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Nr. 306. — L Jahrganz.

Casseler Neueste Nachrichtctt

«onnabend, 2. Dezember wil

.■uten Genuß habe. Und je mehr man sich in die Seele des Schöpfers Les Kunstwerkes hineinversetzen kann, um so tiefer wird der Genuß fein; denn ein jeder Künstler gibt mit jedem wirklichen Kunstwerk, das er schafft, ein Stück seines Selbst; je größer der Künstler ist, desto mehr Empfinden, desto mehr Seele wird er in seine Werke hineinlegen. Und einer von denen, deren Werke deutlich den Stempel der ganzen Persönlichkeit des Schaffenden tragen, ist Adolf von Menzel. Man merkt's jedem seiner Bilder an, mit welcher unend­lichen Liebe ein bedeutendes Talent ge­schaffen. Doch das Talent ist's nicht allein, was den Künstler macht; eS gehört noch mehr dazu: größter Fleiß und beharrlichste Aus­dauer, und wohl kaum ein anderer kann sich, was Fleiß und Ausdauer betrifft, Menzel an die Seite stellen. Er war ursprünglich nicht zum Künstler bestimmt, sondern sollte, wie fein Later, Lfthograph werden. Bis zu feinem sechzehnten Jahr hat er unter deffen Leitung gearbeitet. Dann verlor er den Beschützer und stand nun allein im Getriebe der Großstadt Berlin- Aber so verlaffen er auch war, er schlug sich mit dem, was er erlernt hatte, durch und brachte es sogar fertig, etwas zurückzule­gen. sodaß er einige Zeit ganz nach seinem Belieben leben konnte. Und in dieser Zeit ent­standen seine ersten Bilder, eine Serie, die unter dem Titel „Künstlers Erdenwallen" bekannt ist. Schon in diesen Bildchen des Siebzehn­jährigen zeigt sich eine überraschend lebhafte Phantasiere eine scharfe Beobachtungsgabe, und die Kraft, das, was er innerlich erlebt und ge­fühlt, in klarer, anschaulicher Weise malerisch wiedergeben zu können.

Dem ersten Werkchen folgten bald andere, und endlich wurde ein Verleger aufmerksam auf den jungen Künstler und beauftragte ihn, Bilder zu einer Geschichte Friedrichs des Gro­ßen zu zeichnen. Dieser Auftrag veranlaßte ihn, sich in das Studium der Zeit des Großen Königs zu versetzen, und mit tiefer Liebe und feinem Verständnis ging er an diese Ausgabe; er wurde ein vortrefflicher Kenner des friede- rizianischen Zeitalters. Mittlerweile war Friedrich Wilhelm IV. auf den jungen Menzel aufmerksam geworden, und man übertrug ibm nun die Atifgabe, die Werke des großen Kö­nigs mit Illustration zu versehen. Auch die­ses Auftrags entledigte er sich mit Geist und Geschick, und sein Stern stieg bald immer höher. Mit unendlichem Fleiß eignete sich Menzel die Kunst des Oelmalens an: das war besonders schwer für ihn, weil er von Natur linkshändig war, doch auch diese Schwierig­keit wußte er zu meistern. Zwar hat er die Technik der Oelmalerei nicht vollständig be­herrscht. und deshalb weisen seine Oelgemälde Sprünge und Riss« auf, aber sein unvergleich­liches Können, die sprechende Lebendiakeit je­der einzelnen Figur, der wunderbare Ausdruck jedes einzelnen Gesichts, die ausgezeichneten Lichtwirkungen machen ihn zu einem Künst­ler ersten Ranges. Er malte einfach alles; nichts war ibm zu klein, was er nicht der Mühe des Abzeichnens für wert gefunden hätte, und mit der gleichen Liebe, mit der er an seine großen Werke ging, umfaßte er das einfachste Motiv, das ein Bildchen für seine Ressen und Nichten hergeben mußte; deshalb spricht ein jedes seiner Werke so klar und deut­lich zu uns. Die den Vortrag illustrierenden Lichtbilder zeigten Gemälde aus den verschie­denen Lebensaltern des Künstlers; ein jedes von ihnen gab deutlich sein großes, reifes Können wieder und zeigte seine außerordent­liche Begabung und Vielseitigkeit. Das Publikum nahm die interessanten Darbieiun- gen aufmerffam hin und dankte dem Redner zum Schluß mit herzlichem Beifall. M. M.

