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Kt. 1 — 1 Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichtelk

Mittwoch, <L Dezember 191L

Vergehen, da» ja auch unser Dasein bestimmt, und dessen jSher Wechsel in jedem Jahr vier­mal unsere Seel« jubeln und ttauern läßt. Und e- würde die Trauer um daS Gewesne sich wie ein Bann um Herz und Seele legen, wenn nicht die süße Gewißheit durch das Dunkel der Dezembertage blitzte, daß die Zeit der abnehmenden Sonne, des Niedergangs und de- HinwelkenS nun bald überwunden and von ferne schon des Sonnenfrühlings -rster lichter Sttahl zur Sehnsucht sroh herübergrüßte. Die Hoffnung, di« den Men- chen von der Wieg« bis zum Grabe geleitet, ührt ihn auch durch der Dezembernebel feuchte Schwaden und verklärt die Oede des grauen stagS mit jener Zuversicht, die der Dichter in dem schönen Wort vom Frühlingwerden of­fenbart. Sogar Li« Kirche hat dieser Stim­mung Rechnung getragen, indem sie das schönste der Feste, die Weihewacht, grade in die Zeit verlegte, ■ da der Kampf zwischen Herbst und Winter beendet und den finstern Nebeltagen spätherbstlicher Traurigkeit die blinkende und glitzernde Lust winterlicher Här­te folgt: Gewissermaßen der Uebergana vom Welken und Sterben zum jungen, neu sich re­genden Leben! Und wie traulich ist's, wenn in den Nebeltaaen des Dezember abends Lichtlein neben Licktlein in tausendfacher Zahl ausflammen, fröhlich durch die dunstig-nasse Nackt blinzeln, und vom stillen Glück am hei­mischen Herd vielsagend Kunde geben. Die drei Woche vor dem Fest sind, mag draußen auch der Sturmwind heulen, mag der Nebel wie ein graues Gespenst durchs Tal des Le­bens fluten, oder der Regen eisige Ströme zur Erde niederrauschen lassen, die Tage der tau­senderlei Heimlichkeiten, der frohen Sehnsucht und des Glückerhosfens, und wenn dann abends der Lampe trauter Schein die Trauer von der Last des NebelmeereS alltagiger Sor­gen befreit, fpürt auch der Freudenarme im HerzenSinnern «in zartes Rühren: Das Seh­nen sonnenheller Tage, die weder Sturm noch Rebel kennen . . .1 °»n>

Der Bund t»f. Beamten.

Ein sehr zahlreiches Publikum batte sich gestern abend auf Einladung des Bundes technisch-industrieller Beamter im großen Saale des Palals-Restaurants zu einem Vorträge des Herrn Dr. Breitscheid einge­funden, der über das Thema: „Staatsbür­gerliche Freiheit und wirtschaft­licher Zwang" sprach. Der Referent schil­derte zunächst die Verhältnisse im Mittelalter. Die strengen Bestimmungen der Innungen und Gilden machten eine Ausübung des Koalitions­rechtes unmöglich. Erst das 19. Jahrhundert brachte eine Aenderung; mit den rückständigen mittelalterlichen Traditionen und Wirtschafts­formen wurde gebrochen, an Stelle der Gebun­denheit des Einzelnen trat Freiheit. Die wirt- fchafüichttechnische Umwälzung fühtte von Eng­land über Frankreich nach Deutschland. Aber der Einzelne konnte seine Kräfte nicht frei ent­falten; um die Schwäche der Position des Ar­beitnehmers zu heben, schloß man sich zu Koa­litionen zusammen. Wie in England die ge­nossenschaftlichen Bestrebungen eines Robert Oson bekämpft wurden, fo war dies nicht min­der in Deutschland der Fall, bis in die Mitte der vierziger und fünfziger Jahre des 19. Jahr­hunderts, Erst in den sechziger Jahren ging man an eine Besserung der Koalitionsverhält- niffe heran.

