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Nr. 302.

Erster Jahrgang.

COler Neueste Nachrichten

2. Beilage.

Dienstag, 28. November 1911.

29)

(Nachdruck derbsten.)

wieder

Weihnachtsmserate

.Unter ,Beun-

Nack einer Weile fuhr er jedoch auf. als auälc ihn ein Gedanke.

„Wo ist Germaine?" fragte er.

„Germaine ist noch im Forsthaus

Gericht imh Recht.

Der Mörder seiner Braut.

Aus München schreibt man uns: Mit jie- benundzwanzig Messerstichen im Leibe wurde am dreizehnten Juni in den Jsaran- lagen bei Thalkirchen die in Sendling bei ihrem Vater wohnhaft gewesene ledige Näherin Helene Höpfl aufgefunden. Das Mädchen hatte sich am vorgehenden Abend aus der Woh­nung entfernt, angeblich um einen Spaziergang ZU machen, war aber nicht mehr zurückgekehrt. Der Verdacht lenkte sich alsbald gegen den fünfundzwanzig Jahre alten Schlosser Johann Allwer, der schon seit einigen Jahren Be­ziehungen zu der Höpfl unterhalten hatte.

Ms das Mädchen von seinem Spaziergang nicht hcimkehrte, wurden sofort Nachforschun­gen veranstaltet und man fand in den erwähn­ten Anlagen neben verschiedenen Papieren des Allwer auch einen von ihm herrührenden Brief, in dem er mit zynischer Offenheit erklärte, er habe die Höpfl erstochen und die Leiche in die Isar geworfen. Allwer war selbst alsbald aus München verschwunden, jedoch fchon nach ein paar Tagen in der Nähe Münchens ver­haftet worden. Dem ihn verhaftenden Gen­darmen gegenüber erklärte Allwer, er sei mit der Höpfl in Streit geraten, die plötzlich ein Messer gezogen und ihn angegriffen habe; er habe ihr das Messer entrissen und auf sie eingestocben und dann die Leicke ins Was­ser geworfen. Zur Ausführung des be­absichtigten Selbstmordes habe ihm der Mut gesehlt. In der jetzigen Verhandlung des Schwurgerichts bestritt er jede direkte Absicht, die Höpfl zu töten, gab aber auf Vorhalt dann doch zu, daß er momentan diese Absicht gehabt habe. Nach der Tat hatte sich Alwer ins Hof- bräuhaus nach München begeben, von wo aus er an die Familie der Ennorderten einen Brief schrieb, in dem er das Zerwürfnis zwischen ihm und dem Mädchen schilderte und dann er­zählte, wie sich die Tat zugetragen habe, wie er das Mädchen in der Aufregung erstochen und dessen Leiche in die Isar geworfen habe. Der Psychiatrische Sachverständige gab sein Gutach­ten dahin ab, daß das Bewußtsein des Täters zur Zeit der Tat nicht erheblich getrübt gewe­sen sein dürfte; die Tat selbst sei zwar nicht mit Ueberlegung. sondern nur im Affekt verübt worden, aber ein Zustand der Bewußt­losigkeit oder einer krankhaften Störung der Geisteskräfte, durch die die stete Willensbe­stimmung ausgeschlossen gewesen wäre, sei nicht vorbanden gewesen. Das Urteil lautet auf zehn Jahre Zuchthaus und mehr­jährigen Ehrverlust. -er-

cS3 Die Folgen eines Fagddiners. Wegen wörtlicher und tätlicher Beleidigung in zwei Fällen hatte sich der bekannte Rennstallbesitzer Rentier Otto Kampfbenkel vor der Strafkammer des Landgerichts I in Berlin zu verantworten. Als Nebenklägerin trat die Französin Frl. G. auf, die in der Familie des Rentiers Jacobi als Gouvernante ange­stellt ist. Letzterer batte mit dem Angeklagten zusammen eine Jagd gepachtet, und beide be­wohnten gemeinschaftlich eine in Müncheberg belegene Jagdvilla. Eines Tages war der Angeklagte Mittagsgast bei seinem Jagdteil- baber. Nach Tisch trat er an die an der Gar-

