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Nr. 302. 1. Jahrgang.

rin Frosthauch weht uns an dem kalten, toten Stein. So wird cs Winter, so ist cs winterlicher November. Und nun, wie lange noch, und cs flattern Flocken, rieseln und sal- len, dicht und grau vom grauweißen Himmel, und das Jahr zieht sich sein Sterbehemd an und legt sich in sein gefrorenes Grab. Tann knirschen die Tritte in "der Flur und hallen am Wege, und in der Luft ist es wie ein klares Klingen. Und dann kommt die Zaubernacht mit dem Wunderbaum, aus dem brennende Kerzen bLhcn, deren Schein uns so wunder­sam umsließt, weich und warm und mild, daß ein Rühren und Erinnern durch uns geht, das ft* in Tränen lösen möchte. Der Zauber­nacht folgen kalte Morgen, bis das Jahr cr- froren ist und tot und starr versinkt. Tann steht ein neues auf, kalt und klar, hart und gläsern, weiß und rein, aber auch das neue kann sich seine Reine nicht bewahren. Durch Sckmutz und Sturm, durch Weichheit und Sehnen, Lust und Glut, Reise und Fallen muß es auch zum Tode kommen und einem neuen Platz machen, und so weiter ohne Ende.

Wie schnell, wie rasend schnell geht ein Jahr dahin ... als wäre es kaum gewesen, so kommt cs uns vor. Und wir? . . . Wir sind wieder ein Jahr älter geworden, haben dies erreicht und jenes verpaßt, diese Freude ver- geffen und jenes Leid überwunden, und was uns bleibt, das ist das Hoffen. Tas Hoffen, dies merkwürdige Ding; halb wünschen, halb wissen, halb sehnen, balb klagen, und immer da, nicht zu zerstören und nicht zu töten. Wenn wir nicht mehr hoffen, sind wir tot; dann kommen andere nach uns, leiden und freuen sich wie wir, zweifeln wie wir nnb hoffen wie wir, und die Hoffnung ist das Beständige und das Ewige in der Welt. Wenn aber einmal keine Hoffnung mehr ist in der Welt, dann ist die Welt tot, dann ist das Nichts im Nichts . . . oder . . .? Oder dann hat sich das Hoffen erfüllt, und die Vollendung ist da. Tas aber können wir Erdenkinder nicht ausdenken. Einen Zweck, der das Ende ist, können wir nicht fassen, weil unsere Zwecke alle weitere Zwecke haben und auf den letzten großen Zweck, auf die Vollendung ausgehen, und doch können wir die Vollendung nicht begreifen, weil sie keinen Zweck mehr hat. Es ist ein Kreisel, in den wir geraten, wenn wir darü­ber grübeln wollen, es führt zu nichts, und das Heute packt uns unwirsch und schüttelt den Träumer, und unser wartet des Tages Arbeit. Also vorwärts! Die Blicke voraus! Die Luft ist klar, und das Auge reicht weit; das Lehen stirbt nicht, cs atmet und pulst, cs plagt uns und freut uns, und es verlangt den Kampf. Wohlan, wir scheuen den Kamp nicht; wir packen zu, und wenn es schneit, fah­ren wir jauchzend in den Wintertag . . .! P.

Bitt Kind verbrannt.

