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Weier Neuch Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

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Mittwoch, 6. Dezember 1911

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 2.

Fernsprecher 951 und 952.

uns berichtet:

Siel, 5. Dezember.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Ueber die Ursache und den Hergang des Unfalles an Bord derPreußen" erfahre ich an ai tlicher Stelle folgende Einzelheiten: ES wurde zur Hebung mit Fünf-Zentimeter-Ein.

Katastrophe a« Bord.

Explosions-Katastrophe an Bord des deutschen LinienschiffsPreußen".

Wie aus Kiel gemeldet wird, explodierte gestern nachmittag an Bord des Linienschiffes .P reust en" bei Schießübungen in der Kieler Bucht eine Granate. Diese war halb in das Rohr eingrführt, als sie krepierte. Zwei Mann wurden dabei schwer verletzt. Einem wurde ein Arm abgerissen, und der an­dere soll ein Bein verloren haben. Einem Bootsmannsmaat, der unweit des Geschützes stand, wurde das Trommelfell zerriflen. Die Telephonverbindung nach dem Schiff war ge­stört. DaS Schiff kam abends In den Kieler Hafen und die Verletzten wurden sofort ins Lazarett geschafft, Ueber das Unglück wird

eine eventuelle Erneuerung oder Auflösung der Entente Ausschluß geben. Seit der letzten Wo­che stehen die Monarchen der drei beteilig­ten Länder in einem regen Briefwech­sel, der die Frage der Erneuerung des Drei­bunds zum Gegenstand hat. In römischen di­plomatischen Kreisen sind die Meinungen dar­über sehr geteilt, da manches Für und Wider hoher einflußreicher Persönlichkei­ten in Betracht gezogen werden mutz, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werden kann. Mit Bestimmtheit läßt sich augenblicklich nur sagen, daß die Zukunft des Dreibunds vor­läufig nicht vorauözufehen ist. Daß die Aus­sichten für feine Erneuerung besonders gün- st i g feien, kann indessen niemand be­haupten.

Frrmz Joses «nd Franz Ferdinand.

Ein Prtvat-Telegramm meldet uns aus W i e n: In hiesigen eingeweihten Kreisen verlautet, datz es in der Audienz, die der Erz­herzog-Thronfolger Franz Ferdinand am Sonnabend gleich nach Erscheinen der kai­serlichen Harchschreiben an den scheidenden Generalstabschef Konrad von Hötzendorff und seinen Nachfolger, den Feldmarschall-Leutnant Ritter von Schemua, bei Kaiser Franz Jo­seph hatte, zwischen diesem und dem Thron­erben zu einer erregten Aussprache gekommen sei. Erzherzog Franz Ferdinand sei sofort nach der Audienz nach Ungarn auf die Jagd gefahren. Der Monarch habe sich durch die überstandene Aufregung etwas angegriffen gefühlt, worauf Wohl auch die Gerüchte über des Kaisers Erkrankung in der Pariser Presse, besonders im iMattn" zurückzufübren sein durften. Der Gegensatz zwischen dem Thronfolger und dem Grafen Aehrenthal wird in der Presse ohne allzu heftige Aufregung besprochen. Selbstverständlich gibt es auch wieder, kluge Leute, die eine d futsche I r. t r i g « e hinter dem Vorfall suchen. So wis­sen einige Blätter zu melden, daß hinter dem äußerlich auchetzenden Artikel der Wiener Zei­tungReichSpost" der deutsche Botschaf­ter, Herr von Tschirschkv. stehe. Daß diese Nn terstellung rein tendenziöser Art ist, bedarf kaum eines Hinweises.