Caspar fliegt.

Gestern nachmittag wanderten gar viele hinaus nach dem kleinen Forst, um den Flugübungen beizuwohnen, die unser berühm­te Landsmann und Aeronaut, Referendar Caspar, angekündigt hatte. Von der Hal­testelle der Straßenbahn zogen sie über das wenig einladende Brachfeld zum Flugplatz, der mit einem Drahtgitter sorgfältig einge­zäunt war und in dessen offenstehender Halle die Luftfahrzeuge fchon bereit standen. . . Er muß doch einen eigenartigen Reiz besitzen, die­ser Luftsport, muß für die, die ihn pflegen, zu einer gewaltigen Leidenschaft werden, et­wa wie der Berg- oder Wassersport. Ueber- köstlich muß das Gefühl sein, dem dumpfen Erdenleben entrückt, frei wie der Vogel durch die Lüste zu segeln, ein Gefühl, wie es ähn­lich auch wohl der Bergkraxler beim Anblick der Welt zu seinen Füßen, oder der Sports- mann auf die unbegrenzte Fläche des Meeres empfindet. Und gerade die Gefahr, die hier mit Erlangung des Genusses verknüpft ist, steigert den Reiz des Sports. Würden sonst so viele sich immer von neuem den Fährlich- teiten ihrer Sportübungen aussetzen': Ta humpelt nun der tapfer« Aviafiker Caspar mühselig mit Hilse eines Stockes umher. Kaum notdürftig wieder zujammengejkickt von seinem Sturz bei Merseburg, da er tollkühn von der Reichsbaupfftadt nach seinem Hei- matsort fliegen wollte Ein Vierteljahr mußte er in Gipsverbänden liegen, aber ungebrochen blieb der Mut undeisern der Wille. Und der Erfolg lohnt diese Ausdauer aufs schönste. Gar bald erschien Caspar wieder auf den Flugplätzen in Johannisthal, Leipzig und Halle, und konnte eine Kette von Triumphen feiern. Und nun ist er auch in feiner Vater­stadt erschienen, um Proben feiner Kunst ab­zulegen. Die Versuche am gestrigen Vormit­tag hatten ein glänzendes Resultat ergeben trotz der böigen Winde. Am Nachmittag aber war das schönste Fliegerwetter. Vorerst hail^ ein dünner Nebel aus dem Felde gelegen, aber mäblig wurde die Lust klarer und flarer, bis die Sonne, die bisher wie eine blasse Scheibe am Himmel gestanden, zeftweilia bell aus- blitzen konnte Unbewegt war die Luft und frühlingswarm, und eine große Menschen­menge, Jung-Deutfchland voran, hatte sich in einiger Entfernung in hoch gestimmter Erwar­tung angesarnnteli. Eine ganze Reihe Automo­bile stand ratternd abseits, in denen Besucher aus weiter Ferne berbeigeeilt. Unter den be­kannteren Persönlichkeiten unserer Stadt be-

mcrHe man auch den kommandierenden Ge- -neral, und in seiner Begleitung einen höheren türkischen Offizier, der sich offenbar zu feines Landes Nutz und Frommen über die Leistun­gen der deutschen Fliegerkunst unterrichten wollte.

