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CaMer Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 294.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 17. November 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

1. Jahrgang.

Mer nut Legende...?

Deutschland und Franlreich nach der MaroNo-Apotheose.

Wären unsre Offiziösen im politischen Ge­schäft und im diplomatischen Handwerk so ge­schickt wie in der Stimmungsmache: Deutsch­land würde über eine Welt triumphieren und Wilhelms des Zweiten Wort über die Be- fruchttmg des zwanzigsten Jahrhunderts mit dem Fluidum deutschen Wesens wäre längst der Wirklichkeit näher gekommen. Seit dem tiebeldüstren vierten Novembertag, da Herr Alfred von Kiderlen und Herr Jules Cambon ihren Namenszug unters Marokko-Kongo-Per- gament kritzelten, hören wir Hymne auf Hymne über den .glänzenden Schachzug" unsrer StaatSschifflenker zum grauen Himmel stei­gen, berauschen uns an begeisterten Dithyram­ben aus das (nach langen Monden kümmerlich genug beschlossne) .Werk des Friedens", das die Vogesenkluft zwischen Germanien und Gal­lien milde überbrückt und werden durch weit­hallende offiziöse Trompetenstöße immer wie­der daran erinnert, daß all Das, was in die­sen Tagen über die unheilkündenden Schatten des marokkanischen Diplomatenhandels von ernsten und sachkundigen Kritikern dem Volk erzählt worden, trügerische Legende sei, die Schwarzseher-Frevel mutwillig durch die Lan­de trage. Seit Bernhard Bülows betriebsam­sten Zeilen war dem Reich keine Periode s o emsiger und rastlos-geschäftiger offiziöser ..Meinungsmache" mehr beschieden, und es ist angefichts dieser seltsamen Ueberhast (die zu dem geruhigen Geplauder des Kanzlers am Ma- rokkotag im Reichshaus in einem schroffen Gegensatz steht) die Frage berechtigt: Was veranlaßt die Schriftgelehrten der Berli­ner Wilhelmstraße zu solch erregender littet« müdlichkeft im Dementieren, Kommentieren und Wirklichkeit-Polieren? Jsts die Freude ani endlich gelungnen Werk, oder die Sorge um den Bestand des kühn-gefügten Kartenhau­ses marokkanischer Illusionen? Nach der Rede, die Herr Theophile Delcassse am letzten Diens­tag im Seine-Parlament gehalten hat, möchte man eher an Sorge glauben, und es scheint auch, daß diese Sorge nicbt unberechtigt ist.

DelcaflSes Fanfarengeschmetter hätte indesien in Berlin nicht zu überraschen brauchen: Es war zu erwarten, daß der Mann im Ma- rineministerium die Kammer über die fatal­blamable Pulverafiäre mit einem Hinweis auf die großen Erfolge in Nordafrika Hinweg­trösten werde, und daß ihm dies gelungen ist, beweist die Abstimmung der Deputiertenkam­mer, die eine für die Regierung außerordent­lich günstige Tagesordnung mit überwältigen­der Mehrheit angenommen hat. Aber nicht der Kabinettschef Caillaux war hier der Zauberer, der die Stimmung des Parlaments in so hohem Grade für sich auszunutzen verstand, sondern der eigentliche Sieger war Del- cassse, der »Eisenfresser". Als unermüdlicher Fürsprecher für einen Bund mft England ge­wann er vor Jahren Eduard den Siebenten für dieEntente cordiale", die beiden Reichen bis in die Gegenwart hinein treffliche Dienste ge­leistet hat. Und jetzt, nach derMarokko-Apo­theose" zieht der gewiegte Kenner der Franzö­senseele das Ergebnis seiner Bemühungen, und ein wahrer Jubelsturm brauste am Dienstag durch Frankreichs Parlament, als Delcassee mit dem Hinweis auf die jüngsten deut sch- französischen Verhandlungen aus­rief: Die Flottenparade vom vierten Septembertag habe in kritischer Stunde dem Lande die Gewißheit verschafft, daß es seine Ehre und seine Interessen auch verteidi­gen könne. Die Kammer verstand den Red­ner, als er hinzufügte:Sie werden die F o r t - setzung usrer Bestrebungen mit vollem Ver­trauen begleiten." Was unter diesen Andeutun­gen zu verstehen ist, sagt uns der französische Militärschriftsteller Boucher, der soeben ein außerordentlich interessantes Schriftchen unter dem TitelDie französische Offensi­ve gegen Deutschland" herausgegeben hat. Wir erfahren da, daß die fianzösische Hee­resleitung bisher bei Ausbruch eines Krieges mit Deutschland die Absicht hatte, sich zunächst defensiv zu verhalten und erst da n n zur Of f e n s i v e überzugehen, wenn der deutsche Angriff abgeprallt fein werde.

