hinterbliebenen. Sein Ende war weder tragisch noch schmerzhaft: Still und geräuschlos ist er ins Meer der Vergangenheit niedergestiegen, gestärkt und getröstet durch des Kanzlers inhaltschwere Abschiedsworte. Herr von Bethmann Hollweg hat in des Reichstags Sterbestunde nochmals über Marokko, über die deutsch-englische Spannung und über dieschwere und ernste Zeit" gesprochen, die wir durchschritten, und er hat als Forderung des Tags die Volkserlenntnis proklamiert, daßnicht herausfordernder Hochmut, sondern freier Blick, kaltes Blut, ruhige Kraft und feste Einig­keit in großen nationalen Fragen" deutschem Wesen zieme. ES ist erfteulich, daß der Kanzler in diesen knappen Worten das Ideal seiner Träume so greifbar dargestellt hat, daß man's mit klarem Auge schauen kann, und es bleibt nur zu bedauern, daß dies nicht schon am neunten November geschah, als die Resonanz- flache eine ungleich brettere war und die Hoff­nung gehegt werden durfte, daß ein rechtes Wort, zur rechte« Zeit vom rechten Mann ge­sprochen, auch dort ein hallend Echo wecken werde, wo man der Stimme vom Berliner Kö­nigsplatz hellen Ohrs wartete. Am neunten November indessen sprach im Parlament des Deutschen Reichs der Philosoph von Ho­henfinow, der über seiner Rede Gründlichkeit überall im Hohen Hause der Enttäuschung graue Schatten niedersinken sah und selbst das lejchtcntflammte Herz der Freunde zu keiner Regung zu ermuntern wußte. Der Kanz­ler hat erst in des greisen Reichstags letzter Stunde gesprochen, aber er hat gestern auch durch stärker» Aufwand oratorischer Kraft nicht gutzumache« vermocht, was der Novem» bcr-Philofoph versäumt.

Es wächst der Mensch mit seinen größer» Zwecken!" Schiller, Seneca und Tacitus haben auch für Herrn Theobald von Bethmann Hollweg gesprochen. Am ersten Marokko- Gerichtstag hörte man vom leitenden Staats­mann nach einer überlangen Erörterung akten­mäßiger Daten, ohne Pathos, ohne die Kraft, das mit halbem Ohr hinhorchende Parlament ;u überzeugen, die Worte:Wir waren bereit, im Fall der Notwendigkeit auch mit dem Schwert in der Hand die Ehre der Na­tion zu verteidigen. Wir sind vor Niemand zu­rückgewichen, auch vor England nicht!" Als der Mann im Adlerstuhl der Regierungsbank diese Sätze gesprochen, lastete eisiges Schwei­gen auf dem Hause; kein Beifall, kein Zeichen froher Zustimmung lohnte den kühnen Sprecher im grauen Rock. Inzwischen hat auch Sir Edward Grey gesprochen, und waS vom West- minsterhaus zu uns herüberklang, war nickst ge­eignet, für Herrn von Bethmann Hollwegs Heldentum Sympathie zu werben. Gestern end­lich hat der Kanzler Worte gefunden, die (un­geachtet aller Enttäuschung, die uns hcimge- sucht) im ganzen Reich ein lautes Echo wecken werden:Tie Stärke Deutschlands darf uns eine Gewähr dafür fein, daß kein andrer Staat mit uns Streit suchen wird!" Selbst im altersmüden Parlament vermochten Worte dieser Art zu zünden, und wenn auch der Plan einer national-parlamentarischen De­monstration für die Einheit deutschen Volks­willens nicht (wie es gedacht war) Wirklichkeit geworden ist: Die knappen Erklärungen der Parteien lassen keine Deutelung der Gewißheit zu, daß die schwere und ernste Zeit, durch die wir (nach Bethmann Hollwegs Wort) hindurch­gegangen, das nationale Verant- a n tw o rtlich kei t s g es ühl geschärft und die Erkenntnis gefestigt hat, daß auch «in friedliebendes Deutschland einer starken und im richtigen Moment entschlossnen Regierung nicht entbehren kann.

