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Nr. 294. 1. Jahrgang..

Casseler Neueste Nachrichten

Freitag, 17. November 1911.

habe, die durch die tatsächlichen Teuerungs­verhältnisse nicht gerechtsertigt würden. Auf Grund der Verhältnisse in ihrem Bezirk erklärt die Handelskammer, daß die Zwischen- und Detailpreise/besonders auch die­jenigen für Lebensmittel, den gege­benen Markt- und Angebotsver­hältnissen durchaus entsprechen. Ter Zwischen- und Kleinhandel leidet unter der Teuerung, soweit eine solche besteht, nicht nur in gleichem Matze wie die übrige Bevölkerung, sondern teilweise noch mehr insofern als der schon seit Jahren andauernde, auf die allge­meine wirtschaftliche Entwickelung zurückfüh­rende hohe Preisstand vieler wichtiger Be- darssmittel viele Verbraucher zu Einschränkun­gen nötigt und ferner auch auf den Absatz von weniger unentbehrlichen Waren nachteilig ein­wirkt. Die Handelskammer spricht daher ihr Bedauern aus über die völlig ungerechtfertig­ten, lediglich einer einseitigen Beurteilung der Sachlage entsprungenen Vorwürfe.

Zm BörgervereiR Mittelstadt.^

Gestern abend fand im kleinen Saal des RestaurantsStadt Stockholm" die erste Jah­reshauptversammlung des Bürger- und Verkehrs-Vereins Mittelstadt statt. Ter Vorsitzende, Herr W a w r a , erstattete nach der Begrüßung den Jahresbericht. Aus den Mitteilungen ging hervor, daß der junge Ver­ein, dessen Gründung eine Folge derKönigs- ylatzsrage" (Verlegung des Wochenmarktes) war, von 52 auf 125 Mitglieder angewachsen sei. Weiterhin gab der Vorsitzende Kenntnis von dem Geschäftsgang innerhalb des Ver­eins und von einigen Veränderungen im Vor­stand Die Angelegenheiten des Vereins wur­den in acht Vorstandssitzungen geregelt. Die Protokolle hierüber verlas der Schriftführer Herr Blumenthal. Die Protokolle geben näheren Aufschluß über die kommunalpolitische Tätigkeit des Vereins. Zunächst verlangte der Verein eine bessere Beleuchtung der Mittel- und Altstadt über zwölf Uhr nachts hinaus, ferner mehr Schutzmannsposten und endlich wollte man Stellung zur Regelung der Sonntagsruhe im Geschäftsverkehr nehmen. Letztere "Frage ist jedoch aus verschiedenen Gründen fallen gelassen worden. Bezüglich Vermehrung der Schutzmannsposten ist dem Verein mitgeteilt worden, daß seiner Bitte we­gen des herrschenden Schutzmannsmangels nicht entsprochen werden könnte. Die bessere Beleuchtung nach zwölf Uhr ist abgelehnt wor­den. dagegen hat man einen teilweisen Erfolg bezüglich einer besseren Beleuchtung der Hohen- torstraße, des Pferdemarktes, der Markt- und der Mittelgafle zu verzeichnen. Weitere Ein­gaben wegen der Beleuchtung der Müllergasse sollen gemacht werden. Ter Verein beabsichtigt ferner, eine Eingabe an die städtischen Bchör- ven zu machen wegen der

Beleuchtung der Königsstratze in ihrem unteren Teile durch Bogenlicht. Es wäre zu erwägen, ob diese Beleuchtungsart auch auf die Seitenstraßen auszudehnen sei. Auch für den Marlins- und Philippsplatz will man eine bessere Beleuchtung anstreben und dasür sorgen, daß die Hauptstraßen besse­res Pflaster erhalten. Es erfolgte dann die Rechnungslegung. Die Einnahmen betrugen 236 Mark, die Ausgaben 138,74 Mark, der Bestand 97,26 Mark. Die Kasse wurde ge­prüft und für richtig befunden und die bean­tragte Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Anstelle des verstorbenen Herrn Menges wurde Herr Schröder, anstelle des verzogenen Herrn Biedendorf Herr T r o st gewählt. Es entspann sich nunmehr eine Diskussion über verschiedene Fragen, die für die Altstadt von Wichtigkeit sind. Zunächst will der Verein be­antragen, einen Schutzmannsposten am Ausgange des Pferdemarktes aufzustel­len, da die Sicherung jener Gegend sehr not­wendig sei. Von anderer Seite wurde die Vermehrung der Droschkenhalte- stellen in der Altstadt gewünscht. Der Vor­sitzende trat dem entgegen, indem er bemerkte, daß ein Bedürfnis dazu nicht vorliege, zumal die Fuhrwerksbesitzer selbst eine Vermehrung der Plätze wegen der Unrentabilität nicht wünschten. Der Casselaner fahre eben nicht Droschke. Von anderer Seite wurde angeregt, daß der Bürgerverein anläßlich der bevor­stehenden Kommunalwahlen dafür Sorge tra­gen müßte, daß auch einmal Kandidaten aus der Mittel- und Altstadt aufgestellt würden. Einen breiteren Raum in den "Verhandlungen nahmen die

