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Hessische Abendzeitung

Nummer 297

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 21. November 1911

1. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

5err Ferdinand Burg und Fran.

Hofrat Czuber,

Depeschen auS Washington melden: Daz Staatsdepartement bestätigt nunmehr offiziell, daß amerikanische Truppen von Ma- nila nach China abgeben sollen. General Bell, der Kommandant der Truppen auf den Philippinen, hat z'w e i t a u s e n d Mann auserlesen« Truppen, auS Infanterie, Kavallerie, Artillerie und SanitStsmannfchaften bestehend, auSgewählt, die nach China abge- hen sollen. Die Truppen sind so ausgerüstet, daß sie einen Winterfeldzug überdauern können.

der Schwiegervater des früheren Erzherzogs, empfing (wie aus Wien depeschiert wird) am letzten Sonnabend mehrere Vertreter der Wie­ner Presse, denen er zu der offiziellen Verlaut­barung der Vermählung seiner Tochter mit dem

und von dem dem Turm benachbarten Kirchen, teil ragen nur noch die nackten, rauchgeschwärz­ten Mauern zum Himmel. DaS Innere der Kirche ist vom Feuer und vom Wafler der Feuerspritzen ebenfalls stark beschädigt worden, doch gelang es, alle Wertsachen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Man schätzt den entstandenen Brandschaden auf etwa eine Million Mark. Personen sind bei der Brandkatastrophe glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. DaS Feuer konnte erst heute früh gegen vier Uhr gedämpft werden.

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, Die durch den gestrigen Brand teilweise zer­störte Martinikirche gehört neben der gothischen Lamberti-Kirche, der romanischen Ludgeri- Kirche und der Servatii-Kirche zu den älte­sten historischen Bauwerken Münsters. Ihr architektonisch wunderbar konstruierter Turm, der bei dem gestrigen Brande am schwersten be­troffen worden ist, gehörte zu den charakteristi­schen Sehenswürdigkeiten der alten Stadt. Vor einigen Jahren erst wurde das alte Kirchenge­bäude, dessen Inneres wertvolle Antiquitäten barg, völlig restauriert, da die Landes- und Kirchenbehörde auf die Erhaltung des alten Bauwerks großen Wert legten.

Jnf-rttorizpretf«! DU f«<$ «gehaltene geile für einheimisch« «eschist, 15 Pf-., für aus. wärttse Inserat« 25 Pf. ReNamrzeil« für einheimisch« »«schüft« 111 Pf. für auswärtige Geschäft« 60 Pf. Beilagen für die »efamtauflage werden mit 5 Mark pro Tauten» be- r-chnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Kasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches Jnsertionsorgan Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Man depeschiert uns aus Brüssel: Die .Korrespondenz des äußerten Ostens" veröffentlicht über die Lage in China olgende ihr aus Schanghai zugegangene Mel- mngen: Der Kampf zwischen Chinesen und Mandschus ist bis zur höchsten Wut ge­diehen. Man kann die Geschehnisse nicht mehr einen Krieg nennen, die sich gegenwärtig in Haukau und anderen Städten vollziehen: Es ind einfach Massakres und Verbre­chen, die durch den Rassenhaß ausgelöst werden. Einstmals haben die Mandschus die Chinesen zu Millionen gemordet, und in einzelnen Städten ließen sie niemanden am

Diejenigen verleiht, die an sie glauben und ihr untertan sind von ganzer Seele. Auch Ferdinand Burg gehört zu diesen Untertanen eines Königreichs ohne Grenzen. Der männ­lich-schöne Prinz hat wohl Gelegenheit genug gehabt, einen Ueberschuß an Gefühlen auszu­geben, aber auf jenem Prager Technikerball, an dem er den Frühling in der Gestalt der jungen Hofratstochter Etelka Czuber sah, empfand er die richtige Ueberzeugung.

Das Glück bei Frauen ist eine Lüge; wirk­liches Glück gibt es nur bei einer Frau. Wir modernen Menschen, deren kalter Verstand sich weigert, dort noch zu glauben, wo unsre fünf Sinne nicht ausreichen, werden seit jener Prager Begegnung widerlegt von den Mysterien der Liebe, die ein unbegreifliches Stück Schicksal ist und sogar Menschen miteinander verbindet, die Km den entgegengesetzten Polen der Gesell­schaft zu Hause sind. Erzherzog Ferdinand Karl hat zuerst die Familie seiner Frau be­siegt, die Widerstand leistete, weil ihr der Bräutigam .zu hoch" stand. Dann besiegte er seine eigne Familie, die Widerstand leistete, weil ihr die Braut im Rangezu tief" erschien. Er, der begeisterte Offizier, der seine Männlich­keit aufsprühen fühlte, wenn er vor blauen

Helden der Liebe.

