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C Gier NM Nachrichten

________________Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 292. Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 15. November 1911. Fernsprecher 951 und 952. 1. Jahrgang.

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Aegir und Agadir.

Die Kieler Kaiser-Rede und unsre Flotten-Politik.

Der Kieler Rathaus-Sonntag, der durch Las Erscheinen des Kaiserpaais hochoffi- zieüen Anstrich erhielt, spiegelt auch in politi­scher Beziehung mancherlei charakteristische Re­flexe: Bevor der Kaiser seinen Namen in das berühmteGoldne Buch" einschrieb, hatte er dem Wachstum der deutschen Marine, dem Aufblühen unsrer Schiffsbaukunst und Schiff- industrie preisende Worte gewidmet. Die Werftanlagen der Stadt Kiel (so führte der Kaiser weiter aus) seien der Mittelpunkt der rastlosen Arbeit", die den Panzern Leben ein» hauche und sie schließlich zu dem mache, das sie sein sollen: Zum starken Schutz und Schirm des deutschen Vaterlands und Volks! Gewiß schlagen alle deutschen Herzen höher, wie es der Kaiser wünscht, wenn ein neues Er­zeugnis der Kieler Werften seinem Element übergeben wird, aber der Eindruck der Ereig­nisse auf dem Schauplatz der Weltpolitik, in deren Verlauf das Deutsche Reich einAgadir" erleben mußte, vermischt die Freude an dem Aufblühen der deutschen Marine doch mit dü­strem Bangen. Die stürmischen Tage der Ma­rokkodebatte im Reichstag haben im ganzen Lande die eindringliche Frage erzeugt, ob die deutsche Politik tatsächlich (wie es das Inter­esse des Reichs erfordert) von den tüchtig­sten und berufensten Männern geleitet wird, die »in so gewaltiges Instrument, wie unsre Marine es ist, im diplomatischen Ge­schäft so zu verwenden verstehen, daß die deutsche Macht und das deutsche Ansehen da­durch gefördert werden. Der Reichstag hat diese Frage einstimmig mit einem bündi­genNein!" beantwortet, und im Reich ist darauf eine Stimmung eingetreten, deren Fol­gen zur Zeit noch ganz unübersehbar sind.

Grade auf die Entwicklung der deutschen Flotte hatte das deutsche Volk dad Ver­trauen gesetzt, daß uns angesichts unsrer Macht zu Wasser und zu Lande von englischer Seite Demütigungen erspart bleiben würden, wie sie uns während des Burenkriegs bei der Durch­suchung deutscher Postdampfer und in alten und neuen Tagen in andrer Form angetan worden sind. Die Feststellungen während der Marokko- Debatte im Reichstag haben indessen ergeben, da wir unsre Niederlage nicht wegen der Furcht vor der französischen Landmacht, son­dern lediglich wegen der Scheu vor der eng­lischen Flottenmacht zu beklagen ha­ben. Aegir, der Herr der Fluten, hat für uns also bisher k e i n befriedigendes Resultat aus derrastlosen Arbeit" auf den Rekchswerften zu erzielen vermocht: Er fordert vielmehr von uns noch eine größere Kraftanstren- gung und ein noch höheres Selbstver­trauen, bevor er uns den Siegerkranz aus bleichen Wasserrosen zuerkennt. Der Reichs­kanzler sowohl als auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amts haben vor dem Reichstag auf das entschiedenste bestritten, daß wir vor einem Druck Englands während der Verhand­lungen mit Frankreich zurückgewichen seien. Unter der Nachwirkung der von verschiedenen Volksvertretern beigebrachten Beweise hat in­dessen die amtliche Behauptung bereits eine halbamtliche Richtigstellung erfahren: Mit dem Hinweis auf die jüngsten englischen Beteuerun­gen, daß die englische Politik keineswegs dar­auf bedacht sei, Deutschland zu schädigen und zu isolieren, antwortet man jetzt aus der Ber­liner Wilhelmstraße:Es ist zu hoffen, daß diese Kundgebungen klärend wirken und dazu beitragen werden, die Beziehungen der beiden Nationen zu einander von Hemm­nissen zu befreien, die einem bessern gegen­seitigen Verständnis bisher int Wege standen."