Srratzendurchbrüche in der Altstadt ein. Wir stehen mit der Versammlung aus demselben Standpunkt und haben ibn bereits früher in einem Artikel vertreten, daß im In­teresse einer schnelleren Entwicklung der Alt­stadt nicht nur eine Erweiterung man­cher Straßenzüge, sondern auch Straßen- ourckbräche vorgenommen werden müßten. Der Verein ist der Ansicht, daß man allgemein über diese Frage debattieren könne, daß es sich aber aus verschiedenen Gründen verbiete, über Einzelheiten zu sprechen. Aus diesem Grunde ging man auf einzelne Projekte nicht ein. An­geregt wurde ferner, beim Magistrat vorstellig zu werden, um die Härten zu beseitigen, die sich beute bei Um- oder Neubauten in der Alt­stadt für den Bauherrn herausstellten. Nach elf Uhr erst wurde die interessant verlaufene Versammlung mit Dankesworten des Vorsitzen­den geschlossen in der Hoffnung, daß die nächste Versammlung, zu der durch Karten eingeladen werden soll, besser besucht sein werde. Ter Besuch der gestrigen Versammlung ließ näm­lich sehr zu wünschen übrig. -88-

A Der Streit um das Landesgestüt Dillen­burg. Bekanntlich bestehen seit einiger Zeit interessierte Kreise darauf, daß das Landesge­stüt, das zurzeit in Dillenburg belegen ist, in den Regierungsbezirk Cassel kommen müsse. Demgegenüber erklären die Tällenburger. daß zu einer Verlegung des Gestüts keine Veran- lassuna vorliege, und außerdem durch die Ver­legung für den Ort Dillenburg schwere wirt­schaftliche Schädigungen eintreten würden.

Diese Schädigungen führte auch der Vertreter des nassauischen Städtetages den Mitgliedern des hessischen Städtetages in Gudensberg vor Augen. Eine Zeitlang ruhte der Streit. Nun­mehr kommt aus Ziegenhain die Mel­dung, daß

der Landwirtschaftliche Kreisverein Ziegen­hain unter eingehender Begründung den Landwirtschaftsminister um Verlegung des Landgestüts in Dillenburg nach dem Regie­rungsbezirk Cassel gebeten habe. Diesem Antrag haben sich noch sechzehn weitere land­wirtschaftliche Kreisvereine angeschlossen.

Es dürfte interessant fein, zu erfahren, welche Gründe den Landwirtschaftlichen Kreisverein in Ziegenhain zu diesem Beschluß bewogen ha­ben. Bei Beurteilung der Sachlage wird man auch die Gründe der Gegenseite hören müssen.

Endgültiges Ergebnis der Volkszählung. Nach dem jetzt vom Kaiserlichen Stattstischeu Amt veröffentlichten endgültigen Ergebnis der letzten Volkszählung im Deutschen Reich waren am 1. Dezember 1910 insgesamt 64 925992 Personen in Deutschland ortsanwesend gegen 60 641 489 am 1. Dezember 1905.

