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Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 3. Fernsprecher 951 und 952.Donnerstag, 7. Dezember 1911. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.
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Fn Msnmms Stiefeln?
Herr Theobald von Bethmann Hollweg, der „starke Mann".
Am fünften Dezember, nachmittags vier llfir fünfundreißig Minuten, ist der altersmüde Reichstag sanft entschlafen, und an seiner Bahre trauern die Hinterbliebenen. Sein Ende war weder tragisch noch schmerzhaft: Still und geräuschlos ist er ins Meer der Vergangenheit niedergestiegen, gestärkt und getröstet durch des Kanzlers inhaltschwere Abschiedsworte. Herr von Bethmann Hollweg hat in des Reichstags Sterbestunde nochmals über Marokko, über die deutsch-englische Spannung und über die „schwere und ernste Zeit" gesprochen, die wir durchschritten, und er hat als Forderung des Tags die Volkserlenntnis proklamiert, daß „nicht herausfordernder Hochmut, sondern freier Blick, kaltes Blut, ruhige Kraft und feste Einigkeit in großen nationalen Fragen" deutschem Wesen zieme. ES ist erfteulich, daß der Kanzler in diesen knappen Worten das Ideal seiner Träume so greifbar dargestellt hat, daß man's mit klarem Auge schauen kann, und es bleibt nur zu bedauern, daß dies nicht schon am neunten November geschah, als die Resonanz- flache eine ungleich brettere war und die Hoffnung gehegt werden durfte, daß ein rechtes Wort, zur rechte« Zeit vom rechten Mann gesprochen, auch dort ein hallend Echo wecken werde, wo man der Stimme vom Berliner Königsplatz hellen Ohrs wartete. Am neunten November indessen sprach im Parlament des Deutschen Reichs der Philosoph von Hohenfinow, der über seiner Rede Gründlichkeit überall im Hohen Hause der Enttäuschung graue Schatten niedersinken sah und selbst das lejchtcntflammte Herz der Freunde zu keiner Regung zu ermuntern wußte. Der Kanzler hat erst in des greisen Reichstags letzter Stunde gesprochen, aber er hat gestern auch durch stärker» Aufwand oratorischer Kraft nicht gutzumache« vermocht, was der Novem» bcr-Philofoph versäumt.
„Es wächst der Mensch mit seinen größer» Zwecken!" Schiller, Seneca und Tacitus haben auch für Herrn Theobald von Bethmann Hollweg gesprochen. Am ersten Marokko- Gerichtstag hörte man vom leitenden Staatsmann nach einer überlangen Erörterung aktenmäßiger Daten, ohne Pathos, ohne die Kraft, das mit halbem Ohr hinhorchende Parlament ;u überzeugen, die Worte: „Wir waren bereit, im Fall der Notwendigkeit auch mit dem Schwert in der Hand die Ehre der Nation zu verteidigen. Wir sind vor Niemand zurückgewichen, auch vor England nicht!" Als der Mann im Adlerstuhl der Regierungsbank diese Sätze gesprochen, lastete eisiges Schweigen auf dem Hause; kein Beifall, kein Zeichen froher Zustimmung lohnte den kühnen Sprecher im grauen Rock. Inzwischen hat auch Sir Edward Grey gesprochen, und waS vom West- minsterhaus zu uns herüberklang, war nickst geeignet, für Herrn von Bethmann Hollwegs Heldentum Sympathie zu werben. Gestern endlich hat der Kanzler Worte gefunden, die (ungeachtet aller Enttäuschung, die uns hcimge- sucht) im ganzen Reich ein lautes Echo wecken werden: „Tie Stärke Deutschlands darf uns eine Gewähr dafür fein, daß kein andrer Staat mit uns Streit suchen wird!" Selbst im altersmüden Parlament vermochten Worte dieser Art zu zünden, und wenn auch der Plan einer national-parlamentarischen Demonstration für die Einheit deutschen Volkswillens nicht (wie es gedacht war) Wirklichkeit geworden ist: Die knappen Erklärungen der Parteien lassen keine Deutelung der Gewißheit zu, daß die schwere und ernste Zeit, durch die wir (nach Bethmann Hollwegs Wort) hindurchgegangen, das nationale Verant- a n tw o rtlich kei t s g es ühl geschärft und die Erkenntnis gefestigt hat, daß auch «in friedliebendes Deutschland einer starken und im richtigen Moment entschlossnen Regierung nicht entbehren kann.