Inzwischen scheint sich indesien das Blättchen gewendet zu haben, denn Herr Boucher erzählt uns: Nachdem feststehe, daß das französische Heer sowohl moralisch wie numerisch dem deut­schen derart überlegen sei, daß die Offen­sive alle Aussicht auf Erfolg habe, werde sich das Bild des Zukunstskriegs ganz anders ausrollen. Der französische Vormarsch werde von Nancy aus gegen die Linie Metz-Saarburg gerichtet fein. Wd tzfe Hauvtentscheiduna werde

bei Saarburg fallen. Eine energische, bis an die Rheinebene fortgeführte Verfolgung solle die Corps des Nordens und des Südens von einander trennen, sodaß derWeg nach Berlin" freiliege. In dem hier gekennzeichneten (und zweifellos recht kühnen) Gedankengang bewegt sich jetzt die gesamte französische MUitärlitera- tur, und namentlich dieFrance militaire (das französische Armeeorgan) schlägt Töne an, als ob mit dem Krieg schon in allernächster Zeit als einerzwingenden und historisch unerläßlichen Notwendigkeit" zu rechnen sei. Wir kennen die französische Revanchestimmung zur Genüge und brauchen uns nicht sonderlich darüber aufzu­regen, aber daß solche Kundgebungen gerade in diesem Augenblick möglich sind, in dem die deutsche Politik durch die Bewilligung gro­ßer französischer Forderungen einen dauernden Frieden herzustellen hoffte: Das ist doch unge­mein charakteristisch und ein überzeugender Beweis für die zurzeit int Nachbarreich herr­schende Stimmung. Man spricht heut jenseits der Vogesen von derOffensive gegen Deutsch­land" mit jener Selbstverständlichkeit, wie man in den Frühsommertagen achtzehnhundertsiebzig von demSpaziergang nach Berlin" sprach, und da die französische Politik von der Stim­mung der Volksmasie weit stärker beeinflußt wird als bei uns (wo das Prinzip dergott­gewollten Abhängigkeiten" sich als unübersteig­barer Wall zwischen Volk und Regierungsge­walt austürmt), so ist's sicher mehr als ein leerer Wahn", wenn in Kreisen, in denen schwächliche Verzagtheit nicht zuhause ist, die Gefahr eines deutsch-französischen Konflikts heut als weit größer erachtet wird, wie in den Tagen, da der Nachbar im Westen noch um unsre Einfalt warb. Herr von Kiderlen indesien sagt:Alles nur Legende!" und weist mit Heldengebärde auf das Kongo- Sümpfchen, das Teutonenkrast gnd Panzerfaust nach überlangem Hader schwächlich erstrstten. Vielleicht wird schon die nahe Zukunft lehren, daß die .Legende" recht schlimme Wahrheit barg! -an.

Naumann über unser» Mißerfolg.

Der Reichstagsabgeordnete D. Friedrich Naumann untersucht in einem Artikel der neuenHilfe" die Frage, warum Deuffchland in der Marokkoangelegenheit so wenig erreicht habe. Er kommt dabet zu folgendem Resultat: Wir sind noch nicht zur bürger­lichen Gleichberechtigung gelangt und deshalb politisch noch schwach. Unsere Aibeiter- massen sind noch nicht weltpolitisch erzogen. Un­sere Unternehmer haben für den Staat noch keine Zett. Mr überlassen das Regieren der Kaste des Herrn von Hehdebrand, utto diese macht es eben so gut, wie sie es kann. Sie aber kann gar nicht den weltpolitischen Gei st haben, den ein Voll braucht, das mit Englän­dern und Franzosen erfolgreich politisch kon­kurrieren will. Wir Deutschen bauen die besten Maschinen, geben den besten Mathematikunter­richt, haben die vorzüglichsten Musieikoffer, be­sitzen die größten Gewerkschasten, aber draußen in der weiten Welt sind wir noch altmo­disch vertreten. Bei dieser Sachlage hilft eS nichts, nur auf die paar Männer zu schlagen, die gerade jetzt unsere Geschäfte führen. Und wenn sie Engel wären, so würden sie unS nicht von heute auf morgen weltpolitisch erfolgreich machen können. Das Geschick zur großen Po­litik mutz in Generationen wachsen, und es kann nur wachsen mit der Ueberwin- d u n g des Junkerstaates durch den Bürgerstaat.