Bietet die Kanzlerschaft des Philosophen von Hohenfinow Gewähr für eine Politik friedlicher, ober zielbewußter und tatenstarker Reichsarbeit? Die Parteien des Reichstags haben den Mann in der Regierungsbank beim Abschiednehmen vom Wallothaus auf diese Frage ohne Antwort gelassen, denn Das, was gestern nach der Kanzlerrede aus der Parteien Mitte im Reichstag zu hören war, galt tm We­sentlichen (wenn man von dem schärfer hervor­gehobnen nationalen Unterton der Reden abfieht) den gleichen Gedanken, die schon am neunten Novembrrtag das Parlament be­wegten, als die Schwächlichkeit der Wilhelm- straßen-Sttategie unter Anklage stand. Nicht nur für Volk und Reich, sonder» auch (und

mehr noch) für den Kanzler und für die R e- g i e r u n g, die er mit Amt und Namen deckt, waren die Unheilmonde des Jahres neunzehn­hundertelf eineernste und schwere Zeit", und nicht minder wie das Volk möge euch die Re­gierung erkennen, was sie dem Ansehen des Reichs und der Ehre des deutschen Namens schuldet. Keine Kunst demosthenischer Epigonen kann die Tatsache aus der Geschichte austilgen, daß das Marokko-Abenteuer eher alles andre als eine Ruhmestat deutsch-schwäbischer Di­plomatie gewesen ist, keine Dcutelkunst die Er­kenntnis mindern, daß mit Heloengebärde um eine ärmliche Winzigkeit gerungen und ein Kraftaufwand vergeudet worden ist, der eines Hähern Ziels und eines schöner» Triumphs würdig u. ziemend war. Nun, da die Alten über das Intermezzo geschloffen und auch des alten Reichstags Gram und Kummer überwunden, darf man ruhiger über das Vergangne denken, mit weniger Leidenschaft der Sorgcntage Soll und Haben wiegen und die Hoffnung hegen, daß dieschwere, ernste Zeit" nicht spur- und nutzlos an uns vorübergegangen. Erfüllt sich dieses Hoffen, dann ist des müden Reichs­tags Sterbestunde Reich und Volk nützlicher gewesen, als seines letzten Daseins bitzigste Kampsestage! F. H.

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Jas Echo dsr Karrzlsr-Ned^

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 6. Dezember.

Die gestrige Rede des Reichskanzlers über unsre Haltung in der Marorkofrage hat im all­gemeinen eine gute Presse gefunden; ins­besondere finden die Ausführungen des Kanz­lers über unser Verhältnis zu England eine recht günstige Beurteilung, und es wird allge­mein anerkannt, daß die Kanzlerrede vom zünr= len Dezember gegenüber den Ausführungen Bethmann Hollwegs in der Rcickstagssttzung vom neunten November -ine weit stärkere Entschiedenheit in der Betonung der deutsch-nationalen Interessen erkennbar wer­den kaffen. So schreibt die National-Zeitung:

Wir freuen uns, daß der Reichskanzler ernste und energische Worte an die Adresse Englands gerichtet hat, die auch für das übrige Ausland gelten, soweit es nicht zu den erprobten und zuverlässigen Freunden des deutschen Reiches gehört.

Germania:

Ein erfreuliches Moment der Debatte dürfte es auch sein, daß die unnatürliche Spannung zwischen len Konservativen und der Negierung nunmehr behoben fein dürste. Noch viel erfreulicher aber ist es, drtz der Kanzler endlich d i r Worte gefunden hat, die jedenfalls auch den Wünschen der über­wiegenden Mehrheit des deutschen Volks Rechnung tragen.

Berliner Tageblatt:

Der Reichskanzler hat nichts von alle­dem entkräftet, was man in Deutschland ge­gen die Bethmann-Kiderlen'sche Politik vör- gebracht, aber man darf konstatieren, daß sie den Worten, die in England gefallen sind, passende und richtige Worte gegenüber gestellt hat, was immerhin etwas ist.