Bietet die Kanzlerschaft des Philosophen von Hohenfinow Gewähr für eine Politik friedlicher, ober zielbewußter und tatenstarker Reichsarbeit? Die Parteien des Reichstags haben den Mann in der Regierungsbank beim Abschiednehmen vom Wallothaus auf diese Frage ohne Antwort gelassen, denn Das, was gestern nach der Kanzlerrede aus der Parteien Mitte im Reichstag zu hören war, galt tm Wesentlichen (wenn man von dem schärfer hervorgehobnen nationalen Unterton der Reden abfieht) den gleichen Gedanken, die schon am neunten Novembrrtag das Parlament bewegten, als die Schwächlichkeit der Wilhelm- straßen-Sttategie unter Anklage stand. Nicht nur für Volk und Reich, sonder» auch (und
mehr noch) für den Kanzler und für die R e- g i e r u n g, die er mit Amt und Namen deckt, waren die Unheilmonde des Jahres neunzehnhundertelf eine „ernste und schwere Zeit", und nicht minder wie das Volk möge euch die Regierung erkennen, was sie dem Ansehen des Reichs und der Ehre des deutschen Namens schuldet. Keine Kunst demosthenischer Epigonen kann die Tatsache aus der Geschichte austilgen, daß das Marokko-Abenteuer eher alles andre als eine Ruhmestat deutsch-schwäbischer Diplomatie gewesen ist, keine Dcutelkunst die Erkenntnis mindern, daß mit Heloengebärde um eine ärmliche Winzigkeit gerungen und ein Kraftaufwand vergeudet worden ist, der eines Hähern Ziels und eines schöner» Triumphs würdig u. ziemend war. Nun, da die Alten über das Intermezzo geschloffen und auch des alten Reichstags Gram und Kummer überwunden, darf man ruhiger über das Vergangne denken, mit weniger Leidenschaft der Sorgcntage Soll und Haben wiegen und die Hoffnung hegen, daß die „schwere, ernste Zeit" nicht spur- und nutzlos an uns vorübergegangen. Erfüllt sich dieses Hoffen, dann ist des müden Reichstags Sterbestunde Reich und Volk nützlicher gewesen, als seines letzten Daseins bitzigste Kampsestage! F. H.
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Jas Echo dsr Karrzlsr-Ned^
(Privat-Telegram m.)
Berlin, 6. Dezember.
Die gestrige Rede des Reichskanzlers über unsre Haltung in der Marorkofrage hat im allgemeinen eine gute Presse gefunden; insbesondere finden die Ausführungen des Kanzlers über unser Verhältnis zu England eine recht günstige Beurteilung, und es wird allgemein anerkannt, daß die Kanzlerrede vom zünr= len Dezember gegenüber den Ausführungen Bethmann Hollwegs in der Rcickstagssttzung vom neunten November -ine weit stärkere Entschiedenheit in der Betonung der deutsch-nationalen Interessen erkennbar werden kaffen. So schreibt die National-Zeitung:
Wir freuen uns, daß der Reichskanzler ernste und energische Worte an die Adresse Englands gerichtet hat, die auch für das übrige Ausland gelten, soweit es nicht zu den erprobten und zuverlässigen Freunden des deutschen Reiches gehört.
Germania:
Ein erfreuliches Moment der Debatte dürfte es auch sein, daß die unnatürliche Spannung zwischen len Konservativen und der Negierung nunmehr behoben fein dürste. Noch viel erfreulicher aber ist es, drtz der Kanzler endlich d i r Worte gefunden hat, die jedenfalls auch den Wünschen der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volks Rechnung tragen.
Berliner Tageblatt:
Der Reichskanzler hat nichts von alledem entkräftet, was man in Deutschland gegen die Bethmann-Kiderlen'sche Politik vör- gebracht, aber man darf konstatieren, daß sie den Worten, die in England gefallen sind, passende und richtige Worte gegenüber gestellt hat, was immerhin etwas ist.