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Las Werk des Friedens.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Paris: Der Min-isterprästdent E a il­lau r hielt gestern abend auf dem Bankett des Vereins des republikanischen Handelsstandes. das von mehr als tausend Personen besucht war, eine politische Rede, in der er sich auch über das deutsch-französische Ab - kommen äußerte. Er erklärte, daß er beson­ders stolz sei, die Annahme dieses Abkommens vor dem Parlament zu verteidigen, denn dieses würde nicht nur den Interessen beider Länder gerecht, sondern stelle auch ein hervorra­gendes Werk des Friedens dar. Die Versammlung spendete den Worten des Mini­sterpräsidenten stürmischen Beifall. Ueber die Organisation, die Frankreich in Marokko durchzuführen gedenkt, verlautet: Die mili­tärische Besetzung Marollos soll in ähnlicher Weise aufaebaüt werden wie in Tu­nis. Militärischer Befehlshaber wird ein Di- visionsgenerol mit dem Sitz in Melines. Diese Stadt soll überhaupt das Zentrum aller mili­tärischen und Zivil-Verwaltungen sowie die Residenz des Generalresidenten sein. Zum ersten Inhaber dieser neuen Stellung wird wahrscheinlich General d' A m a d e ernannt werden.

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Dicht vor einem Kriege?

Aus London wird uns depeschiert: DaS Unterhausmitglied P o n s o n b y erklärte dem Vertreter perEvening Times/ zu seiner (ge­

stern von uns bereits telegraphisch mitgeteilten) Bemerkung in der von ihm int neuen Reform­klub gehaltenen Rede, daß England im vergan­genen September dicht vor einem Kriege mit Deutschland gestanden habe, folgendes: Die Behauptung sei absolut korrekt. Sein Ge­währsmann fei ein britischer Marineoffi­zier gewesen, von dem er die Nachricht indi- rett erhalten habe, und der geglaubt habe, daß sie kein Geheimnis sei. Dieser Offizier habe wörtlich erklärt, angesichts der nahen Kriegsgefahr feien die Torpedonetze der Kriegs- fchiffe bereits herabgelassen gewesen. Man höre jetzt von allen Seiten über die Panik im Sep­tember; wir haben (erklärte Posonby weiter) das Gerücht aus verschiedenen Quellen ver­nommen, doch liegt bisher keine offizielle Be­stätigung vor und das bedeute eine erneute Gefahr: Man kann offenbar die Gerüchte we­der bestätigen noch dementieren. DerEvening Standard" greift heute die Regierung in einem Leitartikel unter Bezugnahme auf die Reden Posonby's, Sir William Byles und anderer Li­beraler im neuen Reformklub, ebenfalls wegen ihrer Verschwiegenheit heftig an und erklärt, int Falle eines plötzlichen Kriegs­ausbruchs zwischen England und Deutsch­land wäre England nicht nur überrascht, sondern total unwissend gewesen. Eng­land habe ein Recht, zu wissen, wozu das eng­lisch-französische Abkommen es verpflichte, na mcntlich ob das Abkommen für den Ernstfall eine Heeres - und Flottenunterstüt­zung Frankreichs gegen Deutschland erforder­lich mache.

Der Wafserzoll im Reichstag.

Die Schiffahrtsabgaben und die Parteien.

