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C Oler Neueste NachMm

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 302

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 28. November 1911

1» Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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Rom und ferne Borde».

Hinter den Kulissen der Kriegsbegeisterung.

Das herbe Urteil über das Vorgehen der Italiener gegen die arabischen Bewohner von Tripolis, das die internationale Oeffent- lichreit fast einstimmig gefällt hat, beginnt in Italien seine tiefere Wirkung auszuüben. Zwar dauern die meist maßlosen Angriffe gegen die englische und österreichische, vor allem aber ge. gen die deutsche Presse fort, zwar finden in den Zeitungen Italiens die Triumph- und Jubelberichte über andauernde ruhmvolle Er­folge in Tripolis einstweilen kein Ende: Aber langsam werden in dieser mit allen Mit­teln kunstvoll aufgewirbelten Selbstvergötterung Untertöne fühlbar, in denen Resignation, ja saft Depression einklingt. DenEnkeln der Cäsaren" beginnt vor ihrer Gottähnlichkeit bange zu werde«. Man hatte ganz vergessen, daß es auch außer Italien in Europa Nationen gibt, die sozusagen Großmächte sind, und die dem wild- gewordnen Kinde des Apennins mit verstehen­der Duldsamkeit einige milde Fesseln anlegen könnten. Die Presse beginnt sich gegenüber der rein sachlichen, aber hin und wieder irrigen Kritik des Ausland mühsam zu einer gewissen Ruhe zu zwingen: Die Nervosität aber, die hinter dieser ohnehin krampfhaften Maske waltet, äußert sich in einer schier unglaublichen Kritiklosigkeit, mit der Italiens Presse jedes ausländische Wort der Anerkennung aufgreift und in den Himmel hebt. Neuerdings werden die Angriffe des Auslands mit einigen phrasen­haften Randbemerkungen abgetan . nd nur so­weit wiedergegeben, als sie offensichilich über­trieben sind oder falsche Angaben enthalten. Jedes unmaßgebliche Blatt aber, das vielleicht aus Versehen ein paar italienfreundliche Zeilen enthält, wird mit Begeisterung abgedruckt und als das größte und einflußreichste Organ des Auslands gerühmt und gepriesen.

Die Unkenntnis der italienischen Journalisten geht dabei so weit, daß selbst der Unbefangne dahinter andre Gründe wittern muß. Zögerte doch selbst Giolitti in seinem bekannten Bries über die deutschen Zeitungs- und Partciverhält- nisse nicht, den Verdacht einer geradezu ans Sagenhafte grenzenden Unkenntnis auf sich zu nehmen. Wer ein Wort der Anerkennung für Italien hat, wird in Rom zumeinzig anstän­digen und maßgeblichen Menschen Europas" be- fördert. So nimmt die italienische Presse mit offnen Armen gegenwärtig ein internationales Männertrio auf, da? mit geschicktem Schlag an die naiven Herzen des patriotischen Italiens pocht. Der erste war ein Franzose:Ein her­vorragender Schriftsteller, ein aufrichtiger Vor­kämpfer der Wahrheit, der die Lügen seiner Landsleute richtigstellt; ein llhistrissimo cob lega." DaS wenig«, was man von dieser wundervollen Persönlichkeit weiß, gibt aller- dingS zu denken. Er war Mitarbeiter einer Pariser Zeitung, die jedoch seine italophilen Auslassungen ablehnte. Als findiger Journalist gab er seine Artikel mm italienischen Zei­tungen. Und schon ist er über Nacht in Italien einberühmter, verehrungswürdiger Mann" geworden. Man darf annehmen, daß die ita­lienischen Zeitungen derartige Beiträge sehr gut honorieren, aber nicht genug: Die Stadt Brindisi hat diesem Wackern Manne schleunigst eine goldne Medaille verliehen, und als das römische Pressesyndikat vor kurzem eine wütend« Protestnote gegen sämtliche in Rom anwesende ausländische Korrespondenten erließ, sandte es diesemhervorragenden Schriftsteller^' eine ehrenvolle Kundgebung nach Paris.»

