CMrNeilch Nachrichten
H HessischeGeWcht-bilder H
Die Gründung Hersfelds.
Schluss-Artikel.
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Fernsprecher No. 846.
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bandle, ja, daß die Männer sogar größereI Hilfe gegen das Abstehen der Ohren: Opfer für ihr Aeußeres bringen und bester hinter der Ohrmuschel wird ein kleines Stück befahlen. Eine alltägliche Operation ist die'Saut entfernt, die Ränder der zurückbleibenden
3. Beilage
Sonntag, 26. November 1911
Saut werden vernäht, eine Bandage umgelegt, und nach drei Wochen haben sich die vorstehenden Ohren in prächtig anliegende verwandelt. Kokain-Injektionen machen diese Operation vollkommen schmerzlos. Schwieriger sind schon die Nasenoperationen, aber auch hier scheut der Arzt vor nichts zurück, verwandelt Stumpfnasen geschickt in norurale und weiß zu kleine Nasen durch Paraffin- injeMonen .aufzupolstern". Bei zu großen Rasen wird überflüssiges Fleisch kunstvoll herausgeschnitten, ja, man scheut sogar vor direkten Eingriffen in das Nasenbein nicht zurück und verwandelt mächtige Adlernasen mit Hilfe eines elektrischen „Ecraseur" in das schönste gerade Riechorgan. Ein besonderes Kapitel dieser Schönheitsheilkunde ist die Entfernung lästigen Haares. Enthaarungsmittel wirken nur momentan und verstärken sogar den unwillkommenen Haarwuchs: die einzige dauernde Ausrottung ist der Eingriff mit einer erhitzten elektrischen Nadel, die die Haarwurzel abtötet.
Alleinvertreter:
Ernst Schl ätz, Ständeplatz 3l/a. Fernspr, 2'- 6
Ms Lullus und Sturm so freundliche Aufnahme in der Buch o m r a gefunden hatten, begannen sie sofort ihr Werk. Helle Arthiebe hallten eines Tages -durch den Wald: Unter den wuchtigen Streichen der Sendboten des Bonifatius und der Knechte Klotildens senkten mächtige Baumriesen ihre stolzen Häupter zur Mutter Erde. Das Erste, was daraus gezimmert wurde, war ein Kreuz. An der Stelle, wo Sturmius am Abend seiner Ankunft in dem Tal gekniet und Gott nir seine Führung gedankt hatte, wurde ein mächtiges Kreuz aus Eichenholz mit vereinten Kräften ausgerichtet. Ergreifend wirkte das Gehet, das der .Eremit" iwie Bonifatius seinen Sturm gern nannte), bei der Einweihung dieses Paniers des Christentums zu dem Herrn des Himmels und der Erde und dem Erlöser der Menschheit richtete. Nicht nur auf seine Begleiter, auf Klotilde und Berta und ihre Knechte und Mägde, nein, auch eine kleine Zahl Fischer, die sich an den Ufern des schönen Flusses angesiedeft hatten und aus einiger Entfernung dem Seltsamen, das sich da beaab, zusckanten, konnte sich dem überwältigenden Eindruck, den dies Zeugnis des frommen Glaubensboten machte, nickt entziehen. Erschüttert in tiefster Seele gingen sie von dannen. Nun ging es an die Errichtung von drei kleinen Holzhäusern hinter dem Kreuze. Bei der Freude und Hoffnung, die die Arbeit begleiteten, ging diese ungewöhnlich schnell von staiien, und bald machte die kleine Siedeluna einen wohnlichen. einladenden Eindmck. Sturm, der mit Lullus in Begleitung Bertas die nächste Um- gebftng erforscht hatte, sand diese Stelle für seinen Zweck «die Gründung eines Klosters) sehr geeignet. Mit der ihm eigenen Frische und Tatkrast machte er sich (tote wir sahen) ungesäumt ans Werk. Klotilde hatte an dem Morgen nach der Ankunft der frommen Männer ihnen berichtet, daß in der Flußniederung einige kleine Siedelungen von Franken, die noch den alten ©Öttern dienten, vorhanden seien, daß ihre Bewohner aber wohl, da sie kein Heiligtum in der Gegend hätten, nicht allzu schwer für die neue Lehre zu gewinnen sein würden. Nur einer (und bei der Nennung seines Namens ging eine schmer-.liche Bewegung über ihr Antlitzr würde wohl kaum den stolzen Nacken vor dem Kreuze beugen. Sie erzählte, daß eini- ae Jabre nach dem Sturz der heiliaen Eicke Donars der Priester Herinot sich voll Gram und Bitterkeit, daß die Macht seiner Götter gebrochen, hier in die Einöde der Buchonia geflüchtet.