Caspar aber hat eines seiner Fahrzeuge schon aus bem Schuppen ziehen lassen und steigt in seinem Fliegerkostüm aus seinen luf­tigen Bock, wo er wie in einem Paddelboote sitzt. Ein Monteur setzt den Propeller in Be­wegung. der unter lautem Geratter durch die Lust fährt- Eine Handbewegung des Luft­schiffers. das bisher festgehaltene Fahrzeug wird losgelassen, läuft elegant eine kurze Strecke über das Feld und beginnt sich dann graziös zum Flug zu erheben. Wie ein Rie­senvogel steigt dieses taubenähnliche Geschöpf in die Lust und zieht majestätisch in wunder­barem Flug seine Kreise über beit Flugplatz und die anstehenden Gelände- Hunderte von Metern mag das Fahrzeug schon gestiegen fein, dem unbewaffneten Auge in bem Dunst der höheren Luftschichten kaum mehr sichtbar, unb bock tragen bie Windströmnngen den Un­tenstehenden das knatternde Geräusck der Pro­peller zu- Schallendes Beifallsgeschrei dringt zu dem Mann hinauf, der herabwinkt und so vollkommen sicher mit seiner Maschine durch den Aetber schwimmt- Mehrmals bezeichnet er neue Schleifen, bann senkt sich ber mächtige Vogel in ruhigem Gleitflua wieber auf bie Bahn herab. Auf ber nächsten Fahrt fuhrt ber Apparat auber seinem Piloten noch eine „süße Last" mit sich, eine iunge Dame, bringt sie sicher hinein in das Luftreich unb heil wie­der zurück. Und wieder steiat Caspar nach kurzer Pause auf. unb beschreibt eine Anzahl Kreise, bie namentlich eine treffliche Funktion ber Steuerung ergeben. Wieder lauter Ju­bel und fröhliches Hütescktvenken. Die Sonne blinkt auf unb leuchtet aus bie mächtigen Fit­tiche bet ratternden Schwalbe, die zum Ta­geslicht emporzusteigen scheint wie bie Vor­ahnung einer gewaltigen, weltumstürzenden Zukunft . . . -er-

Ckne Flucht über die Dächer.

Heute vormittag vollzog sich in der Alt­stadt eine aufsehenerregende Verhaftung, ber eine Hetzjagd teils über die Dächer, teils durch mehrere Straßen voraufging. Der feit längerer Zeit aus ber Zwangserziehungsanstalt entwichene Fürsorgezögling Paul G ö r g e wurde beute vormittag in einem Hause der Kruggasse ermittelt und sollte verhaftet wer­den. Zn diesem Zwecke machte sich ein Krimi- nalsckmtzmann auf bett Weg.

Sorge hatte sich jedoch mit feinem Bruder in der Wohnung eingeschloffen und öffnete nicht auf das Klopfen des Beamten. Dieser sah sich schließlich gezwungen, die Tür einzudrücken, um zur Verhaftung des G. schreiten zu können. Diese Verhaftung ging jedoch nicht fo leicht von statten. G. fetzte sich mit seinem Bruder energisch zur Wehr. Als der Beamte sah, daß er macht­los war, verließ er die Wohnung und ersuchte vor dem Hause eine Zivilperson, einen unifor­mierten Schutzmann herbeizurufen. Während dieser Zeit fliichtete Sorge auf das Dach, ließ sich am Regenrohr herunter und wollte das Weite fuchen. Der Kriminalbeamte hatte dieses Manöver jedoch durchschaut; er versteckte sich und wartete, bis Sorge an einer anderen Stelle auf bet Straße erschien. So­bald sich beibe erblickten, begann eine Hetzjggb durch bie Kruggasse, Müllergasse, Bonisacius- straßc, Bremerstraße unb Artilleriestraße. Hier hatte eine beherzte Ziviloerson den Mut, Särge int richtigen Augenblick festzuhalten. Sorge schlug um sich unb' kam mit bem Zivi­listen zu Fall. In der Zwischenzeit war der Polizeibeamte ebenfalls nachgekommen, der G. burch einen Hieb kampfunfähig machte unb ibn bann verhaftete. Der Vorfall hatte natürlich viele Neugierige herbeigelockt. -xyz-

