Einzelbild herunterladen
 

Caffeler Abendzeitung

D>« Cofietn «eueften Nachrichten erschein« wSchenllich seSjmal und groor abends. Der LbormementSprrt» betrügt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung ins H-uL. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaltton: Echlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach­mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 68 Uhr abends. Berliner Bcrtretung: SW., Friedrichstraße 18, Telephon: Amt IV 676.

Hessische Abendzeitung

JnfertionSpretse: Di, fechSgespallene Zeile für einheimische Geschäft« 15 Pfg., für auS- württge Inserate 25 Pf., Rellamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auSwärttge Geschäfts 60 Pf. Beilagen für dis Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Taufend he- rechnet. Wegen ihrer dichten Beröreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Ettatze 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Nummer 293

Donnerstag, 16. November 1911

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

1» Jahrgang.

Tragikomödien der Einfalt.

, Ein Nachwort zum Caffeler Patentschwindel-Prozeß.

Nach achtzehn langen, aber nicht sonderlich bewegten Verhandlungstagen hat am letzten Montag die Strafkammer des Caffeler Land­gerichts diePatent-Anwälte" Brust und Manke auf längere Zett in's Gefängnis ge­schickt und sie damit fürs erste einer Tätigkeit entzogen, von der in der Begründung des Ur­teils gesagt wird, daß sie einegemeingefähr­liche" gewesen sei. Wäre der Riesenprozeß mit seinem Massenaufgebot von Zeugen und Sach­verständigen vor einem reichshauptstädtischen Gericht verhandelt worden: DieKomödie d e r E t n f a l t", die achtzehn Tage hindurch in allen erdenkbaren Variationen an unserm Auge vorüberzog, würde im ganzen Reich gespannte Aufmerksamkeit, aufrichtige Anteilnahme und (vielleicht auch) ehrliche Schadenfreude geweckt haben; so aber, da siein der Provinz" spielte, sind ihre Effekte zum großen Teil verloren gegangen, was umso bedauerlicher ist, als die vor der Caffeler Gerechtigkeit verhandelten Be­trugsfälle imgrunde die gleichen sind, die un­ter den Nachlässigkeiten und Unterlaffungssün- den unsrer vergreisten Patentgesetzgebung seit Jahren im ganzen Bereich des geltenden deut­schen Patentrechts mit mehr oder weniger glück- lichtem Erfolg begangen werden: Je nach der Jntelligenzqualität Derer, die nach einem alten Erfahrungsgesetznicht alle werden". Vielleicht hängt der Erfolg der Eigennutz-Spekulation (wie die Methode der Herren Brust und Ge­nossen in der Urteilsbegründung charakterisiert wird) von dem größer» oder geringer» Geschick und Raffinement der Manager ab; sicher ist jedenfalls: Brust und Genossen standen mit ihremSystem" nicht allein in der Praxis".

Der Vorsitzende des Gerichts, das über die Caffeler Patentmänner das Urteil sprach, hat nach Verkündung des Gerichtsspruchs erklärt, daß mit diesem Urteilüber alle ähnlichen Büros der Stab gebrochen werde!" Die Be­rechtigung dieses Ausspruchs kann nach den Ergebnissen der über nahe drei Wochen ausge­dehnten Beweisaufnahme im Casseler Patent­schwindel-Prozeß nicht angezweifelt werden, denn Das, was da an landläufiger und altge­wohnter Uebung aus der Praxis dieserPa­tentbüros" unterm Zwang des Zeugcneids an's Licht des Tags gefördert wurde, übersteigt den Begriff des gesetzlich und sittlich Erlaubten um ein ganz Beträchtliches. Das Gericht hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Haupt­schuldigen Brust und Manke bei ihren Mani­pulationensystematisch vorgegangen seien und unter raffinierter Ausnutzung des Erfinder­wahns auf unlautrer Basis gearbeitet hätten". Die Tragödie der Einfalt und die intrigante Komödie des Patentschwindels konnten nicht besser und treffender gekennzeichnet werden als in dem einen, vom Gericht geprägten Wort Erfinderwahn". Es klingt fast märchenhaft und erinnert an burleske Episoden aus tollen Komödien, was in den achtzehn Verhandlungs­tagen zum Kapitel desErfinderwahns" durch Zeugenkunde vorgebracht worden ist: Der Mann mit dem pferdekopf-bewehrten Autozur Verhütung des Scheuens der Pferde" war noch einer der am w e n i g st e n Harmlos-Einfälti­gen in der stattlichen Corona Derer, die den Herren Patentmanageru dierationelle Ver­wertung" ihrerIdee" mit goldklingendem Nachdruck an's Herz legten. Kann man sich da noch wundern, daß die Spekulation auf die Dummheit törichter Zeitgenossen so glänzend florierte und mühelos goldne Früchte reisen ließ?

