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Nr. 307. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonntag, 3. Tezemter 1911.

be» Januar und Februar als die Wintcrmo- n«t bezeichnet.

Für die Küche bringt der Tezember- Monat auch manches neue. Was die Gemüse betrifft, so werden Anfang und Mitte des Mo­nats alle Kohl- und Rübenarten, neben den Konserven, begehrt sein. Zu Hasenbraten pas­sen sowohl Sauerkohl als Rotkohl, und Rot­kohl gibt die sparsame Haussrau auch gern zu Gänse- oder Entenbraten. Hasen. Reh, Hirsch und Wildschwein bilden geschätzte Sonntagsbraten, die ost auch zu Festtagsbra­ten verwendet werden. Der Weidmann widmet sich im Dezember der Errichtung von Futterplätzen im Walde. Wilddiebe benutzen häufig die Gelegenheit, an den errichteten Futterraufen das Wild tot zu schießen, wes­halb hierauf immer ein wachsames Auge zu richten ist. In den Revieren, wo Schwarz­wild vorkommt, ist bei Schneefall zu kreisen. Auch die Feldfteibjagden dauern in diesem Monat noch fort. Bei Eintritt starken Fro­stes ist die Entenjagd an nicht zugefrorenen Wasserlöchern manchmal sehr ergiebig. Die Gartenhecken- und -Zäune müssen eifrig nach Schlingen revidiert werden. Beachtung fin­den auch die Wetterregeln: Dezember kalt mit Schnee, gibt Korn auf jeder Höh. Hängt zu Weihnachten Eis an den Weiden, kannst du die Ostern Palmen schneiden. Kaller Dezem­ber und fruchtrcich Jahr sind vereinigt immer­dar. Weihnachten im Klee. Ostern im Schnee. Frau Lucia (13.) findet zu kurz den Tag, drum wird er verlängert acht Tage darnach. **

Versammlung der Eisenbahner.

Im RestaurantZur Drahtbrücke" hielt gestern abend der Verband deutscher Eisenbahn - Handwerker und -Ar­beiter (Sitz Elberfeld) eine Versammlung ob. Bahnarbeiter Beck eröffnete als Vor­sitzender die Versammlung und begrüßte ins­besondere die Herren Regierungsrat Tr. Klocke, Eisenbahnsekrctär Klein sorg, so­wie den Referenten Schmidt-Karton. Nachdem die Versamnrlung ein Hoch auf den deutschen Kaiser ausgebracht hatte, erteilte der Vorsitzende dem Referenten das Wort, der nach kurzer Einleitung folgendes ausführte: Heute vor acht Tagen wurden die Vertreter des Zcntral-Verbandes vonr Minister in einer Audienz empfangen, in der ihnen Gelegen­heit gegeben war, etwaige Wünsche und Be­schwerden, besonders hinsichtlich der Lebens­mittelteuerung. zu äußern. Der Minister er­kannte die Teuerung an; eine Teuerungszu­lage (so erwiderte er» könne zwar nicht bewil­ligt werden, jedoch wolle er auf die Wünsche wegen Lohnerhöhung noch des näheren eingehen. Wie im Vorjahre, so seien ja auch in diesem Jahre wieder elf Millionen Marl für Lohnerhöhungen in den Etat gestellt wor­den. In sieben Bezirken ist die

Erhöhung bereits durchgeführt tnd in weiteren sieben Direttions-Bezirken wird sie folgen; hoffentlich finde auch die Dienststelle Cassel Berücksichtigung. Zunächst müsse man daher abwarten. Bei der Besprechung des Akkord - S Y st e m s habe der Minister mitgeteitt. daß eine Prüfungs­kommission bestimmt sei, über deren Tätigkeit nach erfolgter Arbeit Veröffentlichungen vor­genommen werden follten. Nach Ansicht des Referenten sei der Minister den Eisenbahnern sehr wohlwollend entgegengekommen. Er habe sich ausdrücklich bereit erklärt, den Ar­beitern nach Kräften zu helfen und ihre Lage zu verbessern. Bei einer allgemeinen Lohner­höhung stoße man auf große Schwierigkeiten, weil dadurch der Etat bedeutend belastet wür­de. Weiter behandelte der Referent die Frage der Altersgrenze und der Arbeiter- ausschüsse und die durch die, Reichsver­sicherungsordnung in der P e n s i o n s k a s s e sich ergebenden Aenderungen. Der Redner ließ sich dann des näheren über die