1 tentür stehende Gouvernante heran und be- ■ rührte sie an der Rückseite ihres Körpers. Diese : Berührung empfand die Gouvernante als höchst unzüchtig und als Angriff auf ihre weib­liche Ehre. In der Empörung versetzte sie : dem dreiundsechzigjährigen Angeklagten eine schallende Ohrfeige. Kainpfhenkel wurde über diese fühlbare Zurechtweisung seitens einer Angestellten sehr aufgebracht. Er beschimpfte sie, packle sie an den Schultern und soll ihr auch, was er bestreitet, einen Stoß mit dem Knie gegeben haben, so daß sie die nach dem Garten führenden Treppenstufen hinabstürzte und unten liegen blieb. Frl. G. hat außer einem Nerven­choc eine blutige Verletzung und Verstauchung des Daumens erlitten. Der Angeklagte bestritt, daß die Berührung des Fräuleins unzüchtig gewesen und behauptete, daß die ganze Sache künstlich aufgebauscht sei. Trotzdem verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu d r e i M o- naten Gefängnis und einer an die Ne­benklägerin zu zahlenden Buße von fünfhun­dert Mark.

cä3 Ein Opfer des „grünen Rasens". Das Leipziger Schwurgericht verurteilte am Sonnabend den ehemaligen Schuldgeldeinneh­mer Oswin Sliefert, der nach Unterschla­gung von über dreißigtausend Mark städtischer Gelder nach Wien geflüchtet und dort verhaftet worden war, unter Zubilligung mildernder Umstände zu dreieinhalb Jahren Ge­fängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Bei seiner Vernehmung in der Verhandlung gab Lüpfert an, er habe ein Jahresgehalt von 1600 Mark bezogen. Er gab zu, ein eifrigerBe- sucher der Rennplätze gewesen zu sein und viel gewettet zu haben. Dadurch sei er in Schulden gekommen und habe, um dieselben decken zu können, sich an dem ihm anvertrauten Gelde vergriffen; er habe aber die Absicht ge­habt, die unterschlagenen Beträge wieder zu ersetzen. Die unrichtigen Buchungen seien le­diglich auf ein Versehen seinerseits zurückzu- führen. Als letzten Versuch, seine Unterschla­gungen zu decken, habe er noch besonders hoheWetten eingegangen, und als auch hier ihm das Glück nicht hold war, sei ihm nur die Flucht übrig geblieben. Er sei dann direkt nach Wien gefahren, wo er in verschiedenen Hotels unter falschem Namen abgestiegen sei. In Wien sei er dann kurze Zeit darauf auch verhaftet worden.

S3 Ein Nachspiel zum Schapiro-Prozeß. Aus Mainz wird uns geschrieben: Der Be­leidigungsprozeß des Beigeordneten Berndt in Mainz und der Mainzer Polizeiassistentin Frau Tr. S ch a p i r o gegen den Verleger des „Mainzer Neuesten Anzeiger" Heinrich Hirsch wird nunmcbr noch ein weiteres Nachspiel ha­ben, da der Beigeordnete Berndt gegen Hirsch und den verantwortlichen Redakteur des „Neue­sten Anzeiger" Steigerwall erneut Strafan­trag wegen Beleidigung gestellt hat. Die Be­leidigungen sind in einer Reihe von Artikeln des „Neuesten Anzeiger" enthalten, die noch der Verurteilung erschienen und worin die gleichen Beleidigungen wiederholt wurden, die der An­geklagte als grundlos und unbeweisbar zurück­zunehmen sich in dieser ersten Verhandlung be­reit erklärt hatte. Weiter soll aber Hirsch den Beigeordneten Berndt in Privatgesvrächcn un­ter Vorzeigung von Briefvhotogra- p l> i e n schwer beleidigt haben. Wie verlautet, besteht die Absicht, dieses neue Strafverfahren bis zur Beendigung des Revisionsverfahrens des ersten Prozesses beruhen zu lassen. Sollte, was nicht zu erwarten ist, die Revision für be­gründet erklärt werden, so könnte dann das Verfahren über die neue Beleidigung mit dem alten Verfahren gemeinsam erledigt werden. Bei den Briefphotographien bandelt es sich um ölche, in denen der Beigeordnete Berndt einer Dame ein Heiratsversprechen gemacht bat unter der Bedingung, daß sie zum evange­lischen Glauben übertrete. Im Schapiro-Pro- zeß bat bekanntlich der Beigeordnete Berndt auf das Bestimmteste behauptet, daß ein sol­ches Versprechen nicht existiere. Auch der Ge­richtsvorsitzende hat sich darüber nicht geäußert, trotzdem ihm der Brief vorgelegen haben soll.