Der Prozeß ist deshalb aüch psychologisch Weit interessanter als rein-strafrechtlich: Betro­gen wird alle Tage, und man kann von den Herren Brust und Manke nicht einmal sagen, daß sie bei ihren Transaktionen sonderlich ori­ginell zu Werke gegangen sind, im Gegenteil: Sie haben die Schäfchen geschoren, wo sie sie fanden, und haben im übrigen nach Vorbildern gearbeitet, die schon bekannt (und berüchtigt) waren, ehe sie die Welt der Erfinder mit ihrem Heil beglückten. Charakteristisch dagegen ist die Art, wie selbst Leute von gereifter Welt­erfahrung, reicher Geistesbildung und sichrer Menscben-Kenntnis, Männer der Wissenschaft, hohe Militärs und gewiegte Kaufleute ins Netz gingen. Man fragt da unwillkürlich nach den Ursachen der befremdlichen Erscheinung und stößt bei einer kritischen Prüfung der Verhält­nisse gleich auf des Uebels Wurzel: Die Mängel unsrer Patentgesetzge­bung! Das geltende Patentrecht öffnet dem Schwindel Tür und Tor, überläßt die Patent­vermittlung und »Verwertung mit gering­fügigen Einschränkungen dem freiesten Wett-

Spekulation und macht es dem Erfinder s e l b st, also dem eigentlichen Träger des ide- ellen Patentwerts, fast unmöglich, auf eigne Faust die rationelle Ausnutzung seiner Idee zu bewerkstelligen. Der ganze amtliche Patent­betrieb ist befchwett mit einer erdrückenden Last bürokratischer Vorschriften und Formali­täten, die mit dem Patentschutz imgrunde nicht das mindeste zu tun haben, und die umso be­denklicher sind, als sie den Erfinder direkt zwingen, die Hilfe irgend einer gewerbs» mäßigen Vermittlung in Anspruch zu nehmen. Und dieser Zwang ist mitschuldig an der Epidemie desErfinderwahns", deren Opfer nach Tausenden zählen.

Seit Jahren ist unser Patentrecht das Expe­rimentier-Kaninchen der Gesetzemacher; trotz­dem ist's bisher nicht gelungen, die Patentge­setzgebung dem wirklichen Bedürfnis anzupas- sen, und auch die neuesteReform" (die noch der Vollendung harrt) erfüllt bei weitem nicht alle berechtigten Wünsche. Der amtliche Patentge- setzbetrieb ist viel zu schwerfällig, und trotzdem er imgrunde doch lediglich wittschastlich-kauf- männischer Natur ist, trägt er dem Bedürfnis nach Schnelligkeit, Leichtigkeit und Sicherheit im Verkehr nicht in gebührendem Maße Rech­nung. Wäre der Verkehr mit dem Patentamt in Berlin für den Erfinder leichter, oder be­ständen für diesen Verkehr bestimmte Formen (unter obligatorischer Einschaltung des Insti­tuts rechtmäßig geprüfter und entsprechend vor­gebildeter Patentanwälte), dann würde dem Patentschwindel und der verbrecherischen Spe­kulation auf die Einfalt desErfinderwahns" von s e l b st der Boden entzogen, und es würde auf diese Weise selbsttätig eine Rei­nigung eintreten, die durch das Strafgesetzbuch allein unmöglich bewirkt werden kann. Daß der Caffeler Patentschwindel en gros endlich vor den Strafrichter gezogen wurde, ist doch nur dem Umstand zu danken, daß trotz des sinderwahns" einige der Betrognen die Ent­schlußkraft fanden, Anzeige zu erstatten und sich dem Gericht als Zeugen zur Verfügung zu stel­len (was bei denunbegrenzten Möglichkeiten" des modernen Prozeßbetriebs immerhin als eine Tat zu werten ist). W i e vieleErfinder- wahn"-Kranke aber gibt's, die sich scheuen, außer dem Schaden auch noch den Spott und die aufregenden Strapazen einer Gerichtsver- Handlung auf sich zu nehmen? Der Casseler Monstreprozeß bietet wertvolles Material zur endlichen Reform unsrer Patentgesetzgebung, und es bleibt nur zu wünschen, daß das Acht- zehntage-Schauspiel nicht der nützlichen Nach­wirkungen ermangeln möge! F. H.