A n g st und Qual, dieselbe stumme Bitte um Erbarmen. Der Wagen hält auf der Stratze vor den Gruppen; ein Araber betastet die Kör­per. Der dort regt sich nicht mehr, man wirft ibn auf den Wagen. Drei Tote liegen neben­einander. Dann entdeckt man eine junge Frau, die von drei kleinen Kindern umgeben ist. Sie ist noch nicht tot, aber so gut wie tot: Sie hat nicht einmal die Kraft mehr, eine Be­wegung zu machen. Wie eine Feder wirft der Araber sie auf die drei Leichen, die auf dem Wagen liegen; mit einem kaum vernehmbaren leisen Schmerzenston fällt sie wie eine leblose Masse hin, während die Kinder wimmernd nach ihr rufen . . . Ein paar Augenblicke spä­ter liegen aus den ersten drei Toten sieben an­dere Leichen; an der Straßenecke legt man noch eine dazu und stopft sie in den Haufen hinein, damit sie nicht Heruntersalle. Jetzt ist der Wagen voll; er jagt zu einem im Herzen der Stadt gelegenen Fuduk, wo die Lebenden ab­teigen und die Toten hinuntergeworfen wer­den. Bald darauf kommt ein anderer Wagen, um die Leichen zum Friedhof zu bringen. Solche Arbeit, wie die hier geschilderte, ver­richten seit einem Monat täglich zehn Wagen. Daß (wie italienische Blätter hervorheben) die Sterblichkeit abnimmt, ist unter solchen Umstän­den wohl begreiflich: Die Zahl der Lebenden, die noch sterben könnten, ist nicht mehr groß...

Dr. M. S.

Depeschen vorn Kriegsschauplatz. (Privat-Telegram m.)

Tripolis, 5. Dezember.

Der Widerstand der Türken und Araber dauert auf der ganzen Linie fort. Täglich fin- den Gefechte statt. Tie Türken scheinen an Munition keinen Mangel zu haben und auch starke Zufuhr zu bekommen. Ein griechi­scher Dampfer wurde, von der tunesischen Küste kommend, gestern früh aufgefangen, als er unter dem Schutz eines Nachtangriffes der Araber Vorräte und Munition auslud. Die Folterung italienischer Soldaten durch Türken und Araber wurde durch die ärzt­liche Leichenschau bestätigt. Einige Soldaten scheinen sogar bei lebendigem Leibe geröstet zu sein. Die Entrüstung über diese Greuel ist allgemein. Man nimmt jedoch an, daß die Unmenschlichkeiten nicht (wie behauptet wurde) durch militärisch organisierte Araber unter türkischen Offizieren, sondern durch fa­natische S t ä m m e aus dem Innern began­gen worden sind.

Kasseler ßaadwerkervolM.

Geheimrat Dr. Schröder und der Mittelstand.

Gestern abend fand im Restaurant Schaubs Garten eine Versammlung der Ortsgruppe Cassel des Bundes der Handwerker statt, in der der Kandidat der Nationalliberalen für den Wahlkreis Cassel-Melsungen auf Einladung das Thema:Das Programm der na­tionalliberalen Partei und das Handwerk" erörterte. Vorsitzender Schneider- Obermeister Koch, teilte zunächst mit,

daß das Hand werk des Fürsten­tums Waldeck sich auf den natio- nalliberolen Kandidaten Varn- * Hagen geeinigt habe, da sich dieser

auf den Boden des Handwerkerprogramms gestellt habe.

Dann besprach Geheimrat Schröder die vom ^indwerkerbund aufgestellten Forderun­gen eingehend. Aus den Ausführungen fei folgendes entnommen: Der Handwerkerbund habe an der Spitze seines Programms den Satz stehen, datz er keine Rücksicht auf die Par­teiangehörigkeit der Parlamentarier nehme. Das sei ein richtiger Standpunkt, da es dem Handwerk einerlei sein könne, von welcher Par­tei ihm Hilfe komme. Der Redner erklärt, datz er sich seit einer Reihe von Jahren mit Hand­werkerfragen beschäfsigt habe und in dieser Be­ziehung auch der Sprecher der Fraktion int Ab­geordnetenhause gewesen sei. Auf dem in Cassel abgehattenen Parteitage habe er über Mittelstandsfragen gesprochen und ihm seien von seiner Partei keine Grenzen gezogen wor- den. Er könne bei der Beantwortung der Fra­gen auch gleichzeitig erklären, wie er nch prak­tisch zu ihnen gestellt habe. Den Erlaß eines Gesetzes zur

Errichtung eines Handwerksregisters und die obligatorische Gesellenprü­fung könne er unterstützen, ebenso wie er für die Beseitigung des Paragraphen 100 q der Gewerbeordnung sei. Die weiteren Forderun­gen beträfen die Umänderung des Handwerks- gesetzes und die Einführung einheit­licher Pslichtorganisationen, die Einführung eines allgemeinen Befähi­gungsnachweises (gegen den der Red­ner einige Bedenken geltend machte), seiner die Einführung der staatlichen Alters- und Le- bensversichemng für das Handwerk. Bei der Beurteilung der Frage der Heranziehung der Großbetriebe zu den Beiträ­gen der Handwerkskammern und zur Lehrlingsausbildung komme die gegenwärtige Rechtslage in Betracht, die äußerst perworr-n