Aus dem Reichstag wird uns geschrie­ben: Bächlein der Rede pläffcherten gestern recht munter, und die Debatte gestaltete sich deshalb auch interessanter als am Dienstag, wo die Redner auf der Tribüne vor leeren Bänken sprachen. Auf der Tagesordnung stand das Schtsfahrtsabgaben - Gesetz, seit Bahr und Tag in Oeffentlichkeit, Presse und arlamenten heiß umstritten. Heut fft aller- dings die Stimmung eine andre als früher: Selbst auf der Linken, die noch vor wenig Monden in schärffter Opposition stand, stimmt man jetzt dem Gesetz zu; der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, wird man die Seg­nungen einer geregelten Wasserwirtschaft nicht erschweren wollen. Freilich: Herr Duve, der gestern für die Volkspartei sprach, gehört zu den Außenseitern, und er wartete zur Begrün­dung seines ablehnenden Standpunktes mit einer Blütenlese von Daten aus Ministerreden auf, die in mancher Hinsicht charakteristisch war. Aber auch noch manch anderer ist aus einem Saulus zum Paulus geworden; unter andern auch der nationalliberale Abgeordnete Haus­mann-Hannover, der mit seiner Frakfton nunmehr für das Schiffahrtsabgabengcsetz ge­wonnen ist. Das gleiche gilt vom Zentrum, für das gestern der Abgeordnete Zehnter er­klärte, daß der Gesetzentwurf in der Kommis­sion eine Reihe von Verbessemugen erfahren habe, die es der großen Mehrheit seiner Par­tei ermöglichen, für die Vorlage zu stimmen, zumal jedes fiskalische Interesse jetzt aus dem Entwurf entfernt sei. Eine scharfe Philippika gegen das Gesetz hielt der sozialdemokratische Abgeordnete David, der namentlich die frühere Gegnerschaft der Bundesstaaten gegen die Vorlage ins Treffen führte und meinte, daß man deren Zustimmung gleichsam seitens Preüßens erpreßt habe. Mit seinen An­griffen rief er den Minister von Breiten­back ans den Plan, der insbesonders den Vor­wurf des Vorredners, daß die Vorlage fiska­lische und agrariscke Interessen verfolge, zu entkräften suchte. Die übrige Debatte verlief ohne sonderliche Erregung; bemerkenswert war nur die Tatsacke, daß das sächsische Mit­glied der Wirtschaftlichen Vereinigung, der Ab­geordnete H a n i s ch. im Gegensatz zu seinen Freundenaus speziellen Interessen" sich ge­gen die Vorlage aussprach. Die Vorbaltung Davids gegenüber der Zustimmung der Süd­deutschen Bundesstaaten bewoa dann nock. den württembergtschen Minister Dr. von Pischek den Umschwung seiner Regierung damit zu be­gründen, daß man für die Zustimmung andere wesentliche Vorteile eingetauscht habe. Die Debatte wird heute fortgesetzt werden, -ir-

Äeine Lahn-Kanalisierung!

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Zu den Anträgen, die im Reichstag zum Schiffahrtsabgabengesetz gestellt sind, und die eine Kanalisierung der Mosel, Lahn und Saar herbeiführen wollen, verlautet, daß die Regierung den Anträgen nicht zu stimmen wird, da die Annahme dieser Anträgedas Zustandekommen des Ge­setzes gefährden würde". Die Kanalisierung der genannten Flüsse kann vorläufig aus tech­nischen und anderen Gründen noch nicht in Frage kommen. Dagegen beabsichtigt die würt- tembergische Staatsregierung, im Falle der Annahme des Gesetzentwurfs die Neckarfa- nalisieruna alsbald in Anariö tu neh­

men. Baden hat sich bereit erklärt, die Neckar­kanalisierung auf feinem Gebiete auf Kosten Württembergs auszuführen. Die gleiche Er­klärung hat Hessen abgegeben. Die Mosel-, Lahn- und Saar-Kanalisierung dürfte dage­gen nach dem heutigen Stand der Dinge noch in weiter Ferne liegen.

Amerikanischer KriegMel?

Amerikanische Truppen und Schiffe in China.

Nach Meldungen, die heute aus N e w y o r l vorliegen, haben die Vereinigten Staaten die Absicht, auf das erste Anzeichen hin, daß die Revolutionäre oder die Kaiserlichen die Frem­den in China nicht beschützen können, in China zu intervenieren. Diese Mitteilung wurde von einer maßgebenden Persönlichkeit gemacht. Aus derselben Quelle kommt die Er- klärung, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, zehntausend Mann Truppen aus chinesischem Boden zu landen und eine ganze asiatische Flotte in den chinesischen Gewässern zu konzentrieren. Prä­sident Tast und seine Ratgeber seien nicht son­derlich beunruhigt, aber sie würden keine Vor­sichtsmaßregeln außer acht lassen. Weitere De­peschen melden:

Washington, 16. November.