Ä Um ein paar Bröbchen vierzehn Monate SefängniS. Der Arbeiter Michael Reher aus Rengshausen, stand heute vor ber Casseler Strafkammer unter der Anklage des schweren Rückfalldiebstahls. R.. der schon mehrfach vor­bestraft ist, wird beschuldigt, zu Rengshausen in der Nacht zum 24. Juni dieses Jahres bei bem Gastwirt Dörr ein Körbchen mit Vrödcken im ungefähren Werte von 70 Pfennig gestohlen zu haben. Der Angeklagte stellt bett Diebstahl folgendermaßen bar: Ich kam in jener Nackt an ber Wirtschaft Dörr vorbei: da ich großen Hun­ger hatte unb wußte, wo die Eßwaren aufbe­wahrt wurden, ging ick an das Fenster und holte mir mit Hilfe eines Stockes den Korb mit Bröbcken heraus, wovon ick einige aß. Das Körbchen hat meine Schwester bann Dörr wie­der zurückaevrackt. Der als Zeuge vernommene Gastwirt bekundet unter Eid, daß cs ausge­schlossen sei, baß R. den Korb mH einem Stock durch das Fenster hätte berausbolen können, weil ber Standort des Korbes mindestens vier Meter fcnm Fenster entfernt war. ber Ange­klagte müsse unbedingt durch das Fenster einae- stieqen fein. Auf ber Fensterbank hätten sich guck noch Svuren von frischem Sckmutz befun­den. Das Fenster sei zwar mit einem Gitter versehen, aber die Zwischenräume seien so groß, daß man hindurch köitne. Der Angeklagte be­streitet enffchieben. eingebrungen zu fein. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten des schwe­ren Rücktallbiebstabls für überführt und bean­tragt, unter Einbeziehung einer gegen den An­geklagten am 15. November erkannten Strafe von neun Monaten, eine Gefängnisstrafe von einem Jabr unb ttvei Monaten/ Das Gericht erkannte demgemäß. Der Anaeklggte verzichtete sofort auf Einlegung eines Rechtsmittels.

A Das Ergebnis einer Submission. Das Königliche Eisenbahn-Betriebsamt H batte die Arbeiten zur Beseitigung eines Wegübergan- oes in Kilometer 146,18 ber Strecke Münden- Caflel. nämlich ntnb 1600 Kubikmeter Erdbe­wegung, 500 Quadratmeter Wegebesestsgungs- arbeiten unb 20 Kubikmeter Bruchsteinmauer­werk, öffentlich ausgeschrieben. Heute sand Ter­min statt, zu dem nackstehende Unternehmer Angebote einaereicht hatten: Heilwagen-Caffel 2724 Mk., Helwig-Ziegenbagen 2828 90 Mark, Kraft-Hann Münden.3098.40 Mk. Wachenseld- Cassel 3249,50 Mk., Andrecht-Holzhausen 3319,30

Mark, Rieckmann-Hann. Münden 3260 Mark, Phil. Brahm-Cassel 3387 Mk., Hinze-Oberrode 3689 Mk.. Fr. Straube-Cassel 4043,15 Mk., Rob. Mees-Cassel 4272,60 Mk. und Wetzel u. Co.- Hohenkirchen 3478,50 Mark.

△ Der Ueüerfati in der Fliegengasse. Wie uns von beteiligter Seite mitgeteilt wird, wurde gestern eine Ehefrau in einem Hause ber Fliegengasse überfallen und mißhandelt. Hier­bei ist der lleberfattenen auch ein Geldbetrag abhanben gekommen. Ob das Selb nun ver­loren gegangen ober gestohlen worden ist, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Täter soll bekannt fein.

A Von ber Straßenbahn gestreift. Gestern vormittag wollte ein Schulknabe an ber Ecke ber Orleans- unb Schillerstraße das Straßen­bahngleis noch vor einem daherkommenden Straßenbahnwagen überschreiten. Der Wagen erfaßte den Knaben aber und warf ihn zu Boden. Ehe der Führer den Motorwagen zum Stillstehen bringen konnte, wurde das Kind einige Meter mitgeschleift. Dann aber stand der Knabe auf und lief glückstrahlend davon, da er keine Verletzungen davongetta-- gen hatte.