Der Vorwärts:
wirft dem Reichskanzler eine „Doppelschwenkung" vor: Seine Haltung gegen England war weniger friedlich, als im November, dagegen war er jetzt friedfertiger gegen die Konservativen. Die ganzen Auslassungen des Kanzlers zeigen aber, daß er nicht geneigt ist, Wege einzuschlagen, die Friede und Freundschaft dauernd sichern könnten.
Stimmen von der Seine.
(Privat-Telegram m.)
Paris, 6. Dezember.
Bei der Beurteilung der gestrigen Kanzlerrede wendet sich das Hcnvtinteresse der politischen Kreise jenen Ausführungen zu, die an die schwierige Lage erinnern, in der sich während der verflossenen Sommerwochen die französische Regierung befunden habe. Mehrere, dem Minister de? Aeußern nahestehende Deputierte bemerken hierzu, daß der Reichskanzler diese heiklen Punkte mit einer dankenswerten Diskretion behandelt habe. Die energische Betonung der Großmachtstellung Deutschlands und sein fester Mllen, sich durch keinerlei Hindernisse von seiner großzügigen Politik ablenken zu lassen, hat hier unleugbar starken Eindruck gemacht.
buZIauL« nnd die Kanzler-Rede.
(Privat-Telegram m.)
London, 6. Dezember.
Die Rede des Reichskanzlers, die hier mit Spannung erwartet wurde, erschien in den gestrigen Abendblättern nur in ganz kurze» Auszügen und ohne Kommentar«. In den Galerien des V a rlam«nts aebäu d es bildete sie
den ausschließlichen Gegenstand des Jntereffes. Man erwartet von ihr, daß sie den Weg zu einer künftigen besseren Verständigung zwischiil. den beiden Regierungen ebnen Helsen werde. Die Morgenblätter bespreche» die Rede t-.'t deutschen Reichskanzlers sehr eingehend. Die „Times" schreiben: Das Ernste an der Rede sei, daß der Kanzler mit keinem Worte der Pflichten gedacht habe, die England, durch seine Verträge gebunden, Frankreich gegenüber zu erfüllen gehabt habe. Diese Verpflichtungen aber seien für England der Hauptpunkt bei den Marokkoverhandlun- gen gewesen.
Jer VbenLeurer als Wion.
„Hauptmann Grosse": Ein Betrüger!
Wie wir schon kurz berichtet hoben, ist in Portsmouth (England) ein angeblicher deutscher Spion, ein „Hauptmann Heinrich Grosse", verhaftet worden. Er wird beschuldigt, seit Mitte November unter dem Namen Meredith in einer obsturen Straße zu Southsca bei Portsmouth gewohnt zu haben, um geheime, dem Feind nützliche Informationen zu erlangen. Die Verhaftung wurde von der hauptstädtischen Polizei, die den Dockhof bewacht, vorgenommen. Nach einer anderen Behauptung sollte Grosse Kapitän der deutschen Marine sein. Er wurde dem Polizeigericht vorgeführt. Ueber die dem Verhafteten zur Last gelegten Straftaten wird berichtet:
London, 6. Dezember.
(Telegraphischer Bericht.)