Ter Herzensroman im Haufe Habsburg.

Die amtlicheWiener Abendpost" brachte am Sonn, abend an der Spitze des Blattes folgende offizielle Kundgabe:Wir find in der Lage, mitzuteilen, daß seine Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ferdi- nandKarl vor einiger Zeit ohne allerhöchste Bewilltgung eine Ehe eingegangen ist und daß seine Majestät der Kaiser sicher höchstdefsen Bitte, auf den ®!tet und auf den Rang eines Erzherzogs, sowie auf feine Stellung In der Armee verzichten zu dürfen ge- nehmigt hat. Der Verzichtende wird fortan' den Namen Ferdinand Burg führen".

Nun ist die Romantik also doch sieg­reich geblieben: Der Brüder des Erben der Habsburger Kaiserkrone, weiland Erzherzog Ferdinand Karl, hat keinen Adelstitel mehr, ^"^-"-^Elitärtschen, keinen offiziellen Rang. Er heißt Ferdinand Burg schlechtweg und die Zeremoniemneister der großen und der kleinen Höfe haben ihn aus ihren Listen ge- '^chen. Das wurde am letzten Sonnabend offiziell bekannt gegeben als Bestätigung der tausend Märchen und Dichtungen, die seit Mondes frist über den Herzensroman im Hause Habsburg durch die Presse huschten:Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit, der durch­lauchtigste Herr Erzherzog Ferdinand Karl (zum Abschied noch einmal die volle Reverenz) sei im Ausland vor einiger Zeit ohne Aller­höchste Bewilligung eine Ehe eingegangen Der Kaiser habehöchstdessen" Bitte, auf den Titel und Rang eines Erzherzogs sowie auf seine Stellung in der Armee verzichten zu dürfen zu bewilligen geruht." So ist denn das große Opfer gebracht und nur ein »einer Rest wurde dem bürgerlichen Erzherzog erspart. Er ist nicht in Unfrieden, er ist überhaupt nicht von seiner engern Familie geschieden, die mit sei­nem Streben einverstanden war und eifrig ge­arbeitet hat fiir eine bessre Lösung. Viele sind erstaunt, daß diese Bemühungen nichts ge- fmchtet haben. Man weiß, daß die mächtige Hand des Kaisers die Etflette stets beiseite ge­schoben hat, wenn ein junges Paar den Weg zum Glück geebnet haben wollte. Die plöliche u. ungewöhnliche Verweigerung hat aber ihren hinreichenden Grund wieder im Wesen des grei­sen Franz Josef: Das Heldenütm der Pflicht ist sein« stärkste Eigenschaft. Erzherzog Karl Ferdinand käme gegenwärtig nach den Erz­herzögen Franz Josef und Maximilian als vierter Anwärter auf den Thron in Betracht. Aus dynastischen Gründen fanden also seine Bitten um die Erlaubnis zu einer morganati- scheu Ehe keine Gewährung.

Der Erzherzog war trotzdem nur dem Be- fehl des eignen Herzens gehorsam und bat die Folgen auf sich genommen. ES sind nicht nur Zuneigungen und Hoffnungen, di« davon spre­chen, daß er bald von der Gnade des Monar­chen einen Teil des Glanzes wieder zurück­erhalten werde, von, Kaiser,- der der dynasti- scheu Erwägung weise folgte, aber als großer Mensch verzeiht, weil er... mitfühlt und versteht! Ob hohe Prädikate Herrn Ferdi­nand Burg zu seinem vollen Glück fehlen, ist allerdings fraglich. Man möchte es bezwei­feln angesichts der Entschiedenheit, mtt der er ein glitzerndes Kindermärchen zu einer wun­derbaren Wirflichkeit rief. Rur hat das uralte Märchen einen neuen Schluß: Der königliche Prinz ist gekommen und hat das schöne Bür­germädchen zu seiner Gattin gemacht, er konnte es aber nicht neben sich auf den Thron erheben den er durch die Liebe verloren hat. Aeußere Opfer und Verluste gelten aber nicht viel un­ter der Gilde Derer, die die Liebe auch für eine große Königin halten, die große Gnade und heißbegehrte Erhöhungen über die andern an