Bedeutung des Eisenbahnhandwerks aus, dessen Tätigkeit von Jahr zu Jahr inten­siver werde. Deshalb und wegen der Teue­rung erstrebe auch der Eisenbahnarbeiter eine Lohnaufbesserung. Die Lohnfrage fei überall in den Vordergrund gestellt. Auch die sonntägliche Ruhezeit und die wochentäg­liche neunstündige Arbeitszeit seien Hauptsor­derungen des Handwerkers und Arbeiters. Die Krankenbezüge bedürften noch einer besseren Ausbildung, besonders müsse man sich eine anständige Pension im Alter sichern. Der Redner wies darauf bin. daß mehr Gebrauch von den Woblfabrtseinrichtungen zu machen fei, besonders von dem Erholungs­urlaub und der Erteilung von Freifabrtschei- nen. Auch die Cristen; müsse noch mehr als bisher gesichert werden. Dies könne aber nur geeschehen. wenn die Arbeiterschaft ge­schlossen in Organisationen vorgehe. Tie Stel­lung der Privatarbeiter sei in manchen Punk­ten wett besser als die der Staatsarbeiter. Mit der Bitte, auch in Zukunft die Bestrebungen des Verbandes ut unterstützen, schloß Re­ferent seine Ausführungen, die mit anhalten­dem Beikoll belohnt wurden. Hieran schloß sich eine Diskussion, in der noch manch beher­zigenswertes Wort gesagt wurde- -b-

Ses Zerember-Proqramm der Kaisersale.

Ein Variets-Proaramm ist voller Kontraste, der Wechsel in be*- Art der Vorträge ist viel­fach so stark, daß eine gewisse Anvassungsfähig- keit dazu gehört, um sich von einer Stimmung in die andere werfen --u lassen. Aber schließ­lich ist das ja der Reiz einer Varieü'--Por- ftellung. Tas jetzige Programm der Kaiser­sale erzeugt solche kontrastierenden Stimmun­gen und ist von einer derartigen Wirkung, daß man befriedigt auf den Besuch in jenem Eta­blissement zurückschauen kann. Obenan steben zwei Künstler von verschiedener Art: der eine ist der Violin-Virtuose Ota Gvai, ein Sckmler des berühmten Meisters der Geiac, des verstorbenen Professors Joachim. Er svielte bei seinem gestrigen Debüt die Faust Phan­tasie für Violine und Orchester von Saraiate und dieSerenade" für Violine und Or­chester von Ordla. Technik und Empfinden paarten sich zu einem Ganzen, und darum ward sein Spiel prachtvoll und fand die ge­bührende Anerkennung. Ter andere Künstler ist der Kunstradfahrer Felix Brunner des­

sen ordengeschmückte Brust Zeugnis ablegt von den Anerkennungen, die ihm zuteil geworden sind. Brunner führt auf seinen Rüdem Kunst­stücke aus, die hier noch nicht gesehen wurden. Seine Leistungen können zu den besten auf dem Gebiete des Kunstradfahrens gerechnet werden. Ganz reizend ist das Gesangsduett von K a t h i und Grete Kletf und der Vortrag der Soubrette Lucie S a n d a l y. W. P a l m i n produziert sich als Hand- und Kopfstandkünst­ler auf einem . . . Aeroplan, wodurch er den Beweis erbringt, daß er dem Wunsche nach Aktualität zu entsprechen versteht. Bewunde­rung verdienen auch die komischen Reckturner Alfred und O t t k a, die sich am dreifachen Reck produzieren. Tann ist noch Hcnrh van Toi, der liebenswürdige Holländer, mit sei­nen vorzüglichen Hundedressurcn. die Walzer- szenc von L i l l v und FredJrwing zu nennen und schließlich das Auftreten des Humo­risten Otto Jülich, der bald die Sympathie des Auditoriums gewonnen hatte. Der Kai­sersaal-K i n e m a t o g r a p h bringt neue Silber, ebenfalls hat auch das Haus- orchcster unter Kapellmeister Kriegers Leitung neue Musikstücke eingeübt. -ss-

