Einzelbild herunterladen
 

Weier Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Dir Befreiet Sleneften Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbonnementSpretS betragt monatlich 50 Pfg. bet freier Zustellung tnS HauS. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entzegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Tchlachthofsiraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach, mittags. juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs uns sonnabends von 88 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Nrrmmer 304. Fenifprecher 951 und 952. Dsnnerstsg, 30. RoVeMösr 1311. Fernsprecher 951 und 952. 1.

i' i II ----i----UI IIIII i IIIIII IIII i III »I em III»MW||,| IUII 11 |||||MM|||III|I»I............. awegg3gSB^mii«3i.l'im,,i»,wi jumm ........................................................

InsertionSpreise: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Psg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Reklame,eile für einheimische Geschäfte ti Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden viit 5 Mark pro Tausend be- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnserrionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt rv 676.

Weftmlustrr-Schs.

Eine zweite Marokko-Debatte int Reichstag!

Am sechsten (oder achten) Dezemver gedenkt Herr von Bethmann Hollweg, dem längst im Leid der Altersschwäche versunknen Reichs- t a g endlich die verdiente Ruhe zu gönnen, die­weil knapp fünf Wochen später die Wähler zur Urne schreiten sollen. Vorher aber (es wird der zweite Dezembertag als Termin der Of­fenbarung genannt) hofft der leitende Staats­mann, hofft Kiderlens schwäbische Unverdrof- senheit, dem am Rand des Grabes harrenden Parlament noch einen letzten Segen abzurin­gen: An diesem Tage wird der Kanzler, unter­stützt von der Wucht Krderlen'scher Argumen­tation, dem Reichstag erzählen, wie nach dem Marokko-Geplauder englischer Sophisten in sei­nem Kopf die Welt sich malt, unv was man in der Berliner Wilhelmstraße aus Sir Edward Greys parlamentarischen Eiertanz als zie­mende Antwort vorm Forum des deutschen Volks erachtet. Die frohe Botschaft ward in der Oeffentlichkeit mit einem weinenden und einem lachenden Auge empfangen: Mit Ge­nugtuung über den Entschluß der Regie­rung, Greys Seifenblasen-Demonstration nicht ohne angemeffne Antwort der Erinnerung ver­traut werden zu lassen; mit Langer Sorge angesichts der ungelenken Art, wie beim er­sten Marokko-Gericht im Reichstag die staats­männische Strategie der Bethmann-Aera arbei­tete. Der zweite Akt kann nur erduldet wer­den, wenn die Regie sich muntrer und weniger kärglich in der Spende der Gedanken zeigt.

Der mephistophelisch angekränkelte Minister britischer Auslandpolitik hat im Vorspiel der Marokko-Premiere im Westminsterhaus von der deutschen Marokkopolitik und vomScherz von Agadir" wie von einem Attentatsver- such auf altehrwürdige Rechte privilegierter Interessen gesprochen, dessen etfig-: Nüsnchnrna nur dadurch gehindert ward, daß britisch? Weltgerechtigkeit ihre schützende Hand übers' deutsch-französische Egoistenspiel reckte Lnd den, als Eilmarsch geplanten Panther-Bcutezug nach Agadir vereitelte: Der Hinweis auf di? durch die Wandlung der Verhältnisse erfordere lich gewordne Aenderung der Haltung' Engi- lands" steht in einem seltsamen Gegensatz zu dem mit schönem Pathos gesprochnen (den Hohlklang übertünchter Wirktlichkcit aber nur schwach verbergenden) Kanzlcrwort im Deut­schen Reichstag, wonachdie Politik der Kaiser­lichen Regierung vor Niemand zurück­gewichen, auch vor England nichts Herr von Bethmann Hollweg wird also am zweiten Dezembertag Gelegenheit haben, diese zarte Unterscheidung näher zu präzisieren, und auch für Herrn von Kiderlen bietet sich er­wünschter Anlaß, dem Reichstag noch einige Randbemerkungen über die Dinge zu gönnen, die er in der Budget-Kommission hinter dicht verschlossnen Türen so sinnig beplaudert hat. Sir' Edward Grey mußte dem Parlament ohne weiteres, ohne schützenden Kommis­sions-Vorhand und ohne Oeffentlichkeitsans- sckluß Rede und Antwort stehen; bei uns ging's nicht ohne die übliche Umhürdung des beschränkten Untertanen-Verstands", deren charakteristische Nachwirkungen mahlig of­fenbar werden und der nun bald das Nachspiel folgen soll.