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den Eichen"," entgegnete die Gräfin, ruhige dich nicht. Sie ist in guter, sorgsamer Pflege, ich habe eine Krankenschwester zu ihr

dig fühlte, konnte den Blick dieser großen, ern­sten, leuchtenden Augen kaum ertragen, sie schie­nen bis auf den Grund der Seele und des Herzens zu bringen, und der Schuldbewußte schlug die Augen nieder, wenn er auck noch so trotzig gewesen war. Aber Heino hielt dem Blick stand, wenn auch in seine Wangen eine leise Röte emporstieg. Er ahnte, daß der Gene­ral tiefer in den Zusammenhang der Gescheh­nisse eingedrungen war, als zum Beispiel der Oberst, der sich meistens nur an die Oberfläche hielt, ohne sich die Mühe zu gehen, die inne­ren Beweggründe zu erforschen.

Der General nickte leicht mit dem grauen Haupte, als sei er durch die Prüfung Heinos befriedigt; dann sagte er: .

-Ich babe Ihren Bericht aufmerksam durch­gelesen, Herr Leutnant, und indem ich Ihre Angaben mit den Aussagen der anderen betei­ligten Personen verglichen habe, habe ich mich entschlossen, die Untersuchung gegen Sie ein­stellen zu lassen. Sie haben alles getan, was Sie vermochten, den Diebstahl der Akten zu verhüten, und haben dann große Energie ge­zeigt, die Akten wieder zu erhalten, lind da tatiächlich keinerlei Schaden durch die zeitwei­lige Entwendung der Schriftstücke entstanden ist, so liegt für mich auch kein Grund vor, ge­gen Sie einzuschreiten."

(Fortsetzung folgt.)

Erinnerung...!

lhsb' ich mich nicht lasgeriffen, Sicht mein her; von ihr gewandt. Weil ich sie verachten muffen. Weil ich wertlos sie erkannt?

Warum steht in holdem Sangen Sie denn immer noch vor mir? Woher dieses Glutoerlangen, Das mich jetzt noch sieht ;u ihr?

Taufend alte Sütter kommen. Ach! und jedes, jedes spricht: ffst der Kftil auch weggenommen, ffst es doch die Wunde nicht.

Franz Grillparzer.

Die Gräfin hielt ihm einen erfrischenden Trank au die Lippen und er trank Begierig.

„Ich danke dir . . ." Tann sank er in die Kissen zurück und blieb ruhig liegen.

Sie Tochter des Spions

Roma«, von O. von Brunneck.

geschickt."

„Weshalb bist du nicht bei ihr geblieben?"

„Ich wollte dich verpflegen, lieber Mann — und dann — ich durfte nicht länger in Deutschland bleiben . ,"

Eine schwache Röte überhauchte das blasse Gesicht des Grasen.

„Weshalb?" kragte er.

„Ich wollte der" Untersuchung aus dem

Wege gehen — ich sollte verhaftet werden ..."

„Verhaftet? Du?! — Aber du wußtest ja nichts."

„Man glaubte mir nicht — deshalb floh ich über die Grenze ..."

„Armes Kind ... so viel Sorgen und Mühen hast du um mich gehabt? Kannst du mir verzeihen. Madelaine?"

„Sprich nicht so, Liebster. Aber du hättest mehr Vertrauen zu mir haben sollen."

„Ich wollte dir keine Sorge bereiten . . ."

„Bin ich doch dein Weib, Morime. Und glaube mir, ich hätte schwelgen können und wäre dir eine treue Gehilfin gewesen. Ich würde dich nicht verraten haben, wie es Ger­maine tat . . ."

„Madelaine?"

„Nun ja — durch ihre Torbeit ist doch alles herausgekommen. Daß sie selbst dabei fast zu- ■ gründe ging, ist allein ihre Schuld — dock laß 1 uns nicht mehr darüber sprechen. Ich bin ja ■ so glücklich, daß dein Zustand sick so gebessert 1 hat. Liege ruhig — denke nicht so viel und sprich nicht. Soll ich dir vorlesen?"