Ter unter dem Verdacht der Spionage verhaftete Deutsche, dessen Name auf der Anklageschrift mit Heinrich Grosse angegeben wird, wurde gestern dem Polizeigericht in Portsmouth vorgeführt. Der Staatsanwalt sagte, das Verfahren sei auf Grund des Gesetzes über den Verrat von Geheimnissen ein- geleitet worden. Der Angeklagte sei ein im Dienst befindlicher oder pensionierter Kapitän der deutschen Handelsmarine und habe sich in Portsmouth mehrere Wochen aufgehalten. Grosse soll, wie die Anklagebehörde behauptet, den Telephonisten S a l t e r vom Kriegsschiff „Vernon" ersucht haben, ihm Material und Auskünfte zu beschaffen, die nach des Staatsanwalts Ansicht offenbar Staatsgeheimnisse seien, die einer fremden Macht nicht bekannt gegeben werden dürsten. Der Angeklagte habe Satter aufgefordert, herauszufinden, wieviel Kohlen im Marinedepot von Portsmouth lagerten, auf wieviel Tonne» sich die gesamten Kohlenvorräte im Hafen beliefen und wieviel Tonnen Kohlen in den verschiedenen Häfen sich in dem Besitz von Kaufleuten befänden. Der Angeklagte suchte auch zu erfahren, wie stark die Kasernen belegt seien. Der Telephonist Satter erstattete Anzeige und wurde beauftragt, dem Angeklagten das gewünschte Material zu verschaffen. Der Ange- klagie wurde polizeilich beobachtet und abends vor der geplanten Abreise verhaftet. Das in der Wohnung beschlagnahmte Material ist noch nicht völlig geprüft.
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Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der angebliche „Hauptmann" und „Kapttän" Grosse nichts anderes als ein Abenteurer ist. Ein Telegramm aus London meldet darüber: Der als Spion in Portsmouth verhaftete angebliche „Kapitän der deutschen Handelsmarine" Heinrich Grosse ist identisch mit einem Abenteurer Grosse, der vor einem Vierteljahr die Berliner Gerichte beschäftigte. Erst im September hatte er sich vor einer Berliner Straftammer wegen Betruges, Heiratsschwindel und Unterschlagung zu verantworten. Er wurde wegen Unterschlagung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Er hat eine höchst abenteuerliche Vergangenheit und ist niemals Offizier der Kriegs- oder Handelsmarine gewesen.
Politik und Höllenmaschine.
Aus dem Sumpf politischer Korruption.
Wie wir schon nach Depeschen aus N e w y o r k berichtet haben, hat das Bekrnnt- nis der beiden Brüder Mac N a m a r a, das Timesgebäude in Los Angelos in Kalifornien in die Luft gesprengt zu haben (das Verbrechen geschah bekanntlich vor etwa zwei Jahren» der Sache der Arbeiter-Organisationen in ganz Amerika einen schweren Schlag versetzt. Es stellt« sich heraus, wie aus San Francisco telegraphiert wird, daß die beiden Brüder eine ganze Anzahl derartiger Verbrechen auf dem Gewissen haben. Sie stonde» in der Arbeiterwelt hoch i'm Ansehen als Führer der Baugewerbeorganisetionen. Wenn bei irgend einem größere» Neubau trotz des ProtesreS der Brüder Mac Ramara Leut« beschäftigt touiben, die nicht ihrer Organisation angetzörten, so pflegt« sich alsbald eine Dy
namit e r p l o s i o n zu ereignen, die daS begonnene Werk zerstörte. So terrorisierten die beiden Brüder viele Jahre lang den ganzen Westen und selbst einen Teil des Ostens, bis die „Times" von Los Angelos den Kamps mit ihnen ausnahm und mir allerlei Enthüllungen drohte. Eines Tages aber siog auch das Timesgebäude in die Luft. Die Mac Na- maras gerieten in Verdacht, das Verbrechen verübt zu haben und wurden verhaftet.