KaWSten ettoetnen wöche-tRch fech-nral und zwar abend«. Der <4bormement«pret5 beträgt monatlich so Pfg. bet freier Zustellung in« Hau«. Bestellungen Ober ben Noten entgegengenommen. Druckerei. Verlag Sprechstunden der Redaktion von 1-3 Uhr nach. Sprechstunde» für unsere Abonnenten Mittwoch« und Sonnabend« non 6-8 Uor abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

sich reihenden Konsequenzen so rasch erfolgen werde. Selbstverständlich habe kein enAn laß, die nun offiziell be­stätigte Nachricht von der Vermählung meiner Tochter zu bestreiten. Meine Tochter i't nun die legitim« Gattin des gewe­senen Erzherzogs. Ueber die Zeit der Trauung und über die Zeugen äußerte sich Hof- »rat Czuber nicht. Wie übrigens dieZeit" aus Hoflreisen erfährt, dürfte der Kaiser in ange­messener Frist den Erzherzog Ferdinand Karl, derzeitigen Herrn Burg, wieder in Gnaden aufnehmen und in seinen früheren Rang und seine Würden wieder einsetzen.

ß!n Mesenbrlmd in Münster.

Die Martinikirche durch Feuer zerstört!

Wie uns ein P r i v a t - T e l e g r a m m aus Münster in Westfalen meldet, geriet dort ge­stern abend die altehrwürdige Martini- kirche, die erst vor kurzem mit einem Auf­wand von mehreren hunderttausend Mark voll­ständig restauriert worden war, in Brand. Das Feuer wütete die ganze Nacht hindurch. Der Turm der Kirche ist teilweise eingestürzt. Mehrere Häuser der Nachbarschaft wurden ebenfalls von den vom Sturm begünstigten Flammen ergriffen und brannten völlig nieder Ueber dir Brandkatastrophe geht uns folgender eingehende Bericht zu:

Münster i. W., 20. November.

(Privat-Telegram m.)

In der Martinikirche fand gestern abend um acht Uhr eine kirchliche Andacht statt. Als der Küster mit feinen drei Begleitern um acht Uhr den Turm verließ, will er noch nichts vom Feuer wahrgenommen haben, jedoch wird ver­mutet, daß durch Unvorsichtigkeit eines dieser Leute, die mit offenen Kerzen ge- wohnheitSgemäß den Turm bestiegen hatten, der Brand verursacht worden ist. Als um halb neun Uhr die letzten Gläubigen die Kirche ver­ließen, bemerkte noch keiner den im Innern des TUiMoc- wütenden Brand. Kurz «ach halb neun Uhr flammte im unteren Turmgeschoß ein Feuerschein auf. Gegen neun Uhr brannte bereits der schieserbedeckte Turmgiebel lichter­loh. Ein Funkenregen trug handgroße brennende Holzteile weit über das Weichbild der Stadt hinaus und g e f ä h r. deteeinganzeSHäuserviertel. Der gegen Abend einsetzende Regen verhindette, daß das Feuer sich allgemein auSbreitete. Mitt­lerweile hotte es in einem Haufe durch die of­fen stehende Bodenluke Eingang gefunden und fetzte nun die Dachstühle dreier Häuser in Brand, die bis zum ersten Stockwerk einge- äschert wurden. Der Turm der alten Kirche, eines der charakteristischen historischen Wahr­zeichen Münsters, ist völligauSgebrannt

. Durch die im Eingang des Artikels mitge­teilte offizielle Kundgabe der österreichischen Regierung ist nun jeder Zweifel an der Tat­sache beseitigt, daß der frühere Erzherzog be- refts vor längerer Zeit mit der Tochter des Prager Hoftats Czuber die Ebe eingegan­gen ist. Jedes Wort der inhaltsschweren Ver­öffentlichung bekräftigt die zahlreichen Details der mehrmals gebrachten und ebenso oft be- sttittenen Meldung, daß die Hochzeit bereits vor Monaten stattgefunden habe. Seit länge­rer Zeit ist aus Erzherzog Ferdinand Karl und Fräulein Etelka Czuber dasEhepaarFer- dinand Burg geworden, das Reisen ins Ausland unternimmt und selbst aus der Tat­sache kein Geheimnis gemacht hat, die man offiziell nicht zugeben wollte. In den Listen der Hotels und der Pensionen, in denen das Ehepaar abgestiegen ist. konnte man jedesmal lesen: Herr Ferdinand Burg und Frau. Auch lungst, als von der vollzogenen Ehe die Rede war, wurde zwar der Heiratsplan des gewe­senen Erzherzogs nicht bestritten, dagegen aber in Abrede gestellt, daß die Liebesleute bereits ein eheliches Paar geworden seien. Nun wird auch diese Tatsache offiziell bestätigt. Der zehn Jahre währende Herzensroman des Erzher­zogs Ferdinand Karl hat also jetzt gewisser­maßen seinen offiziellen Abschluß gefunden. Ein bürgerliches Paar wie viele andere, das allerdings die Voraussetzungen besitzt, ein be­schauliches und ruhiges Dasein zu führen Ueber die näheren Umstände, unter denen die Trauung vollzogen wurde, wird noch immer strenges Stillschweigen beobachtet. Allein wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, fand die Trauung bereits vor längerer Zeit, und zwar in Dresden ohne jede For- malitat statt. Als Zeugen haben angeblich zwei OfNzrere der Prager Garnison, die dem Erzherzog nahe stehen, fungiert. Tas Paar hat unmittelbar nach der Eheschließung eine län- aere Reise angetreten. Einige Monate im Jahr wird das Paar auf dem Schlößchen Rot- tenftein des Erzherzogs in der Nähe von Me­ran verbringen, das überaus behaglich und bequem eingerichtet ist. Gegenwärtig halten sich die Neuvermählten in Lugano auf, wo sie den ganzen Winter zu bleiben gedenken -