Weihnachtsausstellung im Frauenklub.

Im behaglichen Heime des Frauenklubs hat der K ü n st l e r i n n e u - Verein Hes­sen- Nassau gestern seine Weihnachtsaus- stcllung dem Publikum zugänglich gemacht. Wenn man sic quantitativ messen wollte, müß te man von dem Gebotenen ein wenig ent­täuscht sein, denn es ist nicht eben viel, was da zur Ausstellung gelangt ist; man wird nickt erdrückt von der Fülle der Gaben; aber was geboten wird, ist unendlich reizvoll und zeugt von Geschmack, Talent und Fleiß. Tie K u n st ist vertreten, und das K u n st g e - werbe, beide mit gleich fesselnden Arbeiten. Unter den ausgestellten Bildern heben sich einige gute Radierungen und ein paar reizende Federzeichnungen hervor. Eigenartig wirken die Spritzmalereien, von denen eine ganze Reihe ausgestellt sind. Ein paar große Oelbilder verraten viel Ta­lent und zeigen /eine reizvolle Farbengebung. Hauptsächlich hat man es jedoch bei kleinen an­mutigen Bildchen bewenden lassen, die so recht geeignet, das lauschige Boudoir einer schönen Frau zu schmücken. Unter den kunstgewerbli­chen Ausstellungsobjekten findet man beson­ders viele Kissen, äußerst vornehm wirken die mit Hand Weberei - Einsätzen ver­zierten. Verschiedene reizende selbstangefertig- te und gestickte II eher Hufen verraten viel Geschmack, und neben anderen Kleinigkei­ten sind vor allem noch die äußerst dekorativ wirkenden grün-glasierten Vasen. Schale it und Krüge der Erwäbnuna wert.

A Vom Schicksal ereilt! Die beiden Diebe, die kürzlich bei einem Einbruch in die Maschi­nenfabrik H a s s i a mehrere tausend Mark er­beuteten. sind jetzt ergriffen und verhaftet wor- drn. Sie gaben den Einbruch zu.

A Das Vlakat im Bäckerladen. Das Kam­mergericht hat eine Entscheidung gefällt, die von weittragender Bedeutung ist. In einem Bäckerladen war ein Plakat des Inhalts an­gebracht, daß der Inhaber des Ladens die Forderungen des Verbands der Bäcker und Konditoren bewilligt habe. Nach Paragraph N des Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 find öf­fentliche Plakate politischen Inhalts verboten, gestattet sind hingegen Plakate über Nachrich­ten für den gewerblichen Verkehr. Die Straf­kammer verurteilte aber den Bäcker zu einer Geldstrafe, da das Plakat keinen rein geschäft­lichen Charakter habe und nicht zu den Nach­richten für den gewerblichen Verkehr gerechnet werden könne. Das Kammergericht bestätigte die Verurteilung.

A Die Kindesleicke in der Schachtel. Ge­stern hat man schon wieder die Leiche eines neu­geborenen Kindes gefunden. Die Leiche war in einer Schachtel verpackt, die in einem Hause an der Jägerstraße stand. Die Unter­suchung, wurde sofort ehigeleitet.

