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COler KM Nachrichten

(Nachdruck verboten )

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Leiche im Krematorium zu Jena eingeäschert werde, wandte sich Sch. an das Berliner Be­erdigungsinstitut von Grieneisen.

Dem Wunsche des Verstorbenen gemäß gab Sch. der Firma den Auftrag, neben dem Zink- arge, in dem die Leiche nach Jena befördert werden sollte, noch einen Holzsarg zu liefen:, der gleichfalls mit verbrannt werden sollte. Kurz vor Beginn der Feierlichkeit im Krema­torium stellte es sich heraus, daß der gelieferte Holzsarg nicht den Matzen des Verbrennungs­ofens enffprach, sodatz der Sarg nicht mit ein­geäschert werden konnte. Da dem Besteller ausdrücklich zugesichert worden war, datz der Sarg in den richtigen Maßen geliefert werden würde, weigerte er fich, den nun völlig zwecklosen Sarg zu bezahlen. Um ihn trotz­dem zur Zahlung zu zwingen, nahm die Fir­ma Grieneisen zu einem nicht gerade sehr Pie­tätvollen Mittel Zuflucht: Sie beschlag­nahmte die Aschenreste der Verstorbe­nen und weigerte sich wiederholt, diese an den Schneidermeister herauszugeben. Der Antrag auf Erlaß einer auf Herausgabe der Aschenreste lautenden einstweiligen Verfügung wurde vom Amtsgericht mit der Motivierung abgelehnt, daß wesentliche Nachteile nicht entstehen könn­ten. Gegen diesen Beschluß wurde Beschwerde erhoben, die auch den Erfolg hatte, daß das Landgericht die Herausgabe der Aschenreste an­ordnete, da die Zurückbehaltung gegen die

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dunkle Glut. . .

„Wir sollten uns kennen, mein Herr!" rtef und in seinen dunklen Augen blitzte es auf.

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Das Attentat im Wiener Parlament. Vor dem Wiener Geschworenengericht begann gestern die Verhandlung gegen den sechsund­zwanzigjährigen dalmatinischen Tischlergehil­fen Nikolaus Njegus, der am fünften Oktober im Abgeordnetenhause gegen den Ju­stizminister von Höchenburger meh­rere Schüsse abgegeben und gestanden hat, er habe die Absicht gehabt, ihn zu töten, weil er während der Rede des sozialistischen Abge­ordneten Adler über die Teuerung gelacht habe. Der Andrang des Publikums zur Ver­handlung ist nicht so groß, wie man erwartet hatte. Der Angeklagte ist ein großer, breit­schultriger Mensch mit außerordentlich großen Händen und Füßen. Auffallend an ihm ist eine lange scharf gebogene Nase. Er macht keinen besonders intelligenten Eindruck. Vor dem Tisch des Präsidenten haben für die Verhand­lung zwei Dolmetscher und zwei Artillerieoffi­ziere als Sachverständige im Schießfach Platz genommen. Nach der Feststellung der Persona­lien wird in das Verhör des Angeklagten ein­getreten. Präsident: Bekennen Sie sich schuldig? Angeklagter: Ja. Präs.: Haben Sie den Justizminister töten wollen? Ang eil.: Ja. Der Angeklagte erzählt dann in gebrochenem Deutsch, zum Teil gar nicht ver­ständlich, die Einzelheiten der Tat, die indessen neues nicht ergeben.

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Freitag, 1. Dezember 1911

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nach wenigen Minuten stand Heino in dem Schloßhof, der von düsteren Mauern umgeben war. Eine breite, altertümliche Treppe führte zu dem Haupteingang des eigentlichen Schlosses empor.

Einen Augenblick stand Hefno aufatmend still. Es war so still und öde auf diesem alter­tümlichen Hof, als ob das Schloß unbewohnt sei. Heino wußte nicht, daß die eigentliche Front nach der anderen Seite gelegen war, wo ein hübscher, freundlicher Garten sich aus­breitete.