Ein Zusammenschluß der Arbeitnehmer war dringend geboten, da ja anstelle der klei­nen Betriebe immer mehr der Kapitalismus Großbetriebe schuf; zwei Wege gab es für den Arbeiter und den Angestellten im technischen Betriebe: Koalition und Einareffen des Staa­tes durch die sozialpolitischen Gesetze, die zu Anfang der achtziger Jahre vorbereitet wurden. Der Staat war bemüht, eine wirtschaftliche, kulturelle Besserung für die Arbeitnehmer her­beizuführen. Sozialpolitik darf man nicht mit dem Christcntume, überhauvt mit reliaiösen Ueberzeugungen, verquicken; die soziale Reform sei kein Geschenk des Staates, sondern sie sei ein Recht, auf das die Wirtschaftsobjekte eine Anmaßung besitzen. Arbeitnehmer und Ange­stellte hätten wirtschaftlich die gleichen Inter­essen zu bertreten, wenn wohl auch nach außen Unterschiede in Herkunft und Bildung bestehen mögen. Leider sei die Tatsache nickt "zu verken­ne, daß es in der Klasse der Angestellten viele Personen gebe, die sich nickt mit den Arbeitern auf den gleichen Boden stellen wollen. Für den Angestellten gibt es keine anderen Mittel, als für den Arbeiter, um gegen das Rentner- tum und den Kapitalismus zu Felde zu ziehen.

Erst der Zusammenschluß zu einer solchen zielbewußten Organisation bringt beide auf ein höheres Niveau. An die Seite der Staatshilfe bat die Selbsthilfe zu treten: Organisationen, bi« wissen, daß sie gewerkschaftlich an die Seite der Arbeiter gehören. Großer Beifall wurde dem Redner für feine interessanten Ausführun­gen zuteil. In der Diskussion vflicktete unter anderen bet von der fozialdemokratiscken Par­tei für Caffel-Meksungen aufgestellte Kandidat Hüttmann den Ausführungen des Referen­ten bei, verlangte aber in der Reichsversiche­rungsordnung eine Fixierung des Minimal­lohnes und der Arbeitszeit. Ingenieur Schmidt wies darauf hin, daß es notwendig sei, die vorhandenen Berufsorganisationen aus­zubauen und den Bestand zu vermehren, er forderte alle technischen Angestellten auf, dem Verbände beizutreten. Der Kandidat des Bauernbundes, H e ft e r m a n n, für den Wahl­kreis Homberg-Ziegenhain-Fritzlar, wandte sich gegen die Schutzzölle, die der Referent verur­teilt hatte. Herr Hestermann hält sie im In­teresse der deutschen Landwirtsckaft und Indu­strie für unentbehrlich. Das Schlußwort sprach Dr. Breitscheid.

Der LberneuftSdter Bezirksverem.

Der Oberneustädter Bezirksverein lder un- ßefähr 220 Mitglieder zählt) hielt gestern abend cm Vereinszimmer des „Palais-Restaurant" seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende Protfcher gedachte zuerst der verstorbenen Mitglieder Schlemming, Architekt Johan­nes Roth und Bankdirektor Friedrick Hen­kel. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht. Er hob besonders die Durch« Mrung der Opemstraße, die Beleucktuna und