Die Kleine bemüht sich, ihre» fleischlosen Arm hochzuheben; sie streckt uns ihr Händchen hin und fleht um einen Bissen Brot, denn sie stirbt vor Hunger. Neben ihr kauert un­ter einer schmierigen Matte eine alte Frau; sie bewegt sich noch ein wenig, aber man merkt, daß das Ende nahe ist. Und auf allen diesen Gesichtern liegt derselbe Blick von unsäglicher

fatzrohr geschossen. Als das betreffende Geschoß : in das Rohr gebracht wurde, explodierte < die Patrone, ehe der Verschluß vollständig geschloffen war. Der Feuerstrahl schlug nach hinten aus dem Rohr heraus und dadurch wur- ( den zwei Leute verletzt. Einem Matro- - feit wurde der Arm abgeriffen, bet an- bete erlitt einen Oberfchenkelbruch. Die i Preußen" unterbrach sofort die Schießübungen 1 und dampfte mit bett Verwundeten nach Kiel. ' Nachdem das Schiff an seiner Boje festgemacht : hatte, wurden bi* Verwundeten im Beiboot nach der Hansabrücke gebracht und alsdann mit- . tels Samatckterwngens ins Marinelazarett überführt. Dort wurde sofort eine Ope­ration vorgenommen. Das Befinden der jungen Matrosen, die beide dem letzten Jahr­gang angehören, war heute morgen den lim- ständen nach befriedigend. Lebensgefahr liegt nicht vor. Nach Lage der Sache ist anzu­nehmen, datz irgend eine Unvorsichtig­keit beim Festmachen des Geschützrohr-Ver­schlusses bas Unglück herbeigeführt hat. Dem Kaiser würbe über den Vorfall sofort tele­graphisch Bericht erstattet.

SchrMmMder aus MMlis.

Krieg, Cholera, Hunger und Not.

Aus Paris wird unS geschrieben: Der Kriegs-Korrespondent des .Journal , Christian Houd, schildert in seinem Blatt die entsetz­lichen Szenen, deren Zeuge er auf dem tripott- tanischen Kriegsschauplatz war: Länger als einen Monat (schreibt er) lastet nun auf Tripo­lis das Joch der italienischen Herrschaft. Man müßte daher wohl eine Bilanz der Toten auf­stellen können, aber man hat es noch nicht ge­tan: Die italienischen Behörden schrecken ohne Zweifel vor der gewaltigen Menschenleben- Hekatombe zurück. Man schätzte die musel­manische Bevölkerung von Tripolis vor der Er­oberung auf vicrzigtausend Seelen; zehntau­send und vielleicht noch viel mehr wird man setzi bn'ivön abziooen müssen. 'Dio LelcheNf wagen, die täglich durch die Straßen fahren, um die Toten und die Sterbenden aufzuneh­men, find immer voll. In den ersten Tagen der Besetzung reichten sie nicht einmal aus, und der Leiter des ärztlichen Dienstes konnte da­mals sagen: .Ich muß Tote auf den Straßen liegen lassen, da wir nicht alle mitnehmen kön­nen" Täglich starben an vierhundert Perso­nen. Man hat diese große Sterblichkeit der Eingeborenen auf Rechnung der Cholera ge­setzt; in Wirklichkeit aber sind die meisten Hun­gers gestorben. Ein großer Teil der Bevöl­kerung von Tripolis lebte frittier im Palmen­hain; von dort wurde er infolge der blusigen Ereignisse der letzten Zeit verjagt und flüchtete sich nun in die Moscheen, die Fuduks und die Straßen der Stadt. Da sie jetzt ohne festen Wohnsitz, ohne Kleidung, ohne Brot und (was das schlimmste ist) ohne Wasser waren, mußten die unglücklichen Bewohner der Stadt durch Krankheit oder Erschöpfung zugrunde gehen. *