A Vorm Kriegsgericht. Unter der Anklage der unerlaubten Entfernung vom Heere verbunden mit U n g e h o r f a m stand heute der Musketier W. von der neunten Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 83 in A r o l - fen vor dem Kriegsgericht der 22. Division. Der Angeklagte, der am 6. November 1888 zu Straßburg geboren ist. war von feinem sechsten Lebensjahre an acht Jahre in dem Waisenhaus in Dinglingen untergebracht, von wo aus er in eine Lehre zu einem Müller kam, bei dem er zwei Jahre tätig war. Aus dieser Stelle, sowie aus den andern ist W. immer weggelau­fen, bis er dann in Kehrweiler, wo er wie­der in Stellung war, als unsicherer Hceres- pslichtiger beim Militär eingestellt wurde und zwar am 2. März 1910 bei der achten Kom­pagnie des Infanterie-Regiments 83. Am 20. April 1911 wurde er, um ihn einer schlechten Gesellschaft in Cassel zu entziehen, zur neunten Kompagnie nach Arolsen versetzt. W. ist außer kleineren Strafen mit insgesamt 98 Tagen strengem Arrest belegt worden. Die letzte Strafe von 21 Tagen verbüßte er bis 15. August 1911. Am 17. desselben Monats ent­fernte er sich abermals ohne Erlaubnis von feinem Truppenteil, indem er abends über das Gitter stieg. Er hielt sich zwei Tage in einem Wald auf, bis er schließlich den Mut hatte, näher in die Stadt zu kommen, wo er von einem Unteroffizier ergriffen wurde. Am 28. August, morgens gegen vier Uhr, riß er aber­mals durch ein Fenster der elften Kompagnie aus, angeblich, weil er von Kameraden ge­schlagen worden war. Schon am nächsten Tage wurde er in einem Wiesengrund bei Arolsen (zwischen den Orten Mühlhausen und Gem­beck) von einem Unteroffizier schlafend aufge- sundcn und zu feinem Regiment zurückgeführt. Auf wiederholtes Befragen des Gerichtsherrn, warum er sich von feinem Truppenteil entfernt habe, erklärt der Angeklagte immer wieder: Weiß nicht!" Sein Kompagnie-Chef stellt ihm das Zeugnis eines moralisch minderwertigen Menschen aus. Der Stabsarzt erklärt den An­geklagten für vollständig zurechnungsfähig, bit­tet jedoch, ihn in Anbetracht seiner schlechten Erziehung und moralischen Minderwertigkeit milder zu beurteilen. Der Vertreter der An­klagebehörde beantragt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Urteil lautet auf vier Wochen strengen Arrest.

A Des Lebens müde. Kürzlich berichteten wir, daß feit einigen Tagen der Maurer H. aus der Scheffelstraße vermißt wurde. Trotz­dem man ihn ost in der Stadt gesehen hatte, kehrte er doch nicht in feine" Wohnung zurück. Vorgestern Nachmittag sah man ihn zuletzt. Gestern Morgen wurde er aus demLac" in Wilhelmshöhe als Leiche gezogen. Was den Unglücklichen zu der Tat getrieben hat, ist bis jetzt unbekannt.

A Auf freien Fuß gesetzt. Vor einiger Zeit wurden unter dem Verdacht, sich gegen den Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches vergan­gen zu haben, mehrere Personen verhaftet. Einer der Verhafteten ist jetzt wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

A Wer mutz die Schulbücher taufen? Eltern können nicht gezwungen werden, ihren Kindern die Lehrbücher zu beschaffen. So hat das Kam­mergericht entschieden. Die Regierungen in Preußen haben in Ausführung des Allgemei­nen Landrechts Verordnungen erlassen, wo­nach nachlässige Eltern, die nicht für den regel­mäßigen Schulbesuch ihrer Kinder sorgen, be­straft" werden können. Nun hatte sich wegen Ucbertretung einer solchen Verordnung ein Vater vor dem Strafrichter zu verantworten, der fein Kind wohl zur Schule geschickt, aber ihm das vorgeschriebene Lehrbuch nicht ange­schafft hatte. Die Anklagebehörde stand auf dem Standpunkte, daß eine derartige Unter­lassung der Eltern, ebenso angesehen werden müsse, wie wenn sie das Kind überhaupt nicht zur Schule geschickt hätten. Denn ohne, Lehr­buch könne das Kind nichts lernen, und so kön­ne von einem regelmäßigen Schulbesuch nicht die Rede fein. Die Strafkammer sprach den Vater jedoch frei. Dagegen legte die Staats­anwaltschaft Revision ein, doch ohne Erfolg. Das Kammergericht wies sie zurück. In der Urteilsbegründung führte der Gerichtshof aus: Von einer Schulversäumnis könne keines­falls die Rede fein, wenn Eltern den Kindern keine Bücher anfchassen. Der Angeklagte könne wegen feiner Unterlassung nur bestraft werden, wenn er durch sie eine besondere Ge- setzesnorm verletzt hätte. Die eriftiere aber nicht. Und so müsse er freigesvrochen werden. Da eine Gesetzesnorm nicht besteht, der Vater also nickt bestraft werden kann, ent­steht die Frage: Wer muß nun die Lehrbücher kaufen?