War ist nun Wahrheit?

Enthüllungen zumScherz von Agadir.

(Telegraphische Meldungen.)

Der PariserMatin" bringt heute Mit­teilungen seines Londoner Korresponden­ten über die Vorgänge, die im Juli die­ses Jahres zwischen Deutschland und England bezüglich der Agadir- Aktion sich abgespielt haben. In diesen Mitteilungen heißt cs:

Als im Juli derPanther" nach A g a - d i r gegangen war, stieß der deutsche Botschaf­ter Graf Wolff-Metternich bei Sir Edward Grey auf eine Haltung, die er nicht erwartete. England als treuer Freund Frankreichs verhehlte seine Ansicht nicht, in der es die Geste von Agadir tadelte und erklärte, daß es den befreundeten Staat im Notfall mit seiner ganzen Macht unter­stützen werde. Graf Wolff-Metternich, der an eine so drohende Haltung der englischen Re­gierung nicht recht glauben wollte, kchtte noch einmal zu Grey zurück, erhielt aber dieselbe Antwort. Auf diese zweimalige Erklärung des englischen Ministers antwortete das Deutsche Reich nicht, und so wurde die Lage von Tag zu Tag gespannter. In die­sem Augenblick (und das soll absolut verbürgt sein) griff der Zar ein und schrieb an den Deutschen Kaiser, und es ist wahr­scheinlich, wenn auch nicht gewiß, daß auch König Georg sich schriftlich an seinen kaiser­lichen Vetter gewandt hat. Die beiden Souve­räne lenkten die Aufmerksamkeit des Deutschen Kaisers auf die Gefahren des Augen­blicks hin. Wenn in jenem Augenblicke die Dinge in den Pourparlers zwischen Paris und Berlin nicht eine andere Wendung genommen hätten, so wäre für England nur eine Maß­regel übrig geblieben: Das Ultimatum!

richten, worauf Sir Edward Grey (wie es heißt) eine eingehende Antwort erteilen wird. Goldmans Anfrage geht dahin, ob es Tatsache sei, daß, als seitens Deutschlands derPanther" nach Agadir geschickt wurde, die britischen und andern Regierungen offiziell von der Expe­dition informiert worden seien, daß die deutsche Aktion nicht auf irgend welche t e r r i - torialen Ausdehnungen in Marokko gerichtet gewesen sei, und daß nach der Rede Lloyd Georges am einundzwanzigsten Juli die Deutsche Regierung die britische Regie­rung davon in Kenntnis gesetzt habe, daß die mit Frankreich schwebenden Verhandlungen die britischen Interessen in keiner Weise berührten. Der Interpellant fragt schließlich, ob in Anbe­tracht dieser offiziellen Erklärung die britische Regierung sich darüber auslassen wolle, ob die Rede Lloyd Georges mit der vollen Billi­gung der britischen Regierung ge­balten worden sei und (falls dies so sei) welche Berechtigung die Rede hatte, und warum auf die deutschen Vorstellungen über diesen Ge­genstand keine Erwiderung erteilt wurde. Der Antwott Greys auf diese Fragen sieht man in allen politischen Kreisen mit größter Spannung entgegen.

Sie Italiener in her Falle?

Vor dem entscheidenden Schlag der Türken.

Die Nachrichten vom tripolitanischen Kriegsschauplatz lauten immer widersprechen­der, und es ist unmöglich,' sich auf Grund des vorliegenden Depeschen-Wirrwarrs ein zutref­fendes Bild von der wirklichen Sachlage zu machen. Ein Telegramm aus Tripolis berich­tet heute von neuen Kämpfen bei der Oase Bumiliana, in denen die Italiener mit gro­ßen Verlusten zurückgeschlagen worden sein sollen. Inzwischen scheinen die Türken sich zu einem entscheidenden Schlag gegen die hartbedrängten Italiener vorzuberei- ten, wie aus folgender Meldung hervorgeht:

Konstantinopel, 15. November.

. (Privat-Telcgramm.)