Er zog die Klingel, welche sich neben der ge­schlossenen Tür befand. Schrill tönte der Klang durch das Schloß.

Heinos Herz pochte heftig. Er war sich be­wußt. daß es für ihn in gewisser Beziehung ein Wagnis war, hier einzudringen, hatte er doch dem Besitzer des Schlosses schon einmal feindlieb gegenüber gestanden, und wessen die­ser Herr de Malmaison fähig war, das hatte ibn ja der Schuß gelehrt, der ihm gegolten, unglücklicherweise aber Germaine niedergestreckt hatte.

Ein einfach in ländliche Livree gekleideter Diener erschien und sah den fremden Herrn er­staunt an.

„Was wünschen ®le, mein Herr?" fragte er auf Französisch.

„Ich möchte den Herrn Grafen Brettevrlle sprechen."

„Der Herr Graf ist schwer krank und kann niemanden emvfangen."

„So bitte iw, mich Komtesse Germaine zu melden."

„Komtesse Germaine weilt bei ihrem Vater. Ich glaube kaum, daß sie zu sprechen sein wird."

In diesem Augenblick erschien in der Ein­trittshalle die hohe, kräftige Gestalt des Herrn de Malmaison.

„Was will der Herr?" fragte er den Diener.

„Er möchte den Herrn Grafen sprechen."

„Der Graf ist nicht zu sprechen, mein Herr," sagte der Baron näbertretend. Doch plötzlich entschlüpfte seinen Lippen ein Ausruf der Neberraschung. Sein Gesicht überzog eine

Nr. 305.

Erster Jahrgang.

Sie Tochter de» Spions.

Roman, von O. von Brunneck.

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„Kommen Sie, Herr Leutnant. Aber ich rate nochmals, den Besuch zu unterlassen."

Heino machte eine ungeduldige Bewegung, „Ich bin bereit, lassen Sie uns gehen." „Na, wenn Sie denn durchaus wollen, so kommen Sie." ■

Bald halten sie den Wald erreicht und ichrrt- ten auf einem kaum erkennbaren Fußpfade rasch dahin. ~

„Wenn ich den Grafen auf seiner Flucht ge­führt hätte," meinte der Alte lächelnd, „würde er den Gendarmen nicht in die Arme gelaufen sein. Ich kenne mich im Walde, aus wie in meiner Wobnung. Aber ich bin kaiserlicher Be­amter, und wenn ich auch Franzose bin. so weiß ick doch, was ick meiner Stellung schuldig bin. Mit solchen faulen Geschichten, wie sie der Graf getrieben bat, gebe ich w'ck nicht ab. Mir tut nur Mademoiselle Germaine von Herzen leid, daß sie darin verwickelt ist.

Heino erwiderte nichts, er hastete weiter; er batte nur den einen Gedanken, Germaine wie­derzusehen. Der Weg führte ost durch dichtes Gebüsch, kein anber#« Auge als das des alten Baidmanns würde den Pfad erkannt haben. Berg auf, Berg ab ging es, über moosigen Waldgrund und über loses Steingeröll, aber Heino kannte feine Ermüdung, rasch folgte er dem in gleichmäßigen, weiten und ruhigen Schritten vor ihm bergehenden Förster.

Endlich hatten sie den Saum des Waldes und damit die franrösische Grenze erreicht.

Der Alte stand still.

„Weiter kann ich Sie nickt begleiten," sagte er. „Aber jetzt können Sie auch den Weg nickt mehr verfehlen. Sehen Sie dort am Eingang der Sckluckt die Sckornstffne des Hammerwer­kes, das Herr de Malmaison anaelegt, aus den Bäumen raaen. und auf der Anhöhe gegenüber das alte Scklotz. Es ist ein richtiges, altes Raubritterscklotz, die Ländereien, die dazu ge­hören, liegen nach der Ebene zu. Das Dorf können Sie nicht sehen, es liegt jenseits der An­höhe am Fuße derselben."