Ein halbe Wegstunde von ihrem Hofe aus, westwärts den Strom entlang, habe er sich in einem Heim von Eichen mit seinem Sohne H e- r o lf ein weltfernes, stilles Gehöft errichtet, wo er der vergangenen Herrlichkeit keiner Götter nacktranre und mit um so größerer Beharrlichkeit ihnen diene. Mit einem tiefen Seufzer schloß sie ihre Erzählung, und ein aufmerksamer Beobacht"! hätte merken können, daß noch mehreres sie bewegte, als was sie kundaab. Serolf, der als eifriger Kager die Gegend oft durchstreifte. hatte einstmals Berta beim Pflücken von heilsamen Waldkräutern getroffen. Die beiden jungen Menschenkinder, prangend in erster Juaeudschönheit. hatten einen unauslöschlichen Eindruck aufeinander gemacht. Herolf kehrte um so lieber bei den klugen, mit häuslichen Tugenden geschmückten Frauen ein, als er, früh der Mutter beraubt, das Behagen, das frauliches Walten bereitet, als ein Götterge- fdient emvfand. Auch die Mittler Klotilde fand großes Wohlgefallen an der kräftiaen, reinen und treuen Natur des Jünglings. Sie sah die stille, unausgesprochene Neigung ihres Kindes zu dem jungen Manne, und so gern sie ihn als Tocktersohn bearüßt hätte, so stand doch ihr Wille fest, ihr Kind keinem zu eigen zu geben, der nock den heidnischen Göttern diente. Dieser innere Zwiespalt schmerzte sie tief. Sie wußte, Herolf hing mit solcher Liebe und Treue an feinem Baler, daß er ihm nie den Schmerz bereiten würde, einen anderen Gott als den Herinots sich zu erwählen. Auch Berta litt unter diesen Verhältnissen, dock besaß sie noch die beglückende Hoffnungsfreudigkeit der Jugend, welche an die alles bezwingende Mackl der Liebe glaubt. Diese Hoffnung wurde freilich erschüttert durch das Fernbleiben des Geliebten, feit die Boten des Evangeliums das Gastrecht ihres Hauses in Anspruch nahmen. Herolf hatte durch seinen Knecht Jlbrand Kunde von der Ankunft der fremden erhallen. Er mied deshalb den Hof Klotildens und seine Umgebung. Ein wilder Haß geaen die Anhänger besten, der die Macht seiner Götter und den Lebensmut seines Vaters aebrocken. beseelte ihn. Und trotz seines Bestrebens. sie nicht von Angesicht zu sehen, wollte es das Verbänanis, daß er ihnen, so zu sagen, in die Arme lief. Auf der Verfolguno eines
Nr. 301.
Erster Jahrgang.
Bären begriffen, streckte er ihn in dem Attgenblick zu Boden, als er sich anschickte, sich auf Sturm und Lullus, die einen weiteren Gang gemacht hatten, um die Gegend zu erkunden, zu werfen. Sturm dankte dem unbekannten Retter für seinen Dienst. Herolf entgegnete finster: Spare deinen Dank' Den Bär hält- ich auch, ohne daß ihr in Gefahr wäret, erlegt ... ich jage ihn. „Du-hast uns troydem einwt großen Dienst geleistet, und wirsind dir Dank schuldig." „Du irrst dich," entgegnete mit Hoheit Herolf, „wer ohne Waffen diese Wälder durchstreift, der wird wohl dem danken wollen, der ohne Schwert und Spieß hilft?" „Es ist so, du scheinst uns zu kennen!" „Genug," war die bittere Antwort, „um dir sagen zu können, daß wir nichts miteinander zu schaffen haben." Lullus rief: „Das war Herolf! Welche Freude müßte es sein, diesen Stolzen zu bekehren." lind er wurde für die neue Lehre gewonnen!