6iit MMmm-Poftraub.

Die neueste französische Seusatton.

Ein ungewöhnlich verwegener Raub, der durch den enormen Wert der den Tätern in die Hände gefallenen Beute das größte Aufsehen erregt, wurde in einem Postzuge der Mittel- me erb ahn verübt: In dem Postzug Paris- Marseille sind in der Nacht zum Sonnabend zahlreiche Postsäcke, die die Post und beträcht­liche Wettsendungen nach Indien und dem fer­nen Osten enthielten, ihres Inhalts beraubt worden. Das für den französischen Botschafter in Konstantinopel bestimmte Posffelleisen wurde unerbrochen aufgeftmden. Ueber die sensationelle Affäre liegen folgende Meldungen vor:

Paris, 20. November.

Rache und Revolution.

Die Grausamkeiten der chinesischen Revolution.

(Telegraphische Meldungen.)

Zwischen Paris und MLcon wurden im Postzuge der Mittelmeerbahn, der Pa­ris in der Richtung nach Lyon und Marseille verlassen hatte, drei zur Ambulanz gehörende Waggons erbrochen und beraubt. Die Täter hatten die oberen Wagenfenster einge­drückt und waren bon der Decke aus ins Innere gelangt.. Unter den vermißten Postfäcken sind für Indien und den fernen Osten bestimmte deutsche, englische und belgische Sendungen, de­ren Wert sich auf mehrere Millionen beläuft. Unberührt wurden die für die sran- ösische Botschaft in Konstantinopel bestimmten iostsäcke liegen gelassen. Die Untersuchung ist dadurch erschwert, daß man den Diebstahl e r st pät entdeckte. Es scheint sich um eine weitverzweigte Bande zu handeln, die über den Inhalt der einzelnen Briefsäcke gut unterrichtet gewesen zu sein scheint. Der Zug hatte kurz nach halb neun Uhr abends Paris verlassen. In MLcon, wo der Zug ge­teilt wird, bemettte man, daß bei dreien der Waggons die Türen geöffnet waren und teilte fest, daß eine Anzahl der Postbeutel ge- tohlen worden war. Der erste der gewaltsam Leöffneteu Waggons enthielt lediglich Druck-

neuen Repressalien hinzu. Das ist der Grund, weshalb die Revolutionäre in Wutschang zum Morden von mehreren Hundert Man d s ch u s übergingen. Die Rache derMand- schus besteht darin, daß sie die chinesischen Bauern in der Gegend von Haukau töteten, als die Mandschutruppen der ersten Division vor dieser Stadt ankamen. Auch das Nieder­brennen von Hankqu war ein Rache­akt, um hier möglichst viele Menschenleben und Reichtümer vernichten zu können. Die Nachricht all' dieser Grausamkeiten war wie­der die Veranlassung, daß die chinesischen Re­bellen von Hunan ihrerseits zur Ermor­dung, aller Mandschus schritten, die ihnen in die Hände fielen. Als die Nachricht von diesen neuen Massakres bekannt wurde, töteten die Mandschus den chinesischen General Wulutcheng in dem Augenblick, als er vor dem Thron den Mandschugeneral Mcheng wegen der Massakres in Haukau anklagte. Die Ermordung Wulutchengs rief die Hinrich­tung von fünf Mandschu frauen hervor, die von chinesischen Soldaten als Blutpreis für die zahlreichen anderen Hin­richtungen gesordett worden war. Die Mand­schus antwotteten auf diese Tat wieder mit furchtbaren Massakres zu Nanking, die mehr als taufend Personen das Leben kosteten. Inzwischen hat sich die Si­tuation in China noch bedenklicher gestaltet durch die Landung japanischer Truppen. Es geht uns darüber folgende Meldung zu:

Tokio, 20. November.