Die Türken, die in der ersten Woche nach der Besetzung von T r i p o l i s sich im Garian- Gebirge konzentriert hatten, haben in der Zwi­schenzeit nach allen Oasen Abteilungen geschickt, um Araberstämme zu alarmieren und unter den Einheimischen Gewehre und Munitton zu verteilen. Die Türken überziehen das ganze Land mit einem Netz von Spionen und sind über jede Bewegung der Einheimischen wie der Italiener unterrichtet. Sie strafen un­erbittlich die Stämme, die mit den Italienern in Unterhandlung getreten waren. Die Ope­rations-Basis der Türken ist angeblich die Oase Ainzara, die stark befestigt sein soll. Die Araber haben jedoch keine Zelte und lei­den sehr unter der kalten, regnerischen Witte­rung. Auch muß die einheimische Bevölkerung die Landarbeiten besorgen, um der sonst drohenden Hungersnot zu entgehen. Man nimmt daher an, daß der entscheidende Angriff der Türken unmittelbar be­vorsteht.

ter Raubzug sanktioniert?

(Privat-Telegram m.)

Aus Rom wird uns telegraphisch gemel­det: Wie dasGiornale d'Jtalia" behauptet, sollen die Mächte die Annexion von Tripolis durch Italien a n c r k a n nt ha­ben. Das Blatt fügt hinzu, daß einige der Regierungen zu Gunsten des Friedens in Kon­stantinopel interveniert hätten, daß die Pforte sich jedoch w ei g e r e, irgend welche Zugeständ­nisse zu machen. Italien werde sich trotz aller entgegengesetzt lautenden Meldungen nicht da­von abbalten lassen, mit den geplanten gro­ßen Flottendemonstrationen . im Aegäischen Meer schon in den allernächsten Tagen zu beginnen. Demselben Blatt zufolge soll General Caneva erklärt haben, daß es unnötig sei, weitere zwanzigtausend Mann Verstärkungen nach Tripolis zu entfcnben, wie es von der italienischen Regierung beschlossen war, da er über genügend Streit­kräfte verfüge, um allen Eventualitäten ge­wachsen zu sein. Der General verfügt augen­blicklich über sechzigtausend Mann. Wie ein weiteres Telegramm meldet, haben die Mächte der Tripleentente gestern der Pforte mitgeteilt, daß sie in Rom Schritte getan hätten, um eine Blockade der Dardanellen, sowie ein Bombardement von Smyrna, Saloniki und Beirut zu verhindern.

Frau Tosellis Kummer.

DixBekenntniffe einer Freundin".

Man schreibt uns aus Paris: Als Er­gänzung zu den vor einiger Zeit veröffentlich­ten Lebenserinnerungen der Frau Toselli bringt der Mattn jetztBekenntnisse einer Freundin und Vertrauten der ehema­ligen Kronprinzessin von Sachsen". Die Freun­din, eine Dame Mary Che st er Foulkes, will beweisen, daß an dem neuerlichen Ehe­unglück des Ehepaares Toselli nicht die vielge­prüfte Ehegatttn, sondern ausschließlich Mae­stro Enrico Toselli die Schuld trage. Der Maestro muß (nach den Schilderungen der

Engländerin) ein recht unangenehmer Mensch sein. Seine Hauptstärke ist seine Unerzogenheit; Es mache ihm beispielsweise besonderen Spaß, der Frau, die er mit voller Kenntnis ihrer Ver­gangenheit geheiratet hat, diese Vergan­genheit fortwährend vorzuwerfen und ihr jeden Tag noch boshafte Bemerkungen über ihre vornehme Verwandtschaft zu servieren. Wenn die ehemalige Prinzessin mit der Freun­din. von der Herausgabe ihrer Erinnerungen sprach, sagte Toselli unwirsch:Laß doch end­lich das Geschwätz über diese N a r r h e i - ten ! Du tatest besser, Luise, wenn du mir etwas zu trinken brächtest." Er trinkt nämlich sehr gern, der Herr Toselli, und außerdem hat er noch eine Leidenschaft: Er hält in obskuren Gassen öffentlichBank", um spiellustigen Landsleuten die Solist abzuknöpfen. So er­zählt wenigstens die Engländerin. Eines Abends stellte der Meister ein Glas Bier auf ei­nen prächtigen Flügel, der noch aus derguten Zeit" der Frau Toselli stammt und ein Geschenk ihrer Eltern ist.