Nachdem die englische Diplomatie der deut­schen das Fiasko von Agadir beigebracht, und damit das englische Prestige vor aller Welt sichtbar erhoben hat (so daß Georg der Fünfte wie ein Triumphator seine Jndienreise antreten konnte), hegt man an der Themse den Wunsch, den erwachten teutonischen Zorn zu beschwichtigen, weil man ihn. . . fürchtet. So lange, bis sich wiederum eine günstige Ge­legenheit zur Benachteiligung und Niederdrük- kung Deutschlands ergibt, wird man in Lon­don Frieden und Freundschaft predigen. Un­nützem Gezeter wollen wir auch in Deutschland nicht nachhängen, denn im Grunde genommen können wir es der englischen Politik nicht ver­denken, daß sie ihre Lorbeern dort nimmt, wo sie am billigsten sind, aber inrastloser Arbeit", namentlich auf den Kieler Werften, wollen wir ohne Herausforderung weiter schaf­fen, damit das Aufblühen der deutschen 'Schiffsbaukunst endlich einmal auch ein Auf­blühen des deutschen Selb st vertrauens bewirken kann. Die Einbringung einer neuen

Flottenvorlage (wie sie in leidenschaft­licher Aufwallung jetzt von verschiedenen Sei­ten gefordert wird) halten wir indessen nicht für empfehlenswert: Die bedauerlichen Gescheh­nisse stnd im Augenblicke doch nicht zu ändern, und wir haben alle Ursache zu dem Wunsch, daß endlich einmal nach der erregten Zeit wie­der Ruhe und Sicherheit eintreten, unter bereit Wirkungen sich Handel und Wandel von neuem beleben können. Eine plötzliche Flotten­vermehrung auf deutscher Seite würde sofort wieder lärmende Kundgebungen in England Hervorrufen, und wir liefen Gefahr, abermals durch Zurückweichen den Kürzer« zu ziehen. Eine entschiedne Durchführung uns­res Flottenprogramms wird uns am sichersten zum Ziele führen. Bei einer ent» schlossnen Politik hätte auch die jetzige Stärke unsrer Flotte genügt, den Frieden (ohne ein Agadir!) zu erhalten. Die von Aegirs Wellen bewegte Schaukelpolitik aber muß vorher durch zielbewußtes Handeln ersetzt werden, und an die Stelle unzureichen­derHandlanger" müssen tüchtige Meister mit eigner Willenskraft und unbeugsamem Rück­grat treten. Dann erleben wir vielleicht noch einmal den Tag, an dem Wilhelms des Zwei­ten Kieler Sonntags-Wünsche sich erfüllen werden. .a=

Kaiser LMhelmZ FnZeydsrennd.

(Eigene Drahtmeldung.) London, 14. November. Lord Lonsdale, der bekannte Ju­gendfreund Kaiser Wilhelms, hat der Evening Times auf deren Anfrage betreffs der anti-englischen Haltung des Kron­prinzen im Reichstag folgendes telegra­phisch geantwortet: Nach dem, was ich vom Erben der deutschen Kaiserkrone zu wissen die Ehre habe, glaube ich keinen Augenblick, daß es sein Zweck gewesen sein kann, England zu verletzen, denn es gibt niemand, der Eng­land und Dem, was England angeht, außer­halb seines eignen nationalen Interesses freundlicher gesinnt ist als der Kron­prinz. Darüber hinaus ist es allerdings schwie­rig, eine Meinung auszudrücken, da ich sie mir nur nach Dem, was ich in den Zeitungen gelesen habe, bilden kann; ich bin aber über­zeugt, daß irgendwo ein Mißverständnis vorliegen muß und daß die Haltung des Kronprinzen nicht absichtlich anti-englisch gewesen sein kann.

Was geht in Bayern vor?

Landtagsauflösung insolge der Krise. .

Der in Bayern vom Zentrum gegen die Regierung und namentlich gegen den Ver- kehrsmimster von Frauendorffer ge­führte parlamentarische Krieg hat zu einem un­erwarteten Ergebnis geführt: Der Prinz- reg ent,, der das Kabinett Podewils noch gestern seines Vertrauens versicherte, hat den Landtag aufgelöst und damit deutlich zu erkennen gegeben, daß er nicht gewillt ist, das Ministerium dem Willen des Zentrums zu opfern. Wir verzeichnen folgende Meldung:

München, 14. November.