A Vor den Schranken des Kriegsgerichts. Der Husar Friedrich St. von der dritten Eska­dron des Husarenregiments Nr. 14 stand heute morgen unter der Anklage des Kameraden- Diebstahls vor dem Kriegsgericht der 22. Di­vision. Der Angeklagte trug am Morgen des des zehnten November dieses Jahres mit noch einem Kameraden Decken zur Reitbahn. Auf dem Wege fand er einen Putzbeutcl, den er mitnahm. 'St. entnahm ihm eine Striegel und Kartätsche in der Absicht, diese Sachen ei­nem Kameraden in der vierten Sckwadron zu schenken. Diese Sachen hatte aber ein anderer Husar, der mit Kehren des Weges beschäftigt war, verloren. Der Verlierer stellte den Na­men des St. fest und meldete ffff, dem Wacht­meister. Das Urteil lanrrr- an- vierzehn Tage Mittelarrest. Wegen Ach - tun gs Verletzung unb Ungehorsams war der Husar Han- Wilhelm W. von der er­sten Schwadron des hiesigen '* Husaren- Re­giments vor dos Kriegsgericht iti 22. Division aestellt worden, nachdem da« Standgericht die Sache als unznstandig «bgelehrtt hatte. W. hatte den Befehl erhalte:.. Nemonten zu sat­teln, was er jedoch r-rrweigerte mit der Be­gründung, er sei al« LrLonnanz zum Reinigen des Mannschastsspeisesaal» kommandiert und müsse zu einer drsiintmftn Zeit damit fertig sein. Auf die wiederholt: Aufforderung des Unteroffiziers har der Angeklagte auch ferner im Ungehorsam beharrt. Tas Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von sieben Wochen.

A Die gestrige Berirksversmnmlung der Nationalliberalen. Die Nationalliberale Par­tei hielt gestern abend im Vereinsbanse zu Rothenditmold eine Bezirksversammlung ab, in der zunächst Parteisekretär Hübel über die politische Lage svrack. Im Anschluß daran erörterte der Kandidat der Vereiniaien Natto- nalliberalen und Fortschrittlichen Volkspartei, Geheimrat Dr. Schröder, sein Programm. Besonders betonte der Redner, daß seine Partei 'nen vom Bund der Landwirte geforderten l ü k- kenlosen Zolltarif, der den kleinbäuerlichen Besitz schwer belasten würde, bekämpfe, daß sie aber eine mäßige Zollvolttik zum Schutze der nationalen Arbeit unterstütze. Ta sich zur Tiskussion niemand meldete, äjj Oberlehrer Müller in seinem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck, daß der gemeinsame Kandttmt Tr.

Schröder am zwölften Januar siegreich aus dem Wahlkampf hervorgehen möge.

A Frostnachrichtendienst der Wetterdienst­stelle Weilburg. Von der Wetterdienststelle Weilburg wird auch in diesem Winter für die Monate Dezember bis Februar ein besonderer Frostnachrichtendienst eingerichtet. Er bezweckt, Versandgeschäfte des Wein- und Mineralwas- serbandels, Bierbrauereien, auch Versandge- schäste von Obst, Kartoffeln usw. rechtzeittg zu warnen, wenn voraussichtlich stärkerer Frost eintritt, oder wenn nach einer Frostperiode wahrscheinlich Tauwetter in Sicht ist.

Fortunas Huld! Bei der heuttgen Zie­hung der preußischen Klassenlotterie fiel auf die Nummer 107 774 ein Gewinn von fiinfhnn- derttausend Mark.

A Cassel voraus! Dieser Tage hielt be­kanntlich in Cassel Frau Lola Bernhard einen Vortrag über Geftmdheits- und Schöubeits- pslege, zu dem der Andrang sehr stark war. Gestern wollte Fran Bernhard auch in Göt­tingen reden, ibr Vortrag war aber poli­zeilich verboten worden. Das Verbot beruht auf einer Verfügung des Regierungs­präsidenten, die infolge eines Erlasses des Mi­nisters des Innern und des Kultusministers vom 16. August 1909 ergangen ist. Durch höchstinstanzliche gerichtliche Entscheidung ist fest- qesiellt worden, daß die Vorträge von Frau Pernharo alias Fräulein Kube in hohem Maße geeignet find, die öffentliche Ordnung zu gefähr­den und sonstigen Anstoß zu erregen. In Cassel hat sich, wie uns von einer Teilnehmerin be­richtet wird, in dieser Bcziekmng nichts ergeben.