Nachdem sein Vater ihm gesagt: „Der alten Götter Reich ist aus, Thors Herrschaft ist zu Ende!.Für die, die ihnen gedient haben, ist hier kein Raum mehr, sie müssen weichen, ein neues Geschlecht, wird hier wohnen und seinen Göttern dienen." Und „Der Mann, der seine Hütte hier gebaut und das Kreuz davor ausgerichtet hat, ist ein Genosse dessen, der mit hochgesckwun- gener Axt Thors Eiche in stürmendem Angriff niederschlug. Er kommt heule still, er braucht keine Art, 'leinen Kampf mehr, der Boden ist sein, er nimmt ibn ruhig in Besitz." Nachdem er bei verschiedenen Begegnungen mit den Boten Gottes deren männlichen Sinn und redliches Bemühen, ihren Nebenmenschen Gutes zu tun, erkannt, nachdem er ohne seinen Willen Hörer einer begeisterten und überzeugenden Predigt Sturms geworden war, kam er nach längerem inneren Kampfe zu der Ueberzeugung. daß es mit feinen Göttern aus sei und daß der Ehristengott der Herr über Himmel und Erde fei. Als nun sein Vater durch einen alten Feind, der ihn nach langem Suchen aufgefunden, ermordet worden war und nichts mehr ihn binderte. trat er nun auch öffentlich zu der Gemeinde der Christen, die Sturm in dem Tale gesammelt hatte. Und da er ein ganzer Mann war, tat er auch ganz, was er tat. Er wurde ein eifriger Förderer der Niederlassung. Mit dem von seinem Vater ererbten Schatz erwarb er den umliegenden Besitz, nahm die von den Sacksen oft hart bedrängten Hessen aus dem Norden hier auf und unterstützte sie beim Anbau von Anwesen, so daß eine gesegnete und blühende Gemeinde um Klothildens Hof entstand.
Obgleich Bonifatius den Bau eines Klosters an dieser Stelle noch nicht genehmigte, und die Glaubensbaten weiter den Fluß hinauf ziehen mußten und an seinem oberen Laufe das Klotter Fulda gründeten. behielt Lullus doch diesen Ort in lieber Erinnerung, da er mit Herolf und Berta und ihrer Mutter ein Freundschaftsbündnis geschlossen hatte, das die Zeit überdauerte. Als er dann den für ihn von Bonifatius bestimmten erzbischöflichen Stuhl zu Mainz eingenommen hatte, führte er seinen Lieblingsplan aus, in Herolfes feld. wie die Siedelung jetzt hieß, eine größere Kultusstätte zu errichten. Das einst mit feiner Hülfe aufgestellte Kreuz stand noch: Serolf sorgte dafür, daß es nicht verfiel und der Platz, der es umsäumte, wurde als heiliges Land betrachtet. Hier an diese Stätte sandte Lullus eine kleine Schar frommer Benediktiner. Sie waren mit Htilfsmitteln gut ausgerüstet, um einen festeren Ban aufzurichten, als die ein- ftigeu Sendlinge aus dem Eddertale es gekonnt. Lullus hatte besonders gelehrte und fromme Männer für das Werk erwählt, und 30 Jahre nach seinem ersten Auftreten entstand nun endlich ein stattlickes Klafter, wahrscheinlich im Jahre 769 n. Chr. Von dem mächtigen König Karl dem Großen, bei dem Lullus in großer Gunst stand, erwirkte er am 5. Januar 775 eine Urkunde, durch die außer ansehnlichem Besitz und Zehnten nicht nur der Königsschutz und die Befreiung von der Gewalt des Gaugrafen, sondern auch das Recht der freien Abtswahl dem Kloster zugestanden. wurde. Lullus bekleidete neben seinem erz
bischöflichen Amt bis an seinen Tod die Stelle des Abtes und setzte nur einen Unierabt ein. Welche Freude war es für ihn und seine alten Freunde, wenn er von Zeit zu Zett Ausenthalt in seiner Lieblingsftiftung nahm. Da erinnerten sie sich der Zeit der ersten Liebe, wo Serolfesseld noch in den Windeln lag, so gern. Es war Lullus auch vergönnt, hier zu sterben am 16. Oktober 786, und feine Grabstätte hier zu finden. Bis auf den heutigen Tag lebt fein Andenken in Herz und Mund eines jeden Hersfelders fort. F. v W.
6in Drama in der Luft.
Robert Scanlons letzte Fahrt.
(Don unferm Korrespondenten.)