A Aus einer Anstalt entsprungen? Gestern abend wurde in der Müllergasse ein besser ge­kleideter Herr festgenommen, dessen Geisteszu­stand darauf schließen läßt, daß er einer An­stalt entsprungen ist. Ter Festgenommene wurde vorläufig in Polizeihaft gebracht.

A Die Geldvcrmittelungsstelle des Deut- schen Städtetages. Für die neue Geldvermit­telungsstelle des Deutschen Städtetages sind

folgende Bestimmungen erlassen worden: Die Geldvermittelung des Deutschen Städtetages (G. St. d. D. St.) übernimmt für die sebst- ständigen und korporativen Mitglieder des Deutschen Städtetages die Vermittelung von kurzfristigen Darlehen, von Obligations- und Schuldscheinanleihen. Sie wird bis auf weite­res verwaltet von einer Kommission, die sich zufammensetzt aus vier vom Vorstand des Deutschen Städtetages zu wählenden Mitglie­dern und aus drei Vorstandstnitgliedern der Vereinigung der Finanzdezernenten größerer deutscher Städte. Die von der Leitung der Geldvermittelungsstelle aufzustellenden Bestim­mungen über die Tätigkeit der Stelle unter­liegen der Genehmigung des Vorstandes des Deutschen Städtetages. Für kurzfristige Dar­lehen und langfristige Anleihen sind besondere Bestimmungen erlassen über die Vermittelung, Höhe und Zeitdauer :c. Die allgemeinen Be­stimmungen betreffen die Fühlung mii den deutschen Sparkassen, wie der vorübergehende Geldüberschuß oder Geldbedarf der Sparkas­sen im Sinne der angeschlossenen Gemeinden nutzbar zu machen ist, wie die Anlegung von Svarkassengeldern in deutschen Stadtanleihen und solchen kommunalen Kreditbriefen, die zur Deckung von Stadtanleihen ausgegeben wer­den, möglichst zu fördern ist. Die Vermitte­lung geschieht kostenlos, die Kosten trägt der Deutsche Städtetag.

A Das Wahlbureau der Nationalliberalen Partei. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, hat die Nationalliberale Partei ihr Wahl­bureau für die Kandiatur Dr. Sckroeder im Hause Opernstraße- und Wolfsschlucht-Ecke (Fernsprecher 1311) eröffnet.

A Autounfall auf der Kölnischen Strotze. Heute in aller Frühe stieß auf ber Kölnischen Straße ent Automobil mit dem vor einem Grundstück haltenden Lastfuhrwerk zusammen. Die Deichsel des Wagens drang tief in die Karosserie des Autos ein, das schwer beschädigt wurde. Glücklicherweise blieb der Chauffeur unverletzt.

A Prämiierungsordnung für Pferde- fchauen. Eine neue Prämiierungsordnung für Pferdeschauen will die Landwirtschaftskammer zu Cassel aufstellen. Zur Durcharbeitung eines entsprechenden Entwurfs hat die Kammer aus Landstallmeister v. d. Marwitz, Gestütsdirek­tor Bieler zu Dillenburg, Oekonomierat ©erlaub unb Tierzuchtinspektor Vaupel zu Cassel eine befonbere Kommission gebilbet. Die pferbehaltenben Landwirte werden eine neue (bessere) Prämiierungsordnung mit Freuden begrüßen.

A Die nächsten Vorträge. Auf den heute abend 8% Uhr im Saale derStadt Stock­holm" ftattfinbenben Vortrag des Herrn Dr. tneb. Blumenfeld überDie Seele des Kindes" sei besonders aufmerksam gemacht. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, wird der als Arzt und Psychiater bekannte Dr. med. Sexauer in der Zeit vom 18. bis 21. No­vember im großen Saal des Vereinshauses (Köln. Str. 17) über folgende Themata spre­chen: Charakterbildung in den Entwickelungs- jahren, das sexuelle Problem, Geschlechtsleben und Persönlichkeit.

A Offene Stellen für Militäranwärter. Im Bezirk des elften Armeekorps sind folgende Stellen durch Militäranwärter zu besetzen: Cassel-Wehlheiden. Königliche Straf­anstalt und Gefängnis, Strafanstaltsaufseher, sofort, 1200 Mark und Dienstwohnung oder Wohnungsgeld; ferner bei derselben Behörde Hilssaufseher, sosort, 100 Mark monatlich; Irchwitz bei Greig, Gemeindevorstanb, Schutzmann und Steuererheber, 1. Januar, 1100 Mark, Kleidergeld usw.; Weimar, Großherzogliches Gendarmerie - Kommando, Ordonnanzgendarm am grotzherzoglichen Hofe und aushilfsweise" im großherzoglichen Gen- darmeriekorps, 1. Januar, 1400 bis 1700 Mark. Nebenbezüge. Die Vakanzenliste für Militär­anwärter liegt in unserer Geschäftsstelle, Köl­nische Straße 5, su Jedermanns Einsicht offen.