(Privat-Telegram m.)

Zu Beginn der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten verlas der Staatsminister von Brettreich eine Kabi- netiSorbre des Prinzregenten, wonach der gegenwärtige Landtag für aufgelöst erklärt wird. Sowohl die Rechte als die Linke begrüßte diese Botschaft mit stür­mischem Beifall. Ter Präsident schloß hierauf die Sitzung.

Die Landtagsauflösung ist die offene Kriegserklärung der Regierung an das Zentrum. Gestern abend hatte unter dem Vor. sitz des Prinzregenten eine außerordentliche Sitzung des Staatsrat- stattgefunden, ein ungewöhnlicher Vorgang, der mit der bevor­stehenden Entscheidung.in der Frage des par­lamentarischen Konflitts zu motivieren ist. In dieser Sitzung ist offenbar die Auflösung des Landtags als einzig mögliche Lösung der seit Wochen schwebenden parlamentarischen Krise beschlossen worden. Gestc«n nachmittag hielt die Zentrumspartei eine Fraktions­sitzung ab, in der es sehr erregt zugmg.

*

Es läßt sich zurzeit nicht absehen, welche politischen Folgen sich au8' der Auslösung des Landtags ergeben werden. Daß die Neu­wahlen eine erhebliche Schwächung des Zen­trums bringen werden, ist kaum anzunehmen, da die Nerikale Pattei in Bayern eine stark befestigte Stellung einnimmt und namentlich das flache Land völlig beherrscht. Die nächste Folge der Landtagsauflösung wird allerdings die vorläufige Aufhaltung der parlamen­tarischen Krise sein, und da im Lager der Zenttumspartei schon in den letzten Tagen eine merklich gedrückte Stimmung zu konstatte- ren ist, darf mit der Möglichkeit gerechnet wer. den, daß es noch vor den Neuwahlen zum Landtag zu einem Kompromiß zwischen

der Regierung und der parlament-beherrschen­de» Pattei kommen wird. Auf welcher Grund­lage die Verständigung schließlich zustandekom- men wird, läßt sich heute noch nicht absehen; jedenfalls bedeutet die entschlossene Stellung­nahme der Regierung und das Verhalten des Prinzregenten einen starken moralischen Erfolg der Regierungspolitik, der auf die fernere Gestaltung der bayerischen Landespoli­tik sicher nicht ohne günstige Einwirkung blei­ben wird. »an.

Neue russische Zensationerr.

Enthüllungen zum Attentat auf Stolypin.

Man schreibt uns aus Petersburg: Wie dieKiewska Potschta" mitteilt, ist das Verhör des Chefs der Kiewschen Geheim­polizei dieser Tage zu Ende geführt wor­den. Seine Aussagen lassen sich in folgendem zusammenfasten: Schon im Juni war ihm be­kannt geworden, daß auf den Ministerpräsiden­ten Stolypin ein Attentat geplant sei. Das Zentralkomitee der russischen Sozialrevo­lutionäre in Paris hatte nach Petersburg eine Dame entsandt, die den dortigen Parteimitgliedern den Auftrag erteilen sollte, für die Zeit der Festlichkeiten in Kiew ein Verschwörungslokal ausfindig zu machen. Die Angelegenheit wurde zwischen einem Mitglied der sozialrevolutionären Par­tei und Bagrow (dem späteren Attentäter) besprochen. Bagrow versprach, ein geeignetes Lokal ausfindig zu machen, berichtete über die Sache aber sofort an die Petersburger Abtei­lung der politischen Polizei. Zwischen der Kiewer und der Petersburger Polizei entwik- kelte sich nun hierüber ein lebhafter Schrift­wechsel. Man machte Versuche, den Terroristen auf die Spur zu kommen, aber es wollte nicht gelingen. Erst am sechsundzwanzigsten August erschien Bagrow bei dem Kiewer Polizeichef und erklärte diesem, daß die Terroristen bereits in Kiew seien. Er erhielt darauf den Auftrag, die Terroristen zu überwachen und über jeden ihrer Schritte Bericht zu erstatten. Am dreißig­sten August verlangte Bagrow von dem Poli- zeichef einen Passierschein zum Betteten des Kaufmannsgartens, da er sonst (wie er sich ausdrückte) in den Augen der Terroristen Fiasko erleiden würde.