Ncupflasterung der Wolssschlucht und Wil- helmsstraße hervor. Die Promenadenkonzerte seien mit Hilfe der Anlieger der Oberen Kö­nigsstraß« ebenfalls zustande gekommen. Neuerdingr fei der Garde-du-Corpsplatz mit Kaserne an «in Konsorttum übergegangen, das beabsichtige, den Platz zu parzellieren und zu bebauen, wobei lebhaft zu bedauern fei. daß dieser Platz nicht zum Bau der Stadthalle der- wandt, werd«. In der Diskussion regt Herr Schminke an, daß der Verein Stellung neh­men sollte gegen die Bebauung des Platzes an der WAhelmstraße, der auch jetzt frei liegt. Herr Dötenbier teilt mit, daß dieser Platz erhalten bleibe. Das Konsorttum sflane den Bau einer Straße vom Ständeplatz zwischen Landeskredittasse und den Privathäusern nach der Wolfsschlucht und eine andere nach der Fünffensterstraße. Ein Durchbruch durch den Stadtpark für eine neue Straße vom Stände­platz bis vor das Rathaus dürste wohl an der Kostenfrage scheitern. Der Vorsitzende schlägt vor, beim Magistrat vorstellig zu werden, da­mit dieser Platz erhalten bleibe. Nach dem von Herrn Boppenhausen erstatteten Kas­senbericht betrug die Gesamteinnahme 750.77 Mark und verblieb nach Abzug der Ausgaben ein Barbestand von 575.38 Mark. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt zum ersten Vorsitzenden Boppenhausen, zum zweiten Vorsitzen­den Justizrat Dr. Rothfels. Neu wurden gewählt Oskar Schön und Atthur Hein- zius. Beim nächsten Punkte der Tages­ordnung

städtische Wahlen

führte der Vorsitzende an, daß eine unbedingte Einigkeit notwendig fei. Es dürfe nur eine Liste aufgestellt werden und diese müsse befrie­digen. Weml eine zweite Liste ausgestellt würde, so könne man schon sagen, daß man ver­loren fei und keinen Kandidaten bei der Wahl durchbrächte. Wenn die dritte Klasse die Macht erhalte, so sei eS sicher, daß ihre Vertreter mehr verlangen würden, als Handel und Gewerbe zu leisten imstande seien. Es sei daher unbedingt erforderlich, daß man einen Kandidaten möglichst des Bezirksver­eins durchbringe. Voraussichtlich würden die Stadwerordnetenwahlen erst nach der Rrichs- ta-zswahl stattfinden. Herr Hofmann wünscht, daß in dieser einen Liste die Beam­tenschaft den Ausschlag gebe. Der Große Bür­gerverein hab« vorgeschlagen, vor allen Din­gen Personen zu wählen, die nicht für die Stadt arbeiten. Herr Holtzmann trat für die Wiederwahl des Herrn Hofmann ein und teilte mit, daß der Unterneustädter Bezirks­verein für Schiebeler den Optiker Heß und für den verstorbenen Stadtverordneten Sem­melrock Herrn Leist auszustellen gedächte. Dann wurde noch über einige Angelegenheiten beraten. Herr Franke regte die Frage der Errichtung einer Bedürfnisanstalt in der oberen Königsstraße an. Herr Döteri­ll ier teilte mit, daß man das Bedürfnis eines solchen Häuschens seit langem erkannt habe. Die Errichtung am Friedrichsplatz sei aber sei­nerzeit an der Versagung der Bauerlaubnis durch die Baupolizei gescheitert. Herr Hof­mann wünscht, daß sich der Verein einmal ins Mittel lege, um noch mehr Ruhebänke auf beut' Friedrichsplatz zu erhalten. Nachdem Herr Holtzmann der Frage der Errichtung eines Sch w i m m h a l l e n b a d e s näher getreten war, und die Bitte ausgesprochen hatte, für die Errichtung desselben im hol­ländischen Viertel zu fein, schloß der Vorsitzende die Versammlung. -h-