△ Der Pakctverkehr zu Weihnachten. Die Reichs-Postverwaltung richtet auch in diesem Jahr an bas Publikum das Ersuchen, mit ben Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit bie Pakelmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zu­sammendrängen. Bei bem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht ttmlick, die gewöhnlichen Beförberungsfristen einzuhal- ten unb namentlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor bem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn die Pakete erst am 22. Dezember ober noch später eingeliefert werben.

A Ins Gefängnis zurück! Wegen Dieb­stahls in strafschärfendem Rückfall hatte sich der Heizer Wilhelm R. aus Cannttadt in Würt­temberg vor der hiesigen Strafkammer zu ver­antworten. Der Angeklagte, der geständig ist, wird beschuldigt, am zehnten Oktober 1911 einem Karussellbesitzer zwei Bogenlampen ge­stohlen zu haben. Zu seiner Entschuldigung gibt bet Angeklagte an, daß er am Tage ber £at stark betrunken gewesen fei unb man ihm dies als Milderungsgrund anrechnen möge. Der Staatsanwalt beantragt unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Das Gericht erkannte demge­mäß unter Anrechnung von einem Monat Un­tersuchungshaft. Der Angeklagte nahm die Strafe an.

A Eine Lokomotiven-Versteigerung. Bei ber heutigen Versteigerung alter, ausgeschiebe­ner Lokomotiven seitens ber Königlichen Eisen­bahn-Direktion hatten zwölf deutsche Firmen Offerten abgegeben. Für alle neun Stück wur­den von einem Berliner 35765 Mark geboten, unb damit das Höchstgebot erzielt. S7ür die ein­zelnen Lokomotiven, die ein Gewicht von 34 Tonnen haben, während ber Tender etwa 13 Tonnen wiegt, wurden durchweg 3650 Mark als Mindestgebot und 4600 Mark Höchstgebot erzielt, während die nur 22 Tonnen resp. ntnb 1000 Kilo Kupfer haltenden Tenderlokomotiven nur 1500 Mark bezw. 2500 Mark höchstens er­geben haben.

A Eine öffentliche Händler-Versammlung. Am Sonntag nachmittag 4 Uhr findet (wie aus dem heutigen Inseratenteil ersichttich) im Re­staurant Württemberger Hof in der Bahnhofs- straße eine öffentliche Händler-Versammlung statt, in der folgende Tagesordnung zur Erle­digung kommen soll: „Sind bie zur Vernichtung des Wandergewerbes geplanten Bestimmungen berechtigt?" und „Die Lage unseres Berufes. Welche Maßnahmen sittd zu treffen, um der Un­terdrückung unserer Berufstätigkeit mit Erfolg entgegenzutreten?" Nach beiden Vorttägen fin­det eine freie Aussprache statt.

A Wie Menschenaufläufe entstehen. Einen Menschenauslauf verursachten gestern abend nach 8 Uhr zwei gutgekleidete Leute. Die bei­den gerieten plötzlich in Streit. Der eine verab­reichte dem anderen alsbald ein paar gewal­tige Ohrfeigen. Als ein Polizeibeamter kam, hatte sich bereits eine große Menschenmenge an- gefammelt, die sich nur langsam verlief.

A Die Geflügelcholera. Die Mitte Oktober unter den Schwänen in der Karlsaue ausge- brochene Geflügelcholera ist erloschen. Die damals erlassenen polizeilichen Sperrmaßnah- men wurden aufgehoben.

Ä Im Kranz ber Silbermyrthe. Die Ehe­leute Bäckermeister Georg Engelhardt in Ro­thenditmold konnten das Fest ihrer Silberhoch­zeit begehen.