Die Prinzessin erlaubte sich zu bemerken, daß der Flügel unter solcher Behandlung leide, was Toselli derart aufbrachte, daß er ausrief:Es mißfällt dir, daß ich dieses wertlose alte Kla­vier beflecke! Deine Leute haben dir recht schöne Geschenke gemacht! Wenn sie nicht sol­che Filze wären, könnten wir jetzt in einer der vornehmsten Villen von Fiesole. wohnen!" Ebenso verächtlich sprach Toselli von allen andern Gegenständen, die feine Frau an ihr Vaterhaus erinnerten. Eines TageS nahm er ein Gewehr, das einst dem Kaiser Franz Joseph gehört hatte, und sagte: Ich will ein paar Tauben schießen gehen: zu etwas anderm ist das Gewehr eines Kaisers doch nichts nütze." Die Prinzessin ist (wie man weiter erfährt) überzeugte Spiri- t ist in; als sie nun eines abends mit der Freundin und mit Toselli an einem kleinen Ti­sche saß, um auf Klopftöne zu lauschen, meldete sich der Geist der Königin Marie An­toinette und sagte:Arme Luise, wie be- daure ich dich jeden Tag, da ich dich so unglück­lich sehe! Auch ich habe gelitten und die Schrecken eines schmachvollen Todes kennen gelernt. Du kennst vorläufig nur erst die Schmerzen der Demütigung und Erniedrigung. Leid und Schmerz gehören eben zu den Schick- salen des Hauses Habsburg." Das glaubte sich Herr Toselli nicht gefallen lassen zu dür­fen; er sprang wütend auf, stieß den Tisch bei- fette und schrie:Pack dich fort, elender Geist der elenden Oesterreicherin! Wie kannst du es wagen, mit deinen infamen Lügen dich in mei­ne Angelegenheiten zu mischen . .?"

Dr. M. S..

*

Florenz, 15. November. (Privat-Tele- g r a mm.) Wie hier verlautet, wird bereit» Mitte nächsten Monats die Eheschei­dungsklage der Eheleute Toselli die hie­sigen Gerichte beschäftigen. Es ist gleichzeitig fowohl von Herrn als auch von Frau Toselli Klageantrag gestellt worden und von beiden Seiten soll ein umfangreicher Zeugen­apparat aufgeboten werden, um die gegensei­tigen Beschuldigungen des Paares zu erhär- ten. Frau Toselli hat zwei der bekanntesten Florentiner Advokaten mit der Wahrung ihrer Jntercffen betraut, die vor Gericht einen um­fassenden Wahrheitsbeweis zur Entlastung ihrer Klientin führen wollen.

Zar Ende der Mandfchur.

Geldmangel und Revolution.

Depeschen aus Peking melden: Die chine­sische Regierung ist infolge Geldmangels in großer Verlegenheit, da sich die auswärtmen Kapitalisten noch immer zurückhalten. Man fürchtet, daß die Monatszinsen der englisch- deutschen Hundertsechzig-Millionen-Anleihe des Jahres 1898, die am fünften Dezember fällig sind, die Ursache werden, daß China zum ersten Male seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann, da die Likin-Zollstationen, deren Einnahmen für die Summe bürgen, von den Revolutionä­ren besetzt gehalten werden. Weiter wird be­richtet:

Schanghai, 15. November.

(Reuter-Telegramm.)

<rr Der republikanische Minister des Aeu- ßcrn, W u t i u g f a n g, richtete an die Mächte, die er als die ausländischen Freunde Chinas bezeichnet, eine Kundge­bung, in der er auf der Notwendigkeit der Abdankung der Mandschu-Dy- nastie besteht und den Schutz rechtmäßig begründeter Ansprüche sowie Erfüllung der auswärtigen Verpflichtungen Chinas namens der Republikaner zustchcrt.

Ein gestern erlassenes kaiserliches Edikt be­fiehlt D u a n s ch i k a i, mit Rücksicht auf das Wohl des Landes das Amt des Minister­präsidenten zu übernehmen, obwohl er die Uebernahme wiederholt ahgelehnt hat; Duanschikai hatte gestern eine Audienz bei der Kaiserin-Witwe und dem Regenten. Ein an-

»ewerb einer mit «tlm» a&uuix arbeitenden

Englands Antwort an den Kanzler.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 15. November.

Im Unterhaus wird heute der unionistische Abgeordnete Goldman an Sir Edward Grey eine wichtige Frage bezüglich der Reichs- tagsrede des deutschen Reichskanzlers