△ Hessens Landesversicherungsanstalt. Der Ausschuß der hiesigen Landesversicherungsan- stalt wird am Donnerstag und Freitag in fei­nem Sitzungsfaal (Hohenzollernstraße 44) zur ordentlichen Jahresversammlung zusammen­treten. Auf der Tagesordnung stehen die Wahl des Vorsitzenden des Ausschusses, dessen Stell­vertreters, der beiden Beisitzer und des Sckrift- führers. die Prüfung und Abhörung der Rech­nung über die Einnahmen und Ausgaben der Versicherungsanstalt für das Jahr 1910 fowie Genehmigung der erfolgten Ueberfdjreitungen des Haushaltsplans, die Feststellung des Haus­haltsplans für das Jahr 1912, ein Vortrag über die Aenderungen, die durch die Reichs­versicherungsordnung auf dem Gebiete der In­validenversicherung eingeführt sind, die Be­schlußfassungen über die neuen Satzungen der Landesversicherungsanftalt, die Bestellung ört­licher Kontrollbeamten, der Verwaltungsbe­richt für das Jahr 1910, die Erhöhung des Zinsfußes der zum Zwecke des Arbefterwoh- nungsbaues ausgeliehenen Darlehen (Verfü­gung des Reichsversicherungsamtes), die Wahl von Arbeitervertretern zur Mitwirkung bei Be­ratung von Unfallverbütungsvorschriften ge­mäß § 114 des Gewerbeunfallversicherungsge­setzes und die Wahl von Schiedsgerichtsbei­sitzern.

A Ein verspäteter Sommergast. Ein Leser in Rothenditmold schreibt uns. daß er gestern auf dem Wege nach Harleshausen einen bunten Schmetterling gesehen und ihn eingefangen habe. Ob der verspätete Sommergast die Ueber- winterung in Rothenditmold ansbalten wirb?

A Diebesgeschichten. Heute ftüh wurde einem Bäckermeister in der ’ Sckillerstraße ein Korb mit Brötchen gestohlen. Der Dieb konnte nicht ermittelt werden — Ein fremder Mensch Ühr mit einem am Küniastor stehenden Fuhr­werk davon. In der Murhardsiraße ließ er den Wagen sieben und machte sich mit einem Eßwaren enthaltenden Korbe aus dem Staube.

A Das Kurpfuschergesetz. Von unferm parlamentarisch en Mitarbeiter wird uns geschrieben: Zu den Vorlagen, die der alte Reichstag unverabsckicdet läßt, gehört auch der Entwurf zur Beseitigung von Miß- täuben im Heilgewerbe (Kurpfuschergesetz). Wie es heißt, ist nicht beabsichtigt, diesen Ent­wurf dem Reichstag in seiner nächsten Session wieder vorzulegen. Die Materie soll nochmals im Reichsamt des Innern einer Bearbeitung unterworfen werden, um festzustellen, ob eine anbertoeitige Behandlung der Materie möglich erscheint.

A Wer hat den Mann gesehen? Seit Don­nerstag voriger Woche wird ein Mann (an- angs der dreißiger Jahre) aus der Obersten Gasse 10. vermißt. Es wird vermutet, daß ihm

ein Unglück zugestoßen ist. Bekleidet ist der Vermißte mit dunkler Hose und blauem Jackett und Weste, ftetfem schwarzem Hut und Cape.

△ Die neuen Rektoren. Am dreißigsten November und am ersten Dezeucker hat die Prüfung für Rektoren vor der Prüfungskom­mission des königlichen Provingiab-Schulkolle. gtumS ftattgefunben. Elf Herren erlangten die Berechtigung zur Leitung von Volks- bszw. von Mittelschulen. Von denen, die die Prü­fung bestanden, waren vier Cassölaner, nämlich die Herren Gersch, Gonnermann, Heinemamt und Kühnemuth.