A Die Schauflüge des Referendars Caspar. Auch gestern nachmittag führte Herr Referen­dar Caspar einige woblgelungene Flüge aus. Mehrmals nahm er auch Passagiere mit. Heute und morgen sollen die Schauflüge fortgesetzt werden. Wie aus der Bekanntmachung im heu­tigen Inseratenteil ersichtlich, sollen Passagier­fahrten zum Preise von hundert«Warf vorge­nommen werden.

A Die letzte Schwurgerichtsperiode. In der am kommenden Montag beginnenden Schwnr- aerichtsperiode sollen insgesamt sieben Stiaffalle verbandelt werden, von denen bis jetzt sechs angesetzt sind. Das Schwurge­richt verhandelt am Montag gegen den Land­wirt und Leichenbeschauer Joh. Heinrach Kno­che in Nausis (Kreis Melsungen) wegen Körperverletzung mit Todesersolg: Dienstag gegen die Erdarbeiter Stanislaus B a l c e - rek und Stanislaus Dessinski, beide zu letzt in Sachsenhausen, wegen des glei- ckeu Deliktes. Mittwoch gegen Schirmmacher Ludwig Dietrich aus Neuhaus bei Pa- derbom wegen Totschlagsversuchs; Donners­tag gegen den Schreiner Wilhelm Fischer aus Cassel wegen Straßenraubs; Freitag gegen den Glasmaler Karl Friedrich Schmutzler in Gesterode bei Roten­burg wegen Brandstiftung ,mb Beleidigung.

A Boni Casseler Griindsiücksmarkt. Dieser Tage verkaufte der Restaurateur Nikolaus Klunz seine in der Wolfbogerstraßo in Ro- tbenditniold beleaene G a st w i r t s ch a f t mit großem Saal und Gartenhaus an einen Herrn aus dem benachbarten Immenhausen. Der Kaufpreis beträgt 85 000 Mark.

A Das Promenaden-Konzert auf dem Friedrichsplatz. Am Sonntag mittag zwölf Uhr konzertiert die Kapelle des Jnfanterie-Regi- mcnt§ 167 auf dem Friedrichsplatz; zum Vor­trag aelanaen folgende Stücke: 1. Jla-Marsch von Mar Villinaer: 2. Ouvertüre zuOrvheus in der Unterwelt" von Binder: 3. Das Rord- landsvolk von Grieg: 4. Fantasie aus der Oper Figaros Hochzeit" von Mozart; 5. Morgen­blätter, Walzer von Strauß.

A Ans unferm Hoftheater. Am Sonntag nachmittag 2'Z Uhr geht als Sondervor­stellung zu ermäßigten PreisenJphfge- nie auf Tauris" von Göthe mit Fräulein Jäbnert in der Titelrolle in Szene. Zu die­ser Vorstellung werden nur Karten zum Preise von 1.50 bis 3 Mark für das Parkett und den ersten Rang an der Kasse abgegeben. Abends 7 Ubr wird das MusikmärchenK ö n i g s k i n- d c r" von Humverdink gegeben. Die Titelvar- tien fingen Fräulein von der Osten und Herr Koeael. In weiteren Hanptvartten sind noch die Herren Bartram. Warbeck. Wuzel beschäf- ffgt. Dirigent des Werkes ist Herr Professor Tr. Beier, die Regie führt Herr Regisseur Ebrl. Montag abend gelangt die Zaubervoffe L u m p a c i V a g a b u n d n s" zur Auffüh- rung. Das lustiae Vagabundenkleeblatt wird von den Herren Bohrend, Pickardt und Strial daraestellt.