Die italienischen Behörden hatten wohl ein Krankenhaus für etwa hundert Kranke einge­richtet, aber Ts erwies sich bald als zu eng; zu Hunderten fielen die Menschen auf den Straßen, und die Moscheen und, die Fuduks, von denen es in der Stadt so viele gibt, ge­nügten bald nicht mehr, nm die Sterbenden aufzunehmen. Von den täglichen Brotvertetlun- gen hatte nur eine kleine Anzahl Bevorzugter Nutzen; die andern alle, die großeMasse, suchten sich aus dem Straßenkehricht Küchen- absälle heraus. Als die Hunde von Konstantt- nopel auf eine einsame Insel verbannt und dort dem Hungertode preisgegeben wurden, erhob sich in ganz Europa ein Sturm der Ent­rüstung: Um die Tausende von Einwohnern des Palmenhains von Tripolis aber, die einer nach dem andern vor Hunger verendeten, küm­merte sich kein Mensch. Die Sonne scheint hier so schön, die Häuser sind hier so buntfarbig und, lebendig, daß man gegen die grauenvollen To- deskämpfe, von denen man umgebe» ist, voll­ständig unempfindlich bleibt. Ich begleitete gestern einen der düsteren Wage» des 2.odes auf feinen Fahrten durch die Stadt. Jeden Morgen fahren diese Wagen so durch die «stabt, um die Jagdbeute des TodeS einzusammeln, wie etwa bei uns die Müllwagen den aufge- fpeicherten Straßenkehricht abbolen. In der Straße, in der sich die französische Sveisewirt- schast befindet, liegen unter bett Arkaden der Ladenreihe an hundert menschliche Gestalten in ; schmierigen Lumpen und unter allerlei Stra­ßenschmutz ; es geht von ihnen ein pestilenziali- scher Gestank aus. Aus einem Haufen Lumpen . taucht ein Kinderkopf empor: Es ist ein ; hübsches kleines Mädchen mit schwarzen Augen, . aber Gesicht und Körper sind so abgemagert, daß sie Grauen erregen.

Sie Teilung der Erde? L

Der Orient und dieeuropäische Gefahr". < , Es mag scherzhaft klingen, im zwanzigsten Jahrhundert von der »Teilung der Erde" i zu sprechen; wenn man indessen die Expan­sionspolitik der europäischen Großmächte in ihren Zusammenhängen und praktischen Wir- 1 kungen überschaut, wird man gewahr, daß die l Teilung der Erde längst aus dem Märchen-Sta- 1 diunt herausgewachsen ist. Eben erst entrollt 1 sich vor unfernt Auge (während im afrikanischen 1 Norde» Recht und Raub noch um die Sieger- i palrne ringen) das tragische Bild einer Reich- ! und Volksvergewalsigung, deren Berechtigung nicht durch den leisesten Schein weltgeschicht­lichen Anspruchs erhärtet wird: Rußland schickt sich an, die schon so oft .berichtigte" Län­derkarte des Orients durch die Austilgung PersienS au8 der Gemeinschaft der selb fi­st andige» Reiche abermals zu korrigieren, und da der englisch-russische Vertrag ans den Herbsttagen neunzehnhundertsieben die Ein­fluß-Zone abeiidlänbischer Macht im Perser- reich sorgsam abgegrenzt und bie Interessen ber beiben früheren Konkurrenten der gefährlichen Reibungsflächen entkleidet hat, so wird nach menschlicher Voraussicht dem nach ber Japa­ner-Schlappe mählig wieder erstarkenden Za­renreich keine europäische Macht den Perser­raub ernsthaft stteitig machen. Was hilft's, daß bas Reich des Goldnen Löwen die Kulturwelt zum Beistand wider die brutale Gewalt russi­scher Willkür auf ruft; was hilft's, daß dringen­de Depeschen aus Teheran den Deutschen Reichstag um Hilfe anflehen: Europas Schick- salspunkt und politisches Schwergewicht ist nicht mehr Berlin, und England denkt über Persiens weltgeschichtliche Rechte genau , so kühl, wie vor Jahren über die heldenhaften Ideale der Duren. Der Zweck heiligt eben in der Poliiir,t,- .L u?b England und Rußland teilen sich friedlich in den Gewinn eines Gewaltstreicks, den das natürliche R-chis- emvfinden nicht anders denn als Raub be­zeichnen kann.