Ä AuSbildungSkurs« für die Mittelschul- lehrerprüfung. DaS Königliche Provinzial- Schulkollegium in Cassel beabsichtigt auf Anregung deS Kultusministers die Einrich­tung von Kursen zur Ausbildung von Mittel- schullehreru. Die Kurse sollen in Cassel und Frankfurt a. M. stattfinden. Es wird daher zurzett an den hiesigen Bürgerschulen Umsra- ge gehalten, wieviel Lehrer sich zur Teilnah­me an dem Kursus, der zwei Jahre dauern soll, melden. Es werden von verschiedenen Dozenten Vorträge gehalten über Pädagogik, sowie zwei weitere Lehrfächer, in denen die Mittelschullehrerprüfung abzulegen ist. Am Schlüsse des Kursus können sich die Teilneh­mer vor einer Prüfungskommission, zu der auch die betreffenden Dozenten herangezogen Werden, der Mittelschullehrerprüfung unter­ziehen. Eine Verpflichtung zur Ablegung der Prüfung besteht nicht, da die Teilnahme am Kursus allen Lehrern gestattet wird. Die ent­stehenden Kosten für Honorierung der Dozen­ten werden von den Teilnehmern aufgebracht. Mit Rücksicht auf die Teilnahme der Lehrer ans Cassels näherer Umgebung und der Schul­zeit auswärtiger als auch hiesiger Lehrer wer­den die Vorträge meist nachmittags stattfinden.

A „Die Kuh des atmen Mannes". Am kommenden Montag findet im hiesigen Kreis- Haufe eine Besprechung einzelner, die Zie­genzucht und die Ausführung des Zie- genbockhaltungs-Gefetzes betreffen­der Fragen statt. An dieser Besprechung kön­nen die Vorsitzenden (oder deren Vertreter) von Ziegenzuchtgenossenschaften oder -Vereinen, so­wie einzelne Interessenten teilnehmen.

A Körperverletzung mit Todeserfolg. Heute hatten sich die neunzehnjährigen Erdarbeiter Stanislaus B a l c e re ck aus Chewez (Ruß- land und Stanislaus D e f f i n S11 aus Mecke­rei, in Oesterreich vor dem Schwurgericht we­gen gefährlicher Körperverletzung mit Todes- erfolg zu verantworten. Der Vorfall, der der Anklage zugrunde liegt, hat sich in einer Wirt­schaft in Sachsenhausen abgespielt. Dort wa­ren die Angeklagten mit einem gewissen Co- lornbe in Streit geraten und hatten ihn so mißhandelt, daß er nach einiger Zeit starb. Auf Grund der Beweisaufnahme sprachen die Ge­schworenen beide Angeklagte schuldig. Das Ur­teil lautete auf je ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersu­chungshaft.

A Ein neuer Militärverein. Im Hotel Hotel Mans wurde ein Verein ehemaliger Angehöriger des vierten Unterelf äffischen In­fanterie-Regimentes 143 gegründet. Der Ver­ein will treue Kameradschaft zu Kaiser und Reich pflegen und es den Kameraden ermög­lichen, daß sie an dem Regimentsjubiläum im Jahre 1915 im geschlossenen Verein teilnehmen können. Es wurde ein provisottscher Vorstand gewählt und beschlossen, am 17. Dezember die nächste Versammlung abzuhalten. In dieser Versammlung soll der endgültige Vorstand ge­wählt werden. Dem Obersten des in Sttaß- burg liegenden Regimentes ist von der Ver- ehtSgrünbung telegraphisch Mitteilung gemacht worden Der Oberst hat in einer Antwort seine Glückwünsche und Freude übet die Ver­einsgründung übermittelt.

A Der Unterhaltungsabend bet Guttempler. Die Guttempler - Loge „Chasalla" Nr. 659 veranstaltete am Sonnabend im gro­ßen Saale des Kaufmannshauses eine Abend­unterhaltung, die sich eines überaus zahlrei­chen Besuchs erfreuen konnte. Eine Fülle guter Vorträge verkürzte den Abend. Der Vorsitzende Oberlehrer Dr. Schläger begrüßte die An- wefenden auf das herzlichste und ließ sich kurz über die Zwecke und Ziele der Loge aus. In bunter Reihe wechselten dann Gesangsvorträge und andere Vorführungen miteimmber ab: befonders zu nennen sind die Vorträge der Ge- sangsgruppe des Kauftnännifchen Vereins für weibliche Angestellte. Ein Tänzchen hielt die Teilnehmer bis zum frühen Morgen zusammen.