Mitfühlende Anteilnahme an der Tragik einer ins spottweckende Gegenteil verkehrten Heldentat verbietet's, vom Kanzler des Reichs starke Worte für eine schwache Sache zu ver­langen; aber nachdem der Brite Grey ge­sprochen, dürfte der Germane Bethmann sich zu angemeßner Bekräftigung deutschen Rechtbewußti'eins vor Reich und Welt wie folgt vernehmen lassen:Die Rede des englischen Staatssekretärs der auswärtigen Angelegenheiten vom siebenundzwanzigsten November könnte den Eindruck wecken, als sei in unsrer Politik bezüglich Marokkos tat­sächlich eine Schwenkung und Mäßi­gung ursprünglicher Absichten eingetreten, als unser Botschafter in London aus Sir Edward Grey's berufnem Mund vernahm, England könne den Ereignissen auf afrikanischer Erde nicht untätig zuschauen, da die deutschen Pläne (entgegen früherer Versicherung) englische In­teressen empfindlich berührten. Ich fühle mich als Kanzler und als für die Marokro-Gefcheh- nisse verantwortlicher Staatsmann verpflichtet, demgegenüber hier ausdrücklich zu erklären, daß die Richtlinien der deutfchen Politik wäh­rend der ganzen Dauer der Verhandlungen von keinen andern Erwägungen, Einflüssen und Entschließungen bestimmt worden sind, als von denjenigen, die die Kaiserliche Regierung im Interesse des Reichs und zur Wahrung des deutfchen Ansehens als nützlich und zur Er­reichung des unS vorschwebenden Ziels gebo­

ten erachtet hat. Die Kaiserliche Regierung ist sich ihrer Verantwortung von allem Anfang an voll bewußt gewesen und sie muß die Unter­stellung mit Entschiedenheit zurück­weisen, als sei sie erst durch fremde Mahnung oder Drohung zur Erkennt­nis ihrer Pflichten gegenüber dem Weltfrieden gelangt!"

Worte, wie sie Otto von Bismarck einst zu prägen wußte, wenn die nationale Erregung hohe Wellen schlug, sind unsrer Zeit nicht mehr geläufig; Herr von Bethmann könnte sonst vor'm Reichstag sprechen:Dem deutschen Volke ist der Friede hehr und teuer; teurer aber noch ist uns des Vaterlandes Ehre und das Ansehen des deutfchen Namens in der Welt, und wir würden keinen Moment zö­gern, den Frieden zu opfern, wenn Frevler­hand es wagen sollte, unsre Ehre und unser Ansehen anzutasten!" Und wenn auch kein Bismarck'scher Kürassierstiefel die Wucht dieses Bekenntnisses sporenllirrend illustrieren würde, sondern nur der breite Schuh des Philosophen: Der Kanzler griffe damit an der Volksseele d e u t sch e st e Saiten und seine Worte müßten im Germanenland ein Echo wecken, das wie ein Sturmwind durch die Gaue brausen und das Geranne schadenfroher Neider verstummen machen würde. Wird Theobald von Bethmann Hollweg die Kraft finden, vor des greisen Reichstags Sterbestunde sich zur Höhe helden­hafter Entschlossenheit emporzurccken und für den zwölften Januar eine Parole in's Reich hinauszurufen, an der kein Parteienzank deu­teln, kein kleinlich Gcnörgel müden Witz ver­suchen könnte? Man wagt's nicht mehr zu hof­fen: Ter zweite Tag im Dezember könnte als später (und einz'ger) Ruhmestag Bettz- mann'schen Kanzlertums erglühen, und er wird vielleicht als grauer Werkeltag verküm­mern, dessen kahle Oede uns abermals daran erinnert, w t e st i ll es um uns her gewordin i j F. H.

*

Greys Sehwsrg rms MsmarSs Stiefel.