Ein schreckliches Unglück ereignete sich am Sonnabend nachmittag in der Philippi- straße (Rothenditmold). Das elfjährige Töch­terchen Lina der Taglöhnersfamilie Berndt war «während beide Eltern ihrer täglichen Be­schäftigung nachgingen) mit der Hausarbeit beschäftigt. Beim Reinigen des Küchcnfutz- bodens kam das Kind mit seinen Kleidern dem Herdfeuer zu nahe. Im Nu gerieten sie in Flammen. Das Kind versuchte, die Kleider vom Körper zu reißen, was ihm jedoch nicht gelang. Als es seine Hilflosigkeit einsah, fing es laut zu schreien an und jammerte um Hilfe. Auf diese Hilferufe eilte eine int Parterre des Hauses wohnende Frau, nichts Gutes ahnend, di» Treppe hinauf. Auf halbem Wege kam ihr bereits das einer Feuersäule gleichende Mäd­chen entgegen. Der Frau gelang es nach kurzer Zeit, die Flammen zu ersticken. Die Kleider des Kindes waren beretts total verbrannt und das Kind selbst hatte am ganzen Körper schreck­liche Brandwunden erlitten, besonders an der linken Seite. Der linke Arm ist bis auf die Kno­chen verbrannt. Auch am Kopf erlitt die Vedau- emswette schwere Verletzungen, das Haar ist to­tal abgebramtti. Nachdem das Kind in die Woh­nung gebracht war, erschien der inzwischen ber- beigerufene Arzt, Dr. Eisel, der die sofottige llcherführung des Kindes nach dem Kranken­hause anordnete. Die Sanftätskolonne brachte das Kind nach dem Roten Kreuz. Dort lag es unter qualvollen Leiden in vollem Bewußtsein. Erst um die neunte Abendstunde verlor das Kind das Bewußtsein und gegen zehn Uhr ist es den schweren Verletzungen erlegen. Tie Frau, die dem Kinde die erste Hilfe brachte, stellte sofort die Frage nach der Ursache des Brandes. Das arme Kind konnte darauf nur noch antwotten: .Es ist mir eine glühende Kohle in den Rücken gefallen, als Ich unter dem Herd reine gemacht habe!" Wei­tere Wotte waren nicht herauszubrinaen. Rach einer anderen Meldung soll das Mädchen Pe­troleum ins glimmende Herdfeuer geschüttet haben, wobei die Petroleumkanne erplodiert wäre. Wie es heißt, hat man jedoch weder Petroleumgeruch noch sonst welche Anzeichen wabrgenommen. die auf letztere Ursache schlie­ßen ließen. Ten tief unglücklichen Eltern bringt man allseitige Teilnahme ob des Nn- glücksfalles entgegen. -ä.

A Der Casseler Weihnachtsmarkt. In die­sem Jahr findet der Weihnachtsmarkt in der Zeit vom 16. bis einschließlich 24. Dezember auf dem Ständeplatz statt.

A Tie Erhaltung der Bezirksdenkmäler. Im Sitzungssaale des Landesausschusses in Castel hat kürzlich eine Sitzung der Bezirkskommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler innerhalb des Regierungsbezirkes Caffel statt- aefunden. Nach den gemachten Mitteilunaen bat das Denkmäler-Archiv, das alle archäolo­gisch oder historisch wertvollen Denkmäler des ganzen Regierungsbezirks vereinen wird, er frauliche Fortschritte gemacht und wird bald vollständig vorlicaen. Auch die Inventarisation her Kunstdenkmäler ist derart vorgeschritten, daß dieienige her Stadt- und Landkreise Castel und Fulda vollendet ist. In den Kreisen Gers­feld, Hünfeld, Gelnbaufen und Hanau wird demnächst begonnen, in den Steifen Rotenburg. Melsungen. Hofgeismar. Wol'bagen uns «Schmalkalden ist man schon ziemlich weit vor­geschritten, und es sollen dann auch ftinrf die Kreise Eschweae. Lersfeld. Schlüchtern, Fran-

Eastelcr 5-messe Nachrichten

Dienstag, 28. November 1911.

kenberg und Marburg bearbeitet weiden. Tie. für den auf den Umzug folgenden Monat zu Bezirkskommission wurde beauftragt, die er- entrichten. Das Unterbleiben einer rechtzeiti- forderlichen Schritte zur Erhaltung verschiede-1 gen Anzeige hat also, da auch die neue Ge-

Die billigste Zeitung

Cassels sind dieNeuesten Nachrichten". Monatlich nur 50 Psg. bei freier Zu­stellung in die Wohnung. Bestellungen werden fortgesetzt von allen Trägerinnen und von der Geschäftsstelle, Kölnische Straße 5, entgegcngcnommen.

ncr Ruinen, darunter auch die Landsbura, zu tun.