A DaS Weiter am Mittwoch. Der amtliche Wetterbericht sagt für Mittwoch für Hessen- Nassau folgende Witterung voraus: Meist trübe, Niederschläge, ziemlich mild,' zeitweise etwas lebhaftere südwestliche Winde.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Marotta Tag im Reichstag!

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Berlin, 5. Dezember.

Tic heutige Sitzung des Reichstages war, wenn man die frühe Stunde berücksichtigt (bas Haus war bereits um zehn Uhr zusam­men), von Anfang an ziemlich gut besucht. Nachdem der Präsident, Graf Schwerin-Löwitz, um einviertel elf Uhr die Sitzung eröffnet hatte, wurden die ersten fünfzehn von den ein­undzwanzig Gegenständen der Tagesordnung im Handumdrehen ohne jede Diskus- f j o n erledigt. Es waren Petitionen, Rech­nungsfachen. militärische Strafrechtspflege im Kiautschou-Gebiet, Handel-, Auslieferungs- Konfulatsverträge mit Japan und Großbri­tannien und das Gesetz betreffend die Eisen- bahnbanten im westafrikanischen Schutzgebiet, bei dessen zweiter Beratung sich gestern die Beschlußunfähigkeit des Hauses herausgestellt hatte. Heute wurde die Vorlage nicht nur in zweiter, sondern auch gleich in dritter Lesung ohne ein weiteres Wort angenommen. Erst bei den dritten Beratungen des Hausarbeits- gesetzes, der Novelle zur Gewerbeordnung, des Entwurfs über Aushebung des HilfSkassen­

gesetzeS u. der Begründung von AbSnderrmgSan. trägen, denen grundsätzliche Bedeutung nicht beizulegen ist, enffpamien sich kurze Debatten. Beide Gesetze wttrden angenommen. Hieraus erfolgte die dritte Beratung deS Angestellten- versichenmgSgesetzeS. Hierbei fand eine Gene­raldebatte statt, in der zuerst der fozialdemo- kratische Abgeordnete Hoch das Wort ergriff. Die Namen der Redner, die für die Ma- rokkodebatte die heute nachmittag um zwei Uhr beginnen soll, sind bis jetzt: Gras W e st a r p, Freiherr von Hertling, Bassermau«, Schröder und Bebel.

Tripolttanische Sensatiouenr

x (Privai-Telegramm.)

London, 6. Dezember.

Die „Daily News" teilen mit, daß in der vergangetten Nacht plötzlich der telegraphische und telephonische Dienst nach Italien über Frankreich und die Schweiz auf Befehl der italienischen Regierung eingestellt wurde. Es lasse sich daraus schließen, daß sich etwas sehr Interessantes in Tripolis er­eignet habe, das die italienische Regierung zuerst und auf ihre eigene Weise anzukündigen wünsche. Auf der Börse ging gestern das Ge­rücht um, daß der Friedensschluss zwi­schen Rom und Konstantinopel dicht bevörstehe. Eine Bestätigung des Gerüchtes sieht man darin, daß die Lieferungen von Kohlen für die italienische Marine und die Eisenbahn wieder auf daS normale Mass herabgesetzt worden sind.

Tripolis, 5. Dezember. '(Privat- Telegramm.) Gestern nahmen die italieni­schen Truppen A i n z a r a, den Mittelpunkt des Widerstandes der dort konzentrierten regu­lären türkischen Truppen, im Sturm und erbeu­teten acht Kanonen, Munition, Zelte und Vor­räte. Damit ist Tripolis und die Oase frei und diese Periode deS Krieges schliesst. An derselben Stelle wird nunmehr der einfache Guerillakrieg beginnen. Der Kampf begann gestern früh sSchs Uhr mit Beschiessung der Oase östlich von AmruS durch die italienische; Flotte, wo die Avantgarde und Kavallerie um acht Uhr in Fühlung mit dem Feinde sich be«j fand, der sich hinter den Dünen verbarg.