Der Passierschein wurde ihm verabfolgt, worauf Bagrow sich dem Polizeichef gegen­über dahin äußerte, daß er den Empfang des Passierscheins der Vermittlung einer Sängerin, die über weitverzweigte Verbindungen in ad­ministrativen Kreisen verfügte, zuschreiben werde. Am nächsten Tage erklärte Bagrow, daß die Pläne der Terroristen geändert worden seien, und ersuchte um eine Eintritts­karte für das Stadttheater. Im Theater trat er mehrmals an den Polizeichef heran, wobei dieser (nach seiner Aussage) Bagrow aufgefor- dett haben will, das Theater zu verkästen und die Terroristen aus unmittelbarer Nähe zu be­obachten. Vor dem zweiten Akt sei Bagrow hinausgegangen, um seinen Ueberzieher zu ho­len. Nachdem er den Ueberzieher angezogen hatte, zog er ihn plötzlich wieder aus und er­klärte dem Garderobier:Nein, ich bleibe noch hier!" Nachdem dann die Schüsse im Zuschauerraum gefallen waren, gerieten die Geheimpolizisten in Verwirrung, da sie an ein Attentat im Theater nicht glaubten und der Meinung waren, daß Bagrow von den Terro­risten ins Theater geschickt worden sei, weil sie die Aufmerksamkeit der politischen Polizei von der terroristischen Hauptaktion ablenken woll­ten. Unter dieserHauvtaktion" war, nach der Erklärung des Polizeichefs, das Werfen von Bomben außerhalb des Theaters, bei der Abfahrt des Hofwagens, zu verstehen. -or-

Skandale und kein Ende.

lPrivat-Telegram m.)

Wie uns aus Petersburg berichtet wird, sind bei der Schienenlieferung für die Amurbahn und für das zweite Gleis der Sibirischen Bahn schwere Mißstände durch bett revidierenden Gehilfen des Wege- bauministettums aufgedeckt worden. Die Schie­nen sind aus ganz minderwertigem Material hergestellt. Die Russische Reichs­bank hatte für die Schienenlieferung sechzehn Millionen Rubel ausgeworfen. Im Kriegsfall hätte das schlechte Schienenmatettal für die Armee-Transporte verhängnisvoll werden müssen.

Der Pekinger Hof ans der Flucht.

Uuanschikai in Peking eingetrosfen!

Ein Privat-Telegramm meldet «ns auS Petersburg: Das hiesige Auswättige Amt erhielt gestern abend aus Peking die Nachricht, der Hof sei nach der Mandschurei entflohen. Nähere Einzelhetten über die Flucht fehlen «och.

Depeschen aus Peking zufolge ist Yuan- schikai gestern nachmittag mit zweitausend Mann treugebliebener Truppen in der Haupt­stadt eingettoffett. Eine enorme Menschen­menge war zusammengeströmt und empfing ihn chweigend. Die Ordnung wurde nirgends ae- tört. Der japanische Kontreadmiral und Be- ehlshaber des internationalen Geschwaders vor Hankan teilte dem Konsularkorvs in Lan­

kau den Abfall dreier Schiffe des Ad­mirals Sah und des gesamten Lagers der Kai- serlichen zu den Revolutionären mit. Die Re. volutionäre besetzten den Bahnhof und beschie- ßen die Chinesenstadt Hankau und denBahnhof. Der Rückzug der ireugebliebenen Kaiserlichen nach Norden wird erwartet. Der von den Auf­ständischen ernannte Minister des Aeußern, Wotingsang, hat dem Regenten dringend empfohlen, abzudanken und für die Re- publik tätig zu sein.