Ei» Schrei der Entrüstung
ging durch die ganze Arbeiterwelt Amerika?. Es hieß, die Kapitalisten wollten durch im» sches Zeugnis die Verurteilung der ihnen unliebsamen Agitatoren herbeiführen. Die „American Federation of Labor" mit ihren zweieinhalb Millionen Mitgliedern brachte im Handumdrehen einen Verteidigungsfonds von über zwei Millionen Mark zusammen. Samuel Gompers, der Präsident des Verbanoes und John Mitchell, der Vizepräsident begaben sich nach Los Angelos, um die Mac Namaras der Unterstützung und Sympathie der gesamten Arbeiterschaft zu versichern. Ihnen schwuren die Brüder, daß sie unschuldig seien und ohne Makel aus dem Prozeß hervorgehen würden. Nun haben sie kurz vor dem Beginn des Prozesses sich zu dem Verbrechen bekannt. Sie hatte» nicht beabsichtigt, Menschen zu töte», sondern wollten nur das Eigentum des ihnen feindseligen Blattes zerstören. Aber die Uhr in der Höllenmaschine, die das grausige Werk tun sollte, lief schneller ab, als vorgesehen war ... lief ab, ehe das Gebäude leer war, und einundzwanzig Menschen büßten das Leben «in. Ein Freund der Mac Namaras, Ortte Mac Manigal, der Zuerst als der Tat verdächtig verhaftet worden war,
verriet die beiden Brüder,
nm die eigene Haut zu retten. Die schwerste» Beweise gegen sie aber lieferte eine Frau der Polizei, namens Ingersoll, in San Francisco, die verlassene Geliebte von James Mac Na- mara. Aus ihre Angaben hin durchsuchte die Polizei ein Haus in einer Vorstadt von Jndia- napolis, das von ihnen gemietet war, und fand dort eine regelrechte Fabrik von Sprengstoffen, Bomben und Höllenmaschinen. Jetzt wußten die Brüder, daß Leugne» nichts mehr helfen könne, und in der Hoffnung, vielleicht noch das Leben zu retten, legte» sie das überraschende Geständnis ab. Die Arbeiterorganisationen in Amerika sind dadurch überaus schwer betroffen, denn die Mehrzahl ihrer Mitglieder hegte tatsächlich keinen Zweifel an der Unschuld der Mac Namaras. Jetzt sind sie zu heller Wut gegen die Brüder entbrannt und bestehen darauf, daß sie z u m Tode verurteilt werden. Die Polizei erklärt, daß viele Arbeiterführer in allen Teilen der Vereinigten Staaten, die bisher in hoher Achtung standen, an der Verschwörung beteiligt waren oder doch davon wußten und alsbald verhaftet werden sollen. Inzwischen ist (wie unS ein Privattelegramm meldet) gestern daS Urteil des Gerichts gegen die Brüder Mac Namara gefällt worden: John Mac Namara wurde zu fünfzehn Jahre n und fein Bruder James zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt. I« der Affäre stehen weitere sensationelle Verhaftungen bevor. -w-
Reichstag» Kade.
Die gestrige zweite Marokko-Debatte.
Di- SaffeUt Sleueften Nachrichten veröffent« lichten den telegraphischen Bericht über dis gestrigen ReichStagSberatungsn tu der Hauptfachs bereits in einem Teil der g eft ern abend zur Ausgabe gelangten Wummer. Ter Gesamtbericht gelangte in einem Erica- blatt zur Veröffentlichung, das gestern abend um steben Uhr auSgegeben wurde. ^Nachstehend registrieren wir die Vorgänge in der gestrigen Reichstags-Sitzung in ihrem Zusammenhang,nach dem Bericht unseres parlamentarischen Mitarbeiters.
Ter Reichstag arbeitete gestern, an seines Daseins letztem Tage, im Eiltempo und im Handumdrehen wurde eine ganze Reihe von Punkten der Tagesordnung lsSmilich in dritter Lesung) erledigt: auch die ostafrikanische Bahnvorlage, zu der auch gestern im Gegensatz zu der vorgestrigen Debatte nickt eine einzige Wortmeldung vorlag. Sämtliche Vorlagen wurden mit ganz geringen Abänderungen nach der Fassung der zweite» Lesung angenommen, auch das Gesetz über die Pe »sionsvers i- cherung der Privatangestellten. Bei diesem wurde noch in letzter Stunde Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Angestellten insofern gezeigr, als die Gültigkeit zürnen abgeschlossene Privatversicherungen bis zum fünften Dezember verlängert wurde. Um ein Uhr war alles ausgearbeitet bis auf die Marokkosrage. Man machte eine einhalbstündige Frühstückspause und ging dann gerüstet zur Marokkodebatte. Ein eigentlich „großer Tag", tote am neunten November, toar der gestrige nicht: Es herrschte kein solcher Andrang, und das Interesse hat inzwischen auch wohl etwas nachgelassen. Schabe; denn gestern sprach der Kanzler fester und wirkungsvoller als damals, wo ihm doch gewissermaßen die Hände gebunden waren. Inzwischen ist manches erledigt, was ibn früher schweige»