Ei» (schon märchenhafteress Gegenstück zur .Parzellierung" Persiens: Der Korrespondent eines Brüsseler Blattes wl-l auS englischem Di- plomatemnund erhorcht haben, daß für bie nächste Zukunft bie Aufteilung Afrikas in AuSficht stehe! En glaub hege ben be­scheidnen Plan, sich den Osten und Süden des schwarzen Erdtells zu sichern, um eine freie Verbindung mit Aegypten und Transvaal zu schaffen u. soll angeblich bereit sein, gewisser­maßen als .Aequivalent" Deutschland daS Zentrum und Frankreich den Norde» Afrikas neidlos zu überlassen.' Man erinnert sich wohl noch der Meldung, die dieser Tage flüchtig durch die Presse huschte, und die auS (wie es hieß) sichrer Quelle wis­sen wollte, Lord Haldane, ber Kriegs­minister im Kabinett Asquith, werde in den Weihnachtstagen mit einer eigens zu diesem Zweck'gebildeten Kommission kn Berlin er­scheinen, um mit den dortigen maßgebenden Stellen über ein neues, in seinen praktischen Wirkungen weitreichendes deutsch-englisches Abkomme» bezüglich AfrikgS zu verhandeln. Die Nachricht ist zwar, wies üblich ist, später als Dezembermärche» gebrandmarkt worden, aber man ist offiziösen Dementts gegenüber mit der Zeit nicht ohne Grund mißttauisch gewor­den, und es liegt also immerhin die Annahme nahe, daß die von dem Korrespondenten des Brüsseler Blattes in stark .abgerundeter" Form wiedergegebne Nachricht wenigstens ein Körnchen Wahrheit enthält. Auf der andern Seite ist sreflich zu berückstchttgen, daß eine .Aufteilung" Afrikas bei weitem kein Kin­derspiel ist, denn es gibt außer Deutschland, Frankreich und England auch noch eine statt­liche Anzahl anbrer Leute, die auf die .afri­kanische Erbschaft" Anspruch erheben. Immer- hin darf man gespannt darauf fein, was aus der hier in großen Umrissen angebeuteten .Neu- teilung der Erde" schließlich an vorläufigen Ereignissen hervorgeheu wird. F. H.

Der persische Wetterwlnkel.

Depeschen auS Konstantinopel be­richten: Aus ber Umgebung des GroßwesirS verlautet, daß die türkische Regierung in der persischen Frage nicht untätig bleiben will, sondern energisch Vorgehen wird. Es sollen nötigenfalls türkische Truppen die persische Grenze überschreiten, um die tür- kisck-u Interessen in dem benachbarte» Gebiet zu schütze». Der türkische Gesandte i» Teheran berichtet der Pforte, daß die persische Regie­rung auf die türkische Unterstützung hoffe. Ein Reutertelegramm aus London meldet, daß die ErNärungen, die in London eingetroffen find, die Annahme bestätigen, daß bie Entsenbung russischer Truppen nach Persien de» besondere» Zweck hat, Ge­nugtuung für die russischen Forderungen zu erlange», und keine Absicht einer dauernden Besetzung Persiens oder irgend einer Einmi­schung in die inneren Angelegenheiten Per­siens kundgibt, da bie russische Regierung entschlossen ist, am Geiste und dem Buchstaben des englisch-russischen Abkommens festzuhal- ten. Die Umstände, unter denen der persische Finanzverwalter, Mr. Shuster, seinerzeft auf seinen Posten berufen wurde, scheinen die ganze Angelegenheit sehr zu verwickeln. Es steht jetzt nämlich fest, daß Shuster mir durch Vermittelung des Präsidenten Tast ferne Stellung erhalten hat.

Der Lreiburrd: Mn Fragezeichen!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 5. Dezember.

Die hier erscheinende .Agence Jtalienne" veröffentlicht folgende Meldung aus Rom: Eine politische Persönlichkeit berichtet uns über die in der europäischen Presse verbreitete» Ge­rüchte über die Erneuerung des Dreibunds folgendes: Bei dem jetzigen Stadium der Ver- tiaw*"nngei^über eine Erneuerung des Drei- bu.. j läßt sich mit Gewißheit noch nichts Näheres über ihre Zukunft erfahren. Erft das Ende 5:3 nächsten Jahres wird un* über