Der zweite im Bunde ist ein Deutscher. Auch ihn kennt in Deutschland bisher niemand. Doch in Italien ist auch er sofortein ausge­zeichneter Schriftsteller, ein aufrichtiger, sympa­thischer Freund der Wahrheit" geworden. Er hat anläßlich des Kriegs eine Broschüre her- ausgegeben, die heftige Ausfälle gegen Deutschland und ebensoviel Liebenswür­diges für Italien enthält. -Italien jauchzt, daß deutsche Treue und deutscher Glaube noch nicht ausgestorben". Obwohl die Form der Bro­schüre zur Genüge bekundet, wie vereinzelt der Verfasser dasteht, und daß keine deutsche Zei­tung derartige minderwertige Ausfälle aufneh­men mochte, ist die italienische Presse entzückt. Sie winselt vor Freude über jeden beliebige:! Lazarus, der ihr halbnackt zuläuft. Wie man hört, bereitet jener Autor seine Abreise aus Deutschland nach Italien vor. Er zögere keinen Tag, denn Hunderte von Armen liebebedürftiger Römer strecken sich verlangend ihm entgegen. Zu diesen beiden auserlesenen Stranieri, mit denen.sich der römische Patriotismus schmückt, gesellte sich seit ehegestern noch ein dritter: Auch er ist (leider muß man das konstatieren) Deut­scher! Der Träger eines guten Namens, der Sohn eines hohen Militärs und manches an- dere, was. das. Herz des italienischen Bolls i

bestochen vermag. Von Neapel aus lief dieser Tage ein Brief durch die italienischen Zeitun­gen, in denen dieser alte Herr, der sich als Kor­respondent mehrerer österreichischer Blätter be­zeichnete, seiner tiefen Entrüstung über die An­griffe jener Presse auf Italien Ausdruck gab. Deshalb habe er, voller Verehrung für Italien und die heldenmütigen Nachkommen der alten Römer, all jenen Zeitungen feine Demission ge­geben.

Und ein Nachsatz verrät die Hauptsache: Um seine aufrichtige Gesinnung zu bezeugen, will sich der Wackere in den Dienst Italiens stellen und erbittet für sich und seine Frau irgend einen P °.ft e n, her es ihnen ermöglicht, zugunsten der italienischen Soldaten ihren italienischen Pa­triotismus zu betätigen. Auch der bescheidenste Verstand mußte von vornherein in diesem Briefe nicht nur ein einfaches Bittgesuch, son­dern auch einen recht taktlosen Mißgriff" gegen die Zeitungen, in deren Dienst er tätig war, er- ölicken. Zumal die flüchtigste Information er­geben hätte, daß es sich hier nicht um eine Auf­opferung lediglich zugunsten der fchönen Augen italienischer Soldaten handelt. Aber die italie­nischen Journalisten scheinen über den Kriegs­aufregungen den klaren Verstand verloren zu haben, und sie veröffentlichen diesen Brief mit ehrenden Ueberschristen und Kommentaren. Un­ter diesen Umständen ist zu erwarten, daß auch er sich würdig dem vorigen Duett zum klangvollen Trio anreihen und bald zu den populärsten Schriftstellern Italiens" gehören wird. Wie weit bereits heute eine ans Komische grenzende und haltlose Selbstbegeisterung in Italien um ftch gegriffen hat, erfuhr man neu­lich aus dem Gespräch eines Deutschen mit einem durchaus ernsten und ruhig denkende« Römer. Dieser Enkel der Cäsaren tadelte zwar heftig die Untugenden feiner Landsleute, aber (fügte er hinzu)entschuldigen Sie gütigst, unsere Rasse, das ist ja außer Zweifel, fleht nun einmal h ö h e r als die der Teutonen; aber leiser, wir haben Eigenschaften, mit denen wir cs durchaus verdienen, von den Teutonen besiegt zu werden." Kann man sich da noch wundern, wenn in Rom S i eg g esch rei sich erhebt, dieweil im Nochen Afrikas die Italiener von Türken und Arabern zu Paaren ge­trieben werden ...?

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Der MiirchenZneg in Tripolis.

Ser Krieg in Tripolis geht feinen Gang: Aus Konstantinopel wird über Türken- aus Rom über Jtalienersiege berichtet, und ' man fragt sich angesichts dieser zahlreichen Sie­ges-Depeschen, wer nun eigentlich be- liegt worden ist. Den neuesten Depeschen aus Tripolis zufolge erfolgte gestern früh der allgemeine Vormarsch der italienischen Truppen an der Siidostfront. Er war (nach italieni- scheu Berichten) auf allen Punkten von Erfolg gekrönt und schloß mit dem Rückzug der Türken aus ihren befestigten Stellungen. Weitere Meldungen besagen:'

Tripolis, 27. November.