Das Schutzmannsattentat und das Straf­gesetz. Wie wir erfahren, ist das gegen den Schutzmann (der bekanntlich vor einigen Tagen einen Revolveranschlag auf den Kommissar sei­nes Reviers ausführte) eingeleitete Strafver­fahren auf Gründ des Paragraphen 51 des Str.- G.-D. eingestellt worden.

Beim Fensterputzen verunglückt. In der Osterholzstraße riß sich ein junges Mädchen beim Fensterputzen an einer zerbrochenen Scheibe die Pulsader auf. Da die Verletz­ung erheblich war, mußte die Sanitätskolonne in Tätigkeit treten. In einem Hause der Eisenschmiede siel die zwölfjährige Tochter eines Monteurs beim Fensterputzen aus der zweiten Etage. Sie erlitt bedeutende Verletz­ungen und mußte ärztlich behandelt werden.

A Erlast eines Dienst-Unfall-Fürforge- gesetzes. Wie verlautet, sind die Vorarbeiten für ein Unfall-Fürsorgegesetz im öffentlichen Dienst abgeschlosten. so daß demnächst mit den Ressorts der Bundesstaaten in Beratungen über die Gestaltung der Vorlage eingetreten lverden kann. Der Gesetzentwurf wird die Un- fallfürsorge nicht auf Beamte beschränken, son­dern auf alle Personen ausdebnen, die frei­willig im öffentlichen Dienst bei der Rettung von Personen vnd Gegenständen zu schaden kommen. Hierhin gehören auch beispielsweise die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr. Man kann annehmen, daß dieser Gesetzentwurf die erste sozialpolitische Vorlage sein wird, die den neuen Reichstag zu beschäftigen hat.

Tie Krankenkassenwahl ungültig. Be­kanntlich war gegen die Wahlen zur Ortskran­kenkasse 9 (für Buchbinder, Buchdrucker, Litho­graphen etc.) Protest erhoben worden, weil einige Verstöße gegen die gesetzlichen Vor­schriften erfolgt fein sollen. Dieser Protest ist von der Aufsichtsbehörde als zu Recht erfolgt angesehen worden. Die Wahlen (soweit die der Arbeitgeber in Betracht kommen, da sich hier­gegen der Protest richtete) sind für ungültig er­klärt worden.

Regimentsjubiläum. Vom Kommando des dritten Unter-Elsäßisck>en Infanterie-Re­giments 138 werden wir um Aufnahme fol­gender Zeilen gebeten: das dritte Unter-Elsäs­sische Infanterie-Regiment Nr. 138 begeht am 18. Juli 1912 in Dieuze die fünfundzwanrig- ste Wiederkehr feines Stiftunastages. Alle ehemaligen aktiven und Reserve-Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten des Regimen­tes, die der Feier beiwabnen wollen, ebenso alle diejenigen Unteroffiziere und Mannschaf­ten des Regiments, die ihre Teilnahme noch nichts bereits auf anderem Wege angemeldet staben, werden ersucht, ihre Adressen (unter Angabe der Dienstzeit und der Kompagnie, bei bet sie standeni baldmöglichst an das Re­giment nach Dieuze (Lothringen) einzu­senden.

A Verjährung von Gehaltssordernnaen. Ein wichtiger, die Verjährung einer Gehalts- fordernng betreffenber Fall wurde in einer Sit­zung des Kausmannägeriebts B r e s l a u ent­schieden: Ein Handlungsgebilfe klagte gegen eine Firma auf Zahlung von Restgeholt für ge­leistete Ueberstunden im Fahre 19BR. Die Firma machte den Einwand der Verjährung. Der Kläger stützte sich auf Paragraph 199 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der folgendes be­sagt:Wenn der Berechtigte die Leistung erst verlangt, wenn er dem Vervslichteten gekündiat hat. so beginnt die Veriäbr"ng mit dem Zeit- wmkt. von welchem an die Kündigung zulässig ist." Der Kläger gab an, daß er erst nach Aus­tritt aus dem Geschäft die Forderung stellte, weil er jedenfalls, wenn et sie eher geltend ge­macht hätte, entlassen worden wäre. Nach den gesetzlichen Bestimmungen stünde ihm das Recht zu, sie nachträalich zu erbeben. Tas Kanf- mannsaericht wies die Klage kosten- nfli-htig ab. weil Veriährnng eingctreten fei Die angez«aene gesetzliche Bestimmung fei auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar. Der Kläaer war nicht rechtlich verpflichtet, auf die Bezahlung b»r Ueberstunden zu warten: er konnte sie sofort lordern. Tas Gesetz kenne nur rechtliche Gründe, keine moralischen. Die Einr-d-: .Ich habe cs nicht getan, weil ich sonst en«lallen worden wäre", könne vom Ge­richt al-z stjchhallia nicht anerkaunt werden.