(Telegraphische Meldung.)

Das Staatsdepartement hat beschlossen, ein Regiment nach Tsinhwantan zu senden, nm die zur Zeit des Boxeraufstandes einge­gangenen internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, die Verbindung Pekings mit der See offen zu halten. An amtlicher Stelle wird erklärt, die beschlossene Entsendung ame- rifaniftf<er Truppen nach China habe keine politische Bedeutung. Nach dem Bo- xervertrag seien die Mächte berechtigt, längs der Eisenbahn Truppen zu unterhalten. Die Vereinigten Staaten fühlten sich gedrungen, den Mächten zu helfen, die StratzeFperbindung von Peking nach der See aufrecht zu erhalten, und hätten keine Pläne ans chinesi- sches Gebiet. Die Truppen würden sich in vier Tagen an dem Bestimmungsort befinden, sobald der Befehl zum Auslaufen gegeben worden fei.

Der Diktator in Peking.

Depeschen aus Peking melden, datz Puanschikai gestern morgen durch den Regenten und die Kaiserin-Witwe, die während der ganzen Zeit weinte, in Audienz empfangen worden ist. Sie baten ihn, das Land zu retten und den Posten eines Premierministers anzunehmen. Puanschikai erklärte jedoch, er könne nicht eher seine Zu­sage geben, bevor er nicht die Nationalver­sammlung befragt habe, da die Herrschaft nicht in den Händen des Thrones, sondern in den Händen d-s Volkes liege. Yuanschikai ignorierte vollständig die Anwe- senheit des Regenten. Er versprach, alles zu tun, um die Dynastie zu retten. Man glaubt indessen, daß er nicht einem Mandschu. sondern einem Chinese» die Regentschaft übertragen wird In einer Unterredung mit einem Ausländer erklärte Yuanschikai, er werde ein Ministerium bilden, um sich die Unterstützung von möglichst vielen Provinzen zu stchern. Im Übrigen werde er ihnen vor­läufig die Unabhängigkeit lassen, jedoch werde er sich bemühen, sie nach und nach für den Thron zu gewinnen.

Sie Flieger-Katastrophe.

Das letzte deuffche Opfer der Aviatik.

Wie wir schon telegraphisch berichtet ha­ben, hat sich in der Frühe des gestrigen Tages auf dem Flugplatz Johannistbal bei Berlin eine neue schwere Fliegerkatastrophe ereignet, der einer unsrer tüchtigsten und hoff­nungsvollsten Aviatiker, Alfred Pietsch- ter, zum Opfer gefallen ist. Pietschker hat in­mitten glänzender Erfolge feinen tragischen Tod gefunden. Nur wenige Tage vor dem verhängnisvollen Sturz vollbrachte der junge Flieger einen ausgezeichneten FlugRund um Berlin"; kurze Zeit vorher hatte er in Johan­nisthal einen neuen deutschen Rekord aufge­stellt, indem er mit zwei Passagieren die Höhe von siebenhundertdreißig Metern erreichte. Pietschker war noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt. Er stammte aus einer sehr guten Bürgerfamilie und wandte sich erst im Som­mer vorigen Jahres dem Flugsport zu. Am 5. August erwarb er auf einem Albatros-Zweidek- ker das Pilotenzeugnis. Bald darauf errang er während der Johannisthaler Herbstflug- woche seine ersten Siege. Der furchtbare Un­fall, der die so glänzende Pilotenlaufbahn des jungen Aviatikers zu einem blutigen Ende ge­bracht hat, wurde vermutlich dadurch verur­sacht, daß der Motor des Eindeckers aussetzte, der nach Pietschkers eigenen Angaben erbaut worden war.

Der Bericht eines Augenzeugen.

Ueber den Todes st nrz PieffchkerS gibt ein Telephonist des Flugplatzes, der sich nur etwa zwanzig Meter von der Unkallstelle ent-