(Privat-Telegramm.)

Die Italiener haben gestern das bei Tri­polis gelegene Forts Meßri nach heftigem Kampfe wiedererobert. Bei Derrw fand ein blutiges Erkuudigungsgefecht statt. Bei Homs fand ein mehrstündiges Gefecht statt, in dem die Italiener siebzehnTote und drei Maschi­nengewehre verloren haben sollen. Das tür­kische Kriegsministerium teilt eine Depesche Ne- fchad Bey's aus Tripolis mit, wonach die Italiener das Militärhospital von Sekel-Tschu- ma zum zweiten Male beschossen haben. Einer an zuständiger Stelle in Konstantinopel einge­troffenen Meldung zufolge, erlitten die tür­kischen Truppen bei Tripolis eine Nie­derlage. Sie wurden zum Rückzug gezwun­gen, wobei sie ihre Zelte, Munition und einige Geschütze zurückließen.

Die Pforte informierte durch ihre Botschafter die Mächte, daß sie gezwungen sei, in den Dar­danellen Minen zu legen, die Verantwor­tung hierfür aber Italien zufchieben müsse. Der englische Botschafter in Konstantinopel kon­ferierte gestern zwei Stunden lang mit dem Minister des Aeußeren, dem er die Versiche­rung gab, daß seine Regierung auf Grund der bisherigen Verträge eine Blockade der Dardanellen nicht zulassen werde. In den der Pforte nahestehenden Kreisen ver­lautet sogar, England werde auch den Ver- f u ch einer Blockade der Dardanellen nicht dulden.

Drei Reue Katastrophen.

Aufruhr, Explosion und Schiffsunfall.

Ein Privat- Telegramm berichtet uns aus Köln: Auf der Zecke West end in dem westfälischen Orte Boek kam es gestern zu wilden Szenen, als etwa 50 galizische . Bergleute Geld für die Rückreise und den Ruö

transport ihrer Möbel verlangten, was ihnen bei der Uebersiedelung nach Deutschland von den Werbeagenten versprochen worden war. Als sie das Geld nicht gleich erhielten, d e m o - lierten siealles, was ihnen in den Weg kam. Bei dem Steinbombardement wurden mehrere Beamte verletzt, sodaß ein größeres Polizeiaufgebot requiriert werden mußte. Als die Hauptexzedenten verhaftet wurden, durch­zogen die über die Lohnverhältniffe Unzufriede­nen demonstrierend die Straßen der Stadt und beruhigten sich erst, als ihnen der versprochene Rücktransport zugesichert wurde. Von der Po­lizei, die den Demonstranten zuerst völlig macht­los gegenüberstand, wurden über dreißig Verhaftungen vorgenommen. Das Nach­spiel der Vorgänge wird jedenfalls ein Prozeß wegen Landfriedensbruch sein.

KMofirm km Bergwerk.

Wie aus London berichtet wird, hat sich gestern aus dem Jamage-Schacht der Bunkens Hill Colliery, anderthalb Meilen von Audley in Staffordshire entfernt, eine schwere Explosionskatastrophe ereignet, wobei sechs Personen zu Tode kamen und sechs andere schwer verletzt wurden. Seit eini­ger Zeit schon wütete in dem Schacht eines der Nebenstollen des Bergwerks ein Brand. Die Direktion ordnete an, den Brand abzubauen. Seit vorgestern nacht waren die Leute unter Leitung eines der Direktoren mit dem Bau von Abdämmungsmauern beschäftigt. Der Direktor selbst kam um neun Uhr morgens wieder an die Oberfläche, da er glaubte, alle Vorsichtsmaß­regeln getroffen zu haben, ein Unglück zu ver­hüten. Um elf Uhr ereignete sich aber dann doch eine schwere Explosion, wie man sagt, infolge Kohlenstaubentzündung. Die aufgerichteten Mauern wurden vollständig zerstört und die hinter ihnen arbeitenden Leute getötet oder ver­wundet. Es ist bisher nicht gelungen, die Lei­chen zu bergen, da das ganze Bergwerk infolge des noch immer fortdauernden Brandes mit giftigen Gasen angefüllt ist, die ei» Vor­dringen bis zur Unglücksstclle zur Unmöglichkeit machen.