A Umzug und Steuern. W-r von einer Gemeinde in eine andere vertiebt, hat der Ge­meinde des bisherigen Wohnsitzes nur noch für den Umzuaämonat Steuern zu be-ahken. doch innh Ser Steuerpflichtige leinen Wegzug vor asklaui des llm'vgsmonats d-e Gemeindebe­hörde besonders an-uzeiacn. Tut er das nicht, so bat er an die alte Gemeinde Steuern auch

meinde für diesen Monat Steuern erhebt, die Doppelbesteuerung während eines vollen Mo­nats zur Folge. Das Gleiche gilt auch für die Kirchensteuern. Die Aeltesten der Kaufmanns­schaft von Berlin haben jetzt in einer ausführ­lichen Eingabe an den Minister des Innern Reformvor schlüge gemacht. So lange aber der bisherige Rechtszustand fortbesteht, kann jedem, der sich vor Schaden bewahren will, nur dringend empfohlen werden, sich nicht auf die polizeiliche Abmeldung zu verlassen, sondern selbst bei der bisherigen Wohnsitzge­meinde und der Kirchengemeinde sofortige An­zeige von dem erfolgten Umzug (vor allem, wenn der Umzug am Schluffe des Monats stattfindet) zu erstatten.

_ Auf einem Gemüserest ausgerutscht. Am Sonnabend mittag rutschte der neunundsnnfzig- jäbrige Arbeiter Bernstein auf einem Gemüse­rest in der Franklutterstraße so unglücklich aus, daß der rechte Oberschenkel gebrochen wurde. B. wurde durch die Sanitätskolonne nach seiner in der Mühlengasse gelegenen Wohnung und sväter nach dem Landkrankenhause transpor­tiert.

A Politischer Ausbildungskursus. Im na- tionalökonomisch-politischen Aus- und Fortbil­dungskursus der Ottsgruppe Cassel des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie sprach dieser Tage Oberst z. D. Hellwig über die Antimilitaristische Jugendbewe­gung in der Sozialdemokratie". Nach einer detaillierten Darstellung jener Be­wegung schloß der Redner mit dem Wunsch: Bald naht die Erinnerungszeit an die für das vreußische Heer so überaus ruhmreichen Be­freiungskriege. Möchte unserem Heere wie damals, wie bei den Kriegen der sechziger Jah­re und schließlich bei den glorreichen Kämpfen von 1870/71 stets die Worte voran leuchten: Mit Gott für König und Vaterland, In der Diskussion, die dem mit lebhaftestem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte, wur­den noch verschiedene Fragen angeschnitten, wobei wiederholt die Notwendigkeit des Per­sönlichen Miiwftkens aller Gutgesinnten an ei­ner umfassenden deutschen Jugendpflege betont wurde.

AHansabund und Teuerung." Der Hansabund hatte bekanntlich vor einiger Zeit zur Lebensmittelteuerung Stellung genommen und diese in einer Resolution präzisiert. Gegen diese Resolution wandte sich dann eine Zu­schrift, die uns von anderer Seite zugegangen war. Nunmehr hat die Ottsgruppe Cassel des Hansabundes zu dieser Zuschrift Stellung ge­nommen und überfendet uns eine längere Er­klärung, in der die Forderungen der Hansa- bund-Resolution als durchaus berechtigt und für die Linderung der Lebensmittetteüerung von hoher Bedeutung bezeichnet werden.