Heber eine grauenvolle Tragödie in den Lüften, die sich vor wenigen Wochen
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in der Nachbarschaft der australischen Stadt Perth abgespielt hat, berichtet der Korrespondent einer französischen Zeitschrift erschütternde Einzelheiten: Noch vor einem Jahre war der junge, australische Lusffckiffer Robert S c a n I o n einer der populärsten Männer seines Heimatlandes. Er gab in regelmäßigen Zwischenräumen in Sidney, Melbourne, und Adelaide Vorstellungen mit einem von ibm konstruierten Fallschirm, und die Kühnheit und Geschicklichkeit, die der junge Scanfon dabei entfaltete, trugen ihm die Bewunderung der Menge und die Hoffnung auf Erwerb eines Vermögens ein. Scanfon pflegte mit einem verhältnismäßig sehr kleinen Ballon aufzustci- gen, bei dem an Stelle der Gondel durch eine besondere Vorrichtung der Fallschirm.befestigt war. Der Fallschirm lief unten in ein Trapez aus, auf dem Scanfon im Sinken allerlei kühne gymnastische Vorführungen unternahm: Er stieg bis zu mehreren hundert Metern Höhe auf,, setzte dann durch einen Ruck an einer Leine die Haltevorricktung des Fallschirmes in Bewegung, der Schirm löste sich und während der Ballon in den Stiften entschwebte, sank er, an seinem Trapez turnend, zur Erde nieder. Aber dieses aufregende Schauspiel wird man in Australien vorerst nicht wieder erleben, denn nach seinem letzten iragischen Abenteuer bat der junge Luftschiffer seiner Kunst entsagen muffen, er ist nur noch .
ein Schatten seiner selbst, ;tn nervös überreizter und von furchtbaren Vofftellungen verfolgter Mensch, der bis jetzt vergeblich bei den Aerzten Hilfe gesucht hat. Die traurige Ursache dieser vollkommenen Nerven- zerrüttung geht auf ein Volksfest in Perth zurück, bei dem Scanson (wie schon oft) sein Wagestück mit dem Fallschirm zeigen sollte. Tausende von Neugierigen waren herbeigeströmt. der Ballon war gefüllt, ein Dutzend freiwilliger Arme hielt das kleine Luftschiff ' noch an der Erde. Die Haltenden waren verständigt, die Seile in dem Augenblick loszulas- fen, da Scanson mit den Händen den Stab des Trapezes packen würde. „Los!" rief er und sprang an die Barre. Schon begann der Ballon langsam zu steigen, als ein grober Kerl mit oom Trunk geröteten Gesicht johlend herbei- sprang und gerade noch das Tsapez erwischte. Er wurde mit in die Stifte gezogen. Wortlos starrte die Menge auf dieses unvorhergesehene Schauspiel. „Loslaffen, abspringen!" schrie Scanson in höchster Erregung, „noch ist cs Zeit" Infolge des doppelten Gewichtes stieg der Ballon in der Tat ganz langsam und nur zwei ober drei Meter trennten die Füße des am Trapez hängenden Betrunkenen vom Erdboden. Der Luftsckisfer schlug mit allen Kräften auf die das Trapez umHammernben Hände des ungebetenen Gastes ein, aber der Betrunkene ließ nicht los.
In der nächsten Sekunde mar e? zu spät, der Ballon hatte bereits eine zu große Höbe erreicht und stieg unaufhaltsam weiter. Die Situation war grauenvoll. Das Ballonnetz und die Haltefeile waren nur auf ein Gewicht von zweihundert Pfund abge- ftimmt und konnten unmöglich längere Zeit der doppelten Belastung widerstehen. Der Fallschirm aber war nickt imstande, zwei.Menicken iv tragen. Man stand einem sickerenTode gegenüber. Der Betrunkene versuchte nun, den Luftsckiffer beiseite zu drängen, um sich an dem Trapez besser festzuklammern. Es blieb keine Wahl: Einer mußte dem Schicksal geopfert werden. Mit Anspannung aller Nerven und aller Muskeln führte Scanlon den unabwendbaren Enffchlnß aus: Ein heftiger Ruck, ein Stoß und sich mehrfach überschlagend, stürzte der Andere in die Tiefe. Der Luftschiffer sah noch den Körper mit wachsender Gesckwindiakeit niedersausen, dann riß er an der Seine, der Fallschirm öffnete sich, und ein paar Minuten später erreichte er die Erde. Er vermockte sich nicht mehr aufrecht zu halten und verlor die Besinnung. Das Drama bat nun vor dem Schwurgericht feinen Ab;chmß aefunben. Man hatte Scanlon verhaftet, aber et wurde freigesprochen, weil er in berechtigter Notwehr gehandelt habe. Aber er ist seitdem ein gebrochener Mann, leidet an ständigen Nervenzuckungen und wird von furchtbaren Vorstellungen verfolgt. .Ja, am Tage will ich es noch aushalten, ba sehe ick nock Menschen unb spreche mit ihnen. Aber die Nacht! Ich kann nickt scklafen und immer steht vor meinem Blick das Bild dieses zuckenden und sich Überschlagenden Körpers, der ba fallt, immer fallt ns Ungern cssene ..." B. D.