Kapitän Faber, der bekannte Enthüller der deutsch-englischen Kriegsgefahr im letzten September, erklärt» (wie uns aus London berichtet wird) gestern einem Vertreter der Evening-Times" im englischen Unterhaus» er meine, Greys Rede wurde in England und Deutschland einen vorzüglichen Ein­druck machen, denn sie sei versöhnlich. Grey habe Deutschland einen kleinenOelzweig dargereicht, indem er sagte: Ihr habt die größte Armee der Welt, warum wollt Ihr uns nicht ein Gleiches bezüglich der Flotte gönnen? Er habe in feiner Rede zu Andover nichts ge­gen die englische Diplomatie sagen wollen Grey habe feine Karten mit höchster Vollkom­menheit gespielt, und jedermanns Unterstützung genossen. Auf die Frage, wie er Greys Tadel ausnehme, lachte Faber laut auf. Das sei (so sagte er) die einzige Antwort, die er darauf zu geben habe. Wie man in Frankreich die Rede Greys beurteilt, zeigt folgende Meldung:

Paris, 29. November.

(Privat-Telegram m.)

Zur Rede Sir Edward Greys schreibt bke angesehene MilitärzeitschriftFrance militairc": Die Rede ist, wie man es ja auch von einem englischen Minister erwar­ten durfte, klar, friedfertig und fest, aber nicht ohne eine aristokratische Spitze. Der Kontrast der Grey'schen Rede zu den niedrigeren und drohenden Reden der gro­ßen Staatsmänner in Berlin, die in den großen Stiefeln Bismarcks st o l p e r n, ist groß.

In Berlin nahm gestern (einem Pri- vat-Telegramm zufolge) der Wahlvor- starrd (Fünfziger-Ausschuß) der Konserva­tiven Partei unter außerordentlich starker Beteiligung aus allen preußischen Provinzen und aus allen deutschen Bundesstaaten im Ab­geordnetenhaus in vertraulicher Sitzung aus Antrag der Vertreter der fünf größten süddeut­schen Bundesstaaten zur Marokkoangele- heit einstimmig folgenden Beschluß an: Der Vorstand (Fünfziger-Ausschuß i der Deutsch- Konservativen Partei billigt in vollem Umfange das Verhalten ihrer Vertreter im Reichstage bei den Verhandlungen über die Marokkofrage und spricht der Reichir-lagsfrak- tion und insbesondere dem Fraktionsredner von Heydebrand volles Vertrauen und aufrichtigen Dank aus.

*

Wie uns aus Berlin depeschiert wird, er­zählte man sich gestern in den Wandelgängen des Reichstags das verbürgte Gerücht, bet englische Kriegsminister Haldane, der beim Deutschen Kaiser bekanntlichpersona grata ist, werde noch vor Weihnachten nach Berlin kommen, um hier mit den maßgebenden Per­sönlichkeiten Fühlung wegen bed Planes eines englisch-deutschen Kolonial -Ab­

kommens in Afrika zu nehmen. Es verlautet, daß beide Regierungen geneigt sind, durch ein freundschaftliches Uebereinkommen die beider­seitigen kolonialen Interessensphären in Afrika abzugrenzen und auf diese Weise die etwaigen kolonialen Reibungsflächen z« beseitigen.

Welsen-ZeAsMsn in Acht?

Der Herzog von Cumberland und die Welfen.

Ein Essener alldeutsches Blatt brachte die­ser Tage die sensationelle Mitteilung, daß sei­ner Redaktion die Kassenbücher der in H au - notier erscheinenden radikal - welsischen Deutschen Volkszeitung" Vorgelegen hätten, aus denen überzeugend hervorgehe, daß im Jahre achtzehnhundertzweiundneunzig, als der Herzog Ern st August von Cumber­land mit der einen Hand den Schwur lei­stete, nie wissentlich zu veranlassen oder gutzu- heißen, daß feindselige Unternehmungen gegen den Kaiser oder gegen den preußischen Staat mit Mitteln, die dem Herzog zur Verfügung ständen, direkt oder indirekt unternommen wür­den. der Herzog mit der andern Hand mo­natlich tausend bis dreitausend Mar! in die Kasse derDeutschen Volkszeitung" gezahlt habe, die bekanntlich als fanatisches Welfen- blatt für die W i e d e r a u f r i ch t u n g des Königreichs Hannover eintritt. Zu dieser sensationellen Mitteilung wird uns nun von unterrichteter Seite berichtet:

Hannover, 29. November.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Die Angaben des Essener alldeutschen Blattes über die angebliche Unterstützung der welsischen Agitation durch den Herzog von Cumberland haben in hiesigen welsischen Kreisen das größte Aufsehen hervorgerufen, da die Informationen, die das Essener Blatt angeblich erhalten haben will, nur durch einen groben Vertrauensbruch seitens eines von derDeutschen Volkszeitung" entlassenen Beamten in den Besitz der Essener Redaktion gelangt sein könneu Jnwietveit Dritte an diesem Vertrauensbruch beteiligt sind, hat noch nicht ermittelt werden können; seitens des geschädigten Blattes ist aber sofort Anzeige gegen den wahrscheinlichen Ur­heber des Vertrauensbruchs bei der Staatsan­waltschaft erstattet worden. Es verlautet auch, daß seitens des Herzogs von Cumber­land selbst eine Aufklärung des Sachverhalts erfolgen solle, und daß diese Aufklärung die Denunziationen des Essener Blattes in allen Punkten entkräften werde. Nach Lage der Sache scheint indessen ein großer Welsen­prozeßunvermeidlich zu sein, denn das Essener alldeutsche Blatt (gemeint ist dieRhei- nisch-Westfälische Zeitung") scheint die Absicht zu verfolgen, diesen Prozeß durch immer neue An­klagen wider die welsische Partei zu erzwingen, um dann vor Gericht Gelegenheit zu haben, fein Material der breitesten Oeffentlichkeit über­geben zu können. Daß Herzog Ernst August von Cumberland an der Agitation der Welsen- partei und in ihren journalistischen Unterneh­mungen beteiligt fei und sie finanziell gar un t e r st ü tz t habe, wird in hiesigen welsischen Kreisen aus das Entschiedenste bestritten. Nach Lage der Sache bleibt also nur die An­nahme übrig, daß es sich hier um ein sörm- liches Netz von Denunziationen und Mystifika­tionen handelt, dessen Entwirrung erst möglich fein wird, wenn vor Gericht die dunklen Wege aufgedeckt werden, aus denen hier die Jn- t r i g u e gegen das Haus Cumberland dem Ziel zugestrebt hat. Das wird nun bald ge­schehen .und man darf sich auf ü b e r r a s ch e n - de Enthüllungen gefaßt machen.

*

Braunschweigische Blätter lassen sich über die aufsehenerregende Affäre wie folgt verneh­men: Wir wissen aus eigner Erfahrung, daß der Herzog Ernst August seinerzeit die Alt- braunschweiger Volkszeitung auf Wunsch nicht unterstützte, obschon sie kräftig für die Wahrung feiner Interessen eintrat. Das Blatt mußte vielmehr sein Erscheinen einstellen. Hier handelt es sich nun gar um ein Hannoversches Organ. Für letzteres haben wir durch unsere Ausführungen eine Lanze nicht brechen wollen, denn für die Wiederherstellung des König­reichs Hannover sind wir bekanntlich nicht zu haben. Da macken wir nicht mit. Wir haben lediglich versucht, dazu beizutragen, eine unerhörte Indiskretion zur Re­chenschaft zu ziehen und den Ches des Hauses Braunschweig-Lüneburg vor dauernden Gemeinheiten zu schützen.

Dr. Zols als Lindequists 8?be.

Tie Ernennung Solfs steht bevor!

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 29. November.

Eine parlamentarische Korrespondenz wußte gestern zu berichten, daß sich der Gouver­neur Dr. Sols bereit erklärt habe, die Ge­

schäfte des Reichskolonialamts, die er zurzeit provisorisch verwaltet, definitiv zu über­nehmen. Die Ernennung zum Staatsekretär Werde demnächst erfolgen. Von unterrichteter Seite erfahre ick dazu folgende Einzelheiten: Der Reichskanzler hatte am Montag mit Dr. Solf eine etwa zwei Stunden währende Unterredung, in der alle schwebenden Fragen unsrer Kolonialpolitik durchgesprochen wurden. Zwischen Herrn von Bethmann Hollweg und Gouverneur Dr. Solf herrschte völlige U e b e r e i n st i m m u n g hinsichtlich der Richt­linien, die die Kolonialpolitik Deutschlands be­stimmen, und auf Befragen des Kanzlers er­klärte sich Dr. Solf auch bereit, die Leitung des Reichskolonialamts dauernd zu über­nehmen. Die angebliche Kandidatur des Ost- afrika-Gouverneurs Frei Herrn von Re­chenberg ist in Wirklichkeit niemals ernstlich in Frage gekommen. Die Ernennung des neuen Kolonialstaatssekretärs wird wahrscheinlich in den ersten Tagen der nächsten Woche erfolgen,

Gertz-As« im Reichstag.