A Aus unferm Hoftheater. Am Sonn­abend gelangt das Bauerndrama „Glaube unb Heimat" von Sckönherr zum ersten Male zur Ausführung. In den Hauptrollen sind Frau Bavrhammer. Fräulein. Grog, unb bie Herren: Alberti. Bohnse. Hellbach. Jürgen­sen, Strial beschäftigt. Tas erfolgreiche Werk wird von Herrn Regisseur Jürgenfen in Szene gesetzt.

A Im Verein für hessische Volkskunde. In der letzten Hauptversammlung wurde der Jah­resbericht und ber Kassenbericht erstattet. Der Verein besitzt gegenwärtig 121 zahlende Mit­glieder. In dieser Sitzung hielt Professor Dr. Brunner einen Vortrag über den Bau des alten Landgrafenschlosses und dessen Untergang, ber bekanntlich vor hundert Jahren erfolgte

A Kleine Tageschronik. Auf der R o li­sch u h b a h n tritt heute ein neues Kunstläufer­paar, die Geschwister M e tz d o r f aus Mün­chen, zum ersten Male auf Die Rollenkünstler sollen ganz vorzügliches leisten. — Der Ver­ein Hundesport hält morgen abend im Palais-Restaurant eine Versammlung ab, in der G. Hamel über das Thema „Der Hund in der Großstadt" sprechen wird. — In den Kaisersälen tritt heute wieder ein Programmwechsel ein. — Gestern abend hielt im Ortsverein Cassel des Verbandes ber deut­schen Buchdrucker im Kleinen Stadiparksaale Karl Thiel-Nürnberg einen beifällig aufge­nommenen Lichtbildervortrag über eine Reife durch Asien.

A Das Wetter am Sonnabend. Der a m t- liche Wetterbericht fagt für Sonnabend für Heffen-Nassau folgende Witterung voraus: Meist trübe, vorwiegend trocken. Tem­peratur wenig verändert, wahrscheinlich auch Sonntag.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Dor der Beschießung von Saloniki.

Privat-Telegramm.

London, 1. Dezember. '

Die „Times" melden aus Saloniki, die Dortigen Behörden feien unterrichtet, daß eint Beschießung durch die italienische Flott, bevorstehe. In den Forts herrscht fieberhaft, Tätigkeit. Gestern sind mehrere Batterien von Schnellfeuergeschützen angelangt. Die Frauen der Offiziere und Privatpersonen, die in der Nähe der Forts wohnen, sind nach der Stadt gebracht worden. Auch in L e m n o 8 war ge­stern daS Gerücht verbreftet, daß die italieni­sche Flotte einen Angriff beabsichtige. Es ent­stand eine große Panik unter dem Volke, Sa­hen und Häuser werden verbarrikadiert. In Konstantinopel befürchtet man, daß die italie­nische Flotte einen Angriff auf die Forts Ka> rapurna, die dem Hafen von Saloniki vorge­lagert sind, unternehmen werde.

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Die ottomanische Botschaft in Berlin teilt folgendes mit: Aus den Erklärungen Mausur Paschas, bie in Gegenwart des mit ihm nach Konstantinopel zurückgekehrten Depu­tierten von Benghasi abgegeben sind, geht her­vor, daß die Italiener noch immer fortfahren, in Tripolis Grausamkeiten zu ver­üben. Der Kommandant der italienischen Streitkräfte in Tripolis sandte folgendes Tele­gramm: Die Bevölkerung von Manchie hatte die Waffen niedergelegt. Die Italiener haben sie nieder gemetzelt, um die Niederlage ber Bersaglieriregimenter an ihnen zu rächen. Aus der Verteidigungslinie, die der Feind ver­lassen mußte, wurden Leichnahme von Frau­en und Kindern gefunden, denen die Häl- fe abgeschnitten und die Arme zufam- mengebimben waren. Durch die Aussagen gefangener Italiener ist festgestellt worden, daß dies auf Befehl ihrer Offiziere geschehen sei.