A Aus unferm Hoftheater. Dienstag geht die OperDie Hugenotten" von Meyer-- beer in Szene. AlsValentine" gastiert Fräu­lein Preißmann vom Stadttheater in Halle auf Engagement. DieKönigin" singt erstmalig Fräulein Gates. Dirigent ist Dr. Zulauf: die Regie führt Regisseur Ehrl. Mittwoch gelangt das SchauspielHeimat" von Sudermann zur Aufführung; hierin gastiert Fräulein Wilden vom Stadttheater in Halle alsMagda" auf Engagement.Ter Waffenschmied", ko­mische Oper von Lortzing. geht am Donnerstag in Szene. AlsMarie" gastiert Fräulein Buchholz von der Königlichen Oper in Berlin auf Engagement. Ter Vertreter der Titelvartie ist Herr Ulrici. Dirigent der Over ist Dr. Pauli, Regisseur der Vorstellung Ehrl. Freitag findet das dritte Abonnementskonzert mit Hofopern­sänger Vogelstrom als Gast statt.Glaube und Heimat", das erfolgreiche Drama von Scbönherr. gelangt Sonnabend zum ersten Male zur Aufführung. Das Wett wird von Regisseur Jürgensen in Szene gesetzt.

A Kleine Tageschronik. Gestern abend wurde in der Altstadt einer Frauensverson im Ver­laufe eines Streites ein Messerstich üb ernt Auge beigebracht. Das Stiftungsfest des Kaufmännischen Vereins nahm am Sonnabend abend im Kaufmannshause einen prächtigen Verlaus. Tie Grüße der Handelskammer überbrachte Svndikus Dr. Metterhausen. In das Kontor eines Gefchäftshauses im We- settorviertel wurde nachts ein Einbruch ver­übt und ein Geldbettag von siebzig Mark ge­stohlen. Ter Verein für hessische Geschichte und Heimatkunde besuchte am Sonnabend nachmittag die unterirdischen Teile des Ron­dels und die Finkenberdiusel. Tic Führung hatte Kunsthistoriker Wenzel.

A Das Wetter am Dienstag. Der amt­liche Wetterbericht sagt für Dienstag für Hessen-Nassau folgende Witterung vor­aus: Meist trübe, vereinzelt geringe Nieder­schläge, Temperatur wenig aeänbert

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Erdbeben und Ueberschwemmung.

(P r i v a t - T. e l e g r a m m.)

Freiburg i. Br., 27. November. '

In der vergangenen Nacht, wenige Minuten nach vier Uhr, wurde in der ganzen Stadt ein ziemlich heftiges Erdbeben von zwei Sekunde» Dauer wahrgenommcn. Dem Erd­beben voraus ging ein heftiger Wind. Auch in der Sonntag-Nacht gegen drei Uhr wurden verschiedene leichtere Erderschütterungen ver­spürt. Depeschen aus Innsbruck melden: Infolge heftiger Regengüsse in den letzten Ta­gen trat in Valsugana Hochwasser ein. Der Pcrsen und seine Umgebung sind tellweisc überschwemmt. Militär und Feuerwehr arbei­ten Tag und Nacht. In Vattaro hat der Blitz in den Kirchturm eingeschlagen und setzte ihn in Brand. Die Kirche konnte nur mit Mühe vor der Zerstörung gerettet werden. Oberhalb Gossensatz ging ein Felssturz nieder und verschüttete die Brenner-Bahn. Ter Verkehr ist heute wieder unbehindert. Auch bei Staufer ging ein großer Felssturz nieder.

Hinter russischen Kerkermaueru.

(P r i v a t - T c l e g r a m m.)

Petersburg, 27. November.

Der Justizminister hat eine Untersuchung ge­gen den Direktor des Gefängnisses in Kra- sonjarsk eingeleitet, dem die Folterung von Gefangenen vorgeworsen wird. Ver­wandte von UntersuchuugSgefangenen richteten ein Telegramm an den Minister, worin sie be­richten, der Gefängnisdirektor habe vier Gefan­gene auf glühende Kohlen setzen las­sen und angeorbnet, daß sie mit glühenden Radeln gestochen würden. Er habe ihnen die Glieder recken lassen und ähnliche Gräuel mehr verübt. Ein Untersuchungsgesangener fei infolge der Folterungen gestorben, ein an­derer fei i r r f i n n i g geworden. Der Minister entsandte einen Beamten des Ministeriums nach Krasonjarsk, der die Untersuchung in der Ange­legenheit führen soll.