„Nein — bleibe nur bei mir sitzen und gib mir deine Hand."

Die Gräfin reichte ihm die Sand, die er küßte. Tann lag er ruhig mit 'geschlossenen Augen da, er war zu matt, als daß er sprechen oder auch nur klar und bewußt denken konnte. Er fühlte nur, daß er einer großen Gefahr ent­ronnen war, und empfand es wohlig und an­genehm, so ruhig und regungslos in dem wei­chen Bette, inmitten des halbhellen Zimmers dazuliegen, in dessen geöffnetes Fenster die lauen Sommerlüfte hereinwehten.

Nach einiger Zeit war er wieder entschlum­mert. Sanft lüste die Gräfin ihre Hand aus der feintgen und setzte sich wieder an das Fen­ster. die Stirn in die Hand stützend und ernst in die waldige Landschaft hinausfckauend.

Sie schien eine andere geworden, ernster, gesetzter und älter.

Und schwere Tage lagen ja auch hinter ihr. Germaine und ihr Gatte auf den Tod darnie­derliegend, sie selbst von den scharfen Augen der Polizei überwacht, keinen Freund, der ihr raten, der ihr helfen konnte.

Da erwachte ihre eigene Tatkraft, und ihre weibliche Schlauheit ließ sie selbst die Mittel finden, sich aus der bösen Lage zu befreien.

In einer dunklen, regnerischen Gewitter- nackt verließ sie ihr Haus und flüchtete zu dem Doktor Vivenaut, dem alten französischen Mili­tärarzt. Verborgen in dessen Wagen überschritt sie die Grenze und langte glücklich auf Schloß Malmaison an, wo sie allerdings ihren Gatten in einem sehr bedenklichen Zustand antraf. Sie ließ es sich nicht nehmen, feine Pflege selbst zu übernehmen.

Sie liebte ihn und war ihm dankbar für die Nachsicht, die er stets ihren Fehlern gegen» über gezeigt hatte; dennoch empfand sie eine gewisse Bitterkeit, wenn sie daran dachte, haß er das Hauptwerk seines Lebens ihr verborgen, daß er seine Tochter zu seiner Vertrauten ge­mocht, während sie tn sorgloser Heiterkeit an dem Abgrund dahinschritt, der jetzt sie alle fast verschlungen hätte.

Sechzehntes Kapitel.

Mehrere Tage blieb Heino in Ungewißheit über fein Schickfal. Er batte einen Bericht über die Entwendung der Akten eingereicht und in ibm die Ereignisse wahrheitsgetreu, allerdings mit Umgehung alles Persönlichen, geschildert, und wartete nun, ruhig in seinem Gewissen, die Entwickelung der Dinge ab. Mit der Außenwelt stand er nur durch seinen wackeren Burschen,Heinrich Wilkening in Verbindung, da er ja mit niemandem verkehren durste, aber Heinrich brachte ibm wenigstens die be­ruhigende Nachricht, daß der Zustand Germai­nes zufriedenstellend war und ibre Genesung von Tag zu Tag weitere Fortschritte machte.

Heino erwartete den Tag mit Ungeduld, wo es ihm erlaubt sein werde, nach dem Forst- haus „Unter den Eichen" hinauszueilen, um Germaine wieder zu sehen. Er schrieb ihr meh­rere Male, erhielt aber keine Antwort.

Nach einer Woche etwa erschien Oberleut­nant Borges wieder bei Heino, reichte ihm sei­nen Säbel zurück und überbrachte ihm den Be- : fehl, sick mittags bei dem Brigadekommandeur Generalmajor von Ottfeld zu melden.

„Ich freue mich, lieber Heino," sagte er ' lächelnd, „dir mitteilen zu können, daß deine 1 Angelegenheit günstig steht. Der Oberst wollte 1 allerdings eine strenge Untersuchung, aber der 1 General war dagegen; er will dich persönlich sprechen, ehe er sich definitiv entscheidet. Du kennst ja den alten Herrn; er wird dich scharf ins Gebet nehmen, aber seine milde Denkungs­art, sein gutes Herz, sie werden schließlich den Sieg davontragen. Sei nur ganz offen gegen ihn; das ist das Beste."