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Ein Privat-Telegramm meldet uns ferner aus Petersburg: In hiesigen infor. mierten politischen Kreisen will man wissen, daß die Großmächte die Einsetzung eines tür- kisch-italienischen Komitees betreiben, dem auch Vertreter der übrigen Großmächte ange­hören sollen. Dieses Kabinett soll damtt be­auftragt werden, die türkischen Beschwerden über bie Beschießung von Akaba zu prüfen und auch die Friebensvermittlungen zwischen den beib en Itiegfübrcnben Mächten wieder aufzu­nehmen.

„Joses BillSland aus München".

Lille, 1. Dezember. (Privat-Tele- gramm.) Gestern präsentierte in der Bank „Credft Dinor" ein elegant gekleidetes Jndi- vidium einen Scheck über 6000 FraneS, der ge« fälfSt war. Er gab an, ein Gras de Mell - Ville zu sein. Man fand jedoch bei ihm Vi­sitenkarten auf den Namen Joses BillS­land auS München. Er erzählte, einen Handelskursus in Glasgow durchgemacht zu haben. Bon Glasgow aus schickte er einen Brief on die Bank Kredit Dinor mit der An­kündigung, daß „Gras de Mellville" aus feiner Durchreise in Lille einen Scheck über 6000 Francs einkaffieren werde. Die Bank fragte jedoch kn Glasgow an und erhielt die Nach­richt, daß der Scheck gefälscht sei. Der Täter wurde verhaftet.

Polizeipräsett LepinS'« Rücktritt? '—

Paris, 1. Dezember. (Privat-Tele- gram m.) Der Polizeipräfekt von Paris, Le- pinö, hat feine Kandidatur für den Senat des Departements Loir ausgestellt. Die Regierung (fo heißt es) erwartet nunmehr daS D e m l f • sionsgesuch LepinS'S als Polizeipräfekt von Paris, ein Gesuch, daS von dem Robinett» ches angenommen werden dürfte.

Aus der Spur der „Gioeonder"-Tiebe.

Paris, 1. Dezember. (Privat-Tele- gramm.) Der Beamte der Pariser Sicher- heitspolizei, Eorelli, ist gestern in Brüssel angekommen, um eine neue Spur des Dieb­stahls der „©ioeonba" zu verfolgen. Auf Be­fehl des Untersuchungsrichters wurden gestern bereits bei mehreren Bilderhändlern und Anti­quaren eingehende Haussuchungen vorgenom­men, die jedoch bisher resultatlos Verläufer sind.

Grey, der „Freund des Friedens".

London, 1. Dezember. (Privat - Te­legramm.) Tie „Daily News" stellt auf Grund bester Informationen in Abrede, daß eine Anleihe zum Ausbau der Flotte geplant ist. Minister Run iman nahm in feiner Rede zu Bolton auf Greys Rede Bezug und erklärte, dieser habe den Frieden be­wahrt. Grey sei ein Freund des Friedend und es gebe keinen Menschen in England und Eu­ropa, der nicht zugebe, daß Grey Englands Stärke und Prestige gewahrt habe.

Ein politischer Mord in Persien.

Teheran, 1. Dezember. (Privat - Te­legramm) Hier wurde vor seinem Haufe A l l a e n d D a u l e h, der Bruder des früher» Gefandten in Berlin, von Fidais durch Revol- verschüffe ermordet. DaS Attentat richtete sich gegen die russische und exschahsreundliche Politik des Ermordeten. Die Empörung der Bevölkerung über daS russische Vorgehen ist stark im Wachsen.

Die Rebellen in Nanking.

Nanking, 1. Dezember. (Privat- t e I e g r a m m.) Die Aufständischen haben die letzten Stellungen der Kaiserlichen erobert. Die kaiserlichen Truppen befinden sich auf dem Rückzug, von den Revolutionären verfolgt. Die Loge gestaltet sich immer bedrohlicher und es stehen neue, entscheidende Kämpfe bevor.

Ve UM MMkl mW 12 Seiten.