In der Tat machte es von hier aus den Eindruck, als ob das Schloß in tieffter Wald­einsamkeit läae, da die bewaldeten Anhöben bett Ausblick in das freie Land versverrten. Nur einige Felder und Hutweiden bemerkte man von hier aus.

„Verfolgen Sie diesen Fußweg," fuhr der Förster fort. „Er wird Sie auf den Weg aus der Scklt'cki bringen, der Sie in zehn Minuten an das Sckloßtor führt. Und nun gute Ver­richtung. Ick warte hier eine Stunde auf Sie, dann muß ick aber wieder beim."

Heino dankte dem Alten und fchlug den Weg ein, den ihm der Förster bezeichnet hatte. Er schritt rasch dahin, immer den Blick auf das Schloß gerichtet, das bald hinter den Bäumen verschwand, bald aus der waldiaen Umgebung trotzig und fühlt bervorragte, Die Straße, die aus der Schlucht kam, wand sich um einen stei­len Berg zum dunklen Schloßtor empor, und

„Konnte denn Mademoiselle die Fahrt schon Vertragen?" fragte Heino bekümmert.

, „Nun, sie war noch etwas schwach und blaß, und die Wunde in der Schulter war noch nicht ganz verheilt, aber es batte keine Gefahr mehr, und'der Wagen war sehr bequem. Sie haben doch bett Brief Mademoiselles erhalten, bett ich Ihnen durch den Waldheger zuschickte?"

„Ja..."

Heino schwieg und starrte finster vor sich nieder. Er sah sich in seiner Hoffnung, Ger­maine noch zu sehen, schmerzlich getäuscht, sie mußte jetzt schon auf Schloß Malmaison ange­kommen sein, es war für ihn keine Möglichkeit, sie einzuholen. Doch da blitzte plötzlich ein Ge­danke in ihm aus! Er befand sich in Ziviltlei- bung, da konnte er unbehelligt die Grenze pas­sieren.

„Wie weit ist es nach Schloß Malmaison zu fahren?" fragte er den Förster.

Dieser sah ihn überrascht an.

„Sie wollen doch nicht nach Malmaison, Herr Leutnant?"

„Ja ... ich muß Mademoiselle Germaine sprechen."

„Ich möchte nicht dazu taten, Herr Leut­nant," sagte der alte Förster ernst. „Sie sind deutscher Offizier und wenn man Sie an der Grenze als solchen erkennt, könnten Sie leicht in Unannehmlichkeiten geraten. Seit dieser Spio- nengeschichte ist hüben und drüben der Teufel los! Hinter jedem Deutschen wittert man drü­ben jetzt einen Spion."

„Einerlei... ich muß nach Malmaison. Graf Bretteville und auch Herr de Malmaison kennen mich und wissen, daß ich kein Spion bin.

„Graf Bretteville ist schwer krank, Herr Leutnant und Herrn de Malmaison ist nickt zu trauen."

„Ich mutz Mademoiselle Germaine spre­chen!"

„Ich habe Mitgefühl mit Ihnen, Herr Leut­nant. Wie es zwischen Ihnen und Mademoi­selle steht, weiß ich ja schon lange ... na, ick bin ja auch mal jung gewesen. Und da will ich Ihnen denn gern helfen. Wenn Sie die große Straße verfolgen, können Sie in zwei Stun­den in Malmaison sein. Ihr Wagen kann hier warten.

„Aber ich kenne den Weg nicht."

„Ich werde Sie bis zur Grenze begleiten. Von da ist es nur noch ein Viertelstündcken bis zum Schloß, Sie sehen es bann schon vor sich liegen."

„Ich bin Ihnen sehr dankbar ... lassen Sie uns gehen."

Der Alte klopfte seine Pfeife aus und ging in das Haus, um Hut, Stock und Doppelflinte zu holen. Nach wenigen Minuten kehrte er zurück.

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