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London, 14. November. (Privat- Telegramm.) Aus Peking wird gemel­det: Gestern wurde die Unabhängigkeit der Provinz Quaniung offiziell proklamiert. Die revolutionären Führer erließen eine Pro­klamation, worin sie den Mandschus ihre Güter garantieren, wenn diese den Schwur der Treue leisten. Viertausend Mandschus haben diesen Schwur schon geleistet und sind freige- laffen worden. In der gleichen Proklamation wird das Tragen von Zöpfen verboten.

Ier Kanzler im Luftschiff.

Eine Schwabenfahtt des Reichskanzlers.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 14. November.

Der PassagierlustkreuzerSchwaben" ist heute morgen elf Uhr dreißig Minuten auf dem Flugplätze Johannistal zu einer dreistündigen Fahrt aufgestiegen. Unter den achtzehn Passa- gieren befindet sich auch der Reichskanz­ler von Bethmann Hollweg, der mit feiner Gemahlin feine erste Fahrt in einem lenkbaren Ballon unternimmt. Die Schwaben erhob sich gegen halb zwölf Uhr in stolzem Flug in die Lüste, kreuzte einige Zeit über dem Flugplatz und entschwand bald in beträchtlicher Höhe den Blicken. Die Fahrt wird vom prächtigsten Wetter begünstigt.

Gin neuer Welt-Rekord.

(Privat-Telegramm.)

Patts, 14. November.

Der Flieger Molla legte gestern nachmit­tag mit vier Mitreisenden an Bord seines Zweideckers den Flug von Reims nach Mou- zon, eine Strecke von über hundettzehn Kilome­tern, in einer Stunde zwölf Minuten zurück und stellte damit einen neuen Weltre­kord auf. Die Fahrt, die bei ziemlich hefti­gem Winde unternommen wurde, verlief ohne jede Störung, trotzdem Molla auf der ganzen Strecke mit ftatt bewegter Lust zu kämpfen hatte. Die Motore arbeiteten während der ganzen Fahttdauer ausgezeichnet und Ausstieg und Landung verliefen ohne alle Schwierigkei­ten. Molla wurde in Monzon von einer titel» hundettköpfigen Menschenmenge jubelnd be­grüßt.

Windstille im Reichstag.

Rach dem Marokko-Sturm.

(Von unser« parlamentarischen Mitarbeiter.)

Nach ' den Stürmen der letzten Woche herrschte gestern tiefsteWindsttlle" im Reichstag. Auf der Tagesordnung stand die Interpellation der Sozialdemokraten, über die Entlassung mehrerer Arbeiter der Reichseisenbahnen, die den Behörden ge­genüber die Vertretung ihrer Kollegen über­nommen hatten. Von dem Straßburger Ab­geordneten Emmel, der die Interpellation begründete, wurde die Entlassung auf das schärffte bekämpft. Er erklärte, es handle sich hier um einen Bruch des den Arbeitern ge­währleisteten Koalitionsrechts und einen Miß­brauch der Amtsgewalt. Der preußische Ei- senbahnminister von Breitenbach (der die Ober­aufsicht über die Reichseisenbahnen führt) wies die sozialdemokratische Interpellation zurück: Er könne eine sozialdemokratische Agi­tation unter der Arbeiterschaft nicht dulden, namentlich nicht unter den Eisenbahnern der Westgrenze. Die in Frage kommenden Arbei­ter hätten gegen die Behörden gehetzt und deshalb entihffcn werden müssen. Die sich anschließende Diskussion verlief ziemlich einförmig; im Großen und Ganzen wurde der Standpunkt der Regierung von Rednern aller bürgerlichen Patteien gebilligt. Dagegen verlangten die meisten Redner die Festlegung eines Karen gesetzlichen Koalitions­rechtes, um falschen Auslegungen vorzu­beugen. Die Debatte kam gestern noch nicht zu Ende, man vertagte vielmehr die Sitzung auf Dienstag, wo noch das Gesetz über d.ie kleinen Aktien zur Erledigung kommen soll.' , 1 l -a-

Sitzums-Bericht.

Reichstagsfiitzung vom dreizehnten Novembek.

Am Bundesratsttsche: Eisenbahnminister von Breitenbach. Auf der Tagesordnung steht die Eisenbahnerinterpellation der Sozialdemo­kraten