a Römische Sommer Märchen. |

Privat. Telegramm: H ■ " Genf, S. Dezember. \

DaS „Journal de Geusve" verzeichnet in einem Leitartikel Übei; den türkisch-italienischen Krieg eine Version aus Rom, die von einem angeblich informierten hochgestellten Italiener stammt. Dieser versicherte, dass Ende dieses Sommers ein bekannter franzö­sischer Diplomat den italienischen KabinettS- chef auf die Absicht Deutschlands auf­merksam machte, die darin bestanden haben soll, zwar nicht Tripolitanien, aber die C Y - renaika zu besetzen. Diese Information deS französischen Diplomaten hatte angeblich ihre« Ursprung aus englischer Quelle. Ministerprä­sident Giolitti soll hierauf den Kriegs- und Marineminister zu sich b cf (hieben und an diese die Frage gerichtet haben, in welcher Zeit die Armee und die Flotte für eine Expeditton nach Tripolis bereit sein könne, deren Pläne von dem Generalstab längst ausgearbeitet worden seien. Der Kriegsminister habe versichert, die Armee könne in zwei bis drei Wochen schlag- serttg fein, der Marineminister meinte, die Flotte könne innerhalb achtundvierzig Stunden unter Dampf stehen. Auf Grund dieser Unter­redung fei die sofortige Ausführung der Expe­dition befchloffen worden. (Die Erzählung des „hochgestellten Italieners" Hingt zwar etwas märchenhaft, ttotzdem ist eS nicht ausgefchlos-! fen, dass sich tatsächlich A e h n l i ch e s ereignet h«t.) ....

Die Kolonialkrise bleibt!

Köln, 5. Dezember. (Privat-Tcle- gramm.) Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin telegraphiert, dass das Staats- Sekretariat des Reichskolönialamtes vor den Wahlen nicht mehr definitiv besetzt werden soll. Die Nachricht von der Berufung des Gouverneurs Freiherrn von Rechenberg fcheint sich demnach also nicht zu bestätigen.

Unter Trümmern begraben!

Königsberg L Pr., 5. Dezember (Privat-Telegram m.) Bei den Arbei­ten zur Abtragung der Festungswälle am Trag- Heimer Tor wurden heute früh durch zusam- menbrechende Erdmasten vier Arbeiter verschüttet. Einer wurde getötet zwei schwer und einer leicht verletzt. '

Die Droschkenkutscher demonstrieren.

Königsberg, 5. Dezember. (Prk- Vat-Telegramm.) Heute früh haben hier die Taxameter- und Automobildroschkengefchäf- te ihre Tätigkeit eingestellt, um dadurch gegen die in der letzten Zeit verfiigten und als beson­ders hart embfunbenen polizeilichen Vorschristen zu protestieren. Es wurde eine aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern be= testende Kommission gebildet, die wegen der Rücknahme der polizeilichen Verfügungen vorstellig werden soll.

Tumulte nach der Katastrophe.

Konstantinopel, 5. Dezember. (Prf« vat-Telegramm.) Nach einer amtlichen Depesche hat die Explosion in der Moschee zu Jstip unter der muselmanischen Bevölke­rung eine derartige Aufregung hervoraerusen, dass es zu Tumulten kam, in deren Verlaus zwölf Per fönen getötet und zwan­zig verletzt wurden.

Die „Spionitts" in England.

London, 5. Dezember, (fß r i b a f«5 e • legramm.) Reuters Bureau berichtet aus Portsmouth, daß dort heute früh ein deutscher Offizier» der verdächtig ist, Spionage getrieben zu haben, sestgenom- men worden ist. Es soll sich um einen Haupt­mann namens Heinrich Groß handeln. Di« Spionage soll in Cowes erfolgt fein.

Äk hUlW Rmnikk MWMeilen.