Männer beim Schönheitsdoktor.
Ein bekannter Londoner Schönheitsdoktor, den ein Mitarbeiter einer ena!>sck"n Wochenschrift interviewt hat, erklärte dem überraschten Besucher, daß er mindestens ebenso viel Männer als Frauen be-
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sowie passende Weihnachts-
geschenke. wie:
Katastrophen und Sterblichkeit.
Man schreibt uns: Alle Welt war entsetzt durch die kürzlich erfolgte Zerstörung der Stadt Austin in Pennsylvania durch einen Dammbruch. Die Flut stürzte das Tal hinunter, Tod und Verderben mit sich bringend. In wenigen Minuten gingen etwa fünfzig Menschenleben verloren. Allgemein war bas Mitgefühl im ganzen Lande, Acrzte und Pflegerinnen eilten herbei, Nahrungsmittel, Kleider, Lazarettbe- barf unb Geld" strömten herzu. Der Staat Pennsylvania und die ganze Nation stand zur Hilfe bereit, ohne nach den Kosten zu fragen. All das war ganz in Ordnung unb bars nicht anbers fein. Aber wie seltsam ist es, daß unser Mitgefühl unb unser Pflichtgefühl durch den plötzlichen Verlust von fünfzig Menschenleben bei der Katastrophe geweckt wird, während es uns kalt läßt, wenn Tausende an leicht zu tinbembeu, aber alltäglichen Ursachen zu Grunde gehen. Die Johnston-Flut, der Jroguois- theater-Brand, bas San Francisco-Erbbeben erfüllten bie Welt mit Entsetzen. Aber der Tod von jährlich 600 000 Menschen in den Vereinigten Staaten infolge an sich heilbarer Krankheiten erregt nickt das mindeste Aufsehen. Die Zeitungen berichten über das Austin-Unglück spaltenlang mit aufdringlichen Ueberschristen, aber die letzte Personenstandaufnahme in den Vereinigten Staaten zeigt, daß im Jahre 1908 allein in Pennsylvania 2450 Personen an Typhus starben, 1920 an Diphtherie, 8703 an Tuberkulose unb 9026 Kinber unter zwei Jahren an Brechdurchfall, eine Sterblichkeit von insgesamt 22 099 nur an den vier hauptsächlichsten Krankheiten in nur einem Staate. So gewohnt sind wir an diese riesigen, aber alltäglichen Ver-, luste, daß wir sie als natürlich und unvermeidlich hinnehmen. Und doch kann man ihnen vorbeugen, ebensogut wie der Austin-Flut.,
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Wolkenkratzer unb Witterung. ~
Vor dreizehn Jahren wurde das SSef*1 terbureau von Newyork im zwanzig-! ften Stockwerk des American Surety Building,1 Broadway, untergebracht. Damals ragten die auf einem vierzehn Meter hohen Stahlturm! des Daches angebrachten Aufnabmeavparate,! Windfahne und Windmeffer, weit über bie1 Dächer der Nachbarschaft hinaus. Seit neun Jahren sind aber in einem Umkreis von zweihundert Metern um bas Wetterbureau nickt weniger als vierzehn annähernb ebenso. hohe neue Gebäube entstanden, von denen drei Hohen von hundertundfünfzig bis zweihundert Metern erreichen unb cs erheblich überragen. Die Folge davon ist, baß bie vom Wetterbure au verzeichneten Windrichtungen ganz andere sind als früher . . . eine Tatsache, die also nicht von klimatischen, sondern von baulichen Aenderungen veranlaßt ift Es besteht ganz deutlich eine Abnahme der gemessenen Windgeschwindigkeiten unb eine Ablenkung mancher Windrichtungen. Und zwar sind, wie Veraleicke mit den früheren Messungen an der Station selbst und mit gleichzeitigen Messungen an vier ober fünf benachbarten Stationen ergaben, die Aenberungen über Erwarten bebeutenb. Besonders die Nordwinde haben abgenommen. Aber nicht nur die Windgeschwindigkeiten, sondern auch die Anzahl der Tage mit Wind lassen eine starke Abnahme gegenüber Nachbarstationen erkennen.