Unruhe in Lissabon.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.) Lissabon, 27. November.

In Lissabon kam es gestern zu neuen Straßenunrnhen Kavallerie und In­fanterie der republikanischen Garde versuchten, die Manifestanten zu zerstreuen, wobei auf bei- den Seiten Schüsse fielen. Auf dem Platze Dom Pedro explodierte eine Bombe und verwundete mehrere Personen. DaS Va­lais des Präsidenten der Revublik und die Ge­bäude einiger Zeitungen auf dem Platze Tom Pedro wurden militärisch besetzt. Die Mani­festanten versuchten, das Krankenhaus Sao Jose zu stürmen, wurden aber zurückgetrie­ben. Die Urheber dieser gegen die republika­nische Regierung gerichteten Demonstrationen konnten bisher nicht ermittelt werden. Die Unruhen dauern fort.

Heimfahrt aus Agadir.

Berlin, 27. November. (Privat- t eie g ramm.) Der KreuzerBerli n" wird, nachdem-in Agadir alles ruhig und keine Gefahr für Leben und Eigentum von Deutschen mehr vorhanden ist, morgen über Casablanca und Tanger die Heimreise antreten. Der Eber" wird dieBerlin" nach Casablanca und Tanger begleiten und sich dann auf die westafttkanische Station begeben.

Professor Ludwig Pietsch *h

Berlin. 27. November. (Privattele- g r a m m.) Nach kurzem Leiden ist heute vor­mittag der Doyen der ReilbShauvtstädtisckien Presse, Professor Ludwig Pietsch, der be­kannte Journalist, im Alter von fast siebenund­achtzig Jahren sanft entschlafen. Pietsch wurde am 25. Dezember 1824 in Danzig geboren, stu­dierte an der Berliner Akademie unter dem Porträtmaler Otto. Später wandte er sich dem Journalismus zu.

LuftschiffSchwaben" auf der Fahrt.

Gotha. 27. November. (Privattele* g r a m m.) DaS LuftschiffSchwabe n" hat heute früh von Gotha aus seine Fahtt nach Baden-Baden angetreten. Tas Wetter ist gün­stig und die Führung hofft, die Fahrt bis zum Endziel ohne Unterbrechung fortsetzcn zu können.

Deutschenhaß in China?

Petersburg, 27. November. (Privat« Telegramms DieNowoje Wremja" be­richtet aus Wutichang, daß die dortige Bevöl­kerung gegen die Deutschen wegen der Lieferung von Gewehren an die Rebellen sehr aufgebracht sei Den Regierungstruppen ge­lang es nur mühevoll, drei deutsche Offi­ziere vor dem Lynchen zu retten. Ter deut­sche Konsul in Hankau bat den deutschen Bot­schafter in Peking um Verstärkung der Wacht­posten für die Konsulate gebeten.

Massenvergiftung durch Fischkonserven

Melbourne, 27. November. (Prk« battelegramm.) Dreihundert Personen, meist Kinder erkrankten hier unter Bergif - tunaserscheinungen nach dem Genüsse von Fischkonserven bei einem Picknick in Murv- borough. Zwanzig von den Kindern schweben in Lebensgefahr. Sechs sind bereits gestorben.

Neues Unglück aufPrinz Joachim".

Newyork, 27. November. kPrivat« tetegramm.) Ein drahtloses Telegramm von dem an den Samana-Jnseln festgekomme­nen DampferPrinz Joachim" meldet: Renn Mann, die in drei Booten beschäftigt wa­ren, die über Bord geworfene Ladung wieder zu bergen, griffen gestern nach einer Büchse, die, ohne daß sie es ahnten, Ervlosiv- ft n f f e enthielt. Während fie nach ihr arissen erfolgte hie Ervioüon. Alle neun Manti wurden in Stücke zerrissen.

Ak dkliliU AmM mMizM«.