A Matinee in der Rollsckuhbahn. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, veranstaltet die Di­rektion der Rollfchuhbabu morgen mittag die erste M a t i n e e - V 0 r si e 11 u n g, in der das Kunstläuferpaar Geschwister Mendorf auftreten wird. Die Vorfübrunaen der beiden Rcfflen- ki'nstler finden allabendlich lebhaften Beifall. Willibald Mesidors hatte übrigens schon ein­mal Gelegenheit, seine Kunst vor dem württem- bergischen Königspaar zeigen zu können.

A Aus den Kinos. Die Chasalla- Lichtspiele zeigen wieder ein neues Pro­gramm an, das viele interessante und belehren­de Bilder enthält. Aus dem neuen Pro- aramm des Reform-Theaters ist Le- souders das Drama aus dem Rergmannslebeir Schlagende Wetter" hervorzuheben.

'A Das Wetter am Sonntag. Der amt­liche W e 11 e r b e r i ch t saat für S o n n t a g für Hessen-Nassau folgende Witteruna voraus: Stellenweifc Frühnebel, sonst ziemlich heiter und trocken, vielfach Frost.

Tageskalender. Sonntag: Residenz- Theater: W. Eple's LeipGiaer Sänaer; Apollo-Theater: (iebenT Abend) Spe­zialitäten - Programm: Restaurant3 um Fürstenberg": Künstler-Konzert; T r 0 p f- stein-Grotte: Kaffee-Konzert; Stadt- vark: Militär-Konzert: Kratt - Svort- Berein: Tanz. Montag: Bund technisch -.industrieller Beamten: Vortra^ Tr. ^reih'rfreib im Palms-Restau­rant iift-rStaatsbürgerliche Dreiheit und rmrffifafffffher swang": Verein ehema­liger Schüler der alten basieler Bürgerschule: abends 9 Uhr Mitglieder­versammlung.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluss der Redaktion eingegangen.)

Reichstagsproteft gegen England ?

(Privat-Te leg ramm.)

Berlin, 2. Dezember. >

Wie heute aus parlamentarischen Kreisen verlautet, schweben zwischen den Parteien des Reichstags zurzeit Verhandlungen in der Richtung, daß alle Parteien sich am nächsten Dienstag auf kurze Erklärungen bei der Ma­rokko-Debatte beschränken sollen. Die Konser­vativen haben ihren grundsätzlich ablehnenden Standpunkt aufgegeben und werden sich eben­falls mit einer kurzen Erklärung begnügen. Weiterhin beabsichtigt man (wie mitgeteilt wird) eine gemeinsame Erklärung aller bürgerlichen Parteien abzugeben, um eine eindrucksvolle Wirkung gegenüber dem Auslande zu erzielen. Diesen Plänen stehen zurzeit allerdings noch Schwierigkeiten entge­gen. Es werden in dieser Frage noch Konfe­renzen stattfinden und zwar heute iiadjmittag oder Montag früh. Ter Gedanke einer ge­meinsamen Kundgebung des Reichstags gegen übet den Marokko Erörterungen im englischen Unterhaus ist von freikonservativer Seite aus gcnangeit, und es ist wahrscheinlich, daß sich alle bürgerlichen Parteien an diesernatio­nalen Demonstration" beteiligen werden. (S. auch erste Seite.)

Feuer in der Kaserne.

(Privat-Telegramm.) Leipzig, 2. Dezemßer- Heute früh um sechs Uhr brach in der Ka- ferne des 106. Infanterie-Regimentes in Goh­lis Großfeuer ans. Die in dem Artillerie- fchuppen untergebrachten Montterungskammern stehen (nachmittags) in Flammen. Ter linke Kasernenflügel wat eine Zeit lang stark ge­fährdet. Der Schaden an verbrannten Garni tuten wirb auf mindestens anderthalb Millionen Mark geschätzt. Das Gebäude ist bis auf die Umfassungsmauern niederge­brannt. Die Feuerwehr arbeitet noch immer an der Löschung. Da in dem ausgebrannten Gebäude im Vorjahre ein großer Dieb­stahl vollführt wurde, besteht der Verdacht bet Brandstiftung. Die Militärverwaltung bat bereits eine Untersuchung angeordnet. Ins­besondere sind die Unteroffiziere einem Verhör unterzogen worden, doch ist es bisher nicht ge­lungen, irgend eine Aufklärung zu erlangen.