(Eigene Drahtmeldu ng.)

Es wird offiziell bestätigt, daß die Japa­ner bei Tschifu gelandet sind. Das neue chinesische Kabinett wird in hiesigen po­litischen Kreisen günstig beutteitt. Es wird aber betont, daß, wenn China in Zukunft nicht in der Lage sein werde, die Ordnung auf­recht zu erhatten, Japan, Rußland und Deutschland unter allen Umständen in die Verhältnisse ein greifen müßten, denn das augenMiMche Chaos kSnne nicht weiter beste­hen. Die Tragweite des Eingreifens Japans in die Revolution in China läßt sich zurzeit noch nicht absehen. Japans Vorgehen wird aber in polittschen Kreisen als s e h r b e d e n k- lich erachtet.

EMr Neueste Nachrichten

_________, Casseler Abendzeitung

Fronten ritt, verzichtete für immer auf Kom­mando und Kameraden. Jenem Zweig des Kaiserhauses angehörig, her dem Thron feine liche Entschließung Erden gibt, verzichtet« et auf all» Hoffnungen, tu Durchführung

oI?enb.e§ ^i"eilte: Ich. Leben, weder Frauen noch Kinder. Sie töte- bin durch ore Publikatton so ziemlich überrascht, len selbst die Tiere und vernichteten die Woh- m,r 0etnadr. mingen durch Feuer. Diese Erinnerungen näh-

die kaisei- ren den Haß gegen die Mandschus, der bei den r«. Chinesen überhaupt stets lebendig ist, und zu

erzichlletstunq den alten Ertnnerunqen kommen nun noch di«

da mir keinerlei Mitteilun wurde, die mich vermuten ließ, daß "" ' i bereit» erfolgt sei, und daß

der an dU Vi " '

allen Glanz, alle Ehrerbietung. Die Flammen, die ihn damals in Prag ergriffen, haben viel verzehtt und vernichtet. Aber er sieht sie nicht brennen, sondern nur leuchten. Wollte nichts Höhers, als die Liebe feiner Gattin, und ging ruhig und freudig unter die Männer, die keine Ansprüche aus ihrem Titel haben, sondern nur aus ihren Taten. Ferdinand Burgs erste Tat war wunderschön. War königlich, wenn man den Adel auf seine ursprünglichen Be- gttffe und feine wahrhafte Bedeutung zurückführen will. Und sie war durchaus nicht nur Großmut und Kühnheit, zum alleinigen Vorteil Dessen, der sie ausführte!

In unsrer frostigen Zeit, wo die Sehnsucht nach dem Nutzen zu allen Fenstern herein- und allen Augen herausschaut, tut es wirflich not, Diejenigen zu ermuntern, die sich weigern, auf den Glauben an menschliche Hoheit und an Ideale zu verzichten. Diese Kärnpser haben für ihre Begriffe einen neuen Prinzen mit bür­gerlichem Namen erhalten, der sie führen soll, und sie begrüßen feierlich und ehrerbietig Herrn Ferdinand Burg als Großmeister ihres hohen Ritterordens von der blauen Blume edelster Romantik. Es ist nicht wahr, daß das Helden­tum der Liebe nur noch dem Märchen angehört; es ist nicht wahr, daß die blaue Blume der Ro­mantik nur noch in den Gefilden wächst, die schwärmerische Tichteraugen in sonnigen Fer­nen schauen; es ist nicht wahr, daß der krasse Materialismus und die egoistische Selbstsucht des zwanzigsten Jahrhunderts die Seelen aus­gebrannt und den Hellen, opfermntigen Idea­lismus edler Menschlichkeit für immer ver­scheucht haben: Ferdinand Burg's Liebesopftr entkräftet die trotzigsten Zweifel. Und wenn wir den schicksalschweren Schritt von den Höhen nieder ins Dal auch nicht mehr (wie einst) als Verhängnis und Unheil ttauernd bestaunen: Die Heldentat des Mannes, der um seiner Liebe willen seines Lebens Menschenhöhe aus eignem Willen opferte, lediglich um seines Her­zens tiefgefühlt« Pflicht männlich zu erfüllen; eine Tat b t ef er Seelentreue zwingt zu auf­richtiger Bewundrung und weckt auch in küh- len Herzen Achtung und Sympathie für den Helden der Liebe, der das Märchen von der Treue zur idealen Wirklichkeit werden ließ . ..!

-an.