A Kleine Tageschronik. Im Stadtteil Kirchditmold gelangten zwei junge Leute we­gen Kaninchendieb st ählen zur Anzeige. In einer mechanischen Schreinerei kam ein Invalide einer Hobelmaschine zu nahe, wo­durch ihm einige Finger durchschnit­ten wurden. Bei einer Hebung in einem Athletenverein fiel einem Mitglied ein schwe­res Gewichtsstück auf den Körper. Ter junge Mann mußte sich auf der Feuerwehr verbin­den lassen. Ter Kartenvertrieb für das G e ist l. Konzert des Ältst äbter Kir- ckenchores am Totensonntag in der Brü­der kirche ist bereits ein sebr reger, sodaß denen, die sich einen besseren Platz zu sichern wünschen, empfohlen werden muß, mit der Be­sorgung der Eintrittskarten nicht zu zögern.

A Königliche Schanfviele. Am Freitag wird Goethes SchauspielGötz von Berlichin- acn mit Herrn Bohns alsGötz" gegeben. Am Sonnabend gelangt als Pension? Benefiz (Serie C) die luftiae OperTer Postillon von Loniumeau" von Adam zur Aufführung. Die Titelrolle finat tum ersten Male Herr Balds- zun. dieMadeleine" Fräulein Gates. Zur VorstellunaAlt Heidelberg" am kommenden Sonntag-Nachmittag sind noch Plätze zum Preise von 1 bis 3 Mark (für das Parkett unb den ersten Rang) an der Kasse zu haben. Ueber die Galeriekarten ist bereits verfügt.

A Tas Wetter am Freitag. Der amtli­ch e Wetterbericht tagt für Freitag für Hessen- Nassau folgende Witterung voraus: Wolkig, teilweise trübe, Niederschläge, starke westliche Winde, Temperatur wenig verändert.

Letzte Telearamme.

(Nach Schluß der Redattion singegangen.)

Marotta fn der Kommstfio«.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 16. November.

In der heutigen Sitzung der Budgetkom­mission des Reichstags überreichte Staatssekre­tär. von Kiderlen-Waechler der Kom­mission folgenden Zusatz zum deutsch - französifchen Abkommen vom vierten November: In dem Notenwechsel zwischen dem Staatssekretär von Kiderlen-Waechter und dem

französischen Botschafter Cambon ist zum Aus­druck gebracht worden, datz, falls Deutschland von Spanien Spanisch-Guinea, die In­sel C o r s i e o und die Elobey-Jnseln zu erwerben wünsche, Frankreich bereit ist, zu Deutschlands Gunsten auf das sich aus dem französisch-spanischen Vertrag vom 27. Juni 1900 ergebende Vorzugsrecht zu ver­zichten. Dagegen erklärt Deutschland, sich nicht an den besonderen Abmachungen beteili­gen zu wollen, die Frankreich und Spanien etwa miteinander über Marokko treffen wollen. Es herrscht dabei Uebereinstimmung darüber, datz unter Marokko derjenige Teil von Nord­afrika zu verstehen ist, der zwischen Algier, Französisch-Westasrika und der svanifchen Kolo­nie Rio del Oro liegt. Die Verhandlungen, die sich an diese Mitteilungen knüpfen, sind vertraulicher Natur.

Aus Furcht vorm Wahn.

(Privat-Telegramm.)

Calais, 16. November.

I» der Nacht vom Sonntag zum Montag fand ein Matrose auf dem DampferPas de Calais" einen Ueberzieher, der einem der Passagiere gehörte, die in Dover an Bord gekommen waren. In den Tafchen des lieber» ziehers fand man eine Visitenkarte mit dem Namen William Mix, fowie drei Briefe, von denen einer an den Kapitän des Schiffes gerichtet war. In diesem Briefe heitzt es: Um nicht wahnsinnig zu werden, stürze ich mich in das Meer. Entschuldigen Sie. den Storger, den ich Ihnen dadurch bereitet habe." Die beiden anderen Briese waren an einen Advokaten in London und an einen Kaufmann in Newyork gerichtet. Tie Leiche des Selbstmörders konnte noch nicht geborgen werden; ebenso ist es bisher nickt möglich ge­wesen, die Persönlichkeit des Lebensmüden, in dem ein reicher englischer Bankier vermutet wird, mit Sicherheit festzustellen.