Erdbeben und kein Ende!

Ebingen (Württemberg), 2. Dezember. (Privattelegramm.) Heute früh, kurz vor sieben Uhr, wurde hier wieder ein hef­tiger Erdstoß verspürt, der von unterirdi­schem Rollen begleitet wat. Die Bewegung der Erde war fast ebenso stark wie am sechzehnten November. Der Bevölkerung bemächtigte sich trotz der Erfahrungen der letzten Wochen wie­der große Beunruhigung. Schaden scheint das Beben nicht angerichtet zu haben.

Schlesische Genossenschafts-Geschichten.

Breslau, 2. Dezember. (Privat-Te« legra m m.) In bet gestrigen Glogauer Be­zirksbetsammlung bet schlesischen landwirt­schaftlichen Genossenschaften wurden nähere Mitteilungen übet Unterschlagungen gemacht, die bei Spat- und Tarlehnskaffen in Rilbau im Steife Glogau verübt wurden. Der Rendant der Kaffe, Gustav Hofmann, hat wäh­rend der letzten dreizehn Iahte über 200 000 Mark unterschlagen.

Die Arfenalarbeiter von Lorient. A £ Orient, 2. Dezember. (Privat-Tr« legramm.) Die Aufregung unter den Arse- nalatbeftem wegen der Maßregeln, die gegen die Urheber der jüngsten Zwischenfälle ange­wendet worben find, nimmt immer mehr zu und man rechnet, trotz der von den Behörden getroffenen umfangreichen Arttistreikvorkehrun- gen mit einem Generalausstand der Seeleute.

Gelbe Spione in Rußland?

Petersburg. 2. Dezember. (Privat- Telegramm.) In BlagoWestfchensk wurde ein chinefifcher Offizier wegen Spionage verhaftet, als er Pläne von Festungswerken aufnahm. Et wurde dem Kriegsgericht über­geben. Wie es heißt, ist in dem Besitz des Chinesen eine Menge kompromittierenden Mate­rials gefunden worben.

Tie Dynamitarden von Los Angelos.

Los Angelos, 1. Dezember. (Pri­vat t e l e g t a in m) In bem Prozeß gegen die beiden Brüder M a c n a m a r n wegen des Dynamitanfchlags aus das Geschäfts- lokal der Los Angelos-Times im Oktober 1910, wodurch der Tod von zweiundzwanziq Perfn nen herbeigefühtt wurde, hat heute einer der beiden Brüder sich des Mordes s ck u ld i g be­kannt. während der andere gestanden hat, an der Zerftörung der Blewellnn-Eifenwer-« betei ligt gewefen zu fein. Der Gerichtshof wir! am nächsten Sonnabend das Urteil fällen.

Schweigen ist Gold ...!"

London, 2. Dezember. (Privat-Te- l e 3 r a m m.) Der Leutnant Herbert Gerald Montagne ist wegen feiner Kritik der ita lienifchen Kriegführung in Tripolis durch eine gestern veröffentlichte Verfügung des Kriegs- ministeriums aus der englischen Armee ent­lassen worben.

Tripolis Friede in Sicht?

Saloniki, 2. Dezember. (Privat-Te. gram in.) feier verlautet bestimmt, die gegen­wärtig stattfindenden Besprechungen des jung- türkischen Komitees, zu denen eine Anzahl ein- flustteichet Mitglieder des Komitees hier ein-- Gasen, verfolgen den Zweck, eine Grundlage zu finden, auf der Friedensverhandlun­gen mit Kfalien erfolgreich angebahnt werden können Auch wirb wieder von der Verlegung des Sitzes des Komitees nach Konstantinopel gefprochen.