Der Vorwärts:

wirft dem Reichskanzler eineDoppelschwen­kung" vor: Seine Haltung gegen England war weniger friedlich, als im November, da­gegen war er jetzt friedfertiger gegen die Konservativen. Die ganzen Auslassun­gen des Kanzlers zeigen aber, daß er nicht geneigt ist, Wege einzuschlagen, die Friede und Freundschaft dauernd sichern könnten.

Stimmen von der Seine.

(Privat-Telegram m.)

Paris, 6. Dezember.

Bei der Beurteilung der gestrigen Kanzler­rede wendet sich das Hcnvtinteresse der politi­schen Kreise jenen Ausführungen zu, die an die schwierige Lage erinnern, in der sich während der verflossenen Sommerwochen die französische Regierung befunden habe. Meh­rere, dem Minister de? Aeußern nahestehende Deputierte bemerken hierzu, daß der Reichs­kanzler diese heiklen Punkte mit einer dan­kenswerten Diskretion behandelt habe. Die energische Betonung der Groß­machtstellung Deutschlands und sein fester Mllen, sich durch keinerlei Hinder­nisse von seiner großzügigen Politik ablen­ken zu lassen, hat hier unleugbar starken Eindruck gemacht.

buZIauL« nnd die Kanzler-Rede.

(Privat-Telegram m.)

London, 6. Dezember.

Die Rede des Reichskanzlers, die hier mit Spannung erwartet wurde, erschien in den ge­strigen Abendblättern nur in ganz kurze» Aus­zügen und ohne Kommentar«. In den Galerien des V a rlam«nts aebäu d es bildete sie

den ausschließlichen Gegenstand des Jntereffes. Man erwartet von ihr, daß sie den Weg zu einer künftigen besseren Verständigung zwischiil. den beiden Regierungen ebnen Helsen werde. Die Morgenblätter bespreche» die Rede t-.'t deutschen Reichskanzlers sehr ein­gehend. DieTimes" schreiben: Das Ernste an der Rede sei, daß der Kanzler mit keinem Worte der Pflichten gedacht habe, die Eng­land, durch seine Verträge gebunden, Frank­reich gegenüber zu erfüllen gehabt habe. Diese Verpflichtungen aber seien für England der Hauptpunkt bei den Marokkoverhandlun- gen gewesen.

Jer VbenLeurer als Wion.

Hauptmann Grosse": Ein Betrüger!

Wie wir schon kurz berichtet hoben, ist in Portsmouth (England) ein angeblicher deut­scher Spion, einHauptmann Heinrich Grosse", verhaftet worden. Er wird beschul­digt, seit Mitte November unter dem Namen Meredith in einer obsturen Straße zu Southsca bei Portsmouth gewohnt zu haben, um ge­heime, dem Feind nützliche Informationen zu erlangen. Die Verhaftung wurde von der hauptstädtischen Polizei, die den Dockhof be­wacht, vorgenommen. Nach einer anderen Be­hauptung sollte Grosse Kapitän der deutschen Marine sein. Er wurde dem Polizeigericht vor­geführt. Ueber die dem Verhafteten zur Last gelegten Straftaten wird berichtet:

London, 6. Dezember.

(Telegraphischer Bericht.)

Ter unter dem Verdacht der Spionage ver­haftete Deutsche, dessen Name auf der Anklage­schrift mit Heinrich Grosse angegeben wird, wurde gestern dem Polizeigericht in Portsmouth vorgeführt. Der Staatsanwalt sagte, das Verfahren sei auf Grund des Ge­setzes über den Verrat von Geheimnissen ein- geleitet worden. Der Angeklagte sei ein im Dienst befindlicher oder pensionierter Kapi­tän der deutschen Handelsmarine und habe sich in Portsmouth mehrere Wochen aufgehalten. Grosse soll, wie die Anklagebe­hörde behauptet, den Telephonisten S a l t e r vom KriegsschiffVernon" ersucht haben, ihm Material und Auskünfte zu beschaffen, die nach des Staatsanwalts Ansicht offenbar Staats­geheimnisse seien, die einer fremden Macht nicht bekannt gegeben werden dürsten. Der An­geklagte habe Satter aufgefordert, herauszufin­den, wieviel Kohlen im Marinedepot von Portsmouth lagerten, auf wieviel Tonne» sich die gesamten Kohlenvorräte im Hafen beliefen und wieviel Tonnen Kohlen in den verschiede­nen Häfen sich in dem Besitz von Kaufleuten befänden. Der Angeklagte suchte auch zu erfah­ren, wie stark die Kasernen belegt seien. Der Telephonist Satter erstattete Anzeige und wurde beauftragt, dem Angeklagten das ge­wünschte Material zu verschaffen. Der Ange- klagie wurde polizeilich beobachtet und abends vor der geplanten Abreise verhaftet. Das in der Wohnung beschlagnahmte Material ist noch nicht völlig geprüft.