Das Befinden des Kaifers.

Berlin, 16. November. (Privak - Te­legramm.) Das Befinden des Kaifers gibt zu keinerlei Besorgnisfen Anlatz. Tie Erkältungserscheinungen sind bereits im Rück­gang begriffen, und der Patient dürfte in ein bis zwei Tagen wieder völlig hergestellt sein.

Arn Hellen Tag beraubt!

Berlin, 16. November. (Privatkele- gram m.) Heute vormittag wurde einer Dame in dem Augenblick, als sie das Bank­gebäude der Dresdener Bank in der Französi­schen Straße verließ, von einem unbekannten Täter das Handtäschcheu mit dreitausend Mark Inhalt entrissen. Der Räuber entkam im Stra. tzengewühl.

Junge Siebe .. .

Berlin, 16. November. (Privatkele- gram m.) Seit Dienstag früh werden der achtzehnjährige Student der Rechte. Werner R. und die sechzehnjährige Schülerin Eva S. aus Tempelhof vermißt. Die jungen Leute unterhielten seit dem Sommer ein Liebes­verhältnis, das van der Mutter des Mäd­chens nicht gebilligt wurde. Von den Flüchti­gen fehlt bis jetzt jede Spur.

Adis Abeba als Kriegslager?

Köln, 16. November. (Privattele-- gtamm.) Wie die Kölnische Zeitung aus Adis Abeba (Abessinien) meldet, ist R as Mi­ka e l, der Vater des Thronfolgers, mit einem protzen Heer dort eingezogen, ebenso der Gouverneur von Wollaga mit tausend Mann. Es wurde eine Truppenschau über dreitzigtau- send Mann abgehalten. Andere hervorragende Militärgouverneure werden in Adis Abeba er­wartet.

Die Kirche und die Feuerbestattung.

Köln, 16. November. (Privat-Tele­gramm.) Der Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer veröffentlicht Verhaltungsmatznahmen für die deutschen Katholiken hinsichtlich der Feuer­bestattung. Es ist den Katholiken nicht er­laubt, eine Feuerbestattung einzugehen. Die Verbrennung ist von der Kirche, abgesehen von Notfällen, streng verboten.

Herbette, der Ehrenmann.

Paris, 16. November. (Privaikele- üiamm.) Die aus den Botschaftern Louis Görard und Barrörre bestehende Unter« fuchungS Kommission, die sich mit der Prüfung der amtlichen Tätigkeit Murat H e r b e 11 e s, des Kabinettckefs des Ministerium des Aus­wärtigen zu befchäftigen hatte, hat jetzt ihren Schlutzbericht formuliert, der im Lauf des heu tigen Tages dem Minister de Selv es über­mittelt werden wird. Wie zu erwarten war, stellt öiefet Bericht die vollkommenste Ehrenhaftigkeit und Pf l i ck 11 r e u e Herbettes fest.

Die Nordsee im Sturm.

Cuxhaven, 16. November. (Privat- Telegramm.) Seit der vergangenen Nackt herrscht im ganzen Nordseegebiet und in der Elbemündung erneut schweres Sturrn- wett e r. Der Schiffsverkehr stockt. Der eng­lische DampferPeregrine geriet bei Kratzland fest, wurde aber wieder flott.

Katastrophe auf See?

London. 16. November. (Privak -> telegramm.) Ueber den Verbleib des gestern mit einem englischen Torpedobootszer­störer zufainmengestotzenen dänischen Seglers G r e n t a h" und über das Schicksal der Be­satzung ist bisher Bestimmtes nicht sestzustellen gewesen. Gestern wurden fünf Matrosen, mit Rettungsgürteln im Meer schwimmend, von einem Dampfer ausgenommen. Von der übri­gen Besatzung fehlt bisher jede Spur.

Wahlkrawalle in Südamerika..

Las Palmas, 16. November. (Pri­vattelegramm.) Anlätzlich der Muni­zipalwahlen kam es gestern zu ernsten Ruhestörungen. Die Gendarmerie wurde mit Steinen beworfen und machte von der Waffe Gebrauch. Bier Hafenarbeiter wurden getötet und sechs verwundet. Die Ordnung wurde fchlietzlich wiederher gestellt.