TchWEchig Ms See.

Depeschen aus Aden melden: Der britische DampferKuala" ist (wie erst jetzt bekannt wird) am neunzehnten November auf der In­sel Socotra, nordöstlich von Kap Guardafui, gestrandet. Der erste Offizier und der In­genieur haben sich gerettet und sind in einem Boot von dem österreichischen Lloyddampfer Triest" aufgefischt worden, mit dem sie nach Aden gebracht wurden. Die Sckiffbrüchigen haben fünf Tage auf dem Wasser zu­gebracht. DieKuala" war von Dundee nach Singapore unterwegs. Das Schiff war ganz neu und erst im Oktober dieses Jahres in Dienst gestellt worden. Die Besatzung bestand außer dem Kapitän aus v i e r u n d v i c r z i g Mann. Der Kapitän und der größte Teil der Besatzung befunden sich noch an Bord des Schisses. Der ganze vordere Tsll des Schiffes ist mit Wasser gefüllt. Eingeborene sind an Bord des Schif­fes gedrungen und haben die gesamten Nahrungsmittel geraubt, woran die Be­satzung sie nicht hindern konnte, lieber das Schicksal der Besatzung ist noch nichts bekannt. Der Dampfer gehört der Streits Steamshipp Company. Es ist fraglich, ob es gelingen wird, das Schiff und die Besatzung zu retten.

Der große Tag im Unterhaus.

Tie heutigen Debatten im britischen Parlament.

Am heutigen Montag beginnt im engli­schen Unterhaus die große Debatte über die auswärtige Politik, in deren Vorder­grund die Erörterungen über die deutsch- englische Krise des letzten Herbstes und die Beziehungen zwischen Deutschland und England stehen werden. Ganz England siebt den bedeutungsvollen Verhandlungen mit einem so hochgespannten Interesse entgegen, wie es seit Jahren selbst bet den größten Kri­sen nicht kundgegeben wurde. Jeder Platz im Westminsterpalast ist vergeben, die Elite Eng­lands und alle Diplomaten des Auslandes werden der weltgeschichtlichen Debatte mit in­tensiver Spannung lauschen. Noch nie dage­wesene Vorbereitungen sind getroffen, um.jedes Wort sofort aus der Preßgalerie des Unter­hauses nach allen Enden der Erde zublitzen". Mit fast gleicher Spannung sieht man der Auf­nahme der Darlegungen Sir Edward Greys, des Ministers des Auswärtigen, im Parlament entgegen. Die konservative Oppo­sition zeigt sich lebhaft über dieFort mit Grey"- Parole beunruhigt. Die unionistische Evening Times" erklärt sie der Beachtung für unwürdig. Grey fei der einzigeMann im Kabinett, zu dem die Unionisten Vertrauen hät­ten, und der Premierminister dürfe es nicht wagen, ihn den unpatriotifchen Engländern und den ausländischen Hassern Englands zum Opfer zu bringen.

London, 27. November.

(Privat-Telegramm.)

Heute, dem Tag der großen Debatte über die auswärtige Politik Englands im Unter­haus, bringen dieTimes" einen Leitartikel, betitelt: .Die. Rede Sir Edward Greys", in dem es unter anderem heißt: Wir befürchten, ba6 Sir Edward Grey einen Teil der Zuhörer

wird e n i t ä n s ch e n müssen. Es kann für ihn picht die Rede davon fein, der allgemeinen Politik Englands eine andere Richtung zu geben. Da, wo englische Interessen im Spiel sind, sind wir gezwungen, sie zu schützen; da, wo vertragliche Verpflichtungen bestehen, ist es unsere Pflicht, diese zu beobachten; da, wo wir Freundschaft und Verständigung geschaffen ha­ben, müssen wir sie unversehrt beibehalten. Wir vermögen genau zu begreifen, was darunter verstanden wird. Man soll Deutschland Vorschläge machen. Weder Deutschland, noch anderen Ländern gegenüber haben wir ir­gend welche Feindseligkeiten, und es interessiert uns nicht, Deuffchland einenPlatz an der Sonne" zu verwehren, den es sich selbst zu sichern vermag.