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Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der angeblicheHauptmann" undKapttän" Grosse nichts anderes als ein Abenteurer ist. Ein Telegramm aus London meldet dar­über: Der als Spion in Portsmouth verhaf­tete angeblicheKapitän der deutschen Han­delsmarine" Heinrich Grosse ist identisch mit einem Abenteurer Grosse, der vor einem Vierteljahr die Berliner Gerichte be­schäftigte. Erst im September hatte er sich vor einer Berliner Straftammer wegen Be­truges, Heiratsschwindel und Un­terschlagung zu verantworten. Er wurde wegen Unterschlagung zu einem Monat Ge­fängnis verurteilt. Er hat eine höchst aben­teuerliche Vergangenheit und ist niemals Offizier der Kriegs- oder Handelsmarine ge­wesen.

Politik und Höllenmaschine.

Aus dem Sumpf politischer Korruption.

Wie wir schon nach Depeschen aus N e w y o r k berichtet haben, hat das Bekrnnt- nis der beiden Brüder Mac N a m a r a, das Timesgebäude in Los Angelos in Kalifornien in die Luft gesprengt zu haben (das Verbrechen geschah bekanntlich vor etwa zwei Jahren» der Sache der Arbeiter-Organisationen in ganz Amerika einen schweren Schlag ver­setzt. Es stellt« sich heraus, wie aus San Francisco telegraphiert wird, daß die beiden Brüder eine ganze Anzahl derartiger Verbrechen auf dem Gewissen haben. Sie stonde» in der Arbeiterwelt hoch i'm Ansehen als Führer der Baugewerbeorganisetionen. Wenn bei irgend einem größere» Neubau trotz des ProtesreS der Brüder Mac Ramara Leut« beschäftigt touiben, die nicht ihrer Organisation angetzörten, so pflegt« sich alsbald eine Dy­

namit e r p l o s i o n zu ereignen, die daS be­gonnene Werk zerstörte. So terrorisierten die beiden Brüder viele Jahre lang den ganzen Westen und selbst einen Teil des Ostens, bis dieTimes" von Los Angelos den Kamps mit ihnen ausnahm und mir allerlei Enthül­lungen drohte. Eines Tages aber siog auch das Timesgebäude in die Luft. Die Mac Na- maras gerieten in Verdacht, das Verbrechen verübt zu haben und wurden verhaftet.

Ei» Schrei der Entrüstung

ging durch die ganze Arbeiterwelt Amerika?. Es hieß, die Kapitalisten wollten durch im» sches Zeugnis die Verurteilung der ihnen unliebsamen Agitatoren herbeiführen. Die American Federation of Labor" mit ihren zweieinhalb Millionen Mitgliedern brachte im Handumdrehen einen Verteidigungsfonds von über zwei Millionen Mark zusammen. Sa­muel Gompers, der Präsident des Verbanoes und John Mitchell, der Vizepräsident begaben sich nach Los Angelos, um die Mac Namaras der Unterstützung und Sympathie der gesamten Arbeiterschaft zu versichern. Ihnen schwu­ren die Brüder, daß sie unschuldig seien und ohne Makel aus dem Prozeß hervorgehen würden. Nun haben sie kurz vor dem Beginn des Prozesses sich zu dem Verbrechen bekannt. Sie hatte» nicht beabsichtigt, Menschen zu tö­te», sondern wollten nur das Eigentum des ihnen feindseligen Blattes zerstören. Aber die Uhr in der Höllenmaschine, die das grausige Werk tun sollte, lief schneller ab, als vorgesehen war ... lief ab, ehe das Gebäude leer war, und einundzwanzig Men­schen büßten das Leben «in. Ein Freund der Mac Namaras, Ortte Mac Manigal, der Zuerst als der Tat verdächtig verhaftet worden war,