„Ich habe nichts zu verbergen," entgegnete Heino ruhig, „und sehe der Untersuchung mit gutem Gewissen entgegen." |

„Nun denn, Glückauf! Es wird schon alles gut gehen." ;

Als Heino dem General gegenüberstand, i sah ihn dieser mit feinen grauen, leuchtenden ' Augen ernst und forschend an. Wer sich schul- i

Der Baron ergriff seinen Hut und eilte da­von. Auf dem Hof befahl er mit weitbinsckal- lender Stimme dem Kutscher, den Zagdwagen anzuspannen; dann holte er einige Erfri- sckungsmittel, eine Flasche Sein, Brot und kal­tes Fleisch und legte es in den Wagen.

-Wo liegt der Graf?" fragte er Louis, der ihm gefolgt war.

„Dori oben in der Tannenschonung . .

„Gut. Gehen Sie in die Küche, lassen Sie sick Erfrischungen geben und ruhen Sie sich aus. In einer halben Stunde bin ich mit dem Grafen zurück. Ein reitender Bote soll nach der Stadt, um einen Arzt zu holen."

„Es ist gerade ein Arzt im Dorfe, Herr Baron," sagte der Diener.

„So soll er sofort aufs Schloß kommen."

Mit diesen Worten sprang der Baron In den Wagen, ergriff selbst die Zügel und fuhr in schärfster Gangart dem Walde zu.

Er mußte jedoch einige Zeit suchen, bis er den Verwundeten fand. Dieser war mit dem letzten Rest seiner Kraft tiefer in da« Ge­hölz hineingekrocken und dort bewußtlos zu- sammenaebrocken wie ein vom Jäger gehetztes und waidwund geschossenes Wild. Er glaubte zu sterben. Der Blutverlust — das Geschoß des Gendarmen hatte seine Schulter durchbohrt — und die rasende Flucht durch das Unterholz des Waldes batten ihn derart erschöpft, daß er tatsächlich dem Tode nahe war. Erst das Rüt­teln des Wagens, auf den ihn der Baron und der Kutscher gebettet hatten, das Stoßen der Räder auf dem unebenen Feldwege, der vom Walde zum Schloß führte, brachten ihn wieder ins Bewußtsein zurück.

Aber auch dann war sein Bewußtsein noch getrübt. Er sah alles wie durch einen dich­ten Nebel, er erkannte Herrn de Malmaison, vermochte sich jedoch nicht zu erklären, wie er hierher gekommen, und als man ihn die Schloßstiege hinauftrug, fiel er wieder in eine Hefe Ohnmacht.

Zum Glück war der Arzt zur Stelle: aber trotz der Sorgfalt, die man auf seine Pflege verwandte, verfiel der Graf dennoch in ein hef­tiges Wundfieber, das ihm für mehrere Tage die klare Besinnung raubte.

Endlich wich das Fieber, und als er nach einem langen, tiefen Schlummer die Augen aufschlug, sah er sich erstaunt um und erblickte In einer Fensternische sitzend seine Gattin.

„Madelaine!" rief er mit leiser Stimme, indem er versuchte, sich aufzurichten.

Im näcksten Augenblick war die Gräfin ne­ben seinem Lager. Ihre schönes Gesicht war blaß, ihre sonst so lachenden blauen Augen blickten ernst und traurig, ibr dunkles Haar schien mehr ergraut. Zärtlich beugte sie sich über ibn.

„Wo bin ick, Madelaine?" fragte der Graf mit matter Stimme.

„Du bist in Sicherheit, Maxime," entgeg­nete die Gräfin, sanft seine Hand streichelnd. „Auf Sckloß Malmaison — und Gott fei Dank! scheint dein Zustand sick zum Besseren gewandt zu haben. Tu hast uns große Sorge gemacht, lieber Mann."

Der Graf entsann sick jetzt her letzten Vor­kommnisse. „Ich war krank," sagte er. „Die Brust schmerzt mich — oh, ich erinnere mich! — Die Gendarmen schossen nach uns und eine Kugel traf mich ..."

„Ja, ja — aber nun ist alles gut.- Die Äugel wurde entfernt. Tu wirst genesen, aber du mutz rub'g liegen und nicht sprechen! Willst du eine kleine Erfrischung?"