Ser MittelpNnkt englischer PoliM."" (Privat-Telegramm.)

Der Londoner Korrespondent des Pariser Matin" will aus informierter Quelle eine Mitteilung über Inhalt und Tragweite der Rede erhalten haben, die Sir Edward Grey heute im Unterhaus halten wird. Aus dem allgemeinen Teil der Rede wird hervor­gehen, daß das herzliche Einverneh- men zwischen Frankreich und England nach wie vor der Mittelpunkt der auswärtigen Politik Englands bleiben müsse, indessen sehr man in dieser Taffache kein Hindernis für die Herstellung besserer und sogar freundlicherer Beziehungen zwischen England und Deutsch- land.

Set Mittet Postrtmd.

Das Geständnis der beiden Posträuber. , Der verwegne.Po st raub, der am Sp!t- abend des letzten Freitags vor dem Postamt 41 in Berlin verübt wurde, hat unerwartet schnell feine Aufklärung gefunden: Der verhaf­tete Reisende Cavello hat am Sonn­abend abend im Rixdorfer Polizeipräsidium das Geständnis abgelegt, daß er sich bereits vor mehreren Wochen mit dem Postillon Wendtzu dem Diebstahl verabredet habe und daß ihn beide zusammen programmäßig aus­geführt hätten. Nach diesem Geständnis gab auch Wendt, der inzwischen vom Berliner Po­lizeipräsidium nach Rixdors geschasst worden war, unumwunden zu. daß er im Einverständ­nis mit Cavello den Postwagen geöffnet habe, worauf dann Cavello den Postsack entwendete, lieber die Einzelheiten des in seiner Art in Deutschland bisher einzig dastehenden Verbre­chens geht uns folgender Bericht zu:

Berlin, 27. November.

(Privat-Telegramm.)

Während des Sonnabends wurden die bei­den unter dem Verdacht der Täterschaft Ser« hafteten, der Reisende Cavello und der Postillon Wendt, mehrmals vernommen. Cavello, der den Diebstahl nicht gut leugnen konnte, gab jedoch nicht zu, wer fein Komplize fei. Cavello, der früher einmal felbft kurze Zett bei der Post beschäftigt war, behauptete, daß er vor einiger Zeit in einem Lokal in der Münzstraße, in dem viele Postbeamte« verkeh­ren, einen Beamten kennen lernte, der ihm Kenntnis gab. Dieser Beamte habe ihm schließ­lich den Plan des Diebstahls mitgeteilt und ihm Freitag abend nach der Ausführung den Sack übergeben. Den Namen dieses Be­amten wollte et zuerst nicht wissen, später be­hauptete er, er heiße Schneider. Schließ­lich gab er eine Wohnung an, die taffächlich einem Postbeamten gehört, der darauf festge­nommen, ober wieder freigelassen wurde, weil sich seine völlige Unschuld herausgestellt hatte. Am Sonnabend abend erklärte nun Cavello, er habe es satt, und da er doch nicht leugnen könnte, wolle er

ein umfassendes Geständnis ablegen. Er sagte aus, daß er den Diebstahl mit beut So füllen Wendt verabredet und ge­meinsam ausgefühtt habe. Darauf legte auch Wendt, der seit neun Jahren bei bet Post tätig ist. ein Geständnis ab. Er hatte sich von bett Schlüsseln zu bem Geldkarriol, ohne daß es aufaefaffen war, Wachsabdrücke gemacht^ Nachdem beide alles genau besprochen hatten,' wurde am Freitag abend bet Raub au§ge-! führt. Während Wendts Mitfahrer Müller sich vorschriftsmäßig in das Postamt begab, um die Ankunst des Wagens zu melden, stieg Wendt vom Bock und öffnete die Schlösser an dem Wagen. Nach einer anderen Lesart soll er sie mit einer Zange abgeschnitten haben. Cavello trat schnell hinzu, riß den Sack aus dem Wagen heraus und schleppte ihn nach der nächsten Automobilhaltestelle, wo er eine Auto­mobildroschke bestieg und mit dem Sack

nach seiner Wohnung fuhr.

Im Postamt 41 waren gestern zahlreiche Be­amte bis in die Nacht hinein damit beschäftigt, die verschiedenen Geldsorten und Wertbriefe zu fottietem^Last asix. Btiekumschläae sind w