Die gestrigen Reichstags-Verhandlungen.

(Von nnserm parlamentarischen Mitarbeiter.)'

Das Interesse des Reichstags wandte sich gestern weniger den Beratungsgegeständen zu (es war im Sitzungssaal ziemlich leer), um so mehr schwirrte die Unterhaltung in den Wandelgängen, und immer wieder hörte man den einen Namen Grey. Sonderlich liebens­würdig klangen die Aeußerungen im großen und ganzen gerade nicht, aber man wird ja noch Gelegenheit haben, sich offiziell hierüber auszusprechen, wenn der Kommisstonsbericht über die Marokkoverhandlungen dem Plenum vorgetragen wird, was voraussichtlich Ende dieser Woche der Fall sein dürfte. Offiziell be­schäftigte man sich zunächst mit dem Schiff­fahrtsabgabengesetz, das ohne we­sentliche Debatte in zw.xiter Lesung erledigt wurde. Sehr erhebend war auch dtt Verlauf der folgenden Erörterung (bei der zweiten Le­sung des Hausarbeitsgesetzes) nicht. Bei den einzelnen Paragraphen waren fast je­desmal von den Sozialdemokraten Anträge ge­stellt, die entweder besondere Jnterxffen berück­sichtigende Ausnahmebestimmungen gestrichen haben wollten, oder noch weitere Ausdehnung der Bestimmungen verlangten. Die sozialdemo­kratischen Anträge wurden indessen samt und sonders a b g e l e h n t, wobei es mehrfach zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Sozialdemokraten und den Red­nern der bürgerlichen Parteien kam, denen man vonseiten der Genossen vorwarf, daß sie für das Elend der Heimarbeiter kein Herz hätten. Nachdem der sozialdemokratische Abgeordnete G o e h r e sich noch eingehend über die beklagenswerte Lage der Heimarbeiter aus­gelassen hatte, ergriff Staatssekretär Dr. Del­brück das Wort, indem.er ausführte, die ver­bündeten Regierungen würden unter allen Um­ständen einem Gesetz ihre Zustimmung ver­sagen müssen, das in irgendeiner Form eine obligatorische Festsetzung der Löhne unter Mitwirkung der Behörden ver­lange. Das Haus vertagte sich darauf auf Mittwoch, an welchem Tage die Debatte zu Ende geführt werden soll.

Fchlußtag: Cird-ntsr Lszernbsr.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Im Reichstag rechnet man damit, den Schluß der Session spätestens am siebent en Dezember vornehmen zu kön­nen. Die zweiten Lesungen der noch ausstehen­den Vorlagen sollen fast sämtlich in dieser Woche erledigt werden, ebenso die Beratung der Marokkoanträge. Die zweite Le­sung der ostafrrkanisckcn Eisenbahnvorlage und des Kleinaktiengesetzes sür Kiautschou dürfte am nächsten Montag erfolgen. In den drei letzten Tagen der nächsten Woche sollen alsdann die dritten Lesungen aller noch zu verabschiedenden Gesetze vorgenommen werden.

Pomtzess in Amerika.

Stumme Zeugen altamerikanischer Kultur.

In ber Neuen Welt ist vor einigen Tagen eine archS- ologischo Entdeckung von solcher Tragweite gemacht ivorben, daß bet glückliche Entdecker dem Fundorte die Bezeichnungein amerikanisches Pompeji" ge­geben hat. Ter Bcrgleich mit Pompeji trifft insofern vollkommen zu, als es sich um eine mexikanische Stadt handelt, die in längst verschollenen Zellen von einem ber mexikanischen Vulkane verschüttet morden ist Professor William Niven, Mitglied der Nem.Voller Akademie ber Wissenschaften, veröffentlicht jetzt imNew Jork American" einen ausführlichen Bericht über seine Forschungen.

Wie Professor Niven mitteilt, stieß er in dem. Tal zwischen T e x c o e o und T l a l ne­tz a u t l a unter einer Schickt vulkanischer Erde in einer Tiefe von einigen Metern auf die Reste einer ausgedehnten Stadt, deren Hän. fer aus Ziegelsteinen erbaut waren. Niven konnte ein Haus, dessen Wohnungsinhalt völlig erhalten ist (die berumliegenben Knochenreste der Bewohner zerfielen bei der bloßen Berüh­rung zu Staub), genauer untersuchen, wöbet