verriet die beiden Brüder,

nm die eigene Haut zu retten. Die schwerste» Beweise gegen sie aber lieferte eine Frau der Polizei, namens Ingersoll, in San Francisco, die verlassene Geliebte von James Mac Na- mara. Aus ihre Angaben hin durchsuchte die Polizei ein Haus in einer Vorstadt von Jndia- napolis, das von ihnen gemietet war, und fand dort eine regelrechte Fabrik von Sprengstoffen, Bomben und Höllenma­schinen. Jetzt wußten die Brüder, daß Leug­ne» nichts mehr helfen könne, und in der Hoff­nung, vielleicht noch das Leben zu retten, leg­te» sie das überraschende Geständnis ab. Die Arbeiterorganisationen in Amerika sind da­durch überaus schwer betroffen, denn die Mehr­zahl ihrer Mitglieder hegte tatsächlich keinen Zweifel an der Unschuld der Mac Namaras. Jetzt sind sie zu heller Wut gegen die Brüder entbrannt und bestehen darauf, daß sie z u m Tode verurteilt werden. Die Polizei erklärt, daß viele Arbeiterführer in allen Tei­len der Vereinigten Staaten, die bisher in ho­her Achtung standen, an der Verschwörung be­teiligt waren oder doch davon wußten und alsbald verhaftet werden sollen. Inzwischen ist (wie unS ein Privattelegramm mel­det) gestern daS Urteil des Gerichts gegen die Brüder Mac Namara gefällt worden: John Mac Namara wurde zu fünfzehn Jah­re n und fein Bruder James zu lebens­länglicher Gefängnisstrafe verurteilt. I« der Affäre stehen weitere sensationelle Verhaftungen bevor. -w-

Reichstag» Kade.

Die gestrige zweite Marokko-Debatte.

Di- SaffeUt Sleueften Nachrichten veröffent« lichten den telegraphischen Bericht über dis gestri­gen ReichStagSberatungsn tu der Hauptfachs bereits in einem Teil der g eft ern abend zur Ausgabe gelangten Wummer. Ter Gesamtbericht gelangte in einem Erica- blatt zur Veröffentlichung, das gestern abend um steben Uhr auSgegeben wurde. ^Nachstehend registrieren wir die Vorgänge in der gestrigen Reichstags-Sitzung in ihrem Zusammenhang,nach dem Bericht unseres parlamentarischen Mitarbeiters.

Ter Reichstag arbeitete gestern, an seines Daseins letztem Tage, im Eiltempo und im Handumdrehen wurde eine ganze Reihe von Punkten der Tagesordnung lsSmilich in dritter Lesung) erledigt: auch die ostafrikanische Bahn­vorlage, zu der auch gestern im Gegensatz zu der vorgestrigen Debatte nickt eine einzige Wortmeldung vorlag. Sämtliche Vorlagen wurden mit ganz geringen Abänderungen nach der Fassung der zweite» Lesung angenommen, auch das Gesetz über die Pe »sionsvers i- cherung der Privatangestellten. Bei diesem wurde noch in letzter Stunde Ent­gegenkommen gegenüber den Wünschen der An­gestellten insofern gezeigr, als die Gültigkeit zürnen abgeschlossene Privatversiche­rungen bis zum fünften Dezember verlän­gert wurde. Um ein Uhr war alles ausgear­beitet bis auf die Marokkosrage. Man machte eine einhalbstündige Frühstückspause und ging dann gerüstet zur Marokkodebatte. Ein eigent­lichgroßer Tag", tote am neunten November, toar der gestrige nicht: Es herrschte kein solcher Andrang, und das Interesse hat inzwischen auch wohl etwas nachgelassen. Schabe; denn gestern sprach der Kanzler fester und wirkungs­voller als damals, wo ihm doch gewissermaßen die Hände gebunden waren. Inzwischen ist manches erledigt, was ibn früher schweige»